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Die neue Welt · 1932-08-19 · Heft 257 (19.8.1932) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 257 (19.8.1932)
Date
1932-08-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 DfiB NElKß WELT n±m VJANh >* Die §dilußre§ultate der m Londoner A^C^Tagung W i^n, Mitte August. Innenzionistisch und aüflenzionistisch stand das letzte Jahr im Zeichen einer Kristallisation, die v6m alten Erbe, vom alten Kurs Befreiung suchte. Man kann zwar nicht bestreiten, daß dieser Prozeß ohne Erschütterungen, ohne bis weilen harte Kämpfe vor sieh gegangen ist. Aberjedenfalls hat-dasi erstö Av C. nach1 dem 17. Zionistenkongreß schon in einer Atmosphäre getagt, die einigermaßen von Schädlichen Keimen gereinigt war. Die revisionistische Opposition hat mit diesem. Reinigungsprozeß auf dem 17. Kongreß be-- gönnen, ihm im Verlauf des kongreßlosen Jahres Nachdruck verliehen. Die Ideologie und Taktik der revisionistischen Union hat den drohenden Rückfall in den alten Kurs hintangehalten und auf der Aktionskomitee- Sitzung in dieser Hinsicht siegreich bestanden! Etappen des siegreichen Vormarsches des Revisionismus auf dem A. C, spiegeln, sich in so manchem. Beschluß dieser zionistischen Tagung. Zum erstenmal «eit langen Jahren hat die zionistische Organisation den Mut offener Sprache gefunden. Unter dem Druck der jahrelangen revisionistischen Aufklärungsarbeit und unter dem Dr.uck der vom Revisionismus erzeugten Stimmung unter den jüdischen Massen warv die Ablehnung des French-Be rieht s, der Attacke' £egen das jüdische Nationalheim, eine Selbstverständlichkeit. Das A. C. hat den French-Bexicht als mit dem, Mandat nicht vereinbar zur Gänze abgelehnt und die; zionistische Leitung wird der Mandatarmacht klarzumachen haben, was das jüdische Volk für den Aufbau seines Heimes Palästina fordert. Das ist ein klares Zeichen für die offene Sprache,1 die in London gesprochen wurde, für den Geist, der auf diplomatische Manöver, Vertüschungs- und Beschwich-.; tigungsversuche Verzicht geleistet hat. Auch im Fall der erweiterten jewish' Agency wurde manches wahre Wort gesprochen Man kann ruhig sagen: Sogar unter den bisherigen' Freunden dieser Körperschaft hat die Erkenntnis Platz' gegriffen, daß der nichtzionistische Teil völlig' versagt' und daß das Fifty-Fifty-Prinzip weder dem Kräfteverhältnis noch den tatsächlichen Leistungen entspricht.' Trotz dieser Erkenntnis hat sich die Majorität des A. C. : noch nicht dazu aufgerafft,.das erweiterte AgencyGebildej zu liquidieren, beziehungsweise gründlich,., zu. refqr-. mieren und hat weiterh'an^'den nichtzionistischen Exe-' kutivln^tglledern ihren üngerechWertfgteri -Einfluß be-j' lassen — eine Lücke im Gefü-ge des entrierten Umbaues,1 In organisatorischer' Hinsicht ist manche Aenderung zu verzeichnen. Der Kampf um die Pal äs t ina- Aemter ist vorläufig zu Ende, da den zionistischen' Instanzen aufgetragen wurde, die vom letzten Kongreß beschlossene Reform der Palästina-Aemter durchzuführen. Vergebens waren auch die Anstrengungen mancher .Exekutivmitglieder und der gesamten Linken, der revisionistischen Fraktion Tendenzen zu unterschieben, die ein Hinausdrängen . aus den Körperschaften der zionistischen Weltorganisation plausibel machen sollten. Dieser beschämende, die Gefahr einer Erschütterung, ja Zerreißung des ganzen Organisattionsbaues heraufbeschwörende Ansturm wurde mit Kraft und Würde abgewehrt. Die revisionistische Forderung auf Anerkennung des Sonder verband es mußte erfüllt werden. Die Haltung des Warschauer; Vertreters der Radikalen Zionisten sowie der Herren von der A-Gruppe der Allgemeinen Zionisten (Deutschland, England, Amerika) ist ein Kapitel für sich, keinesfalls, das kann jetzt schon gesagt werden, ein rühmliches. Wenn wir feststellen, daß sehr wichtige Beschlüsse ihr Zustandekommen dem revisionistischen Vorsitzenden der politischen Subkommission zu verdanken haben, so ist nur in ungefähren Linien die revisionistische Arbeit auf der A.