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Die neue Welt · 1932-09-02 · Heft 259 (2.9.1932) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 259 (2.9.1932)
Date
1932-09-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 259 DIE NEUE WELT Seit« S Diaspora keine wichtigen Probleme haben, zurück und betont das Problem der Landespolitik, die einen wichtigen Faktor für unsere Petitionspolitik bedeute. Redner erklärt die terroristische Politik für unzweckmäßig, da sie immer nur ein Beweis der Schwäche sein könne. Er fordert weiter die mehr wirtschaftliche Sicherheit auch bei Ghaluz, Hachscharah und Alijah. Redner verlangt Bilanz des Tel-Chaj-Fonds und stellt schließlich Anträge bezüglich der organisatorischen Form, indem er erklärt, es müsse uns klar sein, daß es für uns nur eine Form gibt, die „Objektivität". Denn Kompromisse können keine konkreten Sachen schaffen. Redher verurteilt zum Schluß die Personenpolitik und bittet die Konferenz, einen konkreten Arbeitsplan zu schaffen. Dr. Schechtmann (Paris) Das gewesene Exekutivmitglied beschäftigt sich eingehend mit der Frage der Petition. Er erklärt, daß man den bisherigen Weg der Petitionspolitik aufgeben müsse, und fordert, daß man von den Juden nicht wie bisher nur Geld nehme, sondern auch eine Meinung verlange. Hiebei erwähnt er die Worte Bialiks, wonach nur die Jugend nach Palästina gebracht werden solle. Bezüglich der Petition erklärt Schechtmann, daß der Adressat nicht wie bisher England, sondern der V ö 1 k e r bu n d sein müsse, und beschäftigt sich mit dem Inhalt der Petition, die konkret pointiert sein müsse. Die Petition soll enthalten: 1. Die Einbeziehung Trans Jordaniens; 2. genaue Formulierung unserer Politik; 3. die Feststellung ,daß die Mjandatsraacht für uns ein Hindernis in Palästina bildet; 4. die Forderung eines rechtlich gesicherten Mandats. Zum Schluß stellt Schechtmann fest, daß sich der geographische Punkt unserer Politik geändert habe und daher neue Mittel gesucht werden müssen. Die Petition sei der stärkste Trumpf, den wir gegen England ausspielen können; darum müsse energisch an die Arbeit geschritten werden. Dr. Rabinowitsch (Berlin): Die deutsche Delegation ist nicht daran interessiert, was man über den einen oder anderen Führer sagt. Sie wird zur geeigneten Zeit wegen Liclitheim Antwort geben. Angriffe haben wir nur gegen uns zu richten. Wir haben uns zu fragen, ob wir alles getan haben, was die Exekutive von uns verlangt hat. Die Pkrolen der Exekutive waren gute, und wären sie durchgeführt worden, dann gäbe es das, was Jabotinsky als eine „neue Rasse" bezeichnet hat. Wir sind nicht imstande, die konkreten Aufgaben des Revisionismus zu erfüllen. Was wir brauchen, ist die revisionistische Organisation. Petition ist gut, Kampf gegen England, Kampf gegen Kommunismus. Alles wird uns gelingen, wenn wir die revisionistische Organisation haben. Unsere Vertreter in der Organisationskommission werden klar den Weg anzeichnen, um diese Organisation zu schaffen. Das Kernproblem der Organisation sind die Finanzen. Wir stehen immer wieder vor derselben Frage. Wir müssen jede Landesorganisation zu einem bestimmten Betrag verpflichten. Wir müssen für Ordnung und Unterordnung sorgen, dann wird diese Konferenz ihre historische Mission erfüllt haben. Fortsetzung der Generaldebatte Montag, den 29, Dr. S. Wol! (Wien)! Es ist eine generelle Nervosität, die die revisionistische Partei erfaßt hat. Die revisionistische Bewegung wurde geboren aus der Ablehnung der offiziellen Politik. Sie hat aber gefunden, daß die Ablehnung . aililein nicht genügt: Die Zeit erfordert k o ntimuierliche Handlung. Bis dahin war es tatekahilioh ein Maximalpi'Ograflpam. Aus Nervosität wurde allzu rasch von der. wichtigsten