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Die neue Welt · 1932-06-24 · Heft 249 (24.6.1932) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 249 (24.6.1932)
Date
1932-06-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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&f?e '4 DIE NEUE WELT Nr. 249 SIEGM. KORNHEHL GROSSFLElSCHHAUfAfil Zentrale: IX., Berggasse 19, Tel. A»17-3-99 u. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen fflr ^E»;»Flelsch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kultusgemeinde Wien Autosuatellung Kostenio* IX., Bmrggw IS ✓ XVIII., Wlhrlng«ratr. 97 Sammlung mit dem Hinweis auf die wachsende Gegnerschaft der Araber von Tunis gegen jede Öffentliche zionistische Tätigkeit entgültig verboten. Das Ist kein Fall Jabotinsky mehr, das ist ein Fall der zionistischen Weltorganisation und des Weltjudentums. Konnten unsere Offiziellen bisher sich und der zionistischen Welt vortäuschen, daß das feige Ab rüqken von Jabotinsky und seiner Zielsetzung dem Zionismus Vorteil bringe, daß der von ihnen ge zogene Trennungsstrich für sie und die Sache Palästinas von Nutzen sei, so haben sie jetzt Gelegenheit, ihre gefährliche Handlungsweise zu revidieren Vom Verbot einer Keren-Ha jessod-V e r s a m m. 1 u n g bis zum Verbot einer Keren-Hajessod-S a m m 1 u n g ist nur ein Schritt. Die mißachtete zionistische Solidarität können nun wichtige Fonds büßen. Das Sprichwort von „dem ändern eine Grube graben" will zum Kummer aller Zionisten hier anscheinend ein Exempel finden. Frage an Frankreich. Mit dieser traurigen aktuellen Feststellung sind die Fälle von Tunis allerdings nicht erledigt. Die französische Lokalbehörde von Tunis duldet antisemitische AJcte, ja fördert sie. Ihre Verbote sind als antijüdische Exzesse anzusehen, Taten, die der muselmanischen und klerikal-katholischen 'Clique in Nordafrika neue Nahrung geben. Bisher hat die f r a n z ö s i « c h e R epublik andere Reflexe in Dingen der Judenfrage und des Zionismus gegeben und wir wissen daher nicht, ob Tunis im Einklang mit P a r i s handelt. Vorläufig wollen wir nicht glauben, daß sich die freiheitliche Republik Frankreich in einem ihrer Hoheitsgebiete an die Front des Hitler sehen Hakenkreuzes begeben will. Der Terrori§tenprozeß iii Bulgarien Staatsanwalt beantragt Todesstrafe gegen Kalpaktschieff Im Prozeß gegen die antisemitischen Terroristen Kalpaktschieff und Genossen ist das Beweisverr fahren geschlossen worden. Der Staatsanwalt Assen Goljuboff hielt eine Anklagerede, die eineinhalb Sitzungstage dauerte. Er gab einen Rückblick auf .die Geschichte des Antisemitismus seit dessen erstem Auftreten in Aegypten bis auf den heutigen Tag und ließ eine Darstellung der Geschichte des Antisemitismus in Bulgarien folgen. Seit Beginn der bulgarischen Herrschaft im Jahre 679 bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts, führte Staatsanwalt Goljüboff aus, verzeichnet die Geschichte keinerlei organisierte Verfolgung der Juden in Bulgarien. Erst um die Mitte des 14. Jahrhunderts, zur Zeit der Erhebung der Jüdin Sara auf den Thron der bulgarischen Königin wurde es anders. Sara regierte unter dem Namen Königin Theodora, und gerade unter ihrer Regierung wurden die Juden zum ersten und einzigen Male in Massen verfolgt. Im Jahre 1352 fand unter dem Vorsitz des Mannes von Sara, König Iwan Alexander, eine Tagung statt, die mit der Verurteilung der Juden und Häretiker endete. Mit dieser Episode verlor sich die Spur der jüdischen Gemeinde, die bis dahin in der Hauptstadt Weliko Tirnowo bpstanden