Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 252 (15.7.1932)
- Date
- 1932-07-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2711843-2711873--3217-2716570- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
fette DIE NEUE WELT Nr. Ä~ . ns Deutschland 4h* v9Ammmi ^MTcMc Mh) HWlllltöJllÄflidlÄMiÄPJWWIIllWHBl^^ Ilm den Judenpunkt in Deutschland Berlin, 11. Juli 1932. Wie in der letzten Nummer der „Neuen Welt" mitgeteilt wurde, sollte in dieser Woche eine jüdische Deputation vom Reichspräsidenten von Hindenburg empfangen werden, um von diesem eine beruhigende Erklärung über die Beziehung der Papen-Regierung zu den Juden in Deutschland entgegenzunehmen. In einer heute stattgefundenen Pressekonferenz des C. V. (Centraiverein deutscher Staatsbürger, jüdischen Glaubens) wurde nun offiziell von jüdischer Seite erklärt, daß es zu einem Empfang bei Herrn von Hindenburg nicht kommen werde, da seitens der jüdischen Organisationen keinerlei Empfang bei der Reichsregierung nachgesucht worden sei. Bekanntlich brachte bereits am 5. Juli 1932 die ITA. eine Mitteilung „von bestinformierter Seite", wonach eine hochgestellte politische Persönlichkeit des gegenwärtigen Kabinetts sich einer bedeutenden jüdischen Persönlichkeit gegenüber geäußert habe, die neue Regierung beziehe sich , ablehnend zum Antisemitismus in Deutschland. Diese etwas nebulose Andeutung wurde von keiner Seite her dementiert. Sie sagte allerdings nichts Konkretes, wurde aber doch als gutes Symptom gewertet. Das eigentliche klare Wort wurde beim Empfang der jüdischen Deputation durch den Reichspräsidenten erwartet. Der C. V. leugnet heute, daß um einen solchen Empfang nachgesucht wurde. Um diese Feststellung zu bekräftigen, kommt dak offizielle Kommunique des C. V. auf die bereits am 5. Juni 1. J, erschienene Mitteilung der ITA. zurück und bestätigt die in derselben veröffentlichte Erklärung. Das heißt: Sie bestätigt irgend eine von einer hohen politischen Persönlichkeit gemachte Aeußerung. Denn, man mag die Erklärung der ITA. lesen, wie oft man will, man wird keinesfalls daraus erfahren, wie sich die Papen-Regierung tatsächlich zur Judenfrage stellt. Die eigentliche Erklärung, die an». 5. Juli 1932 veröffentlicht wurde, stellt die Folgerung aus einem Briefe dar, den der Staatssekretär Dr. Planck an eine bekannte jüdische Persönlichkeit kurze Zeit nach Konstituierung des neuen Reichskabinetts gerichtet hat. Es war ein Privatschreiben, in welchem, u., a. aucjft. die Frage,Trfjer. Juden in Deutschland berührt wurde. Führer der jüdischen Organisationen Berlins wurden über den Inhalt dieses Briefes informiert* worauf die ITA. ihre unklare Mitteilung veröffentlichte. Es fällt nun ganz merkwürdig auf, weshalb erst jetzt, also fünf Wochen nach dieser Veröffentlichung, sich der C. V. zur Erklärung herbeiläßt, daß die „Aeußerungen des Staatssekretärs Dr. Planck im Zusammenhang mit einer ITA.-Meldung vom 5. Juni 1932 stehen, die mit Kenntnis und Billigung der Reichsregierung veröffentlicht wurden", Man muß da doch schon einige Fragen an die verantwortlichen Herren richten, die immer wieder von sich als den Repräsentanten des Juden-Deutschland sprechen und jede politische Aktion für sich in Anspruch nehmen: Warum bestätigt der C. V. erst heute, am 11. Juli, eine ITA-Meldung vom 5. Juni? Warum sieht er sich überhaupt veranlaßt, eine Bestätigung zu geben? Ist die6 nicht darauf zurückzuführen, daß man doch auf einen Empfang durch Regierungskreise rechnete? Weshalb ist es aber zu einem solchen nicht gekommen? Wenn das Kommunique" sagt, „daß seitens der jüd. Organisationen um keinerlei