Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 252 (15.7.1932)
- Date
- 1932-07-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Kr. 252 DIE NEUE WELT Seife S könnt ist, seitens des ersten High Commissioners unternommen wurde, als er vor der Mandatskommission des Völkerbundes über den Vertreter der Exekutive in Palästina sprach, welcher damals noch nrbi et orbi diese „radikal-extremistischen'* Auffassungen namens der Eekntive in Palästina vortrug, während gleichzeitig die entgegengesetzte Richtung — offiziell-zionistisch — in London zum Ausdruck kam. Trotz aller Bestätigungen und Bestätigungen der Bestätigungen der Balfour-D eklaration, des Mandats, des Churchill-Statements und des Ma cDo nald - B r i e f e s kann heute jeder mühelos feststellen, daß jede dieser Bestätigungen mit einem Rückgang unserer politischen Position zusammenfiel und die Besiegelung einer politischen Niederlage bedeutete. Die Exekutive hat dies offenbar darum nicht eher einsehen können, weil sie sich fortlaufend und mit Unrecht, nach innen und außen, in einer ihre Kritiker disqualifizierenden Weise zur Verteidigerin ä tort et ä travers der offiziellen englischen Politik aufgeworfen hat, anstatt die ausgeübte Kritik als Hebel für eine Aenderung in der dem jüdischen Nationalheim feindlichen englischen Haltung anzuwenden. Zehn Jahre lang haben die einander folgenden Exekutiven über die Kunst, mit Engländern und speziell mit der Palästina-Verwaltung umzugehen, viel und gern gesprochen. Zehn Jahre lang verfügte die Exekutive über zu diesem Umgang besonders begnadete Kräfte. Das Resultat ist — auch jetzt —, daß es wahrscheinlich keinen Beamten in Palästina gibt, der, wenn nicht den Juden feindlich gesinnt, so doch dem jüdischen Nationalheim äußerst feindlich gegenübersteht. Das Resultat ist jetzt, wie sich aus den Bestätigungen der Bestätigungen und aus deren Negierung in der Wirklichkeit ergibt, daß man unsere Politik in London nicht ernstnimmt, daß die eine politische Niederlage der anderen folgt, daß das Mandat und alle weiteren Deklarationen immer mehr ausgehöhlt werden. Wir dürfen nicht schweigende Zeugen der Aushöhlung des Mandats sein und noch weniger Mitschuld ige. Wir glauben, daß . seitens unserer Leitung in Zusammenarbeit mit den Landesverbänden und Federationen systematisch und nachdrücklich an den V ö 1 k e r b u n d und die Vereinigten Staaten, die in gewissem Sinn an dem Mandat beteiligt sind, hätte appelliert werden müssen und noch jetzt appelliert werden müßte. Keine Aktion für non-cooperation mit England, sondern gegen die fehlende Mitwirkung Englands bei der Durchführung des Mandats. Wir sind der Ueberzeugung, daß durch die Haltung der Eeku-tive in diesen Angelegenheiten, die sie sowohl früher wie auch jetzt eingenommen hat, unser Einfluß auf die äußeren politischen Faktoren sehr geschwächt worden ist. Beschränken wir uns auf die folgenden Illustrationen: a) Das Buch Leonard Steins, des dar maligen politischen Sekretärs, in welchem die jüdische Majorität in Palästina lächerlich gemacht wurde; das Buch wurde wiederholt von der zionistischen Exekutive empfohlen; der Verfasser leitete die zionistische Politik gegenüber der englischen Regierung und er beeinflußt auch jetzt noch die zionistische Politik. b) Das vom früheren Präsidenten der zionistischen Organisation auf dem letzten Kongreß abgegebene Interview. Darin wurde, nach unserem Geschmack sehr unpolitisch und außergewöhnlich undiplomatisch, nicht nur das Streben nach einer jüdischen Majorität abgewiesen, . sondern die Anhänger der Majoritätsauffassung wurden überdies bei den Arabern verdächtigt. c) Das Memorandum des offiziellen Vertreters