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Die neue Welt · 1932-06-17 · Heft 248 (17.6.1932) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 248 (17.6.1932)
Date
1932-06-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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[ r1* -..... .........- Hakoahs wieder* gewonnener Kampfgeist Was der Präsident Max Schiffmann erklärt Präsident Max Schiffmann Mit ängstlicher Besorgnis begleiten die Freunde dies jüdischen Körpersports das Schicksal der „Hakoah", die eine Reihe von Jahren hindurch Sinnbild war der jüdischen Sportbewegung. Jeder Sieg, jede Niederlage dieses Sportklubs fand in der jüdischen Gasse sein Echo. In einem kritischen Augenblick, da innerer Zerfall eintrat und sich im Abstieg in die zweite Liga deutlich machte, hatte Hakoah ~ das Glück, in Max Schiffmann einen neuen Präsidenten zu finden, keine Dekorationsfigur, sondern einen tatkräftigen, zielbewußten Führer, dessen enthusiastisches Streben dahin ging, die Hakoah aus ihrer durch viele Ursachen DIE NEUE WELT_ verschuldeten Lethargie herausreißen und ihr den Weg zu neuen Leistungen zu weisen. Die „Neue Welt" hat damals, im Juli 1929, die Situation gekennzeichnet. Seither war Hakoah mannigfachen Schicksalsschlägen unterworfen. Mit 24 Siegen aus 24 Spielen in die erste Liga aufsteigend, fiel sie später wieder ab. um in der zweiten Liga abermals einen LcideiiMvc/.u geben. Der Aufstieg wurde schwer erkämpft. „Ein Stück interessanter Hakoah-Gesehiehie". erklärt Max Schiffmann der ..Neuen Weh . „ist in der soeben zu Ende gegangenen Spieisaison zum Abschluß gelangt. Es war ein schweres Ringen, zumal in der Herbst-Spielzeit, wo wir ungünstig abschnitten. Dafür aber, ich kann es ohne Einschränkung sagen, waren die Spiele des Frühjahrs Leistungen, die an die klassische Zeit der Hakoah erinnern. Die Siege und unentschiedenen Kämpfe gegen Meistcrschaftsaspiranten sind ein Beweis dafür, daß mein Optimismus nicht ungerechtfertigt war und daß unsere Arbeit Früchte getragen hat. Handelt es sich doch hier nicht allein um rein sportliche Leistungen, sondern um den Kampfgeist einer Mannschaft, deren innerer Kern als n a t i o n a 1jüdisches Gut erhalten und für die ganze Judenheit nutzbar gemacht werden muß. Sportlicher Sinn und national jüdisches Bewußtsein — erst beide Elemente zusammen können einen echten Hakoahner ergeben. Ich muß verzichten, im einzelnen zu begründen, wie wichtig gerade heute die Erhaltung jüdischen Kraftsports ist. Indessen, wir arbeiten weiter. Für die kommende Spielzeit wurden Löwy, A msier, Feldmann. St roß, Drucker. Platschek, Donnenfeld, Mausner, Eisenhoffer, Ehrlich, Weißkopf und Reich reengagiert, während als neue Stürmer Schwarz (Temesvar), Grünfeld (Amerika) und Reinthaler (Budapest) eingestellt werden sollen. Eine Rückkehr Häuslers und Wortmanns wäre für Hakoah gewiß vorteilhaft. Die letzten eindrucksvollen Leistungen der Hakoah haben uns neue Freunde und Auslandsauträge gebracht, von denen zwei (Frankreich und Polen) angenommen werden konnten. Wir werden alles daransetzen, unser Niveau zu halten und im Interesse des jüdischen Sports die wertvollen Sympathien unserer seinerzeitigen großen Anhängerschar wiederzugewinnen. Hakoah hat dich gefunden: sie besitzt wieder ihren allen Kampfgeist und das Gefühl der Verantwortung. An uns, der Leitung, sie in diesem Sinne zu bestärken, wird es gewiß nicht fehlen." _Seite 7 „Stern" fordert die kommunistischen Führer in den jüdischen Kolonien auf, den Freihandel unter den jüdischen Kolonisten zu fördern, gleichzeitig