Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 257 (19.8.1932)
- Date
- 1932-08-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 2*7 &wXkuufuS's erfüllt von allen „Kleinen" die Funktionen der „Großen" am besten! Die billigste Kleln-Schreibmatchine für Büro und Reise S 390.- K*«oa Auch auf Teilzahlungen lieferbar 1 Große Auswahl in Gelegenheitskäufen! Büromöbel / sämtlicher Bürobedarf Veilangen Sie Angebote KONTOR.EINRIOH TUMGS* GESELLSCHAFT Wien I, Eschenbachgasse 9-11 Telephon: B-26 0-61, B-26-0-71 an Roberl Stricker ■ »Was sich so jüdischer Humor nennt« i, - . Zu .der in unserem Blatt vom 22. Juli veröffentlichten Glosse schreibt uns der bekannte Schriftsteller und Kabarettist Fritz Grünbauin: Selir geehrter Herr Chefredakteur! ...... In der „Neuen Welt" habe ich einen vehementen Angriff _auf mich gelesen, den ich nicht unwidersprochen lassen kann. ' r" Ich bin gegenüber Urteilen über meine künstlerische Betätigung absolut nicht eitel und unterwerfe mich widerspruchslos jeder Kritik; aber ich bin dm höchsten Maße verletzlich in Fragen des Judentums. <■ Es ist erstaunlich, daß eine Zeitschrift, die wie Ihr geschätztes Blatt, auf jüdisch-nationalem Boden steht, sich bei einem Angriff auf die Informationen von Antisemiten:B]ättern und Assimilanten-Zeitungen stützt. Es mußte dem Verfasser Ihres Artikels verdächtig sein, daß eine rechtsradikale deutsche Zeitung, plötzlich ihr jüdisches Herz entdeckend, einen jüdischen Künstler angreift, weil er die Juden verächtlich mache. Ebenso suspekt ist das Gejammer einer Assimilanten-Zeitung in der gleichen Frage. Ich will Ihnen erklären, aus welchen Quellen der 'Angriff beider Blätter geflossen ist: ' : Dem arischen Blatte war es peinlich, daß ein deutscher Richter von einem offenbar jüdischen Winkeladvokaten bei einer Verwandlung iu die Engegetrieben wurde, und die jüdische Assimilanten-Zeitung jammerte, weil die antisemitische Zeitung jammerte. Es ist nämlich den deutschen Juden deutsch-nationaler Observanz immer unerträglich, wenn sich ein Jude nicht germanisch gehabt. , .'a So viel über die Tendenz der beiden Angriffe auf mich'. — Wenn Sie gestatten, möchte ich Ihnen aber jetzt noch ein paar Worte über die dem Angriff zugrunde liegende Darstellung selbst sagen: Der jüdische Schriftsteller Robert Liebmann (übrigens auch ein „germanischer". Jude), hat , naoli Balzacs Novelle „Oberst Chabert" eine Nachdichtung für. den Film „Ein Mensch ohne Namen" geschrieben, worin ein ,aus'der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrter,, inzwischen für verstorben erklärter Fabrikant und .Reserveoffizier seine Frau mit seinem Jugendfreund verheiratet und seine Fabrik in den Händen dieses Freundes findet, selbst aber von niemand agnosziert wird und nun um Namen, Persönlichkeit, Gattin und Eigentum einen Kampf führt. In diesem Kampf wird er von einem kleinen Winkeladvokaten, Erwin Gablinsky, unterstützt. Dieser Gablinsky ist ein vernachlässigtes Subjekt, von großer Intelligenz, ohne Gesinnung, habgierig und vordringlich. ' Die „Ufa", der Autor, der Produktionschef und der Regisseur bemühten sich, mich für die Darstellung dieser Rolle zu gewinnen. Ich fand bei der Lektüre sofort, daß die Figur unsympathisch und von keinerlei menschlichen Gefühlen getragen sei. Deshalb schlug % ich dem Autor, Produktionsleiter und Regisseur vor, der Figur des Winkeladvokaten eiinen starken menschlichen Hintergrund zu gelben, indem seine ganze advokatorische Tätigkeit nicht von Habgier, sondern ion einem . fast manischen Rechtsbewußtsein diktiert erscheint. In dieser Form schien