Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 249 (24.6.1932)
- Date
- 1932-06-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 249 DIE NEUE WELT Seile t an. In politischen Kreisen wird dieser Urlaubeantritt kaum Ueberraschung erregen. Man weiß, wie außerordentlich stark politisch und menschlich Hans Goslar während der gesamten Ministerpräsidentschaft Otto Brauns mit diesem verbunden gewesen ist. Man wird es deshalb verstehen, daß Goslar, dessen Weiterverwendung im Staatsdienst von der allgemeinen politischen Entwicklung in Preußen abhängen wird, den üblichen Weg einschlägt, seinem langjährigen Chef zu folgen. Ministerialrat Goslar ist bekanntlich einer der Führer des M i s r a c h i und gleichzeitig als Mitglied der Fraktion der Jüdischen Volkspartei Repräsentant der Berliner Jüdischen Gemeinde und Abgeordneter der preußischen Landesversammlung jüdischer Gemeinden. Das „Heil Hitler!" des Synagogenschönders Berlin, 19. Juni. (J. T. A.) Der Täter, der am 13. März die Synagoge in Vietz mit Hakenkruezen beschmiert hatte, wurde wegen Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von 50 Mark oder zehn Tagen Haft verurteilt. Nach Verkündung des Urteils verließ der Angeklagte den Gerichtssaal mit dem Ruf : „Heil Hitler!" Dafür erteilte ihm das Gericht eine Rüge. Aus der Tschechoslowakei „Venkov", Zentralorgan der Partei des t«a hlech os lowakdschen Miais ter p r ä»identen, Franz Udrzal, veröffentlicht einen Artikel, in dem es heißt: „In Deutschland haben sie es gelernt, die Bezeichnungen der politischen Parteden abzukürzen. .Nazi' sind die Nationalsozialisten, »Sozi* die Sozialdemokraten. In der letzten Zeit ist eine neue Abkürzung entstanden, ,OZF, was soviel bedeutet wie .Organisation zitternder Israeliten* ... Ddese Organisation steht zwischen den ,Nazi' und den «Sozis*, wo sicherlich genug Spielraum ist, um es den Angehörigen des .auserwählten Volkes' zu ermöglichen, Raum für die Verwirklichung ihres immer umfassenden Programme« .Nicht Fisch, nicht Fleisch* zu finden". * Gleichzeitig ist in der nationaldemokratischen „Narodni Politika", der größten tschechoslowakischen Tageszeitung mait einer Auflage von 140.000 Exemplaren, ein Artikel iüber den Hitlerismus erschienen, in welchem unter anderem erklärt wird: .....Wir sind fest tiberzeugt davon, daß das tschechoslowakische Volk im gleichen Schritt an der Seite der deutschen Nation gehen wird, und daß es bei den Nationalsozialisten eigentlich um ein sittliches und humanes Programm geht". „Narodni Politika" und die nationaldemokratische Partei gelten für gewöhnlich als die Träger des Deutschland-Hasses in der Tschechoslowakei. * Der tschecho-jüdische „Rozvoj" befaßt sich mit der Wiederwahl von San Nikolo zum Rektor der P r a g e r deutschen Universität, die, bekanntet h erfolgte, weil die Wahl des Juden Winternitz and des Professors jüdischer Abstammung Kraus auf Widerstände gestoßen war, und erklärt: „An den tschechischen Hochschulen könnte eine solche Situation bei Rektorwahlen gar nicht eintreten. Ein Gelehrter jüdischer Abstammung könnte sich hier nicht einmal habilitieren. Die tschechischen Professoren sind zwar keine Hakenkreuzler, aber der Taufschein gilt ihnen noch immer mehr als selbst die beste wissenschaftliche Qualifikation.' X In Munkacz fanden die ersten Reifeprüfungen am Hebräischen Gymnasium ihren Abschluß. Von den 24 Abiturienten erhielten 4 Auszeichnungen, 2 wurden für kurze Zeit zurückgestellt. Die