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Die neue Welt · 1932-08-12 · Heft 256 (12.8.1932) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 256 (12.8.1932)
Date
1932-08-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nt. 256 DIE NEUE WELT Seit« 7 keit, sich in allen Fragen, die den Betar betreffen, laufend zu orientieren. Auf eine besondere Neuerung sei in diesem Zusammenhang hingewiesen, die der derzeitige Natziw eingeführt hat. Den einzelnen Bünden werden für die Unterweisung in der Arbeit Instruktoren zur Verfügung gestellt, die dem Berliner Ken und hier insbesondere der von P. F e i w e 1 geleiteten Phiga Herzl angehören. So verbrachten die Ch. Markowitz und Feuerstein einige Wochen in Magdeburg, bzw. Leipzig. Ihre Arbeit zeitigte recht schöne Ergebnisse.. Zur Zeit befindet sich B. Feuerstein in gleicher Eigenschaft in Schönlanke. Die Netziwut hat besonderes Gewicht auf die Hachschara Hagantit (wehrsportliche Vorbereitung) gelegt, wodurch sich auch, das Interesse bei den Bünden stark erhöht hat. Um über den Stand dieser Hachschara genaue Uebersdcht zu gewinnen, hat der Natziw bis jetzt die Gruppen in Leipzig, Magdeburg und Köln a. Rh. inspiziert. Erfreulicherweise sind in diesem Zeitabschnitt auch neue Ortsgruppen entstanden. So in Magdeburg, Schönlanke und Köln a. Rh. Zur Gründung des Bundes in Schönlanke haben die Betarim Ba 11 h o r n (Berlin) und Kafttöföwltz (Schneddemtihl), mt Schaffung der Gruppe Köln der Mefaked Grebenau (Frankfurt a. M.) hervorragend mitgewirkt. Weitere Gruppen sind im Entstehen. Im Monat Juli wurde ein Instruktorenlager bei Berlin eingerichtet, das unter der Leitung von Rosenzweig und Natziw Feiwel stand. An diesen Instruktorenkursen nahmen neben mehr als zwanzig Berliner Betarim auch einige auswärtige teil. Im Juli ist eine Gruppe von vier Betarim, darunter ein Mädchen, in zwei eigenen Automobilen nach Palästina zum dauernden Aufenthalt gefahren. In den nächsten Wochen geht eine zweite Gruppe nach Erez Jiisrael. Der Natziw nimmt auch an der Arbeit in Berlin großen Anteil. Er leitet die Pluga Herzl, die sich hauptsächlich aus den ersten Berliner Betarim zusammensetzt. Sie bildet den Grundstock, auf dem sich der Berliner Betar aufgebaut und entwickelt hat. Geistig übt sie auf den Berliner Betar den nachhaltigsten Einfluß aus (sie gibt ein internes Blatt ,,,Neged" heraus)). Man kann sagen, daß sie dem Ken Berlin das eigentliche Gepräge gibt. Unter anderm ermöglichte der Natziw die Uniformierung des Berliner Betar, hat gemeinsam mit B. Marko w i t z und dessen Vater den Betar-Cheder geschaffen und ausgebaut und verwirklichte den langen Wunsch nach einem eigenen Betar-Heim. Die Netziwut arbeitet fast ohne finanzielle Einkünfte und muß die Mittel aus sich selbst aufbringen. Ihre Arbeit wird aber durch die Neuregelung der Beiitragsleistunsjen der Ortsgruppen, die der Natziw letztens eingeführt hat, eine Erleichterung erfahren. Au§ der jüdischen Well Resolutionen des jüdischen Jugendkongresses in Antwerpen A.n,t,w-e r p e n. (J-. .-Tn. A.) , Der-< jüdische Ju-gehdkongreß hat nach viertägigen Beratungen eine Reihe von Resolutionen gefaßt, in denen er zu Fragen des Palästina-Aufbaues, der organisatorischen Zusammenfassung der jüdischen Jugend und der moralischen 'Weltabrüstung Stellung nimmt. In der Palästina-Resolution wird auf die überragende Bedeutung der Tozereth-Haarez- Bewegung und der Erlösung des Bodens durch den Jüdischen Nationalfonds hingewiesen und die jüdische Jugend aufgefordert, sich in erster Reihe diesen beiden Arbeitsgebieten zu widmen. Der Kongreß würdigt die großen Vorteile, die sich aus einem engeren Zusammenschluß der jüdischen Jugend ergeben würden. Er will diese Jugend in einer gemeinsamen Anstrengung für die Wiedergeburt Israels durch Erziehung und Mitarbeit an dem W i ed e raufbau Palästinas einigen und gibt seinem Wunsche nach Zusammentritt eines Kongresses der gesamten