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Die neue Welt · 1932-06-24 · Heft 249 (24.6.1932) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 249 (24.6.1932)
Date
1932-06-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 249 DIE NEUE WELT Seite % ) der nationalen Fonds als Protest gegen die Zertifikatsverteilung beschlossen. Die Revisionisten wollen sich von jeder Tätigkeit für den Keren Hajessod und den Keren Kajemeth zurückziehen und beginnen, diesen Entschluß in die Tat umzusetzen. Den Schaden eines solchen Schrittes kann man sich leicht vorstellen: Nicht nur, daß unsere Fonds materiell geschwächt werden, auch das Ansehen der zionistischen Organisation wird untergraben. Was ist das für eine Organisation, wenn ihre Mitglieder, Zionisten, ihre 1 laude von einer so wichtigen Tätigkeit zurückziehen? Andererseits aber kann man das Unrecht nicht verschweigen, das den Revisionisten und auch anderen Gruppen der Allgemeinen Zionisten bei der Verteilung der Zertifikate zugefügt worden ist. ' Der Schritt der Revisionisten ist ein j Akt gewaltiger Empörung und Verzweiflung. Aber j man hat sie in diese Verzweiflung hineingeführt, i Die Palästina-Aerater wurden nicht nach dem neuen j Schlüssel entsprechend dem KongreßbeschluB zusammengesetzt. Die Zuteilung der Zertifikate, das Recht also, nach Palästina hineinzukommen, wurde von den alten Organen laut der früheren Zusammenstellung gehandhabt. Mit der größten Energie muß man sich jetzt an die Exekutive und an das Aktionskomitee wenden, welohe hier mit der, ganzen Entschlossenheit zu intervenieren .haben, die« der kritische Moment erfordert. Man muß ernstlich die leitenden Instanzen der zionistischen Bewegung daran erinnern, daß unter den gegebenen Verhältnissen und zufolge der Lage der heutigen jüdischen Jugend, und gar der in Polen, die Zertifikatsf rage eine Lebensfrage ist. Die zionistische Oeffentlichkeit verlangt dringfendst die Intervention der Exekutive in diesem bitteren Konflikt." * Das alles sind Anzeichen einer fürchterlichen Gefahr, die der zionistischen Bewegung droht. Mit dieser inneren Gefahr verglichen, sind die äußeren Gefahren klein. Jahrelang hat man es geduldet, daß alle wichtigen Stellen und der ganze zionistische Beamtenapparat zur Beute der sozialdemokratischen Gruppe im Zionismus wurden, daß die zionistischen Fonds ihre Mittel fast zur Gänze dieser Gruppe zur Verfügung stellten. Jetzt muß da Wandel geschaffen werden, denn es geht um den Bestand der Weltorganisation und die Fonds. Aus der jüdischen Welt Hebräische Lehranstalten in Europa und Palästinn im Lehrjahre 1931/32. Anläßlich der Proklamierung des hebräischen. Kulturfonds (Keren Tarbut Iwrit) durch den Hebraisten-Weltbund (Brit Iwrit Olamit) veröffentlicht „Haolam" in London interessante statistische Angaben über das hebräische Sc hulweseu in Osteuropa und in Palästina. Nach diesen Angaben verteilen sich die hebräischen Lehranstalten auf die einzelnen Länder wie folgt: Palästina: 227 Anstalten mit 19.449 Schülern und 790 Lehrern; Litauen: 121 Anstalten mit 10.820 Schülern und 437 Lehrern; P o Ten : 243 Anstalten mit 25.000 Schülern; Rumänien: 63 Anstalten mit 5771 Schülern und 381 Lehrern; ' Lettland: 39 Anstalten mit 6000 Schülern und 140 Lehrern; Bulgarien: 39 Anstalten mit 3200 Schülern und 102 Lehrern. Außerdem bestehen hebräische Lehranstalten in Estland, der Tschechoslowakei, Jugoslawien und in anderen Ländern. Insgesamt gibt es heute etwa 750 hebräische Anstalten mit 75.000 Schülern und über 2200 Lehrern. 