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Die neue Welt · 1932-08-26 · Heft 258 (26.8.1932) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 258 (26.8.1932)
Date
1932-08-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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:£2 Milch TrlnK und Spelselmlle 222 Vegetarische und dlatische Speisen M. Eilen Volkstümliche Preise 13 Eingang II., Förstern. 7 Bis 12 Uhr nachts offen Ein neuer Konsul der Vereinigten Staaten in Jerusalem Das State Department in Washington hat als Nach folger des zum bevollmächtigten Minister der Vereinigten: Staaten in Bagdad ernannten bisherigen amerikanischen Konsuls in Jerusalem Knabenshue den bisherigen amerikanischen Konsul in Bagdad, Alexander K. Sloan, ernannt. Das Budget der Jüdischen Gemeinde in Jerusalem In der letzten Sitzung des Rates der Jerusalemer jüdischen Gemeinde wurde das Budget für das kommende Jahr auf 7 8 9 0 Pfund f e s t g e s e t z t. Hievon sind 18.58 Pfund für religiöse Zwecke, 900 Pfund für soziale Hilfe und Gesundheitswesen, 1250 Pfund für Erziehungswesen, 650 Pfund für Schuldentilgung und 750 Pfund für den .Waad Leumi bestimmt. Ferner wurde beschlossen, die Gemeindesteuer nicht, wie im Gesetz vorgesehen, mit 6.Prozent, sondern nur mit 4 Prozent des staatlich en: S t e u e r b e t r a g e s festzusetzen. Die Baubewegung in Tel-Äwiw. Im Laufe des Monats Juli erteilte die Technische Abteilung der Stadtverwaltung von Tel-Awiw Bauerlaubnisse für eine Fläche von ungefähr 7800 Quadratmeter Bauflache und seit Anfang des Jahres 1932 insgesamt für nahezu 50.000 Quadratmeter. Von der palästinensischen Industrie " Wie der „Davar" mitteilt, wurde in Tel-Awiw eine neue Kerzenf ab rik durch die Herren Rose & Vogelson aus Warschau errichtet, die dritte Kerzenfabrik in, Tel-Awiw. In diesen Tagen wird in Ramath Gan eine neue Fabrik für Stacheldraht zur Herstellung von Zäunen eröffnet werden. Die Fabrik zur Herstellung von Fruchtsäften „Assi s" beabsichtigt ihren Betrieb in der nächsten Zeit zu erweitern. Im Laufe des letzten Jahres" wurden von ihr zirka 10.000 Kisten Orangen und Zitronen zu Saft verarbeitet. ' ' Eine andere Fabrik;;für Fruchtsäfte wurde durch*- Herrn. A. Lipsky in Petach Tikwah gegründet. Jerusalem—Bagdad Die Firma Nathaniel, die bis jetzt den Transport dfer Post per Automobil von Jerusalem über Amman nach Bagdad besorgte, unternahm in der letzten Zeit verschiedene Versuche, auch die Beförderung von Personen auf diesem Wege nach Bagdad durchzuführen. Sie veröffentlicht jetzt eine Anzeige über die Eröffnung eines regelmäßigen Personenautoverkehrs. Die Fahrt über Amman wird zirka 30 Stunden dauern. Bisher mußten die nach Bagdad Reisenden über Damaskus fahren. Auswanderung aus Polen nach Palästina Am 17. August ist aus Warschau eine Gruppe von 80 Auswanderern nach Palästina abgereist. Die Gruppe besteht aus Chaluzim, Chaluzoth und Auswanderern mit eigenem Kapital von mindestens 1000 Pfund. In etwa drei Wochen wird eine zweite Gruppe von etwa 500 Palästina-Auswanderern Warschau verlassen. Verlängerung des Waffen- und Versammlungsverbots in Palästina Durch eine Verordnung des Distriktskommissärs wurde im Distrikt Jerusalem das Verbot des Waffentragens und der Abhaltung von Versammlungen auf weitere drei Monate verlängert. Bilu-Feier in Tel-Awiw In Tel-Awiw wurde am 12. und 13. August die Fünfzigjahrfeier des Beginns der palästinensischen Kolonisation durch die Bilu-Gruppe festlich begangen. Es wurden mehrere Versammlungen