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Die neue Welt · 1932-08-05 · Heft 255 (5.8.1932) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 255 (5.8.1932)
Date
1932-08-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nfc 33?_ _■_DBS NEUE WELT ■t' TT _ Die Tagung des Aktions*Komiiutee$ in London (Fortsetzung von Seite 1.) fMe revisionistische StelluagRnhme Der Vizepräsident der Revisionistischen Weltnnion, Meer Groß man, führte aus, die von den Mitgliedern der Exekutive gehaltenen Reden seien diesmal in Ton und Inhalt von den üblichen Reden auf A. C.¬ Tagungen verschieden gewesen. Vieles habe wie ein Echo dessen geklungen, was von Mitgliedern seiner Gruppe vor längerer Zeit gefordert worden sei. Acnderung der Atmosphäre und Reden, die von einer neuen politischen Auffassung zeugen, seien jedoch nicht genug. Die Frage sei: Was ist geschehen, um neue Bedingungen für die zionistische Arbeit zu schaffen? Großman bedauerte es, daß die Exekutive keine neue politische Initiative ergriffen habe und auf keine greifbaren Erfolge hinweisen könne. Sie habe bloß eine defensive Linie eingehalten. Er machte der Exekutive den Vorwurf, daß ihre Haltung in der Frage der Wadi Hnwnrith-Böden nicht kompromififrei gewesen sei. Dadurch habe die Exekutive eine große Chance, auf jüdischen Rechten zu bestehen, versäumt. Großman verteidigte sodann den revisionistischen Plan einer Petition an den Völkerbund. Er erklärte, seine Gruppe glaube nicht, daß die gegenwärtige Exekutive eine neue zionistische Politik einführen werde, denn sie habe diesbezüglich keine bestimmten Pläne und kein Vorstellnngsbild. Die Revisionisten könnten unter keinen Umständen die gegenwärtige Exekutive gutheißen und müßten in ihrer oppostionellen Haltung zu ihr verharren. Zur Besprechung des F r e n c h - B er i c h t e s übergehend, erklärte Großman, die englische Regierung hätte Herrn Frencli aus Palästina ausweisen müssen, denn seine Vorschläge seien nicht nur gegen die Juden, sondern vor allem auch gegen England selbst, gerichtet gewesen. Diese Vorschlüge würden es England unmöglich machen, seine Aufgabe als Mandatarmacht in Palästina zu erfüllen, denn sie würden die Verwirklichung der dem jüdischen Volk gegenüber übernommenen feierlichen Verpflichtungen verhindern. Meer Großman mißbilligte auch die Absicht, in Trans Jordanien Boden von den Scheichs zu kaufen and erklärte, der Bodenkauf in Transjordanicn sei eine Sache von Verhandlungen nicht mit den Scheichs, sondern mit der englischen Regierung in London und mit Genf. Zu den Ausführungen Dr. Arlosoroffs über den neuen High Commissioner erklärte Großman, es dürfe nicht vergessen werden, daß Sir Artur Wauchope bloß der Leiter einer zeitweiligen Exekutivgewalt sei, während die englische Regierung bleiben werde. Erzieherische Arbeit müsse daher bei der englischen Regierung geleistet werden. Diese Arbeit sei weitgehend vernachlässigt worden; immerhin sei anzuerkennen, daß Dr. Brodetzky Erfolge erzielen konnte. Rabbi Berlin und Ussischkin Der Misrachi-Führer Rabbi Meir Berlin erklärte, man könne mit Befriedigung einen bedeutenden jüdischen Fortschritt in Palästina feststellen. Zwischen jüdischer Entwicklung in Palästina und politischer Arbeit aber müsse ein Unterschied gemacht werden. Die