Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 253 (22.7.1932)
- Date
- 1932-07-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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> Seite \ DIE NEUE WELT Es war ein Unglück, daß der Bericht in Basel nicht rtmders eingeleitet wurde. Etwa so: Die .englische Regierung »Jiat uns ein Territorium angeboten, das als sehr fruchtbar gepriesen wird. Wir als Zionisten dürfen uns nicht zersplittern, unser Ziel bleibt Zion. Wohl aber sollten wir als Juden mit anderen jüdischen Körperschaften dieses Land auf seine Kolonisationsfähigkeit hin untersuchen. Als ich Herzl dies in Aussee vortrug, schaute er mich schmerzlich an, und zum ersten Male hörte ich von ihm das Geständnis einer Schwäche: „Ja, es ist vielleicht em Fehler geschehen." Es ist wenig bekannt, daß die Stellung der russischen Führer zu Herzl durch Zwischenträgereien vergiftet wurde. Wer sich von Herzl bedrückt fühlte, von oben bis hinab zu den Angestellten, suchte bei den Russen Unterstützung gegen den Führer. Deshalb schrieb er jene «ahllosen Briefe persönlich, jene Tausende von Fragen und Antworten, die erst, gesammelt, ein Bild seiner Arbeit liefern werden. Als er die Arbeit nicht mehr leisten konnte, wufde ihm ein nichtzionistischer Sekretär beigegeben. Aehnlich war das Verhältnis zum Baron Edmond Rothschild auf eine schiefe Bahn gebracht worden. Männer aus den alten zionistischen Vereinen der verschiedenen Länder, die zu Herzl kamen, ihm Treue und Anhänglichkeit gelobten, eilten sodann sofort zum Baron, um seiner Ungnade zu entgehen, was Herzl sehr rasch erfuhr. Der Baron fürchtete, daß durch die Kongresse der Bestand seiner Kolonien untergraben werden könnte und lehnte AteS^.^sunmenarbeit/ entschieden ab. Aber Herzl hatte die Bedeutung der Rothschildschen Kolonisation sehr richtig, .erfaßt.^ Er bekämpfte das System ebenso wie das der Aliiähce Isra61ite, unterschätzte aber deshalb die Bedeutung von Mikweh Israel und der Kolonien Rothschilds nicht. , Heute besitzen wir den Ueberblick über die vielen Jahre und können das Endergebnis beurteilen. Ohne die Chpwewe Zion wäre die Bewegung des politischen Zionismus nie so rasch in Schwung gekommen. Ohne die B,ilu,; gesegneten Andenkens, wäre der Chaluz nicht auferstanden. Hätte Baron Edmond Rothschild nicht mit einer geradezu beispiellosen Großherzigkeit die reichen Mittel zur Verfügung gestellt und. der Welt gezeigt, daß Juden Bauern werden können, wären auch die unabhängigen Kolonien wie Petach Tikwah und Rechoboth nie entstanden. Aber all das wäre verdorrt und verkümmert, ohne die gewaltige Förderung des politischen Zionismus.. ..... Wir haben ja erlebt, daß . die Absolventen von MJkweh geradezu . für , die Fremde erzögen wurden und dte Kinder der Zionisten jener Zeit hinausstrebten nach Chuz la Arez, nach. Paris, von wo das , Geld gekommen irär, um ihre Väter in Palästina anzusiedeln. Heute ist It i k w e h I s r a e 1 eine n a f 1 oi.n aTe'**! ri\ t lYu'ti o n, dessen Absolventen dem Lande zum größten Segen gereichen, und die Söhne und Töchter von Rischon, Sichron jakpb u. a. helfen das Land durch ihre Arbeit bereichern. Erst die weltumfassende Bewegung despolitischenZionismushatdenKolonieh in Palästina das Rückgrat gestärkt, hebräischer Geist sie zu lebendigen Organen gestaltet. Er hat aber auch die segensreiche Tätigkeit ier PicU hervorgerufen. Heute kann jeder Ziönist mit gutem Gewissen sagen, das Andenken Edmond von Rothschilds werde in unserem Volke nie untergehen. Aber auch Seine Schöpfungen genießen die Wohltaten des Mandatslandes,' gedeihen durch die Folgen der Kongresse. Gäbe W in Israel mehrere Männer seiner .Art, dann könnten wir den Engländern hoch mehr Leistungen vorführen, wir stifarden stolzer und' größer da. >: Aber auch die Ghowewe-Zion-Bewegung Gebe meine Wohnung, zwei Zimmer, Kabinett, Vorzimmer, Küche, mit allem Komfort, demjenigen ohne Ablöse, der die modernste Schlaf- und Speisezimmereinrichtung lt. Fakturenrechnung ablöst. — Zuschriften an die Administration dieses Blattes unter «Zins S 27.