Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 250 (1.7.1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 250 DIE NEUE WELT Gott behüte, kein Freund der Kommunisten, sondern deren Gegner sei (fürwahr: nur einem „schwarzen" russischen Emigranten könnte die Idee aufkommen, daß die edlen Kommunisten einen Menschen aus politischen Rücksichten töten können!). Der Rigaer zionistische „Frimorgen", dessen Verlagsgesellschaft sich bezeichnenderweise aus jüdischen Täuflingen zusammen« setzt, druckt in großer Aufmachung Reden hervorragen* der Jcwseken. Dabei sind die getauften Verleger des Blattes radikale Anti-Bolschewiken und geben sogar eine Reihe anderer, in russischer, lettischer u. a. Sprache erscheinender Zeitungen antikommunistischer Richtung iheraus. Sic sind aber vor allem Leute, die auf „business" •ingestellt sind, und glauben bessere Geschäfte zu ■machen, wenn sie den Zionisten ein in kommunistischen Dingen „liberaleres" Blatt präsentieren . . . Meldet sich manchmal ein Artur Hollitscher und sagt, daß die kommunistischen Siedlungen in Palästina fast so gut sind wie in Rußland, so ist die zionistische Presse imßtande, „die sehr bedeutenden Worte" dieses „überaus bedeutendes Kopfes" zehn- und zwanzigmal wiederzugeben . . . Daß diese jüdische Presse ganz unvorbereitet ist, einen gesellschaftlichen Kampf gegen die roten jüdischen Pogromisten aufzunehmen, braucht nicht einmal erwähnt zu werden. Diese jüdische Presse ist Ausdruck einer gewissen sittlichen Paralyse der jüdischen Oeffentlichkeit. Sie dokumentiert aber mehr als das: den Verlust des elementaren nationalen Selbsterhaltungstriebs. Wenn Juden (in nicht unbedeutender Zahl!), unter welchem Schlagwort immer, J u d e np o g r o m e vorbereiten und die jüdische Oeffentlichkeit und Presse ihnen keinen Vernichtungskreuzzug erklärt, sondern umgekehrt mit ihnen liebäugelt und dieses abstoßende Liebäugeln in Theorien zu kleiden versucht, so liefert sie mit eigenen Händen unsere Eltern und Kinder jenem Messer aus, welches die Broschüre der, „Roten Hilfe" so begeistert glorifiziert. Was die zionistische Oeffentlichkeit tut, ist nichts als gemeingefährliche Pflege jüdisch-kommunistischer Entartung. Ist das nicht an sich ebenfalls Entartung? Jetzt weiß er es ♦. ♦ Eine israelitisch-akademische Tragikomödie Vor einigen Tagen gab es wieder antisemitische Krawalle auf der Wiener Universität. Normaler Verlauf. Jüdische Studenten und Studentinnen werden von einer hundertfachen Uebermacht verprügelt und hinausgeworfen. Als außerordentliche Draufgabe sodann eine Sonderaktion gegen den für das nächste Jahr zum Dekan gewählten Professor der Pharmakologie Pick. Nachdem die Herren Studenten mit Rufen „Juda verrecke! — Nieder mit Pick!" ihr Herz erleichtert hatten, schritten sie zur Tat und übergaben dem neuen Dekan , folgende Adresse: „An Herrn Professor Pick. Die Deutsche Studentenschaft nimmt mit Entrüstung davon Kenntnis, daß Sie wider Erwarten Ihre Wahl zum Dekan der medizinischen Fakultät angenommen haben. Nach wie vor steht die Deutsche Studentenschaft auf ihrem 1923 kundgetanen Standpunkt, daß jüdische Professoren akademische Würdestellen nicht To ek 1 eid e n d ü r f e n. Wollen Sie bedenken, daß Sie sich an einer deutschen Hochschule befinden und daß die deutschen Studenten als ihre Führer nur deutsche Lehrer anerkennen! Schon im Interesse eines ordnungsmäßigen Lernbetriebes hoffen wir auf ihre Einsicht. .Gerhard Kurka, Robert Ehrlich, Josef Klaus." Die „Neue . Welt" hat wiederholt tadelnd darauf arbeitet man . auf den jüdischen Feldern und in den jüdischen Pardessim. . . Der mit mir fährt, ruft die Besitzer einzelner Stücke Boden an, es kennt da gut eine? den andern, man .weiß hier gut, was der