Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 251 (8.7.1932)
- Date
- 1932-07-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2711843-2711872--3203-2716555- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 251 DIE NEUE WELT Seite 3 geleitete Büro des Austro-palästinensischen Wirtschaftsdienstes, das sowohl in Palästina als auch in Oesterreich hervorragend fachliche Berater aller Branchen zur Verfügung hat, erteilt allen Firmen, welche Waren nach Palästina liefern wollen, und allen Interessenten für palästinensische Produkte die nötigen Aufklärungen. Der österreichisch - palästinensische Wirtschaftsdienst wird es sich auch angelegen sein lassen, den Reiseverkehr zwischen Oesterreich und Palästina zu intensivieren und allen jenen, welche sich in Palästina in industriellen, gewerblichen oder landwirtschaftlichen Unternehmungen betätigen oder beteiligen wollen, die Unterlagen zu verschaffen. Ins Präsidium wurden die Herren Hans Perutz, Oberbaurat Ing. Robert Stricktr, Max Ernst und Fritz Richter gewählt. Ferner gefcören der Leitung die Herren Oberfinanzrat Dr. Hugo Benedikt, Siegfried Graubart, Theodor Grubner, Direktor Josef Pollak, Dr. Bruno Singermann, Direktor Artur Sternfeld, Dr. Jakob Weiner und Gustav Wilder an. Das Büro des Austro - palästinensischen Wirtsebaftsdienstes befindet sich im Handelsmuseum (IX., Berggasse 16, Tel. A-17-5-40). Sprechstunden des Sekretariats jeden Montag und Donnerstag von halb 5 bis 6 Uhr nachmittags. Auskunfterteilung auch schriftlich. Antisemitische Streiflichter aus England (Von unserem Londoner Korrespondenten.) London, Ende Juni. Der englische Antisemitismus zeigt ein anderes Gesicht als etwa der deutsche, ein harmloseres, weniger aggressives. Er ist von Pogromtendenzen weit entfernt, aber er beginnt, sich im sozialen Leben, in wirtschaftlichen und religiösen Kreisen bemerkbar zu machen. Seine Form erscheint vorläufig mehr als feindselige Kritik jüdischen Wesens, als Kritik allerdings, deren Unterton eine große Portion Gehässigkeit und Ungerechtigkeit in fiäch birgt. Einige Fälle aus der letzten Zeit sind für diese antijüdische Hailtung bezeichnend. Ein „geistreicher" englischer Richter Vor einen Londoner Richter tritt als Zeuge ein Jude, der die englische Sprache nicht beherrscht und seine Aussage in. einem s-tark jiddisch gefärbten englischen Idiom abgibt. Die Bemühung des jüdischen Zeugen, dem englischen Richter mit einer »englisch e nu Aussage zu dienen, wird mit folgender Aeußerung des Richters quittiert: „Ich höre Ihnen wohl zu und verstehe Sie, und ich bedaure es, aber andere können das nicht. Ich kann Sie verstehen, weil ich 40 Jahre lang durch die Verstümmelung unserer wunderschönen englischen Sprache seitens Ihres Volkes selbst malträtiert wurde. Ich sagte oft, es wäre ein glücklicher Gedanke, wenn ein großes Schiff all djese Leute aufnehmen und sie so lange behalten würde» bis sie die englische Sprache beherrschen. Es wäre für sie sethr gesund, aber iöh glaube, sie würden das Schiff nie verlassen." (Gelächter beim Auditorium.) Jüdische Automobilisten fahren zu schnell „Daily Express" hat sich in der letzten Zeit mit der Frage des Verhältnisses den britischen Versicherungsgesellschaften zu den Juden beschäftigt. Diese journalistische Diskussion hat eine Reihe von Zuschriften zur Folge gehabt, die bezeugen, welcher Grad von Animosität gegen die Juden bei