Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 252 (15.7.1932)
- Date
- 1932-07-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 35 Groschen Jahrgang 6 Freilag, den 15« Juli 193ft Nr« 252 V.b. b. Titl. Universitätsbibliothek Wien. I. RE VUE BEZaoSBEOINQUNQEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S4.20, ganzjährig S16.—; Polen monatlich Zloty 2.—.vierteljährig Zlotyö.-; .. „—....------------ ---------„...._._ .------—.-----------.................. Itrteii monatlich Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljahrig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rom Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.—} Deutschland monatlich Mark 1.-, vierteljährig Mark 3.-: Bulgarien monatlich Lewa 40.—. vierteljährig Lewa 120.-«; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Sehwelz und die übrigen Lander monatlich Schweltet Francs 1.50, vfert«liährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, Tel. B-48-504 — Erscheint reden Freitag BEILAGE mmmmm^mmm (Seile 6) DEUTSCHLAND Max Nordaus letzte Jahre (Seile 5) Vor einem aufschlußreichen Kampf Die Wege zum Jüdischen Weltkongreß Seit längerer Zeit geht in den Reihen der jüdischen Organisationen Amerikas und Europas und in der jüdischen Presse eine lebhafte Diskussion d-arüiber vor sich, in welcher organisatorischen Form die gesamte Judenheit^ zusammenzufassen wäre, wie in einer Epoche schlimmster Bedrohung, seelischer, geistiger und ökonomischer Not die gesamte Judenheit zu einen wäre, zum Schutz ihrer Bedrohten Existenz. Die zionistischen Organisationen und der amerikanisch-jüdische Kongreß — beides Körperschaften, die eine klare Erkenntnis vom Wesen der Judenfrage auszeichnet und die für eine bestimmte Lösung eintreten — untersuchen jeweils die jüdische Gesamtlage, um den ihr angemessenen Weg zum Ziel zu finden. . Der a in e r i k a n i s c h - j ü d i s c h e K o ngreß, die '.Zusammenfassung des nationalen Elements in der amerikanischen Judenheit,o hat auf., seiher letzten Tagung nach, gründlicher Erwägung die Lpsnng . von einem" ,jü dis c h e n Weltkongi'eß ausgegeben und ist an die Einberufung einer Vorkonferenz nach Genf für 'Heu 14.. 'August herangetreten. . Die Idee des jüdischen Weltkongresses ist ursprünglich aus der Idee der Wiedergeburt des jüdischen Volkes geboren. Als unmittelbar nach Kriegsende die Judenheit der Welt daranging, die" zionistische Idee vom Wiederaufbau Palästinas zu. verwirklichen und die Forderung nach nationalem Eigenleben in der Gallith in die Tat umzusetzen, kristallisierten sich Organisationen heraus, die jede besonders ihren speziellen Aufgaben . gerecht zu werden hatte. Der r e ine Z i od i s m.u s hatte bereits seine festgefügte organisatorische Form in dem von Herz! beigründeten Zionistenkongreß, die j ü d i s c hn a t i o n a 1 e n B e s t r e b u n g e n schlössen sich zur jüdischen Delegation in Paris zusammen,' deren Wirken bekanntlich, die Statuierung des Minderheitsrechtes in * ' den verschiedenen Friedensverträgen zuzuscheiben ist. Man weiß auch, daß zuui nicht geringen Teil das Zustandekommen einer permanenten Minderheitenorgianisäfion in der Form des allgemeinen Minoritätenkongresses der Initiative der jüdischen Delegation zu verdanken ist. So wurde von der einen und von der anderen' Seite historisch bedeutsame 'Arbeit geleistet: die Zionistische Organisation errang sich völkerrechtliche Anerkennung und unbestrittene Legitimität als Vertreterin des jüdischen Volkes in ' der - Frage des Jüdischen N a t i b n ä 1 h e i m s, die jüdischen Delegationen als Instrument und Sprachrohr der jüdischen W e 11 m i n d e r h e i t e n. Alles, was jüdisches Recht und dessen Schutz und Ausbau heißt, konzentriert sich im Schoß