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Die neue Welt · 1932-06-17 · Heft 248 (17.6.1932) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 248 (17.6.1932)
Date
1932-06-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE NEUE WELT i rriVni"i Aus Deutschland f Ben««« der »Neue« Well« Hkv Deutodilawd # FfliabedakHon und Adminfitration: Berlin, Charloflenbtifg JoadtlmslaleFflwiB« l/W aMHMMnm^^ Judi'§die§ Schicksal in Deutschland Als vor drei Jahren die 200.: Wiederkehr des Geburtstages Moses Mendelsohns gefeiert wurde, gaben Juden in Deutschland eine Bilanz ihrer Kulturgemeinschaft mit dem deutschen Volk. Es hieß allenthalben, daß der Geist der Aufklärung die Eman- 2ipation und in deren Gefolge alle Möglichkeiten eines normalen Lebens für die jüdischen Bürger im Rahmen der deutschen Nation gebracht habe. Besonders die liberalen Juden verschiedener Couleur und ihre Presse waren es, die Tränen der Rührung ob solchen Glücks vergossen. Tatsächlich ist in Deutschland die Einfügung des jüdischen Elements; in alle Funktionen des Staats¬ und Volkslebens am weitesten gediehen. Die kulturellen, •wirtschaftlichen, sozialen, zivilisatorischen Leistungen der Juden in Deutschland waren umfassender und tiefergehend als anderswo. Fast schien es, als ob die Normalisierung dieses kleinen jüdischen Volkteiles im großen deutschen Reich, abgesehen von kleinen Störungen und retardierenden Momenten, auf dem Weg der Vollendung sei. Aber heute, von den nationalen Juden vorausgesehen, von den Assimilanten geflissentlich oder unaubsichtlich übergangen, weisen alle Tatsachen darauf hin, daß der Versuch der restlosen Verschmelzung des jüdischen und des deutschen "Wesens g escheitert ist — aus subjektiven und objektiven Gründen. Und es kann das, was den Juden und mit den Juden Deutschlands geschieht, zur Grundlage der Betrachtung aller anderen Judehheitsschicksale gemächt werden. Für das, was in Deutschland zu geschehen droht, gibt "es Symptome auch in vielen anderen Ländern. Aber hier sind bereits die Formen ausgeprägt und in den Folgen deutlich sichtbar. Um es1 kurz zu sagen: Ein großer Teil des deutschen Volkes, vor allem der nach der Macht greifende Nationalismus, bedankt sich für eine Kultur- und Volksgemeinschaft mit den Juden, mit solchen, die diese nicht angestrebt haben, und mit solchen, deren höchster Ehrgeiz es war, im Staats-, Wirtschafts¬ und Gesellschaftsaufbau rassisch und völkisch als gleichwertig, als wesensgleich angesehen und behandelt zü werden. Die Haltung der Mehrheit des deutschen Volkes in bezug auf das jüdische Element ist, wenn auch in den Reflexen verschieden, im Grunde eindeutig: Juda verrecke! mit unwesentlichen Textvarianten. * ■ ■ " ■ '■ Man sollte meinen, daß ein . solcher Zustand die deutschen Juden zwingen würde, endlich klar zu sehen, ihre Art der Abwehr des Judenhasses als Irrweg zu erkennen und den Antisemitismus als eines .der Signale einer bestehenden internationalen Judenfrage anzusehen. Denn jeder Morgen, an dem sie erwachen, in die Zeitungen oder in die Gasse blicken, müßte sie zwangsläufig zur' Revidierung ihrer Kardinalthese von der Ueberwindung des Antisemitismus führen. Denn jeder Morgen verschärft ihre Lage. Lassen wir einmal die Ereignisse der letzten Woche Revue passieren. In Berlin sprach der nationalsozialistische Abgeordnete Kube die Drohung aus. die Juden würden aus den Staatsstellen verjagt werden. Wenn seine Freunde in Preußen die Macht ergreifen sollten. In einer Versamm-. lung der nationalsozialistischen Berufsverbindung für Industrie, Handwerk, Handel und Gewerbe erklärte der Hauptreferent mit einem Augenzwinkern zu den C. V.