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Die neue Welt · 1932-09-30 · Heft 263 (30.9.1932) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 263 (30.9.1932)
Date
1932-09-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 263 DIE NEUE WELT Seite % Bruder Schiff mann IL, laborstraße 48 gratulieren allen Kunden, Verwandten und Bekannten zum Neuen Jahr! Jabotm§ky — der Führer Das in Bielsko (Bielitz) erscheinende Organ der allgemeinen Zionisten Schlesiens, „Jüdisches Volksblatt", bringt in seiner letzten Nummer einen Bericht über die vor einigen Tagen abgehaltene Sitzung des Parteirates der Organisation der allgemeinen Zionisten in Westgalizien und Schlesien. Der Bericht enthält folgende bemerkenswerte Stelle: „Sonntag tagte in Krakau der Parteirat der Zionistischen Organisation für Wes'tgalizien und Schlesien. Da die Tagung zahlreich beschickt war und Referate und Diskussion auf hohem sachlichen Niveau standen, machte sie einen guten Eindruck auf alle Teilnehmer und Gäste. Nach Berichten über die Tätigkeit der Exekutive auf organisatorischem und detni Gebiete der Palästinaarbeit hielt Dr. Seh warzbart ein ausführliches Referat'über den Verlauf der letzten Sitzung des ,A. C. In London. Dr. Schwarzbart enthielt sich in seinem Bericht jeglicher Kritik. Erst in der darauffolgenden Diskussion, die von Dr. Frand eingeleitet wurde, kam es zu i d e o 1 o g i s c h e n und politischen Auseinandersetzungen. Die Diskussion zeigte Unklarheit und Unentschlossenheit in innerzionistischen Fragen. Schon der erste Redner (Dr. Frand) erklärte unverblümt, e r sehe in Ja b o t i n sk y heute die einzige geeignete F ü h r e r g e s t a 11. An seinem Programm nahm er aber gewisse Einschränkungen vor, so daß man nicht recht weiß, welcher politischen Richtung sich der Redner selbst anschließen will. Dasselbe gilt von Dr. F e I d b 1 u m, der eine Aenderung des „politischen Systems" verlangte, ohne aber konkrete Vorschläge zu machen wußte, es sei denn, daß das Schlagwort von der „Rückkehr zum politischen Zionismus" für eine solche Umstellung genügen sollte. Auch Doktor Schwarzbarts Stellung ist unklar. Einerseits will er sich bemühen, die Gruppen A und B der allgemeinen Zionisten im Rahmen des Weltverbandes der allgemeinen Zionisten zusammenzuschließen, um das Gleichgewicht zwischen dem linken Flügel und dem Revisionismus herzustellen; wobei er aber die Aussichten für eine solche Vereinigung selbst sehr skeptisch betrachtet. Auf die Frage, was er tun wollte, antwortete Dr. Schwarzbart zögernd, am liebsten möchte er sich der Meinung Dr. Frands anschließen (das heißt offen mit Jab otinsky gehen). Als Gesamteindruck bleibt also, daß man in Krakau nicht recht weiß, wohin. Man schwankt zwischen Revisionismus und Stam-Zionismus, ohne rechten Mut, sich für das eine oder das andere zu entscheiden. Allerdings wird es nicht lang dauern und man wird sich entscheiden müssen." * Zu diesem Berichte sei bemerkt, daß das „Jüdische Volksblatt" eine durchaus anti-revisionistische Einstellung hat und daß Herr Dr. Schwarzibart der langjährige Führer und Vertreter der allgemeinen Zionisten Westgaliziens ist, Jacob de Haas 60 Jahre alt Am 14. September d. J. vollendete der bekannte zionistische Schriftsteller und Politiker Jacob de Haas sein 60. Lebensjahr. Aus diesem Anlaß veranstalteten die Zionisten aus New York und Umgebung ein Dinner im Fifth Avenue Hotel, dem die führenden Zionisten Amerikas beiwohnten. Arrangeure des Dinner und zum Teil auch Redner waren Richter Julian W. Mack, Bernard G. Richards, Robert Szold, Abraham Goldberg, Frau Edward Jacobs, Morris Margulies, Louis P. Rocker, Nelson Ruthentberg und Karl Sherman. Die New Yorker Zionistische Vereinigung veröffentlichte eine Glück wunschkundgebung. Jacob de Haas, geboren 1872 in London, war Redakteur und Mitarbeiter verschiedener Londoner Tageszeitungen, schloß sich schon 1896 Theodor Herzl an und war 1897 bis 1905 Mitglied des Zionistischen Aktionskomitees. 