dieser Vertretungskörperschaften. Es sei auch daran erinnert, daß ein so hervorragender .nichtzionistischer Vertreter, wie der verstorbene Amerikaner Louis Mars hall, energische und wirksame Arbeit in diesem Sinne leistete. Es ist so nicht verwunderlich, daß, als man hüben und drüben mitten in der Arbeit war, das jüdische Volk den Aufbau Palästinas unter größten Schwierigkeiten ins Werk setzte und retardierende Bewegungen ' die jüdische Position in "den Ländern der Gallith bedrohten, die Idee e i n es jüdischen Weltkongresses, die Zusammenfassung aller positiven jüdischen Kräfte in eine autoritative Institution, Fuß faste. Vorzeichen wären vorhanden. Vor Jahren tauchte bei manchen führenden Persönlichkeiten der Zionistischen Organisation der Gedanke auf, die vom Völkerbund anerkannte jüdische Vertretung, die Jewish Ageucy, durch Auf nähme von repräsentativen Männern der Nichtzionisten zu erweitern. Es war ein G&äo!vik$l tbr. fcejßaaöt-- lich hinsichtlich des inneren Aufbaus einen u ndemokratischen Kern barg, so daß ein jüdischer Weltkongreß auf demokratischer Grundlage als Idee zum Vorschein kommen konnte. Denn schon im Jahre 1922 erwogen zionistische Persönlichkeiten, wie Prof. C h a j e s und Prof. Weizinann, die Möglichkeit der Schaffung eines solchen Weltkongresses, den Robert Stricker nur dalin als ersprießlich bezeichnete, wenn seine Form eine demokratische, seine Tendenz eine ausgesprochen nationale sein würde. Inzwischen nahmen die Dinge bekanntlich ihren Lauf. Die un demokratische Erweiterung der zionistischen Jewish Agency durch n i c h t z i o n i st i s c h e JN ö t a b e 1 n . wurde vorgenommen, die Idee eines jüdischen Weltkongresses verschwand im Hintergrund. Eine Reihe schwerwiegender Tatsachen und die ganze Entwicklung des Zionismus und des. Kampf es um die jüdischen . Rechte jn der . v,Galuth bezeugen-, die schwe.reu '•'■•j^blge«-\s.plc^er ppliti^sc^.etu Ejirsj;ellung. Die;Ziohistische Organisation wurde i-hfer: Schlagkraft beraubt, der lpgitime Kampfum die j ü d i s c h e n M i n d e r h e i t s r e c h',t e paralysiert. Wenn sich jetzt der amerikanisch-jüdische Kongreß unter Führung seines Ehrenpräsidenten Stephen S. . W i s e und Präsidenten Deutsch bemüßigt fühlt, , eleu Ruf nach Zusammenfassung aller jüdischen Kräfte in Form eines Weltkongresses ertönen zu lassen, so geschieht dies unter dem Aspekt der jüdischen Weltlage. Sie ist. wie man weiß, durch gewaltig anschwellenden Haß, beispielloses wirtschaftliches Elend, durch N o t und Verzweiflung gekennzeichnet. Das Bilderbuch dieser Lage bereichern wir von Woche zu Woche. Und upsere amerikanischen Freunde fordern den jüdischen Weltkongreß. In Amerika nimmt das American Jewish Committee, die assimilatorische Organisation von jüdischen Notabeln, Stellung. Es fürchtet sich. Es will nicht mittun, ja es verwehrt sich dagegen -—• ebenso wie ihre europäischen Gesinnungsgenossen, die die sehr würdigen Argumente der amerikanischen Assimilanten und Partner der' Jewish Agency nachplappern: Die Antisemiten werden sagen „jüdische Verschwörung!" In England sieht es nicht freundlicher aus. Ein Teil des Jewish Board of Deputies (Jüdische Repräsentanz Englands) hat sich beeilt, den amerikanischen Einberufern den Rücken zu kehren. Selbstverständlich darf die orthodoxe A g uda s JisroeJ nicht fehlen, wenn esgilt, eine jüdische Einheitsfront zu sprengen. Und daß der anlinationale Teil der jüdischen Sozia l isten, der sozialdemokratische, in der II. Internationale seit kurzem sitzende B u n d undähnliche jüdisch-sozialistische Organisationen den Gedanken einer jüdischen Einheitsfront mit ihrer „gescheiten" Ueberheblichkeit als reaktionär abtun, kann jene nicht überraschen, die deren feigen Verrat am-Jüdischen