Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 259 (2.9.1932)
- Date
- 1932-09-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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' Seite 1 D IE NEUE WELT Nr. 259 SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zenttalet PL, Ber ggasge 19, tel. A«17-3-99 u. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten JlbteHgngen^ unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbiniits det tsr. rtultusgemeinde Wien Autotuiiallung fcottanioi IX., Barggasse IS / XVIII., Währingerstr. 97 Histadruth ein. Die Revisionisten wurden über rascht durch die Nachricht, daß das Schulwerk an den Waad Leurni übergeht. Wir wurden einfach desavouiert, denn unsere Gesinnungsgenossen im A. C. haben für das Gegenteil dessen gestimmt, was wir Palästinenser woll-1 ten. In jedem Falle war dies eine 111 oya 11tvlt, sie durften uns nicht desavouieren. Es scheint das Bestreben gewesen zu seiri, der Exekutive entgegenzukommen, vielleicht war dies auch ein Preis für den Sönderverband oder irgend etwas anderes. Das Kommunique gegen den Chasid Haam steht in derselben Atmosphäre. Großmann scheint die Absicht zu haben. Palästina ein wenig zu entrevisionieren. Es haben große Heerführer oftmals die Gewohnheit, bis an den Rand des Schützengrabens vorzudringen, das ist nicht gescheheh in diesem Falle. Ich bitte mein Freunde, die Anträge, welche in Sachen, ^Ghin-uch gestellt werden,- anzunehmen» - Wir wferden jeden Antrag, welcher an der Autonomie Palästinas rütteln wird, ablehnen. Aba Achi-Meiir (Palästina, Klub der Maximalisten): loh weiß, ihr seid gute Zionisten; nur was bei euch keine große Rolle spielt, das ist eure S p räche. Ich würde, nicht jiddisch reden, ich tue das niur'der Reklame zuliebe, die mir für meine Zeitung Größmann machte, Und weil in der Exekutive Leute $ftzen, die Icein Hebräisch verstehen, was ich an der Beurteilung meines" Feuilletons erkannte. . - - * '' Bei uns Juden gibt es' einen: Jom Krppur, bei welchem wir sagen: „Hineni heni mimaas we'iin eneni Kedaj." Da ich jetzt mit euch Galuth-ZionistenV Revisiönösten rede, erinnere ich mrich an ddeses Gebet. Zwischen .uns herrschen sehr viele-^!|$ißy©^todriisse und dies erklare ich aus zwei Gründen: 1. Man versteht uns nicht und 2. man versteht uns und kann uns nicht verstehen. Die Palästina-Revisionisten entfachten nicht nur Skandale, sondern sie verschärften noch den Glauben an Revolutionen. Ein ^bedeutender Kopf erklärte, daß dem XX. Jahrhundert zwei Dinge und zwei Gedaniken gehören: die Diktatur und die -Jugend. Sowie die Frauehmode wechselt, so wechselt das Herrscherideal. Im XIX. Jahrhundert war das Ideal die Demokratie. Der liebe Gott hat sich mit uns nicht beraten. Stützt man sieh aiuf die Dekret-Politik, muß ich das ablehnen; denn das ist jetzt zu Ende. Ueberall hat die Demokratie Niederlagen, ja, Bankrott erlitten. Was für Beweise brauchen wir noch? Man hat geglaubt, daß nach dem Weltkrieg, in welchem soviel Blut vergossen wurde, die Jugend zu ihrem Recht kommen werde, und zwar auf dem Weg der Demokratie. Aber es ist anders gekommen, und deshalb gehört das Jahrhundert der Jugend und der Diktatur. Man wird sich eins fühlen mit Herrn Dr. Wolf in bezug auf seine Liebe zu England. England ist nivht schuld. Schuld ist die zionistische Methode. Seht euch doch die Opfer an, die die Völker bringen, z. B. Elsaß- Lothringen,;;Bat .der Zionismus etwa gepredigt, daß man Opfer bringen muß, hat er überhaupt Opfer gesucht? Was ist die Schuld? Der Zionismus ist geboren in einer Zeit des Liberalismus. jüdischen Staatsgedankens, andere in roter, rötlicher oder anderer Assimilation versandet —, in Karpathorußland erwachte sie, als im. Westen die Klärung bereits vollzogen war, und konnte im reinen Staatszionismus ihren Ausdruck finden.; Der Revisionismus ist der Zionismus .Karpathorußlands. Für den „Haschomer Hazair" bereisen drei bezahlte