Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 261 (16.9.1932)
- Date
- 1932-09-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2711613-2711843-2711882--3311-2716673- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 261_ reisen unternehmen. Meer Großmann begibt sich im Oktober nach Palästina und im November nach Amerika. Dr. S. Soskin und Robert Stricker werden verschiedene europäische Länder bereisen. Vladimir Jabotinsky beginnt Anfang 1933 ein in zahlreiche Länder führende Propagandareise. Pf esscfif mitten Das Echo der V. Weltkonferenz der Zionisten- Revisionisten ist in der jüdischen und nichtjüdischen Presse überaus stark. Im allgemeinen wird betont, daß die revisionistische Bewegung aus der Wiener Tagung gekräftigt hervorgegangen ist und daß der Ausgang der Konferenz für den Gesamtzionismus von noch nicht abzuschätzender Bedeutung sein werde. Recht eigenartig ist die Haltung der Brith- Schalom-Pre6se. Die „Jüdische Rundschau" (Berlin) läßt sich, nachdem sie die Konlerenz in ihrer klügelnden Manier in einem Leitartikel behandelt hat, aus Wien u. a. folgendes schreiben:. „Der Beschluß des A. C, den Revisionismus als einen zionistischen Sonderverband anzuerkennen, wird wahrscheinlich gegenstandslos sein." Hier scheint das Unbehagen der Berliner Auch- Zionieten sich zunächst in einem Stoßseufzer bekundet zu haben. Die „S e 1 b s t w e h r" (Prag) beklagt anscheinend den heroischen Charakter der Konferenz, indem sie in einem Artikel „Sieg des radikalen Flügels" (9. September) schreibt: DIE NEUE WELT „Der radikale Flügel, der alle Brücken zu den Zionisten abgebrochen zu sehen wünscht, hat im wesentlichen der Konferenz und ihren Ergebnissen Färbung und Richtung gegeben." Sie konstatiert weiter: „Unter dem Eindruck dieses banalen Hasses (betrifft Jabotin&kys Stellungnahme gegen die zionistische Organisation) erntete er (Jabotinsky) den jubelnden Beifall von links und rechts. Was sich gestern auf das wütendste bekämpfte, die einander gegenseitig auszuschließen drohten, stehen wieder in einer Front." Im „H a j n t" (9. September) gibt Dr. Osias Thon eine spaltenlange Betrachtung der Konferenz in der ihm eigenen, etwas beschaulichen Manier. Nachdem er sich in ideologischem Gestrüpp verirrt hat, sucht er wieder am Schluß festeren Boden zu gewinnen, indem er-die nette Prognose stellt: „Kurz, meiner Meinung nach, ist die gan^e künstliche Schöpfung von Wien unhaltbar. Es ist möglich, daß die Wiener Konferenz in gewissem Maße einen Bruch in der zionistischen Organisation bedeutet. Sicher aber ist, daß sie den Zusammenbruch des Revisionismus bedeutet." Herr Dr. Thon wird sich wohl gelegentlich vom Leben des Revisionismus überzeugen können. der einzigen schwedischen Weltmarke Seite S ■■■■■■■■■■■■■Mfllllllllllllllffl JÜDISCHE ELTERN I i Kauft Sdiulbwdier 1 für eure Kinder nur in ü der judischen Buchhandlung 1 Hermann TUCHNER. 1 Wien II, ECKE Tabor- 1 strafte 52 | Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Aufm lagen — anch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen! §§ Spesenfreie Zusendung überallhin sj Verzeichnisse kostenlos! Für Auskünfte: Tel. R-41-4-20 §§ ■■■■■■■■■■■■Mlflllttlffflffl Diese „braunen Hemden" in der ganzen jüdischen Welt, die Gdudim der nichtklassenkämpferischen Chaluzim werden nicht mit der Reitpeitsche .vertrieben werden. In Lettland ist die Brith-Trumpeldor-Bewegung entstanden und hat die jüdische Welt in steigendem Maße erobert. Der größte zionistische Jugendverband muß sich vom „Proletarier" und „Klassenkämpfer" Berger mit Hitler-Horden vergleichen lassen. Das ist die humanitäre Form des Kampfes der Z. V. f. D. Ihr schweigt über den Verrat der Brith- Schalom-Intellektuellen und lächelt über diejenigen, die für ihren Zionismus in Gefängnissen schmachten. Die Z. V. f. D. ist heute nur der Trümmer de» deutschen Zionismus, auf diesen Trümmern wird die mächtige revisionistische Bewegung die Fahne der heiligen Ziele unseres Volkes aufpflanzen. Die revisionistisch» Bewegung marschiert! Der Zionismus wird von ihr verwirklicht! Es lebe das jüdische Volk! Union der Zionisten-Revisionisten, Ortsgruppe Frankfurt a. M. * Die „Neue Welt" wird über diesen sonderbaren Dclegiertentag noch berichten. Meir Dizengoffs europäische