Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 260 (9.9.1932)
- Date
- 1932-09-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE NEUE WELT Streng rituell... wird Kunerol erzeugt, in modernen, appetitlich reinen Anlagen, die vom Publikum jederzeit besichtigt werden können. Kunerol ist garantiert reines, 100%iges Pflanzenfett Seine besonderen Vorzüge sind: Großer Nährwert, leichte Verdaulichkeit und lange Haltbarkeit Kunerol wird unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt KUNEROL 100% REINES K0K0S NUSS FETT Nr. 260 in Angriff genommen werde. Diese haben im Sinne des von der Weltorganisation revisionistischer Frauen (Weref) festgelegten Programms die politische Schulung der Frauen und Mädchen in revisionistischem Sinne durchzuführen und ihre Kräfte der Arbeit für die Fonds und fik Tozereth Haarez zu widmen. Die Konferenz revisionistischer Frauen erwartet von der Erfassung der Frauen und Mädchen auf dem Boden des Revisionismus eine wesentliche Stärkung unserer Bewegung, insbesondere des Tel-Chaj-Fonds, der Arbeit für Tozereth Haarez und der anderen zionistischen Aufgaben. Tozereth Haarez auf der Welt* konferenz Ausstellung palästinensischer Produkte Anläßlich der revisionistischen Weltkonferenz hatte die bekannte Importfirma Gustav Wilder (Wien- Bratislava) im Hotel Continental eine Art Musterkoje für palästinensische Produkte eingerichtet, die die Bedeutung von Tozereth Haarez ins rechte Licht xu setzen geeignet waren. Gustav Wilders Bemühung war;uii so erfreulicher, als der Reinertrag der Ausstellung für den Tel-Chaj-Fonds bestimmt war. An erster Stelle stand die reiche Auswahl in Karmel-Weinen von Rischon Ie Zion und Jaffa Brandy (Kognak), Produkte, die in ihrer Qualität den feinsten französischen Marken ebenbürtig sind. Daneben waren in geschmackvollster Adjustierung: Jaffa-Orange, d. i. die „Jaffa-Orange in der Flasch e": Naturreiner Orangensaft in Flaschen mit einem Zusatz reiner Zuckerraffinade, wobei als Verdünnungsfähigkeit 7 bis 8 Teile Wasser in Betracht kommen. Produzentin ist die Firma A s i s in Ramatgan bei Petach Tikwah. deren Fabrik inmitten der Orangengärten steht und die frischen Früchte verarbeitet. Getrocknete Trauben: Verpackt in Schachteln in der Art der Malagatrauben, aus dem Emek Esreel. Der Schemen nimmt einen breiten Raum in der Ausstellung ein, und zwar in der Hauptsache Seifen, Seifenflocken, Olivenöle und Tafelöl (in Kannistern). Die Emballagen, modern und praktisch, sind durchwegs in Erez Israel entworfen und hergestellt worden. Da derzeit keine Früchtesaison ist, konnten die wertvollsten Importprodukte der Firma Gustav Wilder, wie Orangen, Grappe fruits und Bananen nicht in natura gezeigt werden. Die Popularität der seit elf Jahren bestehenden Firma ist darauf zurückzuführen, daß sie in mustergültiger Weise die Palästina-Produkte propagiert und nur erstklassige palästinensische Häuser vertritt, und zwar R o t h s c h i 1 d - K e 11-e r e i e n (Rischon le Zion), Schemen Works Ltd. (Haifa), Tenuwa Ltd. (Tel-Awiw), Hamaschbir Ltd. (Tel-Awiw), H achaklai (Agricultural, Cooperative Petach Tikwah), Grands Moulins (Haifa). Die zahlreichen Gäste der revisionistischen Weltkonferenz hatten Gelegenheit, die Früchte der zionistischen Aufbauarbeit und die Leistungen der Privatinitiative zu bewundern und zu genießen. Au§ der jüdfedien Welt Dr. Mayer Ebner 60 Jahre alt. Am 18. September vollendet der bekannte jüdische Politiker und Publizist Dr. Mayer Ebner, früherer Senator und jetziger Deputierter der rumänischen. Kammer, sein 60. Lebensjahr. Dr. Mayer Ebner ist seit Jahrzehnten Führer der Bukowinaer Zionisten und wurde in der Nachkriegszeit einer der Führer der Judenheit. Groß-Rumäniens. Dr. Ebner, ein