Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 251 (8.7.1932)
- Date
- 1932-07-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seife 4 DIE NEUE WELT Nr. m »ein können, wenn die dortigen Behörden sich nicht so unfähig und voreingenommen gezeigt hätten. Dem Londoner „Jewish Chronicle" wird aus .Aden berichtet, daß zehn Juden,;die mit den Unruhen nichts zu tun hatten, verhaftet worden slndi vier von ihnen, die in Aden geboren sind, wurden freigelassen, die übrigen sechs aber nach H o d e i d a h verbannt. Als die jüdischen Repräsentanten die Behörden darauf aufmerksam machten, daß die Ankunft der jüdischen Verbannten .zu antijüdischen Unruhen auchin -Hodeidah Anlaß geben würde, wurden die sechs nach, Lahaj deportiert. Aul einen von. der Jüdischen Telegraphen-Agentur beim Londoner Indien-Amt erhobenen Protest wegen der Beschlagnahme der, Telegramme ihres Korrespondenten wurde erklärt, dieBehörden in Aden hätten vorübergehend die Telegrammeensur eingeführt.' Sie haben die Pflicht gehabt, von dieser Tatsache dem Korrespondenten Mitteilung zu machen; über die Gründe, warum diese Pflicht vernachlässigt wurde, wird jetzt eine Untersuchung geführt. Die J. T. A. gelangte erst spät in den Besitz der beschlagnahmten Telegramme, in denen eine eindrucksvolle Schilderung der Vorgänge in Aden während der Poigromtage gegeben wird. Es wird u. a. erzählt, daß von Juden bewohnte Straßen lange Zeit ganz dem exzedierenden arabischen Mob ausgeliefert waren, ohne daß die aus Moslemiten bestehende Polizei eingriff. Die Familie M e n a h e m, anerkannte Führerin der jüdischen Gemeinde in Aden, bemühte 6»idh vergebens, sich mit dem britischenOberkommissär in Verbindung zu setzen. Wären nicht die meisten jüdjschen Häuser in Aden festungsartig gebaut, so hätte es zu einem noch-Schrecklicheren" Blutbad kommen können^ So aber blieb das dauernde Bombardement jüdischer Häuser'- miif schweren Sternein durch die 'Exzedenten ziemlich ohne Wirkung. — In den Telegrammen wird noch berichtet, wie jüdische Geschäfte zerstört, die Waren-, geplündert, Synagogen demoliert, ' Thorärolleh ui}d religiöse. Bücher zerrissen«und auf die Straße geworfen» zahlreiche Juden niadergescb1ageni und schwer ver 1 etzt wurden. Erst als alles vönbeir war, -.besuchte'= der britische Gberkommissär die Familie Menahem -und versprach behördliche Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ruhe, wenn die Juden sich verpflichten^'riÄ^h ^sechs Uhr abends die Woha^ngen nicht' zu verlassen.. Es erschienen 'aücn4 Tanks' in deV'Straßen, so daß' die' Araber Union derZionisten-RevlsionistenOesterreichs Mittwoch, 13. Juli, 73° Uhr, im Holm, II, Unter« AugartenttraRe 38 „Die Probleme der V. WeltKonferenz" Zugänglich nur für Dinarzahler Dinarim sind beim Saaleintritt erhältlich Reaiebeitrag 20 Groschen es nicht mehr wagten, die Ueberfälle zu wiederholen. 90 der Aufrührer, die nicht ständige Einwohner von Aden sind, wurden in das Innere Arabiens deportiert. Unter der jüdischen Bevölkerung besteht aber wenig Hoffnung, daß die unter der Einwohnerschaft, von Aden zu suchenden wirklichen Anstifter und Führer der Pogrome bestraft werden würden. Ut Generalversammlung der //Kompaß' Allgemeine Kredit* und Garantiebank Die kürzlich unter Vorsitz des Herrn Herbert A. White, Generaldirektor der Marconi Wireleß Telegraph Company, stättgefundene 19. ordentliche Generalversammlung genehmigte nach dt;rchgefiihrter Debatte den Abschluß pro 1931, der folgende Hauptposten aufweist: Aktiva: Kassastand und Guthabungen bei,anderen Banken S 2,135.807.25 (— 849.085.48), Wechsel S 2,192.256.33 (— 96.679.02), Wertpapiere S 507.264.16 (— 66.921.45), Debitoren S 17,975.696.11 (— 5,091:167.20), Beteiligungen S 646.518.34 (— 171.842.16), Immobilien und MöbiLien S 1,098.021.79 (—). Passiva: Aktienkapital S 4,500.000.—, Offene Reserve S 1,239.264.55 (+ 29.475.50), Speziaireserve S 600.000.