jüdischen Jugend Ausdruck. Weltbund der jüdischen Jugend für den Frieden. Antwerpen. (J. T. A.) Am Sonntag, den 31. Juli, abends, wurde im großen Saale des Atheneums zu Antwerpen der zweite Kongreß des unter der Patronanz des Völkerbundes stehenden Weltbundes der jüdischen Jugend für den Frieden feierlich eröffnet. Die Tagung wurde von der Union Universelle de la Jeunesse Juive in Paris organisieert. Den Vorsitz in der Eröffnungssitzung, an der über hundert Delegierte aus zwölf Ländern, etwa 500 Gäste und zahlreiche Repräsentanten jüdischer Institutionen teilnähmen, führte der Präsident der Jugendunion Aime Palliere. Die Mehrzahl der Delegierten vertritt französische Ortsgruppen des Ver-" bandes, ferner sind die Schweiz, Belgien, Italien, Holland, Deutschland, Polen, Luxemburg, England, die Vereinigten Staaten, Griechenland, Oesterreich und andere vertreten. Die Eröffnungsrede hielt der Delegierte Dr, Schramek (Straßburg). Begrüßungsansprachen wurden vom belgischen Großrabbiher Dr. Wiener, vom Vertreter des Pariser Zentralbüros des Keren Kajemeth Fischer, von Herrn Gottschalk namens der belgischen Völkerbundliga, von Herrn Josef Sohlesinger im Namen des zionistischen Zentralverbandes Belgifens, vom Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde Antwerpen D. Lange und von Oskar T e i t e 1 b a u tu im Namen der jüdischen Jugend Antwerpens gehalten. Nach Bekanntgabe der Tagesordnung durch den Sekretär r des Weltverbandes der jüdischen Jugend Charles Nehama hielt der holländisch-jüdische Schriftsteller Siegfried van Praag ein Referat über das Thema „Der Friedensgedanke in der jüdischen Literatur". Mit dem Absingen der „Hatikwah" wurde die Eröffnungssitzung in gehobener Stimmung geschlossen. Der Senior der „Bilu" gestorben. Jerusalem. (J. T. A.) Im Alter von 78 Jahren verstarb in Haifa am 4. August Elijahu S w e r d 1 o w, das älteste Mitglied der ersten unter dem Namen „Bilu" bekannten Pioniergruppe in Palästina. Nach dem Tode Swerdlows sind nur noch neun Mitglieder der „Bilu" am Leben. Palästinensische Lehrer für Bulgarien. Sofia. (J. T. A.) Die Abteilung für jüdisches Schulwesen beim Zentralkonsistorium der Juden Bulgariens hat im Hinblick auf den Maugel an hebräischen Lehrern in Bulgarien beschlossen, zur Durchführung des für die jüdischen Schulen Bulgariens vorgesehenen hebräischen Lehrprogramm Lehrkräfte aus Paläitina zu berufen. Abteilung für jüdische Wissenschaft an der Universität Tarttl, Das estnische Unterrichtsministerium hat den Beschluß des Professorenkollegiums Tartu (Dorpat), eine Abteilung für jüdische Wissenschaften an dieser Universität zu errichten, bestätigt. Die Abteilung ist der philosophischen Fakultät angegliedert und den übrigen Abteilungen dieser Fakultät gleichgestellt. Es werden an ihr folgende Fächer gelehrt werden; Hebräisch (Beherrschung der Sprache in Wort und Schrift), andere semitische Sprachen, wie Syrisch, Arabisch usw., jüdisohe und hebräische Literatur und Religionsphilosophie. Hinsichtlich der Erlangung akademischer Grade werden die Studierenden der neuen Abtedhmg den übrigen philosophischen Hörern gleichgestellt sein. Die Kosten für die Erhaltung der Abteilung, die bereits im Herbst dieses Jahres eröffnet werden APOLLO A.3J.S-S0 Wiedereröffnung! Der große deutsche Tonfilm Der Unheimliche Der mysteriöseste Krlmlnalfall des Jahfhundeits! Hauptdarsteller: Paul Wegsner, Harald Pauken, Mary Parker, Blondine Ebinger, Eugen Klöpfer, Roma Bahn Rafll«: RICHARD OSWALD Ein Roto-FUm. der O. P. Im Verleih der Atlantis, Wien soll, werden von der Gesellschaft zur Förderung jüdischer Wissenschaft an der Universität Tartu getragen. Der Mörder der Rigner jüdischen Familie Smuschkin. Riga (J. T. A.) Das Rigaer Strafgericht hat nach zweitägiger Verhandlung, die von der Öffentlichkeit mit ungeheurem Interesse verfolgt wurde, das Urteil über den Mörder Prudnikow, der anfangs Juni dieses Jahres bei dem Einbruch in