Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 258 (26.8.1932)
- Date
- 1932-08-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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^erstarkten Tendenzen des Hasses der Völker gegeneinander und der Unterdrückung andersnationaler Minderheiten, welche schon immer gegenüber den jüdischen Minderheiten in besonders krasser Form sich äußerten, sind heute in verschiedenen Ländern der Diaspora zu einer Bewegung hemmungsloser, auf Ver» nichtung und Ausrottung gerichteter Propaganda des Hasses gegen alles Jüdische, geworden, Haß und Gewalttat schänden sogar die Friedhöfe, dl» allen Völkern heilig sind. Auch Völker, welche selbst die Schicksale nationaler Minderheiten erleiden* bleiben von der Haflpropaganda nicht frei. Es ist ein in der zivilisierten Völkergemeinschaft geltender Rechtsgrundsatz, daß der Anspruch der Minderheiten auf staatsbürgerliche Gleichberechtigung des einzelnen und auf Freiheit des Eigenlebens der Gemeinschaft in den Grundprinzipien der Zivilisation und Kulturgesinnung, auf der die heutige menschliche Gesellschaft aufbaut, begründet ist. Die ungehemmte Ausbreitung und die Duldung dieser auf Unterdrückung und auf völlige Vernichtung der jüdischen Minderheiten gerichteten Bestrebungen, bedroht die Grundlagen dieser Gesellschaft. Die in Genf versammelten Vertreter des jüdischen Volkes, eines der ältesten Kulturvölker der Erde, das Jahrhunderte furchtbarster Verfolgung und Vergewaltigung erlebt hat, das trotzdem weder seine Mitarbeit am Fortschritt der Menschheit vermindert, noch seinen Glauben an den Sieg der Idee der nationalen und sozialen Gerechtigkeit verloren hat und das sich heute wieder als gleichberechtigtes Glied der Gesellschaft der Völker fühlt, erheben Protest gegen den Rückfall in die Ideen der Herrschaft roher Gewalt und rücksichtsloser Beherrschung der Schwachen durch die Starken und den Irrglauben an die Macht, sie erheben Protest gegen die auf Vernichtung gerichteten antijüdischen Angriffe und gegen deren Duldung und offene oder heimliche Förderung. Die Entscheidung über das Schicksal eines Volkes liegt bei dem Volke selbst. Auch das jüdische Volk wird die wirksamen Waffen zu seiner Verteidigung und Befreiung nur in der Sammlung seiner Gemeinschaft und um den Gedanken der Wiederaufrichtung seiner nationalen Existenz und nur dann finden, wenn es die Gestaltung seines Schicksals in die eigene Hand nimmt. Nur ein in sich und in seinem nationalen Lebenswillen erstarktes jüdisches Volk wird di e Unterstützung der öffentlichen Meinung der Welt finden. In der Organisierung der Vertretung des jüdischen Volkes zum Weltkongreß/ erblicken wir einen entscheidenden. Schritt auf;- diesem "Wege.'.' j-< i>. •'j.'y I! Stimmen zu? jüdischen Weltkonferenz Die Londoner Tageszeitung „Daily Herald", das Organ der Arbeiterpartei, veröffentlicht ein Interview mit Lord Melchett, in dem sich dieser folgendermaßen über den Beschluß der Genfer Konferen, einen jüdischen Weltkongreß einzuberufen, äußert: „Das englische Volk steht allein in seiner Haltung gegenüber den Juden. Darum begrüßen die Juden Englands nicht nur die Wahl eines Weltkongresses durch die Judenheit, mit der Aufgabe, Schutzmaßnahmen für das jüdische Volk zu erwägen, sondern werden ihr Möglichstes