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Die neue Welt · 1932-07-15 · Heft 252 (15.7.1932) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 252 (15.7.1932)
Date
1932-07-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 2 DIE NEUE WELT Nt 252 An die Ziom^tenaRevisi'onisfen Oesterreichs! Am 14 August findet die Weltkon feren? itlitt. Sie hat Fragen von höchster Bedeutung *u erledige», Die Zahl der Delegierten wird dureh die Zahl der Dinarim bestimmt. Oesterreich mui entsprechend vertrete» seivf faulet 4e» Dinar! Dinarim sind bei den Vertrauensmännern unt im Sekretariat, II,, Untere Aiigarienstraße $$ Tal-Nr. zu haben. chemische und technische, für welche 'in 'äebrälsdh bisher noch keine Bezeichnung existiert, weshalb der Waad ha losehon (der Rat für die hebräische Sprache^ hiefür erst die nötigen Ausdrücke schaffen muatc. Wtfn.kann an« nehmen, daß in einem Vierteljähr die statistischen Vorarbeiten erledigt sein werden und,man darüber im klaren sein wird, welche Industrien für Palästina geeignet sind. Parallel mit dieser Arbeit bemühte sich Farbstein, von der Palästina-Regierung die Unterstützung für die industrielle Entwicklung des Landes zu gewinnen. Er 'unternahm diesbezüglich Schritt« beim Einwanderungskommissär Haymson, indem er darauf hinwies, daß es nicht nur auf Kapital, sondern vor allem auf Sach kenntnii, Erfahrung und Energie ankomme. Diesem Zweck galt der Besuch (gemeinsam mit Haymson) von elf T e J * A w i w e r .Fabriken» deren Inhaber wichtige 'Aufklärungen zu geben hatten. Als Beweis der Farbstein sehen Anschauung ergab sich; Vier Fabrikanten begannen ohne einen Groschen Vermögen« von denen der eine jetzt 4, der «weite IQ, der dritte 15, der vierte 30 Arbeiter beschäftigt. Ein Industrieller, der mit 72 Pfund Sterling Kapital begann, beschäftigt jetzt 30, einer mit 100 Pf. St 50 Arbeiter. Aehnliche günstige Verhältnisse lagen auch bei andern Unternehmern vor. Die beste Illustration des Wunders, das jüdischer Unternehmungsgeist auf industriellem Gebiet erweisen kann, istdie Autobus- und Automobilfabrik in Tel-Awiw. „Ich habe es meinen eigenen Augen nicht geglaubt", sagte H, Farbstein, „als ich dies sah. Gerade als ich die Fabrik besuchte, wurden dort Autobusse für einen Bagdader Besteller gebaut. Die Wagen sind für sehr lange Reisen bestimmt und müssen daher besonders dauerhaft und bequem konstruiert werden. Vor mir stand ein eleganter Autobus mit weichgepolsterten -Sitzen, mit Klosett, Badezimmer,. einer speziellen Kühlanlage für " Speisen. Und die Erzeuger waren nicht etwa Fot|d, General Motors oder Citroen, sondern Juden aus Wolhyhien: vier Tischler, zwei1 Schlosse^'z^ei' Tapezierer-uneinige Hilfsarbeiter. Sie waren vor einem Jahr ins Land gekommen und haben insgesamt 500 Pf. St. mitgebracht. Heute besitzen Sie ein konsolidiertes Vermögen von 3000 Pf. St," AU diese Fälle machten großen Eindruck auf Haymson, doch ist es bisher nicht gelungen, eine weitere Herabsetzung der Kapitals summe für Einwanderer *u erzielen. Farbstein stellt die Forderung, daß die Jewish Ageney das Hereinkommen von Kandidaten nicht von ihrem Kapital abhängig machen dürfe. Wie Farbstein weiter ausführt, wächst das Vert r a u e n zur Abteilung für Mittelstandsarbeit von Tag zu Tag. Im Verlauf von vier Monaten haben 30 Delegierte aus den entferntesten Winkeln der YfeJt diese Abteilung aufgesucht, 640 Informationen wurden erteilt, immer wieder kommen Anfragen bezüglich Einwanderungs- und Existenzmöglichkeiten für Mittelständler. Wenn die Entwicklung in diesem Tempo fortschreitet, werden im Verlauf eines Jahres hundert neue Industrien entstehen. Sogar die arabische Bevölkerung hat sich an das Mittelstandsbüro