die Wohnung des jüdischen Kaufmanns Leib Smuschkin die Gattin Smuschkins und seine beiden Töchter erschossen hatte, gefällt. Prudnikow wurde zum Tode verurteilt. Der Einbruch bei Smuschkin und die Ermordung seiner Familienangehörigen hat seinerzeit weiteste Kreise der Bevölkerung Rigas in Aufregung versetzt. Zionistische Vertretung auf dem Esperanto-Weltkongreß. Am 3, Augüst würde in Paris der Edporanto- Weltkongreß feierlich eröffnet. An dem Kongreß nehmen Vertreter von 35 Nationen und 13 Regierungen teil. Unter den Regierungsvertretern befindet sich auch der ehemalige Präsident Lebrun. Aus London wurde Dr. Emanuel Olsch wanger als Vertreter der Zionistischen Organisation zum Kongreß delegiert. Bekanntlich hat die Zionistische Organisation seit einigen Jahren ein starkes Interesse für die Esperantobewegung an den Tag gelegt und eine Reihe von Publikationen über den Zionismus in Esperanto veröffentlicht. Unter den Gästen des Kongresses befindet sich auch die Tochter des Schöpfers der Esperantosprache Dr. Ludwig Zamenliof. Streik der Sweatshop-Arbeiter New Yorks. New York. (J. T. A.) Am 4. August sind 20,000 jüdische Arbeiter der He r re nkle ide r i nd ust ri e in den Streik getreten, da sie in die eHrabsetzung der Löhne in den nach dem Sweatshopsystem arbeitenden Betrieben nicht einwilligen wollten. AUS PALÄSTINA Große Wa§§erquellen gefunden Neue Perspektiven für den Aufbau Palästinas Palfistina steht jetzt unter dem Eindruck der Auffindung zahlreicher neuer Wasser quellen in verschiedenen Teilen des Landes. Diese Landstriche waren bisher wasserarm und wurden daher als zu landwirtschaftlicher Bearbeitung untauglich angesehen. Die Wasserarmut Palästinas ist bisher der wichtigste Grund dafür gewesen, daß das Land am Ufer des Mittelländischen Meeres wüst und sandig war. Die Trockenheit ließ auch eine Viehzucht von Belang nicht zu. Die Regenperioden allein genügten nicht zur Bewässerung von Weiden für Rinder und Schafe. Dieser traurige Umstand beschwerte alle Probleme, die mit der Entwicklung des Landes verbunden sind, und hemmte auch die Realisierung der jüdischen Aufbaupläne und deren Perspektiven. Der Wassermangel engte den ohnehin kleinen Radius des Landes ein. 12 Millionen Dunam Boden wurden als Wüste betrachtet. Auf dieser Grundlage bauten die judenfeindlichen „Sachverständigen" und „Spezialisten", die hinuntergeschickt wurden, mit objektiven Augen die Möglichkeiten der zionistischen Bestrebungen zu prüfen. Der Wassermangel Palästinas war bisher eine historische, unbestreitbare Tatsache. Jetzt aber haben unsere Pioniere durch ihre Ausdauer, Unermüdlichkeit und Hartnäckigkeit bewiesen, dafl tief in der palästinensischen Erde ungeheure Schätze, große Wassermassen, schlummern. Diese Wassermassen sind geeignet, jede Arbeit wirtschaftlicher Betätigung von Grund auf zu ändern, und damit bieten sich dem Zionismus bisher unvorhergesehene Mögichkeiten, die den Schwerpunkt der zionistischen Probleme ganz und gar verschieben. Wichtig ist besonders die Tatsache, daß man sogar im trockensten Teil Wasser entdeckt hat. Man kann daher annehmen, daß man die 12 Millionen Dunam, die bisher als Wüste galten, jetzt wird bearbeiten können. Ganz Palästina wird auf künstlichem Wege bewässert und der Fruchtbarmachung zugeführt werden können. Nach der Meinung von Fachleuten und der palästinensischen Presse, wird es möglich sein, in Palästina 5 bis 6 Millionen Juden anzusiedeln. Das Anwachsen der jüdisch-landwirtschaftlichen Bevölkerung Je r u sa lern,. 