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Die neue Welt · 1932-07-29 · Heft 254 (29.7.1932) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 254 (29.7.1932)
Date
1932-07-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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_DIE NEUE WELT_■ _ Seit« 13! Wie i'm jüdischen Nati'onalheim gegen die Juden und für die Araber entschieden wird Ein politischer Bericht aus Palästina Nr. 254 die revisionistische A.-C.-Fraktion in diesem Zusammen« hange an die zionistische Exekutive wandte: „Da die Tagesordnung der bevorstehenden A.-C.-Sitzung einen Punkt über die Frage der Palästina-Aemter enthält, möchten wir anfragen, ob Sie es nicht für nützlich halten würden, ein Dossier, enthaltend entsprechende Auszüge aus der jüdischen Presse, wie „Hajnt", „Moment", „Haaretz", „Neue Welt" und anderen jüdischen Zeitungen, bezüglich der unrechtmäßigen Verteilung der Zerti* fikate sowie die betreffenden Resolutionen verschiedener zionistischer Körperschaften und Persönlichkeiten (Rumänisches Zionistisches Z. K., Arbeitsgemeinschaft zionistischer Parteien in Litauen, Polnische Misrachi-Organisation, Hechaluz Hamerkazi, Rabbiner Rubinstein, Wilno, Hillel Zeitlin, Warschau usw.) erscheinen zu lassen, wie 3ie es i» der Frage des Calais-Beschlusses zur Information der A.-C.-Mitglieder getan haben" . . . Ein tiefes Schweigen der zionistischen Exekutive war die Antwort. Ein Schweigen, das allerdings eine sehr beredte Sprache spricht. Ein Schweigen, das den Entschluß des offiziellen Apparats kundgibt, die bisherige Provokationspolitik bis zur definitiven Kaltstellung der Revisionisten fortzusetzen. Denn mit den Revisionisten gibt es kein „Zurück". Es muß redlicherweise zugegeben werden, daß in diesen schweren Tagen der zionistische Apparat bei allen seinen sonstigen Mängeln bedeutende moralische Eigenschaften gezeigt hat: seit dem Krieg sind zirka zehn bis zwölf Monareihen ihrer angestammten Throne verlustig gegangen. Keiner von ihnen kann jedoch auf eine treuere Beamtenschaft zurückblicken als der abgesetzte Doktor Weizmann, ehemaliger Präsident der zionistischen Organisation. Manche werden vielleicht fragen: Weizmann? — Gibt es denn keine anderen Fragen und Interessen?... Die Antwort lautet: Ja, aber diese ist momentan die Ausgangsfrage. Sokolow ist eine zitternde Brücke zwischen zwei Regimen. Obwohl sie sich an zwei Ufer anlehnt, weiß man nie, ob der wasserscheue Fußgänger die Brücke wirklich passieren oder auf halbem Weg den Rückzug antreten wird. Unsere Aufgabe ist es, gerade jetzt auf die Todesgefahr des Rückzuges aufmerksam zu machen. Die Tagesordnung des A. C. enthält viele wichtige Fragen. Alle diese Fragen werden aber eine fatale Lösung finden, wenn sie mit einem Blick auf diejenige Seite behandelt sein werden, von der aus die Marionetten in Philadelphia und Berlin neue Energien zu schöpfen bemüht sind. ' Zur Jüdi'§dien Weld* Jconferenz in Zürich Aus Amerika werden etwa 30 Delegierte erwartet, unter ihnen 8 als Vertreter der zionistischen Organisation, die übrigen als Vertreter des American Jfewish Congress und der ihm angeschlossenen Organisationen. Aus Polen kommen Vertreter der Gemeinden Warschau und Wilna. In Ost- und Westgalizien werden Konferenzen stattfinden, die von den Groß gemeinden einiberufen werden, um Delegierte zu bestimmen. Ferner sind aus Polen angemeldet Vertreter des Klubs der jüdischen Sejmdeputierten, des jüdischen Nationalrates, der Verbände der Kaufleute, der Kleinhändler und der Handwerker. In Litauen und L e 111 a n d werden ebenfalls Landeskonferenzen die Wahl der Delegierten vornehmen* Aus Estland wird sich die autonome jüdische Kulturverwaltung an der Weltkonferenz beteiligen. Aus Rumänien werden Vertreter der Jüdischen Partei der vier Landesteile (Altrumänien, Transsylvanien, Bukowina und Bessarabien) an der Konferenz teilnehmen. Aus der Tschechoslowakei liegen Zusagen der Jüdischen Partei sowie des Gemeindeverbandes der Slowakei, „Jeschurun", vor. Aus Deutschland nehmen die Jüdische Volkspartei, der Reichsverband der ostjüdischen Organisationen sowie einige andere Organisationen an der Konferenz teil. I Aus England liegen Zusagen der Federation of Jewish Relief Organisations sowie der Großloge des U. O. B. B. vor. Aus Frankreich wird das Comite des Delegaiions juives durch eine größere Delegation vertreten sein, ferner entsenden Delegierte die Föderation des Societe Juives