tun, um zu seinem Erfolg beizutragen. Wenn die Welt Frieden, Fortschritt und Gedeihen in der Zukunft will, dann muß sie sich von der Unterdrückung der Juden abwenden und das Beispiel des englischen Volkes befolgen, das den Schrei der Judenheit' nach einem Nationalheim gehört und auf ihn durch seinen großen Führer und Denker Arthur Balfour geantwortet hat." * Die „Baptist Times", das Londoner Organ der englischen Baptisten, nimmt im Leitartikel seiner letzten Nummer zu den Bestrebungen, «inen jüdischen Weltkongreß zustande 2u bringen, in Überaus freundlich er Weise Stellung. In dem Artikel wird mitgeteilt, daß der Herausgeber an die Genler Weltkonferenz folgendes Begrüßungstelegramm gerichtet hat: „Die englischen Baptisten beten um Segen fUr Ihr Werk im Dienste der Befreiung der Jude n." Die Baptisten, so wird in dem Artikel weiter ausgeführt, sind unbedingte Anhänger der großen Lehre der Gleichheit aller Bekenntnisse vor dem Gesetz. Sie treten für Gewissensfreiheit und Abschaffung aller bürgerlichen und politischen Benachteiligungen, die aus theologischen Gründen vorgenommen wurden, ein. Der Konferenz und der in ihr repräsentierten Bewegung wünschen sie uneingeschränkten Erfolg. Jedes Gebiet menschlicher Tätigkeit sei vom „Alten Volke" bereichert worden. Die ihm entgegengebrachte Feindschaft und die aus ihr entstandene Verfolgung sei zum großen Teil auf die Größe und den Genius dieses Volkes zurückzuführen. In seiner Macht liege es, die Freiheit für sich zu siehern. Die internationale jüdische Konferenz in Genf werde sich möglicherweise als die bedeutendste aller im Zusammenhang mit dem Völkerbund einberufenen Versammlungen erweisen. (,-■•.■' * In Vertretung jener englisch-jüdischen Gruppen, welche die Beteiligung an der Weitkonferenz abgelehnt haben, richtet ,Jewish Chronicle" (London) Htttige Angriffe gegen die Konferenz. Die unglückselige Ver« Sammlung in Genf, schreibt der Verfasser, die von ihren Initiatoren mit einem grandiosen Titel ausgestaltet wurde, der zu seiner Bedeutungslosigkeit und zu seinem unrepräsentativen Charakter schlecht paßt, Wird binnen kurzem in die Rumpelkammer der historischen Bei. Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, gestörtem Schlaf, schlechter Laune, gereizter Stimmung greife man sogleich zu dem altbewährten „Franz-Josef"- Bitterwaeser. In Apotheken und Drogerien erhältlich. Kuriositäten wandern. Es wurde nicht nur nichts Wesentliches zustande gebracht, sondern nicht einmal etwas versucht, was zu einer Besserung der gegenwärtigen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Mißstände, unter denen die Juden in vielen Teilen der Welt leiden, hätte führen können. Es wurde beschlossen, einen jüdischen Weltkongreß für 1934 einzuberufen, doch wird niemand erklären können, wie dies dazu beitragen könnte, die der jüdischen Gemeinschaft Deutschlands* infolge der hitleristischen Brutalitäten im Jahre 1932 drohenden - Gefahren zu bannen, den jüdischen Massen Ost- und Mitteleuropas bei der Anpassung an die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse unserer Zeit beizustehen, die russische Judenheit vor der allzu unmittelbaren Gefähr der Vernichtung durch Assimilation zu retten oder auch nur die Judenheit der Vereinigten Staaten gegen die wirtschaftliche und soziale