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Die neue Welt · 1932-09-02 · Heft 259 (2.9.1932) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 259 (2.9.1932)
Date
1932-09-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr, 259 DIE NEUE WELT Seite 5 QwtkmefiU't&tetil 7#fjffl*is erfüllt von allen „Kleinen" die Funktionen der „Großen" am besten! Die billigste Kleln-Schraibmaschlne für Büro und Reise S 390.- Kasta Auch auf Teilzahlungen lieferbar! Große Auswahl in Gelegenheitskäufen l Büromöbel / sämtlicher Bü robedarf Vei langen Sie Angebote KONTO R-EINRICH rUNGS- GESELLSCHAFT Wien I, Eschenbachgaßse 9- II Telephon: B-26 Ü-8I, B-26-0-71 beigeführt und fünf Stimmen waren dafür und fünf Stimmen dagegen. Es wird dazu kommen, daß sich die Mitglieder des Sonderverbandes mit jenen der Union streiten werden. Der Sonderverband wird trachten, einen Einfluß auf den Brith Trumpeldor zu bekommen. Wir sind nicht einverstanden, daß die Leitung des Sonderverbandes nur das mache, was sie wiU. Es gibt nur eine Disziplin, der sich alle Revisionisten unterwerfen müssen. , , Robert Stricker (Wien): lieh habe gestern in der Debatte über ein Mitglied der Exekutive, über Lichtheim, Sprechen gehört. Ich fühle'1 mich gedrängt, über diesen Punkt hier etwas zu sagen. Lichtheim hat meiner Ansicht nach einen Fehler begangen. Er hätte das, was er vor vier oder sechs Wochen in einem Brief an die Exekutive geschrieben hat,, hier vor der Konferenz sagen sollen. Das ist der Fehler, den Lichtheim begangen hat. Ich kann beim besteh Willen nicht von einem Verbrechen Lichtheims sprechen und ebensowenig von einem Verrat, sondern — und das sage ich aus tiefster Ueberzeugung — nur von. einem Fe hier. Lichtheim hat nichts getan, was ihn unfähig oder unwürdig machen würde, weiter auf seinem verantwortlichen Posten zu bleiben und zu arbeiten. Man beschuldigt ihn der sehnöden Preisgabe des revisionistischen. Gedankens. Ich' teile diese Meinung nicht; ich fühle mich vielmehr verpflichtet, bei dieser Gelegenheit zu sagen: Ich .würde -es. als;einogroßes. Unglück, für: die Bewegung ansehen,;?wenn man aus diesem Grunde Lichtheim verlieren würde. Lichtheim hat Forderungen aufgestellt, ich glaube vier.»s-Er hätte, ganz gewiß für mehrere dieser Forderungen hier kämpfen müssen. Wegen einer dieser Förderungen hätte er auch hier Unterstützung gefunden, besonders durch mich. Es ist die Forderung nach Klarheit im Verhältnis zur Zionistischen Organisation und Klarheit im Verhältnis zum System Achi-Meir. Auch ich verlange diese Klarheit, und zwar aus folgenden} Grund: Es ist mir gesagt worden, und Sie haben sich darüber beklagt, daß man davon spricht, was; da geschieht auf diesem Flügel. Ich hätte gewünscht* Sie hätten zwanzigmal mehr tun können, um Verräter zu; brandmarken, aber ich glaube: Auch Menschen, die, gegen Deklarationen sind, können Menschen brand-1 marken. Das möchte ich feststellen. Es geht nicht, daß man sich gegenseitig eine Verantwortung anlastet, die1 man nicht tragen kann, Dr. Weislhat über Lichtheim gesprochen, über mangelnde Brüderlichkeit, über Kühle. Es ist nicht Freundschaft und Brüderlichkeit, wenn man in irgend einem Lande ein Podium besteigt und das Gegenteil, von dem sagt, was die anderen verantworten können. Das hat nichts mit Freundschaft und Brüderlichkeit zu tun. Sie, Dr. Weisl, haben in Polen und. Litauen Sachen gesagt, die wir ablehnen müssen und die Sie nur auf eigene Verantwortung sagen können. Wir können nur ein Podium abgeben für Redner, die die Verantwortung tragen. Sie haben sich eine Methode gewählt,'für die wir die Verantwortung ablehnen, und das ist unser Recht. Sie kqnnen Diktatur verlangen, aber wenn Sie die Form nicht finden, dann werden Sie uns nicht haben. Ich komme zum. zweiten Kapitel, zu Calais. Hiev muß Klarheit herrschen. Es steht fest, daß ein Teil der