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Die neue Welt · 1932-10-07 · Heft 264 (7.10.1932) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 264 (7.10.1932)
Date
1932-10-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT vorl>; i. «tiir/te sicli «vhuin von rückwärts auf ihn und brachte ihm \c Ici/uü^t'ii am Kopf und im Gesiebt bei. Der ( Vn-rfnl e i«» konnte sieh naturgemhfl gegen eine deraHitc l »)■• mm Ut nicht zur Wehr setzen und rlÜehM-.i' in (hi« gegenüberliegende Hotel „Zur alten Post" \ "t: den tapferen Wegelagerern verfolgt, ersuchte er d<>!'><•«; t?er de* Gasthofes „Zur alten Post", Karl B r ii n ii e r und Km«, ihm ein Zimmer als Zuflucht über Xflelit /.u \ <m mipfeit. Die genannten EigewtUmer wieseu den iifu Kaufmnnri jedoch mit der Bemerkung; ..Kür Sie Inben uir kein Zimmer", ab und überließen ihn. im \oi iMiiiu der HeMauration, den tapferen Haken-? kreuztfe.vlleti o\s Beute, die abermals über ihn herfielen und ihn mit Stahlruten. besonders am Blicken, bearbeiteten. Arthur Rephan, der erheblich verletzt wurde mußte noch im Laufe der Nacht ärztliche Hilfe in An xprnrh nehmen. Die polizeiliche Anzeige wurde er stattet. Die beispiellose Roheit und Heimtücke dieses I eher fallen muß angeprangert werden, aber «»ich das Verhalten des Besitzerpaares Brunner des Hotels ..Zur ■ilten Post" soll zur Information jüdischer Reisender die fn Krem« Aufenthalt zu nehmen beabsichtigen, der jüdischen Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden. Nr. 261 und schlechte Menschen gibt und daß, wenn sie Juden nicht anstellen, sie sieh vielleicht des Nutzens einer ausgezeichneten Intelligenz begeben. Im Gesehnftsleben gilt nicht religiöse Ueberzengung, sondern Intelligenz. Aus England Die englischen Faschisten wollen nicht Antisemiten sein , .Sir Oswald Mosley, das Oberhaupt der ouu gegründeten British Union of Fascists, gab Uber die Stellung »einer Partei zum Antisemitismus die folgende Erklärung ab: Antisemitismus ist kein Problem des Faschismus und spielt deshalb in der Politik der Britischen Faischistisohen Union keine Rolle. Wohl greifen wir Juden an, sofern sie sich mit umstürzlerischer Arbeit, wie z. fi. Leitung der Kommunistischen Partei, oder mit internationalen finanziellen Transaktionen, wie ee diejenigen waren, die kürzlich auch England erschüttert haben, befassen: niemals aber greifen wir Juden an, nur weil sie Juden sind. Diejenigen Juden, die loyale Bürger Englands sind und lieber England als seinen Feinden dienen, werden von uns immer fair behandelt werden. In dem eoeben veröffentlichten Programm der British Union of Fiscists wird der Juden Uberhaupt nicht Erwähnung getan. Tatsache aber ist, dal) die meisten der in England bestehenden kleineren antisemitischen Gruppen sich um Moaley scharen. Die Erklärung Mosley« wird so gedeutet, daß er sich Über «eine Stellung zur Juden-, frage noch nicht schlüssig geworden ist, immerhin fällt seine scharfe Betonung des n a t i o n a 1 - e n g 1 i b c h e n Charakters der Bewegung auf und man nimmt an, daß die«e Betonung indirekt gegen die Juden geriohtet sei. Mosley greift die Rothschilds direkt scharf an, aber nnf im Rahmen seiner Bekämpfung der Hochfinanz. Antisemitismus in Nordengland Die Manchester-Ausgabe des „Daily Express" gibt eine Rede dee Rev. Dr. I. Abel*on, des Geistlichen der Großen Synagoge von Leeds, die dieser vor der Sftlem-Rruderschaft, einer christlich-kirchlichen Organisation, auf Einladung des Pastoren-Stabes gehalten hat, wieder, in der Dr. Abelson ungefähr ausgeführt hat: Junge Juden und Jüdinnen klagen, daß «ie, weil «ie Juden sind, von christlichen Arbeitgebern abgewiesen werden. loh selbst kenne viele Juden, die bei Christen beschäftigt sind, aber ganz unbegründet sind diese Klagen denn doch nicht Wo man Juden nicht genügend