Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 249 (24.6.1932)
- Date
- 1932-06-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite b DIE NEUE WELT Nr. 249 Aus Deutschland rtetiage 4mt »Neuen Weh« M» Deutschland Filialredaktion and Administration} Berlin, Charlottenburg % ioa<himsimlevsi*a&e Ml Mm« RUNDSCHAU;- Kulturboden ewismus Die neue Regierung Papen hat in ihrer Antrittserkläruhg Richtlinien für ihre Tätigkeit aufgestellt, d. h. ein Bekenntnis abgelegt, das im großen und ganzen nicht sehr weit vom Nationalsozialismus entfernt ist, zumindest in jenen Belangen nicht, die ein nationales Deutschtum gewährleisten sollen. Betont wurde in der deutschen Presse der christliche Charakter des Regierungsprogramms und betont wurde hauptsächlich der darin enthaltene Begriff „K ulturbolschewismu s", gegen den die neue nationale Regierung zu Felde zu ziehen beabsichtige. Kulturbolschewismus — das ist nach der allgemeinen Auffassung die Tendenz, auf das deutsche Kulturleben einen Einfluß auszuüben, der verderblich sei, weil er, von fremden Elementen kommend, dem deutschen Geist zuwiderlaufe. Aber näher besehen, steckt hinter dem Schlagwort „Kulturbolschewismus" etwas anderes, möge sich das neue deutsche Kabinett noch so geschickt das Mäntelchen objektiver Stellungnahme zu allen in Deutschland tätigen Kräften umhängen. Man weiß, daß Reichskanzler Papen der intellektuelle Urheber des Kampfes gegen den Bolschewismus in Deutschland ist und diesen Kampf auf eine gemeinsame religiöse Grundlage gestellt wissen wollte. Aber einer klaren Definition der Begriffe Bolschewismus — Kulturbolschewismus ist er bisher ausgewichen. Es ist in Deutschland, wie auch anderswo, nun einmal so, daß man bei Erwähnung eines Bolschewismus mit Kultur nichts anderes meint als den sogenannten „zersetzenden jüdischen Geist". Eine ganze Bibliothek bezeichnet alles, was von Juden geschrieben, komponiert, gemalt, gebildhauert wird, als bolschewistisch. Bei dieser Betrachtungsweise ist es nicht schwer, die politische Nutzanwendung mit der Pointe „Hinaus mit den Juden aus dem deutschen Geistesleben!" zu ziehen. Aber hinter der vorgestellten Besorgnis dieser sich bloß als national, d. h. gemäßigt betätigenden deutschen Kreise, die jetzt die neue deutsche Regierung mit v. Papen und General Schleicher repräsentiert, verbirgt sich der nationalsozialistische Zugriff auf alle jüdischen V/irtschaftspositionen. Was also die Hitleristen brutal und offen fordern: keinen jüdischen Professor, Arzt, Architekten, Beamten usw., kann unter ' dem Schlagwort „Kulturbolschewismus" geräuschlos verwirklicht werden. Das ist jüdische Wirklichkeit heute in Deutschland. Antisemitismus in Theorie und Praxis Der Reichsleiter der Nationalsozialisten, Reichstagsabgeordneter Gregor Strässer, berührte in seiner kürzlich gehaltenen Rundfunkrede,, wie nicht anders möglich, auch das jüdische Problem. Er wagte sich nicht weit vor und in dem Bestreben, das Kulturgesicht seiner Partei zu wahren, sagte er bloß: „Wir wollen keine Judenverfolgung, aber Befreiung von jüdischen Geist- und K api talint eressen" Das hört sich ganz gut, wirkt nicht sehr beunruhigend: eine gute gekleisterte Theorie, die, dem Ausland unter die Nase gerieben, wohl den Eindrück erwecken kann, daß sich die nationalsozialistischen Führer mit den Schlagworten der Masse nicht identifizieren. Beim deutschen Volk als Kulturvolk wird nicht so heiß gegessen... Während aber vor dem Mikrophon