abgehalten. Die Hauptversammlung fand.im Hofe des Herzl-Gymnasiums statt, wo sich nebst anderen Festgästen sämtliche noch überlebenden Mitglieder der Bilu versammelt hatten. Ansprachen wurden von Vertretern der Stadtgemeinde» des Jüdischen Nationalfonds, der Organisation der hebräischen Lehrer und des Rabbinats sowie von einigen Bilu-Mitgliedern gehalten. KONKURS Bei dem Israelitischen Synagogenverein „Beth Israel" in Wien gelangt für die hohen Feiertage die Stelle eines Chordirigenten zur Besetzung. Bewerber für diesen Posten, nur österreichische Bundesbürger, welche nachweisbar ein jüdisch-religiöses Leben führen und durch Zeugnisse den Nachweis über ihre musikalische Ausbildung sowie Kenntnis der hebr. Liturgie, welche sie zum Dirigentenposten befähigen, erbringen, wollen ihre schriftlichen Offerte unter ..' Beischluß ihrer Zeugnisabschriften (nicht Originale) und unter Angabe ihrer Ansprüche spätestens bis 8. September 1932 an den genannten Verein in Wien, II., Leopolds« k faste 29, einsenden. _ I NationalerWiederaufbaii oder Klassenkampf? Zwischenfälle in Palästina Die letzten zionistischen Tagungen, dio die Möglichkeiten beschleunigter und systematischer Aufbauarbeit in Palästina zum Inhalt hatten, standen im Zeichen hoffnungsvoller Zuversicht. „Der Augenblick ist günstig", rief auf der Londoner Aktionskomiteesitzung das amerikanische Exekutivmitglied Emanuel N e w m a n n aus, aber hinter diesen Worten 6tand auch der Gedanke: Der Augenblick drängt! Es geht nicht nur um die Installierung neuer und um die Verdichtung bestehender Kräfte, es geht auch um das Tempo, in welchem sich dieser Prozeß vollzieht. Unter solchem Aspekt gesehen, bedarf die Verurteilung aller Momente, die das Tempo des Aufbaues stören könnten, keiner weiteren Motivierung. Die Bereitschaft am Dienst für das zionistische Werk mußte so etwaigen ideologischen . Erwägungen unterstellt werden. Die Selbstverständlichkeit solchen Beginnens hat die breiten Schichten des jüdischen Volkes und einen nicht unerheblichen Teil seiner Führerschaft erfaßt; sie hat aber gerade an einer Stelle haltgemacht, wo die praktische Handhabung den wunderbaren Gedanken natiönaler Solidarität ad absurdum führt. Aus Palästina meldet nämlich ' die Jüdische Telegraphenagentur: Zwdschen dem Leiter der Ansiedlumg holländischer Juden H a d a r und landwirtschaftlichen Arbeitern des allgemeinen jüdischen Arbeiterverbandes Palästinas Histadru th Haowdim ist ein Konflikt ausgebrochen, weil der Leiter der Sied-; lung, statt die Arbeiter der Histadruth ziu verwenden, Mitglieder der religiösen Arbeiterorganisation Poale Hamisrachi aus Petach Tdkwah zur Arbeit herangezogen hat. Als die misrachistischen Arbeiter die Arbeit in der Siedlung aufnehmen wollten, kam es zwischen ihnen und den Mitgliedern der Histadruth zu einem Zusammenstoß. 20 Mitglieder der allge- meinen Arbeiterorganisation wurden verhaftet und werden sich wegen Störung der öffentlichen Ordnung vor Gericht zu verantworten haben. Diese Nachricht verdient nähere Betrachtung. Man muß sich vor Augen halten, daß Hapoel Hamisrachi eine chaluzische Arbeiterorganisation ist, die zwar weltanschaulich und in weiterem Maße organisatorisch an der Seite^des religiösen zionistischen Blocks Misrachi steht, sozial-programmatisch aber" das verficht, was die linken Arbeitemonisten;als ihren „Arbeiterzionismus" bezeichnen. Es kann also keine Rede davon sein, daß die Mitglieder des Hapoel Misrachi den üblichen gewerkschaftlichen Normen fernstehen oder gar lohndrückerisch