-Herren, die auf die Anerkennung ihrer „Bravheit" spekulieren: „Es soll mir keiner kommen und sagen, ich kenne da seit zwanzig Jahren eine jüdische Familie, die ist so anständig, daß man ihr nichts nachsagen kann. Der Jude ist kein deutscher Volksgenosse und Ausnahmen macht der Nationalsozialist nicht. Wer so spricht, dem sage ich nur: Die anständige Judenfamilie ist Rekrutendepot fürdie nächste Generation Schweinehunde. Und haben diese Juden Geld ins Ausland verschoben, dann werden wir das auch zu erfassen wissen, indem wir rücksichtslos alle hier noch lebenden Juden einsperren und so lange zwiebeln, bis auch die Schieber dieses Geld wieder zurückgebracht haben." Hauptmann G o e r i n g, der als nationalsozialistischer Minister Präsidentskandidat für Preußen gilt, setzte einem italienischen Blatt das Judenproblem für Deutschland folgendermaßen auseinander: „Für uns ist die Judenfrage grundlegend nicht bloß vom Rassenstandpunkt aus. Wir verteidigen uns gegen ein Element, das unserer Rasse fremd ist, gegen ein störendes und vergiftendes Element, das den Deutschen schon unberechenbaren Schaden zugefügt hat. Seit langem schon wurde Berlin der Hauptanziehungspunkt für alle galizischen und russischen Juden. Sie kamen in Scharen, mit ihren Kaftanen und ihren Läusen, ohne ein anderes Erbe als unersättliche Habsucht. Berlin wurde der Filter dieser Hefe. Nach einigen Monaten hatten sie schon gelernt, sich europäisch zu kleiden, deutsch zu sprechen und schließlich auch zu baden. Die »eisten hatten verdient, viele sind, reich geworden., Aijs den Vierteln des Ostens übersiedelten sie in die des Westens, und mehr als einer, der am Schlesischen Bahnhof im Kaftan angekommen war, reiste nach einigen Monaten ab. Immerhin, für einen, der abreiste, blieben und bleiben zehn zurück. Die Juden, die seit dem 2. August 1914 ins Reich eingewandert sind, werden ausgewiesen werden. Wir werden alle Juden, die aus dem Ausland eingewandert sind, aus den leitenden Stellungen entfernen, ebenso aus der Presse, aus dem Theater, aus dem Film, aus der Schule und aus den Universitäten. Schließlich aus jedem Amt, aus jeder Würde, aus jeder Stellung, in der sie ihren zerstörenden Einfluß zum Schaden des deutschen Volkes ausüben könnten. Es ist gesagt worden, daß wir gegen die Juden die Todesstrafe anwenden werden. Das ist falsch. Der anständige israelitische Kaufmann, der in Deutschland als Fremder bleiben will, unter dem Schutz des Gesetzes, unter dem alle Fremden leben werden, wird ungestört seinen Geschäften nachgehen können und wird keinerlei Schaden erleiden." * Das sind kleine Stichproben aus der theoretischen Küche des deutschen Antisemitismus. Die Praxis erscheint nicht weniger bedrohlich: Die Zahl der Terrorakte, der Ausschreitungen gegen jüdische Studenten, die Handhabung der administrativen Macht in vielen Ländern beweisen täglich den Ernst der Situation. Aber selbst in den Stunden höchster Gefahr hat keine Besinnung in den Reihen jener Platz gegriffen, die alle ihre assimilatorischen Hoffnungen jählings zusammenstürzen sehen mußten. Während über ihren Köpfen der Dachstuhl brennt, versuchen sie, den schäbigen Rest ihrer Ideologie zu retten. Aber wie immer, so zeigen sie auch hier ihr zwiespältiges, auf beiden Profilen dummes Gesicht. So läßt sich zum Beispiel die „Centralvereinszeitung, Blätter für Deutschtum und Judentum" zu ihrem 10jährigen Bestand von Karl S e v e r i ri g, dessen preußischer •Innenministersessel bedenklich wackelt, gratulieren und wünschen, „daß sie unbeirrt weiterkämpfen möge für die Gleichberechtigung aller deutschen Staatsbürger, gleichviel, welcher Konfession und Rasse, daß sie nicht erlahmen möge im Streit gegen Verleumdung und Rassenverhetzung, bis in hoffentlich nicht allzu ferner Zeit ein Tag die Verwirklichung der Ziele bringt, denen der Kampf der „C.