programmatische Erklärungen abgegeben werden, fallen auf die Juden Deutschlands Peitschenhiebe nieder. „Wir wollen keine Judenverfolgung", sagt Gregor Strasser. Eine Reihe von Tatsachen widerlegt täglich Strassers Erklärung, sogar im eigenen Blatt, dem „Völkisches Beobachter". In diesem Zentralorgan Hitlers richtet ein Arzt einen Appell an die Leserschaft, sich von jüdischen Aerzten nicht mehr behandeln zu lassen. In Breslau wird ein jüdischer Leichenzug von Nationalsozialisten angepöbelt. Auf einem uralten jüdischen Friedhof bei Meiningen werden Grabsteine umgeworfen und zertrümmert. Der nationalsozialistische „Angriff" beschuldigt die Juden, an kommunistischen Terrorakten beteiligt zu sein, und kündigt an, daß man „diese verbrecherischen Judenan dieWand stellen" werde. Im Grunewald werden zwei Juden von Nationalsozialisten überfallen und unter dem Ruf „Schlagt die Juden tot" schwer verletzt. Das ist eine kleine Auslese der letzten Woche, die bezeugt, wie wenig sich die Theorie mit der Praxis deckt. Aber diese Auslese, wenn sie auch charakteristische Erscheinungen des Alltagslebens bedeutet, wird noch durch Symptome verstärkt, die ganz deutlich den antijüdischen Kurs erkennen lassen. In zahlreichen Aemtern und Institutionen muß der Jude hören, daß man vor einer radikalen Aenderung der Verhältnisse stehe und die Juden schon heute gut daran täten, sich danach einzurichten, d. h. aus dem Erwerbsleben zu verschwinden — Judenelimination auf kaltero Wege. Das ist ernste Wirklichkeit, diese Symptome kann keine Strasser-Rcde wegeekamotieren. Glückwünsche Der Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat von verschiedenen Seiten Gratulationen zum zehnjährigen Bestehen der „C.-V.-Zeitung" bekommen, die nun alle diese Zuschriften mit Behagen zum Abdruck bringt: Gratulationen, das ist so viel wie Anerkennung und Dank. Und tatsächlich haben sich Gruppen gefunden, die es sich nicht nehmen ließen, den Centraiverein zu seinen Leistungen zu beglückwünschen. Da meldet sich z, B. der Württembergische Landesverband jüdischer Gemeinden mit dem Wunsch, es möge der „C.-V.-Zeitung" mehr und mehr gelingen (also noch mehr als bis jetzt!), die Verleumder des Judentums zum Schweigen zu bringen und... den deutschen Juden ihre deutsche Heimat zu erhalten. Bemüht hat sich ja die „C.-V.-Zeitung" darum. Aber ihr zu solchem „Erfolg" zu gratulieren, ist wohl etwas übertrieben. Auch der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten stellt sich in die Reihe der Gratulanten. Er rühmt sich, eine klare Beurteilung der Leistungen des C. V. zu haben, und schätzt dessen Bedeutung für die Lebensgestaltung und Lage des jüdischen Bevölkerungsteils in Deutschland hoch ein. 12.000 jüdische Soldaten sind im Weltkrieg für Deutschlands Ehre gefallen, zehnmal so viel sind für Deutschlands Ehre zu Krüppeln geworden, aber „Der Schild", das Organ der jüdischen Frontsoldaten Deutschlands, sieht die gegenwärtige deutsche Pogromepoche als einen Uebergang an, auf den wieder ein goldenes Zeitalter kommen wird. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten ist ein Durchhalter. Er läßt nicht von seiner innigen Verbindung mit Deutschland. Pathetisch ruft der Leitartikler des „Schild" aus: „Wie wir mit unserem ganzen Schicksal teilgenommen haben an Leid und Sieg (!), an Aufstieg und Fall der Nation, so sind wir auch seelisch verwurzelt in dieser." Die Herren Frontsoldaten sind für neue Heldenfriedhöfe. Wo alles gratuliert, kann die Union österreichischer Juden nicht fehlen. Sie kann nicht umhin, der „C.