— monatlich" in Rußland wäre versandet, hier und dort eingetrocknet, sie wäre ohne Herzls Arbeit untergegangen. Hätte sie den Krieg überdauern können, wäre sie imstande gewesen, dem Bolschewismus zu widerstehen? Die meisten Chbwewfe Zion, auch jene, die Herzl unnachsichtlich bekämpften, waren guten Willens, und ihre Arbeit hat im Grunde der gemeinsamen Sache genützt. Herzl war ein enthusiastischer Bekenner all« dessen, was vor ihm gewesen ist. Pinskers „Auto* j emanzipation", die Dr. Schnierer für ihn übersetzt hatte, Moses Heß' „Rom und Jerusalem" waren ihm wichtige Vorläufer. Pinskers genialer Aufruf hat die jüdisch-nationale Bewegung in Rußland begründet und mit ihr die wichtigste Grundlage für den Zionismus geschaffen. Moses Heß hat sein bedeutendes Buch im Westen geschrieben, in deutscher Sprache. Es blieb fa9t ohne jede Wirkung, trotzdem ihm Dr. Theodor Zlocisti eine tiefgründige wissenschaftlich fundierte Biographie gewidmet hat. Theodor Herzl sagte mir, nachdem er das Buch von Heß gelesen hatte: „Es ist gut, daß ich es nicht früher gekannt habe, ich hätte vielleicht mein Buch für überflüssig gehalten." I sem imd auf'ihn einen noch stärkeren Eindruck machen soll, heißen) wir ihn für das Glas Milch drei Rubel bezahlen, und zwar in ausländischer Valuta. Da bleibt der Tourist angewurzelt stehen wie vor der unerhörtesten Naturerscheinung'. Ein Nichts der Niagraf all, die Pyramiden, das Grab-des Tutamkhamen. Das Glas Milch wird ihm im Gedächtnis bleiben bis in alle Ewigkeit. Und noch viele viele solcher Attraktionen haben wir für den Touristen geschaffen, damit er komme und in Valuta zahle. Denn wir brauchen Valuta. Es kommen die Touristen und bringen uns eine Menge Valuta; soviel, daß wir bereits unsere Bürger bekleiden und beschuhen und die Produkte verbilligen und Wohnungen bauen und die „Schlangen" der Hungernden abschaffen können. Aber Jn diesem Fall würden wir doch mit $genen Händen unsere Attraktionen vernichten und die Juristen, würden aufhören zu kommen und uns Valuta 5ju bringen. Und Valuta müssen wir haben. Es entsteht also ein Problem! Sobald die „Schlangen" bleiben und djte Menschen barfuß herumgehen und man keine Wohnungen baut ~ wozu braucht man dann Valuta? Daraus die Folgerupgr Wir brauchen Valuta, um die Industrie aufzubauen, die uns mit Bekleidung und (Wohnung und Brot und. Fleisch versorgen soll. Und weshalb geben wir all das der Bevölkerung nicht? Philosoph^ der 81© sind! Wenn wir der Bevölkerung iWohnuügi Brot und Kleidung geben und ein menschenfriUdige» Daeeia fuhren, werden wir doch keine Atiralvßaa meht min, wenden die Touristen doch aufhöreu zu Rommen. *nd ml» werden kein« Valuta habwi. Ja, und Vozu brauchen wir Valuta? Schlüssige Antwort: Weiches ^\»nd hai nicht Valuta gern? Und gar (*in Land mit iniunjsnms... Die fünfte Revisionistische Wellkonferenz Wien, 26. Attgust bis 1. September 1932. London, 20. Juli. Die Exekutive der Weltunion der Zionisten-Revisionisten teilt mit: Die 5. Weltkonferenz der Union wird in Wien abgehalten werden. Die Konferenz wird Sonntag, den 28. August, 8 Uhr abends, eröffnet und Donnerstag, den i. September, abends geschlossen werden. Haben schon die vorangegangenen vier revisionistischen Weltkonferenzen. merkbare Ereignisse des jüdisch-politischen Lebens dargestellt, so wird die bevorstehende 5. Weltkonferenz, an ihrem Arbeitsprogramm uiid an dem gewachsenen Anhang gemessen, eine ganz besondere Bedeutung gewinnen. Eine Bewegung wie die unsrige, die im Verlauf