Maturitätsprüfungen fanden unter dem Vorsitz des Landesschulinspektors für Karpathorußland Oberschulrat Vondracek statt. Im Anschluß an die Prüfungen fand ein Bankett statt, an dem sich außer SoMUern, Lehrern uud Eltern die Vertreter der Behörden, sowie zahlreiche Delegierte verschiedener jüdischer Organisationen au? den historischen Ländern und der Slowakei beteiligten. Aus Anlaß der Feierlichkeiten erschien eine illustrierte Festschrift, in der unter anderem auch eine Kundgebung des Unterich tsministers Dr. Ivan Derer über die Bedeutung des hebräischen Schulwerkes veröffentlich Kommunistische Studenten In Bratislava wurden polizeiliche Erhebungen gegen einige polnisch-jüdische Universitätshörer wegen bolschewistischer Propaganda geführt. Einige Zeitungen haben diesen Vorfall zu einer großen Affäre aufgebauscht und forderten Maßregeln gegen alle ausländischen Unlversitötshörer. Abg. Dr. R e i s z intervenierte in dieser Angelegenheit in Vertretung der Jüdischen Partei bei den Universitätsbehörden, bei der Polizei und |>ei den Verwaltungsbehören, und es wurde festgestellt, daß es sich hier nur um zwei Studenten handelt, die sich an der Propaganda beteiligten, während die Übrigen polnisch-jüdischen Universitätshörer dieser Aktion fernstehen und dieselbe ablehnen. Abg. Dr. Reis« erhielt allseits die Zusicherung, daß es «ich nur um die Mäßregelung dieser zwei Studenten handeln wird, denen eine kommunistische Propaganda nachgewiesen wurde, da die hiesigen Behörden es nicht dulden können, daß sich Ausländer, die hier das Gastrecht genießen, an politischen Aktionen beteiligen, hingegen wird das Recht der übrigen Hochschüler, die an dieser Sache vollkommen unbeteiligt sind, ungeschmälert bleiben. Tribüne Ein Gentleman und Pnblikumsllebling Die „Neue Welt" erhielt folgende Zuschrift eines Lesers: „Sehr geehrte Redaktion! — Bei den letzten Hakenkreuzkrawallen an der Wiener Universität war ich Zeuge eines empörenden Vorfalles. Vor dem Hörsaal des englischen Sprachprofessors Mac C a 11 u m wartete ein Trupp Hakenkreuzlcr in der unverkennbaren Absicht, die im Saale befindlichen jüdischen Hörer zu überfallen. Sic drangen augenblicklich nur deskaU) nicht in den Saal ein, weil Herr Mac Callum Ausländer, Engländer ist. Als nach Schluß der Vorlesung Herr Mac Callum aus der Türe trat, stürzten sich die Hakenkreuzler johlend auf einen jüdischen Studenten, der an der Seite des Herrn Professors herauskam. Der Bedrohte bat den Professor um Schutz, um Intervention. Mit einem abwehrenden Achselzucken schüttelte dieser den Bedrohten ab, überließ ihn ruhig seinem Schicksal und vor seinen Augen wurde der Jude niedergeschlagen und blutüber- Der neue Kühlschrank für J _ E II Ueberau aufzustellen oder aufzuhängen II »Motorlos« I Daher: keine Abnützungserscheinungen, keine Reparaturen ■•«|U«m*t« Tttllsahlungan! ELECTROLUX <fes< m. b. ml Schauräume: I,Stock-im-Elsen-Platz 3, Tel.R-28-5-60, I, Nibelungengasse 9, Tel. A-36-0-78, A-36-0-81 E R IM A N N strömt über alle Treppen geworfen. Ich bringe *hnen diesen Vorfall zur Kenntnis. Hochachtend R. N." Anmerkung der Red.: Herr Mac Callum besorgt seit Jahren den Englisch-Unterricht im Wiener Radio. Er hat eine reizende Stimme, spricht gut und lustig, ist einer der populärsten Lieblinge des Wiener Publikums geworden. Juden, sehr gut zahlende, drängen sich um Lektionen bei ihm. Die Kunde, daß Herr Mac Callum scheinbar nicht weiß, was die Pflicht eines Lehrers