-V.-Zeitung" galt und gilt." Wahrlich, ein frommer Wunsch! Gleichzeitig aber lassen sich die Herren vom Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens die Ehre nicht rauben, an einer internen Hitler-Kundgebung des Industriellenklubs in Düsseldorf teilzunehmen. Anwesend waren, so lautet der Düsseldorfer Bericht, Bankier E 1 k a n, Fabrikant G r ü n t h a 1 (Führer der Liberalen in der jüdischen Gemeinde Düsseldorfs), Justizrat Cohen und noch andere Herren Israeliten, um am Schluß der Versammlung ihre Hände zum Heil-Hitler-Gruß zü erheben. Ein erhebendes Bild! f Mit einem Gefühl des Schauderns und der Scham, aber gleichzeitig mit dem Gefühl innerster Besorgnis müssen wir den Weg der weiteren Entwicklung der jüdischen Situation in Deutschland betrachten. Werden die deutschen Juden in ihrer Mehrzahl die Lehre ziehen aus der Geschichte der letzten Jahre? Oder werden sie sich weiter der Grundeinsicht über das wahre Wesen der Judenfrage verschließen? Dem deutschen Zionismus obliegt hier eine schwere, verantwortungsvolle Aufgabe, aber eine solche, der er sich unter keinen Umständen entziehen darf. o. r. Berliner Nachrichten: Regelmäßige Zusammenkünfte. Die Revisionisten Berlins treffen sich nach wie vor im Caf6 Kornreich, ßerlin-Charl.. Fasanenstraße Nr.' 78, direkt neben der Synagoge. Im Sommer finden die Abende im Garten statt! Auch die von auswärts in Berlin eintreffenden Gesinnungsgenossen werden auf diese Zusammenkünfte aufmerksam gemacht. Atelr Großmann In Berlin. In der Vorwoche weilte Herr Großmann auf seiner RUckreise aus Rumänien. Polen und der Tschechoslowakei nach London einige Tage in Berlin. Dienstag, den 14. Juni, trafen sich mit ihm die Revisionisten und Betarim Berlins zu einer Internen Besprechung Uber die aktuellen politischen Fragen. Die Zusammenkunft verlief sehr anregend. Wir werden Uber dieselbe in der nächsten Nummer unseres Blattes ausführlich berichten. Dinaraktion. Die Dinaraktion, hat nach den Weisungen des revisionistischen Landesverbandes unverzüglich durchgeführt zu werden. Nur die Dinarinhaber sind Mitglieder der revisionistischen Organisation und haben das Wahlrecht zur revisionistischen WeltkonferenzI Auskünfte und Dinarblocks im Büro: Berlin-Charlottenburg. Joachimsthalerstraße 3/11. Telephon: J, 1. Bismarck 65-90. Wechsel In der Betar-Nezlwut. Alexander Reiter hat aus rein privaten Gründen sein Amt als Natziw des deutschen Brit Trumpeldor niedergelegt. Als Dank für seine Leistungen überreichten ihm die Betarim eine goldene Nadel. Zum Natziw smani wurde Pessach Feiwel bestimmt. Betarim in der Provinz. Zur Unterstützung der Brit-Trumpeldor- Arbelt in der deutschen Provinz begaben sich Max Feuerstein nach Leipzig und Sally Markowitsch nach Magdeburg, wo sie einige Zeit verbringen werden, um die Betar-Arbeit zu organisieren, bzw. einzuleiten. In den nächsten Wochen werden weitere Reisen von Betarim in die Provinz unternommen. Leipzig. Die revisionistische Gruppe hat sich zur Sommerarbeit neu konstituiert. Angesichts der bevorstehenden Wahlen zur Weltkonferenz werden diejenigen Gesinnungsfreunde, die der Bewegung beizutreten wünschen, um Adressenaufgabe an die Gruppenleitung: Doktor Qoldwasser. Leipzig C 1. Hainstraße 7. III. gebeten. — Bin um 8. Mai 1932 veranstalteter Vortragsabend mit einem Referat des Herrn Oberbaurat Stricker, Wien, brachte den Leipziger Zlonisten die erwünschte Gelegenheit, diesen hervorragenden Redner und zionistischen Kämpfer persönlich kennenzulernen. Störungsversuche von