Zurücksetzung, die zu einer Alltagserscheinung im amerikanischen Leben geworden ist, zu schützen. Die Wertlosigkeit der Konferenz, heißt es in dem Artikel weiter, war der Hauptgrund, warum wir der englischen, Judenheit nachdrücklich, von einer Beteiligung an ihr abgeraten haben, und wir glauben, daß unsere Stellungnahme sich als durchaus berechtigt erwiesen hat, Eine lnfe'rnä'fiottale^Kö'hierenz und" insbesondere ein Kongreß, auf dem „Bürger der Vereinigten Staaten das Uebergewicht haben,;sb wie es auf dieser Konferenz der Fall war, hat keine Regierung hinter sich, deren Beistand er. in Genf ^m^,Recht.vfür .sich,, in. .Anspruch nehmen könnte. Der Völkerbund ist ein Bund von Staaten, von polnischen Einheiten;Un<j es üegt außerhalb des Bereiches des Möglichen, daß die Juden vor ihm in anderer Eigenschaft als Bürger der Staaten, denen sie angehören, vertreten werden. Efl hervorragendes Mittel zur Körperpflege, insbesondere auch für Frauen und Kinder an heißen Tagen ist der zu. Abreibungen vor oder nach dem Waschen ' (Baden), als Zu&at2 zum Waschwasser als ßadezusat »auch zu Fußbädern, vielfach bewährte DIANA FRANZBRANNTWEIN mit Menthol Wirkt , kühlend, erfrlaohend, . belebend, behebt SohwelBulane und Sonwelfiqeriion ve hütet den hatslicnen Feuejtanz <f-s Qesic tet». leibtet auch zuf Mund- und Haa-pflege die wertvollsten Dienste. Verlangen Sie ausdrücklich „Diana** und nehmen Sie nur „Diana**. Mlnderwremtlae Neahehmunaen sind . enerale h zuruQkzuwcIs n. In jedem besseren Geschäft erhältlich ■ HerzI*Grabgang Sonntag, den 28. August 1932, beginnt in Wien die Weltkonferenz der Zionisten-Revisionisten, die durch einen Gang der anwesenden Delegierten und Gäste, sowie der Wiener Gesinnungsgenossen zum Grabe Theodor Herzls eingeleitet wird. Die Teilnehmer sammeln sich punkt 9.15 Uhr im Hartäcker-Park gegenüber dem Döblinger Friedhof. Das Sekretariat der V. Weltkonferenz lädt alle Wiener 'Zionisten ein, an dieser Kundgebung teilzunehmen und ersucht Organistionen und Körperschaften, die sich an dem Herzl-Grabgang beteiligen wollen, um freundliche Verständigung. (Telephon A-45-6-34.) DIE DREI VOn PER KAVALLERIE Ein miura'ruusTSMEL m \ r PflULHÜRBIÖER-F.KftmPEhS-P.HEIDEmflnn ELSE ELSTEfVHILDE HILDBftönD-amAftlOn PPULIG-FPlKCnSTfin- POinTnEB-PIGHP- LI ÜEn SEnTfiSönElPNO "«"«Cfi&l BÖ5EHmw,KR.ERUJin GPaTEnBAUhW-WtoI} k,ä° lÜlEflZEILE «W srflFfl-Kino v». KOLossEum-Kino ix.« y f ca» Die Parteileitung und der Parteirat der Union der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs übermittelt ihrem MitgHede und unermüdlich tätigen Mitarbeiter, Herrn David, Nebenzahl die innigsten Glückwünsche zu seinem 50. Geburtstage. Für die Parteileitung der Union der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs Fritz Rieth ter m. p. lag. Robert Stricker m. p. Das Exfekutlv-Komitee der Weltunion der Zionisten- Revisionisten i ((London) gratuliert Herrn David Nebenzahl herzlichst zu seinem 50. Geburtstage. Für das Exekutiv-Komitee der Weltunion der Zionisten- Revisionisten Dr. H. Rosenblum m. p. Meer Grossmann m. p. Ein reiches zionistisches Leben Zum 50. Geburtstage David Nebenzahls Die Zionisten Oesterreichs feiern in diesen Tagen einen Mann, mit dem die jüdische Freiheitsbewegung unlöslich verbunden ist. Vor mehr als dreißig Jahren, als blutjunger