aber darauf zu achten, daß dieser Handel nicht in eine Massenspekulation ausartet. Die jiddischen Zeitungen veröffentlichen Berichte aus vorwiegend von Juden bewohnten Städten der Ukraine, wie Chersou, Kiew, Zytomir, Berditsehcw, aus denen hervorgeht, daß seit Verkiindung des Sta Ii tischen Freihandeksdckrets die Preise für Butter, Fleisch, Milch und Gemüse beträchtlich gesunken sind. Der sdiwlfreie Sabbat in den europäischen Staaten In Anbetracht der entscheidenden Bedeutung, die dem Sabbatschuld is pens für die Heranziehung eines sabbattreuen Nachwuchses zukommt, hat der Weltverband „Schomre Schabbos" eine umfassende Enquete eingeleitet, um die Regelung der fraglichen Materie in den verschiedenen europäischen Ländern festzustellen. Nachdem die meisten Antworten eingelaufen sind, läßt sich ein ungefähre^ wenn auch noch nicht vollständiges Bild der bestehenden Verhältnisse gewinnen. Für England bestimmt das Schulgesetz bezüglich der öffentlichen Elementarschulen, daß die jüdischen Eltern für ihre Kinder vollständigen Dispens am Sabbat verlangen können. In der Praxis liegen die. Dinge dadurch noch einfacher, daß die meisten Elementarschulen überhaupt am Sonnabend geschlossen sind. In den höheren Schulen kann für die Zeit des synagogalen Gottesdienstes Dispens beantragt werden, darüber hinaus gilt der Schreibdispens. Bemerkenswert ist, daß öffentliche Elementarschulen, die vornehmlich von jüdischen Kindern besucht werden, eine spezielle Ferienordnung haben, die so eingeteilt ist, daß die Ferien die jüdischen Feiertage mit einschließen. — In Holland ist der Sohuldispen« ein vollkommener und gilt in gleicher Weise für Elementarwie für höhere Schulen. In Amsterdam, wo in bestimmten Vierteln die jüdische Bevölkerung überwiegt, gibt es öffentliche Schulen, auch höhere, die am Sonnabend gänzlich geschlossen sind. — Anich in Deutschland liegen die Verhältnisse günstig. In Preußen kann jedes jüdische Kind vom Schreiiben sowohl wie vom Gesamtunterricht am Sabl>at befreit werden. Das gleiche gilt für die Hansastädte. Tn Sachsen und Hessen wird die Unterriohtisbefreiung unter der Bedingung gewährt, daß für einen E rsatz der ausfallenden Stunden durch Privatunterricht oder in anderer Weise gesorgt wird. Die süddeutschen Länder geben den Unterricht in der Regel insoweit frei, als dies zur Teilnahme der Schüler am Gottesdienst erforderlich ist. Thüringen und Oldenburg gewähren Schreibdispense sowie Befreiung von sonstiger manueller Tätigkeit. — In den österreichischen und tchechischen Schulen erhalten die jüdischen Kinder keine Unterrichtsbefreiung, ausgenommen an jüdischen Feiertagen. Hingegen ist bestimmt, daß bei der Abfassung der Unterrichtspläne auf das für die jüdischen Kinder geltende religiöse Verbot des Schreibens tunlichst Rücksicht zu nehmen und daß jeder direkte oder indirekte Zwang zur Übertretung dieses Gebotes von seilen der Schule zu unterlassen ist. — In Ungarn wird Unterrichtsbefreiuug prinzipiell abgelehnt und nur Schreibdispens zmgestanden. — Polen macht nur in den Elementarschulen Konzessionen, in den höheren Schulen ist keinerlei Dispens gesetzlich vorgesehen; doch gelingt es vioU fach in Einzelfällen, Dispense durchzusetzen. — In Jugoslawien hat das zuständige Ministerium' auf die erneute Intervention der jüdischen Instanzen hin eine Verfügung über vollständige IJnterrichtsbefvciung in Aussicht gestellt. — In der Türkei besuchen nur 2 Prozent der jüdischen Schüler staatliche Schulen, si e müssen ausnahmslos am Sabbat schreiben. — Eigentümlich sind die Verhältnisse in der Schweiz. Neben