3. August. (J. T. A.). Eine auf Grund der letzten Volkszählung soeben veröffentlichte offizielle Statistik zeigt da« ständige Anwachsen der jüdischlandwirtschaftlichen Bevölkerung in Palästina. Die jüdische landwirtschaftliche Bevölkerung macht jetzt 26 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung aus, während nach der Volkszählung des Jahres 1922 der damalige Anteil der landwirtschaftlich tätigen Juden an der jüdischen Gesamtbevölkerung bloß, 18 Prozent betrug. Eine extremistische arabische Partei. Jerusalem. Unter der Führung des Sekretärs der arabischen Exekutive Auni Bey Abdul Hadi wurde eine neue extremistische arabische Partei, die sich „Istik 1 a 1" nennt, gegründet. In dem soeben veröffentlichte» Programm der neuen Partei wird die Abschaffung des Palästina-Mandats und der Balfour-Deklaration gefordert. Palästina' soll Teil eines unabhängigen syrischen Reiches werden. Ferner wird die sofortige Einsetzung eines Parlaments und einer arabischen Regierung, das Verbot des Bodenverkaufes an Juden und die Schaffung einer panarabischen Föderation gefordert. Was ist ZionismiiS'Revisiomsmus l in. Informations- und .Wirtschaftsdienst Die Zionistische Organisation hat dafür zu sorgen, daß die Kenntnis der wirtschaftlichen Bedingungen und Möglichkeiten Palästinas den weitesten jüdischen Kreisen zugänglich werde. Diese Kenntnis, auf zuverlässige Information und Beratung gestützt, ist einerseits der wirksamste Anreiz für die Ueberführung von Kapital und Menschen nach Palästina, anderseits der beste Schutz gegen Kapitals- und Kräfteverluste: In Palästina ein Informationsdienst, der alle Branchen umfaßt; in den Galuth-Institutionen (palästinensische Gewerbe- und Handelskammern, Beratungsstellen usw.). Wer nach Palästina gehen will, wer mit Palästina in wirtschaftliche Verbindung irgend welcher Art treten will, eoll jederzeit verläßliche Auskünfte erhalten. Diese Stellen dürfen nicht bürokratisch, sie müssen fachmännisch geleitet werden, Sparvereine und Ueberwanderungsgenossenschaften Ein Mensch, dessen wirtschaftliche Zukunft bedroht ist, und der daran denkt,-sich eine neue, bessere Existenz zu schaffen, muß mit seinen Mitteln vorsichtig umgehen, überflüssige Ausgaben vermeiden, 'er muß sparen und über die ersparten Mittel so verfügen, daß die Art ihrer Anlage der Errichtung seiner neuen Existenz diene. Für Völker gilt dasselbe; in erhöhtem Maße für das jUdische Volk, das seine wirtschaftlichen Positionen in allen Ländern schwinden sieht und sich in Palästina eine neue Existenz schaffen will, Sparen und zweckdienlich anlegen 1 Große Summen jüdischen Sparkapitals Hegen in europäischen und amerikanischen Banken, Sparkassen, Versicherungsgesellschaften, Aktiengesellschaften. Der jUdische Sparer erhält eine meist nicht allzu große Verzinsung, hat sonst aber keinen Einfluß auf die Gebarung mit den Geldern und ihre Verwendung. Er kann nicht verhindern, daß z. B. die Institutionen, welche mit seinem Geld arbeiten, und Unternehmungen, welche wieder von diesen Institutionen mit Kapital und Kredit versorgt werden, ihrerseits keinen Juden anstellen, keinem Juden Kredit geben, kein jüdisches Unternehmen fördern. Der jUdische Sparer ist von seinem Sparkapital völlig isoliert, zwischen ihn und sein Geld hat sich eine nichtjüdische, fremde, oft feindliche Macht gedrängt. Der Revisionismus will dieser unnatürlichen Scheidung zwischen jüdischem Sparkapital und dem jüdischen Sparer^ zwischen jüdischem Sparkapital und dem jüdischen Volke und Lande ein Ende machen. Das Mittel hiezu ist die Gründung von jüdischen Sparvereinen auf der ganzen Welt. Diese Sparvereine sollen zwei Zwecken dienen. Der Jude soll mit dem Ziele sparen, seine oder seiner Nachkommen Uebersiedlung nach Palästina vorzubereiten. Das ist der eine Zweck. Der mit ihm eng verbundene zweite Zweck ist, das jüdische Sparkapital der ganzen Welt in Palästina arbeiten zu lassen. Landwirtschaft und Industrie in Palästina i stehen vor ungeahnten Möglichkeiten. Das große Kapital, der jüdische Kredit fehlt. Die palästinensische Wirtschaft, welche bewiesen hat, daß sie einen normalen Zinsendienst leicht erträgt, erhält kein Kapital oder nur minimales zu Wucherzinsen. Das kleine und mittlere jüdische Sparkapital der Welt — wenn man auch das große außer acht

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