-C.-Tagung umrissen.' Fortsetzung der Tagung London, 9. August. In Fortsetzung der Generaldebatte wurde die Frage der Palästina-Aemter behandelt. Der Misrachist Dr. Federbusch und Dr. Schmorak bekämpften die Vorherrschaft der Linken in den Palästina- Aemtern. I Zur Frage sprach für die Revisionisten Robert S t r i c k e r. Er stellte fest, daß die Zionistische Organisation durch die Erweiterung der Jewish Agency ge* schwächt worden sei. Er und seine Freunde, die sich seinerzeit gegen die Erweiterung ausgesprochen haben, hätten dies vorausgesehen. Ein Abweichen von den zionistischen Hauptzielen — und seiner Meinung nach bedeute der Pakt mit den Nichtzionisten ein solches ~ mußte zwangsläufig zur Untergrabung der Organisation führen und eine ernste ideologische Wirkung auf die jüdische Jugend haben. Einige Redner hätten die " politische Sonderaktion der Revisionisten mit der der Agudah verglichen. Die Revisionisten aber seien Zionisten, während die Agudah gegen den Zionismus gearbeitet habe. Der Redner befaßte sich sodann mit den im offiziellen hebräischen Organ der Organisation gegen die Revisionisten gerichteten Angriffe sowie mit gewissen Aeußerungen des Herausgebers des „Haolam" zu politischen Fragen in einer anderen Zeitung. An der Debatte über die revisionistische Sonderverband-Forderung beteiligten sich Dr. Mosh i n s o h n (Palästina), J. Grliubaum (Warschau), Dr. Steljmann (Lettland), worauf die Exekutivmittflieder Brodetzky und Locker in Antwortreden die Debatte beschlossen. Den. diesbezüglichen Beschluß finden unsere Leser an der Spitze des Blattes. In der am 6. August abends abgehaltenen 15. Sitzung des Aktions-Cömitees legte der Berichterstatter der Politischen Kommission, Richard Lichtheim, eine Reihe politische* Resolutionen vor, die nach kurzer Debatte angenommen wurden, Beschlüsse Die vom A. C. gefaßten Beschlüsse betreffen Organisation und Propaganda, Zusammensetzung der Palästina-Aemter,, der Landesstellen des K. K. L. und des K. H.{ Erziehung, Immigration. Jüdische Weltkonferenz. Von diesen Beschlüssen seien hervorgehoben: Jewish Agency Das A. C. stellt mit BödaUern fest, daß es der erweiterten Jewish Agency. in ihrer bisherigen Entwicklnug nicht gelungen ist, £rü3ore Kvcice von NicJitzäoni&ieri heranzuziehen und die für den Palästina-Aufbau er-» forderlichen Mittel zu beschaffen. In Ausführung des Beschlusses des 17. Kongresses/ beauftragt das A. C. die Ständige Kommission für Organisation und Propaganda, den. gesamten mit der Jewish Agency zusammenhängenden Fragenkomplex zu prüfen, die Meinungen der nichtzionistischen Mitglieder des Administrative Committee, soweit dies zweckmäßig erscheint, einzuholen und für den nächsten Kongreß Vorschläge vorzubereiten. . _ . _ . Zusammensetzung der Palästina-Aemier 1. Die' Verteilung der den zionistischen Parteien^ zukommenden Sitze unter die einzelnen Parteien erfolgt nach dem Verhältnis der Stimmenzahlen, die die Parteien des betreffenden Landes bei den Wahlen, zum letzten Kongreß erhalten haben. 2. Eine Partei, die in ihrem Lande die zur Wehl eines Kongreßdelegierten erforderliche Stimmenzahl nicht erlangt, jedoch nicht weniger als 5.0 Prozent deri zurt Erlangung ,eines Delegierten-Mandats erforderlichen StihimeH/ct'halten;ha^e;^*eVe'thtigt;. e'irien Vertreter;in .die'Bd&s^n^^AiQl^omiQiäslDn^n'^ entsenden, falls nicht we^ige%aiey?25t:^itg^'gdier :J|^sjpr Partei .in, der prak.« tischen, ihrer •Vorbereitungzur Auswanderung nach. Palästina gewidmeten Haqhsdharaharbeit stehen. .? 5. Die Zahl der Vertreter einer Partei darf 50 Prozent der Gesamtvertretung ajller < Parteien nicht über-' steigen, -v,;^ ~.:^<>/ \'";' r •'. «'; . 