de France sowie Emigdirect. Oesterreich wird durch die Jüdische Volkspartei sowie die Jüdische Völkerbundliga vertreten sein. Aus Finnland kommen Delegierte der Jüdischen Gemeinde Helsingfors. Palästina wird vertreten durch eine Delegation des Waad Leumi sowie der palästinensischen Großloge Bnei Brith, Poale Zion leimt die Teilnahme ab Prag, 25. Juli. (J. T. A.) Wie die J. T. A. erfährt, wird der Weltverband Poale Zion an der bevorstehenden Konferenz zur Vorbereitung eines jüdischen Weltkongresses teilnehmen. Hiezu wird mitgeteilt, der Verband sei bei seiner Stellungnahme von der Voraussetzung ausgegangen, daß dieser. Kongreß nach vollkommen demokratischen Prinzipien organisiert sein und sein Programm vorher festgelegt haben müsse. Beide Vorbedingungen sind diesmal unerfüllt und sollen, wie es scheint, auch in Zukunft nicht berücksichtigt werden. An der Konferenz werden sich führende Mitglieder der Poale Zion beteiligen, aber nicht in Vertretung der Partei; so z. B, wird B. Zuckermann, ein führender Poale ZJonlst der USA., als Mitglied des Jewish American Con- Seil, J. Sprinzak als Vertreter'des Waad Leumi und cht d«f Arteiterpartei Palästinas, teilnehmen. Jerusalem, Mitte Juli. Zeichen politischer Veränderungen liegen in der Luft. Und es ist bemerkenswert, daß in dieser Hinsicht die arabische Presse bis jetzt sich weitaus besser informiert gezeigt hat als die hebräische. Wohl nicht deshalb, weil die Araber einen besseren Nachrichtendienst haben, sondern weil die Jewish Agency eine ebenso konstante wie törichte Politik des Schweigenbewahrens betreibt — angesichts einer Entwicklung, die sich ungünstig zu gestalten droht. Die Jewish Agency scheint zu fürchten, daß. ungünstige Eventualitäten den Fonds schaden könnten, die jüdischen Spender entmutigen würden. Das Resultat ist, daß man aus jüdischer Quelle nur äußerst selten politische Informationen erhält. Der Informationsdienst der Jewish Agency befaßt sich fast ausnahmslos mit Berichten über Landkauf und Zahlen, die das Wachstum der Landwirtschaft und Industrie zeigen. So ist es fast Brauch geworden, politische Informationen in der arabischen Presse zu suchen. Es will scheinen, daß die arabischen Politiker häufig Gelegenheit haben, mit dem Ob er k omni issär oder den höheren Beamten des palästinischen Zivildienstes zu verhandeln. Die Bürgermeister arabischer Städte und die Mitglieder der arabischen Exekutive besuchen häufig das Regierungsgebäude und nehmen von dort Informationen mit, die mit erstaunlicher Raschheit ihren Weg in die Spalten der arabischen Zeitungen finden. Vor einigen Tagen empfing der High Commissipner eine Anzahl arabischer Notabein, darunter den Mufti, den arabischen Bürgermeister von Jerusalem und Auni Bey Abdul Hadi, das Mitglied der arabischen Exekutive. Seither bringen die arabischen Zeitungen unaufhörlich Mitteilungen, die sich auf diese Unter- Ellte-Klno Schottenring-Kino Lustspieltheater Flotten-Kino redung beziehen. So weit man schließen kann, wurden die Besucher nach ihrer Meinung über die Wahlen zum Obersten Moslemischen Rat und zu den Stadträten gefragt, die beide in diesem Jahre stattfinden. Es wird klar, wenn man die verschiedenen Berichte vergleicht, daß die arabische Delegation sich kategorisch gegen demokratische Wahlen im westlichen Sinn aussprach. Wahlen zum Moslemischen Rat zu machen, könnten nur Gelegenheit geben, unter dem Volk ungünstig sich auswirkende Agitation zu treiben, zumal die öffentliche moslemische Meinung nicht genügend vorbereitet sei, eine solche Art von Wahlen durchzuführen. Sie schlugen vor, es möge nur die arabische Intelligenz einschließlich der Geistlichkei t,der Richter und der re Ii g i ö s e n Gerichtshö fe an den Wahlen teilnehmen. Es ist auch klar, daß die Frage des Legislativen Rats (Parlament) besprochen wurde und daß die arabische Delegation über die Verhinderung eines solchen Rats zufolge Druckes der jüdischen Opposition Klage führte. Die Delegation erklärte, wohl zu wissen, daß die Jewish Agency es abgelehnt habe, einen legislativen Rat in Erwägung zu ziehen, bis nicht vorher eine jüdisch-arabische Round-Table-Konferenz stattgefunden habe. Die Tatsache, daß der High'Commissioner sich zur Diskussion über den Legislativen Rat mit einer so einflußreichen arabischen Delegation hergegeben hat, wird von gut informierter jüdischer Seite hier als ein überaus böses Zeichen gewertet. Gefährliche Entscheidungen Die palästinensische Judenheit