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Die neue Welt · 1932-09-16 · Heft 261 (16.9.1932) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 261 (16.9.1932)
Date
1932-09-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seife.-.) DIE NEUE WELT Nr. 261 I SIEGM. KORNMEHL i GROSSPLElSCtflfAUBABI I Zentrale; IX., Berggasse t9, Tel. A-17-3-99 ü. A-16-9-34 I Lieferant für Heilanstalten I Abtajlunpen für -^n-Reisch 1 nnter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. * Kultusgemeinde Wien i Autosust«llung kostanltf» IX., Barggaue IS ✓ XVIII., WHhrlngtrstr. »7 ................................................Mhitimiiiitmititti(miiiHtiiimmnmii?ntmtiMimtiitir»)WK mittmimiiiiWMtmimit.iMniiimmMmmHmHiiminmimiii^^ Gesellschaften sollen nun avtch in Polen entstehen. Dir. J. S z y p e r teilte mit, daß in Warschau bereite ein Komitee für das Museum in Tel Awiw tätig sei. Dizengoff wurde vom P r ä 6idiiu m des Wa rschauer Stadtrates feierlich empfangen. Stadtvizepiräsddont Wilzcyneki begrüßte den Gast in französischer Sprache. In der Amtswohnung des Stadtpräsidenten lag. Slomynski fand zu Ehren Dizengof'fs ein- Empfang statt, an dem das gesamte Stadtpräsidium sowie mehrere andere führende Persönlichkeiten Warschans teilnahmen. Präsident Slomynski begrüßte Dizengaff in polnischer Sprache, Dizengoff antwortete hebräisch und lud den Warschauer Stadtpräsidenten zu einem Besuch von Tel Awiw ein. Das ist ein Bericht, der über Dizengoffs Besuch in Warschau' vorliegt. Das Warschauer Bürgermeisteramt hat also das Tel Awiwer Bürgermeisteramt in Bürgermeister Dizengoff geehrt, keine außergewöhnliche Erscheinung,; da der Warsohaueii* Bürgermeister weiß, was er , einem Kollegen, der seiner Stadt einen Besuch 'abstattet,* ah Courtoisie und im Volk erleben üblicher Höflichkeit schuldig ist. Ueber einen Empfang Dizengoffs' "durch den B ü r g e am e i s t e r Wiens liegt kein Bericht Tor. Vön, Warschau, begab sich Dizengoff nach B e tlin, um •dert.naeb-de'n bereits bestehenden Mustern-ein Komitee; für sein Museum einzurichten. Sein Besuch galt in erster. Linie .den beiden jüdischen Künstlern Max Liebertötfann und Hermann Struck, von denen bekannt ist,; daß sie an der Ausgestaltung des Museums regen Anteil nehmen und '.graphische Blätter dem Miiseum verehrt haben. Die Mitarbeit dieser beiden Persönlichkeiten wird zweifellosauf die anderen Komateezeniren' anireg.end wirken.". . W4e. Bürgermeister ' Dizengoffin Wien erklärte,! soll im<^i^ja^;4^i-'dai5 'Kunis^i^ttm der jüdischen-; Welt pif äßeniiart werden; . v V Au§ de* |udi§dien Weif Großer Abend jüdischer Musik int Beograder . Rundfunk <■: '^Donnerstag, den 22. September, 20,30 Ubr., veranstaltet das Beograder Radio ein großes Konzert jüdischer Musik, das von Qberkantor Arnold Gruflmann (Beagrad)„ vom Bjaddoorohester und Radioquartett bestritten wird. Programm: Synagogale Gesänge, darunter Kol Nidrej von A. Grußmann, bearbeitet und instrumentiert von Ladislaus Grimsky, und jüdische Volkslieder; eine symphonische Dichtung ,i.yon Lea" von Ladislaus Grinsky nach der Tragödie von Alex. Brody; Israel Blandinanns (Wien) Quartett „Variationen über ejn palästinensisches Volksthema". Das Konzert wird nach Zagreb übertragen. Juden in Detroit für Palästina. Unter den Juden von Detroit (U. S. A.) nimmt das Interesse für praktische Palästina-Arbeit immer mehr zu. Fünfzehn jüdische Organisationen von Detroit haben sich gegenüber dem Jüdischen Nationälfonds verpflichtet, in dem in Palästina zu pflanzenden Washington-Wald einen Detroit-Hain mit tausend Bäumen auf ihre Kosten zu pflanzen., 65 jüdische Familien in Detroit haben sich zu dem Ziele organisiert, auf dem Boden des Jüdischen Nationalfonds in Wadi Hawarith in Palästina eine Arbeiterkolonie zu errichten. Jedes