Empfang bei der Reichsregierung nachgesucht wurde", dann kommt doch dieser Betonung gewisse Bedeutung zu?! Und warum wurde nicht nachgesucht? Welche Bedeutung hat es ferner, das Schreiben des Herrn Dr. Planck, welches angeblich „mit Kenntnis und Billigung d«r Reichsregierung veröffentlicht wurde", welchem also offizielle Bedeutung zukommt, der jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit vorzuenthalten? Kann denn die deutsche Judenheit dadurch beruhigt werden, daß man ihr einfach mitteilt, ein Herr habe von einem anderen Herrn einen Brief erhalten, dem die Regierung zustimmt? Die Juden Deutschlands wollen doch auch wissen, was in diesem Briefe steht! Die Geheimtuerei muß ein Ende nehmenI Die um ihre Zukunft besorgte Judenheit in Deutschland will klare Worte hören! Es geht nicht an, daß Männer, denen Pension »Austrla* Kinderheim Vöslau (OLGA KADI9CH) Jig*rm«y«r«fr«s« ie - Tefepfcon Rf. 141 Für Dauer- und Erholungsaufenthalt ffltohctlalrtfo* uwi A4utftafet»*nottt Berlin, ClMtfottedburg % HlflWNWHIWIinil^ Jeder Unterricht im Hauae, aueb Schulen besuchende Kmder. pifcJ väP11** s*^***4* hbttfe für ötfentl. isch einwandfreie IlflMMIl von niemandem die entsprechende Legitimität eingeräumt wurde, namens des Judentums und für das Judentum Erklärungen abgeben und entgegennehmen und ihr politisches Unvermögen durch geheimnisvolles Tun verdecken. Wir wollen Ware Antwort auf unsere klare Frage! Ein jüdischer Arbeitgeber darf seinen antisemitischen Angestellten nicht entlassen Die Kammer 9 des Arbeitsgerichts in Berlin hat unter dem Vorsitz von Amtsgerichtsrat Dr. Schulz entschieden, daß beleidigende antisemitische Aeußerungen eines Angestellten einen jüdischen Arbeitgeber nicht berechtigen, den Angestellten fristlos zu . enttassen. In einer Großhandlung, die zahlreiche jüdische Angestellte beschäftigt und von jüdischen Inhabern geleitet wird, arbeitete ein Schwerkriegsbeschädigter als Kontorist gegen ein Gehalt von 228 Mark monatlich. Drei Tage nach den Preußenwahlen kam der Kontorist sehr angriffslustig zur Arbeit und verbreitete sich auf dem Korridor über seine Ansichten zur Judenfrage. Neben anderen aggressiven Bemerkungen äußerte er, daß „die Juden nach dieser Wahl wohl die Nase ein bißchen voll haben" würden. Die Reinmachefrau, sein Gesprächspartner, wehrte sich gegen die unerwünschte politische Aufklärung und wurde daraufhin von ihm beschimpft und bedroht. Die anderen Angestellten und Inhaber wollten nach diesen Vorfällen mit dem antisemitischen Mitarbeiter nicht länger zusammenbleiben. Man zahlte ihm sein Gehalt für den laufenden und den nächsten Monat und verzichtete auf sein weiteres Erscheinen. Mit der Klage vor dem Arbeitsgericht beantragte der Entlassene, festzustellen, daß sein Arbeitsverhältnis weiter fortbestünde, weil er ohne Zustimmung der Hauptfürsorgestelle entlassen worden sei. Er «habe die Bemerkungen auch nicht „tendenziös" gemeint. Das Gericht gab der Klage statt. Das Arbeitsverhältnis mit einem Schwerkriegsbeschädigten dürfe nur dann ohne Zustimmung der Hauptfürsorgestelle gelöst werden, wenn der Angestellte einen Grund zur fristlosen Entlassung gebeben habe. Das sei aber hier nicht der Fall. Die allgeniein gehaltenen antisemitischen Aeußerungen hätten sich nicht auf die Inhaber der Firma bezogen und wären' auch nicht zur Weitergabe bestimmt gewesen. Sie könnten lediglich eine fristgemäße Kündigung rechtfertigen, falls die Inhaber „nicht vermögen, in großzügiger Weise über diese sehr erheblichen und taktlosen allgemeinen Redensarten des Klägers hinwegzusehen". Die verurteilte Firma hat bereits Berufung beim