Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 254 (29.7.1932)
- Date
- 1932-07-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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> mm .m. CH iWfc Wi&r ■MMMk^k Sdbll Was ist Zioni§musrRevi§ionisinus? ii. Zur Araberfrage. Nicht ganz eine Million Araber, nur ungefähr 2 Prozent des großen arabischen Volkes leben in Palästina (inklusive Transjordanien.) Das arabische Volk verfügt in Afrika und' Asien über ein Gebiet, hundertmal so groß wie Palästina, und mehrere selbständige Staaten. Der Völkerbund hat dem zerstreuten, verfolgten, unglücklichen jüdischen 16-Millionen-Volk, das auch nicht einen Fußbreit eigenen Landes besitzt, Palästina als nationale Heimstätte zugesichert. Ist das große arabische Volk durch diese Zuweisung Palästinas an die Juden einer Lebensnotwendigkeit oder einer Voraussetzung für seine nationale Entwicklung beraubt worden? — Nein! Sind die 900.000 Araber Palästinas und Transjordaniens durch diese Zuweisung in ihrer Existenz und in ihren bürgerlichen, nationalen Und religiösen Rechten bedroht? — Neinf Niemand will die palästinensischen Araber vertreiben oder versklaven. Niemand hat es nötig, dieses Ziel zu verfolgen. Denn das unter dem rückständigen, arabischen Wirtschaftssystem verödete und verarmte Land ist — und das hat die jüdische Arbeit bereits bewiesen — bei rationeller Bewirtschaftung des Bodens und bei Entwicklung von Industrie, Gewerbe und Handel imstande, viele Millionen Juden aufzunehmen, ohne daß dadurch die Araber verdrängt oder geschädigt würden. Im Gegenteil! Die Araber Palästinas haben durch die jüdische Einwanderung, welche das Land in die Höhe bringt und ertragreich macht, immense Vorteile erlangt. Der den Arabern eigene Boden ist im Preise enorm gestiegen und die Lage des bisher versklavten arabischen Arabers, des Fellachen, gleicht sich stetig der durch die jüdische Einwanderung bestimmten Europäisierung der Lohn- und Lebensverhältnisse an. Der Araber hat seinen vollen Anteil an der durch die jüdische Einwanderung bedingten Steigerung aller Besitzwerte, wirtschaftlichen Entwicklung, Besserung der Lebensverhältnisse, Hebung der allgemeinen Gesundheit usw., usw. Niemand will sie dieser Vorteile berauben. Durch diese Feststellungen ist die Haltung der Zionisten-Revisionisten bestimmt. Sie erkennen dem Araber völlig gleiches Bürgerrecht und Wahrung der nationalen und religiösen Freiheit zu. Aber sie lehnen es ab, die Einwanderung der Juden und die jüdische Kolonisation des Landes von der Zustimmung oder Ablehnung der neunhunderttausend palästinensischen Araber abhängig machen zu lassen. Nicht die neunhunderttausend palästinensischen Araber sind die Herren des Landes. Herr des Landes ist der Völkerbund und er hat dieses Land als jüdisches , Nationalheim bestimmt, den Juden als Kolonisationsland ' feierlich zugesprochen. Nicht die „jüdische Minorität" im Lande, nicht die 200.000 Juden in Palästina sind die Vertragspartner, sondern das 16-Millionen-Volk der Juden. Nicht die „arabische Majorität", nicht die neunhunderttausend Araber in Palästina sind der zweite Partner. Der zweite Vertragspartner ist der Völkerbund, der sich entschlossen hat, das ihm zugefallene Land den Juden zu geben und damit 2000jähriges, am jüdischen Volk begangenes Unrecht gutzumachen. Zufolge einer von außen hereingetragenen Agitation, an die sich Moskau, Rom, englische Antisemiten und andere Interessenten an Unruhen im Lande beteiligt haben, ist eine antizionistische Hetze im Lande entstanden. Große Teile der Zionistischen Organisation haben sich unter dem Eindruck dieser Hetze zu einer Taktik der scheinbaren Preisgabe der zionistischen Rechte, einer scheinbaren Nachgiebigkeit gegenüber unberechtigten arabischen Forderungen entschlossen. Man glaubt so, die Araber überlisten zu können. Ein anderer Teil (Brith Schalom) will wirklich das zionistische Recht auf die jüdische Majorität preisgeben. Beide