angesehener Czernowitzer Advokat, ist Herausgeber der dreimal wöchentlich in deutscher Sprache erscheinenden „Ostjüdischen Zeitung". Der zionistischen Bewegung schloß sich Ebner seit dem Auftreten Herzls an und ist seither einer ihrer eifrigsten Propagandisten. Er nahm schon an dem ersten Zionistenkongreß in Basel sowie an fast allen späteren Zionistenkongressen als Delegierter teil und gehörte während verschiedener Perioden dem A. C. an. Der neue Großrabbiner von Brasilien. Dr. Isaiah Raffalowitch, der offizielle Repräsentant der Jewish Colonization Association (ICA), wurde zum Groß r abbin er von Brasilien proklamiert. Großrabbiner Raffalowitch hatte bereits mehrere Jahre hindurch, jedoch ohne offizielle Bestätigung, die Funktionen eines geistlichen Oberhauptes der Juden Brasiliens ausgeübt. Vor kurzem wurde ein je zur Hälfte aus aschkenasischen und sophardischen Juden bestehendes Komitee gebildet, das die Vertreter aller jüdischen Gemeinden Brasiliens zu einer Versammlung einlud, in der von den Vertretern der einzelnen Gemeinden eine Erklärung, durch die Dr. Raffalowitch als Großrabbiner anerkannt wird/unterzeichnet wurde. Die Synagoge in Cordova wird nicht den Juden zurückgegeben. Das spanische Parlament hatte, wie schon .mitgeteilt, auf Antrag des Deputierten Antonio Jean, Direktors des Cordova-Lyzeums, beschlossen, die vor kurzem in Cordova ausgegrabene, aus dem 14. Jahrhundert stammende, schöne Synagoge den Juden zurückzugeben. Nunmehr hat die Altertumskommission des Unterrichtsministeriums einen Schiedsrichterspruch erwirkt, wonach der Parlamentsbeschluß als. wirkungslos erklärt wird. Die Synagoge wird nicht der jüdischen Gemeinde zurückgegeben, sondern wird der Altertumskommission unterstellt. Jüdische Geschichte für Kinder. In Berlin erschien soeben in jiddischer Sprache ein neues Buch von Professor Simon Dubnow: „Jüdische Geschichte, erzählt für Kinder", das auf 288 Seiten einen Abriß der jüdischen Geschichte seit uralten Zeiten bis auf den heutigen Tag gibt. Der gut ausgestattete Band, der 70 Bilder und Landkarten enthält, ist sowohl für den Schul-, wie für den Selbstunterricht eingerichtet und bei allen jüdischen Schulorganisationen und Buchhandlungen zu beziehen. Der Führer der zionistischen Jugend Ungarns tödlich verunglückt. Im Badeort Göd an der Donau ist am LESET UND VERBREITET //DIE NEUE WELT"! ''iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii'' 19. August Ing. Emanuel Werner, Mitglied der Exekutive des Ungarischen Zionistenverbandes und Präsident der Hitachduth Hanoar B'Hungaria, tödlich verunglückt. Der Tod des Führers der ungarischen zionistischen Jugend hat in zionistischen Kreisen allgemeine Trauer hervorgerufen. Hakenkreuz in Lettland. In Lettland hat sich eine Nationalsozialistische Partei gebildet, die Hitlers Programm genau übernimmt, aber an dessen Spitze die octrem-nationalstaatliche Forderung „L e 11- 1 a n d den Letten" stellt, die sich ebensosehr gegen die Deutsehen wie gegen die Juden richtet. In einer Volksversammlung der lettischen Nationalsozialistischen Partei legte der lettische Hitler, der den deutschen Namen Stellmacher trägt, das Programm der jungen Partei vor. Seine Rede gipfelte in der Forderung, alle Nichtletten in Lettland zu Bürgern zweiter Klasse zu degradieren; die Staatsgewalt dürfe lediglich in den Händen von Letten liegen, im Parlament sollten in Zuknuft nur Letten sitzen, keine Deutschen oder Juden. Stellmacher betonte die Notwendigkeit, sich der „internationalen antisemitischen Bewegung anzuschließen". Er beruft sich auf Hitler, der für Deutschland die gleiche nationalstaatliche Forderung aufgestellt hat wie er, Stellmacher, für Lettland. Unter