Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 255 (5.8.1932)
- Date
- 1932-08-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. m Aus Deutschland de» »Neuen Weif« ffi* Dentechlaad Filtalredaktiott und Administration* Berlfa, CbarloHenburg % MoaAim§iaUwsfwaRe 3/1» UNION DER ZIPHtmN-RIViSiPNISTEH Ortsgruppe. BERLIN Montag, den 8. August, spricht pünktlich um 8 Uhr abds, im Gemeindehaus, Rosensfraüe 2—4, Berlin C 2, Herr REDAKTEUR J. KLINOFF über „E3NDRÜCKE AUS EREZ JISRAEL 1932*« Anschließend daran findet ftlr die Berliner Dinarzahler die in demselben Saale statt. In dieser werden die Berliner Delegierten zur V. revision. Weltkonferenz gewählt. Dinar mitbringen! Ersdiefnen Pfllditl Ödste willkommen 1 Eintritt freil mmmmmmammmmammmmmmmmmmmmmmmmmmmm Die jüdische Situation nach den Reichstags* Wie immer man den Auagang der deutschen Reichstagswahlen beurteilen mag, ob man, gleich den trostbedürftigen linken Parteien, der Ansicht ist, daß die Hitler-Bewegung zum „Stillstand" gekommen sei, oder ob man das Resultat der Wahlen als Sieg des Hakenkreuzes bezeichnen will — über eine Tatsache kann das Judentum nicht hinwegsehen: über die Tatsache, daß 38, beziehungsweise 44 Prozent der Deutschen ihre Stimme zugunsten der mehr oder weniger aggressiven, des lauten oder lautesten Antisemitismus abgegeben haben. Eine Klärung hat der Wahlprozeß nicht gebracht. Für die deutschen Juden bedeutet der 31. Juli 1932 keinen neuen Wendepunkt in ihrem, Schicksal. Für sie bedeutet er keine Verbesserung ihrer bisherigen unsicheren Lage; ihres Schwebens zwischen Rechtsgleichheit und Rechtsgefährdung; ihrer Bindungen zur Gemeinschaft des großen deutschen Volkes. Selbst der flüchtigste Leser und der flüchtigste Beobachter der Tagesereignisse konnten in der Periode des Wahlkampfes eine wüste Judenhetze nicht übersehen. Man erinnert sich noch, daß in den dramatischen Stunden des Konflikts mit der Preußen-Regierung der Ton der Rechtspresse nichts vom Aeußersten übrig ließ, die tägliche, zur Gewohnheit gewordene Beunruhigung bis zur Panik steigernd. Hatte man doch schon vorher den Vorgeschmack einer Hitler-Gesetzgebung in den angenommenen, Ostjuden-Anträgen des preußischen Landtags bekommen und sich auf ähnliche Attakken gegen Besitz und Ehre gefaßt machen können. Kann das gegenwärtige Kräfteverhältnis, wie die Wahlen es gezeigt haben, an der jüdischen Situation etwas ändern? Deütschland geht schweren Zeiten entgegen. Die Dinge liegen an des Messers Schneide. Ueber Nacht kann die Legalität im Staatswesen dem Durchbruch scheinbar noch gezähmter politischer Leidenschaften zum Opfer gebracht werden. Jedenfalls wird die deutsche Judenheit ihre Einstellung in einer Richtung revidieren müssen, die der tatsächlichen Situation im Verhältnis zum deutschen Staatsvolk entspricht. | Berliner Nadirsditen Regelmäßige Zusammenkünfte: Die Revisionisten | Berlins treffen sich an jedem Dienstag ab 8 Uhr abends im Kaffee Kornreich, Berlin-Charlottenburg;; Fasanenstrafie, direkt neben der Synagoge. Bei schönem; Wetter im Garten! Auch die von auswärts in Berlin eini treffenden Gesinnungsgenossen werden auf diese Zu-! sammenkünfte aufmerksam gemacht. j Wahlen zur Weltkonferenz; Die Wahlen von Delegierten zur V, Weltkonferenz der Zionisten- Revisionisten finden am Montag, den 8. August 1932 im Gemeindehaus, Rosenstraße 2—4, Berlin, C. 2. im Anschluß an den Vortrag Klinoffs statt. Beginn pünktlich 20 Uhr. Das aktive und passive Wahlrecht haben bloß die Inhaber von Dinarquittungen für das Jahr 9692. Die Quittung ist zur Wahl mitzubringen. Berlin entsendet nach dem endgültigen Ergebnis des Dinarverkaufcs zwei Delegierte nach Wien. Erscheinen der Dinarzahler zur Wahlversammlung ist Pflicht! Vortrag Redakteur Klinoff: Montag, den 