Boden des einzelnen leistet Es ist ein Vergnügen, mit , palästinensischen, Juden über Palästina zu fahren, es gibt kein Volk auf der Welt, das so genau jedes Zipfelchen Erde kennt, wie hier die Juden die Erde Palästinas kennen. Ich fahre über die Pardessim, ich sauge in mich hinein den Duft der Orangenblüten, der feuchten, aufgebrochenen Erde, der jüdischen Arbeit. Ich komme zu einer Orangenpflanzung amerikanischer Juden, sie ist schon ausgestaltet, die Orangen sind schon gepflückt und man erquickt sich schon an ihnen irgendwo weit in England oder in einem anderen Land Europas. Die Bananen haben ein wenig gefroren, heuer gab es in Palästina starke Fröste, aber im Geschmack haben sie nicht gelitten, nur im Wachstum.... Wir fahren Uber Pardessim, aber mitten drin stoßen wir auf Wälder von Olivenbäumen. Schüchtern stehen sie da, mit großen Köpfchen und mit gebogenen Körpern. Es sind arabische, sagte man mir. Es dauert lang, bis Olivenbäume auswachsen und Oliven geben. Die Bäume werden alt, grau und gebogen, bis sie Früchte geben. Wir haben keine Zeit zu warten. Wir müssen so rasch als möglich Palästinas Erde besetzen. Pardessim wachsen in sieben bis acht Jahren aus... Später, später werden wir Geduld haben können, weruen wir Olivenbäume pflanzen können. Später werden wir Geduld haben zu warten.m hingewiesen, daß die jüdischen Universitätslehrer sich um die Verfolgung ihrer jüdischen Hörer nicht kümmern, abseits stehen und ruhig der schmählichen Judenhetze auf akademischem Boden freien Lauf lassen. Vielleicht unter dem Eindrucke dieses Hinweises hatte vor zirka zwei Monaten der Präsident der Wiener Kultusgcmeinde, der selbst Hochschullehrer ist, alle jüdischen Professoren und Dozenten versammelt, damit sie zu den Vorgängen an den Hochschulen Stellung nehmen. Zirka hundert Herren waren erschienen. Der Verlauf dieser Aussprache war wenig erhebend und führte zu keinem Resultat. Nur wenige bezeigten Lust, der Pflicht als Juden und Lehrer Geniige zu tun. Was einzelne Herren zu sagen hatten, war tief beschämend. So leistete sich einer der gelehrten Herren fol- *P gende Rede: „Ich weiß gar nicht, warum man uns eingeladen hat! Auf der Universität ist doch alles in schöner Ordnu.ng. Ich weiß wirklich nicht, warum mau etwas unternehmen soll." Wer war nun dieser offenbar stark kurzsichtige und noch stärker schwerhörige israelitische Herr Professor, der nichts hört, wenn Judenschädel krachen, und nichts sieht, wenn seine Hörer und Hörerinnen blutüberströmt über alle Stiegen fliegen. Es war eben dieser jetzt neu gewählte und sofort „behinderte" Dekan der medizinischen Fakultät, der Pharmakologieprofessur Pick, der hoffentlich bei Betätigung in seiner Wissenschaft besser sieht und besser hört als in seinem jüdisch-akademischen Leben. (Er könnte sonst Zyankali mit Vanillezucker und Strychninlösung mit Eibischtee verwechseln.)! Nichts hat er gesehen, der Herr Dekan Pick, nichts hat er gehört, nichts hat er verspürt, nichts hat er gewußt! . . . Jetzt sieht er, jetzt hört er, jetzt spürt er, jetzt weiß er. ' Bei stockendem Stuhlgang und überschüssiger Magensnure leitet das sehr milde, natürliche „Franz- Josef'-Bitterwaßser die im Magen und Darm angesammelten Rückstände der Verdauung ab und verhütet in vielen Fällen die Entstehung von Blinddarmentzündungen. Aus der jüdischen Welt Schächtverbot in der Tschechoslowakei verfassungswidrig. Der Gablonzer Stadtrat hatte das rituelle Schlachten im Städtischen Schlachthaus von Gablonz verboten und, als dem Einspruch der Kultusgemeinde Gablonz (gegen diese Entscheidung von der politischen Behörde stattgegeben worden war, sich an das Oberste Verwaltungsgericht gewendet. Das Oberste Verwaltüngsgericht' hat nun in einer für die