Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1932-08-12 · Heft 256 (12.8.1932) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 256 (12.8.1932)
Date
1932-08-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2711843-2711877--3261-2716618
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Seite 6_ DIE NEUE WELT_ Nr. 2% Aus Deutschland feflage der »Neue« Weit« Hkt DeuUdtUnd « Filtalredaktion und Admini»t*atiwt BctHn, CharloKenburg % Joad^mstaloMMtfMffo 1^ lllllllllllllllllll.....!|||!|||||||||||I|||||1I!II|||||||||||||||||||]||1I|||||||!!I|||I|||||!II!|||||||||IH Eine Frage an Hitler Ein Glück für uns, daß es in der Wüste der Judenproblem-Löser auch Oasen gibt. Man weiß, daß zahlreiche Heilslehren für das Judentum von mehr oder minder Legitimierten propagiert werden und daß immer wieder neue Botschaften zur Rettung des Judentums auftauchen. Die einen sprechen von seiner Auflösung, siehe des Kommunisten Otto Heller „Untergang des Judentums", die anderen von seiner Erhaltung, für den Fall, daß es seine absonderlichen Lebensformen aufgibt. Das deutsche Judentum macht schwere Zeiten durch — bedroht von Hitlers Hakenkreuz. Und da findet sich ein auf den Namen Dr. Karl Lieblich hörender Jude, der in einer Schrift „Was geschieht mit den Juden, öffentliche Frage an Adolf Hitler" für die deutschen Juden eine Rettungsformel vorschlägt. Wir müssen Herrn Dr. Lieblich unseren Freunden vorstellen. Er ist ein Mensch mit zweifellos, guten Absichten. Er ist aber ein Mensch, der sich eine neue verwirrende Orientierung des Judentums zur Aufgabe gesetzt und hiezu die Vereinigung des „Jungen Judentums" gegründet hat. Wenn auch seine Anhängerschar gering ist — sie zählt nach seinem Geständnis 30 Personen —, so bietet er ihr doch wenigstens ein umfangreiches Programm: In allen Ländern, in denen die Juden eine entsprechende Einwohnerzahl erreichen, sollen sie sich als nationale Minderheit anmelden, vorher aber ihre religiösen Riten über Bord werfen und den Sabbat auf den Sonntag verlegen. Dann wird, so muß man wohl schließen, niemand sie von den Nichtjuden unterscheiden können. Also, Adolf Hitler, höre! Bist du gewillt, fragt Dr. Lieblich, den jüdischen Staatsbürgern Deutschlands unter solchen Bedingungen Autonomie, die Rechte einer nationalen Minderheit zu geben, also die Rechte, die — das ist unserem Frager bekannt — durch den Völkerbund verschiedentlich schon gewährleistet sind? Herr Dr. Lieblich empfiehlt, den Juden, ihre religiösen Riten (den Ost juden ihre Stirnlocken und den Kaftan) abzulegen und den Sabbat (Sonnabend) ganz einfach auf den Sonntag zu verschieben,, auf daß; sie, durch nichts mehr von den Germanen unterscheidbar, der nationalen Minderheitsrechte teilhaftig werden können. Dr. Lieblich will das Judentum inmitten des Hakenkreuzes erhalten, will es in Deutschland als nationale Minderheit erhalten. Er will für Deutschland die Judenfrage lösen. Sein Rezept ist gut, sagt er. Denn der Zionismus, sagt er, ist keine Lösung der Judenfrage, weil schon jetzt klar sei, daß Palästina kein Nationalstaat, sondern nur ein binationaler Staat werden könne und keine Sammlung des Judentums, sondern nur eine „Zentrale". Ein sonderbarer Phantast, unser Dr. Lieblich! Ein binationaler Staat in Palästina ist ihm zu wenig; ihm ist ein Staat zu wenig, in dem die Juden bloß eine nationale Minderheit bilden. In diesem Sinne gebärdet er sich also als Judenstaatler. Für Deutschland Schlägt er die nationale Minderheit vor, aber, unter gewissen Bedingungen: die: nationale Minderheit ohne die äußeren Insignien des Judentums. Wenn man den Kern der Lieblich-Lösung besieht, so steckt in ihr die für ein zionistisches Denken selbstverständliche These von der Judenheit als Nation innerhalb der Völker