Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 258 (26.8.1932)
- Date
- 1932-08-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 258 i DIE NEUE WELT Seite Z Sie sich doch einen Ruck, entbinden Sie das Stück Pöbel in sich, das in jedem Antisemiten steckt! Nehmen Sie doch den Pferdeapfel auf, werfen Sie ihn den jüdischen Mitbürgern ins Gesicht und rufen Sie .Saujud' hinter ihm her! Sie werden Erleichterung finden uml, da wir in Deutschland leben, auch ein Gericht finden, das Ihrer bedrängten Seelenlage Verständnis entgegenbringt." Die Judenfrage — das deutsche Problem! Das Augustheft der „Europaischen Revue" Diese Schlagzeile ist grell, schreiend, zum Haltmachen auffordernd. Sie befindet sich auf der Umschlagseite der „Europäischen Revue"*) (August 1932), die soeben als — Judenheft erschienen ist. Die Aktualität des Judenproblems ist für Deutschland so groß, daß sie führende deutsche Geister zur Stellungnahme zwingt. Der Name des Herausgebers der „Europäischen Revue", Karl Anton Prinz Rohan, bürgt für die Behandlung des Stoffes in einer Art, die niemals in die Niederungen beschränkter Tagespolemik hinabsteigt; dessen Rahmen so weit gespannt ist, daß in ihm die vielfältigen Erscheinungen und deren Betrachtungsformen Raum finden. Ein Phänomen, das zu allen Seiten des deutschen Wesens in Beziehungen tritt, kann nur so gedeutet werden, wie der Künstler die Welt deutet: durch stete Veränderung des Standortes. Das geschieht hier dadurch, daß eine Reihe nichtjüdischer und jüdischer Persönlichkeiten je nach ihrem Wissen und Sein die Schnittflächen der Juden- und Deutschenfrage, des Juden- und Deutschenschicksals herausarbeiten. Wenn wir im nachstehenden Teile einzelner Aufsätze wiedergeben, so sind wir uns des Mangels solcher Wiedergabe bewußt. Aber es geht zunächst darum, gewisse Illusionen zu zerstören, denen immer noch ein großer Teil von Juden und Deutschen in Deutschland zu erliegen scheint. Zunächst wollen wir uns mit Ausschnitten aus den Beiträgen dreier nichtjüdischer Autoren begnügen. Karl Anton Prinz Rohan (Einige Bemerkungen zur Judenfrage) „Es gibt eine Welt-Judenfrage und eine deutsche Judenfrage; und es gibt eine politische, also öffentliche, und eine gesellschaftliche, also private Judenfrage. Im Politischen heißt die Front: Gleichstellung des jüdischen mit dem Staatsbürger des Wirtsvolkes — oder Sonderbehandlung des Juden'; """im'"Gesel'lscfiaftlichen: Assimilation, Mischehen — oder gesellschaftliehe Sonderstellung, keine Mischehen, bis Boykott. Auf der ganzen Welt gibt es heute in der gesellschaftlichen Sphäre zwei Lager: die urbane Gesellschaft, die Menschen der Großstädte und des technischen Zeitalters, stehen in der Judenfrage mehr oder weniger nuanciert liberal, der von Natur aus konservative Mensch, also der Bauer, der Landadel und in den Städten alles, was noch sozusagen biedermeierisch lebt, also Beamte, Gewerbetreibende usw., judenrein'. Dasselbe gilt für den Juden. Während der liberale Jude dazu neigt — wie Bluher es nennt —, Mimikri zu treiben, ja sogar sich möglichst zu assimilieren und auch blutlich mit dem Wirtsvolk zu vermischen und in ihm aufzugehen, hält der konservative Jude nicht nur an Glaube und Tradition, sondern vor allem auch am reinen Stammbaum fest. Politisch wird die Judenfrage im antisemitischen Sinne imm^r nur dort und dann, wenn das Wirtsvolk sich von dem .Fremden', .Anderen' im Jüdischen' bedrängt fühlt; sei es,' daß zu viele und zu wenig assimilierte Juden vorhanden sind, sei es, daß sie zu großen Einfluß auf die öffentlichen Geschäfte und die Wirtschaft nehmen oder im Geistesleben eine für das Wirtsvolk unerträglich bedeutende Rolle spielen.' „Das Jüdische' als minderwertig zu bezeichnen, fällt nur Menschen ein, die selbst nicht frei sind von Minderwertigkeitsgefühlen gegenüber diesem „Jüdischen'. Aber es ist ein .Anderes', ein .Fremdes'. Ja, mehr noch: das spezifisch „Jüdische*, seine stärksten geistigen und sittlichen