-V.-Zeitung" „den Ausdruck der Anerkennung für den Kamp zu übermitteln, den sie.., für die Geltung des Judentums in Deutschland,führt". Die österreichischen Herren gratulieren ihren deutschen Kollegen. Nächstens wird 's umgekehrt sein. Und mit Recht. Sie beide haben schon so viel für die Geltung der Judentümer getan, daß ihnen nichts zu tun mehr übrig bleibt. Der Abwehrkampf ist gelungen bis zur — Selbstvernichtung. Konstituierung des Deutschen Tel-Haj-Fonds- Komitees Nach längerer Vorbereitung konnte endlich an die Konstituierungdes Tel-Haj-Fonds«Komitees für Deutschland geschritten werden. Namens des Initiativkomitees lud Herr Direktor Georg K a r e s k i eine Anzahl führender jüdischer Persönlichkeiten zur konstituierenden Sitzung am 15. Juni 1932 ein. Herr Direktor Kareski hat mit politischem Weitblick und Sinn für Realitäten die große Bedeutung des Tel-Haj-Fonds für das jüdische Volk in der Galut und in Palästina richtig erfaßt und sich mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit für die Interessen des Tel-Haj eingesetzt Der Führer der jüdischen Volkspartei für Deutschland, ist der Führer, der sich an die Spitze einer solchen alljüdischen Institution stellen muß, um ihr Gedeihen zu sichern. — An der konstituierenden Versammlung nahinen zahlreiche Geladene teil, u. a. die Herren R. Lichtheim, M. Grüngard, Dr. Moses, Dr. Pines, Dir. Belilowsky, Dr. Rabinowicz, H. Sternberg, Dr. Silbert, Dr. Zwirn u. v. a. Anwesend waren auch die Herren M. Großmann vom Tel-Haj- Direktorium in London und Herr Dr. Soskin (Genf). Herr Direktor Kareski legte einleitend die Grundidee des Tel-Haj-Fonds dar und betonte die besondere Wichtigkeit der Schaffung einer Organisation, welche alle Richtungen u'ndSchichten des Judentums in seiner Idee vereinigt. Der Redner gelangte zur Folgerung, daß die Tätigkeit für den Tel-Haj-Fonds und seine Unterstützung Gebot der Stunde und dringende Pflicht jedes Juden — ohne Unterschied der Parteizugehörigkeit — sind. Namens des Direktoriums (London) uud des Kontinentalbüros des Tel Haj (Berlin) begrüßte Direktor Belilowski die Konstituierung der Zentrale für Deutschland. In der darauffolgenden Debatte sprachen Dr. Zwirn, M. Großmann, Direktor Kareski u. a. Zum Schlüsse wurde ein Komitee gewählt, dem Kooptieriingsrechte eingeräumt wurden uud welchem die Herren Direktor G. Kareski, R. Lichtheim, Direktor Belilowski, H. Grüngard, Dr. Lewin, Dr. Rabinowicz und Dr. Zwirn angehören. Preisausschreiben des Tel-Haj-Fonds Der Tel-Haj-Fonds schreibt hiermit ein Preisausschreiben aus für den Entwurf von Diplomen für die in das „Eiserne Buch" des Keren-Tel-Baj einzutragenden Personen und Organisationen. Au dem Wettbewerb können jüdische Künstler teilnehmen, welche in Palästin« leben, oder palästinensische Künstler, die sich zurzeit außerhalb des Landes aufhalten. Entsprechende Anfragen über die Bedingungen und die Preiserteilung sind an das Kontineatalbüro des Tel-Haj-Fonds, Berlin-Charlottenburg, Joachimstbalerstrafte 3/IIt zu richten, Berliner Nachrichten Regelmäßige Zusammenkünfte. Die Revisionisten Berlins treffen sich auch in den Sommermonaten im Cnf£ Kornreich, Charlottenburg. FasanenstraBe 78, direkt neben der Synagoge. Bei schönem Wetter finden die Zusammenkünfte im Qarten statt. Auch die von auswärts in Berlin eintreffenden Gesinnungsgenossen werden auf diese Zusammenkünfte aufmerksam