— (+ 150.000.—), . Spareinlagen S' 797.700.17 (— 71.226:66), Kreditoren S 17.i42.651.i6 (— 6,390.084.15). Einahmen: Zinsen und Provisionen inkl. Garantieprovieion S 1,733.076.98 (— 131.056.65), Effekten- und Konsortialgewinne. S 191.7Q7.06.(—13.184.39). Ausgaben: Personalkosten S 735.895.99 (— 89.978.26), Sachspesen S 188.549:83 (— 25.502.56), Steuern S 199.167.18 (— 28.715.28), Reserven und Schadenszahlungen' im Garantiegeschäft S 616.511.93 (— 9164,14). / Von dem. Gewinn per S 194.693,49 .(+ 5183,61) wurden S 179.734.65 (—) iii Reserve gestellt und S 14.958.84 (+ 4924.46) auf neue Rechnung vorgetragen. Von den ^statutenmäßig ausscheidenden Verwaltungeräten -wurden die Herren Gr. Uff. Cornmendatore,Felioe Bensa,.Großindustrieller, Genua, Sektionschef i.,.R«. Alexander,. Günther, a. o. Gesandter und bev. Minister Nikolaus H. Post und Kommerzialrat' Hugo Winter wiedergewählt' E Max Nordaus letyte V«« Pröf; Dr. A* §♦ E» Yahuda HI. """ . Ich müßte, ganze Stunden, sprechen,, um die folgeni Ereignisse im zionistischen Lager in das riemige L.icht zu setzen. Ich will nur folgendes sagen: Als alle meine Versuche, die Herren in London von der Notwendigkeit einer Aenderung im Kurs ihrer Politik sowie von der Notwendigkeit der Anwesenheit Nordaus in London zu überzeugen, vollkommen gescheitert waren, entschloß ich mich, im April 1919 selbst nach Paris und London zu fahren. Meine erste Zusammenkunft mit Weizmann in Paris, bei der er sich so verhielt, als sei nichts geschehen zwischen uns und als sei ihm nach wie vor Nordaus Mitarbeit, meine Mitarbeit, die Mitarbeit eines jeden, der sich anbieten würde, mit tausend Freuden willkommen, erweckte in mir wieder Hoffnungen, und ich wurde wieder vertrauensvoll. Meinen Unterredungen mit ihm und Sokolow in Paris folgte Ende April eine sehr lange. Aussprache mit Weizmann, in der ich ihm alle Aufträge Nordaus übermittelte und auch meine Pläne über verschiedene Fragen, ganz besonders über die arabische Frage, auseinandersetzte, ihm ganz konkrete Vorschläge unterbreitete. Ich betonte auch die Notwendigkeit, ohne Verzug die arabische Frage in ganz .andere Wege zu leiten, indem ich ihm sagte, daß sehr vieles bereits versäumt worden sei, daß man aber noch sehr viel tun könnte, um eine Verständigung mit den Arabern beizeiten zustande zu bringen, bevor noch alle unsere feindlichen Elemente sich wieder in Palästina einfänden, ganz besonders unsere christlichen Freunde, die alles tun würden, um die zionistischen Pläne zu untergraben und die Araber gegen uns aufzuhetzen. Wie prompt dieses Versprechen gehalten wurde, kann man daraus ersehen, daß es mir nicht gelungen ist, Weizmann vor Ende Juni wieder zu Gesicht zu bekommen. Er wolte von einer arabischen Frage nichts wissen. Wiederholt sagte er, es gebe keine arabische Frage! Feisal sei alles, und mit ihm würde schon alles in Ordnung gebracht werden. Und von allen anderen Vorschlägen meinte er, man werde schon das Nötige tun. Er versprach alles, und zwar per sofort. Dieses „Sofort" gehörte za jenen Dingen, die am besten eine Idee geben von dem, was „unendlich" ist. Und das zu einer Zeit, wo noch alles für uns ziemlich günstig war. Damals waren die feindlichen Elemente noch nicht organisiert, die arabischen Hetzer hatten noch keine Unterstützung von außen und die englischen Judenfeinde noch keine Zeit, ihre Sabotageakte vorzubereiten. Es gab noch kein transjordanisches Problem, von. einer muselmanischen Solidarität in Indien oder sonstwo mit den Arabern Palästinas war noch keine Spur. Es war der günstigste Moment, zu fordern und zu fordern, so viel man konnte. Je mehr man verlangt hätte, desto mehr hätte man bekommen. Jedenfalls mehr als ein White Paper, einige Pogrome und ein Passfield-Weißbuch. Auf der einen Seite engagierten die Führer das Jüdische Volk unter der falschen Vorspiegelung, daß die Engländer alles geben würden: einen Staat, eine