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Die neue Welt · 1932-07-22 · Heft 253 (22.7.1932) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 253 (22.7.1932)
Date
1932-07-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 253 DIE NEUE WELT Seit* » Palästina, denn für die Entwicklung jüdischer Kultur und Zivilisation ist eine Majorität nicht erforderlich.") Man begnügt sich mit einem „Zionismus der Auslese", der in Palästina beschränkte Gruppen von jüdischen „Edelmenschen" züchten und sozialistische oder kommunistische „Musterwirtschaften" errichten will. Der Revisionismus ist die Bewegung gegen diesen verkleinernden und verzichtenden Zionismus, welcher die Judenfrage nicht lösen kann, welcher weder für den jüdischen Menschen noch für das jüdische Volk Hilfe an der materiellen und seelischen Not bedeutet. Er fordert die Umgestaltung des ungeteilten Palästina (Palästinas zu beiden Seiten des Jordans) in ein sich selbst verwaltendes Gemeinwesen mit jüdischer Majorität, in einen Judenstaat. Zionistische Politik Theodor Herzl hat erkannt, daß die Judenfrage eine weltpolitische ist, das heißt, daß nicht nur die Juden, sondern alle Kulturnationen an ihrer Lösung interessiert sind. Er beschränkte daher seine politische Aufklärungs- und Werbearbeit nicht auf das jüdische Volk, sondern war bestrebt, die Regierungen und maßgebenden politischen Faktoren aller Kulturstaaten für die Lösung der Judenfrage im zionistischen Sinne zu gewinnen. Er hob damit das Problem aus dem engen Rahmen einer nur-jüdischen Angelegenheit heraus und machte das zionistische Problem zum Gegenstand der Weltpolitik. Mit prophetischem Blick sprach er davon, daß einst ein „Bund der Kulturvölker" dem unglücklichen jüdischen Volke sein Recht, seinen Staat geben werde. Herrlich ist die Saat dieser als phantastisch verspotteten und bekämpften Herzl-Politik aufgegangen. Ihr und nur ihr ist es *u danken, daß der von Herzl mehr als zwanzig Jahre früher angekündigte und nach dem Weltkrieg geschaffene Völkerbund dem jüdischen Volke, in Anerkennung seiner historischen Rechte, die „Wie der auf richtung" des jüdischen Nationalheims in Palästina feierlich zugesagt hat (Das Wort Wiederaufrichtung beweist, daß bei dieser Entschließung nur an einen Juden Staat gedacht war.) Zur Erreichung dieses Zweckes wurde Palästina keiner Einzelmacht zugesprochen, sondern als Mandatsland des Völkerbundes erklärt. England wurde zum Verwalter des Mandatslandes Palästina ernannt, mit dem Auftrag, Palästina im Einverständnis mit der Jewish Agency (Zionistische Organisation) in einer Art zu regieren und zu verwalten, die dahin gerichtet ist, das jüdische Nationalheim zu schaffen, mit dem Auftrag, die Schaffung des Nationalheims aktiv zu .fördern. Der Revisionismus will eine Politik, die auf die volle Einhaltung dieser vom Völkerbund und im besonderen von England gegenüber dem jüdischen Volk übernommenen Verpflichtung gerichtet ist. Eine Politik, welche jedes Abweichen von dieser Verpflichtung bekämpft. Wir und die Mandatarmacht Die englische Mandatarmacht hat im Laufe der letzten zehn Jahre gegen den ihr erteilten und von ihr feierlich übernommenen Auftrag, die Schaff an g des jüdischen Nationalheims zu fördern, gehandelt. Abtrennung Trans j o rdians. England hat Transjordanien von Palästina abgetrennt und den Juden die Ansiedlung in Transjordanien untersagt, d. h. es hat das historische Palästina seiner größeren und fruchtbareren Hälfte beraubt. Im abgetrennten, fruchtbaren und weiten Trans Jordanien leben jetzt ungefähr 250.000 Araber, die den reichen Boden weder ausnützen wollen, noch