1902 siedelte er nach den Vereinigten Staaten über und war bis 1905 Sekretär der amerikanischen zionistischen Föderation. 1908 bis 1918 gab er den „Jewish Advocate" heraus, 1916 bis 1921 war er wiederum Sekretär der amerikanischen Zionistischen Organisation. Er gehörte der jüdischen Delegation beim Friedenskongreß in Paris 1919 an. Er veröffentlichte verschiedene Schriften, u. a, Biographien von Theodor Herzl und Louis D. Brandeis. 1930 gab er zusammen mit Dr. Stephen S. Wise ein Buch über die englische Palästina-Politik, »The G r e at B et r a y a 1", heraus. Die „Neue Welt" konnte eine Reihe von Aufsätzen politischen und historisch-kulturellen Inhalts aus der Feder des ausgezeichneten Publizisten veröffentlichen, f Klistiers Verteidiger gestorben Zum Tode des Dr. H. Aurednicek Mittwoch, den 21. September, verstarb im Alter von 68 Jahren der Rechtsanwalt Dr. Heinrich Aurednicek, der als junger Prager Rechtsanwalt im Hilsner-Prozeß die Verteidigung übernahm, nachdem eine Reihe von angesehenen Prager Advokaten dies abgelehnt hatte. Das mutige Eintreten Auredniceks für die Unschuld Hilsners und seine Bekämpfung der Ritualmord-These machte damals in der Welt viel Eindruck. Durch die öffentliche Haltung des tschechischen Publikums wurde ihm nach Beendigung des Prozesses das Verbleiben in Prag unmöglich und er übersiedelte nach Wien. Hier verstand es Dr. Aurednicek nach kurzer Zeit, einen ausgedehnten Wirkungskreis zu finden und eine vielbeachtete Tätigkeit als Rechtsanwalt zu entwickeln. Der Verstorbene hinterläßt als Witwe die Schriftstellerin und Uebcrsetzerin der modernen tschechischen Literatur Frau Anna A uretl nieck und als Tochter die bekannte Schauspielerin Anna Albert. — Mit Präsident Masaryk stand Dr. Aurednicek seit Jahrzehnten in freundschaftlichem Verkehr. Zu der am Samstag, den 24., stattgefundenen Einäscherung hatten sich die bedeutendsten Persönlichkeiten der Wiener Juristen- und gesellschaftlichen Welt eingefunden. Hnaaaaaa«aMMHiii!>!ii!i!i!^ JÜDISCHE ELTERN! I Kauft Schulbücher | für eure Kinder nur in 1 der jüdischen Buchhandlung Hermann TUCH NEU, 1 Wien 11/ ECKE Tabor- 1 Straße 52 | Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auf- 1 lagen — anch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen I |f Spesenfreie Zusendung überallhin S Verzeichnis se kostenlos! Für Auskünfte: Tel. R-41-4-20 Von der Weltvereinigung der Sephardim Die Vertreter der Weltvereinigung der Sephardim in Jerusalem schlössen ein Uebcrcinkommen mit dem Kolonisationsdepartement der Jewish Agcncy, wonach 20 Prozent der Eingänge des Keren Hajcssod in Jugoslawien für die Zwecke der sephardischen Kolonie „Kirjath-Scheoi" verwendet werden sollen. Die sephardische Vereinigung „Hatikwah" forderte das Zcntr£*^ komitee in Jerusalem auf, alle Schritte zu unternehmen, um die baldigste Kolonisierung dieser Gruppe zu ermöglichen, da sie acht Jahre darauf warten, angesiedelt zu werden, und ihre Lage eine inierträgliche geworden sei. Die Vereinigung hat in Palästina eine Sammelaktion zwecks Kolonisation der Kwuzah „Hatikwah" eingeleitet. Aus der nidfedien Well Verein jüdischer Akademiker in Holland. In Utrecht hat sich eine Gesellschaft jüdischer Akademiker in Holland gebildet. Es gehören ihr orthodoxe jüdische Akademiker, die der Agudas Jisroel nahestehen, an. 12.730 Juden im Haajr- Einem Bericht der $schkenasisch-jüdischen Gemeinde des Haag ist zu entnehmen, daß die Zahl der jüdischen Bevölkerung des Haag 12.730 Seelen beträgt. Die Gemeinde zählt 3750 Steuerzahler. Im Jahre 