Student, ist er unter den schwersten Bedingungen in die zionistischen Reihen getreten, gegen die starre Tradiioin seines Elternhauses und gegen die Feindseligkeit seiner Lehrer kämpfend. Als Fünfzehnjähriger hat er für seine Ueberzeugung Leiden und Opfer auf sich genommen, wie sie gereifte Männer nur selten tragen können. Er hat jene harte zionistische Schule mitgemacht, welche nur wenige überstanden haben. Als ein Untentwegter, im wahrsten Sinne' des Wortes, ist er aus ihr hervorgegangen,-und ein Unentwegter ist er geblieben. Tausende sind gekommen, Tausende sind gegangen, er steht auf seinem Posten, immer dort, wo es die schwersten Opfer zu bringen gilt. David Nebenzahl ist ein glänzender Redner. Es gibt keine Aktion — möge es sich um den Aufbau . Palästinas, um eine nationale Wahl; um die Erfassung der Jugend, um den Kampf gegen Gewalt Und Unrecht handeln — bei der er fehlt, bei der man auf ihn verzichten könnte, bei der er nicht als hinreißender Sprecher tiefe Wirkung auslöste. Er ist ein hervorragender Organisator, -dessen Talent sich auf allen Gebieten bewährt bat, seinerzeit als Schöpfer der Arbeiterbewegung im Zionismus, dann in der jüdischnationalen Bewegimg, bei der Ausgestaltung des Keren Hajessod, überall, wo die schwerste Arbeit zu verrichten war. Er ist ein Meister, wenn es gilt, dem Zionismus in Veranstaltungen künstlerischer und geselliger Art Ausdruck zu geben. Ein Abend, ein Konzert, eine Vorstellung, von David Nebenzahl veranstaltet, bedeutet eine vollendete Leistung, die der Bewegung unzählige Freunde schafft. So vereinigt er Eigenschaften in sich, welche in dieser Harmonie bei keinem zweiten zu finden sind. Heute ist David Nebenzahl einer der Führer des Zionismus-Revisionismus, jener Bewegung, die den schwersten Kampf um die Erneuerung des, großen Herzl-Zionismus zu bestehen hat. Es ist wahrlich kein Zufall, daß er wieder dort steht, wo es keine Rast und Ruhe und Beschaulichkeit gibt, wo hart gegen Vorurteile und Trägheit gekämpft und hart um die jüdische Seele gerungen wird. In restloser Hingabe kam er vor fünfunddreißig Jahren zu uns, sich restlos hingebend ist er geblieben. Jahrzehnte sind vergangen und David Nebenzahl, der Fünfziger, steht auf dem Posten, den er als fünfzehnjähriger Jüngling bezogen hatte, bereit zu neuen Opfern, zu neuem Kampfe, zu neuer Arbeit, unermüdlich ... Stellungnahme der jüdischen Studentenschaft zum jüdischen Weltkongreß Die im Weltverband jüdischer Studenten organisierte jüdische Studentenschaft hat ihre Stellungnahme zur Frage eines jüdischen Weltkongresses in einer Erklärung präzisiert, die ihr Vertreter auf der Genfer jüdischen Weltkonferenz, Referendar Hans Klee, Berlin, im Verlauf der allgemeinen Aussprache abgab. In dieser Erklärung wird die Schaffung eines jüdischen Weltkongresses vorbehaltlos begrüßt. Zum Weltkongreß seien alle diejenigen, aber auch nur diejenigen, die sich zum jüdischen Volke bekennen, zuzulassen. Die Stärke der jüdischen Studenten auf internationalen Studentenkongressen beruhe darauf, daß sie selbständig auftreten und eine eigene, ausschließlich von jüdischen Interessen diktierte Haltung einnehmen können. Schließlich wird in der Erklärung gesagt, die* Universität in Jerusalem müsse Angehörigen aller Konfessionen und Nationalitäten offenstehen.