Commohwealter, ein Palästina, das so jüdisch sein würde, wie England englisch ist, usw. Auf der anderen ate sagte man den Engländern, daß das jüdische Volk ttB ftÜsf geben mg&fk i» nötig sei Bit Herbert Samuel hat Weizmann : vor * seiner-; Abreise als High Commissioner 25 Millionen Pfund in Raten von fünf Millionen jährlich versprochen! Und das zur selben Zeit, wo er öffentlich von den reichen Juden sagte, daß man von ihnen nichts zu erwarten habe/weil sie ihre Herzen in ihren Geldbeuteln und nicht ihre Geldbeutel in ihren Herzen trügen und ähnliche, kränkende Phrasen, die er heute gewiß nicht den Bankiers und Financiers an den Kopf werfen wird, die im Vorstand der erweiterten Jewish Agency sitzen. Nach sechs Monaten ununterbrochener Bemühungen gelang es endlich, Nordau von seinem spanischen Exil nach London zu bringen. Obwohl, er außerordentlich verbittert war, und trotz der uhsagbären, seelischen Leiden langer Monate der Erwartungen und Enttäuschungen war er bei seiner Ankunft in. London wie umgewandelt. Die freundlichen Gesichter, denen* er in der Zionistischen Organisation tagtäglich begegnete, der immerhin freundliche Ton/dem: er dort begegnete, die gastliche Aufnahme, die er in allen Kreisen der Jüdenheit in London fand und nicht zumindest das große geräumige Zimmer, das man ihm im Gebäude der Organisation zur Verfügung stellte, wirkten erheiternd und ermunternd auf ihn, und so. sagte er mir eines Tages: „Ich fange an, wieder- Hoffnungen für die Zukunft zu schöpfen. Ich habe Vertrauen zum jüdi« , sehen Volk. Das Volk wird schon verstehen, . seine Führer zu wählen." In jener Zeit wurde ihm der Gedanke, .nach' Erez Israel zu übersiedeln und dort zu leben und zu arbeiten, zum Lieblingsgedanken. Es gibt nur wenige, vielleicht drei oder vier Menschen, die wissen, daß er damals angefangen hat, hebräischen Unterricht zu nehmen und wie ein Schuljunge Vokabeln und Grammatik zu lernen. Es war rührend und begeisternd, ihn beim Lernen und Wiederholen; der Deklination und Konjugation zu sehen; ich überraschte ihn damals dabei« und er schien verlegen zu sein: „Schändlich, sagte er, ich hätte all das nie vergessen dürfen!" Mir kam es vor, als wäre ein alter, stämmiger Baum zu neuer Blüte gelangt, als sei ein neuer Frühling für ihn aufgeblüht. Leider war dieser Frühling von sehr kurzer Dauer: nach wenigen Monaten wurde es ihm klar, daß Weizmann von Intriganten und Speichel* leckern umgeben war, die .Nordau unter allen Umständen von ihm fernhalten wollten, weil sie ihn fürchteten. Seinerseits wußte Weizmann genau, daß Nordau für eine ganz andere Politik war als er selber, und da er niemals Widerspruch dulden konnte, so fürchtete auch er Nordau und ließ sich noch mehr, von den Leuten seiner Umgebung gegen ihn beeinflussen. Da ich zu Nordau hielt, so war auch ich sehr gefährlich. Ein Kesseltreiben setzte gegen uns beide ein. Es wurde alles getan, um Nordau auf Schritt und Tritt in den Hintergrund zu drängen. Und dennoch hielt er aus. Er wartete und hoffte. Er redete, mahnte und kämpfte. Aber auch nur hinter den Kulissen. Er wollte nicht die geeinte Front schwächen. Aber trotz seines absolut korrekten Verhaltens, trotz seiner Nachgiebig« keit, die schon sehr oft an Selbsterniedrigung grenzte, änderte sich das Benehmen seiner Gegner nicht, Nordau unterließ kein« Gelegenheit, bei wichtigen Fragen und bei Schwierigkeiten, die sich immer mehr und mehr aufhäuften, einzugreifen. Obwohl er merkte, daß gewisse Elemente seine bloße Anwesenheit in den Sitzungen nicht gerne sahen, überwand er seinen Stolz und ging zu jeder Sitzung, bis zwei Ereignisse eintraten, die ihn vollkommen erschütterten. Eines Tages wurde eine sehr wichtige Sitzung abgehalten, bei der die allerbedeutendsten Fragen in Verbindung mit der Friedenskonferenz beraten wurden. Nordau hatte es für nötig erachtet, in einer längeren Rede seine Bedenken gegen gewisse