Sekretäre Karpathorußland. Der „Haschomer Hazair" wird stillschweideng von den meisten (aus anderen Ländern stammenden Lehrern) an den hebräischen Schulen des Landes protegiert. Es nützt aber nichts — der Betar, die ärmste Jugendorganisation des Zionismus (vielleicht der Welt?) wächst, blüht und gedeiht in Karpathorußland und erobert Städtchen auf Städtchen, Dorf auf Dorf. Es stehen einander dort zwei Richtungen gegenüber. Die alte, die mit erstaunlicher Konsequenz an alllen Ghettoerscheinungen festhält (der Rabbi Spira ist sogar ein Gegner der „Ajuda", weil ja j e d e jüdische Organisation, die über die Landesgrenzen hinausgeht, ein Schritt aus dem Ghetto ist!) und eine neue, die den Judenstaat will. Es ist vielleicht nirgends die Grenze zwischen Judenstaatsgedanken und Ghettobejahung so scharf und unverwischt wie in Karpathorußland. Der Kampf hat eigentlich noch nicht begonnen. Beide Richtungen beschränken sich noch vorläufig auf den Versuch, die Judengasse zu beeinflussen — aber er wird kommen und einmal wird die Entscheidung fallen müssen. Es steht außer Zweifel, zu wessen Gunsten sie ausfallen wird." Dr. B. L. In der Zeit, da Ruppin Herrscher der 2ionisti-, sehen Organisation.,wurde» ist unser Präsident Jahotinsky aufgestanden und hat'der Jugend zugerufen, aber es war wie Kekol kore ba'midbar. Das ist die Ursache unserer Katastrophe. Der1; Zionismus war;voll mit Ghetto .und Deklarationen. Der Wog zu, Malchutb Israel führt nicht über eine papierene Brücke, sondern nur über eine eisern.e Brücke.-, Weinstein gab uns.. eine. Fiktion von N Q.n - C o p P o-. r ation, und dann gäbt es noch eine Fiktion, die heißt' Juden staaf und die wurde in Wien geboren. Dann gibt es noch eine Churva, diie man aufhauen will, und das ist die Churva von der Histadruth. Was Weis! will, ist eine Kopie. loh bringe eine neue soziale Form, firei von Prinzipien und Partei: Eine Kampfvereinigung! Der Jesuitenorden hat den Katholizismus gerettet. loh bringe euch den N e o- ' r e v i s i o n i s m u 6. Ich verstehe, daß jeder bei seiner Uehenzeuguflg bleiben wird, gegenüber dem ErezJsrael-Revtisionjsmufl';; Wir jedoch bleiben bei unserer Form. Ihr werdet die- Hände heben, um für Calais zu stimmen, wir aber halben,keine Angst vor euren Händen, da wir auch vor Englands Händen keine Angst hatten. ": Dr. Nahum Samonsky"(Wien): Ich gehöre zwar während der diesmaligen Tagung der polnischen Fraktion an, habe aber meine Schulung in der österreichischen Fraktion genossen und werde daher keine Zeit mit Kritik gegenüber der Exekutive verlieren. Es werden berufenere Vertreter des österreichischen Revisionismus darüber sprechen. Wir waren am letzten Jahre derart mit problematischen Fragen beschäftigt, daß wir keine Zeit hatten, darüber nachzudenken, ob die Exekutive ihre Pflicht erfüllt hat oder nicht. Es ist richtig, daß wir eine gewisse Pause innerhalb der nächsten zwei Jahre zur Klarstellung dieser Frage brauchen werden. Die englische Politik dn PaJästana innerhalb der letzten vierzehn Jahre läßt sich in drei . Perioden einleiten. 1. Periode des Versprechens der Hilfe beim Aufbau des Landes. 2. Periode Herbert Samuel, der sich auf strenge Neutralität eingestellt hat. 3. Periode des eklatanten Widerstandes gegen den Aufbau des jüdischen Palästina. Es hat den Anschein, als ob England von Anfang an in Palästina eine rein englische Politik betrieben hätte. Nun hat alber England große Interessen im Vordem Orient und braucht die Sympathien der Juden. Die Juden halben seineraeit Uganda, abgelehnt. England hat sich des Zionismus bedient, um Palästina in seine Hände zu bekommen, und als es Palästina in der Hand hatte, begann . die . a n t i z i o n i s,t i s c h e Politik. , Es ist die Aufgabe und die Pflicht des, ganzen jüdischen Volkes, England offen und klar zu erklären, daß wir kein Spielball Englands sind und daß wir Palästina für uns verlangen, nicht weil es im britischen Interesse