Landesarbeitsgericht eingelegt. Das Reichsgericht hebt das Nürnberger Talmud- Urteil auf Das Reichsgericht hat in seiner Sitzung vom 5; Juli 1932 der Revision der Staateanwaltschaft Nürnberg gegen das freisprechende Urteil des Nürnberger Schwurgerichtes vom 19. Oktober 1931 gegen den verantwortlichen Redakteur des „Stürmer", Karl Ho 1 z, stattgegeben und die Sache zur nochmaligen Verhandlung zurückgewiesen. Es handelte eich um eine Anklage wegen eines Vergehens wider die Religion, begangen durch die Presse. (§ 166 StGB.) Der „Stürmer" hatte die."urilliitigsten Beschimpfungen gegen den Talmud und di§ j ü d i s c h e R e 1 i g i o n ausgesprochen. 1 Das freisprechende Urteil des Nürnberger. Sohwiurgerichtes hatte seinerzeit über Deutschland hinaus ungeheures Aufsehen erregt und schwerste Beunruhigung in die jüdischen Kreise gebracht. Während der Prozeßtage in Nürnberg herrschte dort ein starker antisemitischer Terror, so daß die jüdischen Zeugen und Sachverständigen nicht ohne Bewachung die Straßen paseieren konnten. Das Gericht hatte die von jüdischer Seite erschienenen Sachverständigen nicht anerkannt und sie nur als Zeugen vernommen, während es den antisemitischen Pamp h leiteten Bischoff aus Leipzig als Sachverständigen verhörte. 1 Die Nazi-Kinos in Berlin j\> Berliner Kinobesitzer sind aus dem Verband der Lichtspiekheaterbesitzer ausgetreten, weil der Verband einen Antrag auf Ausschließung der Juden aus dem Lichtspieltheaterwesen abgelehnt hat. Diese 50 Kinotheaterbesitzer haben sich zu einem Naail-KS/inoveriband zusammengeschlossen. Die „Welt am Montag" ist in der Lage, die Namen der folgenden Berliner Kinos zu veröffentlichen, deren Besitzer dem Nazi-Verband angehären: 1. Apollo-Lichtspiele, Osten; 2. Merkur-Lichtspiele, Nordosten; 3. Marga-Lichtepiele, Norden; 4. Delta- Lichtspiele, Norden; 5. Marabu-Lichtspiele, Neukölln; 6. Südwest-Lichtspiele, Südwesten; 7. Welt-Kino, Moabit; 81, BeMe-A'fiianee-fcichtspiele, Südwesten; 9. Slldpalatt, Neukölln; 10. Theater am Moritzplatz, Südwesten! 11. Korso-Lichtspiele, Neu-Tempelhof; 12. Wiener Lichtspiele, Südosten; 13. W. B. T., Südosten; 14. Delphi-Lichtspiele, Weißensee; 15. Palast-Lichtspiele, Steglitz 16. Rheinschloß, Friedenau; 17. Kronen-Ldöhtspiele, Friedenau; 18. Helios-Lichtspiele, Südwesten; 19. Rivoli, Halensee; 20. Palast-Lichtspiele, Lichterfelde; 21. Münz- Theatefr, Mjüftzstraße^ 22. Pritzkow-iLichtspfele, Münatstraße. An die Revisionisten Deutschlands! Die •revisionistische Weltkonferenz ist nun endgültig für den 14. August 1932 einberufen worden. Als Abschlußtermin für den Dinarverkauf in ganz Deutschland wurde vom Landesvorstande der 21. Juli 1932 bestimmt. Spätestens am 23. Juli muß die Landeszentrale der Zionisten-Revisionisten in Deutschland im Besitze der Gesamtverzeichnisse der Dinarzahler aller Ortsgruppen in Deutschland sein. Nach den bisherigen Ergebnissen hätte Deutschland nur eine kleine Delegation auf der bevorstehenden revisionistischen Weltkonferenz. Die Fragen, die auf dieser Konferenz besprochen und geklärt werden sollen, sind von solcher eminenten Bedeutung für die Weitergestaltuing und die Zukunft der revisionistischen Organisation, daß es unsere unumgängliche Pflicht ist, aus Deutschland eine auch zahlenmäßig so starke Delegation zur Weltkonferenz zu entsenden, deren Stimmen und Vorschläge nicht übergangen werden dürfen. Wir wenden uns daher nochmals mit der Aufforderung an unsere Ortsgruppen und an jedes einzelne Mitglied der revisionistischen Organisation, die noch zur Verfügung stehende Zeit einzig und allein dem Dinarvenkaoif zu widmen, um nicht nur die