Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 254 (29.7.1932)
- Date
- 1932-07-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. WH AUS PALÄSTINA Der allgemeine Aufsdiwung Die Jaffaer Handelskammer, die sich in Zukunft Handjcjlsikamuier Jaffa-Tel-Awiw nennen wird,, bat vor kurzem ihre Jahresversammlung abgehadten, in der ihr Vorsitzender^ d>er Direktor der Anglo Palestine Bank, Hoofien, die wirtschaftlichen Ereignisse des Berichtsjahres besprach. Bei allem Optämis-* müs hat er sich einer großen Zurückhaltung befleißigt und insbesondere darauf hingewiesen,* daß, wenn England die palästinensischen Orangen wirklich mit einem Einfuhrzoll belegt, dies der Entwicklung der Gytfus-Iudustrie Abbruch tun würde. Diese An-; gelejjferiheit werde auf der britischen Reichskonferenz in OttoWa zur Behandlung kommen. ■ In den vergangenen sechs Monaten hat sich die wirtschaftliche tage Palästinas weiter gebessert; Hierzu hat neben den guten, für Orangen in der letzten Saison erzielten Preisen der Zufluß ausländischen Kapitals und der über _ Erwarten günstige Ausfall der Getreideernte in verschiedenen Teilen des Landes beigetragen, die dank der neuen Schutzzölle für Getreddö' auf den inländischen Märkten zu günstigen Preisen Absatz finden wird. ' Auch die lokalen Industrien habe« trotz der" Weltkrise sowohl für den heimischen Bedarf wie für.,den Export ihre Produkte in erhöhtem Umfang abzusetzen vermocht und die Zahl ihrer Arbeitsk" r äft e steigern können. Die im Zusammenhang mit der jüdischen Einwanderung in den letzten Jahren in Palästina entstandenen Industrien haben sich vielfach in der letzten Zeit so entwickelt, daß sie mit ihren Erzeugnissen an Stelle der bisherigen Einfuhr treten könnten. So hat die Einfuhr von Ei s s ch r ä n k e n äus"dem Ausland aufgehört, da An Tel-Awiw sich vier Werkstätten mit der Herstellung von Eisschränken beschäftigen. Tel-Awiw hat auch durch die Cold Storage & Suppley. Co. große und moderne Kühlräume frbalteai. .Auch die für die Kühlräume und Eisschränke erforderlichen Korkwände werden in einer neuen körkfa'brik in Tel-Äwdw hergestellt. Die Einfuhr von Bis.k uits nach Palästina ist von Lst. 20.000 auf etWa: 5000 Pfund zurückgegangen, da alle billigeren Sortenjetzt hier hergestellt und im letzten Jahr sogar für 3000 Pfund in die umliegenden Länder ausgeführt werdend Eine Strumpf- und Strickwarenfabrik in Tel-Awiw beschäftigt heute 175 Arbeiter und stellt monatlich etwa 10.000 Dutzend Strümpfe her, von. denen etwa zwei Fünftel im Inland und der Rest in den-Nachbarländern, insbesondere in Syrien, verkauft werden. Der Erfolg der Levante-Messe hat zum Beschluß ihrer/Wiederholung im Jahre 1934 geführt. Aus den Kreisen der diesjährigen Aussteller liegen bereits Zusagen für die Beteiligung in erweitertem Umfang vor. Hapoel Hamisrachi proklamiert Boykott gegen die Fonds Die Exekutive des Hapoel-Hamisrachi in Palästina erließ einen Aufruf an alle Mitglieder in Palastina und in der Galuth, in dem. er seine Mitglieder auffordert, die Arbeit für die beiden Fonds (Keren Häjessod und Keren Kajemeth) einzustellen. Dieser Beschluß wurde als Folge des Verhaltens seitens der Exekutive der Jewish Agency zur Kolonisation von Misrachi-Mitgliedern in Palästina gefaßt. Bodenenteignung J . Die Palästina-Regierung, hat auf Grund des Bodenexpropriationsgesetzes . die Enteignung eines gewissen Teils des Bodens von zehn jüdischen Siedlungen im Osten und im Zentrum des.Emek Jezreel zugunsten der Irak Petroleum Company ausgesprochen. Der. Boden wird zur Führung der Pipe line. (Petroleumröhren) aus dem Irak nach Haifa benötigt. Für den enteigneten Boden wird volle Entschädigung sowohl an die Kolonisten als auch an den Keren Kajemeth gezahlt. 