Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 257 (19.8.1932)
- Date
- 1932-08-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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M& ftJ? DIB NEUE WELT Seil« f i Was ist Ziomsmus'Revisioiusnius? (Schluß.) Ueberwanderungsgenossenschaften (Kooperationen), Durch Zusammenschluß von Menschen, die in absehbarer Zeit nach Palästina and sich auf ihren derzeitigen wirtschaftlichen Gebieten betätigen wollen, wird die Ueberwanderung und Festsetzung auf palästinensischem Boden billiger und risikoloser gestaltet Durch die Genossenschaft werden Mut und Tatkraft, wird der Wille zur Ueberwindung gestärkt. Das gilt insbesondere für die Landwirtschaft, aber auch für gewisse Gewerbe und Industrien: Gemeinsame Information, gemeinsamer Bodenkampf, gemeinsame Maschinen, gegenseitige Hilfe, gemeinsame Kreditoperationen usw. Einen wertvollen Grundstock für die Genossenschaft wird die Mitgliedschaft der Sparvereine abgeben. Tozereth Haaretz, d. h, Steigerung des Verbrauches palästinensischer Produkte, Verbreiterung des Absatzmarktes für palästinensische Landesprodukte Die wirksamste Förderung erfährt der Aufbau Palästinas, seine Landwirtschaft und seine Industrie durch Steigerung des Absatzes palästinensischer Produkte in der Galuth. Wer regelmäßig Palästina-Produkte in seinem Haushalt, in seinem Geschäft, zu Geschenkzwecken usw., benützt, wer die Verwendung palästinensischer Erzeugnisse zur eigenen Gewohnheit und zur Gewohnheit seiner % Freunde macht, leistet damit für den Palästina-Aufbau weit mehr, als wenn er hie und da eine Summe, sei sie auch zahlenmäßig bedeutend, spendet. Des Spendens wird man müde, die Lust am Spenden ist vergänglich, Spenden ist eine nur mittelbare Betätigung. Der Gebrauch von Palästina-Produkten ist unmittelbare Verbindung mit Palästina, des Gebrauches vollwertiger Palästina-Produkte wird man nie müde. Gespendet wird sporadisch, konsumiert wird beständig. Ist die Zahl vollwertiger und preiswerter Palästina- Produkte heute auch noch keine allzu große (Orangen, Honig, Fruchtsäfte, Wein, Kognak, Seife, Oele, Parfüms, Geschenkartikel usw.), so ist hingegen der Absatzmarkt ein unbeschränkter —15 Millionen Juden allein— abgesehen von nichtjüdischen Konsumenten — und, weil über die ganze Welt verbreitet, von Krisen wenig beeinflußt. Bei richtiger Propaganda kann die Zahl dieser Produkte unendlich gesteigert werden. Daner* ist^ größter Bedeutung. Durch unermüdliche und zweckmäßige Propaganda, welche sich nicht in allgemeinen Aktionen erschöpfen darf, sondern den einzelnen Juden als Konsumenten erfaßt (Hausbesuche, Briefe, Mustersendungen, Handelskammern, Ausstellungen usw.), kann der Absatz von Palästina-Produkten und damit das landwirtschaftliche und industrielle Leben Palästinas aufs höchste gesteigert werden. Weitaus wichtiger als die Rolle des freiwilligen Spendensammlers für Palästina ist die Rolle des Agenten für Palästina-Produkte in der Galuth. Tozereth Haaretz ist eine Selbstverständlichkeit. Schutz und Selbstverteidigung Der Verlauf des Lebens in Palästina, insbesondere aber die wiederholten Unruhen im Lande haben bewiesen, daß die Juden nur dort wirklich geschützt sind, wo sie sich selbst schützen. Die Wirksamkeit einer englischen oder gar arabischen Garnison, Polizei, Gendarmerie ist — selbst unzweifelhafte Zuverlässigkeit vorausgesetzt — eine beschränkte. Aber auch diese beschränkte Wirksamkeit wird illusorisch, weil die Erfahrung gelehrt hat, daß im Falle der Gefahr und in