1 Die Schweiz verbietet das Hakenkreuz. Die schweizerische Bundesregierung hat eine Verordnung erlassen, die das Tragen von Braunhemden und von Emblemen der Nationalsozialistischen Partei verbietet. Zwei deutsche Nationalsozialisten, W. Mörstadt und W. Schulz, wurden wegen unerlaubter Umitriebe ausgewiesen, eine Reihe weiterer deutscher Staatsangehöriger wurde unter Androhung der Ausweisung verwarnt. 1 Argentinien will eine erweiterte jüdische Kolonisation. Wie vom Pariser Hauptbüro der Jewish Colonization Association (JCA.) der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt wird, hat der Gouverneur der argentinischen Provinz C o r r i e n t e s, die eine Bodenfläeho von 33.535 Quadratmeilen hat, dem Chefredakteur der in Buenos Aires erscheinenden Tageszeitung „Yiddische Zeitung" geschrieben, er habe das jüdische Kolonisationswerk in der Provinz Entre Bios, in der die JCA.-Kolonien gelegen sind, eingehend studiert und habe gefunden, daß für dieses Werk kein Lob zu hoch ist; er habe es sich darum zur Aufgabe gemacht, die Mitarbeit der „tapferen und energischen jüdischen Landwirte" auch für seine Provinz zu sichern und er werde der „Yiddischen Zeitung" dankbar sein, wenn sie die Frage einer jüdischen Siedlung in Corrientes zur Diskussion stellen würde. Der Brief schließt: „Ich gebe Ihnen die Zusicherung, daß meine Regierung alles, was in ihrer Macht liegt, tun wird, um die jüdische Kolonisation in der Proxinz Corrientes zu Union der Zionisten» Revisionisten Oesterreichs Die Union ersucht uns um folgende Bekanntgabe: An die Revisionisten Oesterreichs! Die Parteileitung hat bereits in der letzten Nummer der „Neuen Welt" den Mitgliedern die Wichtigkeit der Dinar-Aktion in Erinnerung gebracht und für die Zeit vom 19. bis 2 5. Juni eine Dinar-Woche angesetzt, damit sich die österreichischen Revisionisten voll und ganz dieser Arbeit widmen. Das Stimmrecht für die Weltkonferenz haben nur Dinar-Zahler. Wir wollen durch eine große Zahl von österreichischen Delegierten beweisen, daß die österreichischen Revisionisten ihre Pflicht erfüllen. Dinarim sind im Sekretariat, II., Untere Augartenstraße 38, Tel. A 45-6-34, anzufordern. * Mittwoch, den 29. Juni 1932, halb 9 Uhr, im Heim, II., Untere Augartenstraße 38 Versammlung Probleme der V. Weltkonferenz Referenten: Dr. D. Bukspan, Fritz Richter Aussprache Regiebeitrag: 20 gr. Zugänglich nur für Dinar-Zahler! Dinarim sind beim Eintritt erhältlich. fördern, ich bin überzeugt, daß die jüdische Arbeit in unserer Provinz in einem hohen Maße zum Gedeihen und zum Fortschritt beitragen wird". „Emess" klagt. „Emess", das Hauptorgan der jüdischen Kommunisten Rußlands, führt Klage darüber, daß das jüdische religiöse Leben in den Ländern der Sowjetunion ungeachtet der Tätigkeit der Gottlosen-Klubs (Organisation „Apikojres") nicht ausziurotten ist. Die vom „Emess* in die Provinz entsandte Untersuchuugsbrigadc hat unter anderem festgestellt: Das in einen Arbeiterklub umgewandelte Beth Hamidrasch des „Lubawitscher Rebbc" (Rabbi Schneersohn, der nach Erduldung zahlreicher Verfolgungen in das Ausland ging) steht