7-Uhr-Geschäftssperre in Tel Av/ivf . Die Stadtverwaltung von Tel Awiw hat in Uebereinstimmung mit den Vertretern der Arbeiter, Angestellten und Geschäftsinhaber beschlossen, innerhalb der Grenzen der Stadt die 7-Uhr-Geschäftssperre einzuführen. Alle Geschäftsinhaber halten sich streng an diese Weisung. Die Stadtverwaltung von Haifa gegen jüdische Arbeit Die arabische Mehrheit in der Stadtverwaltung von Haifa nahm eine Resolution gegen die Bestrebun- 5en der Regierung, bei öffentlichen Aibeiten ein Drittel uden zu beschäftigen, an. Protest der Juden Adens gegen die antijüdische Hetze In Tel Awiw fand eine Versammlung aller in der Stadt wohnenden Juden aus Aden statt, die eine scharfe Protestresolution durch den Obeikommissärs der britischen Regierung Uberreichten. In der Resolution wird besonders die Tatsache hervorgehoben, daß das Land Aden seit tOO Jahren unter britischer Verwaltung stehe und die Well« des Judenhasses sich in den letzten Iahren in vielen von England verwalteten arabischen Ländern ausbreite, ohne daß die Regierung bisher d4e nötigen Schritte gegen die Unruhestifter qiternommen habe/ Amerikanisch-palästinensischer Wirtschaftsdienst Das amerikanisch-palästinensische. Komitee zur Förderung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Palästina und Amerika hat seine Tätigkeit begonnen. In Tel Awiw yürde ein . Büro errichtet (Allenby- Strafle 11p), das alle nötigen Informationen in Fragen der Kolonisation und Industrie erteilt. Der Zweck dieses Komitees ist auch die Förderung von Investitionen in Palästina. Gleichzeitig wurde ein solches Büro auch in New. York installiert. Eine Seidenweberei in Tel A\viw Herr Sachs, ein bedeutender Seidenfabrikant in Peterson (England), errichtete in Tel-Awiw eine neue Seidenweberei, in der 30 bis 40 Arbeiter Be? schäftigung rinden werden. Der erste yemenitische Jude — Doktor f Vor einigen Wochen .kam aus Manchester Möschen. Seh abbath nach Palästina,, nachdem er an der eng'lisohen Universität iden Döktortitel erhalten. hatte. Möschen Schaibbäth studierte am Lehrerseminar in Jerusalem, von wo er sich näch England begab, wo er nun als erster yemenitischer Jude den Doktorgrad , erhielt. Einreiseerlaubnis für 3? Rabbiner. Der High Commissioner hat die bisher bestandenen Einschränkungen der Einreise für Rabbiner gewisser Altersstufen aufgehoben, so daß von jetzt ab Rabbiner aller Altersstufen aus allen Ländern näch Palästina kommen können; Voraussetzung ist, daß das Oberrabbinat die Garantie Ubernimmt, daß die Einreisenden der Öffentlichkeit nicht zur Last fallen werden. Auf Grund der Aufhebung der erwähnten Beschränkung erhielten 37 Rabbiner, denen früher die Einreise nicht gestattet war, nunmehr Einreisevisa. Selbstmord eines Industrieführers. Der palästinensische Direktor der Siemens Orient-Company, Johann Eckstein, hat im Alter von 58 Jahren aus unbekannten Gründen Selbstmord begangen. Eine Zwi-Perez-Chajes-Straße in Tel Awiw. Der Gemeinderat von Tel -Awiw hat in seiner letzten Sitzung den einstimmigen Beschluß gefaßt, eine Straße nach dem Oiberrabbiner Zwi Perez Cha jes zu benennen. In der-; selben Sitzung wurde über Antrag des Bürgermeisters Dizengoff der Beschluß gefaßt, anläßlich des Chibath- Zion-Jubiläums, dem zionistischen Führer M. M. Ussdschkin das