4. Es ist erwünscht, daß unier deji" Vertretern jeder Hachscharah -betrfei'beiide'n"?Fa$t;eT in der PalüsÜna-Ämtskommission —,sofern,,die Zahl, dieser Vertreter mehr als 1 beftäffi^'k^ittö^btä^utf^'fräi'nis-äStiön der betreffenden Partei repräsentiert.;( -W '.^'V.'.' jfädisene '[/.- ■ .. r \ ' v-V?< Das- A> 4^ der1 Zionistischen Organisation: begrüßt die 'vom American Jewish " Congreß für den 14. August nach Genf einberufeneü d is c h e W e 11 ko n f e reu i. Die Zionistische Organisatiön, die seit Jahrzehnten für die Proklamierung der.'nationalen Rechte des jüdischen Volkes in .den Galuthländerns eintritt 'unterstützt jede Form einer, interterritorialen Aktion der Juden zur .Ver-, teidigung ihrer bürgerlichen, und nationalen. Rechte; sowie zugleich ihrer politischen, wirtschaftlichen-und sozialen Positionen. In . dieser Zeit maßloser Angriffe gegen die Existenz des jüdischen. Volkes und einer Bedrohung der elementaren Menschenrechte von: Millionen Juden in verschiedenen Ländern muß jeder Versuch eines interterritorialen Zusammenschlusses der jüdischen Organisationen und Gemeinschaften 'der verschiedenen Länder willkommen geheißen werden. Das A. C. bittet daher den. Präsidenten der Zionistischen Organisation, Herrn Nahum. .Sol^olow, der Genf er Konferenz die .Grüße und Wünsche der Organisatiön zu überbringen. Das A. C. hält die Beteiligung zionistischer VerT bände an der. Jüdischen.Weljkonferenz für erwünscht. . Die, Tagung des zionistischen Aktionskomitees wurde am 9.'August, 7 Uhr morgens, geschlossen. _ Bie holländischen Oberrabbiner gegen das liberale Judentum. Der Rat der Ob er rabbin er H 611 a rids hat soeben eine gegen das liberale Judentum gerichtete Broschüre veröffentlicht. In dieser Broschüre werden die Grundsätze des liberalen Judentums vom: jüdisch-konservativen Standpunkt aus mißbilligt und Aufrufe von' 13 führenden jüdischen Persönlichkeiten Hollands gegen' die liberale Richtung im Judentum wiedergegeben. Es ist dies der erste Fall in der Geschichte: des«holländischen Judentums, daß vom obersten rabbi-*' nischen Rat aus eine offizielle 'Verurteilung einer be? stimmten jüdischen' Richtung erfolgt. ' ■ ' . ■ Sie werden es nie bereuen wenn Sl« den Rat befolgen, Ihren Körper widerstandsfähig und wlderatandskrflftig zu machen. Im Kampf um» Dasein spielt es eine große .Rolle, daß Sie keinen Tag -verlleren, daß Sie durch keine Erkältung gezwungen werden, tagelang Ihrem Berufe, Ihrer Beschäftigung fernzubleiben. , Gebrauchen Sie »tändig |eden Tag FR AN Z 5 RAN NT WEIN . _ mit Menthol und Sie schützen 8*icn am besten gegen alle Unbill deVwinfeirs ■ und i^ VMier»* In Jed«m betaeren Oe»ehölte erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich „DIANA" und nehmen Sie nur „DIANA". Minderwertige Nachahmungen find;:;r:r;~:jp^ Die Tagung des Administrative v f Committee der Agency Fatöitlnn-Bewegung — Zionisten und Nichtzionisten — Budgetdebatte — Aenderung in der Ressort* Besetzung Die Beratungen des Administrative Committee der Jewish Agency fanden diesmal während der zweitägigen Pause der Aktlonskomiteesitzung in London statt. An den Beratungen der vom Committee eingesetzten KominMlsionen beteiligten sich auch die Mitglieder der entsprechenden Kommissionen des Aktionskomitees. Dr. Ch. Weizmann, der in die Diskussionen der Aktionskomiteetagung nicht ein ednzigesmal eingegriffen hatte, e'rg'riff in der Sitzung des Administrative Committee das Wort, um über die gegenwärtige Lage in Palästina zu sprechen. Er befaßte sich mit des Chaluzioth, dem Problem Transjordaftiens und der Frage der Jewish Agency. Oskar Wassermann (Deutschland) beschäftigte sich mit der Lage der Juden in Deutschland und versuchte, für die geringfügigen Leistungen der