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Die neue Welt · 1932-07-22 · Heft 253 (22.7.1932) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 253 (22.7.1932)
Date
1932-07-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DDE NEUE WELT Nr. m Aus Deutschland ** »Nmm» W4N Mr Bmmdtom* * «ttabedakifo« mu4 A*mtodat,***nt Berlin, CharBottenburg % JoAdtlmsftataegveJfe 3% Relief das jüdische Handwerk! Verbandfftag und Werbeschau Der „Zentralverband jüdischer Hand* werker Deutschlands", Sitz Berlin, lädt zum zehnten ordentlichen Verbandstag in Berlin, verbünden mit einer Werbeschau« vom 4, bis 6. September 1952 ein. Ueber die im Rahmen des Verbandstages stattfindende Werbeschau handwerklicher Erzeugnisse schreibt die Zeitschrift „Der jüdische Handwerker": Das Handwerk leidet bittere Not — gesteigert bei den jüdischen Handwerksmeistern noch durch eine ungeheure Welle judenfeindlicher Angriffe gegen jüdische Leistung nicht nur auf geistigem, sondern auch auf produktivem Gebiet. Daß die Nationalsozialisten in den verschiedensten Teilen der Stadt durch Handzettel zum Boykott jüdischer Handwerksmeister auffordern, daß sich bereits in den verschiedensten Handwerksberufen Organisationen nationalsozialistischer Handwerksmeister unter Ausschließung der jüdischen Kollegen gebildet haben, ist der beste Widerspruch gegen die Behauptung des antisemitischem Polizeimajors Borck im Rundfunk, daß es jüdische Handwerker nicht gäbe. Wo bleibt die jüdische Oeffentlichkeit, die den jüdischen Handwerkerstand sowohl gegen die Einengung seines Erwerbs, als auch gegen die von seinen Gegnern beabsichtigte Vernichtung seiner Existenz fördert und stützt? Sind das Mißtrauen und die Gleichgültigkeit gegen jüdische Handwerksarbeit berechtigt? Selbst ein Auftrag in kleinstem Umfange setzt Hände in Bewegung und gibt neue Hoffnung. In jahrelanger mühseliger Arbeit hat der Zentralverband jüdischer Handwerker uro Unterstützung und Vertrauen zum jüdischen Handwerkerstand geworben. In zwölfter Stunde appellieren wir an das Gewissen der jüdischen Oef f entlichkeit. Wollt ihr nicht* daß jüdisches Gut versinkt, darin stärkt den Handwerkerstand; seine ärmsten Söhne sind zugleich die treuesten unserer jüdischen Gemeinschaft gewesen. Die moderne Zeit mit ihrer ungesunden ökonomischen Entwicklung, mit ihrem konzentrischen Angriff' gegen die Wirtschaftlichkeit der Juden erfordert eine Verbreiterung der Abwehrbasis. Der Handwerkerstand verteidigt, schon durch sein Vorhandensein, kostbares jüdisches Gut; er ist im Begriff, der jüdischen Oeffentlichkeit einen Anschauungsunterricht über jüdischen Handwerkerfleiß und -leistung zu erteilen. Die Werbeschau handwerklicher Erzeugnisse wird zugleich «ine Leistungsschau werden, und die jüdische Öffentlichkeit wird durch Besichtigung derselben Gelegenheit nehmen, sich von der ungebrochenen Widerstandskraft des jüdischen Handwerkerstandes zu über* zeugen. Jüdische Körperschaf t en.stehen dieser Werbescbatr nicht nur sympathisch gegenüber, sondern fördern und unterstützen sie und erkennen damit die Verpflichtung der Allgemeinheit an, dem schwer ringenden gewerblichen Mittelstand in seiner Not beizustehen. Von dem Erfolg dieser Werbeschau wird es abhängen, welchen Weg der jüdische Handwerkerstand für die Folge einzuschlagen.hat Läßt die jüdische Gemeinschaft den Handwerkerstand noch weiter verelenden und damit versinken, dann ist der Augenblick gekommen, das Werk, das wir seit Jahrzehnten erfolgreich durchgeführt haben — die Jugend im Handwerk einzuordnen einzuschränken und wieder zu revidieren. Es ist unmöglich, eine freudige