von ungefähr sechs Jahren ihrer Existenz von einigen vereinzelten Enthusiasten zu einer Armee von zirka 7 0.000 Anhängern angewachsen ist und den Grofiteil der zionistischen Jugend an sich gerissen hat, ist ein Zeugnis für die Anziehungskraft der Idee, unter deren Banner wir kämpfen. D i e J ü d e n s t ä a t sf ahne ist es, die uns die innere Stärke gibt, immer unerschrocken weiterzusuchen, um dem konstruktiven . Aufbau des Zionismus näherzukommen und uns von der gefährlichen seelischen Verfassung der offiziellen Zionisten zu befreien; Diese innere Stärke gibt dem Revisionismus die Möglichkeit, trotz mancher Differenzen bezüglich der einen oder der anderen Frage seinen Charakter als einheitliche und homogene Bewegung und als Repräsentant der.-jüdischen Renaissance aufrechtzuerhalten. Es wäre unrichtig, zu leugnen, V daß diese Konferenz jmaiiche mn^ren'Probleme äu erledigen hat. Wir sind aber überzeugt, "dafP^eih WfcgSfcn einer vollen gegen-- seitigeri Verständigung gefunden werden wird..; . Folgende. Probleme werden: jfjUe 5. Wetykonferenz beschäftigen: 1. Der Zionismus vom Gesichtspunkt des ins ungeheure - gewachsenen Jüdiseben; Elends in. allen Teilen der Welt.— Die Lage in Palästina nach der Veröffentlichung der sogenannten „Sachverständigenberichte4'. — Der fortwährende Abbau des Mandats. —• Was soll die jüdische Antwort sein? — Unsere Beziehung zur Mandatarmacht und unsere weiteren Kampfmethoden. — Formen unseres Widerstandes gegen den. fortwährenden Raub unserer Rechte. 2. Der Gedanke einer Massenpetition des jüdischen Volkes, die die Fordernjagen und Gefühle des Judentums im Znsammenhange mit der ausgebliebenen Erfüllung des Mandats an entsprechender Stelle zum Ausdruck bringen soll. — Inhalt nnd Adressat der Petition. — Die Art und Weise ihrer Durchführung. 3. Der Beschluß von Calais und die weitere Organisationsform der revisionistischen Weltunion. — Unsere Beziehung zur Zionistischen Organisation und zu den zionistischen Landesorganisationen. — Organe der revisionistischen Union. — Fragen der inneren Disziplin und einer einheitlichen Leitung der Bewegung. 4. Unser Verhältnis zur Knesseth Israel nnd Vaad Leumi in Palästina. — Unsere Stellung zu den Fonds. — Die Frage der Organisationellen Autonomie der palästinensischen revisionistischen Landespartei und ihrer Organe. — Die Tätigkeit der revisionistischen Organisation in Palästina auf allen Gebieten. 5. Die Stellung der revisionistischen Union zur Gegenwartsarbeit. — Die im Zusammenhange mit dem Anwachsen der revisionistischen Kräfte aktuell gewordene Frage unsere* Beteiligung an der jüdischen Landespolitik. 6. Die Fortsetzung unserer eigenen konstruktiven und kolonisatorischen Arbeit, die uns durch die totale Unfähigkeit der zionistischen Exekutive aufgezwungen wurde. — Spar- und Ueberwanderungskooperative und deren Ausdehnung. — Hachscharah und Ansiedlung der revisionistischen Einwanderen i—> Totzereth Haaretz. .,..?. Das Problem der Schaffung einer nationale/! Arbeiterorganisation in Palästina. —. Die „Histadruth Haovdini" als antirevisionistische Fromttmppe. 8. Betharbewegung. — Das gegenseitige Verhältnis von Zohar und Bethar. — Andere revisionistische Jugendorganisationen. 9.. Die Hebräisiertfng der Galn.thur.r- Unsere diesbezügliche Stellung und unsere Vorschläge. . Unsere Weltkonferenz wird nach Bekanntgabe des French-Berichtes und nach der Sitzung des Aktionskomitees der Zionistischen Organisation stattfinden. Sie wird somit nach außen und nach innen vor einer klaren Situation stehen und definitive Tatsachen bezüglich der britischen Politik in Palästina nnd dem Verhältnis der zionistischen Oeffentlichkeit zu dieser kardinalen Aeufierung der Mandatarmacht vorfinden. Das Wort der 5. Weltkonferenz wird auf diese Weise die erste