Reise Besuche in Wien, Warschau und Berlin. Wie bekannt, hat Tel Awiwß Bürgermeister Meir Dia eil ig off die Aufgabe übernommen, in der von ihm (gegründeten und verwaltetenjüdischen Stadt ein Kunstmuseum zu errichten; eine Stätte, die die bildnerischen Werte jüdischen Schaffens bewahren soll. Wir haben bereits über die erste. Etappe dieser Museuims-giriünduinig ausführlich berichtet. Wer Dizengoffs unverwüstliche Energie kennt und den aufopferungsvollen Ernst, mit dem dieser 71jäihrige Jüngling für das jüdische Palästina tätig ist, kann die vollste Zuversicht in das Gelingen dieses neuen Werkes hegen. Der Aufenthalt Dizengoffs in Wien galt der Aufgabe, zunächst mit allen jenen jüdischen Persönlichkeiten in Fühlung zu treten, deren Mitarbeit für ein jüdisches Nationalimiseuim in Erez Israel von Wert und Bedeutung ist. Tatsächlich fand sich'in allen Kreisen des jüdischen Wieii regstes Interessefür das Tel Awiwer Kunstmuseum und in der kurzen Zeit seines Aufenthaltes — D-izengof-f weilte bloß zwei Tage in Wien — konnte «ich der Tel Awiwer Bürgermeister der Teilnahme zahlreicher Schriftsteller, Künstler,. •Sammler und Kunstliebhaber vergewissern. Das bereits bestehende Komitee (Ehrenpräsidiuni Ing. Johann K r emenezky) wurde durch namhafte Persönlichkeiten des Wiener Kunstlebens erweitert und ist bereits an die ersten Vorarbeiten herangetreten. Von Wien aus soll der Aktionsradius ' a.uf ganz Mitteleuropa ausgedehnt werden. In der sicheren Hoffnung, in Wien die besten Kräfte für seine Idee gefunden zu haben, begab sich Dizemgoff nach Polen, wo ahm in Warschau ein begeisterter Empfang seitens der jüdischen Bevölkerung . .zuteil wurde. Wie berichtet wird, wurde Dizengo.ff am Warschauer Bahnhof von einer tausendköpfigen. Menge empfangen. Bei einem Preseeempfang gab Dizengoff zunächst ein Bild der neuen jüdischen Stadt und erklärte sodann, nach Polen im Interesse des nationalen jüdischen Museums gekommen zu sein: Tel Awiw soll nicht nur ein Zentrum von Handel und Industrie bleiben, sondern auch ein Zentrum jüdischer Kultur werden. Standardwerke jüdischer Kunst aus allen Ländern sollen gesammelt und im Museum von Tel Awiw untergebracht werden. Das Museum in Tel Awiw wird auch eine ethnographische Abteilung erhalten, die ein Bild von den Lebensformen der Juden überall in der Welt geben soll. Dizengoff erzählte, daß bei seiner Anwesenheit in R o m der italienische Unteoririchtsminister ihm verversprochen habe, Reproduktionen aller biblischen und anderer jüdische Motive behandelnden Gemälde der berühmten italienischen Museen zur Verfügung zu stellen. In London hat sieh eine Gesellschaft der „Freunde des Museums in Tel Awiw" unter Teilnahme des Innenministers Sir Herbert Samuel gegründet. In Paris besteht eine solche Gesellschaft unter der Führung der Künstler Qiagall und Aroneon. Solche Delegiertentag der deutschen Zionisten aufgeflogen Schamlose Heise gegen den Revisionismus — FfugbläftenDemonsfration Poli'zei'knüppel Frankf urt, 13. September. Von unserem deutschen Korrespondenten wird uns berichtet: Der in Frankfurt abgehaltene Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung spiegelte den Geist wider, der heute im offiziellen deutschen Zionismus herrscht. Es war eine erstarrte, leblose Parade abgetaner „Führer". Das Fehlen der Zionisten-Revisionisten drückte der Tagung den Stempel auf;, die Zahl der Delegierten war weitaus geringer als sonst. Die Referate brachten belanglose Betrachtungen, philosophische Sophistereien über Antisemitismus, die Generaldebatte Geheul und Gekneife über den R e v isionismus. Charakteristisch war' das Referat des Londoner Exekutivmitglieds Prof. Selig Brodetzky, der sich in der Betonung der „jüdischen Schwäche" nicht genugtun konnte und auch in der Versicherung, daß es unmöglich sei, antibritische Politik zu führen. Trug dieser Teil (Jes Brodetzkyschen Referats gähnende Langeweile in den Saal, so belebte;sich das Forum ein wenig, als er gegen die revisionistische Bewegung scharf Stellung nahm. Das Londoner Exekutivmitglied verlangte die Eliminierung der „Zerstörer der nationalen Disziplin'*. Auch die anderen Redner, so Dr. Nahuni Goldmann und Dr. Gustav Kro ja n k e r, putzten die Inhaltslosigkeit der Tagung durch antirevisi on istische Provokationen auf. „Tolle Derwische", „Woa^aximalistenV „antizionistische Auswüchse", das waren die Auslassungen dieser intellektuell-vornehmen Persönlichkeiten. Die im Saal anwesenden Revisionisten, reagierten auf diese Provokationen durch Abwerfen von Flugblättern, in denen die Verleumdungen und die Gesamthaltung der Delegiertem angeprangert werden. Im Zusammenhang mit einer scharfmacherischen Rede des sozialistischen Z. V, f. D.