8. August 1932, spricht Redakteur J. Klinoff im Rahmen einer Ortsgruppenversammlung der Zionisten- Revisionisten über das Thema: „Eindrücke aus Erez Jisrael 193 2". Redakteur Klinoff ist vor kurzem aus Palästina zurückgekehrt und wird sich in seinem Vortrage mit der Stellung der Revisionisten und des Brit Trumpeldor im Lande befassen. Der Vortrag beginnt pünktlich um 8 Uhr abends.' Anschließend an denselben findet die Wahlversammlung statt. Eintritt frei! Gäste herzlich willkommen!! Fahrt zur Weltkonferenz nach Wien: Anfragen wegen einer Gesellschaftsreise zur Weltkonferenz nach Wien sind sofort an das Revisionistische Büro zu richten.; Auch Anmeldungen für billige Logis, Verpflegung usw. sind dahin zu richten. Wir machen darauf auf- Jii e r k e a au, daß alle die WeHkonf erenz betreffenden Anfragen nicht nach Wien, sondern an das Revisionistische Büro in Berlin zn richten sind. Adresse Berlin- Ghadotteniburg'2, Joachimsthalerstraße 3/II. Sitzung des Revisionistischen Landesvorstandes: Mittwoch, den 3. August, fand im Sekretariat der Union eine Sitzung des Landes Vorstandes statt, die hauptsächlich den Fragen der bevorstehenden revisionistischen Wcltkonferenz gewidmet war. Insbesondere wurde über die Richtung gesprochen, welche die deutsche Delegation in Wien zu vertreten haben wird. Zum Schlüsse wurde mit großer Zufriedenheit zur Kenntnis genommen, daß der Dinarkauf in ganz Deutschland sehr schöne Erfolge erzielte und daß die deutsche Delegation auf der Weltkonfereniz auch numerisch stark erscheiinen wrd. Bürostunden des Revisionistischen Sekretariats: Während der Sommermonate amtiert das Revisionistische Büro täglich außer Sonnabend und Sonntag von 17 bis 20 Uhr. Besuchstnnden von 19 bis 20 Uhr. Die Forderung der Stunde ■ Von Dr, Kurt F. F r i e d 1 ä n d e r (Berlin) Der Zionismus hat jetzt in diesem Augenblicke eine große Chance, in diesem Augenblicke, wo Hunderttausende von Juden mit gepackten Koffern bereitstehen, ihr ungastliches Gastland zu verlassen, wo hunderttausende Juden fast in der ganzen Welt täglich und stündlich schlimmsten Demütigungen und Beschimpfungen ausgesetzt sind, wo nur zu oft selbst ihr Leben bedroht ist, wo arm und reich, Angehörige aller Berufsschiohten den Boden ihrer Existenz unter ihren Füßen schwinden sehen. Nicht in Deutschland oder Oesterreich allein, wo die Lage bis zur Siedehitze gespannt ist. Das gleiche gilt für den . Osten Europas, das gleiche Bilid haben wir in dem „freien" Amerika. Gewiß, wir haben eine Weltwirtschaftskrise, auch Angehörige anderer Nationen leiden unter dieser Wirtschaftsdepression. Aber unverkennbar werden die Juden aus hier nicht zu erörternden Gründen stärker von der Zeitennot betroffen als andere Völker. Dazu kommt noch die moralische Not. Die Tatsachen sind nur zu bekannt, um hier noch einmal breitgetreten zu werden. Hunderttausende Juden stehen also marschbereit! Ihre Sehnsucht, ihr Ziel ist Palästina, wo sie ein neues, freias Leben zu beginnen hoffen. Jetzt, in diesem Augenblick, hoffen sie, ihr Zionsideal, für das sie jahrzehntelang gearbeitet und gekämpft haben, verwirklichen zu können. Jetzt hoffen-sie, daß die zionistische Bewegung1 alles tun wird, um zu helfen, zu stützen, zu fördern. Und was tut der offizielle Zionismus, was tut England, dem man Palästina anvertraut hat, um es den Juden als Nationalheim zu geben? Man wirft uns ein Almosen von 2000 Zertifikaten hin, 2000, wo hunderttausend Menschen an die Tore des Landes pochen! Man sabotiert die M it t e 1 s t a n d sko Ionisation, man will jtidisohen Akademikern die Immigration erschweren. Geld, viel Geld schimme.lt in den Tresors jüdischer Banken, Riesenflächen von Nationalfondsboden liegen brach und werden von nomadisierenden Arabern mit Beschlag belegt. Die