hat. Als im Jahre 1396 Bulgarien unter die Knechtschaft der Türken fiel, entwickelten sich zwischen Bulgaren und Juden die besten Beziehungen. Nach der Befreiung Bulgariens aber wurden die Leidenschaften der Volksmassen durch die Beschuldigung des Ritualmord es gegen die Juden geweckt. Es fanden auch antisemitische Verfolgungen anderer Art statt. Im Jahre 1925 versuchten die Antisemiten, den Prozeß gegen den jüdischen Kommunisten Friedmann zu einer Propaganda gegen das gesamte bulgarische Judentum auszuschlachten, dies gelang ihnen aber nicht. Im allgemeinen waren die Beziehungen zwischen Juden und Bulgaren immer gute, ■was darauf zurückzuführen ist, daß die Juden die Balkanhalbinsel viel früherals die Bulgaren bevölkerten. Auch hat die 500jährige gemeinsame Knechtschaft unter den Türken die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Juden und Bulgaren gestärkt, Der Staatsanwalt zitierte Stellen aus dem dritten Band von Dubnows „Weltgeschichte des jüdischen Volkes", aus denen zu ersehen ist, daß die Juden dem bulgarischen Vaterlande stets große Opfer gebracht haben. Der Antisemitismus der Nachkriegs« jähre, fuhr der Staatsanwalt fort, ist eine Frucht der Barbarei, der Ignoranz und der Dummh«it AU diel findet seinen Niederschlag in dem Machwerk „Protokolle dar Weisen von ZionV, die zum Handbuch der Antisemiten aller Länder geworden sind. Er schilderte dann die Entwicklung des vor 30 Jahren gegründeten Sportverbandes „M a k k a b i" in Bulgarien, gab eine Darstellung seiner ideologischen Grundlagen und kam zu dem Schlüsse, daß der Makkabi unbeschadet seiner zionistischen Ideologie durchaus staatstreu und bulgarisch-patriotisch gesinnt sei. Zum Schluß seines Plaidoyers beantragte der Staatsanwalt gegen den Hauptangcklagten Kalpaktschieff wegen ausgeführten Mordes, Mordversuches, Freiheitsberaubung, Erpessung usw. Todesstrafe durch Erhängen und gegen die übrigen Angeklagten mehrjährige Kerkerstrafen. Es folgen die Plaidoyers der Verteidiger und der von jüdischer Seite geführten Anwälte, die wahrscheinlich : mehrere Tage in Anspruch nehmen werden. Die Verdiensie der bulgarischen Juden Nach der Anklagerede des Staatsanwalts ergriff als Anwalt der jüdischen Prozeßpärtei der frühere Minister Professor Kuleff das Wort und führte aus, die Ideologie des Hasses gegen die Juden sei vom wirtschaftlichen und politischen Standpunkte für Bulgarien schädlich. Der Antisemitismus war stets ein Argument der Reaktion zum Schutz ihrer egoistischen Interessen. Die angeklagten Antisemiten haben nachgewiesenermaßen ausschließlich aus Motiven des Eigennutzes heraus gehandelt und Verbrechen begangen. s Hernach sprach der jüdische Advokat Menachem Fayon off fast einen Tag lang unter außerordentlicher Spannung des Gerichts und des Publikums. Er gab eine Analyse der Ideologie der Antisemiten und schilderte int einzelnen ihre Organisation, die der österreichischen Heimwehr nachgebildet ist. Es wurden auch Sturmabteilungen gebildet, deren Leiter der Mitangeklagte Radan Radeff ist. Geistiger Inspirator der Bewegung ist der russische Immigrant M. M a k a w e j e w, der vom bulgarisch-jüdischen Konsistorium Geldunterstützungen verlangte mit dem Hinweis darauf, daß er eine Broschüre herausgegeben hatte, in der der frühere zarische Antisemitismus entlarvt wird. Als ihm diese Geldunterstützung verweigert wurde, veröffentlichte er eine Reihe antisemitischer Broschüren, unter ihnen „Die historischen Aufgaben Israels"; aus diesem Buche schöpfte Kalpaktschieff die Inspiration für seine „Racheakte" gegen die Juden. Der