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Die neue Welt · 1932-10-14 · Heft 265 (14.10.1932) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 265 (14.10.1932)
Date
1932-10-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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fcitift DIE NEUE WELT Nr. 265 Verteidiger Dr. Natan Korkes fährt seine Kanzlei Wien, 1., Seilergasse Nr. 16 T«l«phonnumm«rnr R*20»4-95 und ft»8?*S*14 irgend einen verdienten Juden aufstellen wollten, das leicht tun konnten. Denn die Listen, insbesondere aber die der weiteren Wählerschaft fast ganz unbekannt bleibenden Reichs-, respektive Landeslisten sind im allgemeinen der Kritik der Wählerschaft entzogen, die eben keine Liste, sondern eine Partei wählt. Ich schrieb weiter, daß sich das in Zukunft Rndern würde. Denn es sei klar, daß bei der Wiedereinführung eines modifizierte.n Wahlkreissystems es kaum möglich sein würde — wenn die antisemitische Verhetzung die gleiche' bliebe wie jetzt —, daß sich ein Jude mit Aussicht auf Erfolg um die Eroberung eines Wahlkreises bemühen werde. Das kurz die Situationsschilderung des Artikels, die, wie ich glaubte und noch glaube, klar genug ausgedrückt war, um zu zeigen, was ich darlegen wollte: Einmal ein sachliches Referat der gegenwärtigen Lage geben und zum zweiten eine ebenso sachliche Prognosestellung für die kommende Situation. Was geschieht aber? Herr Oberbaurat Robert Stricker wendet einen Leitartikel in der „Neuen Welt" daran, um nachzuweisen, daß ich in einem Anfall von erschrecklicher Würdelosigkeit in einer Weise, die jedes antisemitische Herz vor Freude hüpfen lassen müsse, diesem widerwärtigen Zustand nachgeweint habe, unter dem Juden, durch den Deckmantel einer Liste geschützt, von hinten herum ins Parlament hineinschlüpfen konnten. Mir läge also gar nichts daran, daß ein Jude offen und ehrlich als Jude sich ein Mandat erobere, und ich beklagte es sogar, daß in Zukunft ein Jude dazu gezwungen sein werde, Farbe zu bekennen! Der weitere Inhalt des Artikels bemüht sich, mein „Verbrechen" in den schwärzesten Farben zu schildern und mich entsprechend anzuprangern. Ich habe ein Recht darauf, mir diese Unterstellungen auf das schärfste zu verbitten. Es genügt nicht, aus einem Artikel, der eine Situation umreißen will, etwas herauszulesen und hineinzulegen, um dann .das schwere Geschütz seines Zornes dagegen aufzufahren. In meinem Artikel ist nicht mit einem .Wort ödermit einer An'deutung bedauert worden,, daß die wahltechnische Situation sich für uns Juden ändern wird. Ich. weine keinem Juden, gleichviel ob unge tauft, getauft oder dissidentisch getarnt, der nach dem Fortfall des Listensystems nicht mehr ins Parlament kommen wird, eine Träne nach, und es, gibt, wie gesagt, keine Sjtelie' 'fa/'mein'em.' Auf sät v die gegen mich spräche. Ich wiederhole nur immer wieder, weil man manches scheinbar dreimal sagen muß, daß der tatsächliche Sachverhalt nun einmal so ist, daß Parteien, die einen Juden sonst durchaus auf eine , Liste setzen würden, um ihn so durch das Schwergewicht des Parteiapparats mitwählen zu lassen,. Bedenken haben werden, einem Juden einen Wählte r'e 1 s anzuvertrauen, weil dort im Wahlkampf um E i nzelpersönen die antisemitische Waffe die beliebteste sein wird. "Darf man wirklich nicht in einem Ref erat zur Situation eine solche einfache Selbstverständlichkeit sagen, die doch zur generellen Schilderung der Lage gehört, ohne in den Verdacht zu geraten, entzückt davon zu sein, daß man auf diese Weise bisher auch als" Jude ins Parlament kommen konnte? Mir hatte beim Diktat dieser Artikelstelle eine wahre Anekdote vorgeschwebt, die Arnold Barth einmal erzählt hat. Er besuchte, als Junge mit seinem seligen Vater am Abend einer Reichs- oder Landtagswahl .eine fortschrittliche Wählerversammlung, in