Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 261 (16.9.1932)
- Date
- 1932-09-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 261 DIE NEUE WEL1 Seite?, AUS DEUTSCHLAND Der Dichter Zions Uri Zwi GHnberg in Wien Die Anwesenheit des palästinensischen Dichters Uri Zwi Grinberg in Wien gibt wieder einmal Gelegenheit, diese schöpferische Persönlichkeit für einige Augenblicke ins Licht der Betrachtung zu stellen. Das ist für die europäische Judenheit um so zwingender, als der Geist unserer Generation nur einen schmalen Zugang hat zu allen dichterischen Phänomenen, die daa Absolute, das Absolute des Jüdischen darstellen;?u allen dichterischen Phänomenen, die sich nicht mit dem herkömmlichen Begriff „Poet" umreißen lassen. Man würde Grinberg wohl in die „Reihe der hebräischen Schriftsteller" hineinstellen, ihn als modernistischen Fortspinner und Bewahrer der alten hebräischen Werte charakterisieren, wäre nicht in seiner Dichtung etwas, das ihn, den hebräischen Dichter, aus dem Rahmen alles Literarischen hinausstellt. Dieses „Etwus" ist einmalig, unwiderruflich, zeitlich unbegrenzt. Für Uri Zwi Grinberg gibt es kein Zurück mehr ins Literarische — in die so beliebte, tendenzlose, spielerische Selbstbespiegelung und Konfektionierung altbewährter Lyrismen. Grinberg ist der Dichter der jüdischen Rasse. Grinbergs Geist ist der hebräische Geist, der die Gallith übersprungen hat und dessen Blut nicht aufgehört hat, aus jenem Quell zu rauschen, der Strafpredigt und Mahnruf und Vision war — seit den Tagen der hebräischen Propheten im judäischen Lande. Diese seelische und substanzielle Grundhaltung gibt dem Dichter Grinberg Inhalt, Form, Musik, geistiges Gewand und sie gibt auch auf die für unsere Generation so brennende Frage Antwort: Eiferer, Ankläger, Klagender und Deuter zu sein. Das ergibt Grinberg als politischen Dichter, als den Mann, der mit ekstatischer Leidenschaft jedes Steinchen im Mosaik des jüdischen Schicksals zum Kampfruf formt und in die Welt hinausschleudert. Uri Zwi Grinberg ist der Dichter des kommenden Judenstaats, der Malchut Israel. Die Einheit dieses Kosmos ist Land, Sprache, Volk: das heilige Land, die heilige Sprache, das heilige Volk — Malchut Israel. Ein solcher Dichter muß gefürchtet, muß geliebt sein. Gefürchtet von jenen, die mit dem Galuthschicksal der Resignation behaftet, mit der krankhaften Angst vor der kommenden Wirklichkeit gezeichnet, mit der listigen „Klugheit" des irdischen Pflastertreters adjustiert sind. „Philisterl Simson über euch!" Und sie fürchten. Geliebt von allen jenen, denen der Gott Israel die Gnade schenkte, die Malchut Israel zu sehen. Und sie lieben. Grinberg ist im neuen jüdischen Jischuw eine zentrale Persönlichkeit. Hier ist er Dichter u n d Führer: der neue, starke, jüdische Mensch. * Das untenstehende Gedicht „Vom Blut meiner Väter in Spanien" ist einem Zyklus entnommen, der des Dichters Verbundenheit mit dem Schicksal seiner Rasse vermittelt. Die deutsche Uebersetzung erhebt nicht den Anspruch, das Poem wortgestalterisch wiederzugeben» Vom Blut meiner Väter in Spanien Es ist nicht anders als daß in mir das Blut meiner heiligen Väter in Spanien und als daß das Rauschen meines Herzens hier auf der Erde Jerusalems im späteren Geschlecht Es ist i h r Rauschen Das Rauschen ihres Bluts in Spanien Und weil noch trotzherrscht das Haus Edom auf den Trümmern des Hauses David und noch nidit gekommen ist dieser Allgewaltige, dessen Namen zu Tod Gemarterter Kehlen aufröcheln und dessen Bild sie aus strahlender Ferne kommen sehen und vor