wirken könnten. So ist es kein Zweifel, daß bloß die Tatsache ihrer nichtmarxistischen Einstellung die religiösen Arbeiterzionisten zu^ Stein des Anstoßes, sie schon seit Jahren sozusagen: zum Angriffsobjekt gemacht hat — gerade wenn es gilt, im gegebenen Moment mit Arbeit einzusetzen. Es sieht so aus, als müßten solche Arbeiterelemente zugunsten einer offensichtlichen klassenkämpferischen Machtgier der allgemeinen palästinensischen Arbeiterorganisation H istadruth Haowdim Vogelfrei gemacht werden. Hapoel Hamisrachi, die älteste nichtmarxistische Arbeiterorganisation, bekam diese Terrormethode von allem Anfang an zu spüren. Das nächste Opfer war die rein nationale, rein zionistische revisionistische Arbeiterschaft, deren zahlreiche Konflikte mit der linken Arbeiterschaft auf das Konto „Klassenkampf um jeden Preis" zu buchen sind. Bekanntlich wird von den Revisionisten seit langem eine überparteiliche, das heißt nationale Schiedsgericht s b a r k e i t für alle Fragen jüdischer Arbeit im Laude verlangt, der natürlichste Modus, jeweilige Differenzen im Interesse des Gesamtaufbaues Palästinas; zu schlichten. Die bestehenden politischen Körperschaften des Jischuw haben sich bisnun als nicht geeignet erwiesen, die Funktion einer Schlichtungskörperschaft zu üben. Wohl wurde immer wieder der jüdische Nationalrat Waad Leumi angerufen, wohl suchte er zu vermitteln. So auch diesmal. Die Jüdische Telegraphenagentur meldet aus Jerusalem: Der vor einiger Zeit zwischen der Leitung der jüdischen Kolonie Ha dar und den der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas Histadruth Haowdim angehörenden Arbeitern wegen Beschäftigung auswärtiger Arbeiter der Organisation Poale Hamisrachi entstandene Konflikt wurde dadurch beendet, daß die Kolonjeleitung und die Arbeiter der Poale Hamisrachi sich bereit erklärt haben, einen Schiedspruch des Waad Leumi anzuerkennen. Der größte Teil der im Zusammenhang mit dem Arbeitsstreit in Hadar verhafteten Mitglieder der Histadruth Haowdim wurde bereits auf freien Fuß gesetzt. Einige wurden mit Geldstrafen bis zu 12 Schilling belegt. Die Intervention erfolgte also. . Das Ergebnis war, wie in allen vorhergehenden Fällen, ein negatives. Denn die Jüdisch^ .T£de£mphenageötur.meldet bezüglich^ des. loteten Falle«! daß in der Kolonie Hadar neuerdings Unruhen ausge. j brochen sind und drei der Histadruth angehörenden jÄ, Arbeiter verhaftet wurden. " Das ist die Stimmung, in der die Arbeit an einem Werk vollzogen werden soll, dem sich der nationale Wille von Millionen Juden in der Welt beugt. Symptome in der Gallith. Der Klassenkampf ist eine politische Plattform, von der aus die in der palästinensischen Histadruth Haowdim und im Weltverband Poale Zion vereinigten Arbeitergruppen auf das gesamte politische und wirtschaftliche Leben des Landes Hand legen, kurzum alles monopolisieren wollen, was nationale Fonds, Privatkapital und private Energie für die Interessen des zionistischen Aufbaues bereitstellen möchten. Auch das geistige Leben des Landes soll dem Klassenkampfgedanken Untertan gemacht werden. Während sich früher der erheblichste Teil der linksgerichteten Arbeiterelemente zum an a r x i e t is chen Klassenkampfgedankens ablehnend verhielt, gerieten diese Elemente'im Verlauf der Vereinigungsbestrebungen immer mehr in das Fahrwasser des Klassenkampfes. Der palästinensische Ring Achduth Awoda — Hapoel Hazair — Zeire Zion, sich zur allgemeinen Arbeiterorganisation Histadruth Haowdim zusammenschließend (mit der Devise: II. Internationale, also Klassenkampf), gab das Signal für ähnliche Zusammenschlüsse in der Galuth. Wie bekannt, ist dieser Zusammenschluß unter der Marke „Arbeitendes Palästina" vorweggenommen worden, ein Zusammenschluß, der sich bereits aus Anlaß verschiedener Aktionen, wie Wahlen zum Kongreß, politischen Kundgebungen u. a., bemerkbar gemacht hat. Der formelle Zusammenschluß der beiden großen Galuth-Gruppen Hitachduth und Poale Zion soll auf einer Konferenz in Danzig am 20. August stattfinden. Allerdings wird nicht überall diese Vereinigung reibungslos;vor sich gehen. Bezüglich P ol e n s meldet hiezu die iJüdische Telegraphenagentur: Die Hitachduth in Polen nimmt gegenüber dem Vereinigungsbeschluß, durch den der neuen gemeinsamen Partei der Klassenkampf charakte'r gegeben wird, eine ablehnende Haltung ein. Die polnische Hitachduth will auch künftighin ihre Arbeit in ideologischer und organisatorischer Hinsicht auf der Grundlage des Primats des nationalen Gedankens, des sozialistischen Konstruktivismus und des kompromißlosen Hebaismus selbständig fortführen. Da im Hinblick auf die tatsächlich bereits durchgeführte Vereinigung die Weltkonferenz nur noch die formolle Aufgabe haben wird, das Vereinigungsabkommen zu bestätgien, wird sich die polnische Hitachduth an der Konferenz nicht beteiligen, Die Hitachduth-Partei in Polen betont ihre ideelle Verbundenheit mit der Arbeiterpartei Palästinas und wird den Wiederaufbau der Hitachduth-Weltbewegung anbahnen. ' : ■. Bei aller Skepsis gegenüber einer konsequenten Haltung der polnischen Hitachduth, der zahlenmäßig bedeutendsten Gruppe im ehemaligen selbständigen Hitachduth-Verband, kann man diese Absage als in gewissem Sinne charakteristisch bezeichnen. Sie als Besinnung auf die Notwendigkeiten des nationalen Aufbaues anzusehen, wäre zweifellos verfrüht. Der seit dem XVII. Zionisteukongreß inaugurierte Prozeß, die Vorherrschaft der klassenkämpferischen Richtung zu begrenzen, wird seinen Weg gehen müssen. „Franz-Josef "-Bitterwasser regelt trägen Stuhlgang. ie Fassungskraft Palästinas Eine Schrift von Davis Trietsch Aus der Erkenntnis heraus, daß die gegenwärtigen Schwierigkeiten des Palästina-Aufbaus mehr denn je eine Neuorientierung der zionistischen Wirt Schaftspolitik erfordern, hat sich Davis Trietsch (Berlin) entschlossen, mit einer erweiterten Ausgabe seiner 1926 erschienenen Schrift „Die Fassungskraft Palästinas" (Orient-Verlag, Berlin W50) herauszutreten. Seine Grundauffassung geht dahin, daß neben der Mandatregierung und den arabischen Pogrominszenatoren die Hauptschuld an den neuen Entwicklungen „die erstaunliche Unfähigkeit derer trägt, die seit Kriegsende auf jüdisch er Seite die Einwanderung und Ansiedlung maßgeblich beeinflußt haben". Davis Trietsch gehört neben Dr. S. E. Soskin zu den Männern," die.es-weder an Warnungen noch an konstruktiven Vorschlägen fehlen ließen, wobei er darauf Gewicht legte,: daß ein. Wirtschaftsmodus geschaffen werde, der eine Mass enEinwanderung möglicht macht. In seiner Schrift skizziert er zunächst die letzte Aera der jüdischen Wanderung und bringt Tatsachen und Ziffern zur Frage des jüdischen Palästina, um sich dem Hauptproblem, den Grundlagen der Einwanderung, den,,besonderen Möglichkeiten des Landes, der S iedlung.s frage, als solcher und schließlich den nächsten Zukunftsaussichten Palästinas zuzuwenden, i •; Besonders interessant ist; die; Behandlung der Sicdlungsforra und der Kostenfrage, wobei Trietsch

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