der der alte Geheimrat Cassel nach den einlaufenden Wahlresultaten geknickt davon Mitteilung, machen mußte, daß er unterlegen sei. Darauf sagten zwei biedere Fortschrittsleute hinter Barth vernehmlich zueinander: „Siehste, wenn wa den Itzig nich uffjestellt hätten, hätt'n wa jesiechtl" Mit anderen Worten, ich wollte — ohne im Rahmen dieses Artikels irgendwie Stellung zu nehmen ~ daraüf hinweisen, daß die deutsche Bevölkerung, insbesondere wie sie heute eingestellt ist, zum großen Teil ein offenes Votum für einen Juden ablehnen wird. Meine Beurteilung dieser Tatsache dürfte meinen engeren Freunden bekannt und auch Herrn Stricker klar sein. Für diejenigen, die auch diese Tatsacheneinschätzung noch aus mir nicht erfindlichen Gründen für „würdelos" halten wollen, darf ich noch hinzufügen: „Ich würde es außerordentlich begrüßen, wenn in der nun doch kommenden Ersten Kammer Juden sitzen werden, die ganz klar und deutlich als Vertreter' der jüdischen Religionsgemeinschaft — denn nur diese Möglichkeit kann es allerdings staatsrechtlich geben in Analog!' zu der zu erwartenden Ernennung oder Wahl von Vertretern der beiden christlichen großen Kirchen — dort sprechen und arbeiten können. Das deutsche Judentum hat ein Anrecht darauf, daß seine Stimme gerade in dieser Zeit, in der unsere Lehre und unsere Menschenwürde dauernd beschmutzt und verdächtigt werden, vor den Ohren des ganzen deutschen Volkes gehört wird. D i i s e Juden werden dann wirklich die Aufgabe haben, jüdische Würde und Geistigkeit ebenso wie das wirtschaftliche und politische Lebeneinteresse der deutschen Juden zu -vertreten. Und aus dieser meiner für jeden bewußten Juden ja wohl BelbstverBtf'-Glichen Einstellung heraus, dürfte wohl auch Herr Stricker den Eindruck gewinnen, daß er mich nicht nur völlig mißverstanden, sondern auch in überflüssiger Aufregung einen Denkfehler begangen hat, der ihm bei einigem Nachdenken über meine bisherige amtliche Tätigkeit und bei etwas stärkerem psychologischem Einfühlungsvermögen unmöglich hätte unterlaufen dürfen. Hans Goslar. « Ich stelle erfreut fest, daß Ministerialrat Goslar sich so energisch gegen Jeden Verdacht einer Sympathie mit der Gesellschaft der ganz- und halbgetäuften jüdischen Politiker wehrt, daß er nachdrücklich erklärt, daß er dem Verschwinden dieser Gesellschaft aus dem öffentlichen Leben keine Träne nachweint. Aber nachdem er mich so tüchtig zurechtgewiesen hat, verlange ich von ihm gerechtes Einsehen, Wenn er von einem Mißverständnis ^spricht, muß festgestellt werden, daß er nicht ganz unschuldig daran ist, daß ein solches Mißverstand p aufkommen konnte. In diesem Artikel spricht er eben mit Bezug auf das Verschwinden der verkappten Judenkandidaturen als ,;Nachteil für uns Juden", ohne hinzuzufügen, daß er — was ich ihm sehr, sehr gerne glaube — diesen nunmehr unmöglichen Kandidaturen keine Träne nachweint. Die Schärfe meines Angriffes entsprach dem in mir aufgespeicherten Schmerz und Zorn über die Verwüstungen, welche die halb- und ganzgetauften politischen Streber und Parasiten in der jüdischen ünd nichtjüdischen Gesellschaft anrichten. Und sie entsprach der großen Enttäuschung, die mir gerade Hans Goslar, den ich sehr hochschätze, mit seinen^ -7-«wie er ja jetzt selbst feststellt —- unvollständigen Ausführungen bereitete. Ich nehme mit aufrichtiger Freude zur. Kenntnis, daß-ein Mißverständnis vorlag.7! ' ' Robert Stricker. MADY CHRISTIANS CONRAD VE IDT in dam hafteran und ipannandan " mutikalttchan Abenteuerfilm dar Ufa mit Wdlf Albadifffetty, Ursula Grablay, Otto- Wallburg Von Leo Lenz. Drehtmch: C. I. Braun und Pti. L. Mayring. Musik: Ed. Kiinneke. Produktion: Bruno Quday. Regie: Gerhaid Lambrecht GARTENBAU-KINO, I. T4U^> UFA-TON-KINO, II. WIENZEILE-KINO, VI. STAFA-KINO, VII. KOLOSSEUM-KINO, IX. -r " \ v;;;'; ' , ■ ■ { Versuch einer1 netien Dreyfus-Affäre j Durch die Verhaftung von zwei -Fälschern wurde;das. 