Handwerkerjugend heranzubilden, die täglich den sphweren Kampf des Meisters vor Augen hat und ihre Hoffnung, Arbcltsmbglichkeit und darüber hinaus eine gesicherte Existenz zu erreichen, vernichtet sieht. Darum wird diese Werbeschau nicht nur ein Mittel einfacher Reklame für den Handwerkerstand, sondern darüber hinaus ein Werbemittel für jüdische Leistung werden. # Was hier vom jüdischen Handwerk in Deutschland gesagt wird, gilt genau so für Oesterreich, Tschechoslowakei etc. etc. Es wäre wohl Aufgabe der jüdischen Organisationen in diesen Ländern. Judenreine* Theater Daß Berliner Organ des Reicihsbundes jüdischer Frontsoldaten ..Der Schild" schreibt: Wohl gab e« sohou in der Vorkriegszeit ein paar Hoftbeater, die Juden in ihrem Personal nicht oder n>ur ungern duldeten. Man achtete dessen kaum, denn es gab ja genügend andere Möglichkeiten. Aber schon seit einigen Jahren, anexht eich an den aus öffentlichen Mitteln erhaltenen Bühnen in immer steigendem Maße die Tendenz geltend, jüdische (oder jüdseoh. aussehende) Künstler vom Engagement auszuschließen. Die Theaterleiter fügen sieb mehr oder weniger willig den in ihreu Städten gerade vorhergehenden parteipolitischen Strömungen. Von den Theatein und Städten, die, offen oder versteckt, das Engagement jüdischer Mitglieder ablehnen, sei zunächst nur eine kleine AuswaM genannt: Augsburg, Reuthen mit Gleiwitz und Hindenburg, Braunschweig,, Coburg, Damzig, Dresden (Staatstheater), Erfurt, Göttinnen, Greifswald, Hannover (städtische Bühnen), Kaiserslautern, Landsberg a. W., Leipzig (Altes Theater), Liegnitz, Lübeck. Memel, München (Staatstheater), Nürnberg (städtische Bühnen), Oldenburg, Oberhausen, Regensburg, Rostok, Rudolfsstadt, Sondershausen, Schwerin, Stralsund, Ulm, Weimar, Wilhelmshaven. Diese Liste ist leider durchaus nicht vollständig. Dazu kommen je nun wohl noch, auf Beschluß des preußischen Landtages, die preußischen Staatetheater in Berlin (Oper und Schauspiel), Kassel und Wiesbaden. Es hat nicht den Ansobeiu, daß die Generalintendanz diesem Beschlüsse irgend einen Widerstand entgegensetzen will. Aber nicht nur das Theater, sondern auch der Film verschließt sich seit einiger Zeit in großem Umfange den jtidisohen Schauspielern. Hier sind es bezeichnender- und beschämend erweise jüdische Filmproduzenten, die militärische und nationalistische Filme drehen und dabei jüdische Darsteller ablehnen. Der größte Teil der jüdischen Bühnenangehörigen ist durch dieses brutale, gewissenlose, kulturfeindliche Verhalten der maßgebenden Instanzen und Personen, durch diesen aus Dummheit, Haß, Neid und Profitgier entstandenen Boykott zum Hungertode verurteilt. Was si'di so „Judisdier Humor" nennt An der Peripherie der Kunst, wo jede ästhetische Kritik versagt, tummeln sich immer noch die Repräsentanten jener ,JLozelach", die seit der Klabriaspartie unseligen Andenkens in jeder besseren Assimilatiorxsgesellschaft hehuatbereebtigt sind: In der Witzkiste, im Theater, im Kabarett, im — Film. , 1" ' Die Filmproduktionsgesellschaft „U f a", dm allgemeinen dentsch-überpatriotisch betont, hat einen neuen Film „Menschen ohne Namen" herausgebracht. Wie es um die darin vorkommende jüdische Figur bestellt ist, darüber schreibt die „Deutsche Allgemeine Zeitung", ein gut deutscharisches Blatt: „Ja, unsere Richter sind riun einmal nacht gescheit. Dafür sind die Winkeladvokaten aber gewitzte Leute. Zumal da Fritz Grünbaum in dieser Rolle ailes sagt, was der Antisemitismus heute ais schneidende Karikatur des Jüdischen zum Begriff erhoben hat, es unbekümmert in zehnfacher Potenz sichtbar macht, bis zu einer peinlich