mir dann die Figur bei allen sonstigen Lächerlichkeiten der Oriahr, unsympathisch zu wirken, entrückt. Ich ergänzte also den Dialog mit Einwilligung aller Beteiligten durch eine Fülle von Sentenzen, die zum Unterbau der oben geschilderten ■J enden/, dienten. Bei den Aufnahmen, die dann faktisch mit diesem revidierten Text erfolgten, kam der Regisseur zu mir und bat mich, alle diese Stellen auch noch einmal in der Originalfassung zu spielen. Er erklärte mir dieses Verlangen dadurch, daß er befürchte, die Zensur könnte gegen eine oder die andere Stelle Bedenken haben, weil es heute bei der Behörde nicht beliebt sei, wenn die Möglichkeit eines Unterschiedes zwischen Gesetz und Recht stark betont werde. Man wolle also für alle Eventualitäten gewappnet sein, so daß eine oder die andere von mir revidierte Tcxtfa,ssung leicht durch den Originaltext ersetzt werden könne und somit dem Film keine Zensurschwicrigkeit drohe. Dieses Verlangen schien mir billig und ich ging darauf ein. Nun scheint sich —ich habe den 'Film nach seiner Fertigstellung nicht gesehen — folgendes ereignet zu haben: Der Regisseur hat offenbar nicht nur eine oder die andere revidierte Stelle, sondern meine ganzen Textahderungen verworfen und durch die Aufnahmen im Originaltext ersetzt. Ob er dabei aus eigenem Antrieb oder wirklich unter dem Druck von Zensur Schwierigkeiten handelte, entzieht sich meiner Beurteilung, aber jedenfalls ist nun die Figur in ihrer krassen Unmenschlichkeit, wie sie das Original vorschrieb, herausgekommen. . i Es ist klar, duß ich einen Winkeladvokaten nicht «In einen eleganten und vornehmen Herrn zeichnen konnte Er ist in seiner physischen Erscheinung eine jener Figuren, wie sie die entlegenen Vorstädte aller Metropolen bevölkern. Daß freilich in der schmutzigen Schale meiner Darstellung auch ein schmutziger Kern steckt, ist nach dem Geschilderten nicht meine Schuld, sondern die des Autors und des Regisseurs. Aber selbst wenn ich mich vergriffen hätte, wäre das noch lange kein Grund gewesen, einen Menschen schmieriger Gesinnungen zu verdächtigen, der (was speziell in Wien bekannt sein muß) noch unter dem monarchistischen Regime im März 1907 einen Husarenoffizier Öffentlich ohrfeigte, weil dieser eine antisemitische Bemerkung gemacht hatte. Es muß ihn Wien jedem bekannt sein, daß ich mich daraufhin mit dem Offizier im Reitlehrdnstitut Ungargasse auf Säbel und Pistolen duelliert habe und verwundet -wurde. Es ist weiter eine notorische Tatsache, daß ich bei meinem öffentlichen Auftreten immer furchtlos den Antisemitismus bekämpft habe und in meinen Conferenc'en während der gefährlichsten eZit der Heimwehrbewegung Christlichsoziale und Starhembergianer (sogar während der Ministerzeit Starhembergs) verhöhnt habe. 1 Da ich Sie, sehr geehrter Herr Chefredakteur, als einen altbewährten Mitkämpfer geschätzt habe, an dessen guter Meinung über mich mir sehr viel gelegen ist, habe ich es unternehmen zu dürfen geglaubt Ihre kostbare Zeit mit dieser langatmigen Darlegung in Anspruch zu nehmen. ' Ob der ungerechte Angriff auf mir sitzen bleibt, oder mir Genugtuung gegeben wird, ist gleichgültig für meinen Entschluß, auch weiter!»in den Namen des Judentums." blank zu erhalten und ig^gen lausbübische Schmähungen der Antisemiten zu verteidigen. \ Mit vorzüglicher Hochachtung^- 1 Ihr sehr ergebener Fritz Grünbaum. Zur //Union der rumänischen Juden // Von Herrn Dr. Lazar May er söhn (Bukarest) erhält die „Neue Welt", betreffs der „Union der rumänischen Juden" eine Zuschrift worin es u. a. heißt: „Ich kann nicht umhin, Ihnen zu schreiben, daß die „Union rumänischer Juden" zu Unrecht als assimilatorisch bezeichnet wird. In der U. E. R. sind alle Strömungen, die unter den Juden des Landes herrschen, vertreten. Die Union kann nicht, da die Erkämpfung und Aufrechterhaltung der politischen Gleichberechtigung der Juden ihr Endziel ist und dies, für alle Juden gleich viel bedeutet, ob sie national gesinnt oder nicht, ob sie assimilantisch oder nicht, religiös oder ECKSTEIN'S l|lllllilllllllllllllllllll!IIIIIIH:"lllll'.!li........ FAMILIEN-PENSION Reetauration, Kaileehaus / Täglich 5-ühr-Tee CEMMEDIMfS Telephon II.HoohstraBe43 JE PI PI Elf lle\] neben HotelPanhans. Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension S 12.— aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm¬ und Kaltwasser in jedem Zimmer. / Auskunft unter Telephon U-27-6-24 arcligiös sind, eine einzige Richtung vertreten. Darin besteht auch ihre Stärke. Nichtsdestoweniger halben die Herren'Dr. Fild ermann und Horia Carp, als der eine Deputierter, der andere Senator war. in der Deputiertenkammer und im Senat erklärt, daß wir uns als eine „jüdische Minorität" betrachten. Von einer Assimilation kann, solange Dr. Fildermann der Präsident der Union ist, keine Rede sein, zumal er seit 25 Jahren Schekclzahler und auch Mitglied der Jewish Agency ist. Es kann auch von einer Assimilation nicht die Rede sein, solange einer der fünf Vizepräsidenten Herr Horia Carp ist, der bis vor kurzem Nationalfondskommissar für Rumänien, mehrereaials Delegierter an zionistisdien Kongressen war und Mitglied des zionistischen Aktionskomitees für Rumänien ist. Ein zweiter Vizepräsident ist Dr. Josef Brei er, der Gründer der „Sphat Ibriah" aus Czernowitz, der dritte der Unterzeichner dieses Schreibens, gewesener Delegierter auf dem V. Baseler Kongreß und auf dem letzten Wiener Kongreß, seit vielen Jahren Mitglied des zionistischen Aktionskomitees für Rumänien und zurzeit Präsident des Ehrengerichts der zionistischen Organisation in Altrumänien. Durch eine falsche Charakterisierung der U. E. R. wird die öffentliche Meinung irregeführt, was natürlich sehr bedauerlich ist." * Wir bringen die Zuschrift des Herrn Dr. May?rsohn unseren Lesern ohne weitere Stellungnahme zur Kenntnis und überlassen es der rumänisch-jüdischen Oeffentlichkeit, sich hiezu zu äußern. Vereinigung der zionistisch-revisionistischen Jugend, IL, Untere Augartenstraße 38. Samstag: 8 Uhr abends: Gesellige Zusammenkunft. Sonntag: 8 Uhr früh: Wanderung (eventuell Badeausflug), Treffpunkt Schweden/platz. Montag: Uebung in der Haganah. Die Chawerim. werden aufmerksam gemacht, daß das Exerzieren von nun ab regelmäßig um halb 8 Uhr abeuds auf dem Hakoah-Platz stattfindet; sämtliche Chawerim haben zu erscheinen. Dienstag: 8 Uhr abends: Plenarversammlung, anschließend Gedenkrede des Herrn Dr. Wolf zum 15jährigen Jubiläum der jüdischen Legion. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. — Mittwoch: halb 8 Uhr: Sichah der Kwuzah Dror (Führer: Ch. Druks); 8 Uhr: Sichah der Kwuzah für Anfänger (Führer: Ch. Kerzner). Donnerstag: 8 Uhr: Sichah der Kwuzah HagibDr- (Führer: Ch. Kolb Fr.). ' Sdiiffmann verkauft nicht sondern verschleudert das ganze Sommerlager... -. Preis ist Nebensache—-die Hauptsache ist, diel^germtissen geräumt werden. Die lächerlich winzigen Preise allein beweisen noch nichts , . . Sie müssen in den 52 Schaufenstern genau nachsehen, wie gut und schön alles ist, was Ihnen zu diesen Viertel-Preisen angeboten.Wird... dann erst werden Sie diese „Okkasion ohnegleichen" richtig beurteilen können. Nützen Sie die Situation aus . . . kaufen Sie alles, was Sie jetzt brauchen . . . oder später so gut verwenden können . . . Sie sparen jetzt besonders vdel . . . bei jedem Einkauf im „Warenhaus der Sparsamen", IL, Talborstraße 48. Hier nur wenige Beispiele: Waschseiden-Strümpfe, alle Farben, 2. 