Verbesserung der Beziehungen zur Regierung sei zu begrüßen; vieles weise jedoch darauf hin, daß in allen wesentlichen Dingen eine Aenderung nicht zu verzeichnen ist. Rabbi Berlin sprach sich gegen die Vertretung der Exekutive durch eines ihrer Mitglieder in der zur Untersuchung der Wadi Hawarith-Frage eingesetzten Regierungskommission aus und forderte eine Politik der Festigkeit seitens der Exekutive. Der Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Kurt Blumenfeld, identifizierte sich mit der von der Exekutive befolgten Politik, die sich im wesentlichen an die von der früheren Exekutive befolgte Linie halte. Der Präsident des Jüdischen Nationalfonds, M. M. Ussischkin, trat für eine stärkere Konzentration auf Erwerb von Boden, der seiner Auffassung nach die Grundlage aller künftigen Arbeit sei, ein. Ussischkin befaßte sich sodann mit der Frage der Wadi Hawarith-Bö.den und legte dar, daß es sich bei der Verpachtung dieser Ländereien nicht um eine prinzipielle, Pension ,Austria' Kinderheim Vöslau (OLOA KADISCM) J&O«rinay«rstr«0« 1» - T«l«ptton Mr. 141 Für Dauer' und Erholungsaufenthalt J«d«r Unterricht im Hause, auch Nachhilfe für öffentl. )3chulen besuchende Kinder, Pädagogisch einwandfreie V^^.^^.mrÖ^m^ BTsjklaarige I •'^ÄWBP^toB^ M^RWHWSRv mHrafpPk ItWRWJGI J*FlMiV> ' sondern Wo« um eine taktische Frage gehandelt habe. Der Standpunkt der Linken Der palästinensische Arbeiterführer Ben Gurion erklärte, auch er sei der Meinung, daß die Exekutive keinen neuen politischen Weg eingeschlagen habe. Er beklage dies jedoch nicht, denn er glaube nicht, daß irgend eine andere Politik als die in den Reden der Exekutive-Mitglieder dargelegte in Betracht komme. Was die agrarischen Reformen in Palästinn betreffe, so sei die beste allen Einwohnern des Landes zugute kommende Reform die Ermutigung der jüdischen Kolonisation: intensive jüdische Kolonisationsarbeit werde das Wiederaufleben des Landes, die Ameliorierung des Bodens und damit großen Nutzen für alle bringen. In Palästinn sei noch für Millionen von Juden Platz. Man müsse aber die Kräfte konsolidieren, die Jugend mobil machen und die tägliche Kleinarbeit fortsetzen. Die Zionistische Organisation müsse gekräftigt werden. Es sei wertlos, von energischen politischen Aktionen zu sprechen, wenn gleichzeitig versucht wird, die Organisation zu zerstören. Zum Schluß polemisierte er in der schon bis zum Ueberdruß bekannten Art gegen die politische und taktische Haltung der Revisionisten. Die Tagung des A. C. ging Donnerstag, den 4. August zu Ende. Seite T "i ECKHAUS fn der Leopottfstadt, älteres Objekt, mit kleinen Wohnungen und guten Geschäftslokalen, um die 41/, fäche Miete, d. i. 90.000 S, direkt vom Eigentümer ZU VERKAUFEN» Ertrag 6000 S. Angebote nur von Selbstreflektanten unter „Barzahlung" an Bock & Herzfeld, Wien I, Adlergasse 6. Revisionistischer Shidentenklub, Ungarn Der Revisionistische Studentenklub, Wien* bevollmächtigt cahd. med. Geza S c h u l z e r (Budapest, II., Margit-körut 50), in Ungarn die Aktion der „10.000 Unterschriften jüdischer Studenten" zu leiten, die Organisierung von revisionistischen Studentenklubs in Ungarn durchzuführen usw. Revisionistische Hochschüler Ungarns werden ersucht, sich mit Herrn Schulzer in Verbindung zu setzen. Das holländische