und die sich zwangsläufig ergebende Tatsache: Bei aller Wahrung unserer staatsbürgerlichen Rechte, bzw. bei Wahrung des uns vom Völkerbund zugesicherten Schutzes als nationaler Minderheiten in einzelnen Ländern stehen wir abseits von denen, die sich auf Kultur-, Rassen- und Schicksalsgemeinschaft (beispielsweise mit den Deutschen) berufen; Ein Gutes kann Dr. Lieblichs, also von nichtzionistischer Seite kommende Frage an Hitler haben: Sie kann wieder einmal die reichsdeutschen Assimilanten, alle die deutschen Herren und Damen jüdischen Glaubens zu der Ueberlegung hinlenken, daß das Schulter-an-Schulter-Schreiten mit dem deutschen Volk Schiffbruch gelitten und keine Aussicht hat, jemals realisiert zu werden. Dr. Lieblichs Rettungsformel kann keine neue Orientierung des Judentums sein. Was in ihr beachtenswert ist, das ist das Eigenschaftswort national. Aber die Judenfrage, auch die deutsche, wird weder durch Karl Lieblichs Frage, noch durch Adolf Hitlers Antwort gelöst werden. Befor-Olim. Unter Leitung von M. Friedender fuhren in zwei Autos die Mitglieder des Berliner Betar Ester und Klara Birn, Günther Schott, R. Silberberg und K. Bengen nach Erez Jisrael. I Die //Nadit der langen Mes§er" Berlin, 10. August. I Die antijüdischen Pogromakte der Nationalsozialisten nehmen kein Ende. Besonders in den kleinen Städten ist die Lage für die Juden bedrohlich. Es gibt Orte in Ostpreußen und Oberschlesien, wo das Stadtbild vollkommen von uniformierten SA.-Leuten beherrscht wird. Gegen jüdische Kaufleute wird die Beschuldigung erhoben, daß sie die kommunistische Bewegung mit Geld unterstützen. Jüdische Bürger erhalten jeden Tag Drohbriefe. Es herrscht ausgesprochene Pogromstimmung. Die Juden wagen kaum mehr, die Straße zu betreten. Dabei ist durchaus nicht sicher, ob die jüngste Notverordnung, die auf Mord und Terrorakte Todesstrafe und schwerstei Kerkerstrafen setzt, eine Besserung bringen wird. Man muß nach wie vor damit rechnen, daß infolge der Unmöglichkeit, vor dem Winter eine Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse zu erzielen, das Aufeinanderstoßen^ der Gegensätze zwischen den rechts- und linksgerichteten Kreisen die deutschen Juden in Mitleidenschaft ziehen wird. Man begnügt sich schon mit der Hoffnung, daß die judenfeindlichen Ausschreitungen „k einen b e d r o hlichen Umfa n g" annehmen werden. Die letzten Vorfälle allerdings geben dieser Hoffnung keine Nahrung. Der Feldzug gegen die jüdischen Bewohner Deutschlands trägt systematischen Charakter: In der Stadt Plauen im Vogtland wurden in.der Vorwoche nächtlich allCfjüdischen Häuser mit roter Farbe bezeichnet. In Breslau wurde die Bevölkerung mit dem Ruf „Der Jude hat geschossen!" alarmiert. Die Serie der Friedhofsschändungen wird fortgesetzt. In dem einem Juden gehörenden Hotel Baginsky in Rosenberg (Oberschlesien) wurde ein Hand-, granatenanschlag verübt. In Kiel wurde die Synagoge bombardiert. Auf eine unsinnige Denunziation hin wurde in München-Gladbach der jüdische Friedhof nach — versteckten Waffen untersucht. Mbrdanschläge sind an der Tagesordnung. . . f , Die Regierung besitzt umfangreiches Material über Angriffe auf jüdisches Leben'-iiiiid Eigentum im Reich und hat auch alle in ihren KrSfteil "stehenden Maßnahmen' zugesagt. So sieht die deutsche j judenheit zwischen Hoffnung und Verzweiflung den.-weiteren Entscheidungen entgegen. - J: ::■■■> ■■■■ i ■. , TehChajzFonds An unsere Landes- und Ortskomitees! Sehr geehrte Freunde! Am 23. August 1932 jährt sich zum fünfzehnten Male der Tag, an dam die Schaffung der jüdischen Legion amtlich proklamiert wurde. Diesen Jahrestag woLlen wir in diesem Jahre durch würdige Manafestationen feiern. Das KönünentaLbüro. des T e I- Chaj-Fonds hat es nach fangen Erwägungen auf sich genommen, die Feier dieses 15. Jahrestages zu proklamieren und durch Weisungen an seine Landes- und Ortskomitees die Aktionen einzuleiten. Zur Popularisierung der Legionsidee erscheint in den nächsten Tagen eine deutsch geschriebene Broschüre, die dem 15. Jahrestage gewidmet' ist. Dieselbe wird zum Preise von 10 Pf.