Mitglied der Organisation wird 20 Dunam Boden, von dem 10 Dunam mit Orangen zu bepflanzen sind,, zugewiesen erhalten. Die Siedler werden für die Dauer von fünf Jahren jährlich 2500 Dollar beitragen. Sobald die Plantagen Früchte zu tragen beginnen, werden die Mitglieder der Organisation nach Palästina übersiedeln und die Bewirtschaftung des Bodens übernehmen. Inzwischen wird der Boden von der der Histadruth angeschlossenen Gruppe „Yakhin" kultiviert- . . Dr. Emanuel Olschwanger geht nach Palästina. Der bekannte Philologe, Folklorist und Keren-Hajessod- Pionier Dr. Emanuel Olschwanger übersiedelt mit seiner Familie in diesen Tagen endgültig nach Palästina. Die englische zionistische Föderation veranstaltete für Dr. Olschwanger einen Abschiedsempfang. Es wurde, beschlossen, die Namen von Herrn und Frau Dr. Olschwanger in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds einzutragen. Ein deutsches poale-zionistisches Wochenblatt. Die Leitung der vereinigten poale-zionistischen Partei in der Tschechoslowakei hat den Beschluß gefaßt, in diesem Winter mit der Herausgabe eines Wochenblattes in deutscher Sprache unter dem Titel vDer neu e W eg*' zu beginnen. Aufgabe des Blattes wird der Kampf für das Werk deß arbeitenden Palästina, für die Produktivierung der jüdischen Massen, ihre Gewinnung für den zionistischen Sozialismus und der Kampf für die Stärkung des Arbeiterflügels in der zionistischen Weltbewegung sein. 150.000 Juden in Marokko. Die Zahl der Juden in Französisch- Ma r o k k o betrug Ende Mai 1931 laut den im Regierungsanzeiger veröffentlichten Ziffern 107.603( Diese Zahl betrifft jedoch nur die eingeborenen Juden, nicht aber ausländische oder europäische Juden, deren Zahl auf 5000 bis 6000 geschätzt wird. Außerdem zählt man in der internationalen Zone in Tanger und in Spanisch-Marokko eine jüdische Bevölkerung von annähernd 20.000 Seelen. Die Gesamtzahl der Juden in Marokko ist laut begründeter Schätzung 150.000. Die bedeutendsten jüdischen Zentren in Marokko sind Casablanca mit 19.960, Fez mit 11.307, Meknes mit 7745, Mogador mit 5468 und Rabat mit 4218 Juden. Boykottunruhen in Warschau. In der Stökrzyska-! straße, wo es viele jüdische Buchläden gibt, kam es zwischen jüdischen Schülern, die zu Beginn des Schuljahres Bücher einkaufen wollten, und nationaldemokratischen Boykottagitatoren, die die jüdischen Buchhandlungen blockierten, um die Käufer von ihnen fernzuhalten, zu schweren. Zusammenstößen. Ein großes Polizeiaufgebot war nötig, um die Ruhe wiederherzustellen. Die Nationaldemokraten verbreiteten massenhaft Flugzettel mit der Ueberschrift: „Schüler, kauft nicht in jüdischen Buchläden f Denkt daran, daß die Juden Waclawski, den Vorkämpfer, für Wahrung des polnischen Charakters der Uniyersität, ermordeten!" „Franz-Josef-Bitterwasser überaus milde wirkendes Abführmittel. Ein Kongreß der Muselmanen Europas in Genf Wie die in Genf von Aegyptern herausgegebene Zeitung „La Tribüne d'Orient" meldet, soll nun der Plan zur Einberufung eines Kongresses der in Europa lebenden Muselmanen energisch in Angriff genommen worden sein. Der Plan wurde von dem in Jerusalem Ende 1931 stattgefundenen islamitischen Kongreß gebilligt. Mit den Vorbereitungen des europäischen muselmanischen Kongresses ist Mahmoud Salem Bey, ehemaliger Richter an den „Tribunaux mixtes" in Aegypten, betraut worden. Mahmoud Salem Bey besuchte in den letzten Monaten zu diesem Zweck eine Reihe von Ländern und weilte letztens auch in Genfi Die Initiatoren des Kongresses haben die Absicht, ihn nach G en f einzuberufen, und er soll, wenn möglich, noch im Laufe des nächsten Jahres stattfinden. Der geplante Kongreß hat zum Ziel, die in Europa lebenden sieben Millionen Muselmanen einander näherzubringen und sie zu einet gemeinsamen