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Die neue Welt · 1932-07-08 · Heft 251 (8.7.1932) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 251 (8.7.1932)
Date
1932-07-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nicht darum, weil dieses Problem für uns Juden nicht bestünde; aber die u n z e r t r e n n 1 i c h e V e r b d ndung zwischen jüdischer Religion und jüdischem Volk gibt dem Problem von unserem Standpunkt aus einen anderen Inhalt und inaolvt andere Seiten dieses Problems als die hier behandelten für lins akut. Es ist eine allgemeine Erscheinung, daß die Flucht aus unserem Volk über den Weg des Austrittes aus unserer Religion gesucht wird. Auch bei uns bedienen sich die von außen kommenden Entnationailisierungstendenzen gern zu diesen ihren Zwecken der Einrichtungen unserer Religion als Werkzeug, und es gibt Staaten, wo der jüdischen Minderheit die Anerkennung nur als einer religiösen Minderheit gewährt und durch Verweigerung der Anerkennung als nationale Minderheit eine zwangsweise Angliedern ng an das Mehrheitsvolk, sei es auch nur zu statistischen Zwecken, unternommen wird. Wir Vertreter des jüdischen Volkes wollen daher nicht unterlassen,, im Anschluß an die Referate der christlichen Kirchen auszusprechen, daß auch wir uns mit der Gesinnung an den Forderungen der verschiedenen Referate von unserem religiösen Standpunkt aus in Uebereinstimmung befinden." Wiener JiidleiuSfatf§tik Starke Abnahme der Seelenzahl — Der Charakter der Austrittsbewegung Vom Matrikenamt der Wiener Judengemeinde liegen die statistischen Ausweise hinsichtlich der B ev'ölk er'u ngsb e w e g un g für die Monate April and Mai 1932 vor. Dieselben weisen folgende Daten auf: Gesamtzahl der Trauungen ........... .171 " „ „ Scheidungen .........51 „ M Geburten ..........194 davon 1QI> mnv.'.iuohevi und 89 weibl i che n G e? r.li I cc 1 i i c ••. „ ,, Sterbefälle......... . 418 n „ Austritte . . . . . . . . . . . 163 „ „ Eintritte in das Judentum .... 43 W|e zu ersehen, ist der Abgang durch Sterbefälle und Austritte zweieinhalbmal so groß wie der Zuwachs durch Geburten und Eintritte. " Nach den Ausweisen des Steueramtes sind in der Zeit von Anfang April bis Ende Mai 1932 unter den aus dem Judentum ausgetretenen Personen 44 Kultussteuer träger zu verzeichnen. Von diesen waren 18 Personen mit einer Kultüssteuer von S 1 bis 10, 15 Personen mit einer solchen von S 10 bis 50, 4 Personen mit einer Kultussteuer von S iOO bis 150, je eine Person mit einer solchen von S 200 und 300 Kultussteuer bemessen. * Die Angaben bezüglich der ausgetretenen Steuerzahler lassen erkennen, daß die Austrittsbewegung nicht den Charakter einer Flucht vor der Besteuerung trägt. Sie ist vielmehr auf die von der österreichischen Sozialdemokratie unter den Juden betriebenen Assimilations- und Austrittsbewegung zurückzuführen. ',_____ I Ein frivoles Spiel mit jüdischen Arbeitern Paris,. 4i Juli. Mehr als 90 aus Osteuropa stammende jüdische Arbeiter haben sich in diesen Tagen von Paris nach Biro-Bidschan begehen. Es handelt eich hauptsächlich um qualir fixierte Arbeiter, die einen für zwei Jahre geltenden Arbeitskontrakt unterschrieben haben. Sie erhalten; alle die. Sowjet-Bürgerschaft. Jeder der Arbeiter hatte 600 Francs für Reißeausgaben einzuzahlen. * Während die offiziellen russischen Zeitungen, von einer Maasenflucht der jüdischen Kolonisten aus i der „jüdischen Republik" Biro-Bidschan au der \ sibirisch-chinesischen Grenze berichten (siehe die '■' wiederholten Meldungen in der „Neuen Welt") lockt inan jüdische Arbeiter, welche sich in einer verzweifelten Lage befinden, durch Falschmeldungen nach Sowjetrufjland. Allee im Dienste der kommunistischen Stimmungsmache. Ueber die Mischehen Im Verlauf einer Diskussion zwischen dem in Florenz erscheinenden jüdischen Wochenblatt „I s r a e 1" und den faschistischen Tageszeitungen „II P o p o 1 o d' 11 a 1 i a" und „II Tevere" über das Thema, ob und welche Gefahren dem italienischen Judentum