gesamte Tschechoslowakei gültigen Entscheidung erkannt, daß „die Vornahme von Schächtungen nach jüdischem Ritus unter die von der Verfassung geschützten! religiösen Uebungen fallen. Die Verletzung dieses verfassungsmäßig gewährleisteten Rechtes kann auch darin bestehen, daß die Mitglieder einer Kultusgemeinde ihre Kultusbedürfnisse nicht an Ort und Stelle zu befriedigen vermögen. Auch wenn sie die Möglichkeit hätten, die rituelle Schächtung anderwärts vornehmen zu lassen, bezw. das geschächtete Fleisch von auswärts zu beziehen, so könnte dieser Umstand sie doch nicht des Rechtes berauben,' die Befriedigung ihrer Bedürfnisse auch in Gablonz anzustreben." Durch diese Entscheidung scheint der Anti-Schäohtbewegung, die im letzten Jahr in mehreren Städten Böhmens sich bemerkbar machte und antijüdischen Motiven entsprang, der Boden entzogen. 1 Auszeichnung jüdischer Künstler beim I. Internationalen Musikwettbewerb in Wien. Im Endergebnis des I. Internationalen Musikwettbewerbs (flir Geige und Gesang) haben die jüdischen jungen Talente ziemlich gut abgeschnitten. Ein großer Teil bestand erfolgreich die beiden Prüfungen des Wettbewerbes und erhielt Diplome, bzw. Anerkennungen der Jury über künstlerische Leistung und Aussicht für die Zukunft. Unter den Diplomierten und Anerkannten befinden sich folgende Juden: die Geiger: Bakmann Simon (Schweiz), Karl Rosner und Arno Gold (Oesterreich), Alice Tokacz (Ungarn), Jo Juda (Holland), Alfred Szenker (Polen), Ottilie Ungermann (Tschechoslowakei), Ilse Zilzer (Deutschland) und mehrere Oesterreieher; die Sänger: Kurt Baum (Deutschland), Rachel Kozan (Rumänien). Der Bukarester jüdische Sänger Robert Schilton erhielt einen der drei Dritten Preise. .Antijüdische Exzesse in Polen. Im Verlauf eines Wassersportfestes der Schuljugend von ' Brest- Litowsk überfielen Schüler der Technischen Schule dieser Stadt die jüdischen Zuschauer und schlugen barbarisch auch auf jüdische Frauen und Kinder ein. Hierauf zogen sie, antijüdische Losungen rufend, durch die Straßen der Stadt, schlugen in etwa 50 jüdischen Häusern die Fenster ein und mißhandelten alle ihnen begegnenden jüdischen Passanten. Am Abend wiederholten sich im sogenannten „Freiheitsgarten" die Ueberfä'lle auf jüdische Passanten. Man zählt eine Anzahl jüdischer Verletzter, Die Stimmung unter der Judenschaft der Stadt ist sehr gedrückt. — Aus K a I y s z wird gemeldet, daß in dem! Städtchen P j a s k, Wojwodschaft Posen, eine Bande Huliganä mit den Rufen: „Schlagt die Juden, rettet Polen!" über die, jüdischen Teilnehmer an dem dortigen Jahrmarkt herfiel, mehrere - - JattaJki "m^«--u?Jj»mj»»JMtfg^ Lei er und Redeballe jadisdter HoAtdifller in Wien antullwt hintldiit ihnm //ffctn Ell - Ell Bad Gastein Kurhotel Bristol Thermalblider, fließendes Wasser, beste streng koschere Küche A« H* Jakob A* Leser xu t«/ntr Promotion zum Dofctyr dtr Mijtsjii / / / Auskünfte bereitwilligst /// von ihnen blutigschlug und die jüdischen Warenstände ausraubte. Die herbeigeeilte Polizei erklärte, gegen die Uebermacht der Huligans, nichts ausrichten zu können. Mehrere jüdische Kaufleute, so insbesondere Gotthelf, Bick, Rauch und Egtreiman erlitten erhebliche Verletzungen. Der Wert der geraubten Ware bc-' läuft sich auf zehntausende Zloty. Unter den jüdischen' Jahrmarkthändlorn herrscht große Empörung darüber, daß die Regierung den ihnen bereits zugesagten Schlitz, gegen die immer sich wiederholenden . Jahrmarktpogromo noch immer nicht eingesetzt hat. Viele von den zwei Millionen New Yorker Juden werden die Metropole verlassen müssen. Auf der Convention der National Association of Jewish Centre Executives führte Rabbi Bärriett B r i ck n er, der, frühere Leiter des amerikanisch-jüdischen