'KntsAeluut.v e:i n.e.tii'elnvQ v-c y t u Ii - A f f ä v e 'in Frankreich verhütet.. und/>5eiu-.«&&r ü hm t>erj üdi-;-'ß eher.Flieg er, gegen .'den eich der Verdacht, -Hoch-' verrat begangen zu ha-ben; gerichtet.hatte, •rehabilitiert. . , Der, Hergang war folgender : Paul -Louis W e i 1 e r, Sohn des verstorbenen jüdischen. Senators Lazare . Weiler, geschäftsführender . Direktor der Compagnie Internationale de la. ■ Navigation Aerienüe, der sich als französischer Flieger im Kriege hervorragend ausgezeichnet hatte und. dreizehnnial in den Heeresberichten lobend erwähnt wurde, .wur.de beschuldigt, Betriebspatente des größten; französischen Flugmotorunternehmens an Deutsc h l_a n d verkauf t- und,' unr dies zu ermöglichen, hohe f ranzösifiche Regier ii n r s I) c a m t c" b esto <■ h e n z u h a b e n. Die Affäre bilUe'te;die '. letzte ^ocliehindurch das; Tagesgespräch; ypiy P-anifi, Schlje$$oh "wurden 'am 6. Oktober zwei Franzosen yer-haftet,i:^on denen festgestellt Wurdq, daß'sie^eine, Reihe Dokumente fälschten, ans denen ..... " * * V * ' . die ' Schuäd Weilers hervorgehen sollte.. . Sie . fälschten auch Schecks', die angeblich von Weiler an Beamte als Bestechung ausgefolgt sein sollten. Noch dst nicht aufgeklärt, anie welchen Motiven heraus die Fälscher diese Intrjge gegen t Weiler gesponnen haben. An Interesse gewinnt die Angelegenheit durch die Perßönlichkeiit des einen der Fälscher, Jean L.ubersac, eines Bruders des früheren Senators 'Lubersac. < Für den Wiederaufbau von Safed Unter dem Vorsitz der Bürgermeisterin des Londoner Bezirks Stepney, Miss Moses, fand in der Kunstgalerie von Whitechapel eine vom Fro-Safed-Kömitee veranstaltete Beratung statt, in der Dr. O'Dönovan, Unterbausmitglied für Stepney, erklärte, er werde In Beruf und Sport sich frisch und ausdauernd zu erhalten, gibt es nichts Besseres als ständige Körperpflege. Ein ideales Mittel dazu finden Sie in dem seit Jahrzehnten bewährten, in tausenden Familien beliebten DIANA- Franzbranntwein < mit Menthol« Kräftigt durch tägliche Massagen ''Einreibungen) Muskeln: und Nerven, erhöht die Ausdauer und Widerständskraft. '— Gleich wertvoll zur Mund- und Haarpflege.' In Jedem besseren Geschäfte erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich «DIANA" und nehmen Sie nur „DI AN A«. Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. sich bei der Regierung nach der Sichtung befnlihen, daß sie an dem Wiederaufbau von Safed, das bei den arabischen Unruhen im Herbst 1929 zu einem großen Teil zerstört wordeijt.ist, mitwirkt. Es folgten Ansprachen von RabbJ Abramski, denl $i£ep räsid-enten der Reyisionistisohe,A : Wre 1 torgaitigation Meer Großroann und dem politischen Sekretär der Weltorganisation Agu das Jisroel A. H. Goodman. Großmann gab die Anregung, daß die Londoner Jud^heit Safed „a4öptieres" -~ nach: dem Beispiel der l,Ädetitt£ttÄu im Kriege ^rstörtey,; belgischer und französischer .Städte durch englische Städte ■—, d» h., daß die Londoner' judenheit die Verpflichtung auf sich nehme. Safed wieder aufzubauen. Goddman führte aus, die Weltjudenheit halte ohne Palästinä keinen Existenz^ grund und Palästina hätte ohne seine heiligen Städte Safed und Hebron keine wirklich jüdische Zukunft. Juden alsKandidaten für höchste Ämter des Staates New York Herbert H. Lehman zum demokratischen Kandidaten für den Posten eines Gouverneurs des Staates New York und George Z. Medalie zum republikanischen Kandidaten für das Amt eines Senators des Staates New York nominiert. Aus New York wird berichtet: Oberst Herbert H. Lehman, bisher Vizegouverneiir von New"York/Ist von der Konvention der Demokratischen ,Part ei" | zum demokratischen Kandidaten, für. das Amt eines, G ö"ifc'. verneurs dieses größten und