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' '""\'*><"r*/m Es wird spät, man" geht schlafen; Die Gäste werden zu ihren Wohnungen geleitet. In wenigen Minuten liegt alles still. i Die Nachtwache geht von einem Zelt zum andern. Nun am Führerzelt vorbei. Auch hier schon Ruhe? Nichts zu besprechen? Die Wache horcht. Nur der Atem der Schlafenden zu hören. Der Blick fällt auf. die. schwarze Tafel, die mit ihren großen, weißen Buchstaben antwortet; Schabbath Schalom! Drüben schlafen die, Mädchen. Jetzt geht es am langen Tisch vorbei, an der Küche; hier brennt die Nachtlampe seit. Ab, end. schon. Da hängt, auch einer der Schlüssel für die gebenen. Zeit am Ort war. Heute wird nicht manipuliert... Der Wachehabende wiederholt die Runde und weckt, den . Nachfolger. . Das Spiel «jeder Nacht. Am frühen Morgen wird geweckt. .Von Zelt zu Zelt, weil heute die freundliche Morgentrompete schweigt. Die täglichen Freiübungen werden. ausgeführt; man wäscht sich, frühstückt und tritt zum Morgenappell an. Rapport wird heute keiner erstattet. Die Betharuniform darf als Festkleidung den ganzen Tag getragen werden. In irgend einer Ecke hat sich ein Minjan gebildet und hält Sabbätgottesdienst... Allmählich naht der Abend. Nach einem Ruhetag soll wieder die Arbeit kommen. Die muß mit Freude eingeleitet werden. Schnell ist der Abendappell vorbei, die Fahnen sind herabgelassen worden. Das Pfeifensignal ruft wieder. Es wird der vorbereitete Scheiterhaufen angezündet. Aus der Umgebung sind Gäste gekommen, um einen fröhlichen Abend zu. verbringen. Weit über hundert Zuschauer klatschen Beifall dem allemal neuen Programm.. Es werden lustige Geschichten erzählt, es wird gesungen und Hofra getanzt. Die Horra ist ein ansteckendes Ding. Zwei beginnen sie und dann gibt es kein Ende. Einer nach dem andern reißt die Hände zweier Tanzenden auseinander, schließt sich in den Kreis und bald liegt niemand mehr müßig. Das Feuer spielt im Wind und beleuchtet die fröhliche Jugend. Selbst die fremden Gäste, die dies jüdische Treiben gar nicht begreifen, haben gelernt, mit Hände-, klatschen Takt zu 'schlagen, wie es beim Horratanzen Brauch ist. Heute ist die Nachtruhe ein wenig hinausgeschoben worden, aber doch kommt langsam die Zeit, da die Jüngeren schlafen gehen müssen. Die Eltern, die zu Gaste sind, wohnen in den nahen Mühlen der Umgebung. Ein großer Balken des nur noch glimmenden Scheiterhaufens bricht jäh zusammen. Die Flamme leuchtet hell auf und hält einige Zeit an, dann sieht man wieder nur glimmende Scheite. Tanzen datf man, nicht mehr — die Jüngeren schlafen'schon, . \ Zwei Generationen. Langsam erlischt das Feuer ganz,! Die vielen fremden Gäste, sind allmählich verschwunden. Die ältesten Betharim gehen nun auch zu Bett. Bald ist alles wieder still, nur im Führerzelt hört man noch eine" Zeltlang sprechen. -Draußen geht die Nachtwache ihre Runden. Sie hat eine große Kontrolluhr umgehängt, Der Schreiber dieser Zeilen.hat sich eine Reihe von Tagen im Lager aufgehalten; glückliche Stunden verlebt. Jüdischer kann keine Jugend sein, - jüdischer keine Erziehung. Hier herrscht das große Herzische Ideal, das kein zweites neben sich verträgt. Hier sind Judesein und Iudenstaat Selbstverständlichkelten« Der Sabbat im Läger des Brith Trumpeldor, . > . Walter K 6 h'n X'Prag),;