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Die neue Welt · 1932-09-30 · Heft 263 (30.9.1932) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 263 (30.9.1932)
Date
1932-09-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 265 AUS DEUTSCHLAND **mamammmmmmmmmmmmmmmmmtmmammmmmmr z/Klärung" Zwölf Autoren und Politiker über die Judenfrnge Innerhalb der Bevölkerung des Deutschen Reiches wohnen 550.000 Juden zerstreut, wirtschaftlich verbunden mit ihrer Umgebung. Man sollte also annehmen, dafl dem deutschen Volke diese kleine jüdische Minderheit bekannt ist. Daß dem nicht so ist, läßt die Judenfrage entstehen. Was man unter der Judenfrage zu verstehen hat, ist unter den beteiligten Kreisln noch nicht geklärt. Eindeutig steht jedoch fest, daß es um das Kennen der jüdischen Dinge bei dem deutschen Volke sehr schlecht bestellt ist. Und.wenn eine kurze Antwort auf die Judenfrage zu geben wäre» könnte sie nur heißen: „Lerne die Juden kennen." Auf diesem Wege sucht nun der politisch rechts» stehende Verlag „Tradition Wilhelm Kolk, Berlin" den Anfang zu machen. Er trommelt zwölf Autoren zusammen, die in mehr oder Wenig geistvoller Form ihre Ansichten über das Wesen des Antisemitismus und das Wesen der jüdischen Gemeinschaft zum besten geben. Bei jedem der Autoren ist in dankenswerter Weise eine kurze Biographie beigegeben, die es dem Leser ermöglicht, den Standort des Autores zu erkennen. Es handelt sich um folgende Herren: Ernst Johannsen, Hans Blüher, Max Naumann, Robert Weltsch, Graf Reventlow, Richard Euringer, Hanns Johst, F. W. Heinz, Alfred Kantorowicz, Otto Heller, Friedrich HielsCher, Walter v. Holländer. Dabei füllt auf, daß jüdische Positionen fast nur von A ufl(fen sei t er n wahrgenommen werden, wenn man von dem Redakteur der „Jüdischen Rundschau", Robert Weltsch, absieht. Man kann wahrlich die Herren Max Naumann odet Otto Heller, d. h. die Vertreter der nationaldeutschen und kommunistischen Juden nicht als maßgebende Exponenten des deutschen Judentums betrachten. Es fehlen immerhin die Vertreter der deutschen Zentralvereins-Juden und der liberalen und konservativen religiösen Richtung. Diese Unterlassung bedeutet einen empfindlichen Mangel in Bezug auf die Vollständigkeit der Meinungsäußerungen. Die Lektüre des Buches ist nach einer Richtung besonders interessant. Klärung wird keineswegs erreicht. Man möchte im Gegenteil annehmen, daß durch das bis auf die Spitze getriebene Theoretisieren der einzelnen Verfasser die Dinge noch viel unklarer werden, als sie vorher waren. Fast in allen Fällen Wird versucht, das Gefühl in eine geistvolle Theorie umzuwandeln. Die Darstellungen des Zionisten Robert Weltsch und des Friedrich Wilhelm Heinz machen davon eine Ausnahme. Der Wert dieses Buches liegt darin, daß man lernt, welche Abgründe zwischen beiden Gemeinschaften bestehen. Insoweit wird eine Klärung erreicht. Das Problem selbst wird in keiner Form durch dieses Sammelwerk einer Lösung nähergefÜhrt. Die Gegnerschaft ist gefühlsmäßig begründet. Das erkennt man und hat seinen Grund in der anormalen Situation des jüdischen Volkes und in dem Assimilationsstreben der Juden. Wenn man alle Auslassungen der deutschen Schriftsteller auf einen Generalnenner bringen wollte, so hätte man nur das klassisch zionistische Werk von Leo Pinsker, „A u t o e m a ri z i p ation", in die Hand zu nehmen und dort die Kapitel über Judophobie und den ewigen Ahasverjuden herauszuziehen. Mehr als je erkennt man, daß