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Die neue Welt · 1932-08-26 · Heft 258 (26.8.1932) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 258 (26.8.1932)
Date
1932-08-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 258___ gltllllllllllllllllltllilllllllllllHIlIffl 1 Restaurant Billet -ws I ^^^^^^teMMHMBaaMHaiMnB — §§ ■■■■■■■■■BHHHHaHaHBaBBl §§ | Bestrenommierte Küche im neueröffneten g | GASSENLOKAL I HHHHHIHHHIHHHHHIHHHHHHHHH^H | II, Hammer - Purgstallgasse Nr. 3 | Boykottpropaganda in Antwerpen In Antwerpen hat eine antijüdische Boykottpropaganda eingesetzt. In den Straßen von Antwerpen wurden Anschläge angebracht, in denen die Bevölkerung aufgefordert wird, von den Juden, die „d a s belgische Leben vergiften", nicht zu kaufen. Diese Boykottpropaganda ist geeignet, die wirtschaftliche Notlage der jüdischen Bevölkerung zu verstärken, die von der allgemeinen Wirtschaftskrise in Belgien besonders hart getroffen ist, weil sie bisher .hauptsächlich in der Juwelenindustrie und Diamantenschleiferei, zwei Berufszweigen, die fast vollständig zugrunde gegangen sind, tätig war. Tausende Juden sind dadurch arbeitslos geworden und können im Hinblick auf die allgemeine Arbeitslosigkeit in Belgien keine neue Beschäftigung finden. Jüdische Wirtschaftsnot in Polen Ein charakteristisches Symptom der jüdischen Wirtschaftsnot in Polen ist der fortschreitende Uebergang jüdischen Hausbesitzes in nichtjüdische Hände. Aus einer soeben veröffentlichten Statistik geht hervor, daß in Warschau im Monat April christliche Käufer 23 Häuser aus jüdischem Besitz erworben haben. Von August bis September 1931 wurden in Warschau 159 Häuser aus jüdischem, dagegen nur vier aus christlichen Besitz versteigert. 67 Juden gehörende Häuser wurden wegen Nichtbezahlung von Schuldzinsen seitens der Eigentümer unter Sequester gestellt. Das älteste Schriftstück in jiddischer Sprache publiziert Dr. Salomon Birnbaum, ein Sohn Dr. Nathan Birnbaums, hat in den „Beiträgen zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur", Band 56, Heft 1, und in „Teut hon ista", Jahrgang 8, Heft 3/4, eines der ältesten datierten Schriftstücke in jiddischer Sprache publiziert und behandelt. Es handelt sich um ein mitteldeutsches Manuskript aus dem Jahre 1396/97: Schrift von der Kunst des Aderlassens und der Adern nach den Schriften der Aerzte". Das Original befindet sich im A r c h i v d e r S t a d t K ö 1 n. Judfedie Mischehen in Sowjefrußland Von Uri Zwi Engelmann (New York). Vor der Revolution konnten nur sehr wenige jüdische Mischehen verzeichnet werden. In Verbindung mit. dem religiösen Verbot lag noch auf ihnen ein strenges, gesellschaftliches Odium. In Anbetracht der Verfolgung der Juden in Rußland wurden sie als eine feige Flucht in das Lager des Feindes betrachtet, ja mehr noch: man sah sie sozusagen als Hochverrat an. Ein russischer Jude oder eine russische Jüdin, die außerhalb der Gemeinschaft eine Ehe eingingen, verurteilten sich selbst zum Tode. Die Familie derjenigen Person, die eine Mischehe einging, saß Schiwo und sagte Kaddisch. Heute ist die Lage anders. Die Bolschewiken haben die Gemeinschaftsbande gelockert und die jüdischen Gebräuche und Sitten unterminiert. Dadurch, DIE NEUE WELT_ Gesellschaft**- u* Studien* reise nach Palästina 28. Feber 1933 bis 28. März 1933 Wie bereits angekündigt, veranstaltet der Austro - Palästinensische Wirtschaftsdienst im Frühjahr 1935 eine