Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 255 (5.8.1932)
- Date
- 1932-08-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Dffi NEUE 1VELT k*m die f egenwMrtige Lage der J e w i a h A g e n c y ungesu^nd Vist und in Widerspruch steht zu; den fc^i, ihrer Gründung. ^angestrebten Zielen, Bei de^Grttndftn^f döf erweiterten Jewish Agency hatte man beabsichtigt, aus ihr ein M-edium zfur Organisierung der Nation für/Sden Aufbau Palästinas zu machen. In ihrer auf dieses Ziel gerichteten Entwicklung war die Agency gehemmt. Ei ist nach Ansiebt der Jüdischen Arbeiterpartei Pflicht der gegenwärtigen Tagung des Aktions-Komitees, all« notwendigen Schritte au unternehmen, Mm die Organfeatioh der Jewish Agency auf eine breite, v 0 1 k a* t ü m 1 f c h e ■ Baste zu stellen. Die jüdischen Afibeit&rdeleglerten auf der Aktions-Kofoitee-Sitzüng haben den besonderen Auftrag, darauf zu achten, daß ih dieser: Beziehung etwas unternommen werde. Ferner haben, die Delegiertenden Auftrag, vom Aktions-Komitee einen Bericht Uber die Ausgaben und die Tätigkeit des Palästinas-Nötfonds zu verlangen und zu fordern, daß die Verwaltung des Notfonds der erweiterten Agency Übertragen werde. Jüdische Interessen Wien, Anfang August. Jüdische Frontsoldaten in Oesterreich Die jüdischen Frontsoldaten - Oesterreichs gaben am 28. Juli in einer Versammlung ihren Willen kund, sich zu organisieren. Darüber liegt ein Kommunique vor. Die Veranstalter, bemühen •Sieb darin (genauer Text im Innern des Blattes) darzulegen, daß sie auf Grund der gegenwärtigeh politischen Situation in Oesterreich gezwungen sind, gegen die wüste antisemitische Hetze, aufziitreten. Sie fühlen sich dazu legitimiert als gewesene aktive Soldaten und Mitkämpfer für Oesterreichs Sache im Weltkrieg, damit also dokumentierend, daß die jüdische Bevölkerung, also die * Väter, Söhne, Mütter, Brüder und Schwestern der jüdischen Frontsoldaten* - Recht auf Schutz •haibe -fseiteins der staatlichen Exekutive. '".[ Der1 Gedanke einer jüdischen FröntkampifeB' v ÖrgäriisätiÖn ist; gewiß" in höchsten! : Maß aktuell und'*'i& Begriff, feste Formen anztinehmenv; Dajf, was das Kommunique besagt, und d£r Verlauf , der : Grilndungsversämml^ dafür zu sprechen,. daß" der A,ufgäbenkreis dieses „B und e s, j-ü *l i- 8 e h e r Fr o n t e o 1 d a 16 n" im "großen .und ganzen richtig gezeichnet ist und daß" künftighin in manchem Detail einiges einbezögen wird, das der * teitüng"' heilte hoch : verschwomment bezw. MMfchit '''WtAjjiieilt ■Vörsch'weiben magv ■ * ~ w *« »:• »«; '■> \ In Deutschland ' haben sich die -' jüdischejjii Frontkämpfer bekanntlich-' sebbu zü deinem vi,,Röich^- ' bünd jüdischer Frontsoldaten" (Organ des Bundes ''' "„Der 'Schild*1) vereinigt; Die Tätigkeit -dieses Bundes war anfänglich ersprießlich, indem 0t :'föetritlil Mitgliedernjüdisches» Wissen :- vermittelt, durch 'kursorische •: •Vorträge-, sie mit allen.. ,£rqbleinerf des jüdischen Volkstums bekannt •machte tmd ih diesem Zusammenhang ihr jüdisches •.••ißewußtseiu; ih* jüdisches SoHdarit-ätsg-efühJ wachrief und ■■stärkte; Es war selibstverständlichr daß ■der;,Reichsbund jüdischer Frontsoldaten' zur^^elle war, wenn es galt, Ueberfälle .gegen jüdische -Menschen und jüdisches Gut abzuwehren; wie .beispielsweise seinerzeit beim ersten Ueberfa]i .auf das jüdische Scheunenviertel im Norden Berlins. Im Laufe der Jahre aber drang in den bis , (dahin überparteiischen, rein jüdischen, unpolitischen ' Reichstbund ein Geist der Assimilation, .ein: der Bund wurde allmählich eine Art Filiale des „Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen ,»>*&Jaube.ne" also, mit jener Mentalität behaftet*, die sich in , deutschem Ueberpatriotismus mit der berühmten — Abwehr des Antiserai tti.s m u s kundgibt. So wurde aus einem positiv jüdischen Elementeine unfruchtbare und darum> wie es die Tätigkeit der weiteren Jahre zeigte, überflüssige, mitunter sogar schädliche Organisation. Auch der „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs' kann vor solcher Gefahr stehen. So stimmt im Kommunique der Satz bedenklich: *,Der Bund, in dessen Reihen ausschließlich ehetaalige Frontkämpfer stehen, die auch mit hohen K*iegsdekorationen und Tapferkeitsmedaillen aller-Grade ausgezeichnet sind, hat vor allem (!) die* Aufgabe, gegenüber den bewußt falschen Ausstreuungen äu-s dem gegnerischen Lager darzutun, daß« die Juden ihre Pflicht für' das Vaterland ingleichem Mäße wie die nicht jüdische Bevölkerung erfüllt haben, im Kriege wie im Frieden." .. Herrliches Erholungsheim Hotelpension Schloß Herrenhol, Eichgraben an der Westbahn, Telephon Nr,! 4. , Erstklassige Klictie, auch Diät, großer Park, eigenes Schwimmbad, Autogarage.! Weekend, mäßige Preise. lj[nter '• Leitung des Besitzers Adolf B 0 \ k 9. Bowa-Wasser im Hause. Auskunft auch , Telephon Nr. A-13-5-.60. .' ... . ■ 1: v '"«-'M < .." 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Dki kann man *%ie eine Enünziatiojn unserer „Union österreichischer Juden", der bi^- <lerenv Ässiinilanten, lesend Mit deren Erfolgen ifa der Abwehr der' Bund deY' österreichischen jüdiischen Frbntsölclaten hoffentlich nicht konkurrierien will.' ' . W^Qhlanj Wir Zionisten werden gewiß die Bestrebungen des Bundes fördern, wenn er mit Würde und Stolz für die .jüdische Sache, kämpft. Vom Austritt zum Galgen t^./.ßjßl^o^Siä}... zwjsiefl'^ungen Menschen , hat -•■eiiii^e» »'T^ge^ läng; einen raöifien Teil Europas» ih ■ Spftr^^ng^gehälteri; »:,Zw#|; junge Kommunisten jrtaldd-eii* Vdr -einem'• üngarfj5ciicn' Ailä'nahmsgericht, Wütderi zum' Töde verurteilt und exekutiert — i: alles in der .Zeit von 9 Uhr. vormittags bis 4 Uhr ^nachmittags. Ein Tempo, mit dem. .die Weltgeschichte sonst nicht rechnet. Es, waren zwei junge» Ju.d,e n,- die den. .Henkertod Freitag, de;n ,,»29<». Juli 1932,_ fanden. Zwpi. junge Juden, deren ■ menschliches yerbrechen,.,4arin bestand, daß sie . sich; zur. kommunistischen.t Peilslehre, gekannten, , .>ihr^, die^ten! ,t(^wei, jung^ .j j u,d § nr - die, ihr Leben * ,: .lang;t nicht« , von . ihrem; Jutlentum wissen -.wollteti. die jüdische Gemeinscha^^ßüh^eitig.ye^ auch im. letzten. Augenblick, no.c^i angjesichts »d^s Töcies die jücIiscHe ''S^l^or.g^^den Rabbiner, ref iisierten. Aber ihr :'..jüdisches* achiclcsal, 'rialiin4'im Lande der Magyaren einen Tiitter-irdniscnen Verlauf: sie..wurden im. raschesten' Tem-po, zum Tode befördert^ , noch bevor <|as 'vieil'eicht rettenc|e Telegramm, des französischen Ministerpräsidenten Herriot/das um Gnade bat, eintraf. t)enn die beiddn 'Kommunisten;... w;aren, trotz Konferssipnslosigkeit und betonter Abgesohüertheit vom Judentum,. Juden ~ für' das ungarische Gese'iz, das, vorschreibt, daß an einem Feiertag, hier also an eifiem ' Sabbat, keine justifiziefung vorgenommen werden ' dürfe. Rasch ah den Galgen, ijir Juden,; denn euer Sabbat. s|6ht vor der Tür.' Es ist' jener Sabbat, der den'Beiden ein Greuel war als Symbol jiidi-' sehen Empfindens.; ' ' 'Wief sehtf uns auch 'das Furchtbare solchen Schicksals Mhegehtj ani*4Menschen und am Juden, an de'm eine 'grausame 'JüfitiV solche RachÖ übte, die 'in 