Volkstum kennen... Die Fronten^ haben sich klar geschieden. Auf* der einen*Se^#*das teils abseit&stehende, teils protestierende, teils angstschlotternde Assimilantentum; auf der anderen Seite das wieder zu voller Aktivität sich aufraffende nationalbewußte Judentum. Die Parole des amerikanisch-jüdischen Kongresses, hat die Scheidung klargemacht tind damit die Bahn für jene positiven jüdischen Elemente, die weder der verwilderten Atmosphäre der Mauschijuden noch dem demoralisierenden Druck der Nöte erlegen sind. Die vorbereitende Konferenz, welche am 14. August, in Genf tagt, bann in diesem Sinne ersprießlich werden. o. r. ein vorzügliches Land für Handel und Industrie Die vielfältigen Bemühungen des Mi'sradiiführers Farbstein der unter ihrem Druck stehenden Exekutive Mit einer Präzision, die selbst den nüchternsten Zweiter überzeugen muß, hat das misrachistische Exekutivmitglied Heschel Farbstein in seinem Warschauer Referat die Notwendigkeit und Bedeutung der landwirtschaftlichen Mittelstandskolonisation in Palästina ausgeführt. Er hat in dem bereits veröffentlichten Teil seines Referats („Die Neue Welt" Nr. 251 vom 8. Juli 1932) auch die vorläufigen Schwierigkeiten betont, die diesem wichtigen Aufbauzweig bereitet werden, und hiebei die seitens der sozialdemokratischen jüdischen Arbeiterpartei im Zionismus seine Bemühungen. lähmenden Intrigen enthüllt. Bemerkenswert war, wie Heschel Farbstein ausführte, die Rolle der zionistischen Exekutive. Als eine spezielle Kommission für die Angelegenheiten der.landwirtschaftlichen Mittelstandskolonisation, bestehend aus zwei Vertretern der Exekutive, aus je einem Vertreter der Allgemeinen Zjonjsten, des Misrachi, der Arbeiterorganisation („Histadruth") und der Kolonisten, ins lieben gerufen wurde, wurden , zahlreiche Beschlüsse, wenn sie der Arbeiterorganisation nicht gefielen, von dieser unterminiert und schließlich wurde die Kommission gesprengt. Und die zionistische Exekutive, statt das Prestige der lebenswichtigen Kommission zu wahren, zerstörte jedes Kompromiß, das Farbstein und die anderen Mitarbeiter zur Wahrung , der Mittelstandsinteressen anstrebten. So wurde ein wertvolles Instrument durch die Willkür der Alle im redaktionellen Teil befindlicher» entgelt* Ush&ü NpJi??fl sind durch, «ja bjjgejüjjtej g b^ejeb^ei Linken und vernichtet. Der zweite Teil der Ausführungen Farbsteins bringt geradezu sensationelle Einzelheiten. Gleichzeitig mit den Vorarbeiten für die landwirtschaftliche Mittelstandskolonisation hat sich nämlich Farbstein mit der Erforschung der Handels- und Industriemöglichkeiten beschäftigt. Seine Besuche zahlreicher Industrieunternehmungen, . wo er die ungewöhnliche Energie und gut systematisierte Arbeit sah, haben ihn davon überzeugt, daß große Chancen für den Export von Palästina-Erzeugnissen vorhanden sind. Die kleinen Fabriken, die Reisende in die Nachbarländer schickten, haben auf ihre Artikel so zahlreiche Aufträge bekommen, daß, sie gar nicht imstande sind, der Lieferung nachzukommen. Die Sache erfordert allerdings eine gediegene Organisation. Zurzeit ist die Lage so, daß Palästina selbst noch primitive Artikel, wie Weinflaschen, Gläser, Textilwaren, Fenster- und Türbeschläge importiert, da vorläufig die diesbezüglichen Industrien nicht bestehen. Um eine Organisierung der Exportmöglichkeiten zu schaffen, hat H. Farbstein sich der Arbeit unterzogen, eine Statistik von Bedarfsartikeln für die Nachbarländer, wie Aegypten, Syrien, Libanon, Irak, Persien, Zypern, Aden, Türkei, Britischindien, aufzustellen. Es war eine sehr schwierige Aufgabe, das nötige Material zu bekommen, das jetzt bearbeitet wird. Das Ziffernmaterial umfaßt eine lange Reihe von ProduktiQnszwejgen, Es gibt sogar rund 200 Artikel,