erweiterten Jewish Agency Motive «u finden, wobei er aber gleichzeitig die Ansicht aussprach, daß der Fortschritt des Palästina-Gedankens das Resultat der — Erweiterung äer. Jewish Agency sei. Präsident S o k o 1 o w , gab einen Uebefblick über die Ereignisse des letzten Jahres und über die Aenderüiigen innerhalb und außerhalb Palästinas und wies darauf hin, daß in der ,ganzen Welt ein überaus starkes Interesse für die Palästina-Bewegung zu konstatieren sei. In der Schlußsitzung, Dieüstäg, den 9. August, stand, die Frage der Ausbalancierung des Budgets für das kommende Jahr zur Debatte. Wie "die X T. A. meldet, waren die' Verhandlungen besonders dadurch erschwert, daß das Aktionskomitee die Mitglieder des zionistischen Teils der Agency-Eiekütive verpflichtet hatte, auf der Bewilligung des vollen Jahresbudgets von 306.000 Pf. St.'zu bestehen. Das Administrative Committee war zunächst nicht bereit, dem Beschluß des Aktionskomitees beizutreten. Auch die niebtzionistischen Mitglieder der Exekutive machten Schwierigkeiten* weil sie die Tatsache, daß die zionistischen Exekutive« m i t g 1 i e d e r durch einen Aktionskomdteebeschluß gebunden waren, peinlich.- empiandea, Einige Mitglieder der Exekutive drohten sogar mit ihrem Rücktritt. Es gelang zwar,. diese .Exekutivemitglieder davon abzuhalten, ihre Drohung wahrzumachem Imaner-i hin ,ist aber mit, einer A e^.d,e r ung ,,in. 4-£r JB««i s e it^ u n g jde i*. y e .r s c h i, e d n, e n f o,r t«(. ifyapts halb der Exekutive zu rechnen. Schließlich wurde da« Budget angenommen, in dem 104000 Pfund für Schuldentilgung» 44.500 Pfund für Verwaltung und polftiacKe A r b e i t in London und Jerusalem* 41.500 Pfund für das Erziehungsdeparteinieni^j 49.300 Pfund für das Kolonisationsdeparte- . , ment, , 44.500, Pfund für die I m m i g r a t i o n s aüi e i I wb> @> 45.000 Pfund für das Departement für Geaundheitswesen, 4.500 Pfund für die Abteilung zur Förderung der Iitti dufit.rie und. der Mittelstandssiedlung vorgesehen sind. Dieses Budget zwingt die Exekutive, eine Anleihe von 22.000 Pfund auf zu erwartende Eingänge aufzunehmen. Was die politischen Resolutionen anbelangi wir3 mitgeteilt, daß die Anträge der politischen Kommission in bezug auf die Stellungnahme zum, Fronch* Bericht vom Aktionsikomitee nach einer, «ehr .ausführlichen Debatte einstimmig angenommen wurden und diaß die t Beschlüsse des Aktionskomitees auch vom Administrative Comahittee der Jewish Agency ednstimmig akzeptiert worden sind. Der Pogrom in Tunis Paris, 9. August (J. T. A.) Die Erregung In Sfax (Tunis), wo Ende Juli judenfeindliche Ausschreitungen stattgefunden haben, hält noch immer an» Durch Militärabteilungen verstärkt© Polizei durchzieht den . Ork nm ein Wiederaufflammen der Unruhen im Kein» ersticken zu können. Unter den 'Arabern werden allerlei Gerüchte verbreitet, die dazu beitragen, die Erregung noch mehr zu schüren. . Das arabische Gericht in Sfax hat einige Araber, die: an den Ausschreitungen teilgenommen haben, zü Gefängnisstrafen von einigen Tagen bis zu drei Monaten verurteilt. Aber auch zwei Juden* die sich gegen die Araber verteidigt hatten, wurden zu Je 30 Tagen Gefängnis verurteilt, was ton der jüdischen Bevölkerung als Zeichen der Parteilichkeit des Gerichtes aufgefaßt wird,' . ' . . ' , ...... Die Pariser Tageszeitung wL'Oeuvre" erfährt, daß Jcu,r!Z 4vor dem Ausbruch der Unruhen in Tunis 30 Araber,,aus Palästina dort eingetroffen sind. Es wird angenommen, daß die Unruhen von den Palästinensern angezettelt wurden. Auch aus anderen Anzeichen will man darauf schließen, daß die Ausschreitungen vorbereitet waren. Bereits einige Tage vor dem Pogrom sind die bei Juden beschäftigten Araber nur noch zögernd zu ihren Arbeitsplätzen gekommen. 9

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