den Versicherungsgesellschaften besteht. Daß diese Animosität und Ungerechtigkeit keine bloße Fiktion ist, wird von einem Makler von Lloyds, der größten britischen Versicherungsgesellschaft, gezeichnet. Dieser schreibt dem „Daily Express": „Die abgelaufenen Statistiken unserer Versicherungsgesellschaft zeigen, daß die Mitglieder der jüdischen Gemeinde einen höheren Schadenskoeffizienten aufweisen als die änderen Versicherungsnehmer. Der Grund hiefür ist meiner Meinung nach hauptsächlich psychologischer Natur. Der Jude spielt nicht dicket oder Rugby oder die anderen sogenannten Freiluftspielc, da er seiner Natur nach mehr für U n t e rhaltungcu im geschlossenen Raum (!) eingenommen ist. Seine Neigung für Autoversicherung ist darin begründet, daß er immer gern im Vordergrund stehen will und daß er, wenn er ein schnelleres Auto besitzt und anderen daher zuvorkommen kann, nicht vorsichtig genug fährt, um die Möglichkeit eines Unfalls zu verringern, und dadurch der Versicherungsgesellschaft zur Last fällt. Wenn ein Jude hiugr,gen gezwungen wird, als Judeso und soviel Pfund für die Polizzc mehr zu bezahlen, daher persönlich höher engagiert ist, wird er ein vorsichtiger Fahrer werden!" Diese ,psychologische" Erklärung ist nicht sehr tiefgründig, auch sind die Arten des Risikos für die Versicherungsgesellschaft nicht scharf auseinandergehalten, ebenso wie die große Beteiligung der Juden am Freiluftsport in England erwiesen ist — das tut nichts zur Sache. Lloyds nimmt zwar gern die Versicherungsprämien der Juden, aber, wenn ein jüdischer Autofahrer einen Unfall erleidet, so ist daran nur die — jüdische Psychologie schuld. Der Jud ist schuldig ... Unter dem Titel „Katholiken und Jude n" beschäftigt sich die hiesige Zeitschrift „Catholic News" vom 14. Mai zunächst mit der Haltung des deutschen Zentrums zum Naziprogramm in bezug auf die Judenverfolgung in Deutschland und billigt sie. Im weiteren führt die Zeitschrift aus, daß die Juden in Frankreich, Spanien und in anderen Ländern an der antireligiösen Propaganda gegen die katholische Kirche schuldig gewesen seien. Im Zusammenhang mit dieser Frage veröffentlicht sie einen Brief, den B. A. Zaiman, der Sekretär des Board of the Jews of the British Empire (Jüdische Gemieinderepräsentanz für Großbritannien), an den Herausgeber der katholischen Zeitschrift gerichtet hat und worin es heißt: „Unsere Repräsentanz hat mit .Aufmerksamkeit i- ■ iv J£*j£ J-!/ y ■'• •* *: J- - % •'«' die Aeuße'rürigen verfolgt, die Sie in bezug auf die Juden Deutschlands in Ihrer Nummer vom 14. Mai 1932 gemacht haben. Während wir Ihre Erklärung, daß es hoffentlich in England zu keiner Judenverfolgung kommen werde, gern zur Kenntnis nahmen, bedauern wir, daß Ihre erfreulichen Aspirationen von falschen historischen Momenten begleitet waren. Die jüdische Repräsentanz kann nicht die Un t e r Schiebung akzeptieren, wonach, die Juden*pauschaliter für antireligiöse Handlungen verantwortlich gemacht werden." Das alte Spiel und die alte Notwendigkeit, sich von den antireligiösen Attacken gewisser jüdisch-kommunistischer Kreise und israelitischer „Freidenker" distanzieren zu müssen! schöner Traum ♦ ♦ ♦ Luxemburg ist doch kein Ersatz für Palästina Die „Neue Welt" hat über die Kampagne gegen die jüdischen Ausländer im Staate Luxemburg wiederholt berichtet. Die bekannte Wiener zionistische Führerin Frau Anitta M ii \ 1 e r - C o h e n, welche seit einigen Jahren in Luxemburg wohnt, hat an den Herausgeber der .,N. W." einen Brief gerichtet, welcher diese Angelegenheit behandelt und in welchen es u. a. heißt: „... Nachdem wiederholte TntcrventioncMi stattfanden, Memoranden abgefaßt wurden und viele Schwierigkeiten zu überwinden waren, ist die Sache nun doch so weif geregelt, daß ein Ministerrat tagite, welcher beschlossen hat, die Saühe mit den Aufenthaltsgcsuchen einzustellen. Dieser Beschluß wurde deshalb gefaßt, weil man nachweisen konnte, daß das Verlangen der Regierung unfair und u ngeeetzlich ist, solange kein neues Dekret im Gesetzesblatt (Memorial) veröffentlicht wird. Man verlangte eine gleichmäßige Behandlung sämtlicher Ausländer. Ganz besondere Verdienste bei dieser Aktion hat sich der Vorsitzende der Zionistischen Ortsgruppe in Luxemburg, Herr Max Rosenfeld erworben. Wenn auch die Ausweisung der Ostjuden in Luxemburg derzeit eingestellt ist, so ist dieser Fall wieder besonders lehrreich. Luxemburg ist ein wirklich demokratisches Land, in dem bisher jeder ohne Ansehen der Person, soweit er unbescholten war, Aufenthaltserlaubnis bekommen konnte. Wir guben uns alle der schönen, wenn auch falschen Hoffnung hin, daß es doch ein Land der Welt gibt, das den Antisemitismus nicht kennt. Diese Tatsache wurde uns auch immer eiutigegcmgcihalten., wenn wir den Versuch machten, in Luxemburg für Palästina zu werben. Kaum machte sich aber die wirtschaftliche Krise auch in Luxemburg bemerkbar, so zeigte es sich, daß auch Luxemburg keine Ausnahmsstellung in dieser Beziehung einnimmt. Die Schuldigen waren wie überall, wieder einmal die Juden und die Ausweisungen begannen. Man wandte sich vor allem gegen die O s t j u d e n, weil diese erst. kurze Zeit im Lande sind und weil sie, wie überall, auch in Luxemburg, die Schichte der wirtschaftlich Schwächsten bilden. Der Traum, daß es ein Land ohne Antisemitismus gibt, ist auch für die, die ihn gehabt haben, ausgeträumt..." Pogrom in SüäsAvabien Juden flüchten nach Palästina London, 5. Juli. Die Jüdische Telegraphen-Agentur erhielt heute von ihrem Korrespondenten in Aden auf Umwegen — weil bisherige Telegrammedes Korrespondenten an die J. T. A. beschlagnahmt worden waren — Mitteilungen, aus denen hervorgeht, daß die durch die Pogrome in Aden Ende Mai innerhalb der Judenschaft entstandene Panik andauert, daß jüdische Familien aus Aden flüchten und daß mit dem nächsten nach Palästina abfahrenden Dampfer massenhaft Judenaus Adenn ach Palästina abwandern. Der Korrespondent erhebt gegen die Polizei in Aden offen die Beschuldigung, daß sie sich der Lage nicht gewachsen zeigte und parteiisch vorging. Er erzählt, daß am 27. Mai auf Französisch- Somaliland ein Angriff auf die Juden organisiert worden war, aber von den Behörden rechtzeitig verhindert werden konnte; das gleiche hätte in Aden d4t Fall haben Sie gesehen, daß Juden städtische Arbeit bekommen? Aber ich? Ich habe sie ihnen gegeben. Bitte schön, baut, schafft, habe ich gesagt, wenn ich auch wußte, daß Juden keine qualifizerten Bauarbeiter sind. Ich habe gewußt, daß Juden tändlerisch sind und daß die Pyramiden, wenn's gut geht, an die zwanzig Jahre halten werden. Doswegen habe ich dem keine Beachtung geschenkt, denn ich habe ein Prinzip: Jeder hat ein Recht auf Arbeit. Und jetzt haben sje sich bei mir so schön revanchiert/* Pharao wischte sich den Schweiß ab und seufzte: ,,Ist mir das ein Völkchen, die Juden, nicht zu reden.'