Wohlfahrtsausschusses, aus: Es wird schließlich unvermeidlich! werdei, daß von den zwei Millionen Juden, die in New York und in der nächsten Umgebung wohnen, viele abwandern und sich ihren Lebensunterhalt außerhalb des Gebietes der, Metropole werden suchen müssen. In unserem Mittelstand herrscht das „Steh* k r a g e n - P r o 1 e t a r d a t" vor. Die Kleinkaufmarinschaft hat unter der jetzigen Krise am schwersten ge-[ litten und muß sich ebenfalls umstellen. Dieser Umstand, verbunden mit der Dezentralisierung der Produktion in New York, veranlaßt uns, zu glauben, daß viele New Yorker Juden sich ihren Lebensunterhalt anderswo werden suchen müssen. Viele werden sich' der Landwirtschaft zuwenden - müssen; in diesem Wirtschaftszweig bestehen für die Juden noch! große Möglichkeiten. .' >, Jüdische Arbeiter verlassen Biro Bidschan. Der von der Regierungskommission n für jüdischen Aufbau Komzet aufgestellte Plan, noch im Verlauf des Jahres 1932 14.000 Juden in Biro Bidschan anzusiedeln, wird, wie die Sowjetpresse feststellt, ni e ht verwirklicht werden können. Die staatsindustvieHen Unternehmungen in Biro Bidschan weisen die jüdischen Arbeiter, wenn sie nicht voll qualifiziert sind, zurück. Die jüdischen Arbeiter sind auf diese Weise zur Abwanderung aus Biro Bidschan gezwungen. Für die jüdische Kolonisation in Biro Bidschan zeigen , diese Stäatsunternehmungen keinerlei Interesse.. Eine andere Mitteilung besagt, daß fast die Hälf te der einige hundert Personen zählenden jüdischen Einwanderer aus dem Aus lande Biro Bidschan verlassen-haben. Jüdische Kolonisten wollen keine Schweine züchten. Die in Charkow erscheinende jiddischkommunistische Zeitung. „S t e r n" klagt, daß die jüdischen Kolonisten des Rayons Kalinindörf sich weigernd Schweine zu züchten, weshalb sich die Zahl der Schweine in diesem Rayon auf ein Drittel vermindert hat. Die Zeitung fordert die Rayonsbehörden auf, gegen diejenigen einzuschreiten, die einen Schweinezuchtstreik erklären. I Milde Strafe für Judenmord in Saloniki. Das Gericht in Saloniki verurteilte den griechischen Nationalisten Pandeli Kirdakpoulos, der vor zwei Jahren den jüdischen Bürger: S.amuel Nefusjsi kaltblütig und überlegt niederschoß, wegen fahrlässiger Tötung zu 15 Monaten Gefängnis. In der jüdischen Bevölkerung herrscht Empörung darüber, daß ein so schweres, aus antisemitischen Motiven began-, genes Verbrechen eine so milde Sühne gefunden hat. Man weist darauf hin, daß die Urheber aller antisemitischen Verbrechen der letzten Zeit: in Saloniki, einschließlich des vorjährigen Pogroms und der Niederbrennung eines ganzen jüdischen Stadtteiles, mit kleinen Strafen davonkamen oder überhaupt freigesprochen wurden. I ' ' ■ ' ' Das Urteil im Prozeß gegen die antisemitischen Terroristen in Bulgarien Der in der „Neuen AVeit" beschriebene bulgarische Antisemitenpiozefl hat seinen Abschluß gefunden. Aus Sofia wird berichtet: In dem Prozeß gegen Dimitr Kalpaktschieff und zwei weitere antisemitische Terroristen, die einen jüdjschen. Arzt und einen jüdischen Kaufmann verschleppt und gepeinigt haben, sowie Vorbereitungen getroffen haben, einige Führer der bulgarischen Juden. gewaltsam, zu entführen — Kalpaktschieff hat außerdem noch, einen bulgarischen Chauffeur ermordet und sich seines Autps zwecks Entführung der Juden bemächtigt —ist das Urteil gesprochen worden; Dimitr Kalpaktschieff. wurde zu sieben Jahren schweren Kerkers (Zuchthaus), der Beamte für-^spezielle Dienste" der antisemitischen Organisation „Rodna Zastita" Radau Radeff wurde zu sechs Monaten Gefängnis, der Helfershelfer Torna Stojanoff wurde zu eineinhalb Jahreu Gefängnis verurteilt. In jüdischen Kreisen wird djg tMlttil üh zu Wilde kritisier^ ein hjfcter.es. ggggg, Jfr