den meisten Deutschen die nationalen aufbauenden Kräfte im Judentum unbekannt sind. Insoweit ist es auch zu bedauern, daß nicht ein Vertreter der national-aktivistischen jüdischen Kreise aus der revisionistischen Bewegung zu Wort gekommen ist. Worte, welche der nationalsozialistische Schriftsteller Hanns Johst glaubt Aussprechen zu müssen, hätten dann unausgesprochen bleiben könnten. „Der Jude sollte, wie wir jungen Deutschen, den Mut aufbringen und sich erneuern." „Der Jude, der Halbjude oder wie immer er geistig oder seelisch durch Blut oder Zucht der jüdischen Sphäre zugehörig sei, der Jude sollte sich auf sein Volkstum besinnen. Dann brauchte er gar nicht die schöne and edle Uebertreibung, die gläubige Utopie des Zionismus, dann könnte er als Einheit, als klar begrenztes Ethos und einheitliche Substanz neben uns Deutschen, mit uns wirksam sein." „Uns trennt nur Mimikry, Verleugnen... Verwischen . . . In-Abrede-Stellen . . . Die Stellungnahme zu der „gläubigen Utopie" des Zionismus erscheint nicht genügend durchdacht, die übrige Stellungnahme scheint richtig empfunden. Hätten wir dem etwas hinzuzufügen? Das Sammelwerk sollte allgemein gelesen werden, um einen UeberbÜck über Stimmungen und Ansichten des deutschen, judenfeindlichen Kreises zu gewinnen. Das ist vom jüdischen Stand,- punkt der Wert dieses Buches. Klärung wird damit nicht erreicht. Dr. Paul Arnsberg, Frankfurt a. M. Randbemerkungen zum 24* Delegierlenlag der Zionfelu sdten Vereinigung für Deutsch? land Aus Berlin wird der „Neuen Welt" geschrieben: . x ^er nfutrale Beobachter, der die letzten DelegierterAage der Z. V. f. D. mitgemacht hat, ist erstaunt und erschrocken über den. Niedergang des deutschen Zionismus, wie er sich auf dem letzten Delegiertentage gezeigt hat. Eine Stimmung der Resignation, des iNaedergedrücktsems, der Langeweile herrschte auf diesem Delegiertentage, wie sie noch nie vorher aui irgendeiner Tagung von deutschen Zionisten zu beobachten war. Vorbei ist die Zeit, wo die deutschen Zionisten richtunggebend für den Weltzionismus waren. I< ruher horchte die ganze zionistische Welt aüf die Aeußerungen, auf die Beschlüsse, auf die Reden der deutschen Delegiertentage auf. Heute kümmert sich Kein Mensch mehr darum.. Seine Bedeutung für den Welt Zionismus hat aufgehört. Die alten Führer des deutschen Zionismus, die ihn begründet und den Delegiiertentagungen durch die Macht ihrer Persönlichkeit Bedeutung und Profil gegeben haben, wie Professor Dr. Heinrich Löwe. Dr. Klee, Ut. Kollenscher, Direktor Karenski, Justizrat Dr. Bodenheimer, waren auf dem Delegiertentage überhaupt nicht erschienen. Sie fehlten, soweit sie nicht schon Revisionisten geworden waren'1 fius dem Grunde, weil sie wußten, daß dieser DelegierHehtag ohne' Bedeutung sein-würde. Die heutigen Führer des deutschen Zionismus, die Pierren in der Meineckestraße, haben den deutschen Zionismus „herzlichen Zeiten" entgegangeführt. Die Zahl der Delegierten ist bedeutend gesunken. Wais man sah, waren meistens Beamte der Z. V. f. D. oder anderer zionistischer Institutionen. Und was stand auf der Tagesordnung und womit beschäftigte sich der Delegiertentag? Mit "dem Wesen und den Ursachen des Nationalsozialismus! Zwischen Krojanker und Blumenfeld war eine Deibatte darüber ausgcib rochen, ab Blamenfeld in seinem Referat auch alle Ursachen des Nationalsozialismus erwähnt habe. Philosophische, wissenschaftliche Erörterungen ohne Interesse Und ohne Bedeutung für die Gesamtheit. Weil