ausnützen können. Große Ländereien liegen brach. Aber nach der Beraubung Palästinas und Transjordaniens stellt die englische Verwaltung die Behauptung auf, daß in Palästina kein Platz mehr für große Massen jüdischer Siedler frei gemacht werden kann. Die Wiedervereinigung Trans Jordaniens mit Palästina muß ein Hauptpostulat zionistischer Politik sein. Gegen die Ausschaltung der zionistischen Organisation. Entgegen dem Auftrag des Mandates, Palästina im Einvernehmen mit der Jewish Agency (Zionistische Organisation) sfa verwalten, hat die Palästina-Regierung und die Londoner Zentralregierung die Zionistische Organisation völlig ausgeschaltet, jedes maßgebenden Einflusses auf «die Verwaltung beraubt. Die wichtigsten Posten werden ausschließlich mit Engländern besetzt (vielfach mit Antiarfonisten und Antisemiten), Gesetze und Verordnungen von einschneidender Bedeutung werden erlassen, ohne die Zionistische Organisation auch nur zu befragen, ohne ihr auch nur die Gelegenheit zu einer Meinungsäußerung zu geben. Die Palästina-Regierung behandelt die Zionistische Organisation so, als wäre sie irgend ein Vortin im Lande geduldeter Einwanderer, nicht aber die Repräsentanz des jüdischen Volkes, welcher der Völkerbund das Recht der Mitbestimmung bewußt und feierlich zuerkannt hat. Einsetzung der Zionistischen Organisation in das ihr vom Völkerbund zuerkannte Recht der Mitbestimmung bei der Verwaltung Palästinas muß gleichfalls eines der Hauptpostulate zionistischer Politik sein. Nicht Duldung, sondern Förderung! Die englische Palästina-Regierung rühmt sich, daß sie die jüdische Einwanderung und Kolonisation nicht behindert, sondern wohlwollend duldet. Ganz abgesehen davon, daß €UutäunefiU't&6s*> erfüllt von allen „Kleinen" die Funktionen der „Großen" am besten! Die billigste Ktain-Schreibmaschino lüf Büro und Halt« S 390»— KasBB Auch auf Teilzahlungen lieferbar I Große Auswahl in Gelegenheitskäufen! Büromöbel / sämtlicher Bürobedarf Verlangen Sie Angebote KONTOR-EINRICHTUNaS- GESELLSCHAFT Wien I, Eschenbacliga8se 9-11 Telephon: B.26-0-61, B-26-0-71 diese Behauptung unrichtig ist (Behinderung der jüdischen Einwanderung durch rigorose und schikanöse Verordnungen, wiederholte gänzliche Sperre derselben, gewaltsame Zuweisung von jüdischem Boden an Araber usw.), muß sie als krasse Verletzung der Mandatspflicht bezeichnet werden. Das Mandat schreibt der englischen Mandatsmacht nicht vor, die jüdische Einwanderung und Kolonisation zu dulden, sondern gibt ihr den Auftrag, die Kolonisierung des Landes durch Juden aktiv zu fördern, d. h. alle in ihrem Wirkungsbereiche möglichen Maßnahmen zu treffen, welche das Land für eine jüdische Massensiedlung bereit machen. Kolonisations-Regime. Vorbedingung für die Schaffung des jüdischen Nationalheims ist, daß das jüdische Volk seine wertvollsten Kräfte und Mittel dieser großen Aufgabe widmet. Aber selbst der ins Höchste Leute, die an erschwertem Stuhlgang leiden und dabei von Mastdarmsehleimhauterkrankungen, Fissuren, Hämorrhoidalknoten, Fisteln gequält werden, nehmen zur Dar.mreinigung früh und abends je etwa ein viertel Glas natürliches „Franz-Josef-Bitterwasser. gesteigerte Aufwand jüdischer Mittel und Kräfte kann die jüdische Kolonisation Palästinas nicht bewirken, wenn Palästina durch eine Regierung verwaltet wird, welche der jüdischen Massensiedlung gleichgültig oder gar ablehnend gegenübersteht. Wenn das Land von einer Regierung verwaltet wird, welche, sich bestenfalls damit begnügt, äußerlich Ordnung und Ruhe im Lande zu wahren, sonst aber keine Maßnahmen trifft, welche die jüdische Kolonisation aktiv