Anträge auszuprechen. Diese Rede schien Herrn Dr. Ed er etwas zu lang zu sein, und nachdem dieser und einige seiner Freunde ihre Ungeduld in sehr deutlichen Gestikulationen kundgegeben hatten, unterbrach er Nordau ganz plötzlich, und sagte, zur Versammlung gewandt: „Wir haben so wichtige Fragen hier zu beraten, daß wir wirklich keine Zeit haben, diese langen Ausführungen Dr. Nordaus anzuhören.1* Diese Worte fielen wie eine Bombe in die Versammlung. Die Atmosphäre war derart gespannt, daß man eine Explosion seitens Nordaus erwartete. Aber inmitten dieser großen Verlegenheit stand Nordau auf und verließ die Versammlung, ohne ein Wort zu sagen. Von da ab wollte er nicht mehr an den Versammlun- §en teilnehmen. Es kostete ungeheure Mühe, ihn wieder azu zu bewegen. Schließlich gab er nach. Aber nun saß er als Zuschauer da, nur selten, wo er nicht mehr schweigen konnte, meldete er sich zum Wort: wie einer, der nur sein Gewissen entlasten will, um sich keine Vorwürfe zu machen, nicht das gesagt zu haben, was er für richtig hielt. (Schluß folgt.) Jüdische Volkspar fei Oesterreichs Die Versammlungen, welche die Jüdische Volksparlei in den letzten Wochen in Wien veranstaltete, wiesen einen Massenbesuch auf. In Bezirken, in denen das jüdisch-politische Leben erstorben schien, zeigt sich nunmehr rege Anteilnahme. Ein Beweis dafür, daß die Tätigkeit der jungen nationaljüdischen Organisation in einer Zeit eingesetzt hat, in welcher, mehr als je, das Bedürfnis nach politischem und bürgerlichem jüdischem Selbstschutz von jedem Juden ' lebhaft empfunden wird. Der starke Grundstock der Jüdischen Volkspartei an organisierten Mitgliedern hat in diesen Versammlungen eine große Ver-. mehrung erfahren. Viele hundert Juden und Jüdinnen haben; ihren! Beitritt zur Partei vollzogen, die, wie die gesunde Entwicklung beweist, das unentbehrliche Bollwerk,,der österreichischen Judenschaft in schwerer Gefahr darstellt. Wer den Versammlungen in der Leopoldstadt, Brigittenau, Mariahilf, Neubau, Favoriten usw. beigewohnt hat, war von dem Ernste, der Würde und der Bereitschaft zur Verteidigung, der Rechte des jüdischen Volkes,-die hier'zum Ausdruck kamen, .stark,.ergriffen. . ••, , ,;, y iMÄ -' ',,. Die Leitung der „Jüdischen Volkspartei" gibt bakannt, daß eine „Rechtsschutzstelle der Jüdischen Vo'lkspartei" eröffnet wurde. Diese Institution erteilt allen jüdischen Volksgenossen unentgeltlich Rat und Auskunft in allen Fragen ihrer politischen, bürgerlichen und sozialen Rechte. Amtsstunden: Jeden Dienstag und Donnerstag von 7 bis 9 Uhr abends im Jüdischen Volksheim, Wien, II., Untere Augartenstraße 38. An die jüdischen Volks* genossen! Immer dringender hat sich die Notwendigkeit gezeigt, der Judenheit Österreichs ein Instrument zu schaffen, das berufen ist, die drohenden wirtschaftlichen und politischen, :, Gefahren abzuwehren und eine Tribüne für . alles zu schaffen, was in den Bereich jüdischer Interessen fällt. Von jüdischen Männern und Frauen soll der legitime Kampf geführt werden gegen alle Versuche, die jüdischen Rechte zu schmälern, und für die wirtschaftlichen und kulturellen Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung. : Nur eine bewußt jüdische, weder an rechts noch an links .gebundene Politik kann in dieser ■ Zeit höchster Gefahr, angesichts des bedroh« lieh anwachsenden aggressiven Antisemitismus, den Kampf erfolgreich führen. Unserem Ruf sind zahlreiche Juden aus allen Schichten gefolgt. Unsere Aufklärungsarbeit war nicht erfolglos. Es gilt nun, die breiten jüdischen Massen zu gewinnen. Jüdische Volksgenossen! Werbet für die Jüdische Votkspartei Der Obmann Kobert Stricker. Beitrittserklärung Ich melde hjemit meinen Beitritt rür Jüdischen Volkspartei mit einem Jahresbeitrag von S . . . . an. (Mindestbeitrag pro Jahr S 1.) Name: $eruf: Adresse: Ausschneiden uud m das Sekretariat, Wien, HL« Vat«M Augart^natraße 96^ sendem /