der Exekutive in Genf über die jüdischen Kantone, Ferner die Auslassungen des politischen Leiters der Jerasajemer Exekutive (Arlosoroff) anläßlich des Interviews mit,Sir John Hope Simpson, das Herr Ezra publizierte.; Abgesehen von der symptomatischen Beleuchtung, die unsere Politik hieduroh erfährt, müssen wir uns fragen, ob es noch so etwas wie ein gegenseitiges Zusammenarbeiten der Exekutive gibt, vor allem unter dem Aspekt ihrer kollektiv e n V e r a n t w o r 11 i c h k e i t. d) Bedauerlich ist der Einfluß, den Nichtzionisten auf die zionistische Politik und auf die Zielsetzung ausüben. Weit bedauerlicher noch ist jedoch die Haltung der englischen Zionisten, die nach dem letzten Kongreß ihrer Gesinnung als „true Britons" dadurch Ausdruck glaubten geben zu müssen, daß sie Zionisten als antienglisch denunzierten, welche die zionistischen Prinzipien nicht verleugnen und die englische Regierang dazu bewegen wollten, die ihr im Mandat auferlegten Pflichten zu erfüllen. Die englischen Zionisten nehmen es auf sich, England und feine Regierung gegen diesen Anspruch in Schutz zu nehmen. Diese übertriebene und u n a ngebrachte Schaustellung britischer Gefühle — ein Staatsbürger wie jeder andere würde naturgemäß nicht so empfinden — macht uns sehr besorgt wegen des Einflusses, der von diesen Kreisen offenbar immer noch auf unsere Politik ausgeübt wird. Uns steht kein anderer Weg offen als die A nwendung aller Kräfte, um die englische Regierung zu einer Zusammenarbeit zu bewegen, die zur Durchführung des Mandats erforderlich ist, und an alle Regierungen und Völkerbundsorgane zu appellieren, die in dieser Beziehung eine Kontrollaufgabe bei der Durchführung des England im Interesse des jüdischen Nationalheims anvertrauten Mandats haben. Selbstverständlich kann ein solcher Versuch in zionistischem Sinn nur dann Bedeutung haben, wenn er nicht auf der Basis einer Verkleinerung unserer Ziele unternommen wird. Diese Aktion kann nur dann Erfolg haben, wenn sie im Zeichen der außerordentlich verschärften Jndesfrage geführt wird. Diese Verschärfung wird allgemein erkannt und in höherem Maße als je vorher als ein politisches Weltproblem ersten Ranges empfunden; man wird für das Problem und seine Lösung erhöhtes Verständnis finden, aber selbstverständlich nur dann, wenn die Art unseres Zieles eine Aussicht auf Lösung des Problems eröffnet. Es darf also an der Notwendigkeit einer integralen Durchführung des Mandats zur Lösung der Judenfrage nicht gerüttelt werden und gewiß nicht von Seiten zionistischerVertreter. Jede Verkleiner ungder zionistischen Zieile kann nur zur Folge haben, daß einerseits die oben empfohlene Aktion zionistisch keinen Sinn hat und daß anderseits sozusagen automatisch auf dem nächsten Kongreß noch schärfere Diskussionen über die Zielsetzung entstehen und noch weitere Aussichten auf Spaltung und Austritt eröffnen werden. ■ IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIWIIIII'I i A. lax. Nordaus leiste Jahre Von Prof, Dr. A. $♦ E* Vahuda (Schluß.) Dann kam das zweite Ereignis. Es war. kurz vor der Londoner Konferenz, "als zum erstenmal die deutschen Zionisten nach London gekommen waren. Man benötigte einen Raum für einige der großen Berliner Herren und beschloß kurzerhand, Nordaus Zimmer dem Dr. Hantke zu übergeben. Ohne Nordau zu fragen, transportierte man seine Sachen in seiner Abwesenheit in ein kleines, neben dem Ausgang gelegenes Zimmerchen, das man ihm nun als Aufenthaltsort anwies. Als ich am nachsten^Tag in die Organisation kam und in sein neues Zimmer geführt wurde, fand ich ihn an einem alten, sehr unappetitlich aussehenden Schreibtisch sitzen, den Kopf auf