1931 traten 236 Juden in die Gemeinde ein und 10 schieden aus. 200 amerikanische Juden sehen nach Palästina. Mit dem Dampfer „Vulcania" haben sich 200 amerikanische Juden — Chaluzim, Mittelstandssiedler, Studenten und Touristen — nach Palästina begeben. Das erste jüdische Gebetbuch mit rumänischer Uebersetzung. Soeben ist das erste jüdische Gebetbuch mit rumänischer Uebersetzung erschienen. Die Uebertragung der hebräischen Gebetstexte in die rumänische Sprache wurde vom Brailaer Rabbiner Doktor T h e n e n besorgt. Religionsunterricht auf dem Postwege. In Philadelphia, wo infolge der dort herrschenden spinalen Kinderlähmung die Schulen geschlossen sind, hat der Verband der Talmud-Thora-Schulen — um die jüdischen Kinder vor den hohen Feiertagen nicht ohne relimit Wolf AlbcKh-Retty und Adele Sandrock, Otto Wallburg, Ida Wüst Bin bciaubarndat musikalisches Spiel voll Jugandfrlscha, Sonne u. Humor Drehbuch: R. Schänzel u. E. Preßburger, nach dem gleichnamigen Stück von O. A. de Caillavet, R. de Flers und E. Rey / Musik: Ralph Erwin Produktion: Gunthar Stapenhortt / Reale: Reinhold Schänzel Täglich: GartßDbau-Kino.l. Mn-Hino, 11. Wienteile-Kino, VI. Stata-Kino. Vll. Kolosseum-Kino, IX, Gesellsdiafts* und Studienreise nadi Palästina 28. Februar bis 28. März 1933 Der Austro-Palästinensiche Wirtschaftsdienst veranstaltet im Frühjahr 1933 seine erste große Gesellschafts- und Studienreise nach Palästina, deren Zweck ein doppelter ist. Die Reiseteilnehmer werden einerseits Gelegenheit haben, die Sehenswürdigkeiten des alten Erez Israel und den Aufbau des modernen Judenlandes kennenzulernen, andererseits wird dafür gesorgt werden, daß sie über die Entwicklungsmöglichkeiten sowohl auf industriellem als auch auf dem Gebiete des Häuserbaues, der Orangenpflanzungen u. dgl. möglichst genau unterrichtet werden. Zu diesem Zwecke stehen die fachlichen Berater des Austro-Palästinensischen Wirtschaftsdienstes in Palästina den Reileteilnehmern mit allen nötigen Informationen zur Verfügung. Die Anmeldungen zur Teilnahme an dieser Reise haben bereits begonnen und werden in der Reihenfolge des Einlaufes vorgemerkt. Dank einem besonderen Entgegenkommen des „Lloyd T r i e s t i n o" wurden für die Reiseteilnehmer die besten Kabinen auf dem Eildampfer resverviert. Der Pauschalpreis für das ganze Arrangement von Wien bis Wien — alles inbegriffen — beträgt S 950 und kann auch in Teilzahlungen entrichtet werden. Jene Reiseteilnehmer, welche nicht in Oesterreich wohnen, bezahlen 36 engl. Pfund für das Pauschalarrangement. Auskünfte und Prospekte durch den Austro- Palästinensischen Wirtschaftsdienst, Wien, IX., Berggasse 16 (Handelsmuseum), Telephon: A-17-5-40 Serie, Sprechstunden Montag und Donnerstag von halb 5 bis 6 Uhr nachmittags, und durch die Reiseleitung, Frau Berta Taubes, Wien, II., Böcklinstraße 92. Telephon B-51-705. giöse Unterweisung zu lassen — einen Religionsunterricht für 3000 Kinder auf dem Postwege eingeführt. Die Kinder erhalten allwöchentlich ein Paket, das die religiösen Lektionen für die ganze Woche enthält. Das jüdische Städtchen Rawa Ruska abgebrannt. .In der Nacht zum Montag, den 19. September, wurde der größte Teil des hauptsächlich von Juden bewohnten Städtchens Rawa Ruska in Ostgalizien durch Feuer zerstört. Ueber 30 von Juden bewohnte Häuser brannten bis auf den Grund ab, mehr als 200 jüdische Familien wurden obdachlos. Die Not ist ungeheuer. Die jüdischen Sejmdeputierten Jäger und Rabbiner Lewin begaben sich nach -Rawa Ruska, um die erste Hilfe für die Geschädigten zu organisieren. Hohe Feiertage in Moskau. Unter den religiös gesinnten Juden Moskaus besteht große Sorge im Hinblick auf den Mangel an Synagogen für die kommenden hohen jüdischen Feiertage. In Moskau leben etwa 