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Die neue Welt · 1932-07-08 · Heft 251 (8.7.1932) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 251 (8.7.1932)
Date
1932-07-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 0M Aus Deutschland tie*l>9« 4er »Nemm Well« fOr Deutsdiland « Khalredaktion und Adm.»i»i*a<iont nffl^inMmn^^ Berfa, Cbarloffenbiurg % Joa&fmitolcrSturtfk tfml Zur Lage in Deufedilaaid Vor den Wahlen. -or. Berlin. Kaum vier Wochen trennen uns noch von der Reichstagswahl. Ueberall werden fieberhaft für die entscheidende Schlacht am 31. Juli Vorbereitungen getroffen. Bei den bevorstehenden Wahlen werden die Juden vor die schwierige Frage gestellt sein, welcher Partei sie ihre Stimmen zu gehen haben. Die Entscheidung ist diesmal nicht leicht. Für die Staatspartei gibt es nur noch sehr wenig Tnterosse in den jüdischen Wählerkreisen, weil diese Partei, einst von Juden unterstützt, durch ihre letzten Mißerfolge und ihre Haltung enttäuscht hat. Tausende und Abertausende jüdische Stimmen sind durch die Taktik der Staatspartei verlorengegangen. In jüdischen Kreisen macht sich daher die Tendenz bemerkbar,, die Staatspartei nur dann zu unterstützen, wenn diese aussichtsreiche Listenbindungen eingehen wird. Nach den vorläufigen Ergebnissen ist aber mit solchen wohl kaum zu rechnen. Auch die V o 1 k s p a r t e i wird diesmal schwerlich mit jüdischen Stimmen rechnen können, weil sie eben daran ist, ein Wahlbündnis mit den Deutschnationalen , einzugehen, deren Programm bezüglich des Judenpunktes sich von dem der. Nationalsozialisten nur schwerlich unterscheiden läßt. Das große Fragezeichen bleibt das Zentrum. Dieses hat in der letzten Zeit bedenkliche Wege beschritten, die darauf hindeuten, daß das Zentrum nicht abgeneigt ist, gemeinsam mit den Nationalsozialisten die Regierung zu übernehmen, falls das Ergebnis < ein ähnliches Bild ergeben sollte wie alle Wahlen in den letzte» Wochen. Hier droht Gefahr. Denn die Erfahrungen haben gelehrt, daß .Organisationen und Parteien wegen des Judenpunktes noch nie auseinandergingen. Wenn in den anderen politischen und wirtschaftlichen Fragen . eine Übereinstimmung festgestellt wird, dann ist mit Bestimmtheit damit zu rechnen, daß die kommende Regierung eine Nationalsozialistisch - Zentrum - Regierung sein wird. Der Jude kann für sich nur . die eine Lehre aus dieser Entwicklung holen, sich auf sich selbst zurückzuziehen. Das, was die Juden in Polen, in der Tschechoslowakei, in Oesterreich und in vielen'anderen'Ländern bereits vor Jahren erkannten, beginnt nunmehr auch in den Köpfen der deutschen Juden aufzudämmern. Nur ein« auf; dem verbürgten Minoritäteurecht basierende nationale jüdische Liste und nur die durch diese Liste gewählten Volksvertreter werden imstande sein, das jüdische Volk in Deutschland wirksam zu vertreten. Niemand kenn jüdischen Schmerz und niemand kennt die Erfordernisse des jüdischen Volkes so wie die Delegierten, die aus seiner Mitte kommen. Die Zionistische Organisation hätte hier eint» ^roße Aufgabe zu erfüllen. Mit der Regierung P a p e n ist das Judentum im allgemeinen nicht unzufrieden. Es liegt bis zur Stunde allerdings, keine Erklärung irgend eines Funktionärs dieser Regierung vor, aber in maßgebenden jüdischen Kreisen wird ein antijüdischer Charakter des Kabinetts entschieden in Abrede gestellt. Diese Feststellung ist nicht so selbstverständlich, wie auf den ersten Blick gedacht werden könnte. Die Regierung Papen gilt in der deutschen Oeffentlichkeit als ein von den Nationalsozialisten und Deutschnationalen geduldetes Kabinett und daher könnte leicht die Meinung aufkommen, daß es