die Arme gestützt. Er blickte vor sich hin, derart vertieft in seine Gedanken, daß er gar nicht meinen Eintritt merkte und mich erst erblickte, als ich ganz dicht neben ihm stand. Und nun erzählte er mir, was geschehen war: „Als ich heute kam. und wie immer nach oben in mein Zimmer gehen wollte, stellte sich mir der Portier, Mr. Cohn sehr verlegen, fast sprachlos, in den Weg: "Doctor", stammelte er und konnte nicht mit der Sprache heraus. Ich dachte, es sei ihm etwas passiert, und fragte ihn, was vorgefallen sei. "Doctor", wieder¬ Gallen-, Nieren- und Blasensteinkranke, sowie Leute, die an übermäßiger Harnsäurebildung und Gichtamfälleii leiden, regeln durch Gebrauch des natürlichen „Franz-Josef-Bitterwassers ihre träge Dannverrichtung. holte: er, "I am sorry, I have to teil you that your room is engagecVthere is -another room here for you". (Es ist mir sehr unangenehm. .Ich, muß Ihnen mitteilen, daß Ihr Zimmer besetzt ist.. Ihnen wurde hier ein anderer Raum zugewiesen.) Wie ich dies hörte, war mir die Sache noch nicht recht klar; als er mich in dieses kleine Zimmer führte, glaubte ich zunächst, es handle sich um einige Stunden. Als er mir aber sagte, daß man mein Zimmer Herrn Dr. Hantke gegeben habe und ich meine Sachen in Unordnung auf dem Tisch liegen sah, da ergriff mich ein solcher Ekel, daß ich weggehen wollte. Ich fragte mich aber: Wohin? Als ich nach London kam, fühlte ich, daß dieses Haus ein Heim für mich war, fühlte, daß es der einzige Ort war, wo ich meine Brüder sehen konnte, wo ich unter meinen Brüdern lebte, der einzige Ort, wo man mir freies Wohnrecht einräumte... und nun treibt man mich aus meinem Zimmer hinaus, ohne mich zu fragen. Man nimmt meine Sachen weg, ohne auf mich zu warten. Da habe ich die ganze Bitterkeit des vertriebenen Juden gefühlt. Ich konnte nicht sitzen bleiben. Ich wollte weg. Da kam der Portier wieder und wieder verlegen, fast sprachlos, sagte er zu mir: "Doctor! Do not mind, you are so great that the smallest room in this house has become great with you." (Doktor, machen Sie sich nichts daraus. Sie sind so. groß, daß das Zimmerchen in diesem Büro durch Sie groß wird.") Ich war erstaunt und ergriffen von der Eloquenz des einfachen Portiers. Das rief in mir eine ganze Umwälzung hervor: ich blieb sitzen und sagte: „Es gibt bei allen Völkern unzählige Kanaillen, die noch größer sind als ihre usurpierten Stellungen, aber es gibt bei ihnen wenige Portiers, die so zart fühlen, so respektvoll sind. Dieser Portier hat mich besiegt. Ich blieb, und so oft mich Bitterkeit quälte, richtete ich meine Augen zum Vestibül neben meinem Zimmer zum Portier hin und tröstete mich, indem ich sagte: Dort sitzt einer, der mich respektiert. Von dem Tag an fühlte sich Nordau fremd in jenen Räumen. Es ging so weit, daß manche der großen Herren an ihm vorbeigingen, ohne ihn zu grüßen. Um so geflissentlicher, um so ostentativer zeigten ihm die kleinen nnd kleinsten Beamten der zionistischen Organisation ihre Sympathien. Die jungen Schreibmädchen und kleinen Beamten fünften Grades suchten jetzt geradezu jede Gelegenheit, um ihn zu begrüßen. Das rührte ihn, tröstete ihn. Sein Herz aber war gebrochen, sein Vertrauen verschwunden, und' er fühlte sich als lästiger Gast. Er wollte weg, aber er dachte nicht mehr daran, nach Palästina zu gehen, sondern sein Wunsch wurde immer dringender, nach Paris zurückzukehren. Aber "auch dorthin war ihm der Weg verschlossen. Nun kamen die großen Tage der Londoner Konferenz mit dem lärmenden und schreierischen Auftauchen der amerikanischen Delegation, mit Brandeis an der Spitze. All das ließ Nordau sehr kalt. Weder an den Sitzungen noch an der Londdner