Ausstrahlungen und Verwirklichungen, wirken sofern sie in .statu assimilationis', also namens der Substanz des Wirtsvolks geschehen — insbesondere in Deutschland —, auf dieses, auf dessen Habitus schwächend, verwirrend, auflockernd, weil Glaube und Skepsis, die ewige Polarität im Menschen, bei beiden verschiedene Werte erfassen." „Der Jude, der sich zu sich selbst bekennt — es handelt sich hier weder um Religion noch um Rasse, sondern um alles zusammen in diesem „Jüdischen" — hebt damit selbst den größten Teil des Aergernisses auf, das seine Mimikry erregt, und wird zu einem auch von volksbürgerlichen Deutschen geschätzten, ja in vielen Fällen geliebten Mitbürger." Hans Blüher (Die Einheit Israels) „Es gäbe keine Judenfrage, so wenig, wie es eine Griechenfrage gibt, wenn die Israeliten sich zu ihrer Offenbarung verhalten hätten, wie die Hellenen zu ier ihrigen. Setzt man einmal hin: die Schönheit wurde dem "l Verlag „Europäische Revue", Berlin SW 68. Griechen offenbart; so ist der zweite Satz: die Griechen vergingen und ließen die Sache auf sich beruhen. Israel aber vergeht nicht; es wild leben bis ans Ende der Tage, alle andern Völker aber werden vergehen. So spricht der Talmud. Die Juden denken darüber sö: Gott hat unter den vorisraelitischen Menschen, die sich seit der Sintflut in den drei Stämmen über die Erde verbreitet hatten, einen einzigen auserwählt, um Täger seiner, Jehovas, Offenbarung zu werden. Und dieser eine Mensch war Abraham aus Ur. In seinem Namen lag immanent eingebettet die Fähigkeit, Gottes Wort zu hören. Abrahams Samen wurde auf eine besondere Weise, die eben Gottes- und nicht Menschenweise ist, weitergezüchtet über Isaak und Jakob hinweg zu den zwölf Stämmen Israels. Man soll sich nicht darüber beschweren, daß der Betrüger Jakob gewinnt gegenüber dem arglosen Esau; aber man soll es auch nicht vergessen. Es handelt sich hier eben um die Durchführung des Wortes .Meine Wege sind nicht eure Wege'." „...es gibt keine Blutmischung mit Juden. Wo sie .tatsächlich' vollzogen wird, da entstehen Scheingebilde, die über kurz oder lang in die Bahn des Urbildes einmünden." (Die Rasse.) Professor der Germanistik Josef Nadler (Die Juden und die Literatur) „Vielleicht mit keinem Volk der Erde hat der Jude in solcher Hingabe geistig eins werden wollen wie mit dem deutschen, und kein anderes hat gegen diese Hingabe sich mit solchen Gebärden der Abneigung gewehrt. Die deutsch-jüdische Literatur ist ein Dokument stürmischen Werbens um den deutschen Geist, das Dokument der bitteren und tragischen Einsicht des Unmöglichen und Nichterfüllbaren." „Es gibt eine Weltliteratur des deutschen Volkes in allen Kultursprachen, die je geredet und geschrieben wurden, und in dieser Weltliteratur wird die deutsch geschriebene ein sehr wesentlicher Bestandteil sein. 2tothi**fMMe»i TiMf&d&is erfüllt von allen „Kleinen* die Funktionen der „Großen" am besien I Die billigste Klein-Schrelbmaschine für BUro und Reise S 890.- Kassa Auen auf Teilzahlungen lieferbar l Große Auswahl in Gelegenheitskäufen l Büromöbel / sämtlicher Bürobedarf Vei langen Sie Angebote KONTOK-EINRICH IUNGS- GESELLSCHAFT Wien I, Eschenbachgaase 9-11 Telephon : «-26 (1-61, B-26-0-71 Aber wieviel davon deutsche Literatur ist, hängt durchaus nicht von der Sprache, sondern von der Gesinnung ab und vom Eingehen in das Volk, dem man angehören will... Wir lesen zweierlei Bücher. In den einen suchen uns Juden von der Gröfle ihrer Weltsendung zu überzeugen und in den anderen setzen uns zum Teil dieselben Verfasser auseinander, wie völlig sie Deutsche wären. Wo lesen wir richtig? Es ist eine unmögliche Situation, daß ein Kulturvolk von achtzig Millionen Menschen nicht weiß, wohin es gehört... Eine ehrliche und klare Entscheidung ist der Schlüssel zur Lage. Diese Entscheidung liegt bei den Juden." * Die Veröffentlichung weiterer Teile der Beiträge wird im Rahmen einer deutsch-jüdischen Analyse gelegentlich fortgesetzt. Tel. R-46-4-77, R-46-S-30 R E N Z AB 1. SEPTEMBER II., ZIRKUSGASSE 44 JOE BREITBÄRT BRUDER UND NACHFOLGER DES BERÜHMTEN EISENKÖNIGS IN RA rr I Q-p> Up QDICI P DIE GROSSE MANEGESCHAÜ UcivMöunt orii:lel^und,ausstattungshevue MITWIRKENDE; 50 ARTISTEN u. a. ARMIN SPRINGER / ADOLF GLINGER / PftÄS. ARNOLD BARKAY / TÄNZE: GISA GEERT / GERTY KALMAR / VIELE ANDERE. STAR-ATTRAKTIONEN PREISE: TAGLICH: 4 UND 8 UHR SONN- U. FEIERT.: 2, 5, 8 UHR NACHMITTAGS S 1'— ABENDS S 2'- 7 TAQC VORVERKAUF QHWfe ZUSCHLAG AUS PALÄSTINA. Einwanderung und Auswanderung im Juni 1932. 