Aktivität im Geiste des Islam« su yer* einigen. Sowjetrußlands Juden ver§di winden als Volk Völliges* Untergang lausender Familien Tel-Awiw, 10. September. (J. T. A.) Die auswärtige Delegation der " zionistisch-sozialistischen Organisation Rußlands hat soeben einen Bericht über die Lage der Juden in Rußland erscheinen lassen, in,dem es u. a. heißt: Tausende Juden in Rußland gehen dem Hungertod entgegen. Täglich erhalten wir Notschreie aus Rußland, in denen wir um Hilfe angefleht werden. Hungertyphus und ansteckende Krankheiten breiten sich aus, in vielen jüdischen Dörfern der Ukraine sind Epidemien ausgebrochen. Damit nicht genug, die jüdische Bevölkerung hat auch noch unter Regierungsdekreten, wie „D o 11 a r -1 n q u i s i t i o n" u. a. m." zu leiden. Das Problem der russischen Judenheit präsentiert sich uns jetzt in seinem vollen "Ernst. Das Sowjetregime1 konnte nur einen kleinen Teil der Juden' in sein Wirtschaftssystem einbeziehen, die Mehrheit der Juden blieb bis heute o h n e j e d e. E x i s te n z m ö gl i c h.k e i,t. Die Zahl der Deklassierten ist untetf.den Juden .weit größer als unter '.den, .^ichtju:den..;|DÄTch,v:naß' die Sowjetregierung den Antisemitismus^^ sie€lüng mehrerer tausend Jifden ':äuf dim 'Lande sorgt, ist das Problem der Hunderttausende deklassierter Juden, die tatsächlich Hunger leiden, nicht gelöst. Bei aller Würdigung dessen, was die Sowjetregierung nach dieser Richtung tut; dürfen wir' unsere Augen nicht vor' der Tatsache verschließen; daß Tausenden jüdischen Familien in Sowjetrußland völliger Untergang droht. Dieser physische Untergang der' jüdischen Massen geht Hand in Hand mit .einer geistigen Assimilation und dem völligen Verschwinden jüdischer nationaler Eigenschaften. Jeder geistige und kulturelle Fortschritt nach der Richtung, der hebräischen Sprache,- der hebräischen Kultur und des Zionismus hat aufgehört. Die junge Generation ist mit wenigen. Ausnahmen t dem eigenen Volke entfremdet. Die Juden In Rußland verschwinden als Volk. Es ist Pflicht dei Judenheit in. der ganzen Welt, diesem Problem sein besonderes Augenmerk zuzuwenden. Das Bulletin der Auslandsdelegation des russischen Hitacbduth veröffentlicht eine Anzahl Briefe, die die obigen Ausführungen belegen sollen. In einem Brief aus Zizenyk; Podölien; wird mitgeteilt, daß in einem Dorfe in einer; einzigen Nacht dreizehn Juden gestorben waren und daß die M a s s en b e s t a 11 u n g der Verstorbenen auf die gesamte jüdische Bevölkerung des Distrikts einen niederschmetternden Eindruck gemächt hat. In einem aus Zmerdnka datierten Brief wird erzählt, daß die Menschen in den Häusern und das Vieh auf den Feldern Hungers sterben und daß die Züge voll sind von Flüchtlingen, die ihre Dörfer verlassen und ziellos umherreisen. Ein Pfund Mehl kostet zweieinhalb Rubel, ein Pud (40 Pfund) Kartoffeln 30 Rubel, in Odessa sogar 60 Rubel. Die Preise sind noch im Steigen. An den Hunger haibeh sich die "Mens'öhen nachgerade schon, gewöhnt, schlimmer sind die. zahllosen plötzlichen V e r h a f tun gen unschuldiger Mensche n. Die Verhafteten werden in dunkle Keller geworfen. All das sehen jene Touristengesellschaften, die in Rußland gut empfangen und. .bewirtet werden, nicht. Wenn sie, heißt' es in dem Briefe, zu.