Konferenz wollte er sich beteiligen. Es fiel mir sehr schwer, Nordau von seiner Absicht abzubringen, London während der Konferenz zu verlassen und sich nach einem nahegelegenen Seeort zu begeben. Es entwickelten sich sehr erregte Szenen zwischen uns. Er wollte sich nicht mehr erniedrigen. Er schrie mich immerfort an: „Ich würde mich von jedem Straßenjungen treten lassen, ich würde vor keiner Erniedrigung, vor keiner Kränkung zurückschrecken, wenn ich nur die leiseste Hoffnung hätte, daß ich etwas erreichen kann. Ich kann aber nichts erreichen. Man will nicht, daß ich mitarbeite." Inmitten dieser Tragödie ist die Tragödie Nordaus eine der größten, der erschütterndsten. Er hat sein Vermögen, sein Lesepublikum verloren. Seine literarischen Gegner haben ihren Sieg gefeiert, als der Krieg ausbrach. Sie haben ihn unschädlich gemacht. Aber das alles hat ihn nicht so tief erschüttert wie die Hetzkampagne der Zionisten. Daß aber gerade im Augenblick, wo Einheit notwendig war, die Elemente die Oberhand erhalten würden, die am wenigsten dazu berufen waren, hat ihn entsetzt; daß die Lage des jüdischen Volkes ihm nicht gestattet hat, den Kampf gegen die Usurpatoren aufzunehmen, hat ihn sehr gedrückt; daß aber diese Führer diese Lage ausgenützt haben, um ihre Macht gegen ihn zu mißbrauchen, hat ihm das Herz gebrochen. Solange man von Grund auf bauen mußte, hat man ihn in die vorderste Reihe gestellt. Sobald aber der Bau fertig war, hat man ihn als alten, entkräfteten, unnützen Arbeiter entlassen wollen. Da er sich nicht in der Rolle des Invaliden gefallen wollte, sich vielmehr erst recht als Pionier, Chaluz, zur Arbeit fähig und hundertfach befähigter gefühlt hat, wurde er gedrückt und gedemütigt, und als auch das nichts half, hat man ihn hinausmanövriert und durch allerlei Verunglimpfungen und Verleumdungen als untauglich, senil, ja als schädlich verschrien. So ist der große Nordau als leidender Jude gestorben. Mit ausgeblutetem Herzen ist er ins Grab gestiegen. Bei seiner Beerdigung fehlten alle großen und kleinen Vertreter des literarischen und geistigen Lebens, die er gerühmt oder gegeißelt hat. Aber einige Hunderte von armen Juden, leidende Juden, für die er gelitten und gestritten hat, haben ihm ihr Geleit gegeben. Aber im Lande der Väter hat man ihn „fürstlich" bestattet: fürstlich nicht etwa, weil der Vertreter des Königs in Palästina sich'im Zuge der Begleitenden befand! Der jüdische High Commissioner Herbert Samuel hat sich einige Monate vorher wohl zum Begräbnis eines persischen Führers einer nicht gerade sehr bedeutenden mohammedanischen Sekte von Jerusalem nach Haifa begeben. Beim Begräbnis des großen Führers des jüdischen Volkes, ohne den der High Commissioner niemals zu seinem Posten gekommen wäre — denn ohne Nordau und Herzl gäbe es keine Balfour-Deklaration, keinen Weizmann und keinen Herbert Samuel —, also beim Begräbnis des großen jüdischen Führers hat es der High Commissioner für richtig gehalten, durch Abwesenheit zu glänzen. Und doch war das Begräbnis fürstlich, weil das souveräne Volk einen seiner größten Söhne zu Grabe geleitet hat." Dean Bedürfnis lausender Wiener enf §| bringen wir jetzt zu den Schulferien komplette Urlaubsausstattungen für Mann, Frau und Kind; Sie koistet: Für den Herrn nur S 32.68 und besteht aus 8 Stöcken: 1. Haferlhose, prima Jägerleinen (alle Größen)........ S 3.90 2. Janker, aus Jägerleinen oder French ..........,. 490 5. Polo-Hemd, porös, Modefarben „ 2.90 4. Schafwoll-Pollunder.......2.90 5. Jacquard-Knickerbockerstrümpfe „ 1.98 6. Sport-Halbschuhe in Braun oder Schwarz....... . . . „ 7.90 7. 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