haben mit ihrer Taktik nichts erreicht, haben die Araber nicht um ein Jota versöhnlich gestimmt. Eingedenk des großen Herzl-Wortes, daß der Zionismus nur deshalb groß ist, weil er vor aller Welt ausspricht, was er glaubt, lehnen die Zionisten-Revisionisten die Politik des Erlistens und Verzichtens als nutzlos und unzionistisch ab. Der Revisionismus fordert volles zionistisches Recht auf Palästina bei voller Wahrung aller bürgerlichen, sozialen, nationalen und religiösen Rechte der palästinensischen Araber. Das ist zionistisch. Nur Kurzsichtigkeit oder Böswilligkeit können das als Chauvinismus oder Haß gegen die Araber auslegen. Wirtschaftliches Programm Zionismus-Revisionismus bedeutet entschiedene Abkehr von den Methoden des wirtschaftlichen Aufbaues Palästinas, welche di« Zionistische Organisation im letzten Jahrzehnt befolgt hat. Auch hier gilt die Parole: „Zurück zu Herzl!" In den Mittelpunkt des zionistischen Wirtschaftsprogramms hat die Zionistische Organisation die Spendenfonds, vor allem den Keren Hajessod, den Aufbaufonds, gesetzt. „Durch die Spendenfonds wird das jüdische-Palästina wirtschaftlich aufgebaut. Sorgst du für di« Spendenfonds, dann hast du für den Aufbau gesorgt. Gibst du dem Spendenfonds, dann hast du der zionistischen Pflicht vollauf Genüge getan." Mit gesammelten Spenden, mit geschenktem Geld können politische und organisatorische Arbeiten finan ziert, können in Palästina gewisse Institutionen gemein nützigen Charakters gefördert oder erhalten werden. (Höhere Kulturinstitute, erste Hilfe für mittellose Ein wanderer, Hygiene, Informationsdienst, Unterstützung von Siedlern, die auf besonders exponierten Posten unter besonderen Schwierigkeiten arbeiten usw., usw.) Auf die sen Gebieten können die zionistischen Fonds segensreich wirken und von diesem Standpunkt aus betrachtet, stellen sie — abgesehen von notwendigen Reformen ihrer Konstruktion und Führung — unentbehrliche Hilfsinstitutionen dar, deren Förderung zionistisches Erfordernis, zionistische Pflicht ist. Aber es ist verhänignisvoller Irrglaube, mit geschenktem Geld, mit Spenden die Wirtschaft Palästinas, die Existenz von Hunderttausenden Menschen, eine tragfähige, den Menschen ernährende Landwirtschaft, Industrie, Gewerbe und Handel aufbauen, die Bedürfnisse einer Massenkolonisation befriedigen zu können. Dieser Irrglaube hat verschuldet, daß die von Herzl geschaffene politische Weltorganisation in einen Spendensammelapparat umgewandelt wurde, mit einem großen und kostspieligen Beamtenheer, mit dem Hauptzweck, aus den immer widerwilligeren jüdischen Massen Spendengelder herauszuziehen; daß alle großen und notwendigen politischen und organisatorischen Aufgaben vernachlässigt und alle Bemühungen auf das Spendensammeln konzentriert wurden. Wohl ist es auf diesem Wege gelungen, ein großes Kapital vom armen jüdischen Volk zu bekommen. Vom Jahre 1919 bis heute dürften die ver- Die Bilanz der Lebensversicherung** geselhdiaft „Ph&nfx" Am 26. d. fand die Generalversammlung des Phönix statt. Der Rechnungsabschluß für das Jahr 1931 wurde einstimmig genehmigt und die fusionsweise Uebernahme des Versicherungsbestandes der Universale beschlossen. Der Versicherungsbestand des Phönix von rund 2*/i Mi lliarden Schilling zeigt eine weitere Steigerung auch während des Jahres 1931. Die Gesellschaft weist in ihrem Bericht darauf hin, daß die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse, die in einem Teile ihres Arbeitsgebietes herrschen, besonders sorgfältige Pflege der bestehenden Versicherungen erfordern. Der Phönix arbeitet insgesamt in 19 Staaten. Von dem Versicherungsbestande entfallen etwa zwei Drittel auf Oesterreich, das Deutsche Reich und die Tschechoslowakische Republik, nicht ganz 10 Prozent auf Westeuropa und der Rest auf Ungarn, Jugoslawien, Polen, Rumänien und den nahen Orient. An Versicherte und deren Hinterbliebene sind im abgelaufenen Jahre rund 43 Millionen Schilling