Gesellschaftsnnd Studienreise nach Palästina. Die Reise wird in Wien am 28. Februar 1933 angetreten und dauert bis zum 28. März 1933. Die Seereise wird von Triest bis Jaffa und zurück von Haifa bis Triest auf einem Eildampfer des Lloyd Triestino zurückgelegt. Für den Aufenthalt im Lande sind 17 Tage vorgesehen. Das Programm des Landaufenthaltes umfnfit den Besuch der Städte Palästinas sowie eines großen Teiles der Siedlungen und ermöglicht den Reiseteilnehmern, sich mit dem fortschreitenden Aufbau des Landes, seinen wirtschaftlichen Institutionen, den modernen jüdischen Siedlungspunkten und den vielen Sehenswürdigkeiten des alten Judenlandes bekannt zu machen. Die Tage um Purim verbringt die Reisegesellschaft in Tel-Awiw und beteiligt sich an dem schon traditionell gewordenen Purimkarneval. Im Anschluß an den Aufenthalt in Palästina kann auf der Rückreise auch in Aegypten Aufenthalt genommen werden. Die Pauschalpreise für das ganze Arrangement sind äußerst niedrig gehalten und ermöglichen den weitesten Kreisen die Teilnahme an dieser Palästina-Reise. Mit der Reiseleitung wurde Frau Berta Taubes betraut. Ein ausführlicher Prospekt, welcher ein detailliertes Programm der Reise, die Pauschalpreise für das Arrangement, die Zahlungsmodalitüten, ein Merkblatt für die Reiseteilnehmer und eine Landkarte Palästinas enthält, befindet sich bereits im Druck und gelangt demnächst zur kostenlosen Versendung. Auskünfte werden im Sekretariat des Austro- Palästinensischen Wirtschafts-Dienstes, IX., Berggasse 16 (Handelsmuseum), Telephon A-17-5-4Ö Serie, jeden Montag und Donnerstag von %5 bis 6 Uhr und an allen Werktagen von der Reiseleiterin Frau Berta Taubes, IL, Böcklinstraße 92/5, Telephon B-71-70? erteilt. daß die jüdische Religion und die hebräische Literatur zerstört wurden und die materialistische Weltanschauung der Bolschewiken in das „Ghetto" eindrang, wurde der Weg zur Mischehe geebnet. Eine Studie über die Mischehen gibt uns Aufschluß darüber, inwieweit die Homogenität des jüdischen Stammes gelitten hat. Wir besitzen nicht viel Daten über Mischehen der früheren und späteren Zeit; aber das wenige statistische Material gibt uns hinlänglichen Aufschluß. Es zeigt uns auf. der einen Seite einfs .starke Aufwärtsbewegung der Misch e he n, auf der anderen die Zersplitterung der jüdischen Gemeinschaft. So zeigt das Jahr 1924, wo zum erstenmal genaue Ziffern über Mischeben im europäischen Rußland veröffentlicht wurden, daß 2987 Mischehen geschlossen wurden, die im Jahre 1926 auf 4361 stiegen, also eine Vermehrung um 1374 innerhalb dreier Jahre aufweisen. In derselben Periode fiel die Heiratsziffer um 800. Verglichen mit der Gesamtzahl der jüdischen Ehen (gemischt und rein jüdisch) läßt sich feststellen, daß die jüdischen Ehen um (vormals Sohr) II, ZIRKUSGASSE Nr. 3 SCHONER SCHATTIGER GARTEN UND BEQUEME SPEISESÄLE MENÜ VON S 1.20 BIS S 2.60 Seife 9 JÜDISCHE ELTERN 11 Kauft SAuIbfidier 1 fUr eure Kinder nur in i der jüdischen Buchhandlung g Hermann TUCHNER, | Wien II, ECKE Tabor* | strafte 52 § Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Aufff lagen — anch antiquafisch — zu sehr mäßigen Preisen! m Verzeichnisse^kostenlos I Für Auskünfte: Tel. R-4l-i-20 g ■MttBHtfBMlNHMiliiiM 2 Prozent, die jüdischen Mischehen um 46 Prozent zunahmen. Mit anderen Worten: Die jüdischen Mischehen haben 23mal soviel zugenommen wie die rein jüdischen Ehen. Die aufsteigenden Ziffern im Phänomen der