der Delegiertentag nichts Interessantes bot, war auch am zweiten Tage der Besuch von Gästen ein minimaler. Am zweiten Tage warder Beginn der Sitzung um 10 Uhr angesetzt. Um 11 Uhr waren kaum ein Dutzend Gäste anwesend, so daß die Sitzung erst kurz vor 12 Uhr, statt um 10 Uhr, begann. Was sollten sich denn auch wirklich die Gäste anhören: Herr Blumenfeld sagte selbst in seinem Schlußwort: „Die Diskussion war langweilig und uninteressant." Herr Dr. Wolfheim aus Erfurt erklärte öffentlich in der Generaldebatte, daß die Abendsitzung katastrophal gewesen sei, daß man schon vor Jahren von Professor Brodetzki und Dr. Ruppin bessere Reden gehört habe. Eine Ruhe herrschte auf dem Delegiertentage, die beängstigend war. Aber es war nicht die Ruhe, die nach geleisteter Arbeit mit Recht herrschen darf, die Ruhe des Geleisteten. Es War Friedhofsruhe. Die Tatsachen lehren, daß der Endgültige Aufbau von Erez Israel Innerhalb kurzer Zeit nur durch Das Privatkapital erfolgen kann. Die Tatsachen beweisen, daß in Erez Israel allein in der Welt Die Wirtschaftslage gut ist und Die Aussichten noch besser. Daher ist es vom nationalen und individuellen Standpunkt das Logischeste, jüdisches Kapital in Erez Israel zu investieren, Dem einzigen Lande, das dem Juden volle Sicherheit bietet, Um in Ruhe für sich und seine Familie zu arbeiten. 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Kanaan -Treuhandgesellsdiaft Canaan Trusleeship Co*, Jerusalem nioaiiüiöK rmn jkö o^ttm* Vertreter für Oesterreich: Ludwig Outmann, Wien 1/ Heisdimarkt 82/ II., III«, SO Mündliche Besprechung nach vorheriger schriftlicher oder telephonischer (R 25779) Vereinbarung Seitdem der deutsche Zionismus die Revisionisten aus seiner Mitte entfernt hat, gilbt es kein Leben mehr in den deutschen Ortsgruppen. Die offiziellen deutschen Zionisten sind heute unter sich und der Delegiertentag bekam nur etwas Stimmung, wenn einer der „Revisionistentöter" seine Stimme gegen den Revisionismus erhob. Wie tief der deutsche Zionismus gesunken ist, mag am besten aus einer Aeußerung von Dr. Fritz Löwenstein hervorgehen, der gesagt hat, ,»man müsse die Jungen zuerst zu Sozialisten machen, um sie nachher zu Zionisten machen zu können!". Beim Revisionistensturm taten sich besonders ÄWei hervor: Herr Alfred Berger, Berlin, und Herr Dr. Landsberg, Wiesbaden. Es ist kein Zufall, dafl diese beiden eich zusammengetan haben, denn gleiche Seelen finden sich am Rhein und an der Spree. Beide waren bis zur Novemberrevolution 1918 bittere Anti- Zionieten. Nfit der Novemiberrevolution halben sie als gute Konjunfeturpolitiker ihr „zionistsches" Herz entdeckt. Jetzt machen sie beide im Brith Schalem. Sie können ihre antizionistische Gesinnung von früher nicht verleugnen. Der wahre Zionismus, der politische Zionismus von Theodor Herzl ist ihnen, wie auch schon früher, ein Dorn im Auge. Der Sinn des Delegiertentages scheint darin zu liegen, daß nunmehr alle Zionisten, die nicht Beamte der Zionistischen Organisation sind, gesehen halben, zu welcher Bedeutungslosigkeit der deutsche Zionismus durch die Schuld dieser Beamten- und, „Führer - Wirtschaft gesunken ist. Eine Erklärung Die vorletzte Nummer der „Neuen Welt" brachte einen Bericht über Vorgänge auf dem Deutschen Zionißtentag in Frankfurt a. M., die einen antireviflionistischen Charakter trugen. Unter anderem wurden auch beleidigende Ausfälle des Herrn Dr. Nahum Gold mann zitiert. In einem Brief an den Herausgeber der „Neuen