durch das Ueberhandnehmen der Mischehen drohen, ergreift der Oberrabbiner von Rom, Prof. Dr. Angelo Sacerdoti im „II Popolo d'Italia" das Wort und führt aus: Nicht nur die religiösen Juden, sondern auch religiös Gesinnte anderer Konfessionen sind gegen Mischehen, auf deren Konto zahlreiche geistige und moralische Tragödien zu buchen sind. Was vollends die Juden anbetrifft, so bedeutet die Mischehe für den jüdischen Teil vollständige Loslösung vom Judentum. Es ist darum Pflicht der geistigen Führer des italienischen Judentums, das Ueberhandnehmen der Mischehen in Italien zu bekämpfen. Aus Bulgarien Nach dreitägiger Verhandlungsdauer ist die R epräsentantenversammlung der Judenheit Bulgariens geschlossen worden. Es nahmen an ihr 21 Delegierte der bulgarisch-jüdischen Gemeinden teil, deren Wahl durch das Minister! um für Aeußeres und Kultus ausgeschrieben und von ihm bestätigt wurde. Es wählten alle in Bulgarien wohnenden Juden ohne Unterschied der Staats Zugehörigkeit. Nach Parteizugehörigkeit waren die Delegierten wie folgt verteilt: 35 Allgemeine Zionisten, 9 Zionisten-Revisionisten, 4 Poale-Zionisten und 13 Nichtzionisten; es gab keinen einzigen antizionistischen Vertreter. Hauptpunkt der Tagesordnung bildete die Statuten- Aenderung, Die Grundprinzipien der Organisation wurden in folgenden Artikeln niedergelegt: Art. I: „Die Organisation des bulgarischen Judentums umfaßt alle jüdischen Gemeinden in Bulgarien als Bestandteile des gesamten jüdischen Volkes und hat zum Zweck die Befriedigung ihrer religiösen und nationalkulturellen Bedürfnisse. Im vollen Umfange dieses Zweckes und in den Grenzen der Landesgrundgesetze ist diese Organisation vollständig autonom." Art. 4: „Jeder Jude ist Mitglied der im Orte seines ständigen Wohnsitzes bestehenden jüdischen Gemeinde." Diese Bestimmung ist imperativ und bedeutet, daß jeder Jude in Bulgarien einer jüdischen Gemeinde im Lande angehören muß. Die in Sofia, Russe und Warna bestehenden aschkenasischen Gemeinden gehören als solche der Organisation des bulgarischen Judentums an. Jüdische Frauen mit Mittelschulbildung haben akti- Bei fahler, graugelber Hautfärbung, Mattigkeit der Augen, üblem Befmdenpi trauriger .Gemütsstimmung, schweren Träumen?' ref| es ""ratsam*, einige Tage' hindurchfrüh nüchtern ein Glas natürliches „Franz-Josef-Bitterwasser zu trinken. In Apotheken u. Drog. erhältlich. ves Wahlrecht in den Gemeinden, Die religiösen jüdischen Gerichtshöfe sind in zwei Instanzen eingeteilt; die erste Instanz bilden drei Gerichtshöfe für ganz Bulgarien, die zweite und obere Instanz bildet der Beth Din Hagadol in Sofia für das ganze bulgarische Judentum. Oberstes Verwaltungsorgan der Organisation des bulgarischen Judentums ist die Repräsentantenversammlung, die für eine dreijährige Mandatsdauer gewählt wird. Die Repräsentantenversammlung wählt ein engeres Verwaltungsorgan, ein Exekutivkomitee, welches den Namen „Zentralkonsistorium der Juden Bulgariens" trägt und als der Hauptrepräsentant der Juden Bulgariens gilt. Das Zentralkonsistprium besteht aus 21 Mitgliedern, von denen 9 ihren ständigen Wohnsitz in Sofia haben müssen und den Permanenzausschuß darstellen. Die übrigen 12 sind Provinzvertreter und treten einmal jährlich gemeinsam mit dem Permanenzausschuß zusammen." „■ . Die Repräsentantenversammlung wählte auf ihrer jetzigen Tagung Herrn Haim Farchy zum Präsidenten des Konsistoriums und Eli Bassan, Dr. Nissim Lewy, Raphael Lewy, Buce Manoah, Jacques Pardoff, Marcus Nachimsohn, Moritz Nadler und Isaac Gerschon in den Permanenzausschuß. Im jüdischen Schulwesen Bulgariens wurde die bisherige Zentralisation beibehalten, zur Vereinheitlichung des Lehrprogramms und des Schulsystems .wurden entsprechende Bestimmungen in das Statut aufgenommen. Austritt der Juden aus der bulgarischen liberalen Partei In dem Prozeß gegen die antisemitischen Terroristen in Sofia war einer der Verteidiger des Hauptan'geklagten Kalpaktschieff, der Advokat A. Bassarabof f einer der