jüdischen Mischehen zeigen sich noch deutlicher in den Zahlen der jährlichen Mischehen. Auf 1000 rein jüdische Ehen im Jahre 1924 kamen 122 Mischehen, im Jahre 1925 stieg das Verhältnis auf 131, im Jahre 1926 auf 185. Was die Geschlechter anlangt, können wir konstatieren, daß jüdische Frauen weniger Mischehen eingingen als Männer. Für die angeführten drei Jahre wurden auf Seite der Frauen 4789, auf Seite der Männer 5757 Mischehen gezählt. Diese Tatsiche ist besonders deswegen hervorzuheben, weil die jüdischen Frauen einen größeren Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung in Sowjetrußland ausmachen. Auf Grund der Statistik für 1926 kamen auf je 1000 jüdische Männer 1130 jüdische Frauen. Deir» Grund für die größere Anzahl der Mischehen seitens fle"rr Männer liegt wahrscheinlich darin, daß die Frauen konservativer sind, und zweitens darin, daß die Männer größeren Anteil am wirtschaftlichen Leben nehmen. Im allgemeinen kann man sagen, daß die Mischehen dort zunehmen, wo die Dichte der jüdischen Bevölkerung abnimmt. Als Beispiel kann man die Ukraine anführen, wo zufolge der proportionell größeren jüdischen Bevölkerung, die jüdischen Mischehen bedeutend geringer sind als — proportionell gemessen — auf dem Gesamtgebiet der Sowjetrepubliken. In Weißrußland, wo die Zahl der Juden 8.2 Prozent ausmacht, ist die Zahl der jüdischen Mischehen am geringsten Diese angegebenen Beispiele lassen uns besorg"«, in die Zukunft des russischen Judentums blicken. Man kann voraussagen, daß in den nächsten Jahrzehnten die jüdische Bevölkerungsziffer in Sowjetrußland weiter zurückgehen wird. Der Unterschied zwischen dem jüdischen und nicht jüdischen natürlichen Bevölkerungszuwachs ist sehr groß. So kamen im Jahre 1926 auf 1000 Juden 14,97u auf 1000 Großrussen 22,64, auf 1000 Ukrainer 24,31, auf 1000 Weißrussen 26,91 Neugeburten. Es erübrigt sich, hier weitere Momente des jüdischen Niederganges, wie wirtschaftlicher und kultureller Natur, anzuführen. Jedenfalls ergibt eine Betrachtung der gegenwärtigen Verhältnsse und Bedingungen, unter denen die Juden in Sowjetrußland leben, die Tatsache eines stetigen Abnehmens der jüdischen Bevölkerung. Konferenzbesprechung. Die unter Führung Aba Achi-Meir stehende Gruppe palästinensischer Delegierter zur V. Weltkonferenz der Zionisten-Revisionisten bittet alle gleichgesinnten Delegierten aus der Galuth, Samstag, den 27., um 8 Uhr abends im Heim, II,, Untere Augartenstraße 38, zu einer Beratung über die Probleme der Weltkonferenz zu erscheinen. Geige in seinem Herzen zirpen würde, und hing schweren Gedanken nach. Nur hie und pflegte er ein Wort dazwischenzurufen: „Nur nicht sterben im Winter. Wirklich, der Tod scheint im Sommer etwas besser zu sein."! „Alles eins", antwortete Saul kurz. „Ihr wißt, daß es bei uns im Städtchen noch solch eine Kranke gibt wie wir — Rachel Bronstein —sagte der junge Mann, die ängstliche Stille unterbrechend. „Schon einigem«! Blutsturz gehabt, auf Luftveränderung gefahren — jetzt ist sie zu Hause... ich hab sie im Wartezimmer des Doktors getroffen. Sie sagt: Eine Erkältung, Bronchitis. Ein junges Mädchen, will ein Geheimnis bei sich behalten!" Und ganz unnatürlich verzerrt sich Benzions Gesicht zu einem Lächeln. Die Kranken unterbrachen ihr Gespräch. Tiefbesorgte Gesichter ihrer Frauen zeigten sich von ferne. Eines Morgens erschien Samuel mit hellem Gesicht, wie ein Mensch, der über etwas Wunderliches nachgedacht