kennt, begegnet man ihnen mit Mißtrauen und Vorurteil. Oft ändern jüdische junge Leute ihre jüdisch klingenden Namen, um eine Anstellung zu bekommen. Leeds hat 25.000, Manchester 35.000, Liverpool 10.000, Newcastle 2000 Juden; kleinere jüdische Gemeinden existieren in Hull, Bradford und Sheffield. In Leeds werden Juden von Inhabern gewisser Restaurant« und Tanzlokale nicht gern gesehen. Vielfach werden Billettverkänfer für private Tanzvergnügen angewiesen, keine Billetts an Juden abzugeben. In Manchester sind Juden aus gewissen Tennis- und Golfklubs sowie einigen geselligen Organisationen ausgeschlossen. Eine hervorragende jüdische Tennisspielerin, Mitglied eine* Tennisklubs in Manchester, wurde ersucht, „wegen ihrer Religion" aus dem Klub auszuscheiden. . Nathan L«*ky, Führer der Jüdischen Gemeinde in Manchester, der in der gleichen Versammlung sprach, erklärte, ihm sei nur ein Fall feinlicher Gesinnung gegen einen Juden in Manchester bekannt. In dem Krankenhaus' der Jüdischen Geinpinde, das auch nichtjüdischen Patienten offensteht, herrscht ein Geist des Wohlwollens zwischen Juden und Christen. In Liverpool macht »ich hin und wieder antisemitische Gesinnung geltend, doch könnemin nicht behaupten, daß Arbeitergeber strikte Regeln hinsichtlich der Religion ihrer Angestellten aufstellen. Rev. Sqmuel Frampton, jüdischer Senior-Geistlicher, sagte, wenn viele junge Juden nur schwer eine Anstellung finden, ho liege dies an der Wirtschaftsdepression und nicht an religiösen Vorurteilen. : , Die Manchester-Ausgabe des „Daily Express" führt biezu im Leitartikel aus: Die Arbeitgeber tollten sieh sagen, daß m in Jeder Religionsgemeinschaft gute Die große Pfäriue der Klassen* lotterte Bei der am 4. ds. M. stattgefundenen Schluß- Ziehung der 5. Kla-sse der 27. Klassenlotterie wurde die .große Pnirai« Von S 500.000 wieder von acht glücklichen Kunden der Firm« Scbwalm & Camp, gewonnen. Bestellungen zur 1. Klasse der 28. Lotterie ehestens entweder per Postkarte oder an unserem Schalter, Wien, I., Reich sratsstraße 1 1, bezw. telephonisch, A-29-2-31, erbeten. Die antisemitischen Unruhen in Tunesien — Gegen Herriot Die französische Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus, hielt in P«iris eine Kundgebung ab, die sehr stark besucht war und in der gegen die Duldung der antisemitischen Hetze in Tunesien seitens der französischen Zivilbehörden sclinrf protestiert wurde. Bernard Lecaehe, der Vorf»itzi«ii<Ie der Liga, schilderte den Verlauf der antisemitischen Unruhen, die eine Folge der Hetze arabischer Agitatoren aus Palästina waren, und wandte sich auch gegen die Ausführungen des Ministerpräsidenten Herriot, Ehrenpräsidenten der Liga zur Bekämpfimg de« Antisemitismus, die dieser in einem Schreiben an die Liga gemacht hat. Iterriot, sagte Lecaehe, hatte keinen Anlaß, die Liga aufzufordern, ihren Einfluß bei den Juden io Tunis dabin geltend zu machen, daß jede Unklugheit, die fälschlich als gejren die Moslem-Religion gerichtet gedeutet werden könnte, vermieden werde. Herriot mußte wissen, daß die Juden Tunesiens niemals etwas getan haben, das die Gefühle der Moslems hätte verletzen können. Jetzt aber .müsse die französische Regierung die energischesten Maßnahmen ergreifen, tun antijüdische Unruhen in Tunesien nicht mehr zum Ausbruch kommen zu lassen. Bei Magen- und Darmbeschwerden- Eßunlust, Stuhlträgheit, Aufblähung. Sodbrennen. Aufstoßen, Benommenheit, Schmerz in der Stirn, Brechreiz bewirken 1—2 Glas natürliches „Franz-Joscf-Bitterwasser gründliche Reinigung des Verdauungsweges. In Apoth. erh. Der Leiter des Jüdischen Nationalfonds Doktor A. Grnnowsky übt vernichtende Kritik am Siedlun#swerk der Zionistischen Organisation (Keren Hajessod) — Die unzureichende Antwort Dr. A. Ruppins — Bestätigung der Forderungen und Kritik Dr. E. Soskins, des