Kantonen, die vollständige Unterrichtsbefreiung gewähren, gibt es solche, in deren höheren Schulen nicht einmal Schreibdispens zugestanden wird. — In Frankreich und Italien ist formell wenig festgelegt: soweit jüdische Eltern für ihre Kinder Ausnahmen beantragt haben, haben sich die Schulleitungen entgegenkommend gezeigt. _ ln Elsaß-Lothringen ist wenigstens der Schreibdispens für die Elementarschulen offiziell festgelegt. Hier wird auch eine gewisse Zahl von Schülern für die Zeit des Sabbat-Morgengottesdienstes vom Unterricht dispensiert. - In Dänemark gibt das Ministerium Gesuche jüdischer Eltern um Befreiung jhrer Kinder vom Schulbesuch am Sabbat dem Oberrabbiner zur Begutachtung weiter, auf dessen Befürwortung der Dispens erteilt wird. Schreibdispens wird ohne weiteres gewährt. — Auch Norwegen keimt keine Bestimmungen, die Praxis ist loyal. Tn den öffentlichen Schulen Schwedens i«t eine Dispensation am Sabbat noch nicht erteilt worden. Todesfall Am .rugischc Weise ist eine hochherzige Krau ihrer Familie und dem Wiener Judentum entrissen worden. Frau Josefine Petyan, welche einem Unfall in ihren besten Jahren zum Opfer fiel, war eine unermüdliche Arbeiterin auf jüdisch-humanitärem und zionistischem Gebiet. Das Leichenbegängnis, wcLhe-i viele Hunderte von Freunden beiwohnten, »restaKete sich zu einer grandiosen Ehrung des Andenkens au diese gütige und verdienstvolle jüdische Frau. Eine Million Juden ZU VB^l ♦♦ ♦ ♦ Reisebrief von Jakob Josefsberg, Berliv. jii Galizien, das ehedem zum alten Oesterreich gehörte, lebten neben etwa 3 Millionen Polen, zirka 3 Millionen Ukrainern fast 1 Million Juden. Während ihr Prozentsatz in den Städten oft bis zu 60 Prozent der Bevölkerung ansteigt (wie in Kolomea, Brody, Tarnopol usw.) und in den meisten Städten 25 Prozent übersteigt, leben sie auf dem Lande in ganz kleinen Gruppen zerstreut. Trifft man im Dorfe in Ost-Galizien noch 10 bis 15 jüdische Familien an, so sind in West-Galizien höchstens 3 bis 4 Familien; in vielen hunderten Dörfern gibt es überhaupt keinen Juden mehr. Als ^Galizien noch unter österreichischer Verwaltung stand, war die wirtschaftliche und politische Lage der Juden leidlich. Sie hatten wohl als Puffer zwischen 3 Millionen Polen und 3 Millionen Ukrainer viel auszustehen, zumal die Polen es versuchten, mit Hilfe der Juden die Ukrainer zu majorisieren, aber dies machte sich nur bei Reichsrats- und Landtagswahlen und bei Volkszählungen fühlbar und fand an dem Widerstand der Wiener Zentralbehörden eine Grenze. In wirtschaftlicher Hinsicht war zwar die Lage nicht glänzend, zumal die hier sprichwörtlich gewordenen „Luftmenschen" beheimatet sind. Immerhin spielten die Juden als Industrielle, Großkaufleute und Detaillisten eine Rolle, waren in den freien Berufen und im Handwerkerstand stark vertreten und konnten sich auch als. Staatsbeamte bei den Gerichts-, Eisenbahn-, Post- und Finanzbehörden angesehene Positionen schaffen. In den staatlichen Salzsiedereien (Salinen), in dem Petroleumgebiet Drohobycz-Böryslaw waren Juden als Beamte und Unternehmer beschäftigt. In den Mittel- und Volksschulen waren eine erhebliche Zahl von Juden im Lehrkörper vertreten. Wie gesagt, die Lage war in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht leidlich. Ganz anders gestaltete sich ihre Lage, als nach dem Zerfall Oesterreichs, Galizien eine Provinz Polens wurde. Die politischen Rechte wurden formell nicht angetastet, auf dem Papier blieb die Gleichberechtigung bestehen, aber die Praxis sah wesentlich anders aus. Eisenbahn-, Post-, Gerichts- und