den Deutschen in Lettland besteht Besorgnis im Hinblick auf die Möglichkeit, daß die junge Nationalsozialistische Partei erstarken und den Boden für die Entrechtung sowohl der Deutschen als auch der Juden in Lettland be-< reiten könnte. Bethaus in der Mensa academica judaica. Der Verein zur Erhaltung und Förderung der Mensa academica judaica veranstaltet auch heuer anläßlich der hohen Feiertage im Lokal der Mensa, 9. Bez., Zimmermannplatz 8, ein Bethaus (Miujan). Für gute Vorbeter wurde gesorgt. Das Reinerträgnis wird zur Gänze für Freitische an arme Studenten verwendet. Der Kartenverkauf findet täglich von 9 bis*5 Uhr im Sekretariat der Mensa, 9. Bez., Zimmermannplätz 8, Telephon B-47-4-66, statt. Aus Polen Scharfe Kritik an der Judenpolitik der Regierung. Das jüdische Mitglied des Kongresses der Vereinigten Staaten von Amerika, Samuel Dick stein, der etwa zwei Wochen in Polen geweilt und Material über die Lage der Juden in diesem Lande gesammelt hat, schildert in der Warschauer jüdischen Tageszeitung „Hajnt" seine Beobachtungen in Po- \en und führt unter anderem aus: Wo immer ich während meiner kurzen Anwesenheit in Polen .geweilt habe, merkte ich ein systematisches Zurückdrängen des jüdischen Elements von der Arbeit und der Produktion. Nur daraus ist die ungeheure Verarmung der jüdischen Bevölkerung zu erklären. In mancher Kleinstadt ißt jeder zweite Jude auf öffentliche Mildtätigkeit angewiesen. In einer Stadt mit 500 jüdischen und nur etwa 40 polnischen Einwohnern bestand der Magistrat aus lauter Polen. Und dieser Magistrat sorgt dafür, daß kein Jude eine öffentliche Stelle bekleidet oder an öffentlichen Arbeiten beteiligt wird. Die Umsatzsteuern sind unerträglich. Man erzählte mir, daß ein jüdischer Händler, dessen Geschäftskapital 2000 Zloty beträgt, mit 10.000 Zloty besteuert wird. Ein amerikanischer Jude besuchte seinen alten Vater in Poleu. Am Tage seiner Ankunft erschien der Steuerexekutor und nahm ihm eine goldene Uhr und Kette ab für Steuerrückstände seines Vaters, die zehn Jahre zurückliegen. Ich habe den Eindruck gewonnen, daß in Polen ein verborgener Kampf gegen die Juden geführt wird, in der Weise, daß man ihnen jeden Weg zum Leben versperrt. Von all den Arbeitszweigen und Produktions- Jebieten, in denen sie einst führend waren, blieben den uden bloß Reste eines ruinierten Handwerks und eines untergehenden Handels. Sie sind wie in Käfigen zusammengepfercht und dem Ersticken nahe. Sobald ich nach den Vereinigten Staaten zurüok- Eekehrt sein werde, schließt Congressman Samuel tickstein,, werde ich das Schweigen, das ich hier in Polen geübt habe, brechen. Seit zwölf Jahren gehöre ich dem Kongreß der Vereinigten Staaten an, seit einer Reihe von Jahren bin ich Vorsitzender der Immitrations-Kommission des Kongresses. Ich werde meine Kollegen aufklären und auch bei der amerikanischen Regierung intervenieren. Mit dem polnischen Gesandten in Washington werde ich ebenfalls über die Sache reden. Die polnische Regierung muß es wissen, daß, wenn der polnische Staat einen gleichberechtigten Platz unter den freien Rupubliken der Welt beansprucht, er auch alle seine Bürger ohne Unter* schied der Rasse und der Religion als gleich* berechtigt behandeln muß. Die polnische Volkszählung und die Juden Der Londoner „Jewish Ohronicle" schreibt: Ueber 200.000 polnische Juden sind vollkommen verloren gegangen, obwohl kein Erdbeben, keine Seuche und kein Pogrom zu verzeichnen waren. Die soeben veröffentlichten offiziellen Volkszählungsziffern geben eine Abnahme der jüdischen Bevölkerung um 200.000 Seelen seit der Volkszählung ini Jahre 1921 an. Damals betrug die polnische Bevölkerung 27 Millionen Seelen, unter ihnen 3,200.000 