Augenblicken, wo gewissenhafte Wachsamkeit und energisches Handeln geboten waren, die englischen Formationen lässig waren und die arabische Polizei vielfach den Unruhestiftern Vorschub leistete. Nür wo der jüdische Selbstschutz (Haganah) eingreifen konnte, sind Angriffe auf Leben und Eigentum wirksam abgewehrt worden. Anderseits aber hat sich erwiesen, daß die entweder geduldete oder „illegale" Haganah im Falle der Gefahr von der „legalen" Polizei unterdrückt, entwaffnet, aktionsunfähig gemacht wird. Deshalb fordert der Revisionismus für die Juden einen entsprechenden Anteil an der Verteidigung des Landes und an der Polizeimacht. Da« jüdische Regiment, welches in den Jahren 1917 bis 1921 bestand, soll wieder errichtet werden und einen integralen und permanenten Teil der palästinensischen Garnison bilden. Der Revisionismus fordert ferner nationale und wehrsportliche Erziehung der jüdischen Jugend in Palästina und in der Galuth. Die jüdische Jugend sei jederzeit fähig und bereit zum Selbstschutz, in Palästina und in der Galuth. Soziale Ordnung — Ablehnung der Klassenkampfidee — Jüdische Arbeit Theodor Herzls „Judenstaat" ist durchdrungen vom Geist der Liebe und Achtung für den Arbeiterstand. Ueberall findet sich bei Herzl die Forderung nach gerechtem Lohn, gerechter Behandlung und einer seiner Wichtigkeit entsprechenden; Vertretung am öffentlichen Leben für die Arbeiterschaft. Aber Theodor Herzl lehnt den Klassenkampf als Mittel zur Erfüllung dieser Forderung ab. Getreu dem Herzischen Programm lehnt auch der Revisionismus den Klassenkampf als Mittel zur Herstellung einer gerechten sozialen Ordnung ab. Ob der Klassenkampf im allgemeinen Völkerleben zum sozialen Frieden, zur Lösung der sozialen Frage führen kann, sei dahingestellt. Die bisherige Entwicklung hat das jedenfalls nicht erwiesen. Aber klar ist, daß die Idee des Klassenkampfes im Zionismus schwächend und zerstörend wirken muß. Das von Fremden verfolgte und bedrängte jüdische Volk ist bei der Aufrichtung seiner Existenz und der Aufrichtung der jüdischen Wirtschaft Grand Hotel National Wien II, Taberstr. 18, nächst Sfadtxantfum, Tel. R-42-504 Neu renoviert, neue Leitung, Zentralheizung, fließendes Kalt- und Warmwasser, Zimmer und Appartements mit Bäder, Staatstelephone, Lichtsignale, 1-Bett-Zimmer von S 4.50 aufwärts, 2-Bett-Zimmer von S 8.— aufw. Erstklassige internationale Spezialitäten, Restaurant iws, Altdeutsche Wein- und Bierstube. Großes Wiener Kaffeehaus im Hause. Illllllllllllllll im jüdischen Lande auf die Zusammenfassung aller Kräfte angewiesen. Der Klassenkampf macht diese Zusammenfassung unmöglich und führt zur Sprengung der noch schwachen, in der ersten Entwicklung begriffenen nationalen Wirtschaft in Palästina. Diese Wirtschaft verträgt sicherlich keinen Kampf der jüdischen Klassen gegeneinander. Die Idee vom Klassenkampf entfremdet aber auch die jüdischen Menschen, insbesondere die jungen jüdischen Menschen, dem nationalen Ideal, dem zionistischen Ideal und treibt sie in den Dienst eines fremden Ideals. Die Entwicklung in der Zionistischen Organisation und in Palästina haben den Beweis hiefür erbracht. Der Abfall von der Organisation und der Zulauf zum bolschewistischen Kommunismus werden immer fühlbarer, seitdem die Zionistische Organisation auf die Ablehnung der Klassenkampfidee verzichtet hat, seitdem in der Zionistischen Organisation und in Palästina der Klassenkampf als Idee anerkannt und propagiert wird Der Revisionismus fordert die Einrichtung de nationalen Schiedsgerichtes, welches, vo: Arbeitern und Unternehmern paritätisch gebildet und unter Aufsicht der Zionistischen Organisation stehend, in allen Fragen der Arbeitsverteilung, Arbeitsvermittlung, in Streitfragen, welche Löhne und Arbeitsbedingungen betreffen, zu entscheiden hat. * Der Revisionismus fordert rückhaltloses Bekenntnis zur jüdischen A r b e i t in Palästina. AUS PALASTINA Industrielle Neugründungen Metallfabrik in Tel-Ajviw Vor einigen Wochen wurde in Tel-Awiw eine M e t a 11 f a b r i k Jzur Erzeugung von Nägeln, Eisen-, Stangen für Bauzwecke u. a. errichtet. Die Fabrik trägt die Marke „B a r 's e 1 i t" und ibeginnt den Palästina- Markt zu erobern. Kerzenfabrik in Tel-Awrw Die Herren Tegelsohn und Rosin, Einwanderer aus Polen, eröffneten, in Tel-Awiw eine Kerzenfabrik mit den von ihnen aus Polen mitgebrachten Maschinen. Wiedereröffnung der SeadenfaBurik Deltfnei» in Tel Av/iw Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt wird, wird demnächst der dem Wiener Seidenfabrikanten Max D elf in er gehörende große Fabriksbetrieb für Seidenerzeugung und Färberei in Tel Awiw wieder eröffnet werden. Der Betrieb wurde vor einigen Jahren geschlossen, weil seiner Fortführung seitens der damaligen Verwaltung in Palästina gewisse Schwierigkeiten bereitet wurden. Ein Teil des leitenden Personals ist bereits aus Wien nach Palästina abgereist^ nachdem die erforderlichen Einreisebewilligungen von der Palästina-Regierung durch die Jewish Agency zur Verfügung gestellt worden waren. Im September wird sich Herr Delfiner selbst nach Palästina begeben, um an Ort und Stelle weitere Anordnungen zu treffen. Jüdische Arbeit in Haifa Die Stadtverwaltung von Haifa übergab in ihrer letzten Sitzung zwei Aufträge für Straßenbau. Eine Straße wird im Zentrum Haifas, die andere am Kanne* gebaut. Die Ausführung des Baues im Zentrum wurde einer arabischen, des am Karmel einer jüdischen Firma übertragen. Das Gemeindebudget von Pefach-Tikwah Die Palästina-Regierung ratifizierte das vom Gemeinderat vorgeschlagene Budget für das Jahr 1932 in der Höhe von 13.000 Pfund. Aus dieser Summe ist zu ersehen, welche enorme Entwicklung die alle jüdische Kolonie Petach-Tikwah genommen bat. Araber bedrohen einen jüdischen Polizeioffizier. Jerusalem, 8. August. (J. T. A.) Der jüdische Polizeiof fdzier Goldman wurde am 7, August in der Altstadt von Jerusalem, als er einen Araber aus Hebron, der zwei andere Araiber durch Revolverschüsse verletzt hatte, verhaftete, von einer großen Menge bedroht. Die Araber riefen, Goldman selbst habe geschossen. Britische Bplizei zerstreute die Menge. Es wurde ein Polizeikommunfcfue veröffentlicht, in dem der wahre Sachverhalt dargestellt wird. Halbtägiger Streik der hebräischen Lehrer. Jerusalem, 10. August. (J. T. A.) Die hebräischen Lehrer Palästinas haben beschlossen, im Hinblick darauf, daß die Jewish Agency nunmehr bereits mit sieben Monaten in der Auszahlung ihrer Gehälter im Rückstände ist, am Sonntag, den 14. August, einen halbtägigen Proteststreik durchzuführen. Ausländer-Wahlrecht in den palästinensischen Stadtgemeinden. Wie die J. T. A. erfährt, sieht der neue Entwurf des Gesetzes über die Organisation der Stadtverwaltungen das Wahlrecht dn die Gemeindevertretungen auch für Personen, die nicht die palästinensische Landesbürgerschaft besitzen, vor. Dadurch wird in Jerusalem eine jüdische Mehrheit in der Stadtvertretung gesichert. | Sabbat im Lager des Bfith Trumpeldor Zwei Generationen „Morgen wird das Lager geschmückt, Kleider und Schuhe müssen peinlich sauber