'zWei verführten jungen- Menschen den leibhaftigen Teufel 'säh, :dre ''Uhrsturzmaschine gegen i ÄeV Stäafi" w1'e*%>«'^Kr "\^^6rsch'ütfei^8teheh*;v»ötdiesem' Ereignis,' Wo tut sich uns doch wieder "einmal die Welt 'der jüdischen Tragik auf, der Tragik der jüdischen* Jugend. "Seit Jahren Schon umstrickt •sie die' Schlange■] des Ko)timunismus, ' sie ~ die ratlos gewördene, jüdische 'Jugend. Iml Augenblick, da ihr jedes jüdische I'^eal abhanden gekommen in'Haus, Schule und Gasse, da sie keine jüdische Sehnsucht mehr kennt,, nicht die nach der jüdischen Gotteswelt'und nicht die nach der jüdischen Wiedergeburt als eigener' Organismus, als Volk — in sölchem Augenblick erliegt" sie einem Phantoni,. rennt sie'einer,Fata MQr^aua nach,' ergibt sie &iqb dem ^ÖmmuhistiscHen.« MoTöcK'.' ' " [* '; . , . Zu diesem Weg. wird. die. jüdische, j^geiid zunächst-^^von jenen hinterhältigen, feigen „Th^oretitou»'•. von vZukpnftsieillehtrpn gedrängt, ^ie^om Schreibtisch hinter dem ^arraen 0?en ihr die .Welt, nicht nur die jüdische, als verderbt, .Yer;ab89heuenswert, rveracijtungswürdig -zum Fall reif scliildern, .> als .-eine Wfclt, ^die nurdurch., radikalen Uinsturz geseilt werden kann., Es,,»sind, di^s jene (Schreijbtipchheldeiv die, dann mit prompter Reg^Jmäßiifi keiit,. mh $ataler Vprioq^iÜ if^re Proteste »ip» diie Welt senden, we,nn jenti; die nicji't zuletzt I h »e;, Opipr.eind». unter dem Qälgeji tfejhen.! Auch , die«-. mal taben sich, in htvipv Minut§.jdie..-Pr9.te>stjeri?r gemeld^t^ «1«,. zwej juag^uden, uiiter dem. ßalg^u standen, Sie haben protestiert, .die schrei^b^O^' - Politik «anhebende« H^^n, die, e.inst niö^äisch^u Glaubens.. w«^en up4. J^fflite. '..r«»ai]tal©.\.W«äib1irgi8r eiöd auiXo^ten^derjwrfühcten jü^ißchen Fa»fttiker.. Ihr Herz war und tet in Aufruhr, wenn i h f m W«Jtt>ii4 nahertreten wird* Sie .kämpfen für . Hecht und Freiheit, «ie verabschöu^ji Gewalt, xB*uiftHt6t, Blutopfer. Wenn abe* an Jud«n u» des |üde8eins willen Unrecht geübt wird, ihres pQ* it'i V en Judentums willen Gewalt, Brutelität, Blutopfer zutage tritt, , dann — sind sie mäuachengtill. Dann kuschen diese feigen,. radikalen Weltbürger. ■Und Wehn sie den Mund auftun, dann nur, um die Opfer su . verleumden, die Gewalttäter zu entscnujdken. Di©; Augüetmorde in Pälä«tina^ im Jahre 1929, verübt an einer jüdischen Jugend, deren Heroismus, deren 'idealistische, menschliche Leistung, deren sichtbare Pioniertat groß ist in der Geschichte der Gegenwart, an deren erdyerschmierte . Schuhsohlen sie nicht heranreichen, die fürchterlichen Pogromtage in Palästina haben zuerst eisiges Schweigen, dann höhnisches Lächeln der Befriedigung über das „bankrotte" Ideal dieser Jugend, den Zionismus, ausgelöst. Wo waren damals die Protestierer, die Aftermieter bei den verschiedenen Ligen für Menschenrechte, wo war damals z. B. Karl Kraus, den wir hier anführen, als Wiener Mitbürger und Shakespeare-Ministranten, der die Welt einzurenken kam? Hier die Umsturzpaukisten, dort die Opfer. Die jüdische Jugend in unseren Reihen ist heute schon stark genug, um' die einen zu verachten, die anderen zu bemitleiden. Dr» Ignaz Seipel gestorben Der Tod des österreichischen Staatsmannes und katholischen Priesters Dr. Ignaz Seipel hat h«i der Judenheit Oesterreichs nachhaltigen Eindruck hervorgerufen. Ist doch mit dem Namen Seipel ein bedeutsames Kapitel in der Geschichte der österreichischen Republik verbunden. In den chaotischen Tagen, da das junge Staatswesen noch nicht konsolidiert war, konnten sich Seipels staatsmännische Begabung und sein