Juden, während jetzt in Polen über 32 Millionen Seelen, unter ihnen weniger als 3 Millionen Juden, gezählt wurden. Die Abnahme ist ein Ergebnis des Volkszählungsfrageböigens, der die Sprache, nicht die Religion zur Grundlage der Nationalität machte, wodurch nur Juden, die Jiddisch oder Hebräisch als ihre Umgangssprache angaben,, als Juden gezählt wurden. Nachspiel zu den antijüdischen Ausschreitungen in Polen vom November 1931 Am 1. September begann vor dem Kreisgericht in Wilna der Berufungsprozeß gegen den jüdischen Studenten Samuel W u 1 f i n, der von dem Erstgericht wegen angeblicher Teilnähme an den Ausschreitungen, bei denen der polnische Student WacJawski den Tod fand, zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Im November vorigen Jahres haben an der Wilnaer Universität umfangreiche Exzesse nationaldemokratischer Studenten gegen ihre jüdischen Kollegen stattgefunden, die sich dann lawinenartig über die ganze Stadt, besonders über die jüdischen Wohnviertel, ausbreiteten und in der Folge auf eine Reihe anderer großer und kleiner Städte Polens übergriffen. Während der Excesse war der nationaldemokratische Student Wacla wski durch einen Steinwurf so schwer verletzt worden, daß er an dessen Folgen im Hospital starb. Allgemein herrschte die Ansicht vor, daß der tödliche Steinwurf von einem Kollegen Wacla w s k i s herrührte und den jüdischen Studenten galt, da nur die angreifenden polnischen Studenten sich mit Wurfgeschossen versorgten, die sich verteidigenden jüdischen Studenten aber ganz unbewaffnet waren. Während Waclawski von seinen Kollegen in einer Droschke ins Hospital gebracht wurde, sollen die Insassen der Droschke angeblich von einer Gruppe Juden, unter denen sich Wulfin befand, angegriffen worden sein. Obwohl mehrere jüdische Zeugen aussagten, daß Wulfin nichts mit den Ausschreitungen zu tun hatte, wurde er auf Grund der Aussagen einer polnischen Zeugin, die ihn wieder erkannt haben wollte, zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. In der Begründung hatte das Gericht ausgeführt, daß der Jude eine natürliche Feindschaft zum Polen hege, und daß Wulfin schon darum diese Tat zuzutrauen sei. Das Urteil und dessen Begründung hatten um so mehr Entrüstung unter der jüdischen Bevölkerung hervorgerufen, als von den wirklichen Schuldigen an den Studentenunruhen und den nachfolgenden zahlreichen antisemitischen Exzessen, bei denen Hunderte von Juden verletzt und Hunderte jüdische Geschäfte teils geplündert, teils zerstört wurden, bisher keiner vor Gericht gestellt wurde, dagegen aber eine lange Reihe von Prozessen fast ausschließlich gegen Juden, die überall die Angegriffenen waren, geführt wurde, wobei die jüdischen Angeklagten zu einem großen Teil zu empfindlichen Strafen verurteilt worden waren. Der Verteidiger Wulfins, der Advokat Joseph Czernichow, hat in einem umfangreichen Schriftsatz Urteil und Begründung des Erstgeriehts einer scharfen Analyse und vernichtenden Kritik unterzogen. Das erstrichterliche Urteil, welches auf zwei Jahre Gefängnis gegen Wulfin lautete, wurde aufgehoben und Wulfin zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. In der Begründung heißt es, in Wilna seien weder antijüdische noch antipolnische Unruhen vorgekommen, es hätten bloß Zusammenstöße zwischen chauvinistischen Gruppen stattgefunden. Man hat den Eindruck, daß das Revisionsgerioht bestrebt war, ein Kompromißurteil zu fällen, um die polnische Justiz aus jener peinlichen Lage herauszubringen, in die sie das monströse erstrichterliche Urteil versetzt hat. Das Erstgericht ging von dem Standpunkt aus, daß, da die Juden einen natürlichen Haß gegen Polen hegen, sie für die Awschreitungen verantwortlich zu machen seien.