englische Regierung setzt für die freie Immigration die 1000-Ffund-Grenzen fest, eine Summe, diie bei der Verarmung des jüdischen Volkes nur in den wenigsten Fällen aufgebracht werden kann. Die jüdische Polizeitruppe wird immer mehr und mehr lahmgelegt. So sieht die Situation aus in einem Augenblick, der vielleicht als der gefährlichste seit Bestehen des Galuth bezeichnet werden muß. Wir haben eine, zionistische Bewegung, die gewaltige Ausmaße zeigt, die von der Begeisterung starker Massen getragen wird, wir haben ein Land, das alle, die willens sind, in ihre Heimat zurückzukehren, aufnehmen kann. Wir sind marschbereit, wir warten auf das Signal zum Aufbruch. Und dieses Signal tes wird nicht gegeben, weil unsere Führer Angst vor der großen Zahl haben, weil unsere Führer auf diplomatischen Wegen erst langsam und bedächtig vermeintliche Hindernisse wegräumen zu müssen glauben, weil unsere Führung eine zionistenfeindliohe englische Verwaltung in Palästina aufkommen ließ, die gar kein Interesse an einer jüdischen Massensiedlung hat. Aber wir haben ein Interesse an einer Massen- Die Neue Welt während der Weltkonferenz der Zionisten-Revisionisten in Wien vom 28. August bis 1. September Uro unsere Leser und die weiteste Oeffen,t* Henkelt über alle Vorgänge auf der 5. Weltköriferenz der Zionisten-|?e,visionisten genauest und raschest zu informieren, wird die „Neue Welt" während der Konferenzdauer mehrere Spezialnummern erscheinen lassen, Abonnenten erhalten diese Ausgaben im Rah" men ihres Abonnements gratis. Vorausbestellungen auf diese SpeOalnummern werden bei der Administration entgegengenommen. Einzelexemplare zum Preis von 20 Groschen werden an allen Verkanfsständen und bei den Kolporteuren erhältlich sein. Administration der „Neuen Welt4* Wien, IL, Untere Augartenatr. 38. einwanderung, wir wollen keine lächerliche Zahl von Zertifikaten, wir können uns nie und nimmer damit einverstanden erklären, daß 4000 bis 5000 Menschen pro Jahr einwandern, wir brauchen eine 10- bis 20mal so große Immigration. Raum ist in Hülle und Fülle da, die industrielle Entwicklung des Landes steckt in den ersten Anfängen, Garten- und Ackerbau ist in weitestem Maße ausdehnungsfähig. Auch Juden, die mit kleinem Kapital ins Land kommen, schaffen Arbeit und Bedürfnisse für andere Mittellose. Mit Statistiken und kühlen Berechnungen kann man Städte bauen oder eine Hühnerfarm anlegen. Mit Statistiken kann man keine Immigration regulieren, mit Statistiken kann man keine glutvolle und blutvolle Idee in mathematische Formeln zwängen. Eine Idee ist keine Sache des Verstandes, eine Idee wird getragen von einem Gefühl und von einem Willen. Wir müssen in diesem gefährlichen Augenblick völlig freie Einwanderung ohe jede Beschränkung der Berufsausübung fordern, wir# fordern sofortige Betsiedllung unseres brachliegenden Bodens, wir fordern Abberufung aller judenfeindlichen Beamten aus Palästina, wir fordern von England weitgehendste Unterstützung unserer Immigration, wir fordern Transjordanien als Siedlungsknd, Transjordanien, das unzertrennlich und unteilbar mit Palästina verbunden ist. Wir wollen keine Feindschaft mit den Arabern, wir wollen friedlich und freundschaftlich mit ihnen leben, aber wir lehnen langwierige Unterhandlungen mit ihnen ab, sie Werden aus dem Gedeihen und Blühen des Landes den gleichen Nutzen ziehen wie wir Juden. Wir werden vereint Palästina zum Nabel der Welt machen. Wir fordern dies allles, weil wir es fordern müssen. Die Stunde drängt! Unsere Jugend will nicht länger Amboß sein, wir wollen nicht länger auf uns herumtreten lassen, wir ducken uns nicht mehr. Wir wollen ein freies Volk auf freier Scholle sein. Dies ist heute die große Chance der zionistischen Bewegung. Wehe uns, wenn unsere Führer das Gebot