sein, in den Zelten ist besondere Ordnung zu machen..." So wird Donnerstag beim Abendappell verkündet. Die Fahnen werden herabgelassen und so bald wie möglich beginnt die Nachtruhe. Der Freitag steht schon im Zeichen des kommenden Sabbat. Es . wird für zwei Tage Essen gebracht; die Zeltdurchsuchung wird mit Strenge geführt. Es herrscht große Nervosität. Das obligate Tagesprogramm wird beibehalten, keine Uebung, keine Sichah, kein Hebräisch bleibt aus. Die Vorbereitung für den Sabbat ist eine Mehrarbeit. Um 6 Uhr abends ertönt der Befehl, sich anzukleiden. Pforte und Zelte sind, mit Grün geschmückt worden und auf den Fahnenmast zieht man neben der Staats- und der Betharflagge auch die kleinen Standarten der Gruppen auf, die in der Vergangenen Woche ihre Pflicht voll erfüllt haben. Der lange Brettertisch ist mit weißem Papier bedeckt und mit Kerzen ge- Mfatttoicfc DH fohlenden Leuchtet »fad durch klein« Kerzenhalter ersetzt, die die Betharim aus Kartoffeln geschnitzt haben, also gleichsam Torzereth hamoschawah. Beim Bach stehen einige junge Leute mit eingeseiften Gesichtern, um sich ihres Bartes zu entledigen, der seit dem letzten Freitag ganz beträchtlich gewachsen ist. Auf der Bank haben sich bereits alle Gäste eingefunden. Das sind zum großen Teile Eltern, deren Kinder an diesem glücklichen Lagerleben teilnehmen dürfen. Sie sind oft den ganzen Tag über hier und sehen dem jugendlichen Treiben zu. Manche Mütter bleiben drei Wochen lang und mehr. Sie sind den Betharim willkommene Gäste, weil der Bethar vor den Eltern nichts zu verheimlichen hat. Was immer auch geschieht, der Bethar tut alles im Einvernehmen mit den Eltern. Er lehrt die Jugend Vater und Mutter ehren, nicht sich zu ihnen in Gegensatz stellen. Er hilft in dieser Zeit der Entartung und Entfremdung den Geist jüdischen Familiensinnes erhalten. Und die Eltern ihrerseits können auf solche Jugend mit Achtung blicken und mit Achtung von ihr sprechen als von einem Geschlecht, das die Pflicht erfüllt, Ererbtes weiter zu vererben, die jüdischen Worte, die es empfangen, wieder jüdisch weiterzugeben. So nehmen denn auch heute die Eltern diese Jugend ernst und erscheinen' in Sabbatkleidung. Das Pfeifensigna! ruft zum. Abendappell, schweigt dann einen ganten Tag, Die Trumpeldorhymne .wird gesungen, die Fahnen, die an Wochentagen herabgelassen werden, bleiben über Nacht. Das Tor ist mit Grün geschmückt, desgleichen die peinlich aufgeräumten Zelte. In der Mitte wurde ein Scheiterhaufen errichtet, der am Samstag abend angezündet werden soll, j^ührerzelt, wo die täglichen Befehle und Aufträge ausgeschrieben sind, hängt heute eine Tafel mit der hebräischen Aufschrift Schabbath Schalom! Man geht zu Tisch. Die, Führerin der Mädchen hat als Hausfrau dieses ganzen Dorfes die Kerzen angezündet. Die Jungen nehmen an der einen, die Mädchen an der anderen Seite Platz, die Eltern und Gäste haben ihre Sitze mitten unter der Jugend gewählt. Der Vorbeter ist schnell bestimmt und es beginnt der Gottesdienst. Sabbatgottesdienst, im Freien ein wahres Sinnbild der Befreiung! Das Minchagebet ist beendet und die ersten Sterne künden den einbrechenden Sabbat an. Die jüngste Knabengruppe der Moschawah, die Galilim, singen ihm den bekannten Gruß Schlomo Halevys: „Lechah dodi likrath Kalah". Also Chor, Knabenchorl Und es ertönt das Glaubensbekenntnis „Schema Israel!" Vielleicht hat mancher erst hier die Größe dieses Satzes begriffen. Gott, Volk, Judesein, all das angesichts der Naturi Da fühlt der Jude, daß auch *r *ur Frelheh g*<