berührenden Glaubhaftigkedf. Der gewiß nicht sehr judenfreundliche Kritiker der großen deutschnationalen Berliner Tageszeitung besitzt zwar nicht die dem Juden in Sachen Antisemitismus nachgesagte Feinfühligkeit, aber er ist von der Glaubhaftigkeit, mit der ein Jude die Karikatur des Jüdischen - zeichnet, peinlich berührt. Und das Frankfurter „Israelitische Familienblatt4', ein liberal-jüdisches Organ, schreibt: „Der Kritiker der „D. A. Z." war peinlich berührt, uns aber schlägt die Schamröte ins Gesicht. Wo gibt es eine Gemeinschaft, die, rings von Haß und Argwohn umgeben, sich von einem der ihrigen zum Gespött der Menge machen läßt? Wir sind seit langem gewohnt, daß immer und immer wieder der Jude im Film als lustige Nummer gespielt wird und aJs Karikatur erscheint, die in der Masse all die Vorurteile geigen das Judentum immer erneut wieder hervorruft, die durch eine verhängnisvolle Tradition sowieso schon allzu tief im Innern der Menschen verwurzelt sind. Wir wissen leider, daß jüdische Schauspieler sich oit »u ßoloben Judenrollen hergaben. Daß aber jetzt ein Künstler wie Frite Grünbaum durch sein Spiel in einer Weise seine eigene Gemeinschaft verhöhnt, daß jeder normal denkende Mensch Abscheu empfinden muß, dürfte wohl nicht zu überbieten sein. Er macht 4n zehnfacher Potenz das sichtbar, was der Antisemitismus heute als schneidende Karikatur des Jüdischen zum Begriff erhoben hat'. Schärfer kann die Verunglimpfung, die ein Jude uns antut, von seiten eines Nichtjuden wohl nicht gebrandmarkt werden. Ein Jude leistet Handlangerdienste dazu, daß ein entstellender Einheitstyp der Juden, vom wüstesten Antisemitismus erfunden, wieder einmal von der Leinwand herunter seinen Weg zu Millionen findet. Uns bleibt nur übrigj dieses empörende Verbalten eines Juden als das zu kennzeichnen, was er allen anständig denkenden Menschen erscheint, als würdelos." Die Bezeichnung solchen Verhaltens als würdelos trifft nur die eine Seite der Sache — die Verurteilung des „Künstlers". Und die andere Seite? Es ist nichts natürlicher, als daß einem Publikum, einer Gesellschaft, der alles Jüdische im Mause h 1witz enthalten ist, Typen ä la Grünbaum willkommen sein müssen. Wenn diesem Publikum, dieser Gesellschaft das Jüdische seit Jahrzehnten in Form von „mit die Händ'" redenden Figuren vorgeführt wird, die Drehs machen, beim Kartenspiel mogeln, sich in ihrer Ehe gegenseitig betrügen, sich aus jeder heiklen Situation, in die sie der „Goj" bringt, durch ihre Schlauheit und Findigkeit retten, wenn also diese Juden ihre literarischen und sonstigen Genüsse vom darstellenden Mauschi und vom mauschelnden Darsteller beziehen, so ist das ein trauriger Ueberrest einer Zeit, nach der man heute schon fröhlich Kaddisch sagen kann. Die Zaonisfisdhe Vereinigung tm Deutschland haft nichts zu tun ♦ ♦ ♦ -r. Berlin, Juli 1932. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland (Z. V. F. D.) und besonders ihr Zentralorgan, „Die Jüdische Rundschau", lieben es, immer wieder von Moral und Ethik und Anständigkeit in zionistischen Dingen zu sprechen. Aber es ist schon vielfach bekannt, daß die schönen Worte, gemessen an den Taten und geistigen Ergüssen beider Organe, nur eine Maske sind, die den Moralpaukern oft vom Gesicht fällt. Jetzt hat sich folgendes ereignet: Im Auftrag des Hauptdirektoriums des Fonds T e 1- Haj Limited in London unternahm Herr Elijahu Ben H o r i n aus Erez Jisrael eine Aktion in Deutschland. Er besuchte Berlin, Leipzig und Frankfurt am Main. Ueberall fand er die Unterstützung jener Kreise, denen die Gedanken des „Tel-Haj" für die Erziehung der