sozialistischkommunistischer Seite konnten unterdrückt werden. Die Gruppe ist entschlossen, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung bei all Ihren Veranstaltungen tatkräftig Sorge zu tragen. — Die Werbearbeit unter der Jugend ist mit Unter«tütiiing von Angehörigen des Berliner B e t a r mit verstärkter Kraft und zufriedenstellendem Erfolg aufgenommen worden. Den Wünsche« zahlreicher Freunde Rechnung tragend, ist die Wiedereinrichtung eine» revisionistischen Stammtisches beschlossen worden. Mitglieder und Freunde der Union treffen sich zur zwanglosen Aussprache — Referate mit anschließender Diskussion werden von Fall zu Fall vorbereitet — Jeden zweiten und vierten Montag im Monat abends halb 9 Uhr. erstmalig am 13. und 27. Juni 1932 in Götttiebs Restaurant- Leipzig. Plauensche Straße 3. Breslau. Die revisionistische Madchenvereinigung „Rah ei veranstaltete Sonntag, den 5. Juni, einen Blumentag anläßlich Schewuoth zugunsten des Tel-Chal-Fonds. Der Ucberschuß betrug M. 40. Den ersten Preis erhielt Edith Weiß, die zweiten Preise Rosel Heymann und Betty Skop. Magdeburg. In Ergänzung zu der Veröffentlichung der Generalversammlung der Ortsgruppe Magdeburg wird zur Richtigstellung mitgeteilt, daß Herr M. Hirsch. Magdeburg, das Amt eines Tei-Chal- Kommissärs übernommen hat. Ferner wurde Herr H a n d 1 e r als Bei-? sitzer für das Tel-Chaj-Komitee gewählt. Dr. Rabinowicz In Ostpreußen und Memel. Königsberg: Am 4. Juni sprach Dr. Rabinowicz (Berlin) in zwei Versammlungen in Königsberg. Am Nachmittag Uber das Thema „Jüdische Jugend, wohin?" Ausgehend von der Krise, in welcher sich die jüdische und zionistische Jugend gegenwärtig befindet., zeichnete der Redner den Weg des Brit Trumpeldor. der durch den monistischen Zionismus, durch seinen Legionisimis und die.persönliche Vorbereitung auf Palästina die einzige Hoffnung; auf die zionistische Erfüllung darstellt. Abends sprach' Dr. R. in einer öffentlichen Versammlung Ober das Thema: „Revisionismus: Die: Entscheidung der Juden." Er boliandelte die Qesamtlage des Jüdischen Volkes, um dann zu den aktuellen zionistischen Problemen zu gelangen, von denen er insbesondere die Araberfragc, die Beziehung zu England, die Methode der politischen1 Offensive und die praktischen Wege des Revisionismus hervorhob. In der anschließenden Debatte sprach lediglich ein allgemeiner Zionlst (Dr. QUnsburg), der die' bekannten Argumente gegen .den. Revisionismus aufrollte und seitens des Referenten gründlich widerlegt ward« Die Anwesenheit von Dr. Rabinowiczin Königsberg ist um so beachtenswerter, wenn in Betracht gezogen wird, daß er der erste revisionistische Redner in Königsberg war und hier die Domäne des Meineckestraße- Zionismus ist. Wieviel Interesse heute dem Revisionismus entgegengebracht w)rd, ist auch:aus dem sehr guten Besuch beider Versammlungen zu ersehen. Aus Aniaß der Anwesenheit von Dr. R. wurde ein T e 1- Chaj-Fondskomitee geschaffen, das sofort mit der Arbeit einsetzen wird. Auch an die Verbreitung der ..Neuen Welt" wird in den nächsten Tagen herangetreten. Tilsit: Sonntag, den 5. Juni, sprach Dr. Rabinowicz in einer von der zionistischen Ortsgruppe einberufenen Versammlung über das Thema: „Revisionismus: Die Entscheidung der Juden." Zum ersten Male kam nach Tilsit ein revisionistischer Redner und diese Tatsache genügte, um das Interesse der Zionisten auf den Revisionismus zu konzentrieren. Der stürmische Beifall nach dem Referate bekundete, daß der wahre und aufrechte Zionismus noch immer Anhänger findet, selbst dort; wo er künstlich unterdrückt wird. Die anschließende Debatte hat die letzten Reste von Unklarheiten und Mißverständnissen