524 Juden, 116 Christen und 29 Mohammedaner wurden während des Monats Juni als Einwanderer registriert. Unter den jüdischen Einwanderern waren 77 Personen mit einem Kapita lvon Pf St. 1000 und darüber, die mit ihren Familien ins Land kamen (zusammen 153 Personen). Die Zahl der Juden, die zu einer festen Anstellung kamen, betrug 46. Unter den christlichen Einwanderern waren zwei Kapitalisten, 25 Personen, die zu einer festen Anstellung kamen und 13 Personen mit religiösem Beruf usw. Die Mehrzahl der mohammedanischen Einwanderer (17 von 29) waren Personen, die zu einer bestimmten Beschäftigung kamen. Die folgenden Personen haben das Land während desselben Monats verlassen: 48 Juden, 87 Christen und 17 Mohammedaner. 25 der jüdischen Auswanderer gingen nach Amerika. Einnahmen und Ausgaben der Palästina-Regierung im ersten Quartal 1932 Wie aus den soeben veröffentlichten Berichten hervorgeht, haben die Einnahmen der Palästina- Regierung in den ersten drei Monaten,des laufenden Jahres 657.289, die Ausgaben 511.655 Pfund betragen. Im Monat März betrugen die Einnahmen 291.170, die Ausgaben 218.158 Pfund. Verschärfung der Pressevorschriften in Palästina Soeben wurde eine neue Verordnung über das Pressewesen in Palästina veröffentlicht, durch die die bisherigen Vorschriften wesentlich verschärft werden. In der Verordnung wird bestimmt, daß der leitende Redakteur gleichzeitig auch der verantwortliche Redakteur sein muß. Eine Zeitung, die Nachrichten oder Artikel veröffentlicht, durch die die öffentliche Ruhe und Ordnung gefährdet werden könnten, kann vom High Commissioner suspendiert werden. Die Veröffentlichung von aufrührerischen oder verleumderischen Artikeln kann von den Gerichten mit Verbot der Zeitung für drei Jahre geahndet werden. Jede Tageszeitung, einschließlich der schon bestehenden, hat eine Sicherstellung von 150 Pfund zur Deckung der Strafbeträge für eventuelle Pressevergehen zu erlegen. Ausgabe neuer Zertifikate Die Jewish Agency hat auf Rechnung der nächsten Arbeitereinwanderungs-Sohedule 233 neue Einwanderungszertifikate erhalten. Palästinensisches Adreßbuch Im „Palestine Directory" ist soeben das erste und einzige Adreßbuch erschienen,, das allen modernsten Ansprüchen genügt. Wer die Verhältnisse im Orient kennt, kann den Wert und die ungeheure Arbeit schätzen, die in der Herausgabe eines solchen Standardwerkes liegen. Der Handel und die Industrie Palästinas, für die die Herausgeber „Mischar w'Taasia", die Tel-Awiwer Handelskammer, wirklich maßgebend sind, rücken in der letzten Zeit in den Brennpunkt größten Interesses. Die im Frühjahr dieses Jahres stattgefundene „Levante-Messe in Tel- Awiw" hat den Beweis erbracht, daß nicht nur der internationale Handel und Industrie für den Verkehr mit diesem aufstrebenden Land größtes Interesse haben, sondern hat auch den Aufstieg van palästinensischem Transithandel und eigener Industrie ganz klar erwiesen. Jeder einzelne und vor allem jede Körperschaft, die mit dem nahen Orient in Verbindung treten wollen, können dieses erstklassig ausgestattete Nachschlagwerk nicht entbehren. „The Palestine Directory and Handbook" (ffdreß- und Handbuch von Palästina), das einzige, bestausgestattete und modernste Nachschlagewerk von 1932 ist soeben erschienen Bruno Rablnowltz und aus Gefälligkeit bei Wien I, Rotenturmstr, 25 (Mezz.) Tel. U-20-8-33, zu beziehen Preis $ 5 — (auch In Schillingen)