liegt, sondern, weil es unser Nationalheim ist. Während die einzelnen Kommissionen und der Brjth Trumpeid or tagten, ging die sich an Großmanns Organdsationsreferat anschließende Generaldebatte weiter. Es sprachen Prof. Bruno Rabi« nowitsch-Kwasnik (C. S. R.), Ing. Scheskin (Warschau), Direktor Belilofsky (Berlin), Ezechiel Steinmatzky (Palästina), Robert Stricker (Wien), Ben Hör in (Palästina), A. Halperin (Leiter der Shilton-Instruktorenschule Paris). Ing. Scheskin gab im Namen der polnischen Delegation die Erklärung ab, daß Polen mit 38 Mandaten, also;, mit d^r,v'stärksten, Grippe'avif der Konferenz rar-' treten seL'v Die> Palästinenser hätten kein Recht, gegen die \ Abhaltung der 'Weltkonferenz in Wien zu protestieren, da Polen hiezu seine Zustimmung gegeben habe. Es folgen nun die weiteren Ausführungen in der, Debatte. (Einzelne Reden werden später nachgetragen.) * Ezechiel Steinmatzky (Palästina): Ich möchte ein Wort an die Palästinenser richten. Es kam ein hebräischer Dichter nach Palästina, er hat, sich gefreut, daß er von der Jugend verstanden wird und hat uns beim Abschied gesagt, daß wir die richtige Front sind. Nun kommt die Delegation von Palästina zur Konferenz und hört von dem Aufruhr, den die Worte Kahahs : hervorgerufen haben. Ich hoffe, daß sowohl die Delegation als auch die Exekutive die richtige Form finden werden, durch eine Erklärung diese Angelegenheit zu bereinigen. Es wird hier viel über Organisation ge- Gesellschafts- und Studienreise nach Palästina veranstaltet vom Austro-Palästinensischen Wirtschaftsdienst. 28. Februar bis 28. März 1933. Der Prospekt über diese Reise ist bereits fertiggestellt und gelang über Wunsch zur kostenlosen Versendung. Austro-Palästinensischer Wirtschaftsdienst, Wien, IX., Berggasse 16, Tel. A 17-5-40 Serie. » Wir bitten alle jene Gesinnungsgenossen, welche für die vom Austro-Palästinensischen Wirtschaftsdienst veranstaltete Gesellschafts- und Studienreise nach Palästina Interesse haben, noch vor der Abreise die eben fertiggestellten Prospekte über diese Reise sowie eventuell erforderliche Auskünfte bei der Reiseleiterin Frau Berta Taubes im Hotel Continental, Zimmer 17, anzufordern, England wird in Palästina leine derartige Politik betreiben können wie in Indien, und'."in." den i Händen der Zionisten liegt es, ob Palästina der 'Juden- 'staat'Werden soll oder nicht. Aber, daß uns England in unserem jüdischen» Palästina 'nicht so behandelt wie •es s>U.te, darüber sind sich alle einig. -. ' ' j ■* '. Ihi Bericht der-Exekutive hören wir gar nichts von der Gefahr eines Parlament s' in Erefc'.Israel und schließen daraus, daß diese Gefahr rio'ch nHäht bestellt. England hat in Aegypten :däs Parlarh.er$fStiert, in Jbdien einen Vizekönig, eingesetzt, nur in .Palästina \können die Engländer/ merkwürdigerweise ohne ^Araber nicht regieren. Wif sind diejenigen,^ welche über Demokratie in Palästina zu entscheiden haben. Wenn nun das Parlament, in. .Palästina eingeführt, Warden; soll, würde dies eine Pseüdo-Demdtkratie bedeuten. .Wir. stellen die politische Forderungauf Tians- 'jbfdanien und müssen uns praktisch damit beschäftigen. Wir verlangen freie . Kolonisation und freie Ein Wanderung nach Transjordanien., Es wurde in der A. C.-Sitzung von dem1 Erlaß gesprochen', Wonach jeder Palästinenser zum Uefoertritt nach Transjordanien eine spezielle Erlaubnis haben muß, während die Bewohner iTransJordaniens ungehindert nach Palästina dnw.ahkönnen; Es. niiissen die Grenzen Palästinas fllir. die Juden1 geöffnet und die1 Möglichkeit' der Mnwaudarühg und des freien Bodenkaufes gesichert werden. Wir müssen auch , gegen den Paragraph 25 - ankämpfen, welche? den' Juden schweren! S£ha<£en>zufttgHj müssen die Uebertragoing des Büros erwägen und trachten,'Vu einem Ausweg auf politischem Gebiet zu kommen. In Angelegenheit Waschitz und der Palästina- Exekutive möchte ich bemerken, daß ich Doktor Waschitz in einer