Führerschaft der Schluß gezogen, daß eigentlich jetzt eime neue. Einst e 1- Lung der Politik notwendig sei. Es ist eine neue Hypothese aufgestellt worden. Bei uns wurde die Erkenntnis der Cnancemlosigkeat der Außenpolitik von den offiziellen Zionisten übernommen. /jabotinsky schilägt „Zuwarten" vor für eine blumige Konjunktur. Man hätte keine Hypothese aufstellen sollen. Was ist's, wenn diese Konjunktur nicht kommt? Palästina•. ist ein Land mit drei Komponenten: die erste: sind die Juden, die das Mandat haben» die zweite sind die Araber und die dritte, die schwerwiegendste, ist England. Die/Umstellung Englands in der PailästinarPolitik ist bereits im Jahre 1921 erfolgt. Es war ein schwerer Irrtum der revisionistischen Politik, daß man zwischen der Palästina-Kommission und der syinpathisierenden . Palästina-Verwaltung in, London unterschied. England fiürchtet, daß der jüdische Staat unter seiner Patronanz zu stark wird. Maßgebend sind die Aeußerungen des Nichterfüd 1 ens des Mandate, wanum plötzlich das Erstaunen über die veränderte Einsteiluing? Die revisionistische Bewegung fist aus einem gesunden Instinkt geboren. Aufienpolitiik muß mit äußerster Ruhe geführt werden. Diäs Programm war fast auf NuM reduziert. Das revisionistische Programm verlangt kontinuierlichen Fortschritt, ein Spiel mit vielen Billardkugeln. Zurückgelassen wurde zur Politik nur eine Billardkugel, die militärische, sonst, erklären wir, wäre nichts zu machen. Die militärischq Billardkugel ist auch die wichtigste. Aber der maßgebende politische Weg kann nicht von einer Billardkugel allein vorgezeichtnet werden. Man muß versuchen, ob nicht eine andere Politik möglich wäre. Auf dem Kongreß gab es nichts anderes als eine riesenhaiftq Angst vor Uebernahme der Verantwortung. Man muß 'unter Umständen auch das Risiko eines Prestige stoß es auf sich nehmen. Das Programm von heute ist: Erfüllung der Bai f © u r - D e k 1 a r a ti o n durch die M a n d a t s m a c h t; hief ür ist entscheidend, ob England einem Zerhröckelungsprozefi entgegengeht. Die Spekulation darauf ist aber eine verfehlte, weil dieser Prozeß länger dauern würde, als wir auf den Judenstaat warten können. Palästina ist für England ein nicht gelungener Pakt, nur eine halbe, Annexion. Er ist auch wirtschaftlich kein guter Partner. Das Problem ist also: England wird seine Position dort halten. Trotz alledem August abends sage ich, daß der beste Partner, der britische ist. Es handelt sich damim, die britische Politik zur A e n d e r u n g zu bringend Wir müssen die Vereinigten Staaten für Palästina interessieren. Amerika hat bereits vitales Interesse für Palästina gezeigt. Die revisionistische Politik hat dies nicht ausgenützt. Wir müssen die Einwanderung von Amerikanern außerhalb der Quote forcieren. Eine Aenderung der Bodenpolitik muß Platz greifen. Wir müssen einen Druck auf England ausüben. Meine Vorschläge sind: Wir müssen bestimmenden Einfluß auf die Jewish Agency gewinnen. Die Jewish Agency als Apparat in der Hand von Meistern kann nur Gewinn bringen. Es ist unmöglich, mit einem Dualismus eine Bewegung auf die Dauer zu führen. Die revisionistische Bewegung in einer „splendid Isolation" hat keinen Erfolg zu erwarten. Dr. Efraim Waschitz (Palästina): Der Revisionismus in Palästina ist leider in Verruf gekommen, nicht nur bei den offiziellen Zionisten Palästinas. Dies ist eine Tatsache, welche wir Palästinenser feststellen konnten. Der Korrespondenz mit London, welche in letzter Zeit sehr re£e war, habe ich entnommen, daß manche sehr maßgebende Herren, in erster Reihe Großmann, den Palästinenser Freunden einen gewissen Mangel an revisionistischer Verantwortung zuschreiben. Verantwortung ist ein dehnbarer Begriff. Ich kann im Namen aller Palästinenser