auch hinsichtlich der Judenfrage nicht jene positive Einstellung hat, die eine Regierung zu seiner Bevölkerung haben muß. Da jedoch bis nun keine Aeußeruug vorliegt, kann über diesen Punkt nichts Positives gesagt werden. Wie verlautet, wird sich in der kommenden Woche eine Delegation zum Reichspräsidenten von Hindenburg begeben, um von ihm, der der eigentliche Vater dieses Kabinetts ist, eine Erklärung über die Judenfrage in Deutschland entgegenzunehmen. .Wenn in diesem Zusammenhange von der Gesamtlage der Juden in Deutschland gesprochen werden soll, so muß zunächst gesagt werden, daß der Judenpunkt letztens .nicht d.i e Rolle in der Auseinandersetzung der politischen Parteien »pielte. Man kann auch von keiner Pogromstimnjunjf in dem Sinne sprechen, wie wir es anderswo gewoh/üt sind- Dennoch gibt es vereinzelte Fälle, die zwar nieJit mit Terror im Vollbegriffe dieses Wortes bezeichnet worden können. Aber wer aus einem „Pogromland" stammt, wird wissen, daß jeder Pogrom immer, bloß mit solchen „Kleinigkeiten" begonnen hat. Berliner Nachrichten Regelmäßige Zusammenkünfte. Die Revisionisten Berlins treffen sich jeden Dienstag ab 8 Uhr abends im Cafe" Kornreich, Charlottenburg, Fasanenstraße, direkt neben der Synagoge, Bei schönem Wetter finden die Zusammenkünfte im Garten statt. Auch die von auswärts in Berlin eintreffenden Gesinnungsgenossen werden auf die Dienstag-Abende bei Kornreich aufmerksam gemacht. Sitzung des Landesvorstandes. In der Vorwoche fand eine Sitzung des Landesvorstandes der Zionisten-Revisionisten für Deutschland statt. Anwesend waren: Dr. H. Bloch, Dr. E. Ettisch, R. Lichtheim, Dr. O. Rabinowicz, J. Reiter, Dr. J. Schloß und Hans Sternberg. Zunächst wurden Fragen der Ortsarbeit in Berlin besprochen. Ferner wurde zur Kenntnis genommen, daß die Weltkonferenz der Zionisten-Revisionisten auf den 14. August 1932 verschoben und die Dinaraktion verlängert wurde. Diesbezüglich wird ein besonderes Zirkular an alle Ortsgruppen versandt. Nach den technischen Fragen wurde über die Probleme der Weltkonferenz debattiert und hauptsächlich die Fragen: Calais; bevorstehende Sitzung des A. C; die Lage im Revisionismus; die Politik England gegenüber; in einer längeren Debatte, an der alle Anwesenden teilnahmen, besprochen. DieDiskussion über die aktuellen revisionistischen Probleme wird in der nächsten Sitzung, die Mittwoch, am 6. Juli stattfindet, fortgesetzt. Der Inhalt dieser Debatten wird den Ortsgruppen als Material für die Probleme der revisionistischen Weltkonferenz in Form von Zirkularen zugesandt werden. Vortrag Klinoff. Red. J. Klinoff spricht demnächst im Rahmen einer Ortsgruppenversammlung der Zionisten- Revisionisten in Berlin über seine Eindrücke aus Erez Jisrael. Anschließend an diesen Vortrag finden die Wahlen zur W e 11 k o n f e r e n z statt. Näheres wird noch bekanntgegeben. Königsberg i. Pr. Vortrag Direktor Kareski: Im Verlauf kurzer Zeit ist die Ortsgruppe der Zionisten-Hevisionisten trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit mit dem zweiten Vortragsabend vor die Oeffentlichkeit getreten. Am ersten Abend sprach Dr. Rabinowicz über ein rein revisionistisches Thema. Am 2p. Juni 1932 sprach Herr Direktor Georg Kareski, der ehemalige Präsident der Berliner Judengemeinde, über das Thema: „Juden und Weltwirtschaftskrise". Der Redner schilderte die politische und wirtschaftliche Not der Juden in der Welthauptsächlich in Deutschland. In übersichtlicher Weise zeichnete Direktor Kareski die heutige Situation der Juden, setzte sich mit dem Liberalismus und Kommunismus auseinander, griff sehr scharf die K o 1 o n i sa t io n s m e t h o d e n