zweite jüdische Anwalt Dr. B. Meworach .. analysierte die Kampfmethoden der Antisemiten, die auf Fälschungen beruhen. Der Advokat Raphael Arien führte aus, in Bulgarien bilden die Juden nur 0,89 Prozent der Gesamtbevölkerung, und, es sei eine Dummheit, zu glauben, daß sie die Arier unterdrücken. Ein weiterer jüdischer Advokat, Buca Bassan, schilderte die Verdienste der bulgarischen Juden um ihr Vaterland in Vergangenheit und Gegenwart. Der Jude Pineas In Widdlii rettete den bulgarischen Freiheitsapostel Wasil Lewsky vor türkischer Verfolgung. Während des Kampfes um' die Befreiung von Sofia bildeten die Juden eine eigen* Legion. Zum Dank dafür bildete der erste bulgarische" Fürst Alexander Battenberg die erste Feuerwehr iii Sofia nur aus Juden. Es sprachen noch die jüdischen! Advokaten Dr. B. Lewy und Jakob Bartich, DtS Urteil wird in einigen Tagen verkündet werden. Der toigesagte FrendteBeridit lebt ♦♦♦ Vor ungefähr einem Jahre sandte die Londoner Regierung Herrn Direktor F r e n c h nach Palästina, tun einen Plan der Landentwicklung zu entwerfen. Vor einigen Monaten gab das Londoner Büro «der Zionisten-Revisionisten der Oeffehtlichkeit bekannt, daß der durchaus a n t i z i o> n i s t i s c h * und antisemitisch eingestellte Direktor French in seinen Plan Bestimmungen aufgenommen hat, welche nicht nur jede weitere Entwicklung des jüdischen iKölonisationswerkes unmöglich machen, sondern von •den Juden bereits Geschaffenes diesen entreißen. Mit der Veröffentlichung war die Aufforderung an die Leitung der Zionistischen Organisation verbunden, Herrn Frenoh rechtzeitig in den , Arm zu fallen. Die Antwort seitens der offiziellen Zionistischen Stellen bestand darin, daß die Revisionisten als Verbreiter aufreizender Und lügnerisch er Berichte beschimpft wurden,; Als wenige Wochen später die Richtigkeit der revisionistischen Behauptungen zugegeben werden mußte, ließ die zionistische Leitung durch die ihr nahestehende J. T.-A. verbreiten: „Der French-Bewqht ißt antizionistisch. Aber die revisionistische Erregung ist gegenstandslos, da man aus zuverlässiger' Quelle habe, daß die Palästina- Regierung den French-Bericht einfach nicht beachten und ad acta legen werde." Nun aber berichtet dieselbe Jüdische Telegraphenagentur; 1 London, 16. Juni. Das Coldnial Office hat am 13. Juni nachmittags der Londoner Exekutive der Jewish Agency ein Exe mp 1 n r des Berichtes des Landentwicklungsdirektors Lewis French über die landwirtschaftlichen Bodenverhältnisse in Palästina übergeben, und sie aufgefordert, sich zu demselben von ihrem Standpunkt aus zu äußern. Gleichzeitig hat, wie aus Jerusalem telegraphiert wird, der High Coraraissioner General Sir Artur Wauchope der Palästina-Exekutive der Jewish Agency und der arabischen Exekutive je ein Exemplar des French-Berichtes mit der gleichen Aufforderung übergeben. Wie die Jüdische Telegraphenagentur erfährt, wird eine Veröffentlichung des French-Berichtes nicht eher erfolgen, als bis die Jewish Agency und die arabische Exekutive der Regierung ihre Bemerkungen zu dem Bericht übergeben haben werden. Nach Erhalt dieser Bemerkungen wird das Colonial Office eine Darlegung seiner Politik in der Frage der Landentwicklung ausarbeiten und gleichzeitig mit dem French- Bericht veröffentlichen. Ob auch die Memoranda der Juden und der Araber von der Regierung werden veröffentlicht werden, steht noch nicht fest In eingeweihten Kreisen nimmt man an, daß die gleichzeitige Veröffentlichung der Darlegung der Regierung über ihre Bodenpolitik in Palästina den eigentlichen Freich-Bericht