Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 258 (26.8.1932)
- Date
- 1932-08-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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186 TM. Universitätsbibliothek Wien. I. Preis 35 Groschen lahrgang 6 freitags den 86+ August 1938 Nr« 258 Vi b« b« R E VUE BEZUOSBEDINQUNOEN: Oesterretcn monatlich S 1.50, vierteljährig S4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.— Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.-; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.-; Balgarle» monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Life 14.—; Schweiz und die übr Igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, 7 ei. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag 5. WELTKONFERENZ DERZIONISTEN-REVISIONISTEN *****^ im Gebäude des Zirkus Rens, Wien II, Zirkusg. 44 Vortrag* Vladimir Jabotinsky und Meer Grossmann 1. Die jüdische Not drängt zur zionistischen Entscheidung 2. Wie der Judenstaatszionismus die Lösung der Judenfrage sieht 3. Die Zionisten-Revisionisten als Träger des Herzischen Judenstaatsgedankens Kartenpreise: Logensitze ö. S 4.—, Parkettsite ö. S 3.—, I. Rangsitz ö. S 2.—, II. Rangsitz ö.S 1.— Verver kauf Miellen: Bücherstube, Prof. M. Rath, Wien II, Taborstr.20 (Tel. R-43-1-58), Papierwarenfabrik Josef Qrubner, Wien IX, Wasag. 7 (Tel.A-ll-0-10),Abraham chächler, Wien VII,Burgg.44 (Tel B-30-6-f-9), Sekr. der Zionislen-Revisionisten. Wien II, Unt. Augartenstr. 38, Tel. A-45-6-34 Dasjüdische Weltparlament AbsdiluB der jüdischen Wellkonferenz in Genf — Die Einberufung eines jüdisdien Wellkongresses auf nationaler Basis beschlossen — Eine Exekutive gewählt — Aufruf an das jüdische Volk Die jüdische Weltkonferenz in Genf, über deren Beginn'und teilweisen Verlauf die „Neue Welt" bereits berichtete, hat ihren Abschluß gefunden. Das Bestreben, die Judenschaft der ganzen Welt auf nationaler Basis in Form des Jüdischen Weltkongresses zusammenzufassen, hat trotz der heftigsten Angriffe von rechts und links zu einem Erfolge geführt'. Der. Initiator der Weltkonferenz und Ehrenpräsident.! des jüdisdi-amgrikanischen Kongresses Dr. Stephen;W i s e (New tfork) und 'sein Mitarbeiter ^und Leiter der K.pnlerenzarbeit Dr. -Nahum G o.I d m a h n (Berlin) können des Dankes des jüdischen Volkes sicher sein. Sie hoben ganze Arbeit geleistet. Selten npch hat eine jüdische Konferenz so zielbewußt und ohne Abirrung vom geraden Wege goarbeitet. Die von Oberbaurat Robert Stricker (Wien) zu Beginn der Generaldebatte aufgestellte Formel:; Ein nationaler Kongreß auf rein demokratischer Grundlage mit Einbeziehung jedes Juden und jeder Jüdin, die sich zur jüdischen Nation bekennen, und Ausscha 11üng 'aller Protektoren^ aller bevorrechteten „Fürsprecher" und undemokratischen Organisationen fand sofort dus richtige Verständnis und gab den folgenden- Aussprachen den2 Charakter nationaler Geschlossenheit. " Das jüdische Volk lehnt es ab, sich irgend welcher Vermittlung, irgend welcher Fürspräche zu bedienen. Es will selbst offen und rückhaltslos zur Welt sprechen. — In diesem Sinne hat die Konferenz ihre. Beschlüsse gefaßt. Nachstehend der Schlüßbericht: Die Genfer Jüdische Weltkonferenz wurde -am 17. August, 6 Uhr abends, nach Schlußansprachen von Dr.. Stephen Wi s e,: Leo M o t z k i n' und Dr. Nahum Gold mann in gehobener Stimmung geschlossen. Ungeachtet mancher Differenzen zwischen den zionistischen und nichtzionistischen Teilnehmern der Konferenz, die insbesondere auch bei der Bildung des mit der Vorbereitung des Weltkongresses beauftragten Exekutivkomitees in Erscheinung