Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 260 (9.9.1932)
- Date
- 1932-09-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nt. 260 DIE NEUE WELT Seite 3 1 Die Tatsachen lehren, daß der Endgültige Aufbau von Erez Israel Innerhalb kurzer Zeit nur durch Das Privatkapital erfolgen kann. Die Tntsachen beweisen, daß in Erez Israel allein in der Welt Die Wirtschaftslage gut ist und Die Aussichten noch besser. Daher ist es vom nationalen und individuellen Standpunkt das Logischeste, jüdisches Kapital in Erez Israel zu investieren, Dem einzigen Lande, das dem Juden volle Sicherheit bietet, Um in Ruhe für sich und seine Familie zu arbeiten. Wenn Sie die verläßlichsten Informationen über irgendeinen Zweig Der palästinensischen Wirtschaft wünschen. Wenn Sie welche Unternehmung immer gründen, Wenn Sic Boden kaufen und bepflanzen, Wenn Sie Häuser in Stadt oder Land bauen, Wenn Sie auf welche Art immer Ihr Kapital In Erez Israel fruchtbringend unterbringen wollen: Wir stehen mit voller Verantwortung Und gegen mäßige Entlohnung zu Ihrer Verfügung. Wir dienen Ihnen mit Informationen, Ideen, Vorschlägen, Pinnen, Programmen, Kostenvoranschlngen, Wir besorgen für Sie die Gründung, Abwickelung, Leitung oder Beaufsichtigung Ihrer Unternehmungen oder Geschäfte. Kanaan -Treuhandgesellschaft Cannan Trusteeshüp Co*/ Jerusalem niDDiiöiöK man jms D^ttW Vertreter für Oesterreich: Ludwig Gufmann, Wien I, Fleisdimavkt 22, II», III«, 56 Mündliche Besprechung nach vorheriger schriftlicher oder telephonischer (R 25779) Vereinbarung dies imperialistische Empfinden des Revisionismus. Eines muß die Partei lernen: Den Nachbar und seine Ideologie zu prüfen, ob er die revisionistische Ideologie beibehält vor der kolonisatorischen Macht in Palästina, der Privatinitiative, dem Legionsgedanken, dem Gedanken des Hadar Bethari, um aus den jungen Juden wirkliche Fürsten zu machen. Achi Ma'irl Ich werde nie zulassen, daß man einen Menschen ausschließt oder ihm auch nur die Tür weist, weil er für seine revisionistische Begeisterung etwas getan hat, wofür die Partei die Verantwortung ablehnt. Wenn man das Pathos des Freundes nicht achtet, kommt es zum alten jüdischen Wort, zum „Nichtvergönnen". Die Teilnahme unserer Freunde am Aktionskomitee — warum nicht vergönnen? Kamen die Leute nach dieser A.-C.-Sitzung wirklich mit leeren Händen zurück? — Man „vergönnt nicht". Und auf der anderen Seite: Man schätzt das was in Palästina geschieht, und hat Achtung davor. Es ist etwas, wovor ich z. B. habt acht stehe und salutiere. Selbstverständlich muß aber die revisionistische Partei das Recht haben, zu desavouieren . . . Calais — ein Uebergangsstadium. Hier gibt es eine Brücke für Calais. In unserer Partei gibt es heute Menschen mit zweierlei Enthusiasmus. Die einen haben Pathos und Enthusiasmus für die Eroberung der Zionistischen Organisation und der Jewish Ageney.