Weltkonferenz zahlreich beschicken zu können, sondern auch vor der jüdischen Oeffentlichkeit die Kraft und die Größe der revisionistischen Organisation zu demonstrieren. | Unsere Parole für die Zeit bis zum 21. Juli 1932 heißt daher: I Jeder Judenstaatszionist —• Dinarzahler! i Landesverband der Zionisten- Revisionisten in Deutschland, Der Raub der Zertifikate in Deutschland Von den 48 für Deutschland ausgeworfenen Zertifikaten, die durch das illegale Palästina-Amt jetzt verteilt worden sind, hat der Brith Trumpeldor sage und schreibe ein einziges bekommen, obgleich unter Zugrundelegung der Wahlziffern der Revisionisten beim letzten Kongreß es 7-^8 hättensein müssen! Bei der Vertretung unserer Ansprüche mußten wir die ganze Gewissenlosigkeit dieser zionistischen Sachwalter kennenlernen. Zuerst erklärte man, unsere Anmeldungen kämen zu spät, obwohl die Verteilung noch gär nicht im Gange war. Sodann wurde auf unsere Olim eingewirkt, sie sollten doch bis Oktober (!) warten, bis dahin gäbe es sicher mehr Zertifikate. Als wir sagten, daß wir die gleichen Ansprüche wie alle anderen auf die Zertifikate hätten, erklärte Herr P r e i s s (Allg.): Ansprüche hätten wir überhaupt nicht, da wir aus der Z. V. f. D. ausgetreten seienl Denselben Herren Preiss hatte man uns zur Wahrnehmung unserer Interessen zur Verfügung gestellt, da in die Verteilungskommission selbstverständlich kein Revisionist gelangt war. Eine als Kindergärtnerin ausgebildete Betharia wurde nicht berücksichtigt, obwohl bei ihr alle Voraussetzungen gegeben waren und sie anerkanntermaßen die einzige Bewerberin war, die perfekt Hebräisch beherrschte. — Von mehreren weiteren skandalösen Vorkommnissen kann noch nicht gesprochen werden, um nicht Inhaber von Zertifikaten zu gefährden. Wir kommen jedoch auf diese Fälle noch zurück! ' Herr Blumenfeld spricht vor roten Fahnen! Auf der jüngsten Jugendtfeffahrt der Berliner Zionistischen Vereinigung in Brieselang zeigte sich die Gefahr der roten Assimilation wieder deutlich. Brith-Trumpeldor hatte man nicht eingeladen, und so konnte man die jüdische blau-weiße Fahne fast gar nicht sehen, dagegen überwiegend rote Fahnen. Kurt Blumenfeld hatte die dankbare Aufgabe, vor dieser „zionistischen" Jugend die Ansprache zu halten. Dementsprechend sangen auch Brith-Haolim, Haschomer hazair usw. am Schluß die Internationale! Und Unbefangene hätten glauben müssen, auf einer kommunistischen Kundgebung zu sein, wenn nicht der MakkabwHazair am Schluß die Hatikwa gesungen hätte. H. E. Berliner Nachrichten' Regelmäßige Zusammenkünfte: An jedem Dienstag treffen sich die Revisionisten Berlins im Caf6 Kornreich, Charlottenburg, Fasanenstraße, direkt neben der Synagoge. Beginn ab 8 Uhr. Auch die von auswärts in Berlin eintreffenden Gesinnungsgenossen werden auf diese Zusammenkünfte aufmerksam gemacht. Betar in Ferien: Der Berliner Ken des Brith Trumpeldor hat soeben das Sommersemester seiner Tätigkeit beendet. Die Ferien dauern bis zum 15. August 1«52. Die meisten Betarim des Berliner Ken befinden sieh in der Sommersiedlung des deutschen Brith Trumpeldor, unweit von M a g d e b u r g, wo ein sechswöchiger wehrsportlicher Kurs eingeordnet wurde. Der Abschluß des Sommer- «wnesteM wurde durch eine schöne interne Feier vollzogen, bei welcher n. a. P. Feiwel, Hans Bger undnamens der Union Herr R. Liohtheim das Wort wgr>p|n. -Mit Gesang wurde die Feder, die im Saale des G^meimfehauaee, Rosenstraße, stattfand, beendet. Neue revisionische Broschüre: Jjgäsu soeben eine neue Brosdvüke ufcfer ltenusge$|ben. Die Broscöüre #$gtv den Zaon%m*e". Diäte B*c kohe e^ohijßffl Oteo beim