fördern, hingegen aber .Gesetze und Verordnungen erläßt, welche die jüdische Einwanderung und landwirtschaftliche und industrielle Kolonisation behindern. In Erkenntnis der Notwendigkeit dieser Vorbedingung fordert der Revisionismus die Einrichtung eines Kolonisationsregimes in Palästina, d. h. einer Regierung, welche die Förderung der jüdischen Kolonisation als eine ihrer Hauptaufgaben ansieht und, bei voller Wahrung der Rechte der Bewohner Palästinas, ihre gesetzgeberischen und verwaltungstechnischen Maßnahmen so gestaltet, daß sie dem im Mandat vorgezeichneten Endzwecke, der großzügigen landwirtschaftlichen, industriellen und gewerblichen Kolonisation des Landes, durch Juden dienen. Die wichtigsten Voraussetzungen eines Kolonisationsregimes sind: Besetzung aller leitenden Beamtenposten im Einvernehmen mit der Jewish Agency mit solchen Männern, die loyal zur Errichtung des jüdischen Nationalheims eingestellt sind. Antizionisten und Antisemiten dürfen mit amtlichen Stellen nicht betraut werden. Unbehinderte jüdische Einwanderung, deren Regelung der Zionistischen Organisation obliegt. Freigabe von Staatsländer e i e n für die jüdische Kolonisation. Eine durchgreifende Agrar-Reform, welche es unmöglich macht, daß in arabischen oder in jüdischen Händen befindlicher Boden unbearbeitet bleibt oder unzureichend ausgenützt wird. Solcher Boden soll dem Besitzer gegen entsprechende Entschädigung entzogen und für intensive Kolonisierung durch ansäßige oder zugewanderte Juden oder ansäßige landlose Araber bereitgestellt werden. Eine Steuer- und Zollpolitik, welche in erster Linie der Förderung und dem Schutze der palästinensischen Landwirtschaft und Industrie dient. (Fortsetzung folgt.) Ein falsches Motzkinslnterview Nach dem Minoritäten-Kongresse in Wien brachte die polnische Presse ein Interview mit LeoMotzkin, daß in jüdischen Kreisen großes, vielfach unliebsames Aufsehen erregt hatte. Das Interview war nämlich so gehalten als hätte Leo Motzkin gesagt, daß die Juden keine berechtigten Beschwerden gegen ihre Lage vorzubringen hatten. Hiezu bringt nun die J. T. A. folgende Meldung: Der Präsident des Zionistischen Aktions- Komitees und des Ziouistenkongresses Leo Motzkin übergibt der Jüdischen Telegraphen-Agentur folgende Erklärung zur Veröffentliehung: Vor einigen Tagen veröffentlichte die Polnische Teaegraphen-Agentur (FAT) ein Interview, das ich angeblich über die Lage der Juden in Polen gegeben hatte. Ich stelle fest, dal) leb! keinerlei Interview gegeben habe und daß ich sehr überrascht war, als ich die mir zugeschriebenen Aeußerungen in den Zeitungen gelesen hatte. Ich war in Wien mit dem Leiter der Polnischen Telegraphen- Agentur zusammengetroffen und pflog mit ihm eine sehr kurze Unterhaltung, wobei es mir gar nicht einfiel, daß dieser Austausch höflicher Worte an Zeitungen weitergegeben werden könnte. Dabei entspricht der Inhalt des PAT-Telegramms in keiner Weise dem, was ich wirklich sagte. Ich erzählte dem PAT-Chef nur, daß das Komitee Jüdischer Delegationen in Paris soeben ein Buch über die letzte antisemitische Kampagne in Polen (Universitätsunruhen, Boykottbewegung usw.) veröffenlicht habe, daß das Buch eine objektive Prüfung von Regierungsaktionen, sowie alle offiziellen Erklärungen der Regierung und Feststellungen seitens Regierungskrisen, schließlich eine unparteiische Darstellung der auf die Unterdrückung der Unruhen gerichteten Regierungsaktionen einerseits und der gegen die Juden, die sich gegen die Angriffe verteidigten, gerichteten Verfahren der polnischen Justiz andererseits enthält. Ich fügte noch hinzu, daß in Kürze