-Sie wollen die Nichtzionisten vertreiben und die ursprüngliche Agency wiederherstellen. Und es gibt bei uns eine andere Stimmung: Pathos und Stimmung für etwas ganz anderes. Wir glauben alle, daß Calais ein Kompromiß war. Selbstverständlich ist jeder Ausgleich ein Kompromiß. Wir haben etwas Künstlerisches geschaffen, um zwei Prinzipien zu verbinden, die sich ausschließen wie Feuer und Wasser. Wie ich bereits gesagt habe, braucht man für den Aufbau Palästinas Feuer und Wasser. In gewissen Momenten können sich diese zwei Elemente vertragen. Calais ist das Resultat und der Sinn unserer Geschichte. Wir werden ja sehen, wie die Sache sich in ein paar Jahren gestalten wird, wenn wir uns beruhigt haben und alles gut geht. Es wird eine starke Organisation geben, eine selbständige Judenstaatsbewegung. Der Muschik sagt: Vier und vier sind acht. Fünf und drei sind aber auch acht, doch das ist schon ein jüdisches Kunststückchen. Calais ist Arithmetik. Das Uebergangsstadium wird unbequem sein. Herzl hat den S c h e k e 1 geschaffen in dem Sinn, daß jeder Jude mit der Erwerbung des Schekels das Bekenntnis zum Baseler Programm ablegt.. Im Namen des Schekclzahlers will jetzt die entartete zionistische Organisation behaupten, daü ihr Primat über unserem stehe. Ich erwarte von euch Schekclzahlern, daß ihr aufstellt und sagt: Wir werden versuchen, daß es zwischen revisionistischer und zionistischer Organisation nie zum Konflikt kommt; wenn über doch, wird uns der Judenstnatsgedanke diktieren, wie richtig zu handeln. Zum nächsten Kongreß kandidiere ich nicht und kaufe den Schekel nicht. In meinem Zimmer gibt es ein Rühmchen mit einem Schekel, der mit einem Trauerflor umgeben ist. Drei Flecken sind auf dem Schekel. Einer — Nichtjudenstaat, der zweite — Herrschaft einer reaktionären Partei gegen die Gleichheit der Menschheit, der dritte — das Unterwerfen des heiligen Palästinagedankens unter die Fifty to Fifty, unter Leute, die keine Gedanken, keine Ideale, keine Existenzberechtigung haben. Vielleicht wird das Wort Calais nach zwei Jahren einer großen Weisheit zum Symbol werden. Man wird sagen: Woher nehmen diese Menschen die teuflische Kunst, aus den Kämpfen des jüdischen Lebens eine Einheit zu schaffen? Calais, meine Freunde, wird noch ein Lobwort werden. IM KIBAVEKUW I C N V II KR TIKEN» KÖNIG EIN lUSTI&'SATIAISCHEft TONFILM NACH PER NOVELL» IC AOSIER »e MADAME HUSSON* voMGUy DE AAAUPASSANT. ISEGIE: &ERNAM PESCHAAAPS KINO Nati'onalpoli'fi'sdie Arbeit in der Gallith Aus Robert Strickers Referat auf der Wiener revisionistischen Weltkonferenz Wien, 30. August. Die Voraussetzung der national jüdischen Bewegung Im Augenblick, da Theodor Herzl den Zionismus als die Grundlage der Lösung der materiellen und moralischen Judennot propagierte und ins Werk setzte, mußte sich die Betrachtung der Lage der Juden zu einem wesentlichen Bestandteil der zionistischen Einstellung überhaupt ausbilden. Die Zionistenkongresse — das sogenannte Nordau- Referat über die politische, materielle und soziale Lage der Gesanitjudenheit — gaben von dieser Erkenntnis Kunde. Zwar stand Herzl anfangs jeder Bestrebung, die scheinbar von der zionistischen Hauptaufgabe ablenkte, kühl gegenüber, also auch der in Wien entstandenen nationaljüdischen Partei, die sich zum Ziele gesetzt hatte, die Juden aus allen fremden Lagern herauszunehmen, zu sammeln und auf den Boden eigener Politik zu stellen. Aber er erkannte bald, daß man aus der Eekenutnis:,, Die Juden sind ein Volk, eine Nation" die Konsequenzen ziehen und hiazu Stellung nehmen müsse. Die erste Etappe politischer Betätigung, politischer Gegenwartsarbeit in diesem Sinne war seine Parole von der Eroberung der Judengemeinden. In seinen Tagebüchern findet man