jüdischen Jugend richtig und wichtig erscheinen. Der Tel-Haj-Fonds ist bekanntlich ein überparteilicher, keiner bestimmten politischen Richtung dienender Fonds, dessen Aufgabe darin besteht, die heranwachsende jüdische Generation moralisch und finanziell zu unterstützen, daß sie imstande sei, jene Erziehung zu genießen, die sie zu wirksamer Verteidigung jüdischer' Ehre, jüdischen Lebens, jüdischen Eigentums und jüdischen Rechtes in Palästina und in der Galut fähig und willig macht. Im Auftrage des Hauptdirektoriums des Tel-Haj- Fonds also bereiste Herr Ben Horin Deutschland und konnte als Ergebnis seiner Arbeit sehr schöne Erfolge verzeichnen. Der Leitung der Z. V. F. D. war bekannt, daß Herr Ben Horin im Auftrage des Tel-Haj-Fonds herumreise, zumal ein großer Teil der an' der Aktion Beteiligten Mitglieder der Z. V. F. D. sind. Ferner nahm an dieser Aktion der „M a k k a b i" Anteil und der „Makkabi" hat seinen Sitz in den Räumen der Z. V. F. D., ist sogar unter der gleichen Telephonnummer erreichbar. Kurz, was jedem Zionisten in Berlin bekannt war, daß nämlich Herr Ben Horin im Auftrage des Tel-Haj-Fonds reise, .war wohl auch den Herren aus der Z. V. F. D. bekannt. Trotzdem war in der Nr. 54 der „Jüdischen Rundschau" vom 8. Juli 1932 folgende „Notiz" zu lesen: „Warnung. Herr Ben Chorin aus Palästina unternimmt in Deutschland eine Sammlung. Wie wir festgestellt haben, ist diese Sammlung durch keine verantwortliche Instanz autorisiert. Wir bitten alle Ortsgruppen und Vertrauensleute^ sich mit uns in Verbindung zu setzen, wenn solche Sammlung am Orte unternommen wird. Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15, Meinekestr. 10." Aus dieser „Warnung" ist also zu ersehen, daß die Z. V. F. D. sich erst informiert hat und „feststellte", daß hinter dieser Aktion keine verantwortliche Instanz stehe. Um aber der Z. V. F. D. und ihrem Organ, der „Jüdischen Rundschau", eine Korrektur zu ermöglichen, sandte das Direktorium des Tel-Haj-Fonds in London an die Redaktion der „Rundschau" folgendes Schreiben, datiert vom 11. Juli 1932: „In der Jüdischen Rundschau' Nr. 54 vom 8. Juli wurde eine ,Warnung' bezüglich der von Herrn Ben- Horin in Deutschland unternommenen Sammeltätigkeit veröffentlicht und die. Feststellung gemacht, diese Sammlung sei durch keine verantwortliche Instanz autorisiert. Demgegenüber möchten wir folgendes feststellen: Herr. Ben-Horin aus Palästina, der eben in Deutschland seine Tätigkeit abgeschlossen hat, arbeitet auf dem Kontinent seit Februar d. J. im Auftrag und Dienste des Londoner Hauptdirektoriums des Tel- Haj-Fonds und wurde von uns mit einer entsprechenden Vollmacht ausgestattet. Das Hauptdirektorium des Tel-Haj-Fonds übernimmt die ganze Verantwortung für Herrn Ben-Horins Sammelaktionen. Es ist bedauerlich, daß Ihre Zeitung sich nicht vor Veröffentlichung solcher .Warnung' über die wahren Tatsachen informieren läßt." Jeder anständige Mensch hätte nunmehr erwartet, daß die „Jüdische Rundschau", dieselbe also, die immer so viel von Moral und Ethik und Anständigkeit spricht, eine entsprechende Erklärung in der folgenden Nummer veröffentlichen werde, denn das Schreiben aus London war bereits am 13. Juli 1932 in den Händen der „jüdischen Rundschau". Statt einer ehrenhaften Richtigstellung erschien in, der „Jüdischen Rundschau" folgende Notiz, die alles eher als ehrenhaft ist: „Zur Warnung in Nr. 54 der .Jüdischen Rundschau'. Auf verschiedene Anfragen, 4te an uns gerichtet wurden, teilen wir mit: Die in Nr* 5>4 .erlassene Veröffentlichung über die Sammlung

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