Gesinnungsgenossen versichern, daß wir zumindest dasselbe Verantwortungsgefühl haben wie die Galuth und London; die Herren sind sich der Verantwortung vollkommen bewußt. Ich erlaube niemandem, daran zu zweifeln. Man sagt „aber Achi- Meir". Diese Richtung ist heute in der Generaldebatte zum Gegenstand gemacht worden. Sie können sich zu ihm stellen wie Sic wollen. Ein Volk, das in einer so perfiden Weise verraten wird wie das jüdische Volk in Palästina, zusehen muß, daß dagegen nichts unternommen wird, wäre nichtswürdig, wenn nicht solche Strömungen wie die Achi-Meirs entstünden. Und das ist der Grund und die Ursache, daß Männer, die nicht ganz mit ihm übereinstimmen, mit ihm zusammensitzen und mit ihm vjtäJgj^desV^ Die große Premiere Die Herrin von Atlantis Ein Tonttim des Meisterregisseurs G. W. Pabst mit Brigitte Halm, Gustav Dlem, Tela Tschai, Matthias Wlemann, Wladimir Sokoloff, H. A. Klinganberg nach dem Abenteuerroman von Pierre Benort Ellte-Klno, l, Schottenrlns-Klno. I. Lustspieltheater, n, Flotten-Kino» IV arbeiten und innerlich Achtung für seine Persönlichkeit verspüren. Vielleicht fehlt Achi-Meir die Verantwortung vor der Exekutive in London, aber im Herzen bin ich tief überzeugt, daß alles, was er denkt und tut, diktiert ist von einem tiefen Verantwortungsgefühl für das jüdische Volk. Die Exekutive hat den Palästina-Genossen im Sinne dieser Vorwürfe nicht immer. Sympathien bezeugt. Es gab einen Fall „Wadi Chawarith", der sich kurz präzisieren läßt. Boden, der vom Volksgeld erworben wurde, ist an Araber abgetreten worden. An das Provisorium dieses Falles glaube,ich nicht. Es drang durch, daß. in Beantwortung dieses Schlages der Rücktritt des Keren-Kajemeth-Pircktoriums verlangt wurde. Es wurde schmerzlich vermißt, daß'. dieser Antrag bei der A.-C.-Sitzttng nicht gestellt wurde. ,Es ist klar, daß Menschen, die in Palästina leben, von der Exekutive Satisfaktion erwartet und ebenso erwartet haben, daß das Keren-Kajemeth-Direktorium zurücktrete. Wenn djes nicht geschah, so hat man Recht auf Unzufriedenheit und Mißtrauen. Bei den Revisionisten herrscht Widerwillen gegen die Fonds. Der Ursprung, de« Revisionismus ist die Bekämpfung der Bürokratie. Die Revisionisten Palästinas iassen die Opferwilligkeit eines Revisionisten ganz anders auf und verlangen; Opfer der Person. Die Exekutive hat in diesem Falle wieder eine Rolle gespielt, die den Palästinenser Revisionisten sehr unangenehm war. Im A. C. war unter anderem, auch von der U.eberführung des Schulwerkes an den Wa,ad Leumi die Rede. Seitdem diese Frage vor den Waad Leumi gekommen ist, haben wir . in dieser Frage den revisionistischen Standpunkt vertreten, daß die Regierung für die jüdischen Kinder, genau so zu sorgenhabe wie für die arabischen Kinder. Die Revisionisten hatten nichts dagegen, daß der Unterricht bei der Agency bleibe, wenn ihn die Regierung nicht übernimmt, wie es ihre Pflicht ist. Auch die Gemeinden der Kolonien und die Stadtgemeinde von Tel-Awiw wollen nichts von der Uebernahme des Schühverkes wissen. Im Waad Leumi führen die Linken das Regiment, und damit zieht auch die Belausche Reise durch Karpathoruß'an 1 In der Tschechoslowakei spricht man von der „Podkarpatska Rus" als vom „finsteren Winkel" des Landes. Dort seien die Juden am „zurückgebliebensten"; sie hätten nicht einmal den naivsten Aberglauben an die Wunderkraft der Rabbi abgelegt; man könne dort mit logischen Argumenten nichts ausrichten; usw. usw. Man fühlt sich deshalb, wenn man. nach Karpathorußland fährt, etwa wie ein englischer Beamter, der in eine entlegene Provinz des Imperiums geschickt wird. Man ist auf „alles" ■ gefaßt... Um es gleich zu sagen: Karpathorußland und die östliche Slowakei (hinter Kaschau), die ihrem Judentyp gemäß