hat die ebenso grausame wie provokatorisch-verhöhnende Art des Einwander ungdamt es bei Gelegenheit der Weigerung, vier jüdische Touristen landen zu lassen, noch nicht vergessen. Diese Touristen wurden gezwungen zurückzukehren, ohne auch nur einen Fuß auf den Boden des jüdischen Nationalheims gesetzt zu haben. Seither haben die Juden sorgfältig Fälle registriert, wo Araber vom Einwanderungsamt Einwanderungserlaubnis erhielten. Zwei solcher Fälle sind besonders aufschlußreich. Sie bezeugen, daß das Ein<wanderungsamt die Juden benachteiligt und die Araber begünstigt. Im ersten Fall handelt es sich um einen gewissen Sami, einen syrischen Rebellen, der vor kurzem von Syrien nach Aegypten floh. Al6 aber die ägyptische Regierung in Erfahrung brachte, daß er Agitation und Rebellion betrieben habe, wies sie ihn aus. Sonderbar genug! Er kam nach Palästina, erhielt Aufenthaltserlaubnis, wiewohl seine Reputation bekannt war. Seitdem er in Palästina weilt, nimmt er aktiven Anteil an der arabischen Agitation. Letztens erst hat er an der mit dem Tod der drei Araber, die wegen der Ermordung von Juden im Jahre 1929 gehängt wurden, zusammenhängenden Agitation hervorragenden Anteil genommen. Seine Reden stehen an Heftigkeit nicht hinter jenen zurück, mit denen die palästinensischen Araber drei Überwiesene Mörder zu nationalen Märtyrern machen. Der zweite Fall betrifft einen arabischen Eingeborenen aus Transjorganien, der beim illegalen Betreten Palästinas verhaftet wurde. Er kam vor Gericht, wurde freigesprochen, erhielt Aufenthalt sbewilligung mit der Begründung, daß die Einwanderungsbeschränkung auf Bürger Trans Jordaniens keinen Bezug habe. (Dafür darf bekanntlich kein Jude nach Trans Jordanien.) Dieser Entscheid ist von gefährlicher Bedeutung. Nicht nur deshalb, daß er antijüdisch und proarabisch ist, sondern auch aus einem andern Grund. Die arabische Klage, daß eine große Anzahl von Arabern durch die jüdische Einwanderung arbeitslos geworden sei, wurde oft das Argument entgegengehalten, daß tausende Araber aus Trans Jordanien und Syrien hinübergekommen seien und, daß diese es seien, die die Fiktion der arabischen A rbeits losen ziff er erzeugen. Da nun jetzt die arabische Immigration aus Transjordanien nach Westpalästina offiziell sanktioniert und legalisiert ist, erhebt sich die Frage, wie die Palästina-Regierung ein richtiges Bild vom arabischen Arbeitsmarkt zu geben gedenkt. Unter solchen Umständen wird es immer möglich sein, dem jüdischen Immigranten die Tore Pallästinas zu sperren zugunsten der Araber, die über die Grenze kommen, um in Palästina Arbeit aufzunehmen und sich die Früchte der jüdischen Initiative und Leistung zunutze zu machen. Aus dem arabischen Lager* Die internen Streitigkeiten der Araber sind nicht immer interessant, beleuchten aber mitunter den Grad der Gehässigkeit und die Schärfe der Differenzen untereinander. Ein Fall, der sich vor kurzem ereignete, ist an diesem Zusammenhang wert, vermerkt zu werden. Der Herausgeber der englischen Beilage der arabischen Zeitung „Fel es t in", Russon Akthat, ein indischer Mohammedaner, starb und man war allgemein erstaunt, daß nur 20 Personen seinem Sarg folgten, wiewohl er zweifellos ein Mann von Bedeutung und Einfluß -war. Einige Tage später publizierte der „M i r a a t a 1 S h a r k", das Organ der Opposition gegen den Mufti, einen Artikel, der die Partei des Mufti scharf angriff, weil sie sich einem Mann gegenüber unwürdig benommen habe, der so viel für die nationale Sache getan hätte und. weil sie sogar gegenüber einem Toten ihren Haß nicht zurückgestellt habe. Das Organ des Mufti „AI Djamiah" brachte nun eine heftige Erwiderung, indem es erklärte, daß der verstorbene Redakteur Akthär aus der Insel Barain (Indien) unter dem Verdacht der Organisierung einer Rebellion ausgewiesen worden sei. Ebenso sei er aus Mekka ausgewiesen worden, von dort nach Palästina gekommen und habe die Redaktion des „Felestin" übernommen. Demgegenüber hält der „Felestin" dem Mufti vor, daß er nachgewiesenermaßen Akthar als britischen Agenten verdächtigt habe, ebenso wie den „Felestin" selbst. Der Vorfall deckt die Methoden der arabischen Politiker auf. Es ist allgemeine Praxis der arabischen Führer geworden, ihre Gegner im eigenen Lager durch die Beschuldigung, sie seien bezahlte Agenten der britischen Regierung, zu diskreditieren. (J«5!fi«h, 3K>&okl jj" Lpiiidoa4 ■

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