ausgezahlt worden. Mehr als 8000 Polizzen wurden infolge von Sterbefällen ohne Rechtsstreit liquidiert. Der Phönix steht auf dem Gebiete der Gruppenversicherung mit der Metropolitan Life Insurance Company in New York in Verbindung und hat Rückversicherungsverträge mit Versicherungsanstalten in einer Reihe von Staaten, darunter hauptsächlich im Deutschen Reich, in England und in Frankreich. Die Geschäftsverbindung mit der Prudential Assurance Company Ltd. in London ist im abgelaufenen Jahre erweitert worden. Von der Verwaltung der Gesellschaft erhalten* wir nachstehende Mitteilung: Die 49. ordentliche Generalversammlung der Lebensversicherungsgesellschaft Phönix ist am 26. d. M. abgehalten worden. Der Versicherungsbestand Ende 1931 umfaßt 795.707 Polizzen mit S 2.745,843.121.— versicherter Summe und S 2,915.638.— jährlicher Rente. Der Reinzuwachs gegenüber dem Vorjahre beträgt S 187,306.529.— (7,3 Prozent) an Versicherungskapital und S 815.463.— (39 Prozent) an versicherter Jahresrente. Die Prämieneinnahme ist um S 27,040.326.84' (20,8 Prozent) auf S 15 7,2.16.555.53 gestiegen. Die Erträgnisse der Kapitalsanlagen haben sich auf S 24,424.814.12 belaufen. Der Grundbesitz der Gesellschaft im Gesamtwerte von S 74,636.362.45 umfaßt 8 5 Realitäten in Oesterreich, in der Tschechoslowakischen Republik, im Deutschen Reich, Frankreich, Belgien, Italien, Ungarn, Jugoslawien, Polen, Rumänien, Bulgarien und Aegypten. Der Wertpapierbesitz beträgt S 214,101.623.35, wovon S 202,752.585.95 auf festverzinsliche Anlagewerte und S 11,349.037.40 auf Anteile von Notenbanken, diverse Aktien und Beteiligungen an Versicherungsanstalten entfallen. Die Hypothekardarlehen haben sich auf S 22,909.146.68 und die Darlehen auf eigene Polizzen auf S 42,024.253.81 erhöht. Die gesamten Gewährleistungsmittel der Gesellschaft betragen S 4 7 1,9 3 0.8 5 7.9 1. In der Gruppenversicherung, die vom Phönix in Verbindung mit der Metropolitan Insurance Company in Newyork betrieben wird, ist bisher 40.957 Angestellten und. Arbeitern Versicherungsschutz für ein Kapital von rund S. 51,000.000.-- gewährt worden. Die RückVersicherungsverträge der Gesellschaft sind nach einer vorsichtig bemessenen Erhöhung des Eigenbehaltes langfristig neu geregelt worden, so daß sich die Rückversicherung in erster Linie annähernd gleichmäßig auf die Münchener Rückversicherung s- Gesellschaft in München, die Prudential Assurance Company Ltd. in London, die Legal and General Assurance Society Ltd. in London und die Compagnie d'Assurances Generale« in Paris verteilt. In der Generalversammlung ist beschlossen worden, den Versicherungsbest and d er „Uni v er s al e" Allgemeine Versicherungsgesellschaft in Wien im Fusionswege zu übernehmen; desgleichen den österreichischen Versicherungsbestand der „Fortuna" Versicherungs - Aktiengesellschaft in Wien, die sich in Betriebsgemeinschaft mit der „Universale" befindet. Nach Abrechnung der an die Versicherten ausgeschütteten Gewinnanteile ergibt die Jahresrechnung einen Ueberschuß von S 774.931.17 (im Vorjahre S 758.508.02). Hieraus erhalten die Aktionäre 5 Prozent Dividende, das ist S 200.000.— (im Vorjahre B% Prozent), der Rest wird den Kapitalsreserven zugeführt, beziehungsweise auf neue Rechnung vorgetragen. E %M$*t l ,»v erfüllt von allen „Kleinen11 die Funktionen der „Großen" am besten! Die billigste Klttin-Schroibmatchln« für Büro und *«!•• S 390.