Sowjet-Rußlands in B i r o - Bids clia n an und kam zum Resultate, daß wir.Juden nur durch organisierten Selbstschutz uns wirksam verteidigen können, welchec Gedankengang , im T el - Ha j- Fonds seinen Ausdruck gefunden,hat. Die Lösung der Frage allerdinge .hängt nur davon , ab, .ob wir eine eigene Heimat uns werden schaffen köimen.. . Der Vortrag machte auf die Zuhörer; starken Eindruck und löste lebhaften Beifall aus. Mit Dankesworten an den Gast schloß' der Vorsitzende DipL- Ing. R. Siegel die Versammlung. ' Regelmäßige Zusammenkünfte: Die Revisionisten Königsbergs treffen sich an jedeoi 1. und 3. Montag eines Monats: im Restaurant Kniesm ach er. Auch die von auswärts in Königsberg eintreffenden Gesinnungsgenossen werden auf diese Zusammenkünfte aufmerksam gemacht. Merkwürdige Berichterstattung der „Jüdischen Rundschau" Der Gesetzesantrag auf Enteignung der Ostjuden, welcher im Preußischen Landtag, angenommen wurde, gelangte bekanntlich durch die Stimmen der Nationalsozialisten und der Kommunisten zur Annahme. Die gesamte deutsche Presse hat diese Tatsache vermerkt. Nur die zionistische „Jüdische Rundschau" glaubt ihrer besonderen Meinung über die Kommunisten auch in diesem Falle Ausdruck geben zu müssen. So ist in der Nummer vom Dienstag, den 28. Juni, zu lesen, daß die Gesetzesprojekte im Preußischen Landtag dank der Zusammenwirkung von Nationalsozialisten und D e u t s c h n a ti on a 1 e n angenommen wurden. Und dies wird in einem großaufgemachten redaktionellen Artikel berichtet, in welchem die Frage der Enteignung der Ostjuden in Deutschland das Hauptproblem darstellt. Aber auch dort, wo die „Jüdische Rundschau" über den Passus der Enteignung der Ostjuden in Deutschland spricht, betont sie, daß es nicht „klar" sei, oh neben den Nationalsozialisten auch Kommunisten für dieses Projekt gestimmt haben. Niemand, selbst nicht die Kommunisten, leugne« die Tatsache, daß sie für das Projekt gestimmt haben. Sie entschuldigen diese Abstimmung in einem Flugblatt damit, daß sie nicht gewußt hätten,' daß über die Ostjuden abgestimmt wurde (sie!) und sie der Meinung waren, daß es sich um Enteignung der Fürsten und weiß Gott welcher Magnaten sonst handelt. Diese Darstellung ist natürlich falsch. Denn als die Gesetzesprojokte einzeln zur Abstimmung gelangten, stimmten die Kommunisten geschlossen dagegen, als aber da« ganze Gesetzesprojekt auf einmal zur Abstimmung gelangte, stimmten die Kommunisten da für. Das ist der wahre nnd richtige Sachverhalt, Für uns ist von Interesse, daß die „Jüdische Rundschau" diese Tatsache geflissentlich übergeht und de» antisemitischen Schritt der kommunistischen Landtag*abgeordneteu zu decken sucht. Wir waren schon einmal Zeugen eines solchen Manöver«, aLs die .Jüdische Rundschau" zur Zeit der Reichspräsidentenwahl die Parole für ihre Leser ausgab: yWahlt nicht Hitler!" das heißt nicht: „Wählt Hindenburg!", sondern das kann auch verstanden werden: „Wählt ThäTmann, den Kandidaten der Kommunisten!" Einen dritten Kandidaten gab es bekanntlich bei der zweiten Reichspr äsid entenwahl nicht! Jetzt spielt die „Jüdische Rundschau" ein ähnliches Spiel. Aus zuverlässiger Quelle ist uns bekannt, daß Kommunisten oder kommunistisch orientierte Juden bei der „Jüdischen Rundschau" diesbezüglich in der Vorwoche intervenierten. Die jüdische Oeffentlichkeit will mit Recht Klarheit darüber geschafft haben, ob das offizielle Organ der Zionistischen Vereinigung für Deutschland nur ein zionistisches Organ ist oder auch inoffizielles Organ der kommunisierten und dem Zionismus verloren gegangenen jüdischen Jugend l Jener Jugend, welche Aufrufe verteilt, in welchen