* „Und was ist das mit dem Töten der neugeborenen Kinder? Was heißt das, Säuglinge nehmen und sie ersäufen? Ist das in Ordnung?" „Hehehe", verantwortete sich Pharao. „Das habe ich aus purer Freundschaft zu den Juden getan, weil ich ein großer Judenfreund bin. Wozu die Juden bis zum Großwerden erziehen, damit man dann auf sie Pogrome macht? Damit meine Studenten sie aus den Hörsälen hinauswerfen? Sie blutigschlagen? Vernünftiger, sie gleich bei der Geburt ins Wasser zu werfen, als sie später blutigzuschlagen und zu pogromieren. Verstanden? ... Aber was gibt's da zu reden? Das ist doch selbstverständlich." „Doch was hat es, großer Pharao, für Sinn, ihnen nachzujagen, den Judenbankerts? Soviel ich weiß, pflegen Ihre Aegypter ihnen doch ständig zuzurufen: Ho-ruck nach Palästina?" „So, so ist es. Zuerst schreit man, jagt man, und dann tut's einem leid, Es ist schon einmal so bei uns | Mich verdrießt es nur, daß 60.000 Juden ohneweiters davonlaufen, ohne Auslandspässe und ohne Visa. Wenn die 60.000 Juden für die Pässe und Visa die Gebühren bezahlt hätten, so wäre der Staatssäckel um eine Million ägyptischer Pfund reicher geworden... Wenn wir von Valuta reden, waren Sie heute schon auf der Börse?" „Ja." p. „Nun?" „Geschlossen." „Sehen Sie?" „Und im jüdischen Viertel waren Sie? In der Gegend der Schiffamtsgasse und Taborstraße?" „Ja ... Tot wie auf dem Zentralfriedhof." „Sehen Sie? Zugrunde gerichtet haben sie mir das Land durch ihr Davonlaufen." Wir sausten dahin. Da und dort stachen uns Plakate und Aufschriften in die Augen: Endauren das jüdisch e VolkI Eine Prämie von 10.000 ägyptischen Pfund erhält derjenige, wer die Juden erwischt und sie beim Generalstab von Pithom und Ramses abliefert. Erkennungszeichen: Sprechen verschiedene Sprachen neben der eigenen, trinken keinen starken Schnaps, reden mit den Händen, leben von der Luft, laufen mit der Sammelbüchse herum usw. Man spürte schon den Geruch des Schilfmeers. Das Meer war nicht mehr weit. Schon war das Ufer zu sehen ... Da und dort waren Filmapparate aufgestellt, um Aufnahmen vom Ueberschreiten des Meeres und vom Auszug der Kinder Israels aus Aegypten zu machen. Reporter und Photographea eilten nervös bin und her, „Kollege, was hört sich?" rief ich einem-Journalisten zu. „Keine Zeit, ich muß telephonieren." „Moses gesehen?" * „Gesehen." „Interviewt?" / „Interviewt l" „Was sagt er?" „Er sagt, es geht schon zum Augenblick, wo er das Meer spalten wird." „Sehen Sie?" rief Pharao aus. „Ein solcher Mensch ist euer Moses! Er hält es für gerecht, das unschuldige Meer zu spalten, wie wenn es eine politische Partei wäre ... Aber ich gebe nicht nach. Ich werde ihnen nach, jagen bis zum Grund des Meeres. Und in der Tiefe werd* ich sie erwischen!" Plötzlich drang ein fürchterliches Krachen an unsere Ohren. Ich erkannte das jüdische „Geschrei". Vom weiten sah ich, wie ein Stab sich erhob und senkte. Das Meer spaltete sich und hinterließ einen natürlichen Pfad. Die Juden hoben ihre Rockenden und marschierten trockenen Fußes durch das Meer, Unser Reitwagen fuhr auf sie los. Aber bald schlug das Meer zurück und Pharao und ich bekamen Wasser zu trinken. Das Wasser würgte mich. Ich begann, mit Händen und Füßen auszuschlagen und — bin erwacht. Neben mir stand meine Frau und verlangte Geld au! Pessacn,