revisionistischen Organisation in der Zionistischen Weltorganisation bleiben will, aus den verschiedensten Gründen. Ein Teil will es nicht. Da gibt es eben nur zwei Wege oder auch drei Wege: Der eine Teil läßt sich vom anderen überstimmen. Das ist ausgeschlossen. Der zweite Weg wäre, auseinanderzugehen, Und der dritte, zusammenzubleiben, weil man fühlt, daß man in der Hauptsache zusammengehört. Sie tun sehr sehlecht daran, wenn Sie an diesen dritten Weg den Maßstab des Verneinens anlegen und sagen: Da hapert etwas. Wenn Sie wollen, so hapert alles, die Hauptsache aber bleibt, das Wertvolle; die Idee des Revisionismus und der Inhalt des Revisionismus. Ich vertrete einen ganz anderen Standpunkt, etwas, das wir nicht unterschätzen dürfen, unser zionistisches Gewissen, In Prag war ich Gast, nicht Mitglied der revisionistischen Partei, Ich habe Von' der Galerie aus zugehört, ob man selbst handeln soll oder nicht. Ich habe es nicht verstanden, Ich glaubet jede Organisation soll selbst handeln, wenn ihr zionistisches Gewissen sie dazu treibt. Die Exekutive hat sich aufgeregt über die Veröffentlichung eines Schriftstückes, und Großmann hat 3 Pfund Strafe bezahlt Beim Statement ist Herrl Berl Locker nicht gelaufen gekommen und hat dagegen auch nichts getan. Sie sehen also, es handelt sich darum, was man tut und nicht, wie man es tut. Die Exekutive kann uns wieder vor ein Gericht stellen. Sollen sie uns nachweisen, daß wir geschädigt haben, was zionistisch ist. Die P e t i t i o h muß im Wortlaut der J u d e nstaat sein, das ist unser Recht, daß wir den Judenstaat verlangen. Wir sehen, daß wir in der Organisation die wertvollste Arbeit leisten können. Sie behaupten das Gegenteil. Das ist eine AnSichtssachei und wenn ich es höre, ist das kein Grund für mich, von einer Sache abzurücken. Man hät auf Herzl auch gesagt, daß er meschugge ist. Liebe Freunde, es ist bestimmt nicht meschugge, wenn man sagt: Wir wollen keine Organisationen, Konferenzen; Abstimmungen seien Blödsinn, wir wollen Barrikaden, Blut und Feuer — und dann kommt man her und beteiligt sich an allen Konferenzen und Abstimmungen mit Vertretern. Das ist gar nicht meschugge und ich bekämpfe es, weil das Unklarheit schafft. Das ist eine Methode, die Sie irgendwo gelernt haben, die irgendwo entstanden ist und' die man Zellenbildung nennt. Wir verlangen eines: Was geschieht und was Menschen bei uns tun, dafür müssen sie die Verantwortung tragen, die anderen hingegen tun, wofür sie die Verantwortung nicht tragen. Ich sage Ihnen nicht, im Namen wievieler ich spreche, ich bin nicht allein mit dieser Ansicht. Wir sind in die revisionistische Organisation eingetreten unter der Voraussetzung, daß wir eine demokratisehe Organisation sind.' Es ist klar und wir verstehen es, daß ,inan zu außerordentlichen Zeiten auch zu außerordentlichen Mitteln greifen muß, aber grundsätzlich sind wir eine Vereinigung, in der es keinen Diktator gibt, .und' icVmöchte die Men- Bei Unwohlsein ist das natürliche „Franz-Josef"- Bitterwasser ein angenehm wirkendes Hausmittel, die Beschwerden erheblich zu verringern, zumal oft schon kleine Mengen sicher nützen. In Apotheken erhältlich. sehen sehen, die die Diktatur bei uns annehmen und. die sie aus Ihren Händen annehmen. Sie machen mir den' Vorwurf, ich wolle Stimmung machen. Jawohl, Stimmung: zu machen bin ich hergekommen, Stimmung für das,! was ich für berechtigt haltje. . Ich habe .den, größten!; Respekt vor Juden, welche für ihre Ueberzeugung alles!; tün. Ich bin nicht für den Austritt; Sie ja. Wenn ich ein solcher Mensch wäre und wenn ich es für/notwendig fände, etwas zu tun, was die Organisation nicht tun kann und nicht tun will, ich würde diese ruhig verlassen.. 