landwirtschaftlichen Referenten der zionistisch-revisionistischen Union Seit Jahr und Tag übt die zionistisch-revisionistische Opposition sachliche Kritik an der Finanz- und Kolonisationspolitik der zionistischen Leitung. Unter Anführung von Tatsachen und Ziffern weist sie nac!i, daß das von einem mächtigen Beamtenapparate unter den jüdischen Massen aufgebrachte Geld in Palästina unzweckmäßig verwendet wird, daß das von der Leitung geübte System der landwirtschaftlichen Kolonisation nur wenige Menschen ins Land bringt und diesen wenigen zu keiner gesicherten Existenz verhilft, sondern sie in ständige Abhängigkeit von weiteren Spenden versetzt. Mit der Kritik hat die revisionistische Union — besonders ihr Vizepräsident und Referent für landwirtschaftliche Kolonisation Dr. E. Soskin — bestimmte sachlich c Vorschläge betreffend das System der ländwirtschaftlichen Siedlung verbunden. . . v_ ^. „ <% , Einige Jahre hat sic|i.w die., zionistische Leitung damit begnügt, diese Kritik ipd Forderungen als parteipolitisches Geschrei zu stigmatisieren. Ohne auf den sachlichen ■ Inhalt'' einzugehen*,.* haben viHteT Parteigänger, Zeitungen und Beamten die Legende von der hysterischen, gehässigen und unrealen revisionistischen Opposition, in allen Tonarten, femenjund ordinären^' gesungen. Jetzt aber beginnt dieses Rezept die Wirkung zu verlieren. Der ruinöse Mißerfolg des Systems tritt so kraß, so bedrohlich in die Erscheinung,!daß nunmehr Kritik und Warnung in Kreisen —- weitab* von der revisionistischen Opposition—- einsetzen, und' zwar vehement. In Palästina hat ein Mann das Wort ergriffen, der über den Verdacht irgend weicher positiven Beziehung zum Revisionismus hoch erhaben und dessen fachmännische Eignung auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Kolonisation von der zionistischen Leitung selbst anerkannt ist. Dr. A. Granowsky, der höchste :Beamte des Direktoriums der jüdischen Nationalfonds und dessen Referent in Kolonisationsfragen, bespricht in der palästinensischen Zeitschrift i.Oekonomipches Magazin für Palästina und den nahen Orient" das von der zioni-. stischen Organisation favorisierte System der gemischten Wirtschaft (Getreidebau, Viehzucht, Milchwirtschaft) und die vom privaten Kapital betriebene Pflanzungswirtschaft (Orangen, Tomaten, Bananen, Gemüse, Geflügel usw.). Sein Urteil über das System der zionistischen Organisation ist direkt vernichtend, Er bezeichnet es als hoffnungslos. Dr. Granowsky schreibt u. a.: „Mit ganz geringen Ausnahmen beschäftigen sich die 800 Einzelwirtschaften (mit 4000 Seelen) und die 22 Kwuzoth (kommunistische Kolonien mit 2100 Seelen), welche von der Zionistischen Organisation (Keren Hajessod) gegründet wurden und erhalten werden,. mit Getreide- und Milchwirtschaf t. Alle . diese Wirtschaften befinden sich ständig in einem Krisenzustand und gehen, wenn nicht bald Abhilfe geschaffen wird, einer Katastrophe entgegen. Wohl hat die agrikultureile Weltkrise da mitgewirkt. Aber die Hauptursache ist darin zu suchen, daß diese Art von gemischter Wirtschaft in Palästina unrentabel ist. Die Erfahrung hat es erwiesen, daß diese Art von Wirtschaft eine europäische Kölonistenfamilie kaum noch ernähren kann. Trotzdem die jüdischen Kolonisten den arabischen weit Uberlegen sind,.trotzdem sie nach den modernsten Methoden und somit den modernsten Maschinen arbeiten, ist es ihnen nicht gelungen* einen genügenden Ertrag herauszubringen. Sie müssen weiter und weiter mit Defizit arbeiten.; Ein Beispiel:'Eine bedeutende Kolonie welche be«i reits im Jahre 1920 gegründet und vom Keren Hajessod erhalten wurde. Sie wird als die größte kolonisatorische Leistung in den letzten zehn Jahren angesehen. .Trotzdem die dortigen Kolonisten das ausgesuchteste,. allerbeste Element darstellen und mit