einflußreichsten Staates; durch Akklamation nominiert, worden. ' < Der Nomimeruhg ging 'ein 'zweitägiger, heftiger Kampf innerhalb der Konvention voraus. Die vielvermögende Organisation Tammany Hall widersetzte sich anfänglich der Kandidatur Lehmans, weil diese vom Gouverneur Roosevelt, dem demokratischen Kandi- : daten für das Amt eines Präsidenten der Vereinigten Staaten, unterstützt wird. Tammany Hall aber bekämpft Roosevelt, weil er es war, der den,'Rücktritt des Bürgermeisters von New .York, James W a 1 k e r, erzwang. Da aber außer Gouverneur Roosevelt auch der frühere; •Gouverneur AI. Smith für Lehmans Nominierung. ein-v trat, brach .schließlich die. Opposition von Tammaqy; Ha.\h> zusammen,, viele Delegierte liefen aus dem Lager yorM Tammany Hall in das Lager Lehmansüber, * sq . daß* schließlich die Nominierung e i n s t i mm i g , erfolgen ., konnte. ,» ..: „„Dfe Npminierung Lehmans ..wird in der amerika,-,. nischenr öffentlichen Meinimg bereits, a ls tat-s ä^ch-:,. ■liehe Wahl ge wertet, da-*4er ^öste.n;:eiae$ %GpvpA verneurs des Staates New York seit einer ununterbrochenen Reihe von Jahren in demokratischen Händen und, der Staat New York eine demokratische Feste ist. Die zweite wichtige Nominierung, die die amerikanische Oeffentlichkeit beschäftigt,' ist die von George . Z. Medalie, Distriktsanwalt der Vereinigten Staaten,^ zum Kandidaten auf den Posten eines S e n ä- , tors des Staates New York, die auf der Konvention der Republikanischen Partei erfolgt ist. Wird Medalie gewählt, so wird er der erste jüdische Senator des Staates New York sein. In den Vereinigten Staaten gab es bis jetzt nur drei jüdische Senatoren. Auch im Staate Ohio kandidiert gegenwärtig ein Jude, Gilbert Bettman, für den Posten eines Senators des Staates Ohio. Im Jahre 1928 kandidierte Albert G. Ottinger, damals Oberstaatsanwalt von New York, ein Schwager des verstorbenen LouiS' Marshall, für die Republikanische Partei auf den Posten eines Gouverneurs von New York, er unterlag aber gegen den Demokraten Franklin Roosevelt. 1912 twar der jüdische Diplomat Oskar. S.'Straus Kandidat der Partei des einstigen Präsidenten" Roosevelt für den Posten eines' Gouverneurs des Staates New York; auch er unterlag im' WahlkämpX' Wenn Lehmann jetzt gewählt wird, wird erden erste jüdische Gouverneur des Staates New York sein. Hingegen haben' in anderen Staaten Juden als Gouverneure gewirkt und wirkenheute noch. 1803 wurde David E m a n u e 1 zum Gouverneur .von Georgia, 1863 Michael Hahn zum Gouverneur von Lquisinia,. 1874 Edward S a 1 o m o n zum Gouverneur von Washington, 1872 Franklin Moses zum Gouverneur von South Carolina, 1901, 1915 und 1917 — also in drei Perioden — Moses Alexander zum Gouverneur von Idaho, 1914 Simon Bamberger zum Gouverneur von Utah gewählt. Gegen- wärtig gibt es zwei jüdische Gouverneure: Julius M. Meier im Staate Oregon, Artur Seligman im Staate New Mexico. Der ehemalige Kommandant der Mordbataillone — Ministerpräsident Der Reichsyerweser Ungarns, Nikolaus Korthy, hat den bisherigen Heeresminister Julius Gömbös mit der Bildung der neuen Regierung an Stelle des zurückgetretenen Ministerpräsidenten Grafen Karolyi betraut. Gömbös hat bereits ein Ministerium gebildet und vor Pressevertretern sein Programm entwickelt. — Julius Gömibüs ist einer derjenigen, die nach der Niederzwingung des kurzen kommunistischen Regimes in Ungarn die Aera des Weißen Terrors einleiteten, in der zahlreiche jüdische B ü rg e r in mehreren Teilen Ungarns, ungarische Patrioten die nie mit Kommunismus etwas zu tun gehabt hatten, g etötet wurden. Gömbös ist auch Mitschöpfer des ungarischen Ramsen schlitz ler tu ms. Als er vor einigen Jahren, noch unter der Regierung Bethlen, das Ressort der Landesverteidigung übernahm, gab er Er-

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