dessen Königtum sie für immer Amen die Augen schließen. Ja weil dem so, sterben noch die Geschlechter in solchem Sterben und in solch geheiligtem Tod Einstmals in Spanien und in Portugal und einstmals im Land der Germanen und am Rand des Dniepr, an den Babel-Gewässern in Polen und im Bann Amaleks Rumänien und im Land Arab Und ich der Sohn ihres Bluts lebe so diesertags und begreife und fühle Und in mir gährt das Blut das vergossene und ~i mir glüht es aus der Asche ihrer Leiber. * Zu Ehren Uri Zwi Grinbergs fand im Herzl-Saal ein literarischer Abend statt, der vom Präsidenten der Wiener Histadruth Iwrith Dr. David Rothblum eingeleitet wurde. Der Dichter selbst Stielt eine Conference, Jehuda Ehrenkranz las aus den Schriften Uri Zwi Grinbergs. ___ , r - S*' f 1 Hakoah kann dodi Fußball spielen Was Präsident Max Sdrfffmann nach der Niederlage gegen die Ausfrfa sagte Das kommt nur einmal...! 1 < Llllon linrvey und Hans Alters QUICK lln GroOfilm dtr Erlcfi.Pommtr*Produktlon dar Ufa von Han< MOIItr nach einem tiühnenstUck von F. Oandera Regie: Robert fiodmatc Produktionsleitung: Max Pfeiffer Musik: H: 0. Borgmann, 0. Jakobson Lied des Quick: W. R. Htymann, Liedertexte: R. Liebmann Ab Freitag, dan 16. September: GARTENBAU-KINO, I. UFA-TON-KINO, II. WIENZEILE-KINO, VI. STAFA-KINO, VII. KOLOSSEUM-KINO, IX. Die Hakoah hat am Sonntag ihr Meisterschaftsspiel gegen die Austria 3 : i (1:0) verloren. Sie steht nunmehr an achter Stolle der Tabelle, freilich nur infolge des ungünstigeren Torverhältnisses, denn der W. A. C, der vor der Hakoalh rangiert, besitzt ebenfalls nur drei Punkte, Im ganzen gesehen, schnitt die Hakoalh bisher im Meisterschafts'böwerb ausgezeichmet ab. Wir haben uns deshalb an den Präsidenten des Vereines, Herrin Max Schiffiraami, gewendet, der uns liebenswürdigerweise ermächtigte, aachstehende interessante Ausführungen zu veröffentlichen: „Im Sommer wurde eine Reise der Hakoah nach Polen vom dortigen Fußballverband mit der Erklärung abgelehnt, daß die Mannschaft zu schwach sei. Auf diese mehr als fadenscheinige Begründung hat die Hakoah durch ihr bisheriges Abschneiden in der Meisterschaft die beste Antwort gegeben und unter Beweis gestellt, daß sie doch und noch dazu gut Fußball spielen kann. So willkommen uns die drei Punkte aus den Kämpfen gegen Sportklub und Nicholson sind, muß ich doch feststellen, daß die Mannschaft gerade gegen die Austria, gegen die sie am Sonntag verlor, ihr bestes Spiel lieferte. Das ist um so höher einausahätzen, als die Austria .von allen Wiener Vereine© bisher am besten aibsebnitt und als ernster Anwärter auf den Herbstmeistertdtel anzusehen ist. Wir waren zeitweilig überlegen und zumeist völlig gleichwertig, was auch in den Kritiken der Wiener Sportpresse zum Ausdruck kam. Bei ein wenig Glück, das uns diesmal ganz im Stich ließ, wäre das Spiel wohl wesentlich anders aiusgegangen. Am meisten freute es mich, daß die Mannschaft bis zum Schlußpfiff, so wie es gutem altem Hakoah-Geist entspricht, ehrlich und aufopferungsvoll kämpfte, wofür der beste Beweis ist, daß der Ehrentreffer Buchhalters erst knapp vor Schluß fiel. Wenn die Mannschaft so weitermacht, dann ist mir um unser Abschneiden im Meisterschaf tsbewerb nicht bange. Es. gibt gewiß noch Mängel und Schwächen in der Mannschaft. Deshalb ist die Verein&leitung auch bemüht, neue Leute zur Verstärkung des Angriffes zu finden. loh hoffei, daß wir schoo zum Oktobertermin mit zwei neuen guten Stürmern- Werden antreten können. Es sind Unterhandlungen mit zwei Ausländern im Gasige, da aber noch