zahl« reiche Stellen, die sein Interesse für die politische .Gegenwartsarbeit bezeugen. Der Zionismus, der die Aufgabe übernommen hatte, Führer des jüdischen Volkes zu sein, ihm den Wag zu weisen, konnte diese Führerschaft nur dann beanspruchen, wenn er mit der Judenheit in ständigem, innigem Kontakt war. Damit war die Grundlage einer nationaljüdischen Bewegung für alle Länder der Galuth zwangsläufig gegeben. Nationale Gegenwartsarbeit Der Krieg unterbrach diese Bewegung, die sich aber nach Kriegsende wieder Bahn brach. In Polen, Rumänien, Oesterreich kämpfte die nationaljüdische Bewegung unter zionistischer Führung um die Vertretung jüdischer Rechte, und über die Grenzen der einzelnen Länder hinaus entwickelte sich eine politische Arbeit mit gemeinsamen Zielen. In Paris konstitutierte sich das allgemein bekannte Komitee der Delegation der Friedenskonferenz mit Nahun S o k o 1 o w und Leo M o t z k i n an der Spitze. Um dieses zionistische Zentrum kristallisierten sicli für einige Jahre die nationaljüdischen Interessen der Galuthländer. Die Zionistische Weltorganisation besaß in ihrem Budget einen Posten „Beitrag zur Erlhaltung der Delegation des Juifs, Paris". Der Zionistenkongreß des Jahres 1921 nahm (bekannt unter den Namen „Kopenhagener Manifest") eine Formel an, die besagt, daß die nationale Gegenwartsarbeit in den einzelnen Ländern einen integralen Bestandteil des Zionismus bilde, d. h. daß jeder Zionist verpflichtet sei, nationalpolitische Arbeit in seinem Lande zu leisten. Kurz nach Fassung dieses Beschlusses setzte eine Gegentendenz ein, eine Bewegung, die den Zionismus von der nationalen Politik in der Galuth trennen wollte. Der |llll!lllllllllllilllllllll!l!l!l!lllll!llllllllll!tll!llllllllllllllllllllHl| JÜDISCHE ELTERN! 1 Kauft Sdtulbudier I für eure Kinder nur in §§ der jüdischen Buchhandlung =§ Hermann TUCHNER, 1 Wien II, ECKE Tabor- | sfraße 52 | Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auf- lagen - anch antiquarisch - zu sehr mäßigen Preisen! g Spesenfreie Zusendung überallhin ~ Verzeichnicse kostenlos! Für Auskünfte: Tel. R-4l-<*-20 d Initiator dieser Bewegung, Prof. Weizmann, ging von der Erwägung aus, daß das Bekenntnis zur jüdischen Nation und die nationaljüdische Betätigung Elemente abstoßen, die für d.en jüdischen Palästina-Awfba<u wichtig seien. Es handelte sich hier natürlich nur um die assimilatorische, reiche O b e re c h i c h t in den einzelnen Ländern, um Elemente, denen das Bekenntnis zur jüdischen Nation, die Beteiligung am politischen Kampf unter jüdischer Flagge, nicht recht sein konnte. Weizmann, der damals schon an den Plan der erweiterten Jewish Agency dachte, begann in der Zionistischen Organisation mit einer planmäßig angelegten Bewegung gegen die nationale Gegenw a r 16 a i b e i t. Bemühungen, die Delegation des Juifs unpopulär zu machen, die Negierung oder Nichtliquidierung der Subvention usw., galten dem Willen, der Periode des sogenannten „reinen" Zionismus idie Wege zu ebnen, in Wirklichkeit dem unreinen Zionismus, einem solchen nämlich, der sich der Assimilation gefügig zeigte. Es ging darum, die Atmosphäre für die erweiterte Agency zu schaffen. Die Träger dieser Tendenz waren in erster Linie die Beamten der Fonds, die das Losungswort von der Wichtigkeit des Geldsammelns bei den