hat: Sie, die Frau, seil kein Almosen nötig haben! „Und ich hätte dir lieber gewünscht, daß deine Frau nichts von Witwenschaft zu kosten bekommt", erwiderte ihm lächelnd Saul Pendler. „O Freundchen, ein frommer Wunsch", sagte Samuel, mit tiefem Seufzer eine Handbewegung machend. Und Saul, der ständig Sentenzen von sdoh gabt konnte sich nicht beherrschen und fuhr los: „Wer weiß so gut wie ich, was für Liebe zwischen Idlr wad der Deinen geherrscht hat. Und jetzt hast dm dich mit Gedanken der Scheidung getragen und hast davon sogar mit glänzendem Gesicht gesprochen... Ein verfluchtes Volk sind wir Schwindsüchtige..." Es fällt die Nacht herab. Samuel betet innig in seiner gewohnten Art. Er hat sich schon damit abgefunden, daß er von der Welt scheiden müsse. Aber die Finsternis schreckt ihn. Er nimmt die Gemara zur Hand, mit der er noch von seinen Jugendjahren her vertraut ist. Und er lernt und hustet. Das Lampenlicht zittert unter, seinem Husten. Es ertönt seine Weise und schlägt an die Wand seines Gartenzimmers... Und Saul sitzt in einer zweiten Stube bei brennendem Licht. Er fiebert sehr und blickt auf die zitternde Flamme. Etwas rumort in dem Abschnitt „Nes'chamas adam", fürwahr, ein Licht Gottes ist des Menschen Seele. Auch seine Seele brennt und flackert wie das Flämmchen... und hält schon beim Verlöschen. Er bekommt Mitleid für sein eigenes Gesicht, das immer abgezehrter wird. Er blickt durch die dunkle Scheibe zu.'den fernen Sternen und grübelt: Vielleicht dort drüben wandeln nach dem Erdenleben ... T Und wie sehr er sich auch bemüht, an etwas anderes zu denken, so steht ihm doch der Tod vor den ' Augen. Er wird auf der Erde liege« mit brennenden Lichtern zu Häupten, und sechs Waisenkinder werden wie verlassene Hündchen klagen... O seine kleine Lojeinka Ufld der liebe Griscbka! Er sehnt sich oft, ihre süßen Gesichter zu küssen. Aber er darf nicht küssen, : seil) Kuß ist verfemt.., Mögen sie nur gesund sein, weint sein Herz in ihm. Er fühlt sich gefangen wie in einem eisernen Käfig und er kehrt das Gesicht zur Wand und seine Schultern zucken in einem nervösen Schluchzen. O Leben, Leben, wo kriegt man dich zu kaufen? Um der kleinen Kinderchen willen, damit sie nicht elend bleiben auf der kalten, herzlosen Welt! Und in einem dritten Raum, hart an einem Garten, sitzt Benzion. Er hat ein Testament geschrieben. Läßt ein hübsches «Vermögen zurück: einen Teil für die Mutter und — auch für jene, die ihm nicht beschert war. Ohne Weib scheidet er von der Welt! Auch sein Vater ist an der gleichen Schwindsucht gestorben, hat aber das vierzigste Lebensjahr erreicht. Und etwas würgt ihn am Hals, er gluckst wie ein gestochener Ochs... bitter, schwer, er hat Angst vor dem Stephen... Zu jung noch... Als erster ist Benzion, der Ledige, gestorben. Plötzlich, im Fall. In einer Mitternacht hat ihn ein starker Blutsturz befallen und am Morgen, ist er nicht mehr gewesen. Bei dem Begräbnis sind Samuel und Saul hintennach gegangen: aus ihrer Kette hat sich ein Hing herausgerissen... „Du weißt, Samuel", hat Saul auf dem Rückweg gestammelt. „Wir können ihn schon beneiden. Er hat es überstanden." „Ja, aber vor der Zeit stirbt man nicht", antwortete der fromme Samuel unter starkem Husten. Alles Bestimmung, Gott." Und Samuel und Saul pendelten sohweigend nach Hause, Beide dachten über dasselbe Rätsel nach: Nun, wer ist jetzt an der Reih©?

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