traten,' gaben die Konferenzteilnehmer aller Richtungen ihrer Entschlossenheit, das Zustandekommen des Kongresses. nach Kräften zu fördern, Ausdruck. Die Resolution "der Organisation skommissipn über die Einberufung des Kongresses wurde, nachdem sie von t)i. N. Goldmanu namens der Kommission begründet worden war, nach ■.kurzer Debatte einstimmig angenommen. Sie hat folgenden Wortlaut:' 1; . ' ' 1.' Die Genfer Jüdische Weltkonferenz gibt ihrer tiefen Ueberzeugüng Ausdruck, daß die kritische Lage des jüdischen Volkes, die Gefährdung seiner! bürgerlichen und nationalen Rechte in vielen Ländern, die Verelendung der jüdischen Massen und die Notwendigkeit durchgreifender Besserungsmaßnahmen sowie die der heutigen jüdischen Generation obliegende Aufgabe des A u f b a u e s. d e s J ü d i s c h e a Nationalheims in Palästina die Organisierung des jüdischen Volkes und die Einberufung eines Jüdischen Weltkongresses zur zwingenden Notwendigkeit macht. Dieser Weltkongreß, basierend auf dem Begriff des jüdischen Volkes als eines einheitlichen Volksorganismus, soll eine legitime Repräsentanz darstellen, berechtigt und verpflichtet, alle Fragen des jüdischen Lebens zu behandeln und das jüdische Volk im Kampfe für seine bürgerlichen und nationalen Rechte nach außen zu vertreten. 2. Die Delegierten des Weltkongresses sollen hervorgehen aus direkten, geheimen .und. prop ör t i one J1 en Wa h 1 en, an denen j e d er Jude und j e d e j ü d i n teilzunefiineh Berechtigt ist. Das aktiye Wahlrecht soll an das Älter von 18, das passive an das Alter von 24. Jahren geknüpft sein.! 3. Das Datum der Einberufung des Weltkongresses sowie die Zeitpunkte der Abhaltung der Wahlen in den einzelnen Ländern sollen vom Initiativkomitee bestimmt werden. Doch muß der Weltkongreß spätestens im Sommer 1934 zusammentreten. Zur Leitung der eigentlichen Vorbereitungsarbeiten für den Kongreß wurde ein Exekutivkomitee gewählt, dem folgende Persönlichkeiten angehören: Bernard S. Deutsch (Amerika), M. Dizengo f f (Palästina), Dr. MayerTEbner (Rumänien), Doktor Nahum Goldmaim (Deutschland), Rabbi Abe Goldberg (Amerika), J. Grünbaum (Polen), J. Jefroikin (Frankreich), M. Jochelmann (England), Dir. Georg Kareski, L. Krainin, Dr. E. Margulies (Tschechoslowakei), L. Motzkin, Dr. M. Nurock, Dr. II. Rosmarin (Polen), Robert Stricker (Oesterreich), Dr. J. Tennenbaum (New York), Dr. Stephen Wise, Baruch Zuckermann. Drei Plätze wurden reserviert, und zwar: einer für einen Vertreter des Waad Leurai und zwei für Vertreter der zionistischen Arbeiterparteien, die von der Dahzigei Konferenz der Poale Zion und Hitachduth nominiert werden sollen. Außer dem Exekutivkomitee ist ein aus 5 0 bis 60 Mitgliedern, die die einzelnen Länder und Gruppen repräsentieren sollen, bestehender Rat vorgesehen. Das Exekutivkomitee erhält das Recht, den Rat nach Fühlungnahme mit den einzelnen Ländern und Gruppen zu nominieren. Im Sommer 1933 soll dieser Rat zu einer Vorkonferenz zusammentreten. Herr Raphael S z e r e s z e w s k i, der gleichfalls als Mitglied des Exekutivkomitees vorgeschlagen war, lehnte die Wahl mit Rücksicht auf die Meinungsverschiedenheiten zwischen den z i o n i s t i s c h e n und nichtzionistischen Delegierten aus Polen ab. Die polnischen Nichtzionisten hatten drei Sitze im Komitee beansprucht, während ihnen die Kommission nur zwei Sitze zubilligen wollte. Der Präsident der jüdischen Gemeinde Krakau Dr. Landau erklärte daraufhin im Namen der polnischen nichtzionistischen Delegierten, daß diese nicht in der. Lage seien, Vertreterin die zu wählenden Gremien zu delegieren, obwohl sie für den Gedanken