Bücher über antisemitische Feldzüge in einigen anderen Ländern zur Veröffentlichung gelangen und noch schwerere Anklagen als die im Polenbuch enthaltenen bringen werden. Alles, was in dem PAT-Interview mir in den Mund gelegt wird, wurde von mir nie gesagt. Statt //Judenrepublik" — Zwangsarbeit Aii6 Moskau wird gemeldet: Die Flucht de r jüdischen Einwanderer aus Biro Bidschan dauert an. Wie der fernöstliche Zweig des Komzet an die Komzet-Zentrale in Moskau telegraphiert, sind aus manchen Orten mehr als 50 Prozent, aus anderen mehr als 20 Prozent der Einwanderer wieder fortgezogen. In dem Telegramm wird darauf hingewiesen, daß angesichts, dieser Flucht der Beschluß des Zentralexekutivkomitees der Sowjets, Biro Bidschan bis spätestens Ende 1933 zu einem jüdiseihen autonomen Rayon auszugestalten, nicht wird durchgeführt werden können. Komzet in Moskau wird um „dringende wirkliche Hilfe" ersucht. Es wird mitgeteilt, daß die Bautätigkeit infolge Mangels an Bauholz und anderem Material vollkommen etillsteh,t und die Nahrungsmittel Versorgung infolge schlechter Leitung nicht funktioniert. „Emeß" teilt mit, daß ein Küken 15 Rubel, ein Ei zwei Rubel kostet. Im Hinblick auf den. infolge Massenabwand e r u n g entstandenen Mangel an Arbeiterhänden in den jüdischen Kolonien der Ukraine schlägt die jüdisch-kommunistische Zeitung „Emeß" vor, Juden in den Kleinstädten zwangsweise auszuheben und au Z wa ngs f eida rb e i t in die Kolonien zu schicken. / * „Emeß" teilt mit, daß die in der Ukraine herrschende B r o t Je n a p p (h e a t zahlreiche dn „Ariele'* (Produktionsgenossenschaften) organisierte jüdische Handwerker und Heimarbeiter zwingt, aus den Ariels auszutreten. In manchen Kleinstädten haben die Ariele 80 Prozent ihrer Mitglieder verloren, Die jüdischen Handwerker und Heimarbeiter, die in den Arteis nicht genug verdienen, um ihren Brotbedarf auf dem freien Markt decken zu können, und die nicht wie die Industriearbeiter das Privileg haben, Brot zu verbilligtem Preis von den staatlichen Konsumgenossenschaften zu. beziehen, sehen, sich gezwungen, aus den Kleinstädten auszuwandern und Gebiete aufzusuchen, in denen die Chancen, Brot zu bekommen, bessere sind. Durch diese Abwanderung jüdischer Handwerker und Heimarbeiter bricht das ganze System der auf Kooperativer Grundlage aufgebauten jüdischen Produktion, besonders in den Kleinstädten, in denen die Nahrungsmittelbeschalfung jetzt sehr schwierig ist, zusammen. ___________ Berlin—Tiberias in zwei Tagen Wie die Deutsche Luft-Hansa mitteilt, ist durch Einrichtung der Fluglinie B e r 1 i n—Saloniki- Athen die Reisedauer B erlin—Tiberias auf zwei Tage verkürzt worden. Der Fahrplan ist folgender: Der Abflug erfolgt jeden Montag um 3 Uhr morgens in Berlin-Tempelhof. Der Flug führt ülber Wien- Budapest—Sofia nach Saloniki und Athen, wo die Landung um 18.30 Uhr erfolgt. In Athen besteht Anschluß an den Dienst der englischen Luftverkehrs-Gesellschaft Imperial Airways Ltd., deren Flugzeug jeden Dienstag um 7.30 Uhr startet und in Tiberias um 19.15 Uhr landet — In umgekehrter Richtung startet das Flugzeug der Imperial Airways Ltd. jeden Sonnabend um 7 Uhr in T'ber'ae und landet in Athen um 15 45 Uhr. Da die Linie der Luft-Hansa nur bis Saloniki führt und der Dienst der griechischen Luftverkebrs-Gesellschaft, die das Teilstück Athen—Saloniki befliegt, am Sonntag ruht, muß der Zug benutzt werden, der abends Athen verläßt und morgens in Saloniki eintrifft. Hier startet das Flugzeug der Luft-Hansa um 9 Uhr und landet in Berlin am selben Tage um 19.45 Uhr.

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