gewendet. Kürzlich kam eine Delegation palästinensischer Schuster mit der Bitte, bei der Regierung eine Erhöhung des Zolls auf Schuhe zu erwirken, da Bata die inländischen Schuster ruiniere. Die Abteilung dür Handel und Industrie hat einen Plan ausgearbeitet, neben Tel-Awiw eine große Industriestaat z>u errichten. Dieses Projekt bat große Bedeutung für die Zukunft Tel-Awiws. Man darf nicht vergessen, daß die Stadt sich stetig entwickelt und das, was heute Peripherie der Stadt ist, morgen das Stadtzentrum sein wird. Die Industrie befindet sich aus diesem Grunde in einer höchst ungünstigen Lage, weil sie mit der Zeit in eine andere Gegend wird übersiedeln müssen, was mit großen Opfern verbunden ist. Das obengenannte Projekt ist daher ein Gebot der Notwendigkeit. Für den Anfang ist der Bau von 50 Fabrikshäusern, mit der Möglichkeit, die Räume zu erweitern, vorgesehen. Die Fabrikanten werden 20 Jahre hindurch . einen Pachtzins bezahlen und dann werden die Gebäude in ihr Eigentum übergehen. Nach dem Kostenvoranschlag wird die Bausumme 25.000 Pf. St. betragen. Auf der bevorstehenden Aktionskomitee- Sitzung in London (vom 28, Juli bis zum 5. August) wird Farbstein den Vorschlag unterbreiten, Handelsagenturen für die Länder des Nahen Ostens zu errichten, um den kleinen Industriellen, die sich selbst keine Reisenden halten können, die Verbreitung ihrer Waren iu ermöglichen. Gleichzeitig ist Farbstein» Industrie- und Handelt» büro an die Aufgabe herangetreten, den Material reich tum des Landes zu erforschen und der Produktion zugänglich au machet 6s bat sich nämlich heraus, gestellt, dai P^imn^ m'kWc^it einer PelWUer. su:cht, ferner Kupf er und andere Rohprodukte besitzt, Man hat "«etf barejts ('a«."**iltte-- Haina von ausländischen Industriellen gewendet, die mit dem Palästina-Aufbau sympathisieren und imstande wären, ihre heimische Industrie naeh. Palästina zu verpflanten, Besonders wichtig ist Farbsteins Erklärung vom Durchbruch des .Gedankens der Mitteistandskolonisatlon, Zw»r gibt ei bisher bloß 300 Mittelstandsiertifikate (davon 200 für Polen), aber man kann hoffen, daß in ganz kurzer Zeit der Mittelstand im Kolonisationswerk jenen Platz einnehmen wird, der ihm auf Grundseiner-Zahl,1 Seiner Schaffensmögllchkeiten und seiner Opfer, die er für Palästina bringt, unbedingt gebührt. Leiden unser der Hitze? Erfrischung und KUhlung' an heißen Tagen verschaffen Sie sich durch Abreibungen vor oder |; nach dem Waschen (Baden) mit Fra n zb ra n n iWei n mit Menthol? Verfange«? Sie ausdrücklich und nehmen Sie nur „DIANA". Minderwertig* Nachahmungen sind energisch zurückzuweiaen, In jedem besseren Geschäfts) erhältlich« Vom Aufklang zum Abklang Von Vladimir jabotinsky Ein Tel*Awiwer Redakteur < war, als er die Galuth- Zeitungeri las; nicht wenig 'darüber erschrocken, von welcher Begeisterung erfüllt die Hunderte jüdischer Touristen zurückgekommen sind, die Palästina im h'ei^gen^I^eis^h besttdht^ laben« Kiir^wahr; Noch niemals hat man solch1 "eme^Begefaterung "■ gesehen. Die.^usjstellung Vfali^'be'^e'seni welch ge^iegentf Koloftisatören wir sind, undi .die* M a k'k a bi ä d e hat dazu noch gezeigt, welch gediegener Typ Söhne unseren Platz zur gegebenen Zeit ausfüllen wird. Bis jetzt pflegte solch ein Tourist wegzufahren mit dem alten Witz: „Gott im Himmel, ein Land hast. du — solch ein Jahr m i r gesagt; aber ein Volk hast, du — solch ein Jahr dir gesagt." Aber diesmal ist man mit mehr Stolz auf das Volk als auf das 'schöne Land weggefahren — besonders im Vergleich damit, was sich in den Heimatländern .der Touristen abspielt. „Eine seltene Befriedigung, eine Genugtuung und Herzensfreude", schreibt mir ein Bekannter aus Rischön, „lag