gemacht. Beginn nb 8 Uhr abends. M. Großmann und Dr. Soskin in Berlin. Wie schon in der letzten Nummer der „Neuen Welt" mitgeteilt war. weilte Herr QroBmann auf seiner Heimreise aus Oesterreich. Rumänien, Polen, der Tschechoslowakei nach London in Berlin. Am 12. d. M. traf anch Dr. Soskin in Berlin ein und hielt einen Vortrag über die „Politik der Revisionisten in Q e n f". Dr. Soskin behandelte die „Tätigkeit" der zionistischen Exekutive In Genf, welche fast Uberhaupt keine aufklarende Arbeit leistet, kam dann auf die gegenwärtige politische Situation zu sprechen und behandelte eingehend die praktischen Möglichkeiten, die sich für das Palästina-Aufbauwerk in Qenf erreichen ließen. Großen Raum widmete Dr. Soskin dem Problem der Verlegung der zionistischen Zentrale aus London nach 0 e n f und bewies die Zweckmäßigkeit dieses Schrittes an Hand konkreten Beweismaterials. Die Ausführungen Dr. Soskins machten sichtlichen Eindruck auf die zahlreiche Zuhörerschaft. Am kommenden Tag fand die konstituierende Versammlung des deutschen Tel-Chaj-Fonds-Komitees statt, welcher die Herren Qroßmann und Doktor Soskin beiwohnten. Herr Oroßmnnn ergriff in der Debatte das Wort, um einige Aufklärungen Uber den TeJ-Chaj-Fonds zu geben. Anschließend darnn wurde eine Beratung mit den führenden Revisionisten Berlins abgehalten, in der hauptsächlich die Probleme der bevorstehenden Weltkonferenz besprochen wurden. Herr Qroßmann verließ noch am 16. Juni Berlin, während Dr. Soskin noch einige Zeit in Berlin bleiben wird. Cheder-Betharf. Der Brith Trumpeldor in Berlin berichtet: Schon Iang"e hatten wir in unserer Führerschaft festgestellt, daß man mit den bisher üblichen Methoden der indischen und hebräischen Ausbildung unserer Jugend nicht die wünschenswerten Erfolge erzielen kann. Die Klage, daß nicht genügend gelernt wird und daß vor allem das jüdische Milieu nicht stark genug zum Durchbruch gekommen ist. wollte nicht verstummen. Wir haben deshalb eine Art von Jugendarbeit geschaffen.! über die wir jetzt, wo unser Werk schon ein halbes Jahr besteht.' der Oelfcntlichkeit Mitteilung machen wollten. Strenggläubige Eltern sind gewohnt, ihre Kinder in einen Cheder zu schicken, wo sie neben der Schule an jedem Nachmittag jüdisch erzogen werden. Es ist gar keine Frage, daß in solchen Chadarim ein immenses Erziehungswerk geleistet wurde. Einen solchen Cheder hat jetzt — in modernem Stil und Qewand — der Brith Trumpeldor in Berlin geschaffen.- Vierzig Kinder im Alter von acht bis dreizehn Jahren gehören der Betharschule, die im Heim des Trumpeldor ihre Räume hat. an. Jeden Tag sind dort die kleinen Betharim zwei bis drei Stunden. Sie machen eine Stunde Ihre Schularbeiten, haben in einer zweiten Stunde Chumesch. bzw. Iwrith und in einer dritten Stunde jüdische Geschichte oder hebräische Liederstunde. Einmal in der Woche findet der Unterricht im Grunewald statt.- Ein zweites Mal in der Woche wird ein zweistündiger Sportunterricht gegeben. Am Sonntag gehen Fahrten usw. vor sich. Die Errichtung der Betharschnle wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht die Eltern der Kinder selbst mit Begeisterung und Vertrauen unseren Plan aufgenommen hätten. Alle, die unser Werk gesehen haben, haben ihrer Freude über den gesunden Geist und die frohe Stimmung unserer Schulklassen Ausdruck gegeben. Die Schule steht unter Leitung von Herrn Gymnasiallehrer Markowitz, der es meisterhaft verstanden hat. den Kindern in gleicher Weise