Welt" stellt Herr Doktor Nahum Goldmann fest, daß er die ihm in dem Bericht zugelegten, den Revisionismus beleidigenden Ausdrücke nicht gebraucht hat. Er schreibt: „Ich lese eben in der letzten Nummer der „Neuen Welt' einen Artikel über den deutschen zionistischen Delegiertentag, der mißverständlich ist. Ich möchte, damit Sie keinen falschen Eindruck von meiner Rede haben, feststellen, daß die Ausdrücke .Tolle Derwische', ,Wo r tmaximalisten uew, wie Sie sich denken können, von mir nicht gebraucht worden sind. Ich habe mit Absicht in zwei Sätzen die Auswüchse eii«?S übersteigerten Nationabsmus der die Gedanken der Demokratie und des Liberalismus auch in der zionistischen Bewegung beiseite schieben will, wie er sich bei manchen Rednern auf der revisionistischen Konferenz geäußert hat, kritisiert. Ich bin überzeugt daß Sie in der Kritik an solchen Uebersteigerungen des nationalen Gedankens mit mir einig sind." Die Deutsche Reichspost und Rosch Haschana. Die Deutsche Reichspost läßt — wie auch andere Telegraphenverwaltungen zum jüdischen Neujahrsfest (1 Oktober) wieder einen Glückwunschtelegramm d i e n s t zu wesentlich ermäßigter Gebühr zu. Solche Glückwünschtelegramme können vom 26. September bis 10. Oktober bei sämtlichen Telegrammannahmestellen aufgeliefert werden. Sie sind zugelassen im innerdeutschen Verkehr, im Verkehr mit Belgien, Bulgarien, Dänemark, Finnland, Jugoslawien, Lettland, Litauen einschließlich Memelgebiet, Luxemburg, Oesterreich, Polen, Portugal, Rumänien, Saargebiet, der Schweiz, der Tschechoslowakei, Ungarn^ Aegypten, Palästina und Irak, ferner mit den Vereinigten Staaten von Amerika und mit Kanada. Ueber die Gebühren und alle weiteren Bedingungen geben die Telegrammannahmestellen Auskunft. Statistik an der Wiener Universität Im vergangenen Sommersemester 1932 . . An der Universität gab es 11.921' Hörer, davon 11.373 ordentliche Hörer und 548 außerordentliche Hörer. Davon waren 2089 jüdische ordentliche Hörer und 34 jüdische außerordentliche Hörer. Insgesamt 2123 inskribierte , Juden. Im nachfolgenden werden nur die ordentlichen Hörer angeführt. Gesamthörer Juden Kathol. theol. Fakultät.... 300 — Evang. theol. Fakultät.... 194 Juridisohe Fak. . Männer 2667. Frauen 317 2.984 Medizin. Fak. . . Männer 2845 Frauen 701 3.544 Philosoph. Fak. . Männer 2554 Frauen 1797 4.351 Männer 430 Frauen 86 516 Männer 728 Frauen 265 Männer 267 Frauen 315 m 11.373 582 5Ü89 Von den Juden gaben jüdische Volkszugehörigkeit an: Männer Frauen Insgesamt Juristen .... 176 Mediziner ... 373 Philosophen , . 142 36 136 132 Zionistisch-sozialistische Einheitspartei in Rumänien Czernowitz, 22. September. (J. T..A.) Eine in Czernowitz abgehaltene Konferenz von Delegierten der Parteileitungen der zionistisch-sozialistischen Arbeitsparteien Zeire Zion und Poale Zion Rumäniens hat die Gründung einer Einheitspartei für Rumänien auf Grund der durch die Danziger Weltkonferenz angenomenen Einigungsformel beschlossen. Neue Jüdische Bühne beginnt ihre diesjährige Saison im Theater „Kunstspiele", Wien, I., Riemergasse Nr. 11 (vormals Pan), am Sonntag, den 2. Oktober d. J., mit dem Auftritt der bekannten Sohauspielerin Paula Dreiblatt in Zolotorevskys Lebensbild „Die Frau ohne' Nerven". Als Gast Opernsänger Wachniansky auf der Durchreise nach London. Karten in «ämtlichen Kartenibüros sowie täglich von 11 bis 1 Uhr an der Theaterkasse (Telephon R-34-2-41) erhältlich,

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