Sache recht gegeben habe: den Kampf um den Chlnuch müssen Wfiir kärmxfen. In unserem Apparat finden' sich Unanständigkeiten;in bezug auf den Informationsdienst und so kommt es, daß ein Palästinenser dn der Debatte sich uminformiert zeigt, was nicht wundernehmen darf. Ich muß auch die Forderung des Herrn Weinstein nach politischer Betätigung im Nahen OTien"* aufs nachdrücklichste unterstützen. Zur Organiaationsforage koraaneurd, bin ich unbedingt für das verbleiben .in dear Zionistischen Organisation, Ich werde für Calais stimmen, weil Jaibotinsky damif velrbunden ist. Dieses Opfer müssen wir heute "bringen. Ebenso müssen wir , verschiedene andere organisatorische Fragen lösen. Der »Chasid Haam":, ist manchmal wirklich schlecht, besondersseine Schreibweise sagt mir nicht zu. Ich beurteile diie Situation ganz ^fektiv: Unsere Freunde in Palästina sind seHleohte' TakÄer. Ich kenne viele gewichtige Persönlichkeiten, die dein Revisionismus in Palästina sehr nahe^,. steher* - und nicht mitarbeiten, können, weil ihnen, die Atmosjphäre nicht paßt. Es scheint dort etwas'nicht in Ordnung «u sein und das muß eiben geändent' werden!, däran scheint die Exekutive schuld zu sein;. Palästina ist ein sehr wichtiger Punkt und erfordert große Energien. . Ich hoffe, daß die Teilung der Re^Mo^ Palästinas in drei Gruppen'1 nach' dear Konferenz aufhören wird.1 Wir werden unserten Führer anerkennen, aber keine .Diktatur .dulden* j^iff^*,wdflsen.,.> seit Jansen, daß er jinser f$£?&. ist,-..-seine.,Eetfeüiiu^.>.^(ui0i nicht herabgesetzt werden, ünd;wenn: ei? heute *onMat und'sagt; er wall die ganze- Macht, werden wir alle s«» ihirn gehen. sprochen, und zwar mit einem solchen Pathos, d&ß icK an unsere Freunde aus. Deutschland das Wort richten muß, mit solchem Pathos nicht weiter über die Organisation zu sprechen. Wenn die Seele fehlt, hilft auch keine Kartothek. Ohne politische Methode wird die Organisation nicht existieren können und es handelt sich jetzt darum, den richtigen Weg zu finden. Wir wollen» daß die Revisionistische unabhängige O r g a n i s a t i o n so werde, daß sie selbst die Geschicke. des Volkes leiten kann. Wir wollen keine Opposition seiner Majestät Chaim Nr. 2 sein, dann hätte sich die ganze Arbeit nicht gelohnt. Immer wird die Aufgabe der Zionistischen Organisation darin bestehen, die richtigen Linien zu finden. Wir wollen eine solche Bewegung wie die. Waf in Aegypten schaffen, wir sind schon eine Waf-^Bewegung, nur im kleinen. Hätten wir eine, richtige politische Erziehung genossen, dann wären he^e" seud11 viel mehr 'Juden'in den Straßen" Tel-Awiws, wir. hätten das Weißbuch verhindern können, während die Zionistische Organisation nichts verhindert hat. , Daraus kann man sehen, daß nicht die richtigen Methoden angewendet werden» Hätte die Revisionistische Union rechtzeitig einen Protest erhoben, wäre vieles vermieden worden und dde -Information unserer Freunde wäre besser gewesen. Durch-eine halbjährige Vorbereitung wäre ein ganz anderer Erfolg zu erzielen gewesen. -'■ Nun ein paar Worte über C a 1 a.i s. Es wurde in Calais eine Zensur eingeführt. Wie kann man eine Partei führen, wenn deren Geist durch den Präsidenten seit Jahren zensuriert wird? •. ■ . Wir haben nichts gegen Personen, 'aber «wir haben dagegen, daß London zensuriert. Wir wollen nicht; daß wir; jedes" Jahr-eine andere Organisationsform beschließen, nur reden und nicht zur Arbeit kommen.1 Calais ist ei he Etappe auf dem Wege zur Unabhängigen Organisation.; Es kommt allerdings darauf an,-was aus Galais herauskommen wird; wenn nur ein Soüderverbanidi so hat sich die ganze Arbeit nicht gelohnt. Üeber D i aziplin Wurde hier schon sehr viel gesprochen. Nun hat sich in London ein schöner Fall von 'Disziplinlosigkeit ereignet. In der Frage über Fraktionödi»zipiin wurde eine Spaltung der Parteidelegation im A. C. her- Die Generaldebatte geht weiter Dienstag, den 30» August, vormittag