Ehrenbürgerrecht der Stadt Tel Awiw zu verleihen. Die palästinensische Schulfrage. Eine Abordnung der Jewish Agency und des Waad Leumi ersuchte den High Commissioner, die , die Autonomie des hebräischen Schulwesens einschränkende Bestimmung in dem geplanten Erziehungsgesetz abzuändern und ferner die Staatssubvention für das hebräische Schulwesen zu erhöhen. Entwässerungsanlage durch einen jüdischen Friedhof. Der Beschluß der Regierung, eine Entwässerungsanlage durch den alten sephardischen Friedhof in der Nähe des Grabmals von Simon Hazaddik zu führen, hat große Aufregung unter den orthodoxen Juden Jerusalems hervorgerufen. Nach dem ursprünglichen Plan Für die Haganah Jüdischer Bruder! Tritt sofort in die Haganah ein! Schließ dich der Wehrsportvereinigung an!* Erkenne deine Ehrenpflicht! Du gehörst dem ältesten Kulturvolk der weißen Rasse an! Du bist.ein Sohn des adeligen Volkes, das sich als erstes eine Verfassung gegeben hat, das die Heiligkeit des Lebens, des Wortes, der Arbeit, der Familie zum" Grundgesetz der Menschheit erhoben hat! Dieses Volk ist von Feinden umstellt, ist von Vernichtung bedroht, wird täglich und stündlich mit Lügen und schmutzigen Beschimpfungen überhäuft. Man hält dieses Volk für wehrlos und will es ehrlos machen. Man will uns das Recht auf Leben und Arbeit nehmen, das Recht, das mit uns gebor e n i s t! In diesem Sturm des Hasses, des klarsten Undanks für die treue Mitarbeit/ die das jüdische Volk auf allen Gebieten menschlicher Tätigkeit und menschlichen Wissens geleistet hat, steht unser Volk allein! Nur wir alle zusammen, nur die jüdische Jugend, kann die Gefahr bannen! Jüdischer Bruder! Du mußt mithelfen, den Wall um dein Volk, um dein Elternhaus, um Recht und Ehre deines Volkes zu bauen! Du gehörst in die Haganah! Melde dich noch heute zur Haganah! Ueberzeuge. deine Freunde von der. Gewissenspflicht, zur Haganah zu kommen! Kläre alle deine Bekannten über die Lage des Judentums auf, das nur in seiner eigenen Kraft seine Rettung finden kann, das auf seine Jugend angewiesen ist! Hilf deinem Volk! . Hilf deinen Eltern! Baue mit an der Zukunft, an der Freiheit deines 'Volkes! Komm in die Haganah! Noch heute!! Jüdischer Wehrsport- und Schützenverein Haganah, Wien, IX., Nußdorfcratrafie 16. ' Herrliches Erholungsheim iiiiiitiiioiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin Hotelpension Schloß Herrenhof, Eichgraben an der Westbahn, Telephon Nr. 4. Erstklassige Küche, auch Diät, großer Park, eigenes Schwimmbad, Autogarage Weekend, mäßige Preise. Unter Leitung des Besitzers Adolf B o j k o, Bowa-Wasser im Hause/ Auskunft auch Telephon Nr. A-13-5-60. sollte die Drainage dürch den Moslem-Friedhof geführt werden; infolge Protests der Araber hat der High Commissioner den Plan geändert. Zwei jüdische Tote bei einem Autounglück. Auf der Straße zwischen Hebron und Jerusalem geriet ein Touristenauto ins Schleudern und überschlug sich. Zwei jüdische Touristen aus Bagdad; Reuben Zilka und Ephraim M a ß r a w i, wurden getötet, drei andere aus Bagdad stammende Juden wurden verletzt. Der Infiat-Streit zugunsten der Juden entschieden. * Das Gericht in .Haifa hat die erneuerten arabischen Ansprüche auf die in jüdischen Händen befindlichen Böden des Trifiat für unbegründet erklärt und die arabische Klage zurückgewiesen. Das Gericht sprach den Arabern auch das Recht ab, auf den Infiat-Böden ihr .Vieh zu weiden und" dort Holz zu fällen. Au§ Rumänien Das endgültige Resultat der Kammerwahlen Das endgültige Ergebnis der am 