darin, > die Touristen-darüber auszufragen, wie man ihnen in Deutschland Schläge und in Amerika keine Arbeit gibt. Wirklich, wie wenn es arme Verwandte wären, haben: wir sie .verhört', wir, die. Reichen und Versorgten: wie kleinstädtische.Gäste, die in ihrem Leben poch keine einzige Turbine gesehen haben/ so erzählten wir ihnen vom Elektrizitätswerk am Jordan. Was sitzt ihr ineuren verstaubten Nestern, in Europa oder Amerika? SSRgen wir zu ihnen wie Ratgeber, die ein Recht dazu haben, Kommt, laßt euch bei uns nieder, genießt ein' - wenig freie Luft und moderne Lebensart!" Entzückt waren die Touristen, in jedem Städtchen singen sie jetzt ein Loblied über das wunderbare Nation nalheim — und der Tel-Awiwer Redakteur beginnt Angst zu bekommen. Was wird.mit den zionistischen Fonds geschehen? bedrängt es ihn. Wenn man Palästina den Ruf eines Paradieses verschafft im Vergleich zur Hölle draußen, wie wird man dann wagen Scönnen, Geld zu sammeln? Juden sind doch vor allem Impressionen zugänglich! Aus einem Eindruck, einer Stimmung, ein paar Wochen Besuch ziehen sie „theoretische'* Folgerungen l Eben deswegen, zittert der TeUAwiwcr Redakteur, werden sie sich nicht wissen machen, daß einer der Hauptgründe der jüdischen Jischuw-Erfolge die Anstrengungen des Galuth- Volkes gewesen ist und daß die Anstrengungen noch weiter notwendig sind, noch auf lange, lange Zelt hinaus.,, Ob man immer noch die Fonds braucht und, »cjahenden Falles, in welcher Form, darüber wollen wir hier nicht sprechen. Aber daß Juden Impressionisten sind, oft in ganz pathologischer Höhenlage, das ist leider wahr. Es ist gefährlich, einem Juden eine Minute reiner Freude «u vergönnen; ob dieser Minute vergißt er die dunklen Zeiten und all das, was er in ihnen erlebt hat. Zum Beispiel hinsichtlich der politischen Faktoren in bezug auf Palästina. ' Pia Touristen sind entzückt. Sie gehen herum Und singen: »Wie schön sind deine Zelte, Jaakob, wie schön sind deine Gassen und Häuser, deine Felder und j Fabriken, dein« Arbeiter und tportler, du glückliche», gebenedeiter jüdischer Jischuw in Palästina! Und wie fein, mit wieviel Ehre behandeln dich dein« Verwalter. Kaum drehet du dich herum, kaum kostest du irgend «in« jüdisch« Freude — sitzt schon ein Verwalter da und klatscht Bravo, Was hat man uns Narreteien von eln«r antisemitf- ■eheri Regierung eraählt? Wirklich nichts anderes als «ine jüdische Empfindlichkeit, falsche Auslegung. Ringsherum überall seht ihr den ~* „Antisemitismus". Wenn man euch nicht auf jedermanns Rücken tanlen läßt, schon schreit ihr, daß das „Feindseligkeit" ist. Da habt ihr einen Beweist Wenn ihr euch wie anständig« Mensehen benehmt, wenn ihr «in« richtige fach« macht wie «in« M«sm oder ein« Makkabiade, Ist die Regierung mit euch. Alles, hur kein* schlechte Regierung ist da«; es ist «in* ganze tadellos« Äegierungf uns gesagt, in unseremHeimatland 'ftoMi eine Regierung ... e ls kann sein, daß es >. B. in Warschau oder Sa New York, wo es kalte Winter gibt, plötzlich" inmitten des Jänner warm wird, die Sonne scheint und sieh all«) freuen. Weshalb nicht? Aber mit einem Menschen, dar aus solch einem glücklichen Zufall eine „Schlußfolgerung4* ziehen und annehmen will, daß das wirklich der Anfang des Frühlings sei, daß man nicht mehr heizen müsse und den Pelz einpacken könne — mit solch einem Menschen kann man nicht diskutieren. Kr istImpressionist. Das Merkmal des Impressionismus besteht darin, daß der Patient nicht unterscheiden kann, Begriffe,' wie Klima und Wetter, Stimmung und System, Zustand! und Zufall, Von einem der zionistischen Statistiker erzählt man sich folgende Anekdote: Er kommt nach Glasgow, geht in ein Restaurant, setzt sich an einen, Tipch- Ein