Judenpogrome in Palästina als „Befreiungskämpfe" der arabischen „Klassengenossen" verherrlicht werden. Was ein p*ofe§tantisdier Pastor §aqi In der Aussprache über kulturelle Fragen im Preußischen Landtag sagte der Abgeordnete von ViöT (Schleswig-Holstein), der evangelische Pastow Peperkorn: „Wohin wir blicken, sehen wir die bestellten Z e rsetzer des deutschen Volkes: die Juden, die Juden und immer wieder die Juden! Es ist eine klare Zielsetzung mit einer ganz präzise innegehaltenen Marschrichtung, die hier erfolgt. Es ist die Absicht, die Seele, das Gemüt des deutschen Volkes erst einmal zu entleeren; und wenn die Seele erst einmal entleert ist, dann soll sie, dann soll das Gemüt bis an den Rand mit Gift gefüllt werden. Ist aber erst einmal die Seele, das Gemütsempfinden des deutschen Volkes getötet, dann können die Feinde dieses deutschen Volkes ihm den Fuß auf den Nacken setzen und es wirtschaftlich knechten. Wir bleiben für alle Ewigkeit Antisemiten. Dabei erklären wir: Wir denken nicht an Judenpogrome. Wenn Sie wissen wollen, was ein Pogrom ist, dann schlagen Sie doch das Buch „Esther** auf. Wir Nationalsozialisten wollen die Judenfrage ganz anders lösen. D e m uns fremden und zugleich verhaßten jüdischen Volke wünschen wir nur eine nationalsozialistische Bewegung in seinen eigenen Reihen. Es muß doch die Möglichkeit geben, daß eine solche reinigende Bewegung innerhalb dieses Volkes alles das ausräumt, was wir bisher mit Abscheu und Ekel haben beobachten können, damit ganz andere Seiten der jüdischen Seele zur Darstellung gebracht werden können. Es müßte doch auch möglich sein, daß eine solche Bewegung andere Führer an die Spitze stellt, als es die sind, deren Namen seit Jahrzehnten durch die Weltpresse gezerrt werden. Wir wünschen, daß das Führer sind, die diese« Volk wieder zu einer großen jüdischen Nation machen. Ein solches jüdisches Volk kann irgendwo im der Welt seinen Aufbau erleben. Ob es in der Krim eine* Stätte findet oder in Palästina, das ist uns egal. Aberj aus Deutschland, aus dem wirtschaftlichen, aus dem kulturellen Deutschland sollen die Juden heraus." Protest der Warschauer Jüdischen Gemeinde gegen! die Ostjuden-Entschließung des preußischen Landtags Die Repräsentanz der Warschauer Jüdi-. sehen Gemeinde, der größten Judengemeinde Europas, hat in ihrer letzten Sitzung einetimioig dia folgende auf Antrag der Agudisten und Zio* nisten vom Präsidenten Trockenheim eingebracht« Entschließung angenommen: Die Lage der Juden in Deutschland hat sich infolge der antisemitischen Flut in sozialer und politischer Beziehung katastrophal gestaltet und muß die gespannteste Aufmerksamkeit und die ernsteste Sorge der Juden in der ganzen Welt h«ivorrufen, Dieser gefährliche Zustand, der mit Friedhof» Schändungen und Ausschreitungen gegen Juden begann, hat nun eine nicht zu überbietende Stufe der Anarchie erreicht: Der Preußische Landtag hat mit Hilfe der Kommunisten den Vorschlag der Hitler-Fraktion, das Vermögen der seit 1914 in Preußen eingewanderten Juden zu besohlag» nahmen, angenommen.. Wir sehen in diesem Gesetz einen noch nie dageweeeneu Versuch, die Juden unter Ausnalunsgesetz und außerhalb des Rechtes au stellen. Indem sie gegen solche an das Mittelalter er« innernde Methoden protestiert, appelliert die > Warschauer Repräsentanz der jüdischen Gemeinde an dl« gesamte zivilisierte Welt, nicht zuzulassen, daß dieses Raubgesetz sanktioniert und verwirklicht werde. Die Repräsentanz der Warschauer Jüdisohen Gemeinde er« wartet von der polnischen Regierung, daß diese, die bereits den ersten Schritt aum Schutz dej

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