-Funktionärs Alfred Berger kam es zu tumultuösen Zwischenfällen. Alfred Berger erdreistete sich, unter Beifall des Delegiertentags, von „jüdischen Braunhemden" zu spreclttn, von einem „Hille rismu«, der dem Zionismus Schande bringe", vom „Trumpeldar, der mit der Reitpeitsche zu behandeln sei", vom „blöden Gewäsch der Revisionisten, die gegen den Klassenkampf auftreten", Pie Revisionisten antworteten damit, daß sie neuerlich unzählige Flugblätter in den Saal warfen. Delegierte und Ordner stürzten eich auf die revisionistischen Jugendlichen. I£s kam zu einer Schlägerei, die nur mit Mühe unterdrückt werden konnte. Als dann die Tikwah gesungen wurde, herrsphte vollkommene Ruhe. Aber während anschließend daran da« Klasseokampflied pTechsakna" von den Delegierten angestimmt wurde, beantworteten die Revisionisten diese Beleidigung der Nationalhymne mit ostentativem Sitzenbleiben und neuerlicher Verteilung von Flugblättern. . Daraufhin kam es zu wüsten Zusammenstößen. Brith-Schalom-Sozialiisten überfielen feige einzelne Revisionisten von hinten und holten Polizei herbei, als die Revisionisten zur Gegenwehr schritten. Polizeikmüppel und Riesentumult schlössen die Tagung des offiziellen deutschen Zionismus ab. Das erste Flugblatt der Frankfurter Brith •Trumpeldor lautet: ' Schämt Ihr Euch denn nicht?! Wehrt sich keiner von Euch Delegierten einer „zionistischen" Vereinigung für Deutschland, wenn im Gassenbubenton der satte Bourgeois, Scharfmacher und Salonsozialist Berger 52.000 Betarim — junge Zionisten — mit Antisemiten übelster Art identifiziert? Habt Ihr denn kein Gefülü für die Unverschämtheit und Roheit. 52.000 junge Menschen, die gewillt sind, ihre Zukunft dem jüdischen Volk zu weihen, ihr Leben, ihr Alles zum Aufbau des jüdischen Staates zu opfern, wißt Ihr nicht, was es heifit, beste Hoffnung jüdischer Nation als „Hitler-Horden" durch den Schmutz zu ziehen, sie zu verwünschen? Habt Ihr denn den letzten Glauben an den Lebenswillen jüdischer Jugend verloren? Meint Ihr denn wirklich, daß man so jungen Juden entgegentreten darf? Wird keiner von Euch Delegierten einer „zionistischen" Vereinigung für Deutschland auf die Tribüne Eurer heutigen Tagung treten und klar und vernehmlich sagen: „Dieser Berger hat mit uns Delegierten nichts, aber auch gar nichts zu tun!" B r i t h T r u m p e 1 d o r, Frankfurt a. M. Die Zurückweisung der schamlosen Hetfce gegen den Revisionismus fand in folgendem Flugblatt ihren Ausdruck: Gegen schmutzige Kampfmethoden — für Sauberkeit des politischen Kampfes! Der bisherige Verlauf des Delegiertentages -•vingt die Leitung der Revisionistischen Union, Ortsuppe Frankfurt a. M., zu folgenden Feststellungen: Pie revisionistische Bewegung kämpft für das politische Ziel Theodor Herzls — für den Judenstaat. :';ie kämpft gegen jede Verkleinerung des Zionismus, biegen Strömungen des deutschen Zionismus, die eine 3agatellisierung und volksfremde Vergeistigung unserer Ziele und damit eine Vernichtung der nationalen Befreiungsbewegung der Juden überhaupt herbeiführen. Im Zeichen des Kampfes um die Lösung der Judenfrage scharen sich immer größere Massen des jüdischen Volkes um das Banner der alten Herzischen Ideale. Der bisherige Zionismus hat sich unfähig gezeigt, die jüdischen Ziele zu vertreten und hat nur zu Niederlagen geführt. Daher verlangen die Massen Aenderung der politischen Methoden. Das alles rechtfertigt nicht schamlose Beleidigungen, als ob die Bewegung des Judenstaatszionismus eine Hitler ähnliche Bewegung sei. Sogenannten sozialistischen Zionisten, Söldlingen des Z. V. f. D, blieb der Ruhm vorbehalten, Judenstaatler in dieser perfiden Form anzugreifen. Der Tritt der legionistischen zionistischen Jugend wird diesen „moralischen" Zionismus zertreten und die Reinigung der zionistischen Athmospäre herbeiführen.