Kellner, der hinkt, tritt zu ihm hin und fragt ihn mit1 starkem deutschem Akzent: „Was wünschen Sie?" Er bestellt Bier. Der Kellner bringt ihm Bier und schüttet ihm dabei die halbe Flasche auf die Hosen. Und der Statistiker nimmt sein Notizbuch heraus und trägt ein» „In Glasgow sind die Kellner deutsch, lahm und . ungeschickt" Da habt ihr den Menschen, der nicht unter-, scheiden kann. Und so wie am Anfang der Haggada das Wort „Ma nischtana" steht, so beginnt jede Weisheit^ jede Wissenschaft, jeder Gedanke mit dem Unterscheiden. Das erste, was man in unserem Palästina zu unterscheiden lernen muß, sind einerseits -— die Erfolge des Jischuw, andererseits die Erfolge des Zionismus. Der jüdische Jischuw in Palästina ist die bestß G e m*e i n S C h a f t v o n Pionieren, die die Welt seit 5Q jabr,en, wenn nicht seit länger, gesehen hat. Das ist keine Uebertreibung, das :.ist . «ine Tatsache, die -sogar Fremde "anzuerkennen beginnen. Es wird eine Zeit kommen, wo man an unserem Beispiel lernen wird. Wenn' die Irländer ihre Sprache zu einer Kultursprache im alltäglichen Leben machen wollen, werden sje.. von. .uns lernen müssen, weil kein anderer Präzedenzfall in der Welt vorhanden ist. Man mag ein Anhänger oder Gegner von „K wuzoth" (kommunistische Siedlungen in *Par, lästina) sein «— aber'wann die Sowjets wünschen, daß was i Rechtes aus ihren „Koibos" (landwirtschaftliche Kollek-1 tiven) wird, werden sie ihre Instruktoren in den Emek lernen schicken, Per , Jigchuw hat nicht nur viel, er hat auch „Neues" geschaffen, wenigstens auf einigen Gebieten. Und vielleicht wird sich herausstellen, daß der h> dustrielle Aufbau auch gewissermaßen etwas „Neues" ist ^- in dem Sinne, daß gerade eine proportioneil wichtig« Industrie in einem Land besteht, das fast keine Kaufkraft, fast kein Hinterland besitzt und sich doch entwickelt *-* ohne Unterstützung und dazu noch auf Grund teurer Arbeit ... Ein merkwürdiger Aufbau ist das; gar kein Wunder, daß die Touristen und all« anderen, die den Aufbau konzentriert auf. der Tel- Awiwer Messe gesehen haben, von Stolz und Freude er* schüttert waren,,. Aber, bei Gott* was hat das mit Zionimus zu tun? Zionismus heißt in Palästina ein jüdisch««, Land schaffen. Jeder versteht, was das bedeutet wenigstens versteht Jeder, dag 17 Prozent Juden und, 80 Prozent Araber'kein jüdisches Land ist; im übrigen 25 Prozent Juden auch nicht ,Yund. sogar 33 Prozent auch nieht. Per Zionismus schreitet fort und hat Erfolg, wenn der Prozentsatz, der jüdischen Bevölkerung in einem, solchen Tempo wächst,, daß man sozusagen von weitem die Verwandlung „Palästinas", in ein jüdisches Land sieht. Wenn man da« nicht sieht,: so nicht etwa deswegen und nicht vielleicht von der andere^ , Seite her, sondern weil; man gan* andere Erscheinungen sieht, solche nämlich, wi« unser Konkurrent zahlreicher, stärker und aggressiver! wird, und das bedeutet, daß der Zionismus sieht; vorwärtsschreitet, da'ß der Zign^smiia; •Hb sogar in einer Gefahr befindet nnä die Gefahr immer mehr wächst. Und der Umstand, daß der kleine, ungenügend«; Jischuw, wenn man ihn als „eine Sache für aich all4in" betrachtet, ein kolonisatorische« Meisterwerk ist, dieser Umstand ist für einen Zionisten nicht maßgebend. Für den Zionisten ist der Jischuw kein« „Sache für sich allein". Und jeder Zionist wäre glücklich, wenn in Palästina zweimal so viel Juden wäre» und zweimal weniger Sachen für eine Messeausstellung, Sine wichtige Wissenschaft gibt es auf der Weit, Kinder lernen sie, und gerade auf den Universitäten gibt es keinen wichtigeren Wissenszweig. Sie heißt Arithmetik, Gleich«»* 2X2^i Ungefähr 20 Prosen«

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