unvergleichlicher Energie und unerhörtem Enthusiasmus arbeiten» ist es ihnen nicht gelungen, es dahin zu bringen, daß sich ihre Wirtschaften aus eigener Kraft erhalten. Dem letzten Bericht ist zu entnehmen, daß sich der Ertrag einer Einzelwirtschaft auf 140 Pfund beläuft, die notwendigsten Ausgaben aber 180 Pfund betragen. Das bedeutet also nach zehnjähriger, angestrengter hochqualifizierter Arbeit ein Defizit von 40 Pfund per Einzelfarm. Man muß fragen: Wie konnte es geschehen, daß alle von der Zionistischen Organisation in der Zeit nach dem Kriege gegründeten Siedlungen nach diesem System eingerichtet wurden, trotzdem die früheren, in Palästina gemachten Experimente zur Vorsicht mahnten? Warum hat man noch in einer Zeit Siedlungen solcher Art geschaffen, da man bereits, sah, daß die Anlage von Fruchtpflanzungen (Orangen, Bananen, Gemüse usw.) hohen Nutzen trägt? Keine Art von Kolonisations-Politik kann in Palästina einen, Erfolg erzielen, die nicht dem Grundsätze Rechnung .trägt» .daß .in Palästina. nur eine Landwirtschaft jgute, Erfolge -/erzielen kann, welche hochwertige, exportfähige Produkte, hervorbringt, also die j Pflanzungswirtschaft. Wie das . Land, , so . sind auch die, < jüdischen Kolonisten hauptsächlich für diese Art der 1 Landwirtschaft geeignet." * Diesen Ausführungen tritt Dr. A. Ruppin im JBlatte „Dawar" der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Palästinas entgegen. Dr. A.. Ruppin ist der vieljährige 1 landwirtschaftliche Referent der ..Zionistischen Organisation, der der eigentliche Schöpfer des von Dr. Granowsky so rückhaltlos verurteilten Siedlungssystems ist Die von Dr. Granowsky als ewige Defizit-Wirtschaften gekennzeichneten Siedlungen im Emek sind über Weisung Dr. Ruppins mit Geldern des Keren Hajessod eingerichtet und betrieben worden. Im wesentlichen gründet Doktor Ruppin seine Abwehr der Granowskyschen Angriffe gegen sein System auf zwei Argumente: 1. Die Anlage von Pflanzungs-Kolonien ist wesentlich teurer. Man hätte daher mit demselben Gelde weniger Menschen in Pflanzungswirtschaften (Anm. der Red.: Nach der Rechnung Doktor Ruppins um ein Drittel weniger) unterbringen können. 2. Die Produktion von hochwertigen Exportartikeln (Orangen, Bananen, Tomaten, Gemüse usw.) wird bedroht, wenn etwa durch einen Krieg oder sonstige. Verwicklungen der Schiffsverkehr im Mittelmeer behindert oder durch Zollkriege Importländer gesperrt werden. Die von Dr. Granowsky erwähnten Ziffern und Tatsachen bestreitet Dr. Ruppin nicht. Man kann sagen, daß die Ausführungen Doktor Ruppins eine Bestätigung und keine Widerlegung der gegen ihn und sein System erhobenen Anklagen sind. Zu Punkt 1. braucht nur erwähnt zu werden, daß das „billigere" Kapital für die ewig passiven Getreide- und Viehwirtschaften verlorenes Kapital ist, das keine reellen Existenzmöglichkeiten geschaffen hat und nie mehr zum' Vorschein kommen wird, im Gegenteil, fortwährend neue Zuschüsse fordert. Auf Pflanzungswirtschaften verwendet, hätte das gleiche Kapital dagegen eine anfangs wohl etwas kleinere Zahl gesicherter Existenzen geschaffen. Die Pflanzungskolonisten hätten nicht nur leben, sondern das aufgewendete Kapital rückerstatten können. Das Kapital hätte weiter arbeiten können, die Errichtung neuer Wirtschaften ermöglicht. Hier verlorenes Kapital und Menschen ohne gesicherte Existenz, dort immer wieder aufscheinendes, lebendes Kapital und Menschen, die nicht nur ausreichend leben, sondern auch vorgestrecktes . Kapital rückerstatten können. Hier kranke 'Spendenwirtschaft, dort gesunde Kreditwirtschaft. Absolut abzuweisen ist wohl der Hinweis auf die Bedingungen im Kriege und im Falle schwerer Verwicklungen. Kriege und schwere Verwicklungen erschüttern die großen und? ürksten Staaten und

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