der Stunde nicht erkennen, wenn sie die Zeichen der Zeit nicht verstehen, wenn sie ihre Kraft in falsche Bahnen lenken. Falsch scheint mir jetzt der Weg zu sein, Palastina mit Spenden und Almosen aufzubauen. Gewiß, die Spenden waren notwendig, es wurde wertvolle Vorarbeit geleistet, es wurden die Grundlagen des Aufbaues geschaffen. Aber auf die Dauer kommen wir mit diesem System nicht zum Ziel. Es muß mit einem System gebrochen werden, mit dem wir kleinere Kolonien gründen können, mit dem wir ein paar tausend Menschen ins Land bringen können, mit dem wir aber nie die Massenimmigration, wie wir sie fordern, erzielen werden. Wir brauchen diese Massenimmigration heute und morgen, wir wollen heute für uns und unsere Kinder unsere Heimat aufbauen. Wir sind R e a I zi o n i'S t e n. Wir lehnen es ab, Politik auf lange Sicht zu treiben, wir lehnen es ab, ftir ein Jahrhundert vorauszudenken und vorauszusorgen. Unsere Not und unsere Sorge verlangt Abhilfe, sofortige Abhilfe! Diese von uns geverlangt Abhilfe, sofortige Abhilfe! Diese von uns geforderte Massenwanderung kann nicht mit Spenden inszeniert' werden. Diese Massenwanderung verlangt großzügige Finanztransaktionen und Anleihen/ Mit großen ins Land strömenden Kapitalien werden Existenzbedingungen für Hunderttausende geschaffen, dem Privat kapital muß ebenfalls: freiester Spielraum gelassen werden. Wir lehnen kommunistisch-bolschewistische Experimente ab, genossenschaftliche Gründungen, soweit sie ihre Existenzberechtigung erwiesen haben, mögen gelten. Kooperative Formationen mögen sich in dem einen oder anderen Falle als nützlich erweisen. Im Prinzip jedoch soll das Individuum herrschen. Freie Bahn der Privatinitiative! Nur in groben Strichen habe ich versucht, den Ernst und die Größe der Stunde zu skizzieren. Unseren Führern soll es noch einmal zum Bewußtsein kommen, daß eine tropfenweise Infiltration unseren heutigen Bedürfnissen nicht entspricht. Gewaltig muß der Strom sein, der sioh in unser Land ergießt. Wir Juden ziehen wieder einmal aus Mizraim aus, wir alle wollen das gelobte Land sehen, e Alle Well sieht vor einem Räftsel . . . und kann nicht begreifen, wie die Preise möglich1 sind, die jetzt das „Warenhaus der Sparsamen", 2. Bez., Taborstraße 48, während seiner wegen des Riesenerfolges verlängerten „Sensations-Woche" bietet. Und doch' sind alle angekündigten Preise streng reell und werden genauest eingehalten. Viele, viele Tausende haben in der Vorwoche in den Schaufenstern und Verkaufsräumen bei Schiff mann nach Bedarf ihre Wahl getröffen und waren mit der Qualität der gekauften Waren besonders zufrieden. Auch Sie werden durch diese Preise zum Kauf gezwungen, zum Beispiel: 1 Doppelstück Kern¬ oder Toilette-Seife um 20 Groschen, Etamin imprime* (Reste bis 4 Meter) 50 Groschen, Rumba-Filzkappe oder Strohhut für Damen 98 Groschen, Wirtschafts-Schürzen 98 Groschen, Herren-Polo-Hemden, alle Indanthrees Farben, S 1.98, Panama-Sportkleider, Herrenfasson mit Lackgürtel (statt S 6.90) S 3.90, Herren-Rucksäcke, aus gutem, starkem Leinen, mit Lederrieraen und 2 Taschen (statt S 9.80) S 4.90, Leinen-Imprim6-Kleider, Sportfasson mit Lackgürtel, alle Pastellfarben (früher S 9,80), jetzt S 4.90, Waschseiden-Streifkleider, mit Schalkragen (früher S 12.50) S 5.50, Bemberg-Sedden-Tupfkleider, mit moder-. nen BoleroTAermeln (statt S 19.—) S 7,90, Herren-Halbschuhe, braun, alle Größen (früher S 11.90) S 7.90, „Ossy", das elegante Seiden-Mongol-Kleid, mit Tupfweete (früher. S 22.--) S 9.80, und viele, viele andere Sensationen. Mengenabgalbe vorbehalten, an Händler kein Verkauf. Fahrtvergütung. Jeder Kunde ein jjrfriaejiüngsgetränk gratis. War bitten, möglichst am Vormittag zu kommen, Schiffmann, »Warenhaus der Sparsamen", 2. Bez., Tabor* straße 48.