peripheren Juden ausgaben, und es kam schließlich so weit, daß ein Jahr vor der Konstituierung der erweiterten Agency der Präsident der Zionistischen Organisation erklären konnte, daß das Bekenntnis zur jüdischen Nation in den Galuthländern iirrelevant sei. In solchem Dunstkreis wurde die Züricher Jewish Agency geboren. Hemmende Tendenzen Nun setzte die völlige Abkehr der zionistischen Bewegung von der nationalen Politik ein. Dieser Tendenz kamen die Linken entgegen. Ursprünglich auf nationalem Programm stehend, glaubten sie zu erkennen, daß die nationale Gegenwartsarbeit einer gewissen Entwicklung, nämlich der zur II. Internationale hin, hinderlich, sei, und waren gerne bereit, den nationalen politischen Teil des zionistischen Programms ihrer Ideologie zum Opfer zu bringen. Bei Wahlen beispielsweise für einen getauften Juden gegen einen nationalen Juden zu stimmen, ist für linke Zionisten Selbstverständlichkeit geworden. Nationale Haltung? Schimäre. Auf diesem Weige ward eine'Zusammenarbeit zwischen Prof. Weizmann und den Linken möglich: Bei Weizmann im Hinblick auf die assimilatorische. Oberschicht, bei den Lintken im Hinblick auf die II. Internationale. Wenn die aufflammende, immer weitere Kreise ziehende revisionistische Bewegung von Haus aus die Landespolitik in ihr Programm nicht einbezog, so .geschah dies der obwaltenden Umstände wegen. Sie mußte sich zunächst mit ihrer ganzen revolutionären Kraft anderen Aufgaben zuwenden. Sie mußte zuerst in der Zionistischen Weltorganisation,-in der rüdischen Gasse selbst Raum gewinnen. Nun, da sie die Tührerin des jüdischen Volkes geworden ist, muß sie sich die Frage vorlegen: Hat der Revisionismus die Pflicht, Geg-enwaa'tsarbeit zu leisten? Zwingende, logische und psychologische Gründe bejahen diese Frage. Es ist nicht zu bezweifeln, daß derjenige, der die jüdischen Massen führen will, ihr Ta ges s ch i c k sa 1 in die Hände nehmen muß; es ist auch nicht zu bezweifeln, daß der Zionismus der Zionistischen Organisation hier seinen dominierenden Einfluß eingebüßt hat. Will der Revisionismus die Führung der Judenheit übernehmen, dann muß er sich auch der hieraus entspringenden Pflichten bewußt sein. Als warnendes Beispiel dient uns Deutschland,'wo die in ihren Grundfesten erschütterte Judenheit nicht daran denkt, an die Meineckestraße zu appellieren, an die offizielle Zionistische Organisation, die keinerlei lebendigen Zusammenhang mit den bedrohten jüdischen Massen besitzt, die ihnen außer „geistigen Zentren" und Spendenforderungen nichts zu bieten hat. Eine revisionistische Aufgabe Unter solchen Aspekten erachtet der Revisionismus es als wichtige Aufgabe, mit den Regierunigeu, mit den Völkern, mit dem Völkerbund in Fühlung zu treten und diesen Faktoren gegenüber als legitimer Vertreter des jüdischen Volkes dazustehen. Es ist unbedingt erforderlich, daß wir die jüdischen Interessen in den Judengemeinden, in den Parlamenten und sonstigen Körperschaften vertreten und nicht etwa die Assimilanten, die den Völkern das Judentum in v e rzerrter Ge s ta 11 präsentieren, wie dies z. B. in Deutschland und Oesterreich in krassester Weise der Fall ist. Die Vernachlässigung dieser Aufgabe, die falsche Beurteilung der jüdischen Situation in der Galuth, hat die absurdesten Erscheinungen gezeitigt. Menschen, d|e f