Marranen-Komitce zugunsten der Marranen-Gemeinden in Portugal. Amsterdam, 29. Juli (J. T. A.). Das holländische Marranen-Komitee hat eine Aktion zur Versorgung der Marranen- Gemeinden in Portugal mit jüdischen Ritualgegenständen eingeleitet. Das Komitee veröffentlicht einen an die holländische Judenheit gerichteten Aufruf, für diese Gemeinden Gebetbücher, Gebetriemen und Gelbetmäntel zur Verfügung zu stellen. LESET UND VERBREITET „DIE NEUE WELT"!!i§dhon le Zion 1882-1932 — Ein Jubiläum Anfang der Bewegung — Hilu — Edinond de Rothschild — Von den MfeinbawPiöniewen Zum 50jährigen Jubiläum Von M. Meerowitsch (Rischon le Zion). Berlin, Frankfurt, wandte sich an die jüdischen Gemeinden, aber ohne Erfolg. Die „Bilu"-Bewegung wurde nicht gewürdigt, sondern als Hirngespinst angesehen. In Paris fand Feinberg durch die Intervention des Großr rabbiners Zaddok Kahn Eingang bei Baron Edmond de Rothschild, der den Ausführungen des fanatischen Feinberg Gehör schenkte und dem Direktor der Mikweh- Israel zu sofortiger Verwendung 25.000 Francs telegraphisch überwies. Hiemit war das Schicksal von Rischon le Zion in gute Hände gelegt. Baron Rothschild sandte einen Fachmann nach Palästina, um den Boden der Kolonie prüfen zu lassen. Dieser Experte erklärte, daß sich der Boden hauptsächlich für den Weinbau eigne. Der Baron griff dieses Gutachten auf: Weinbauzucht höchster Qualität in Rischon le Zion. Aus Europa kamen nun die Dampf pflüge, die den ganzen Sommer über den Böden bearbeiteten. Inzwischen trafen aus Europa weitere Familien ein, die mit eigenen Mitteln nach Anweisung des vom Baron bestellten Agronomen Boden kauften und ihn bebauten. Im Jahre 1885 hatte der Baron bereits eine Fläche von 35ÖÖ Dunam zum Preis von 7 Francs per Dunam erworben und an 2 7 neue Familien weitergegeben. Der größte Teil des Bodens ward mit den besten Sorten französischer und spanischer Rebenstöcke bepflanzt. Weitere Pflanzen kamen hinzu, Rischon le Zion entwickelten sich. Im Jahre 1889 wurden durch europäische Ingeneure erstklassige Kellereien gebaut: Die Zentralkellerei für starke und Likörweine, eine Brennerei für Wein-Spiritus, ein chemisches Laboratorium, eine F aß ab t eilung. Der Totalgehalt der Weinfässer beträgt 70.000 Hektoliter. Die ersten Jahre befand, sich die Kellereiverwaltung in den Händen der Rothschildschen Administration, später ging sie an die Kolonisten selbst über, die als eine Art Winzerkooperative den' Namen „Societ6 Coop6rative Vignerons des Grandes Caves Richon le Zion et Zicron Jacob" trägt. Die Zentralverwaltung befindet sich in Rischon le Zion, von wo die edelsten Weine in die ganze Welt gesendet werden. Inzwischen haben Fläche und Einwohnerschaft an Größe gewonnen. Neben dem Weinbau wurde auch die Mandelkultur eingeführt und in den letzen Jahren — die Orangenzucht — diese letzte hauptsächlich wegen des hiezu geeigneten Bodens, des Reichtums an Wasser und der Nähe von Jaffa. Heute, nach 50 Jahren, (15. Ab) bietet sich uns folgendes Bild: Eine bebaute Fläche von 16.300 Dunam,, und zwar 4200 Dunam Weingärten, 5200 Dunam Orangen, 2000 Dunam Mandeln, 225 Dunam Eukalyptus, 1000 Dunam Oliven — dazu 2500 Menschen, 350 Gebäude, 52 Brunnen. An Gemeindeanstalten gibt es in Rischon le Zion ein Bcth-Am (Volkshaus), eine Volksschule mit 380 Schülern, einen Kindergarten, eine Mittelschule, einen Palmengarten — alles in voller Pflege und mit ernster Sachlichkeit betreut. Die Gründer von Rischon le Zion sehen in diesem wundervollen Werk mit Genugtuung die Frücht« ihres Fleißes, ihrer Aufopferung, Hurer Leiden, Vom ältesten palästinensischen Weinbau- Züchter erhält die „Neue Welt" den untenstehenden Beitrag zum Jubiläum der ältesten Weinbaukolonie Rischon le Zion. Sommer 1882! 