auch dazu gehört, war eine angenehme Enttäuschung. Zwar trägt die „Jüdischkeit" dieses Landstriches noch zwanghaften Charakter: sehr, viele halten die jüdische Tradition ein, nicht weil sie sie lieben und positiv zu ihr eingestellt sind, sondern weil die öffentliche Meinung es nicht anders gestattet. (Es gibt dort nämlich eine unpersönliche jüdische öffentliche Meinung, der alle unterworfen sind, die sich aber nur für den Kochtopf des lieben Nachbarn interessiert.) Noch mehr: Leute, die unmittelbar neben der Quelle dieser öffentlichen Meinung, z. B. in der nächsten Nähe des Rabbi Spira von Munkacs, sich befinden, flüstern einem ins Ohr, der Betar sei ihnen sehr sympathisch, sie wollten auch gar nicht die vom Rabbi vorgeschriebene gojische Liste ins Parlament wählen, sie möchten so gerne, daß Jabotinsky wieder einmal nach Karpathorußland komme, aber — laut sagen dürften sie es nicht, sonst würden sie von ihrer Umgebung boykottiert werden und verfemt (... wenn auch ein jeder Einzelne so dächte wie sie...). Dieser berüchtigte karpathorussische innerjüdische Gesinnungsterror steht bereits auf-tönernen Füßen. Er befindet sich im Stadium einer überlebten Kulturform, die noch eine Zeitlang den einzelnen Manschen im Banne hält, trotzdem die überwiegende Mehrzahl ihr bereits entwachsen ist. Ein Beweis: die Jugend. Der Betar ist zu einer Massenbewegung in Karpathorußland geworden. In jedem Städtchen, in jedem Dorf begrüßen einander jüdische Jugendliche mit „Tel-Chaj!" In vielen Orten spielt der Betar die Rolle des „Fensters nach Europa"; er ist häufig die erste jüdische Organisation am Ort, die eine Verbindung der kleinen Judengemeinde mit der Weltjudenheit herstellt. Der Horizont des Städtchens ward plötzlich ungeheuer erweitert. Aus der Erschütterung der wirtschaftlichen Existenz von Einzeljuden wurde „Judennot", ein Phänomen, das, in seiner Gesetzmäßigkeit erfaßt, von selbst zu einer überlokalen, weltjüdischen Lösung hindrängt — auf Palästina. Das Gewirr von Völkerschaften und nationalen Kulturen dieses Landes, das noch immer den Juden die harte Nuß zu knacken gibt, welche Assimilation die vorteilhafteste sei, die tschechische,« ungarische oder ruthenische (denn äußerliche Assimilation ist ja mit dem Ghetto nicht unvereinbar), Avurde jetzt zu einem Anschauungsunterricht in Nationalitätenproblemen, aus dem, wenn dieses Problem richtig erfaßt wird, nur eine Schlußfolgerung gezogen werden kann: keine Assimilation; eigene, \ hebräische Kultur. Selbstverständlich sind diese Tendenzen noch nicht schlackenlos, noch nicht deutlich ausgeprägt — aber sie sind da, sie leben und wirken fort. Eine weitverzweigte ' judenstaatlerische Jugendorganisation wirkt wie ein Ferment im Judentum Karpathorußlands. Es gärt bereits, und die in der Tschechoslowakei über die Judenschaft des östlichsten Winkels der Republik verbreitete Meinung ist zum Teil schon überholt. Der Betar in Karpathorußland ist, wie auch üv den meisten anderen Ländern, noch kein richtiger Betar, sondern — wie Jabotinsky sagt — „eine Sehnsucht nach Betar". Aber in Karpathorußland . ist diese Sehnsucht stärker als anderswo. Denn die Judenschaft dieses Landes überspringt eine Entwicklungsstufe:: sie macht einen direkten Sprung vom Ghetto in die jüdische Staatsbewegung; die Phasen Haskala, „Kulturzionismus", sozialistischer „Zionismus" usw. sind nur andeutungsweise anzutreffen — sie sind ihr im großen und ganzen erspart geblieben. Die Tendenz „Weg vom Ghetto", die Sehnsucht nach der eigenen jüdischnationalen „Balebattischkeit" in Palästina — die in anderen Ländern sich in tausend Kanäle zerspalten hat, von denen viele erst auf verschiedenen Umwegen zurückfanden in den breiten Strom des

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