(20 österr. Gr., Kc 1.—,.; Lire —-.20, Zloty —.20 usw.) verkauft. Schreiben Sie uns sofort, wieviele Exemplare Sie benötigen, daß Sie sie rechtzeitig für die Aktion erhalten! Die Feier ist an jedem Orte womöglich am 23. August einzuordnen. Dort,,. wo es jedoch, die Ortsverhältnisse nicht zulassen, kann auch ein anderer Tag hiefür vom Ortskomitee bestimmt werden. An diesem Tage also wird morgens eine Haussammlumg durchgeführt, deren Ergebnis der Eintragung der Jüdischen Legion in das Eiseroae Buch des Tel-Ohaj-Fonds duroh die Ortsgruppe zufließt. Jede Ortsgruppe sei bestrebt, die Jüdische Legion ins Eiserne Buch einzutragen! Nachmittags desselben Jages kann ein Gartenfest veranstaltet werden (mit Bümett, Tombola usw.), dessen Reinerträgnis derselben Aktion zufließt. Wo die Ortsverhältnißse es gestatten, kann ein Blumentag arrangiert werden, an dem in den Straßen blau-weiße Kunstblumen verkauft werden. Auch das Ergebnis dieser Sammlung fließt der Eintragung der Legion ins Eiserne Buch zu. Die Krönung der Veranstaltungen bildet die Massenversammlung am Abend des 23, August, bei welcher die jüdische Oeffentliohkeit über die Geschichte der Legion informiert und zur Mithilfe bei der Wiedererrichtung derselben aufgerufen werde, indem für die Mitgliedschaft im Tel-Chaj-Fonds an Ort und Stelle geworben wird. Treten Sie sofort an die Vorbereitung des Legionstages heran! Teilen Sie uns sofort mit, was Sie für den 23. August unternommen haben! Achtung! Ab 20. August ist alle Korrespondenz für das Kontinentalbüro zu richten an Herrn Dir. Gh. Belilowsky, für Tel Ghaj, Berlin-Wilmersdorf, Heknstedterstraße 31. LESET UND VERBREITET //DIE NEUE WELT"! Berliner Nachrichten Regelmäßige Zusammenkünfte, Die Revisionisten Berlins treffen einander an jedem Dienstag ab 8 Uhr abends im Caf6 Kornreich, Charlottenburg, Fasanenstraße, direkt neben der Synagoge. Bei schönem Wetter im Garten! Auch die von auswärts in Berlin eintreffenden Gesinnungsgenossen werden auf diese Zusammenkünfte aufmerksam gemacht. Gesellschaftsreise nach Wien. Der Berliner Betar veranstaltet eine Gesellschaftsreise nach Wien, wenn eine genügende Anzahl von Anmeldungen vorliegt. Fahrtkosten etwa Mark 30. Näheres bei der Mifkada des Brith Trumpeldor, Berlin NW 40. Thomasiusstraße 14 (Hans Eger), oder im Revisionistischen Büro (Charlottenburg, Joachimsthalerstraße 3/II). I 15 Jahre Jüdische Legion. Der Berliner Brith Trumpeldor veranstaltet aus Anlaß des 15. Jahrestages der Gründung der Jüdischen Legion eine Nachtfeier. Ort: Jüdischer Sportplatz, Bhf. Grunewald. Tag: Sonnalbend: den 20. August 1932. Zeit: 21 Uhr. Neged. Soeben ist die 6. Nummer des von der Pluga Herzl des Berliner Betar herausgegebenen „Neged" erschienen. Die Nummer ist zur Gänze den Problemen der revisionistischen Weltkonferenz gewidmet. Hervorzuheben sind die Artikel: „Welchen Weg müssen wir gehen?" In diesem wird darauf hingewiesen, daß die erste Aufgabe der Konferenz die Schaffung der revisionistischen Organisation sei. In dem Aufsatz „Klarheit!" wird die restlose Klärung aller aktuellen Probleme gefordert und jedes Kompromiß abgelehnt (Calais, Politik England gegenüber, Verhältnis zur Z. O. usw.). Ein weiterer Aufsatz „1925—1932" behandelt die Frage der selbständigen politischen Betätigung der Union an Hand der Beschlüsse der bisherigen Weltkonferenzen und verlangt endgültige Entscheidung hierüber. Ferner sei auf den Aufsatz von