jetzt leer, da die jüdischen Arbeiter der Stadt Lubawitsch, die noch immer unter dem geistigen Einfluß des Rebbe stehen, aus Pietät das Klubhaus meiden. Die „Emess"-Brigade, die den Distrikt Smolensk und einige David Nebenxahl und frau gratulieren herzlichst Herrn Israel Muller und Frau zur Vermahlung andere Distrikte in der Ukraine bereist hat, klagt ferner darüber, daß die ..jiddische Kultur" sich im Niedergang befindet und daß die jüdischen Eltern ihre Kinder nicht in die jiddischen, sondern in die russischen Schulen schicken. Nirgendwo auf ihrer Reise hat die Brigade ein Exemplar des „Emess" vorgefunden. Die Brigade stellt fest, daß selbst in den jüdischen Kollektiven die Religion sitark verwurzelt ist. In vielen Kollektiven wird der Sabbath traditionell beobachtet, sind an den Türen der Wohnhäuser, ja sogar der sogenannten „roten Ecken" (Klubs, die ausschließlich kommunistischer Propaganda dienen sollen) „M e s u s o t h" angeschlagen. Zu Pessach wurden in allen Kollektiven Mazzoth gebacken. Der Führer der dänischen Juden gestorben. Am 15. Juni starb in Kopenhagen im SO. Lebensjahre Professor David Jacob Simonsen, der Führer der dänischen Juden und eine der populärsten Persönlichkeiten des heutigen Dünemark. David Jacob Simonsen wurde 1853 in Kopenhagen geboren, wurdö zunächst Hilfsrabbiner, 1892 Oberrabbiner in Kopenhagen und von der gesamten dänischen Judcnheit als ihr geistiger Führer anerkannt. Ende 1902 legte er das Amt als Oberrabbiner nieder, um sich fortan vollständig der Wissenschaft und der Philanthropie zu widmen. Seine philanthropische Tätigkeit blieb nicht auf Dänemark beschränkt, sondern er arbeitete an vielen interterritorialen jüdischen Wohlfahrtswerken mit. Auch auf politischem Wege griff er sehr oft zugunsten verfolgter und entrechteter Juden ein. Während des Weltkrieges war er der Vermittler zwischen den jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen in Amerika und den notleidenden Juden in Osteuropa und half auf diese Weise viel Leid mildern. Mit Leo Motzkin und anderen hat er die jüdische Welthilfskonf erenz; begründet und war Vorsitzender des Zentralrätes dieser Konferenz. Was sagt die französische Republik? Zum Verbot der Keren Hajessod»Proganda in Tunis* Nach der Hetze gegen Jabotinsky — die Hetze gegen Judentum und Zionismus Aus Tunis kommen Nachrichten, die gewiß die Aufmerksamkeit der jüdischen Welt erfordern. Wir hatten schon seinerzeit Veranlassung, über Vorgänge aus diesem französischen Kolonialgebiet zu berichten. Wir erinnern an den von der „Neuen Welt" gekenn-, zeichneten Fall Tordjan, der sich bekanntlich zu einem antisemitischen Skandal auswuchs, mit allen Merkmalen einer niedrigen Ritualmordhe.tze. Wir erinnern weiters an die von unserem Bruderblatt „Le Reveil Juif" (Tunis) enthüllten Machinationen des katholischen Klerus in Algier und Tunis, der sich mit aller Kraft und mit den niedrigsten Mitteln bemüht, das friedliche Einvernehmen zwischen Juden und Mohammedanern zu stören. Und wir wollen — nicht zuletzt — auf die Rolle hinweisen, die das Organ der klerikal-katholischen Kreise „Voix du Tunisien" in der Aufwiegelung der nicht jüdischen Kreise Nordafrikas gegen die jüdischen Einwohner spielt. Diesen Drahtziehern ist es gelungen, die Atmosphäre so weit zu vergiften, daß sogar die