'Aber solche Taten und solche Handlungen, müssen auf eigene Verantwortung vollführt werden, sonst verlieren sie jeden Sinn. ' Die revisionistische Organisation soll sich Rechenschaft ablegen. Ich habe Angst davor, daß man sich lächerlich macht durch das Reden von Barrikaden und Diktatur. Wenn im Verlauf dieser Konferenz ein Zirkular kolportiert wird, in welchem steht: „Nur mit Feuer und Eisen kann Juda aufgebaut werden, alle, Konferenzen, Beratungen sind nichts, wir brauchen, Barrikaden in den Gassen", dann muß man doch fragen:, Wann wollt ihr beginnen mit den Barrikaden und in welchen Gassen? Wo sind die Gassen, wo man sie aufstellen wird? Ich verstehe, daß es Augenblicke gibt, wo man Bestimmtes tun muß, aber der Augenblick muß auch gegeben sein, auch der Augenblick für die L.egion. Ich hoffe, daß es dann eine ganz, andere sein wird als damals, aber ich glaube auch, daß es erst den Augenblick geben muß* wo man diese Legion braucht. Fragen Sie doch, ob ich oder einer meiner Freunde jemals etwas getan haben, um zu verhindern, daß die Legion aufgebaut werde. Wir haben aber alles getan, um sie zu fördern. Ich sage nicht mit Blut und Feuer, aber ich sage, wie jedes Volk dies sagt: Wenn es hotwendig ist, dann auch mit Blut und Fe.uer. Vergessen Sie doch eines nicht: Wir wollen eine einheitliche Organisation. Sie dürfen uns nicht zwingen zu Ansichten, die wir innerlich nicht teilen und deren äußere Konsequenzen wir tragen sollen. Wir sind Demokraten, wir können keine Anhänger von Diktatur sein. Sie haben Vorbilder, wie Hitler, Mussolini, Lenin. Verlangen Sie doch nicht von uns, daß wir dafür die Verantwortung tragen. Sie dürfen nicht wehleidig sagen, Chasid werde abgeschafft. Sie haben da Sachen hineingeschrieben Ohne Verantwortung. Ich lasse mir die Leitungen vorlesen und ich habe gehört, was die Aeuße-. rungen des Dr. Kohn über Hitler sind. Wenn Sie bei einer Sache stehen, dann stehen Sie bei ihr ganz* Ich habe vor Ihnen die größte Hochachtung und es schmerzt mjcjb, wenn ich sehe, das vieles nicht zu dem Bilde paßt, das ich mir von Ihnen gemacht habe, Bleiben Sie bei Ihrer Sache, sonst verliert sie jeden Sinn, Wir treten mit Ihnen in Konkurrenz. Als Vorbilder der Jugend müssen Sie bei Ihrem Standpunkt bleiben. Wir aber stehen auf dem Standpunkt der demokratischen Organisation. . Ich, gehpre zu jenen, die. freudig dem zugestimmt haben,, was Sie auf der Universität in Palästina getan haben. Dr. Hoffmahn sagte, daß wir ein« Niederlag« auf lllllllllllllllllllllllllllllllilllIPL JÜDISCHE ELTERN! Kauft Schulbücher für eure Kinder nur in der jüdischen Buchhandlung Hermann TUCHNER, Wien II, ECKE Taborslraße 52 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Autlagen - anch antiquarisch - zu sehr mäßigen Preisen l Spesenfreie Zusendung überallhin Verzeichnisse kostenlos! Für Auskünfte: Tel. R-41-4-20 HnVHMnWMMHiiltlilliililM dem Kongreß erlitten haben. Ich bin k«jin Kraftmeier und protze nicht mit meiner Leistung, aber daß wir eine Bresche in das Weizmann- System geschlagen haben, ist ein Erfolg und keine Niederlage. Wir erklären es als einen Erfolg, daß der F r en c h - B e r i cht abgelehnt wurde. Unter Weizmann wäre das niemals möglich gewesen» Sie haben das Recht, auf all das zu sagen, daß es nichts ist, aber unser Recht ist es, zu sagen: „Es is t ein Erfolg." * Wir glauben daran und ich sage Ihnen, die Politik, die Ihr letzter Redner entwickelte, die werden Sie nicht machen« Diesen Beschluß werden Sie nicht fassen und dieses Spiel .nicht treiben. Wir wollen Klarheit haben und offen zueinander stehen. Ich will Sie nicht hinausekeln. Sagen Sie offen, was Sie verantworten und tragen können, und ich sage, was ich tragen kann. Wir wollen zusammenbleiben unter einer Führung, die wir . lieben, der wir gehorchen werden, die wir achten, weil sie keine Diktatur ist. Der weitere Bericht und der Schluß der Konferenz folgen in der höchsten Nümnier. Probleme der Jugendbewegung;Aus dem Referat von Dr. B. L u b o