gegenüber einem bedrohten Schüler, die Pflicht eines Gentleman gegenüber einem verfolgten, schütz« suchenden Menschen erfordert, wird sehr viele «"»'irr Verehrer herb enttäuschen. Stiefkind Mittelstand Ein Beitrag zur Geschichte der Monopolisierung Palästinas Aus Tel-Awiw erhält die „Neue Welt" diesen Bericht, als einen der vielen Proteste gegen den Zustand, daß heute die Kolonisation in Palästina unter ausschließlicher Kontrolle einer Partei steht, ja ein M o n opol dieser Partei geworden ist. Der Verfasser ist langjähriges, führendes Mitglied des „Misrachi". Berge kreißten und ein Mäuschen ward geboren. Seit Jahren wird darüber geschrieben und gesprochen, Kongresse und Konferenzen haben feierliche Beschlüsse gefaßt, daß auch für die Ansicdlungdes Mitt eisten des in Palästina etwas geschehen müsse. Lange hat es gedauert, bis endlich auch die Herren von der alles beherrschenden Arbeiterorganisation gnädigst zugegeben haben; daß die Ansiedlung des Mittelstandes '— gestattet, toleriert wird. Wohlgemerkt: gestattet,'aber, weiter nichts, weder gefördert noch unterstützt. Die Herren Genossen haben in richtiger Erkenntnis iihrer Machtquelleu die Rollen in der Weise verteilt, daß sie dem Mittelstand gestatten, Gelder für den Keren Hajessod herzugeben, da er ja zum Geben da ist, wahrend die Herren Genossen wieder dazu da sind, die Gelder vom Keren Hajessod entgegenzunehmen. Nachdem auch ein Vertreter des „Misrachi", Herr Farbstein, in die Exekutive gewählt wurde, hat man rasch Genossen Arlosorov die politische Führung, Genossen Senator die Führung der Finanzen, dem Nichtzionisten Hexter die Leitung der Kolonisationsabteilung fest in die Hände gegeben und für Farbstein blieb nichts mehr zu tun übrig. Nun, diesen schweren Wagen, der auf politischem Gebiete manches durchkreuzen könnte, hat man auf ein ungefährliches Nebengelease geschoben. Für Farbstein hat man einen neuen Beruf ausfindig gemacht: Leitung einer Abteilung für Mittelstandskolonisation! Aber eine Abteilung ohne alle Mattel, Als Farbstein sich einen einzigen, nach seiner Ansicht brauchbaren Beamten zur Hilfe nehmen wollte, da wurde bald eine Streikbewegung unter den Beamten der Exekutive inszeniert, um die Arbeit dieses Beamten unmöglich zu machen. Nach langen und schweren Kämpfen ist es Farbsteiu endlich gelungen, die Leitung des Nationalfonds dazu zu bestimmen, einen kleinen Komplex der brachliegenden Böden des K. K. L. in Wadi Chawarit für eine Mittelstandskolonisation herzugeben. Und da wird jetzt in allen Tonarten verkündet: Sehet, wir haben doch auch für den Mittelstand, ein Herz! Hundert Mittelständler mit einem sofortigen Barerlag von mindestens 550 Pf St. sollen sich innerhalb zweier Monate melden und dann werden sie zehn Duham Orangerie, ohne Wohnbaus oder sonst etwas, zugeteilt bekommen. Koramen diese Mittelständler mit den 550 Pfunden nicht bald, dann ist ebeu erwiesen, daß der Mittelstand für Kolonisation überhaupt nicht taugt, und alle diesbezüglichen Forderungen müssen dann für alle Zukunft, so wie bisher, unerfüllt bleiben. Dann haben die Herren Genossen mitsamt ihren bürgerlichen Mitläufern wieder ihre Ruhe und können weiter ugestört und kritiklos schalten und walten. Wie verhält es sich in Wirklichkeit mit dieser so viel und so laut propagierten Mittelstandskolonisation? Der Reflektant soll bar und auf ein» mal 550, beziehungsweise über 1000 Pf. St. erlegen. Da» für wird er zehn Dunam Orangenboden