französische Administration des Landes den judenfeindlichen Einflüsterungen erlegen zu sein scheint. Die muselmanische Bevölkerung Tunesiens hat die Parolen, die der berüchtigte Mufti von Jerusalem in Palästina ausgegeben hat, unter dem Einfluß ihrer heimischen katholischen Lehrer aufgegriffen und ist bereit, sie zu, verwirklichen. Das bezeugen Tatsachen der letzten Wochen. Der Fall Jabotinsky. Im Februar d. J. sollte Vladimir Jabotinsky in den nordafrikanischen Ländern mit französischer Oberhoheit zionistische Vorträge »halten, die auch tatsächlich bereits angekündigt wareu. Die „Reveil Juif" konnte sogar den Tag der Ankunft Jabotinskys bekanntgeben. Nun setzte die Hetze seitens der bereits erwähnten katholischen Zeitung „Voix du Tunisien" ein, der sich die muselmanischen Nationalisten prompt anschlössen, worauf folgende offizielle Meldung erfolgte: „La R6sidence General a refuse a Jabotinsky l'autorisation de däbarquer dans la. Regeace" |Die Zentralregierung hat Jabotinsky die Bewilligung, im Hoheitsgebiet zu landen, verweigert.) Dies spielte sich so ab, daß die Lokalbchörde ablehnte, eiiien sogenannten „staatenlose n" Paß Jubptinsky mit dem Einreisevisum zu,versehen, und von ihm einen entsprechenden Vermerk des Ministeriums des Aeußern in Paris verlangte. Jabotinsky konnte diesen Vermerk erbringen. Seiner Einreise stand nichts mehr im Wege. In dieser. Situation, da Jabotinsky Erscheinen in Tunis auf. legalem Wege nicht mehr verhindert werden konnte, griff man zu einem anderen Auskunftsmittel. Unter der nun verschärften Hetze des „Voix du 'Tunisie'n"4 der Drohung mit Revolten der. Muselmanen gegen den zionistischen Redner und, die jüdische Bevölkerung brach die Lokalregierung in die Knie und erließ den pbcnerwähnteii, ablehnendem Entscheid. Die offiziellen Zionisten, denen dieser Fall wohl bekannt war, schwiegen. Waren sie es doch, die selbst jahrelang den „Chauvinisten" und „Militaristen" Jabotinsky verfemten; ihn als Störenfried brandmarkten; ihn der nichtjüdischen Welt als Araberfeind denunzierten. Die offiziellen Zionisten fanden also nichts daran, daß man Jabotinsky, der ja auch nicht nach Palästina, in . das jüdsche Heimland, darf, die Einreise nach Tunis verweigerte. Gegen den Keren Hajessod. Aber es gibt in Tunis nicht 'nur einen Fall Jabotinsky, es gibt auch einen Fall Nathan H a 1 p e r n. Die „Reveil Juif" meldet: „Die französischen Behörden haben den in Tunis weilenden Keren-Hajessod-Delegierteu Nathan Ii a 1p e r n aufgefordert, die von ihm einberufene und von. der Behörde bereits genehmigte Versammlung von Keren-Hajessod-Zahlern zu verschieben. Als Grund für dieses Ersuchen wurde angegeben, daß die Abhaltung der Versammlung zu Unruhen führen könnte. Advokat N. Halpern sprach bereits dreimal.iu Tunis, ohne irgendwelche feindselige Gefühle bei den Muselmanen erregt zu haben, was der französischen Lokalbehörde wohl bekannt ist." Die jüdische Gemeinde von Tunis hat energischen Protest erhoben und erklärt, daß die Behörden allzu leicht dem Druck der arabischen Nationalisten und den Drohungen der „Voix du Tunisien" nachgeben, die jede zionistische Tätigkeit zum Anlaß einer antisemitu sehen Hetze nehmen. Der Protest der Gemeinde blieb Qha« Wirkung, Die Behörde, hat in der Folge, die

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