250.000 Juden, für die aber nur vier Synagogen, die insgesamt etwa 3000 Menschen aufnehmen können, vorhanden sind. Man befürchtet, daß tausende Andachtswillige in diesem Jahr in den Synagogen keinen Platz finden werden. Man geht daran, auf dem Alten und auf dem Neuen jüdischen Friedhof Moskaus, sowie in privaten Wohnhäusern Andachtsstätten einzurichten. Wirtschaftskonferenz der Belgrader Jüdischen Gemeinde. Die Belgrader sephardisch-jüdischc Gemeinde hielt eine Konferenz ab, in der wirtschaftliche und finanzielle Fragen erörtert wurden. Anwesend waren Repräsentanten sämtlicher jüdischer Organisationen und Institutionen. Man schlug die Gründung einer Arbeitsbörse und einer Wirtschaftsberatung ss teile vor. Ebenso kam der Wille zum Ausdruck, ein zentrales Geld i'n s t i t u t zu gründen, das sämtliche schon bestehenden jüdischen Geldinstitute vereinen soll. Es wurde auch die Initiative zur Gründung einer jüdischen Versicherungsgesellschaft ergriffen. Niedergang des lettländischen Judentums. Der Statistik der lettländischen jüdischen Gemeinden ist zu entnehmen, daß sich innerhalb des lettländischen Judentums die Zahl der Geburten vermindert, während sich gleichzeitig die Zahl der Todesfälle erhöht; im Jahre 1932 war ein natürlicher Zuwachs der jüdischen Bevölkerung gar nicht mehr festzustellen. Im Jahre 1931 zählte man noch unter den Juden Lettlands 456 Geburten und 328 Sterbefälle; in der Zeit vom 1. Jänner bis zum 20. September 1932 zählte man 375 Geburten und 378 Sterbefälle. Die Zahl der Eheschließungen hat sich infolge der Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit stark vermindert Nach der Volkszählung 1920 lebten in Lettland unter 1,569.131 Einwohnern 79.644 Juden, d. h. etwa S Prozent der Gesamtbevölkerung. i ' * Eine Preisaufgabe. Die „Haager Gesellschaft zur Verteidigung der christlichen Religion" hat als neue Preisaufgabe ausgeschrieben „Eine vollständige Abhandlung der geschichtlichen Beziehung zwischen dem jüdischen und katholischen Kultus. Ablieferungstermin 1. Februar 1934, Preis 400 Gulden. Jungkommunisten meiden Biro-Bidschan Moskau. 20. September. (J. T. A.) „Emess" klagt, daß der Beschluß des Zentralkomitees des kommunistischen Jugendverbandes (Komsomol), daß 440 .Jungkommunisten, in der Hauptsache Bauarbeiter, freiwillig für zwei Jahre nach Biro-Bidschan gehen sollen, um am dortigen Aufbau mitzuwirken, nicht ausgeführt worden ißt; bis jetzt haben sich bloß 72 Jungkommunisten für Biro-Bidschan gemeldet. Ein Delegierter des Rayonskomitees in Biro-Bidschan ist in Zentralrußland eingetroffen, um Bauarbeiter für Birp-Bidschan zu werben. Er ist beauftragt, den angeworbenen Jungkommunisten die Wahrheit über die gegenwärtige Lage m Biro-Bidschan zu sagen, nämlich, daß es an Wohnraum für 2000 Menschen fehlt und daß viele in Baracken wohnen müssen sowie daß infolge des verregneten Sommers Mangel an Nahrungsmitteln herrscht. Die jüdische Kolonisation in der Krim Moskau, 20. September. (J. T. A.) „Emess" teilt mit, daß die Resultate des jüdischen Siedl ungswerkes in der Krim noch niemals, so gut waren wie in diesem Jahre. Der diesjährige' Siedlungsplan wurde ganz durchgeführt, die Kollektivsicdlungen befestigen sich. Dennoch besteht die Gefahr einer starken Rückwanderung im Herbst und Winter, da es an Wohnraum für die Neusiedler fehlt und einige » Familien in einem einzigen Zimmer wohnen müssen. In der Kollektivsiedlung „Jüdischer Bauer" leben 72 Familien in engen, schmutzigen Baracken, statt elf wurden nur drei Häuser für die neuen Siedler erbaut. Nicht besser .ist die Lage in einer Reihe anderer Siedlangen, in denen es oft an Ställen fehlt und Vieh und Geflügel in die Wohnungen genommen werden müssen.

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