in den Hintergrund treten lassen wird; denn schließlich hängen ja Tendenz und Form der Landentwicklung von der Richtung der Polästinapolitik der Regierung ab. Welebe Richtung aber diese Politik der Regierung haben wird, steht heute noch nicht fest, da die Regierung von der Meinung des Parlaments, bzw. von der Bewilligung der zur Landentwicklung usw. benötigten 3V»«MilUonen-Pf und-Anleihe abhängig ist. In gewissen politischen Kreisen wird daran gezweifelt, ob . die Regierung et nnter den gegenwärtigen wirtschalt«' liehen Verhältnissen für zweckmäßig halten wird, dl« parlamentarische Sanktion für die Anleihe zu erbitten, diese Kreise glauben vielmehr, daß die Regierung zunächst versuchen wird, jene Punkte des Landentwicklungsprogramms zu verwirklichen, die sie mif Hilfe des regulären Palästinabudgets durchführen kann, um sich auf diese Weise der Not. wendigkeit zu entziehen, die Angelegenheit vor das Parlament zu bringen. Sollte die Regierung diesen letzteren Weg einschlagen wollen, so wird sich, wie die J. T.-A. erfährt, die Jewish Agency einem Solchen Kurs widersetzen. Jerusalem, 17. Juni. Die Jewish Agency setzte?ine... SaC^v*e>S tändigen-Kommission zur Prüfung des ihr durch die Regierung übermittelten richfes des Landentwicklungsdirektors Lewis French' und zur Abfassung des Memorandums der Jewish Agency zu diesem Bericht ein. Der Kommission gehören n. a. an: Dr. Artur Ruppin, Granowsky, Wilkansky, Smielansky und der Geschäftsführer der Palestine Jewish Colonization Association (P. J. C. A.) Victor Cohn. Die arabische Exekutive wurde für die nächste Woche zu einer Tagung einberufen, in der zu dem French-Bericht Stellung genommen werden soll. * Der von der zionistischen Leitung totgesagte French-Bericht lebt also, und zwar sehr kräftjg. Direkt jämmerlich wirkt der letzte verzweifelte Versuch der von der Leitung inspirierten J. T.-A., wieder aus „eingeweihten" Kreisen zu melden, daß die Palästina-Regierung den French-Bericht einfach beiseite schieben wird. Charakteristisch ist die Zusammensetzung der Zionistischen Kommission zur Prüfung des Berichtes. Der Brit Schalom, der für die Araber und gegen die Juden arbeitet, ist vertreten; die Linken, welche der Regierung immer nachgeben, sind auch da. Dafür ist kein einziger Revisionist in der Kommission. Wohl deshalb, weil die Revisionisten die Gefahr des zu prüfenden Berichtes rechtzeitig erkannt, weil sie rechtzeitig — und leider vergebens — gewarnt haben. Die Sünde muß bestraft werden. Also darf kein Revisionist in die Kommission! Von der jüdischen Studentenschaft Die allpalästinensische Konferenz der jüdischen Studentenschaft in Tel-Awiw hat beschlossen, für das nächste Jahr einen Weltkongreßder jüdischen Studenten nach Jerusalem einzuberufen« Die Konferenz hat außerdem eine Reihe von Resolutionen gefaßt, darunter einen Protest gegen die a n t i s e m i t U schenAttackenan den ausländischen Universitäten, die .Forderung, daß die hebräische Universität in Jerusalem in eine volle Lehranstalt umgewandelt und das hebräische Technikum in Haifa zu einer vollen technischen Hochschule ausgestaltet werde, und daß ferner 2000 Pfund, die der letzte Kongreß für das Technikum ausgeworfen habe, liquidiert werden. — Ein Appell richtet sich an alle jüdischen Personen, die Bemühungen der hebräischen Universität und des hebräischen Technikums zu unterstützen. Die Konferenz nahm auch einen Beschluß an, alt paiästineasich-jüdische Studenteuorganisation der Welt* födertiion der SU4fAtt>» lM»Miti«4s*.

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