keine endgültige Vereinbarung getroffen wurde, muß ich mit der Verlautbarung der betreffenden Namen noch einige Tage zuwarten. Audi im inneren Getriebe des Vereines beginnt es sich zum Besseren zu wenden. Im Sommer sah die Situation für die Hakoah geradezu trostlos aus. Da wandte sich die Vereinsleitung an die große jüdische Oeffentlidhkeit und erzielte in kurzer Zeit einen schönen Erfolg. Innerhalb drei Wochen wurden von freiwilligen Helfern 8000 Schilling gesammelt. Damit allein ist aber der Hakoah, wenn es auch notwendig ist, die Sammelaktion fortzusetzen, nicht gedient. Die Vereinsleitung will für die Zukunft wieder einen engeren Kontakt des Vereines mit der großen jüdischen Oeffentlichkeit herstellen. Deshalb wurden Mitgliederabende, zu denen jeder Freund der Hakoalh Zutritt hat, eingeführt. Sie finden jeden Montag im Vereinsheim der Hakoah, I., Wiesingerstraße 11, unter meiner Leitung statt und sind bisher immer zu voller Zufriedeniheit aller Teilnehmer verlaufen. So habe ich denn den Eindruck, daß für die Hakoah nach einer Periode, in der es ihr recht schlecht ging, wieder eine Zeit des Aufstieges gekommen ist und deshalb lade ich hiemit öffentlich alle alten und neuen Freunde des Vereines ein, uns, der Klubleitung und der Mannschaft, zu helfen, daß es wirklich so werde." * Wir hoffen, daß der Appell des Präsidenten Sobiffinann nicht wirkungslos bleiben werde. Bestimmungen über die Befreiung der jüdischen Schüler vom Schreiben, Zeichnen, Handarbeiten etc. beim Unterricht am Sabbat. Bereits seit vielen Jahren bestehen Erlässe, die sich darauf beziehen, daß bei Verfassung der Stundenpläne auf das Gebot der Sabbatruhe Rücksicht zu nehmen ist. Infolge einer Eingabe der Adass Jisroel beim Stadtschulrat erfolgte folgender Bescheid an die Wiener Unterrichtsanstalten: Die Direktionen (Leitungen) werden auf den K. U. M.-Erlaß vom 31. Jänner 1876 und auf den K. U. M.-Erlaß vom 19. Februar 1876 aufmerksam gemacht, wonach bei Verfassung der Stundenpläne auf das israelitische Gebot, am Saibbat des Schreibens, Zeichnens, überhaupt der Handarbeiten sich zu enthalten, tunlichst, Rücksicht zu nehmen und jeder direkte oder indirekte Zwung zur Uebertretung dieses Gebotes zu unterlassen ist. Stadtschulrat für Wien. Der geschäftsführende 2. Präsident: Glöckel e. h. Zur Reidisorgamsation der deutsdien Juden Bekanntlich sind Bemühungen im Gange, eine Reichsorganisation deutscher Juden zu schaffen, die alle Teile der deutschen Judenheit umfassen soll. Uebor dies/ßs Projekt liegen bereits einige Entwürfe vor. Gegen diese Entwürfe wenden sich die jüdiffchkonservativen Kreise aus verschiedenen politischen und organisatorischen Gründen, während die Orthodoxie jede Festlegung auf das Religionsgesetz vermißt. Von zionistischer Seite liegt eine definitive Stellungnahme noch nicht vor. Die jetzt tagende Konferenz der deutschen Zionisten (Z. V. f. D. ohne Beteiligung der Zionisten-Revisionisten) hat auf seiner Tagesordnung das Problem der Stellungnahme zu innerjüdischen Fragen Deutschlands und zur Lage der Juden Deutschlands. Eröffnung der Handwerker'Werbeschau Berlin, 11. September. (J. T. A.) Vom 11. bis 18. September 1932 findet hier eine vom Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens E. V. veranstaltete „W erbeschau handwerklicher Erzeugnisse für den täglichen Bedarf" statt. Das Protektorat hat der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin übernommen. Die Werbeschau trägt das Motto: „Für Arbeitsbeschaffung, gegen Wirtschaftsboykott." Der Vorsitzende des Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens, Herr Louis Wolff, gab einen Ueberblick über die Schau, die aus der Geschichte des jüdischen Handwerks heraus zu erklären ist. Vor der Emanzipation war es den Juden in Deutschland verboten, ein Handwerk auszuüben. Die Tradition des jüdischen Handwerks früherer Zeiten war fast spurlos untergegangen. Als dann 1813 durch das Emanzipationsedikt den Juden die Ausübung jedes Handwerks gestattet wurde, kamen Bestrebungen auf, die Juden wieder dem Handwerk zuzuführen. Ein Verein zur Förderung des jüdischen Handwerks wurde gegründet. Die Werbeschau des jüdischen Handwerks soll den heute gegen das jüdische Handwerk geübten Boykott überwinden helfen. Ueber das Künstlerische auf der Werbeschau macht Dr. Karl Schwarz, der Kustos der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin, interessante Betrachtungen. Der Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens E. V. erläßt folgende Kundgebung: „Die wirtschaftspolitische Entwicklung der letzten Zeit hat neben der allgemeinen Wirtschaftsnot eine von Tag zu Tag anwachsende Boykottbewegunt? erzeugt, die geeignet ist, den um seine Existenz schwer ringendenjüdischengewerblichenMittelstand aus dem Wirtschaftsprozeß völlig auszuschalten. In letzter Minute muß es gelingen, den durch diesen Boykott entstandenen Kundenausfall durch Kundenwerbung aus eigenen Kreisen auszugleichen. Dabei begehen wir nicht den Fehler, der von unseren Gegnern ausgegebenen Parole „Kauft nicht bei Juden" die Forderung „Kauft nur bei Juden" entgegenzusetzen, verlangen aber von unseren Glaubensgenossen, daß im Bedarfsfälle jüdische Menschen bevorzugt und berücksichtigt werden. Diese Forderung ist um so berechtigter, da wir wissen, daß die jüdischen Handwerker sowohl in bezug auf Arbeitsleistung, als auch auf Preisgestaltung mit ihren andersgläubigen Berufskollegen durchaus in Wettbewerb treten können. Einen Beweis jüdischer Handwerksleistungen bietet die stattfindende Werbeschau handwerklicher Erzeugnisse für den täglichen Bedarf. Jüdische Firmeninhaber und antisemitische Angestellte Das Arbeitsgericht Berlin hatte vor kurzem entschieden, daß die jüdischen Inhaber einer Firma nicht berechtigt sein sollten, einen Angestellten wegen beleidigender antisemitischer Aeußerungen fristlos zu entlassen. Das Landesarbeitsgericht hat jetzt das Urteil der ersten Instanz abgeändert und der Berufung der Firma stattgegeben. Der Kläger war Kriegsbeschädigter und arbeitete als Kontorist in einer Großhandlung neben vielen jüdischen Kollegen. Nach den Preußenwahlen führte er mit der Portierfrau ein erregtes politisches Gespräch auf dem Korridor und meinte, die Juden seien jetzt ganz still, weil sie Angst hätten. Als.die Portierfrau seine Angriffe auf die Juden abwehren wollte und ihm entgegenhielt, daß die Juden immer noch anständige Menschen wären, meinte er, sie müsse sich schämen, eine Deutsche zu sein. Da die Entlassung eines Kriegsbeschädigten nur mit Zustimmung der Hauptfürsorgestelle ausgesprochen werden darf, falls er nicht einen wichtigen Grund zur fristlosen Kündigung gegeben hat, entschlossen sich die Inhaber zur fristlosen Entlassung und zahlten freiwillig noch zwei Monatsgehälter. Nach Ansicht des Landesarbeitsgerichts hatten die Aeußerungen des Klägers den Sinn, daß die Juden keine anständigen Menschen seien. Diese Worte wären auch gegen seine Arbeitgeber und seine jüdischen Arbeitskollegen gerichtet gewesen. Bei einer so erheblichen Ehrverletzung der Inhaber einer Firma sei ihnen die Weiterbeschäftigung des Angestellten nicht zuzumuten.