P. Feiwel, dem Naziw des deutschen Betar, verwiesen, der den heutigen Zustand der Union sowohl was die Menschen, als auch was die Methoden betrifft, einer Kritik untergeht und die Rückkehr zum Revisionismus, wie ihn Jabotinsky predigte, fordert. Schließlich enthält „Neged" eine Abhandlung t,Jungrevdsiondsmus" über die Zustände in der Union und verlangt die Re- , Organisierung im Sinne höchster persönlicher Verantwortung jedes einzelnen. Weltkonferenz Wien. Alle Gesinnungsgenossen und Ffeunde, die aus Deutschland nach Wien 1 zur Weltkonferenz zu fahren beabsichtigen, werden hier? mit aufgefordert, sich wegen Fahrtpreisermäßigung, Logis und Verpflegung sofort mit dem Büro der Zip'* nisten-Revisionisten, Berlin-Charlottenburg, Joachimsthalerstraße 3, in Verbindung zu setzen. Direkte Anfragen von Einzelpersonen nach Wien werden nicht berücksichtigt. ' _■! Zur Jüdischen Legion Legionsfeier Anläßlich der fünfzehnten Wiederkehr des i Gründungstages der Jüdischen Legion veranstaltet der! Brith Trumpeldor Berlin eine Nachtfeier auf dem Jüdischen Sportplatz Bahnhof Grunewald. Die Feier findet am Sonnabend, den 20. August, um 21 Uhr statt. Die Mitglieder der Revisionistischen Union und die Freunde des Bethar laden wir hiemit herzlichts ein! Brith Trumpeldor Berlin Vor wenigen Tagen sind unter Leitung von [ Michael Friedländer sechs Betharim nach Erez Israel ( gegangen. Sie werden dort den Grundstock zur ersten Plugath Awodah des Berliner Bethar bilden. Die Assefath ha Dargoth Beth und Gimel findet am Mittwoch, den 17. August, um 20.30 Uhr im Gemeindehaus Rosenstraße 2-4 statt. Betharschachteln nicht vergessen! Am 6. August wurde im Heim der Führ er- < k urs us unter .Leitung von Hans Eger und Z wi , Berest eröffnet. Er soll der Ausbildung des Führer« nachwuchses dienen. „Hamischmar" Die deutschsprachige Zeitung des Biith Trampel- : dor »,H a m i s c h m a r" ißt soeben erschienen. Die : Augustnummer, die dem Gedenken an die Jüdische i Legion gewidmet ist, enthält reichillustriert folgende Beiträge: Die Legion lebt ~ P. Feiwel; Die Bedeutuaig der Legion — VI. Jabotinsky: Wie es zur Legion kam — Col. Patterson; Zwei Legionäre — Ben Alijah und Beruf — Hans Eger:Trumpeldor spricht... Die Staatsmänner von Erez Israel; Vom Brith Trumpeldor Berlin. Die Zeitung ist zum Preise von 20 Pf. von den Betorim zu beziehen sowie durch die Redaktion: Georg Zwi Berest, Berlin-Wilmersdorf, Zähringerstraße 34. Vom deutschen Brith Trumpeldor Der Brith Trumpeldor hat in den letzten drei Monaten einen starken Aufschwung erfahren, Dieser ist nicht zuletzt auf die rührige Tätigkeit des neuen Natziw für. Deutschland, Herrn P. Feiwel, zurückzuführen. Verschiedene Umstände hatten den Zusammenhang der Ortsgruppen mit der Landesleitung (Netziwut) im letzten Jahre gelockert, so daß jede Gruppe gewissermaßen auf sich selbst angewiesen war. Es fehlte die einheitliche Orientierung. Auf diese Art entstand eine erhebliche Differenzierung in Methode und Weg zwischen den einzelnen Ortsbünden. Selbst über Geist. Inhalt und Ziel hatte man nicht allerorts die einheitliche Linde und dieselbe Vorstellung. Seit etwa drei Monaten ist nun in dieser Hinsicht eine bedeutende Besserung festzustellen. Der neue Natziw hat sofort einen engen Kontakt mit den einzelnen Bünden angeknüpft, der regelmäßig in ganz bestimmten Richtungen aufrechterhalten wird. Die Ortsgruppen erhalten von der Netziwut immer neue Anregungen und Ratschläge, die die weitere Arbeit betreffen und die sioh aber auch auf die abgelaufene Arbeit bezieht, wie sie in den Monatsberichten der Bünde zum Ausdruck kommt. Dadurch ist nun die genaue Information des Natziw gewährleistet, aber auch die Bünde haben die Möglich»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.