* uns kämen, wir würden sie schon über die wahre Sachlage informieren. In einem anderen Briefe wird erzählt, daß man fortwährend in den Straßen Menschen mit vom Hunger geschwollenen Gesichtern ,,und , eingesunkenen Augen begegnet. Ungeachtet all des Elends werden jetzt auch noch, die Deklassierten aus ihren Häusern vertrieben. Viele'haben kein Dach mehr über ihren Köpfen. lärtyrium der Herriol kündigt Maßnahmen gegen die antisemitische Heize in Tunis an Paris, 10. September. (J. T. A.) Die. französische: Liga zur Bekämpfung des A n tis emitisinns hat in< einer Zuschrift an ihren Ehrenpräsidenten, den jetzigen- Ministerpräsidenten Edouard Herriot; dessen Aufmerk- Vsamkeit ai»f die vor kurzem in Tunis, Sfax, Ariana und in anderen Städten Französisch-Nordaifrikaß stattige-, fundenen Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung gelenkt. Ministerpräsident Herriot erwiderte: :. ,JDie französischen Behörden in' Tunis werden,; dessen dürfen Sie sicher sein, jedweden neuen Ausbruch gegen die luden zu verhindern wissen. Die Exzesse w<urden durch Agitatoren, die sich die gegenwärtig im Lande herrschende Wartsohaftsnot zunutze machen, ins Wenk gesetzt." Herriot fordert die Liga zur Bekämpfung, des Antisemitismus auf, ihren -Einfluß auf die Juden in Tunis nach der Richtung auszuüben, daß jede Uniklugheit vermieden werde, da es angesichts des in Tunis wieder in Erscheinung getretenen religiösen Hasses; außerordentlich wichtig sei,, daß jede Aktion vermieden; wird, die, in falscher Auslegung, als g<?gen die moslemitische Religion gerichtet interpretiert werden könnte. Ministerpräsident Herriot teilt mit, daß der Generalresident von Tunis dem Keren-Hajessod-Delegierten, Herrn Ha lpern, davon abgeraten habe, auf . öffentlichen zionistischen Versammlungen, die aus Anlaß seiner Anwesenheit in Tunis arrangiert worden waren, zu sprechen, damit Unruhen vermieden werden. In dem Schreiben der Liga an Herriot war auch darauf hingewiesen worden, daß die französischen Behörden in Tunis dem Führer der Zionisten-Revisionisten Wladimir Jaibotimsky das Einreisevisum verweigert haben. Auf diesen Hinweis nimmt Herriot im seinem Antwortschreiben keinen Bezug. Hat der Mufti seine Hand im Spiel 1 ..• Tunis, 9. September. (J. T. A.) Unbeschadet dessen, daß der französische Ministerpräsident Edouard Herriot der Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus in einem Schreiben erklärt hat, die französische Behörde in Tunis werde jeden weiteren Versuch von Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung zu verhindern wissen, wird die Judenschaft in Tunesien von einer Welle neuer, gegen sie gerichteter Ausschreitungen von Arabern heim-, gesucht. Wiederum diente den antisemitischen Agitatoren die Legende, daß Juden die;Religion der .Moslems verhöhnt haben, als Motiv zur Erregung von Unruhen. Die neue Serie der Ausschreitungen begann in M o k n i n in Tunesien. Hier zählt man mehrere jüdische Verletzte, einige der Verletzten liegen bedenklich darnieder. Die Exzesse in Moknin begannen mit einem Streit zwischen dem jüdischen Kaufmann Pinchas Uzan und einem arabischen Kunden, wobei die durch den Streit herbeigelockte Menge gegen Uzan Partei ergriff und ihn schwer mißhandelte. Als Uzan zu seinem Schutze die Polizei heranrief, erklärten die Exzedenten, Uzan hätte die Religion der Moslems verhöhnt. Es fanden sich bald Zeugen, die in diesem Sinne aussagten. Daraufhin wurde Uzan verhaftet. Bald aber stellte sich heraus, daß die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen erfunden wären, und er wurde aus der Haft entlassen. Einige Tage später reiste Uzan in ein entlegenes arabisches Dorf. Dort wurde er von Arabern, die sich an den Schlägereien in Moknin beteiligt hatten, erkannt und fürchterlich zugerichtet. Als darauf drei der arabischen Angreifer verhaftet und nach Moknin gebracht wurden, rottete' sich eine Menge von mehreren tausend Arabern vor dem Polizeif;eböude zusammen und forderte stürmisch die Frei: assung ihrer Glaubensgenossen. Als die Polizei gegen die Menge vor dem Gebäude scharf vorging, stürmte der Mob aus Rache das jüdische Stadtviertel. Die Juden verbarrikadierten sich in ihren Häusern und schickten der stürmenden Menge ihre Selbstschutztrupp«

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