17. Juli vorgenommenen Wahlen in die rumänische Kammer stellt sich nach den soeben veröffentlichten endgültigen Berechnungen des Innenministeriums folgendermaßen dar: Es würden insgesamt 2,981.453 Stimmen abgegeben, von denen 1,203.458 oder 44,371 Prozent den Nationalzaranisten (Regierungspartei), 401.931 oder 14,819 Prozent den Liberalen, 195.129 oder 6,545 Prozent den „G e o r g i s t e n" (Liberalen unter Georg Bratianu) zufielen. An fünfter Stelle stehen die Cuzisten mit 159.080 Stimmen (5,86 Prozent) und elf Abgeordneten. Die 1 Eiserne Garde Corneliu Celea Codreanus erhielt 70.889 Stimmen (2,613 Prozent) und fünf Deputierte. Die Jüdische Partei (Jüdische Reichsliste) erhielt insgesamt 66.308 Stimmen (2,44 Prozent). Bei der Berechnung des prozentuellen Anteils der Jüdischen! Partei an den in einzelnen Wahlkreisen abgegebenen 1 Stimmen haben sich gegenüber den ersten inoffiziellen ' Kalkulationen kleine Verschiebungen ergeben. Demzufolge wird die Jüdische Partei neben den sicheren I Mandaten in Marino ros ch, Cze r no wit.Jt;' und; C h o t i n nicht, wie ursprünglich berechnet, in Beiz j und Storojenetz, sondern in Soroca und Radautz j Mandate erhalten. Gewählt erscheinen neben Doktor j Fischer, Dr. Mayer Ebner und Michael Landau,; in Soroca Adv. Misu Weißmann und in Radautz der \ bisherige Deputierte Dr. Manfred Reifer. Auf den Listen anderer Parteien wurden folgende j Juden gewählt: Nandor Hegedus, Mitglied der i Jewish Agency, auf der Liste der magyarischen; Partei Salomon Rosenberg-Kischineff (Nationalzaranist), Aüreliu Weiß, Präsident der Loge „Noua Fraterj nitate" in Bukarest (Nationalzaranist), und Lothar; Radaceanu-Czernowitz (Sozialdemokrat). In den Senat werden auf Grund des Ergebnisses i der am 20. Juli durchgeführten Wahlen neben dem dem \ Senat als Virilist angehörenden Vertreter des jüdischen | Kultus Dr. I. Niemiro wer, Oberrabbiner von Alti rumänien, folgende jüdische Vertreter einziehen: Moise; Zipstein-Tighina (Nationalzaranist) und' Emil D. Fagure, Redakteur der Bukarester Abendzeitung! „Lupta" und Mitglied der Jewish A g e n c y, eben- . falls als Angehöriger der nationalzaranistischen Re-! gierungsmehrheit. Aenderung in der jüdischen Vertretung Nachträgliche Berechnungen des Wahlresultats haben ergeben, daß die Jüdische Partei in Soroca (Bessarabien) einen höheren Stimmenprozentsatz erzielt hat als in Beiz. Demzufolge wird an Stelle von Dr. Samuel Singer der Präsident der zionistischen Orga-; nisation Altrumäniens Adv, Misu Weißmann, zum Depu- , tierten proklamiert werden. Oeffentliche Straßensammlungen des Keren Kajemeth Auf Intervention von Landesrabbiner Dr, L Niemirower hat der Minister für Arbeits- und Gesundheitswesen die Erlaubnis zur Durchführung von Straßen- , Sammlungen zugunsten des Keren Kajemeth im, Monat September im Gesamtgebiete Rumäniens, gegeben, i Die Verfügung des Gesundheitsministeriums hat im; Hinblick darauf, daß eine solche Bewilligung seitens der j früheren Regierung Jorga nicht zu erreichen war, in den j Kreisen der rumänischen Palästina-Freunde Befriedigung! ausgelöst. Reorganisation der allgemeinen Zionisten Unter Vorsitz von Adolf Bernhardt, Mitglied des Aktionskomitees der Zionistischen Weltorganisation, fand in Bukarest eine Beratung führender Mitglieder der : Fraktion der Allgemeinen Zionisten Altrumäniens statt. Es wurde beschlossen, den Beitritt der Allgemeinen Zionjstenv Rumäniens zum K r a k a u e r W el t v © r b and 'd^X'Allgemeijiaftv Zl'ft'aif<^«W.9-W'i-ti»rUftiira aud