-1KaaM Auch auf Teilzahlungen lieferbar 1 Große Auswahl in Gelegenheitskäufen! Büromöbel / sämtlicher BUrobedarf Verlangen Sie Angebote KONTO R.EIN RICK TIMQS- GESELLSCHAFT Wien I, Eschenbachgasse 9-11 Telephon: B-26-0-61, B-26-441 schiedenen Fonds 12 bis 15 Millionen Pfund aufgebracht haben. Die wirtschaftlichen Leistungen dieses Kapitals in Palästina aber sind im Verhältnis hiezu verschwindend klein, wenn man sie mit dem vergleicht, was das von der zionistischen Propaganda so vernachlässigte, vielfach behinderte jüdische private Klein- und Mittelkapital in Palästina geleistet hat. Theodor Herzl hat diesem Irrglauben nie gehuldigt, er hat nie daran gedacht, die Wirtschaft im Judenstaate könne mit Spendengeld geschaffen werden. Sein Plan war dahin gerichtet, durch eine großangelegte wirtschaftliche Institution und eine großzügige Propaganda, jüdisches Privatkapital vor dem Verfall in der Galuth rechtzeitig zu retten und nach Palästina zu leiten, wo es fruchtbringend arbeiten soll, fruchtbringend für das Land und seine wirtschaftliche Entwicklung und fruchtbringend für seine Besitzer. Theodor Herzl hat den zionistischen Fonds gewiß Verständnis entgegengebracht. Wurde doch der Jüdische Nationalfonds unter seiner . Patronanz geschaffen. Aber er hat ihnen keine zentrale Bedeutung zuerkannt. So ist es kein Zufall, daß in seinen großen wirtschaftlichen Aufbauplänen von den Fonds keine Rede 'ist. Nicht die Fonds hat er vorangestzt, sondern die Bank, die großen Institute für Liquidierung und Ueberführung. Auch auf wirtschaftlichem Gebiet fordert der Revisionismus nichts anderes als Abkehr von der Fondspolitik und Rückkehr zum Herzischen Wirtschaftsprogramm, zum Programm der Ueberführung des jüdischen Privatkapitals und der mit ihm verbundenen jüdischen Wirtschaftskräfte aus der Galuth nach Palästina. Wichtige Mittel zur Erreichung dieses Zweckes sind: Propaganda. Dem Juden in der Galuth muß vor Augen geführt werden, daß der Aufbau Palästinas keine Wohltätigkeitsangelegenheit ist, keine „Hilfe für arme verfolgte Brüder", sondern, daß er ihn selbst betrifft, einen Schutz vor der Gefahr bildet, in der er selbst sich heute befindet oder morgen befinden muß. Theodor Herzl hat in Zeiten einer scheinbaren jüdisch-wirtschaftlichen Blüte vorausgesagt, daß die moralische und mit ihr die wirtschaftliche Judennot steigen und immer weitere jüdische Kreise erfassen müsse, daß schließlich die überwiegende Mehrheit aller Juden ihr Opfer werden wird. Die Juden von gestern haben diese prophetischen Worte in den Wind geschlagen. Heute, da ein ins Ungemessene gewachsener Antisemitismus die Juden aus allen wirtschaftlichen Positionen in dem von Wirtschaftskrisen zerrütteten Europa und Amerika wirft, versteht jeder Jude die Herzischen Worte'von der unvermeidlich wachsenden Judennot. Jeder Jude — man kann sagen: fast ausnahmslos — denkt sorgenvoll: Werde ich morgen noch etwas verdienen? Was fange ich mit meinen Kindern an? Was fange ich mit dem mir noch gebliebenen Kapital an,, das bald verzehrt sein wird, wenn ich es nicht irgendwohin rette, wo es weiter arbeiten kann! Denke an Palästina, trachte danach, dich, deine Kinder, dein Kapital , irgendwie mit Palästina in Verbindung zu bringen! — Diese Antwort, die noch vor kurzem mit einem ungläubigem, geringschätzendem Achselzucken aufgenommen worden wäre, stößt überall auf Verständnis. Denn die von Herzl vorausgesagte, alle umfassende Juderinot ist da, und ein aufblühendes, jüdisches Palästina ist da. Ein Palästina, in welchem bereits 200.000 Juden eine wirtschaftliche und moralisch gesunde Existenz führen, frei von den erdrückenden Sorgen der Juden in der Galuth, ein Palästina, das noch Millionen aufnehmen kann. Diese zionistische Propaganda bringt alle Juden gedanklich und gefühlsmäßig mit dem werdenden Judenstaate in Verbindung und schafft damit die erste Vorbedingung für den raschen und großzügigen Aufbau der palästinensischen Wirtschaft. (Schluß folgt.) Zionistische Jugendgemeinschaf t „Brith Herzl0, Wien, XX., Jägerstraße 30. Wochenprogrammj Samet*g, 3Q. Jul4: Ab 4 Uhr nachmittags: Sichoth der Kindergruppe, KwuaaU „Tikwah/*, Kwuwih JDrorM| halb 8 Uhr a-bends: Ptenarvensaininlung mit anschlteflendem Referat; 10 Uhr: Abimarsch zur Nachtwanderung nach Mödlln«. Sonntag: Wanderung der Fühwwkwuaab, 8 Öhr früh vor dem Heim;? Uhr abends: Zusammenkunft im Heim. Montag: Heimarbeit; Ueibung in der Hogonah. Dienstag und Mi 11 w oc h: Sicfooth. Donnerstag) Fitbwkwuza'h, '