österreichischer Patriotismus bewähren. Seipel hatte mehrmals Gelegenheit, seine Haltung zum Judentum zu1 bekunden. Unter seiner Führung sind die antisemitischen Tendenzen . der Christlichsozialen Partei nicht an die Oberfläche gedrungen, da in ' sein christliches Weltbild sich der einst laute Antisemitismus der Ghristlichsozialen nicht recht einfügen konnte. Wir erinnern an das . .einem jüdischen Pressevertreter''. gegebene Interview Dr. Seipels, worin seine loyale Haltung in bezug auif die Judenfrage zum Ausdruck kami Bekannt -}st < iauch.. seine Begrüßung, des*' in Wien »abgehaltenen 1/ ' Ä jg-u d" i's t e n K• Ö n!f [.t,^s $■s. Ttjd ■;D"e.z-smber ^929 if^hm j Dr., "'Neipel, ' anläßlich'.'•i|^r Welt%^4r-en^';."der!Ziohi&ten-Revisionisten in Wien,.. Gelegenheit^ »yia^limir Ja b 01 i n s k y Und Dr. Wolf gang" W e i s' 1 zu empfangen und .-sich ' mit ihnen über die, Ziele des Zionismus zu /unterhalten/Im Vor jähre besuchte Dr. Seipel'Palästina, .wo er auch die jüdische 'Stadt Tel- Awiw beriijhrte. Aus der jüdischeii Weil "Ein jugoslawischer Minister im Sommerlager de« jüdischen Jugendyerbändes. Belgrad, 26. Juli (J, T». A.). Der jugoslawische Minister für physische -Ersriehung Dr. D. K r a 1 j e v i c besuchte vor einigen Tagen das bei ■ Kranjska Gora," in einer der sch-öhsteri Gegenden der Julißchen Alpen 800 Meter hoch gelegene Sommer* Jager des jüdischen Jugend Verbandes. Minister Kraljevic sprach den Führern des Lagere seine Anerkennung für die Leistungen der jüdischen Jugendbewegung und die in ihr herrschenden Disziplin aus-. Der jüdische Jugendveiiband Jugoslawiens umfaßt etwa 2000 Hochschüler, Mittelschüler und Angestellte. Daß Sommerlager, An dem sich 310 Jugendliche beteiligten, wurde aon 28. Juli mit der Jahreskonferenzr-des Jugendver'ibahd'es abgeschlossen. ' '• ' ErlelQhterung der; EjijiSyanderung'. fifa Ehepartner amerikaniischer Sxaatsbürger. Paris, ä6. Juli. (J.T.A.) Die Direktion der Hiaß-Jca-^Emigdirect (-HJCEM) erhält voh- Hiaä, New^ork^ folgende Mitteilung: Das Gesetz, welches bestimmt, 'daßausländische Ehepartner amerikanischer Staatsangehöriger, sofern deren Ehe vor dem 1. Juli 1932 geschlossen -wurde, nicht unter die Quote fallen,. ist .in den Vereinigtein Staaten bereits in Kraft getreten. Demzufolge werden ausländische Ehepartner, fallssie am 1, Jüh 1932 oder 'nach diesem Diaram geheiratet haben, in die Var-zugsquoie eingereiht werden. Karl Capeks „Gespräche mit Masaryk4* hebräisch. Prag». 26. Juli. (J. T. A.) Der hebräische Dichter Avigdor H a i m e i r d, ein gebürtiger Karpathorusse, ist in Prag eingetroffen und plant eine Studienreise: durch die Tschechoslowakei, nach deren Absolvierung er ein Buch über die jüdischen historischen Stätten der G< S, R. .schreiben will.»..Wäh«end(.seines Prager Aufenthaltes hat er ,u. a. auch die Aütorisierung des bekannten tschechischen Schriftstellers Karl Capek zu einer Uebertragung seines Werkes ^Gespräche mit Masaryk" ins Hebräische erhalten. . Jüdischer Nationalfonds auf der Internationalen Donaumesse. Prag, 26. Juli. (J. T. A.) Das Komitee des!K e re n K a j en e th Le ji s r a e 1 in Bratislava KPreßburg) hat den Besohluß gefaßt, auf der alljährlich in .Preßburg stattfindenden Internationa 1 en,D0na umesse, die in den nächsten Wochen; eröffnet-werden ■SQill, einen Pavillon des Keren Kajemeth zu erbauen, in welchem die Leistungen des Fonds und die Entwicklung des jüdischen Palästina dargestellt werden sollen. Di, .Viktor Grttwwaid tschechoslowakische^ Honoiarkonsul In Palästina. Prag, 26. Juli. (J. Tt A.) Dor buh«ri«e