t z k y, gehalten am 30. August Wir finden in der Entwicklung der zionistischen Jugendbewegung ein ähnliches Phänomen wie in. der Entwicklung der politischen zionistischen Bewegung selbst. Es wird häufig vergessen, daß es eine zionistische Massenjugendbewegung erst seit kurzer Zeit gibt "Die erste'Massenjugendbewegung, . die man als eine z i o n i s f,i s.cji e Jugendbewegung " bezeichnen/ kann, war der „Hechaluz", der von Josef T r um p e ld o r gegründet wurde. Auch .die Legionsbewegung kann als eine .ripnißtische,,, Jugendbewegung in diesem Sinne gelten. Aber die Legionsbewegung muß in gewissem Sinne ausgenommen werden, weil sie nicht nur von den ^inneren Kräften der Jugend, sondern auch von anderen Faktoren abhängig war. ' .' ■ # Diese Jugendbewegung (der „Hechaluz") wurzelte in einem reinen Zionismus. Aber im Laufe der Zeit degenerierte der zionistische Gedanke in ihr. Scheinbar als Reaktion gegen diese Degeneration der Jugendbewegung entstand die unter dem Namen „Bethar" bekannte Bewegung. Wir finden hier eine Parallele zu der Entwicklung in der Zionistischen Organisation. Auch die revisionistische Bewegung entstand scheinbar aus der Reaktion gegen die vom reinen Herzl- Zionismus entfernte Zionistische Organisation. Auf der zweiten revisionistischen Konferenz in Paris wurde eigentlich erst die Gründung des allweltlichen „Bethar" vorgenommen. Es bestand schon eine Bethar-Organisation in Lettland, aber die Proklamierimg der,betharistischen Weltbewegung fand, erst in Paris statt.,/ . . Bei der dritten revisionistischen Weltkonferenz in Wien. befaßte sich das Jugendreferat mit der Auseinandersetzung mit anderen zionistischen Jugendbewegungen. Heute , sind wir gar nicht mehr gezwungen, uns mit außerhalb . stehenden Jugendbewegungen # auseinanderzusetzen. Wir sind bereits imstande, ein Referat mit der Entwicklung der Organisation und Ideologie des Brith Trumpeldor auszufüllen. Wir sind de facto die beherrschende z io ni s ti s ch e J ug e n d b ew e g u n g geworden. Leider ist die Geschichte des „Bethar" ziemlich unbekannt, nicht nur in der außerrevisionistischen, sondern auch in der revisionistischen Welt. Man vergißt häufig, daß der „Bethar" einen Ursprung hat, welcher genau so alt ist wie der Revisionismus. < Es herrscht in :der außerrevisionistischen und revisionistischen Welt die Auffassung, daß der „Bethar" lediglich ein der revisionistischen Bewegung angeklebter Apparat ist. Das ist nicht so. Man kann und muß selbstverständlich sagen1, daß die revisionistische Bewegung und die Bethar-Bewegung eine gemeinsame Wurzel haben. Aber beide Bewegungen besannen fast zu gleicher Zeit. Es entstand eine Jugendbewegung aus sich selbst, das heißt nicht mit Hilfe von Erwachsenen (mit Ausnahme eines einzigen Menschen). Die ideelle und organisatorische Entwicklung ist eine ausgesprochen o r g a n i s c'h e, keine dogmatische. Ich muß das ganz besonders betonen — ich sage das als Revisionist, der die Bethar-Bewegung kennt —, daß es müßig wäre, zu versuchen, die Bethar-Bewegung unter den direkten Einfluß der revisionistischen Organisation zu stellen. Der Bethar hat bereits seine eigene Gesetzmäßigkeit. Wir wissen, daß diese Gesetzmäßigkeit ihn nicht von der politischen revisionistischen Bewegung wegführen wird. Aber dies kann nicht verhindern, daß eine bet haYieiis c h e Ideologie besteht. Diese Ideologie entsteht organisch und dynamisch. Wir, begannen mit dem Legionsgedanken, schlösse*» dann das Gebiet der AI iah, sowie eine bestimmte soziale Ideologie in unseren Gedankengang ein. und nun machen wir den Versuch, jene ästhetische Wurzel zu finden, aus der die gesamte betharistische Einstellung zur Welt fließt. Der Bethar wird sich mit der Zeit immer neue Lebensgebiete erobern und in seiner Emp- £in/luTur aiKsA»Kjo»u»n.

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