50 Jahre sind vorübergegangen und immer hoch stehen vor meinen Augen die schrecklichen Bilder der Pogrome, die fast über das ganze Rußland rasten. Tausende Unglückliche beraubt, geschändet, getötet! Und ein Schrei ertönte überallhin, wo Juden wohnten: Rettet! Aber wie und wohin? Es kam keine Antwort. In diesen schauerlichen Tagen drangen verschiedene Bestrebungen an die Oberfläche. Die einen, die assimilatorischen, basierten, darauf, daß man es hier bloß mit einer vorübergehenden Erscheinung zu tun habe. Die anderen aber sahen eine weitere Verschlimmerung voraus und verlangten eine Radikalkur. .... Das große Wort hieß: Auswanderung! Es galt auf der einen Seite dem freien Amerika, wo ein menschenwürdiges Dasein möglich war, und tatsächlich setzte noch im Sommer 1882 eine intensive Auswanderung ein. Die ersten Auswanderungsvereine, die damals gegründet wurden, hießen A m - O 1 a m. Daneben aber ertönte der Ruf: „Nach Palästina!", der Ruf nach Zion. Der Parole Am-Olam stand die Gruppe „Bilu" entgegen. Es waren nur einige Dutzend Menschen, Studenten, Angehörige freier Berufe, die ihrem Willen die Tat folgen ließen, die als erste den Weg der Pioniere gingen. Am 19. Tamus 1882 betrat die erste Gruppe der „Bilu" palästinensischen Bode n. Unter dem Eindrucke dieser Tat folgten mehrere hundert Familien der Mittelklasse, die in Jaffa landeten. Während die „Bilu"-Gruppe in Mikweh-Israel noch große Schwierigkeiten zu überwinden hatte, wurde in Jaffa durch Privatinitiative eine kleine, aus zehn Familien bestehende, Siedlung gegründet — die erste jüdische Ackerbaukolonie, die den nachkommenden Einwanderern als Muster dienen sollte. In kurzer Zeit; auch dank der Hilfe des englischen Konsuls Amzalak, wurde südlich von Jaffa eine Fläche von 3340 Dunam gekauft und von den zehn Gründern besetzt. Einstimmig wurde für diese Kolonie der Name R i s c h o n 1 e Zion (die erste in Zion) angenommen. Hier, auf dem Boden, den 2000 Jahre lang kein jüdischer Fuß betreten hat, wurde der erste Stein zum Bau der alt-neuen Heimat gelegt. Die Parole der Gründer von Rischon le Zion hieß: Zur Arbeit! Aber ohne Kenntnis des Landes, der Bodenverhältnisse, des Klimas war dies nicht möglich. Der auf dem Sandboden gepflanzte Weizen gab keinen Ertrag,* die Brunnen gaben kein Wasser, die Sümpfe brachten Krankheiten, ärztliche Hilfe war nicht vorhanden — die Lage wurde immer kritiieher, aber die Pioniere/ yerUeßen ihren Plate nicht, > Man beschloß, um das wichtigste Problem, das Wässer-Problem, zu lösen, einen der Gründer, den Chemiker Josef Feinberg, nach Europa um Hflfe 2U schicken. Dieser übernahm die Mission, besuchte Wien, Wege» Raummaugels erscheint der Schluß der Artikelreihe „Was ist Zionismus-Revisionis- «NBrt" Mi d*r aächstea Nummer unseres Blattes,

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