Ernst und Freude einzuflößen. Die materielle Lage der Schule istj wenn auch von den Eltern Schulgeld gezahlt wird, nicht einfach. Da wir die Schule jedoch Uber die schwerste Zeit hinweggebracht haben, so hoffen wir, daß sie sich auch materiell wird erhalten können. Für Spenden (Geld. Möbelstücke, gute Blicher), die wir selbst abholen, wären wir sehr dankbar. Anmeldungen zur Betharschule in den Schulräumen. Grenadier-; straße la. am Bülowplatz. an jedem Nachimttag. H. E. Brith Trumpeldor. Berlin. Assefath ha Darga Qimel und B e t h. Zum Abschluß der Ausbildiingsnrbeit des ersten Halbjahres 1932 und zur Vorbereitung der Haganah-Kurse findet am Mittwoch, den 29. Juni, 20 Uhr 30, im Gemeindehaus, Rosenstraße 2-4. die Assefath ha Darga Oimel und Beth statt. Betharschachteln mitbringen. — Arbeitsprogramm Darga Gimel (Aelterenschaft): Assefoth: Plugah Herzl, Mittwoch. 20 Uhr 30, im Heim. Grenadierstraße la; Plugah Patterson. Sonnabend. 20 Uhr 30. bei Werthelm,- Dahlem. Auf dem Grat 24; Plugah Awiw. Mittwoch. 20 Uhr. im Heim: Zror Qilboa, Sonntag. 20 Uhr 30. bei Kahan, Bleibtreustraße 32. — H a g anah: Donnerstag, 20 bis 22 Uhr. Gartenstraße. — Schwimme»: Montag, 20 Uhr. Stadtbad Mitte. Qartenstrnße 107. — Iwrith: Plugah' Herzl. Sonnabend, die übrigen Phigoth Dienstag und Donnerstag. —. Köln: Nazlwsmani Pessach Feiwel ist zur Inspektion des neugeschaffenen Ken nach Köln gereist. Breslau. Das Blumentag-Ergebnis beträgt Mk. 45., Numerus clausus für jüdische Zwangsverwalter und Konkursverwalter Berlin, 17. Juni. (J. T. A.) Die Nationalsozialisten haben im Landtag einen Antrag eingebracht, der sich' gegen jüdische Zwangsverwalter und Konkursverwalter richtet. Es heißt darin: „Wir ersuchen das Staatsministerium darauf hinzuwirken, daß die Liste der Zwangsverwalter und Konkursverwalter bei den Amts-» gerichten Berlin Mitte und Berlin Charlottenburg so geändert wird, daß der Hundertsatz jüdischer Zwangs- und Konkursverwalter den Hundertsatz an Juden in der Gesamtbevölkerung in Preußen nicht übersteigt." Das Staatsministerium soll eine allgemeine, diesem Gesichtspunkt entsprechende Anweisung erlassen. Von unterrichteter Stelle wird mitgeteilt, es bestehe keine Aussicht, daß sich für diesen Antrag im* Ländtag eine Mehrheit findet, da neben den Sozialdemokraten und dem Zentrum auch die Kommunisten ihn ab-* lehnen werden. „Juda, verrecke!" an einer katholischen Kirche Berlin, 19. Juni. (J. T. A.) In der St. Ludgen- Kirche in Essen-Werden wurden, wie der „C. V.-Zeitung*4 berichtet wird, Mittelgang und Kreuz mit Hakenkreuzen und der Aufschrift „Los von Rom!" beschmiert. Die! Wand der Kaplanei wurde mit den Worten „Juda verrecke!" bemalt. Die katholische „Essener Volkszeitung« bemerkt, daß die Untat aus der nationalsozialistischen' Saat erwachsen ist. Rundfunkvortrag über die Wirtschaftsethik des Judentums Berlin, 16. Juni. (J. T. A.) Unter dem Thema: „Die Sozial- und Wirtschaftseuhik des Alten Testaments* werden am Donnerstag, den 7. und den 14. Juli, in de« Zeit von 18 Uhr 30 Man. bis 18 Uhr 55 Min. zwei Vortröge auf der „Deutschen Welle" gehalten, die — zum erstenmal im deutschen Rundfunk — versuchen werden, das Wirtschafts- und Sozialsystem .des biblischen Juden turne zu rekonstruieren. Redner wird Ministerialrat Hans Goslar sein. Ministerialrat Goslar — beurlaubt Berlin, 14 Juni. (J. T. A.) Der Pressechef der preußischen . Staatsregierung, Ministerialrat Hanf Goslar, tritt in Kürze eiftea nehrwoji^^ IMütb