Führer der bulgarischen liberalen Partei, mit verleumderischen Behauptungen und Beschimpfungen gegen die Juden aufgetreten. Aus diesem Grunde sind fast alle jüdischen Mitglieder der Liberalen Partei demonstrativ aus dieser Partei ausgetreten. Der Parteiausschuß veranstaltete im'jüdischen Viertel von Sofia eine Parteiversammlung, die aber von den Juden boykottiert wurde und deswegen nicht stattfinden konnte. Die Antisemiten front in Rumänien Bukarest, 3. Juli. Die unter der Führung des Rittmeisters a. D. Fabrizius stehende Gruppe der sächsischen Nationalsozialisten Siebenbürgens wird in den bevorstehenden Wahlen die Listen der von Cuza geschaffenen Liga für nationalchristliche Verteidigung unterstützen. Es werden somit unter dem cuzistischen Wahlzeichen Cuzisten, rumänische und deutsche Nationalsozialisten vereinigt vorgehen. Außerhalb dieser antisemitischen Einheitsfront verbleiben die Anhänger der „Eisernen Garde". In jüdischen Kreisen wird die merkwürdige Tatsache viel erörtert, daß der Führer der rumänischen Nationalsozialisten Stef. Tatarescu kurz vor Abschluß des Kartells mit Cuza der Union rumänischer Juden ein Kartellangebot gemacht hat, das von dieser abgelehnt wurde. (Pension (Austria' Kinderheim Vöslau (OLGA KADISCH) JägermayerstraBe 15 * Telephon Nr. f 41 Für Dauer- und Erholungsaufenthalt Jeder Unterricht im Hause, auch Nachhilfe für öffentl. Schulen besuchende Kinder. Pädagogisch einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte Lehrerin. Erstklassige Verköstigung. Mütterliche Pflege. Mäßige Preise! Humor auf der Tel-Awiwer Messe Pikantes vom Sowjet-Pavillon Die antizionistische und antipalästinensisch ef- Hetze, die Sowjetrußland betreibt, hat die Moskauer Machthaber nicht gehindert, die L e va nie-Messe in Tel-Aw iw zu beschicken. Hiebe! ist noch die Tatsache bemerkenswert, daß die Messeleitung nicht etwa die Sowjetregierung zur Beteiligung eingeladen hat, sondern, daß Moskau um Zuweisung von Pavillon« bat. Die diesbezüglichen Unterhandlungen dauerten ein halbes Jahr. Zunächst sagte das Tel-Awiwer Ausstellungskomitee den Russen höflich ab. Erst unter dem Druck Londons, wo der dortige russische Gesandte Sokolmikow intervenierte', wies das Ausstellungskomitee den Russen einen Platz für einen Pavillon — die Russen forderten z w e i an — zu. * Die Leiter des russischen Pavillons hatten die originelle Idee, ein Buch bereitzustellen, worin jeder Besucher seine Eindrücke niederlegen konnte. So originell die Idee, so originell waren die Eintragungen der Besucher, bis auf den einen Fehler, daß sie für Sowjetrußland nicht sehr schmeichelhaft ausfielen. So konnte man u. a. folgende Bemerkungen lesen: „Sieh nur, Mascha das ist doch unser Service!" Oder: „All das, was ihr hier ausgestellt habt, ist in Rußland nicht vorhanden." Oder: „Warum habt ihr nicht das Brot ausgestellt, das ihr den Eingekerkerten auf den S o 1 o w k i- Inseln gebt?" Unter den humoristischen Eintragungen der Besucher findet sich auch die nachstehende: „Ihr sagt, daß Sowjetrußland im Vergleich zsu Palästina ein Paradies ist. Nicht wahr. Wir haben bloß eine „Klagemauer", aber bei euch klagen die Bürger an jeder Mauer." * Obwohl eine Propaganda in der Stadt und in der Ausstellung betrieben wurde, bei den Bolschewiken nicht zu kaufen, war der ganze russische Pavillon aus verkauft. Der Grund hiefür waren die billigen Preise, mit denen kein anderes Land konkurrieren konnte. Die Ursachen der billigen russischen Preise im allgemeinen sind bekannt. Hier aber gab e« noch einem pikanten Zwischenfall. Die Sowjetrussen «teilten Nähmaschinen eigener Fabrikation ans. Es zeigte sich aber, daß das Patent der Maschinen von der jUdisch-amerikanischen Nähmaschinenfirma „Sing e r" widerrechtlich verwendet, d. h. gestohlen war. Der Vertreter der Firma „Singer" hat gegen diesen Patentraub eine Gerichtsklage eingebracht, und so hat der Erfolg der Bolschewiken mit einem Skandal getndei

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