Finanzbehörden pensionierten alte jüdische Beamte, Neuanstellung von Juden erfolgte nicht, Die Salzsiedereien (Salinen) ließen jüdische Unternehmer nicht mehr zu. Die Petroleumgruben in Boryslaw gingen in andere Hände über oder wurden verstaatlicht. Der Besitzwechsel wirkte sich stets zuungunsten der Juden aus. Auf Schritt und Tritt ein Zurückdrängen der Juden. Offen blieben ihnen nur der Kaufmanns- und Handwerkerstand und die freien Berufe. Die Juden mit ihrer Rührigkeit, Zähigkeit und Anpassungsfähigkeit hätten sich, beschränkt auf diese Gebiete, auch hier durchsetzen können, wenn nicht ein Boykott mit der Parole „Kauft nicht bei Juden" mit einer derartigen Intensität eingesetzt hätte, daß auch den Zähesten und Begabtesten ein Durchhalten unmöglich gemacht worden ist. Systematisch wurde den Juden der Boden unter den Füßen weggezogen. Lawinenartig schwoll das Heer der stellungslosen Intellektuellen an, die Zahl der „Luftmenschen" vermehrte sich in erschreckender Weise. In dieser Lage wurden die Juden in Galizien von der Weltwirtschaftskrise überrascht. Tausende Juden, auch Akamemiker, hatten sich schon mit dem traurigen Schicksal des „Luftmenschen" abgefunden, als diese „Existenzen" durch die furchtbare Krise auch vernichtet wurden. Auch die letzte Verdienstmöglichkeit wurde ihnen durch die furchtbare Wirtschaftskrise genommen. In der Karpathenstadt Turka a, Stryj zum Beispiel waren in den 4 Sägewerken viele Juden unmittel- und mittelbar beschäftigt. Seit Monaten sind diese Sägewerke stillgelegt und viele jüdische Familien sind dem Verhungern preisgegeben. In einer kleinen Karpathenstadt, wo etwa 3000 Juden leben, hungern 70 Prozent. Auf der Straße begegnet man den abgehärmten, ausgehungerten Gestalten, die einen traurigen Eindruck hinterlassen. Bittere Armut spricht aus Gesicht und Kleidern. Lebende Leichen schleichen durch die Gäßchen des kleinen Städtchens. Bürger, die früher mit vollen Händen gaben, sind jetzt Almosenempfänger geworden, aber der Kreis, der noch in der glücklichen Lage ist, Almosen zu geben, verringert sich von Tag zu Tag. Das von einem jüdischen Politiker geprägte Wort, daß es in Polen eine Million Juden zu viel gibt, bewahrheitet sich in seiner ganzen Tragik... Die neue ökonomische Politik in Rußland und die Juden Dem Dekret der Regierung der Sowjetunion betreffend Freihandel mit landwirtschaftlichen Produkten wird in ganz Rußland ungeheure Bedeutung beigemessen. Man erwartet von diesem von Stalin verfaßten Dekret u. a. auch eine Besserung der Lage der jüdischen Kolonisten und eine bessere Versorgung der an Nahrungsmittelmangel leidenden jüdischen Städte mit landwirtschaftlichen Produkten. Es ist bezeichnend, daß die gesamte jiddische Presse in der Sowjetunion die jüdischen Kolonisten und die jüdischen landwirtschaftlichen Kollektive ermuntert, von der Freihandelsverordnung weitestgehend Gebrauch zu machen und ihre Produkte direkt an den städtischen Verbraucher heranzubringen Die Moskauer jiddische Tageszeitung „Emeß" enthüllt die von der Sowjetpresse bisher verschwiegene Tatsache, daß« die Staatsbank beschlossen hat, im Verlauf der nächsten drei Monate zehn M i 11 i o n e n R u b e l an Landwirte und Kollektiven als kurzfristige Kredite zu verteilen, um auf diese Weise den Bauernhandel zu ermutigen. „Emeß" fordert die jüdischen Kolonisten auf, von dieser Anleiheaktion Gebrauch zu machen und sich tragbare Zelte sowie ändere Zubehöre für das Marktwesen anzuschaffen. Die in Charkow erscheinende jiddische Tageszeitung

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