erhalten. Zunächst wird in den außerhalb Palästinas publizierten Prospekten verschwiegen, was in den hiesigen Publikationen klar gesagt wird, daß der in Betracht kommende Boden erst entsumpft werden m u ß. Und während der K. K. L. bei den den Linken zur Verfügung gestellten Böden die Kosten der Entsurapfung und der Wasserbestellung aus eigenen Mitteln deckt, muß Stiefkind Mittelstand die Kosten der Entsumpfung selbst bezahlen. Während bei jeder Kolonisation linker Siedler oder Gründung einer kommunistischen Kwuza das Gesamtinventar sowie die Kosten des Lebensunterhalts bis zum Ertrag, oft auch, weiter, vom Keren Ha jessod gezahlt wird (formell leihweise), soll Stiefkind Mittelstand von diesem Fonds, der •hauptsächlich von seinen Beiträgen gespeist wird, keinen roten Groschen bekommen. Das Stiefkind Mittelstand hat wohl jeden Einfluß auf die Gestaltung des Dinge verloren, aber doch nicht den nüchternen Verstand, seine Fähigkeit zu kaufmännischer Berechnung. Fix und fertige Orangerien, sechs und acht Jahre alte, in vorhandenen Kolonien sind um 70 bis 80 Pfühd ' pro Dunam erhältlich. Seriöse, absolut vertrauenswürdige Pflanzungsgesellschaften liefern Orangerien, gleichfalls in vorhandenen Kolonien, um 70 bis 80 Pfund pro Dunam und auch billiger, wobei nur eine Anzahlung von 10 bis 2 0 Prozent zu leisten ist und der Restbetrag in zinsenlosen sechsjährigen Raten beglichen werden kann. Dazu kommt noch folgende wichtige Erwägung: In Wadi Chawarit kostet der Boden höchsten« drei Pfund pro. Dunam. Bei einer Bareinlage von 55, bezw. 100 Pfund pro Dunam beträgt also der Preis des Bodens nur drei bis fünf Prozent des zu investierenden Kapitals. Bei dieser kaum in die Waagschale fallenden Differenz, die der Reflektant vom Nationalfonds bekommen soll, hat er den, kommerziell aufgefaßt, sicherlich wesentlichen Nachteil, daß er« wie die Gesetze des Nationalfonds es vorschreiben, gar nicht Eigentümer der Orangerie, in welche er 95 bis 97 Prozent bar investiert hat, ist; diese niemals veräußern kann usw. Uni dies zu dokumentieren, wird von den Reflektanten auch ein Pachtschilling gefordert. Nein, eine Unterstützung des Mittelstandi« müßte schon, um diesen Namen zu verdienen, ganz ander aussehen; Insolange das derzeitige Regime in der zionistischen Bewegung am Ruder bleibt, wird dem Mittelstand keine andere Rolle als eines Stiefkindes zukommen. Hasoker. Wiederum tausend Bäume in Palästina entwurzelt Araber haben in der Nacht mehr als 1000 Bäume in jüdischen Orangenhainen im Distrikt von Jaffa entwurzelt. (Wie erinnerlich wurden im Jänner d. J. 2500 junge Bäume auf Boden des Jüdischen Nationalfonds im Distrikt Nahalal entwurzelt. Die Täter wurden bisher nicht ermittelt) Jetzt wurden sieben Araber unter dem Verdachte, den Baumfrevel begangen zu haben, verhaftet. Eine Abordnung jüdischer Orangenzücbter begab sich zum High Commissioncr General Sir Arthur Wauchope, um ihn zu ersuchen, Maßnahmen zur Verhütung weiteren Baumfrevels, der seit einiger Zeit überhandnimmt, zu treffen. Der Mufti protestiert beim Völkerbund gegen die Beschlüsse der Klagemauer-Kommission Der Mufti von Jerusalem, H a j Amin e 1 Husseini, hat in seiner Eigenschaft als Präsident der Exekutive des All-Moslem-Kougresses ein Telegramm an den Völkerbund nach Genf gesandt, in welchem er gegen die Beschlüsse der Klagemauer-Kommission de« Völkerbundes protestiert und ferner die Ausfolgung der Hedschas-Eiseubaba als der Mekka-Pilger-Baha an die