des, Weltkongresses ein-, treten. Als Berichterstatter der politischen Kommission legte Dr. Emil Margulies der Konferenz folgende Resolution vpr, die einstimmig angenommen wurde: Das jüdische Volk, das in seiner Gesamtheit seit mehr als achtzehn Jahrhunderten über die ganze Welt zerstreut ist, durchlebt jetzt in der Epoche der allge- ' Alle im redaktionellen Teil befindlicher, entgelt« liehen Notizen sind durch ein beigefügtes £ bezeichnet meinen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Erschütterung in der Diaspora eine Zeit besonders schwerer Not. Nachdem die große französische Revolution durch die Emanzipation die bürgerliche Gleichberechtigung des jüdischen Individuumseingeleitet hatte, ist in den durch den Weltkrieg herbeigeführen staatlichen, politischen und rechtlichen Um-, wälzungen, welche so vielen Völkern die Befreiung und. nationale Unabhängigkeit auf eigenem Boden gebracht haben, auch dem jüdischen Volke die Anerkennung als Volk gegeben und sein Anspruch auf nationaler Existenz anerkannt und im Völkerrecht verankert, worden. : Von der Durchführung dieser Rechte sind, aber die Juden,>jn vielen Ländern noch weit entfernt. Die* staatsbürgerliche ^Gleichberechtigung. .„ de.s .luden ...vjird oft durch die Praxis' der 'Administration 111 u s o r i s c lv»Äßjni^£^tt. Die jüdische Jugend wird von den Stätten der Bildung und dem Zugang zur Kultur durch Aufrichtung gesetzwidriger' Schranken s y-s t e m a t i s c h ferngehalten. . Das dem Menschen eingeborene unentziehbare Recht auf A r b e i t i n Stadt und L a n d wird dem Juden verweigert und die Umschichtung zum Bauer und Handwerker behindert. Wo Staat, Stadt oder andere öffentliche Körperschaften Arbeit zu vergeben haben, wird der jüdische Handwerker und der -Unternehmer des Mittelstandes durch Maßregeln der Behörde im Wettbewerb benachteiligt. Sogar die Rechtssprechung bietet in manchen Ländern in Anpassung an Instinkte der Gasse dem angegriffenen Juden nicht den ihm, nach de^m. Gesetze gebührenden gleichen Schutz für Ehre, Lieben und Eigentum. Neben dieser faktischen Aufhebung der Gleichberechtigung der Angehörigen der jud ischen Minderheit machen sich in den Völkern mit verstärktem Gewicht und in bedrohlicher Weise Bestrebungen geltend, die Gleichberechtigung auch in der Gesetzgebung a u f z u h e b e n und die Juden unter Ausnahmsrecht zu stellen und zu enteignen. Auf wirtschaftlichem Gebiete vollzieht sich als Begleiterscheinung der ökonomischen Krise die planmäßige Verdrängung der Juden aus allen G e b i e t e n i h r e r B e t ä t i g u n g, und zwar sowohl in der Privatwirtschaft wie auch bei der Monopolisierung einzelner Wirtschaftszweige. Aus den Bezirken geistigen und künstlerischen Schaffens wird in wichtigen Ländern der Jude hinansgedrängt und ausgeschlossen. Die allgemeine Krise hat unter dem Einfluß dieser Tendenzen die wirtschaftliche Situation der Juden in den Ländern; der Diaspora außerordentlich verschärft und. zu einer Verarmung : auch ' derjenigen dünnen Schichten und wenigen Gemeinschaften im Judentum geführt, die noch bis vor kurzem in materiell günstiger Position waren. Die Massen des Volkes sind in äußerster Not' und dem Hunger preisgegeben. Die gesetzlich garantierten Ansprüche auf nationales Eigenleben auf dem Gebiete der Kultur, des Unterrichtes und der Erziehung werden nicht verwirklicht. Juden, welche durch die neuen Grenzziehungen in Ländern, in denen sie und ihre Vorfahren gelebt haben, Fremde geworden sind, werden durch Verweigerung der Aufnahme in den Staatsverband zu Zehntausenden heimat- und staatenlos. Die in den krisenhaften Verhältnissen der Welt