Aeußerung des Juden st aatszionismus zur geschaffenen Lage sein. Was ist Zionismus;Revi§ioni§mu§? Die „Neue Welt" bringt nachstehend den Vorabdruck einer demnächst im Verlage der Union der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs erscheinenden Aufklärungsschrift. I. Die von Vladimir Jabotinski eingeleitete und geführte Bewegung des Zi o ni smu s- R e vi si onismus hat begeisterte Zustimmung und erbitterte Gegnerschaft hervorgerufen. Das hat zu einem Meinungskampfe von besonderer Heftigkeit geführt, in dessem Verlaufe notgedrungen das Bild dieser Bewegung verzerrt wird. Von gegnerischer Seite her ist man bestrebt, dem Revisionismus den Stempel von Chauvinismus, Faschismus, Reaktion, ins Ungemessene gesteigerte Phantasterei aufzudrücken. Die auf Freundesseite hiedurch vorgerufene Abwehr ist nicht selten gleicherweise durch Leidenschaftlichkeit getrübt und ausschweifend. In nachstehenden Ausführungen werden die Grundzüge und das Programm des Zionismus-Revisionismus auf Basis der von den maßgebenden revisionistischen Tagungen gefaßten Beschlüsse und erlassenen Kundgebungen dargelegt. Zurück zu Theodor Herzl Der Revisionismus ist keine „Abart" des Zionismus, kein „neuer" Zionismus, keine „Entdeckung". Er ist seinem Wesen nach nichts anderes als Herzl-Zionismus, das heißt: Er ist das Bestreben, den Zionismus wieder mit den geistigen und politischen Grundsätzen Theodor Herzls, des Schöpfers der Idee vom Judenstaate und Gründers der Zionistischen Weltorganisation, in Einklang zu bringen. Die zionistische Bewegung ist im Programme und in den Methoden von, Herzls Weg abgeirrt. Das Programm und die Methoden siind in Herzlschem Geiste zu revidieren. Wohl bringt der Revisionismus gewisse praktische Vorschläge betreffend die Formen der wirtschaftlichen und politischen Aufbauarbeit, welche den Verhältnissen in der Gegenwart angepaßt sind. Aber im Wesen ist Zionismus-Revisionismus nichts anderes als die Rückkehr zu Theodor Herzl. Zweck und Ziel Der Zweck, den Theodor Herzl mit seinem politisch eri Zionismus anstrebte, war: Beseitigung der materiellen und moralischen Judennot, der Not des jüdischen Menschen und des jüdischen Volkes. Er erkannte, daß Liberalismus, Sozialismus, Kommunismus und alle anderen Zeitströmungen an der Judenfrage vorbeigehen und sie ungelöst lassen; daß der Antisemitismus, trotz aller Wandlungen im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben, besteht und solange in unverminderter Stärke bestehen wird, solange die Juden überall als Minderheit in fremdnationaler Umgebung leben. Solange dieses Grundübel nicht. beseitigt ist, besteht die Judennot in unverminderter Stärke. Aus dieser Erkenntnis heraus rief Theodor Herzl die Juden und alle Kulturnationen zur Schaffung des Judenstaates auf. Eines Staates, mit einer jüdischen Majorität, der Millionen bisher zerstreuter Juden sammelt, ihnen die Möglichkeit ungestörter Arbeit, ungefährdeter Existenz gibt, und denjenigen Juden, die in anderen Staaten leben, den Schutz und Rückhalt verleiht, den jede staatsbildende Nation ihren zerstreuten Volksgenossen bieten kann. Der Zionismus von heute ist von der Richtung zum Judenstaate abgeirrt, er ist vom Streben zum Judenstaate abgekommen und hat so den Charakter der nationalen Freiheitsbewegung eingebüßt. Man begnügt sich mit einem Wohltätigkeitszionismus, der, unter Verzicht auf große politische Ziele, mit Hilfe jüdischen Spendengeldes einige tausend Juden in Palästina ansiedeln will. Mit einem Kulturzionismus, der in der Schaffung eines „geistigen" jüdischen Zentrums in Palästina das Ziel sieht. (Professor Weizmann, der Vertreter der gegen die Idee vom Judenstaate gerichteten Tendenz im Zionismus, sagte anläßlich des Zionistenkongresses 1931: »Wir brauchen keine jüdische Majorität in