zerstreut, so daß dieser Abend als schöner Erfolg der revisionistischen Sache gewertet werden kann. Memel: Montag nachmittags traf Dr. Rabinowicz in Memel ein und wurde am Bahnhof von einer Anzahl Gesinnungsgenossen und Betarim begrüßt. Gleich nach seinem Eintreffen fand eine Beratung mit dem provisorischen Komitee des Tel-Chal-Fonds statt. Anschließend fand der Empfang beim Brit Trumpeldor statt. Abends fand die große Öffentliche Versammlung statt, die in einem der größten Säle der Stadt abgehalten wurde. Der Saal war überfüllt, als Herr Tatz. der Vorsitzende der revisionistischen Ortsgruppe, die Versammlung eröffnete.; Dr. Rabinowicz sprach über das Thema: ..Judennot und Erez Jisrael.'* Stürmischer, nicht endenwollender Beifall belohnte die ausgezeichneten Ausführungen des Redners, die. wie das „Memeler Dampfboot", eine der grüßten deutschen Tageszeitungen Litauens", schrieb, sichtlichen Eindruck auf die zahlreiche Zuhörerschaft machten. Die daranschließende Debatte war sehr stürmisch; da fast aus dem ganzen Lande Mitglieder des „nechaluz" nach Memel zusammengezogen wurden, um den Verlauf der Versammlung zu stören. Dank der ruhigen und besonnenen Haltung der Betarim und Revisionisten ist es zu keinen größeren Zusammenstößen gekommen. Anschließend an den Vortrag fand eine Besprechung mit den Revisionisten Memels statt. Montag wurde'ein'Tel-Chaj-Fondskomitee auf breitester Basis geschaffen, welches bereits in der kommenden Woche die Arbeit beginnt. Demselben gehören die bedeutendsten indischen Persönlichkeiten der Stadt an und fast alle Organisationen haben ihren Beitritt zum Tel-Chaj-Fonds "erklärt. Schließlich fand eine Besprechung mit dem revisionistischen Mädchenbund „Rahel" statt, der einige größere Aktionen plant. Der Boykott geht weiter! Berlin. Am 19. Juni wird, wie es in der Ankündigung liedfit, von allen zionistischen Bünden und der B. 2. V. bei Berlin eine Treffahrt veranstaltet. Im Mittelpunkt der Veranstaltung soll der K. K. L. stehen. Zu dieser Treffahrt wurde der.Brith Trumpeldor nicht eingeladen, und zwar, wie eine Anfrage ergeben hat, ist diese Nichteinladung absichtlich erfolgt. Herr Kurt Blumenfeld sieht seina Saat reifen: Der Ausschluß der Revisionisten wird auch in der Jugend praktisch durchgeführt Die parteipolitische Verhetzung unter der „zionistischen" Jugend geht so weit, daß viele der beteiligten Bünde sich mit dem Ausschluß einverstanden erklärten. H. E. Audi in Luxemburg! Auf Grund eines von der Gesetzgebenden Versammlung Luxemburgs im Jahre 1920 beschlossenen und im Jahre 1928 kundgegebenen, aber bisher faktisch nicht angewandten Gesetzes, wonach alle Ausländer, die länger als sechs Monate im Lande zu bleiben wünschen, bei den; zuständigen Behörden um eine Aufenthalts-: erlaubnis ansuchen müssen, wurden im April d. \* die in Luxemburg lebenden Ausländer von der Polizei1 aufgefordert, soweit sie im Lande zu bleiben wünschen« Gesuche um Aufenthaltserlaubnis einzureichen. Etwa! 400 aus Osteuropa stammende Juden, von, denen viele mit ihren Familien seit mehreren Jahren & Luxemburg leben, haben dieser Aufforderung ent* sprochen und solche Gesuche eingereicht. In den letzten Tagen erst haben 360 ans osteuropäischen Ländern stammende Jaden die Mitteilung erhalten, daß ihre Gesuche zurückgewiesen wurden, und daß sie das Territorium des Großherzogtums verlassen müssen. Eine Begründung dieses Entscheids wurde nicht gegeben; man nimmt an, daß die Maßnahme auf die antisemitische Gesinnung der zuständigen! Behörde zurückzuführen ist. Nicht jüdische Ausy länder wurden von der Ausweisungsaktion nicht betroffen. Die ausgewiesenen Juden haben ein Sch'utzkomitee gebildet, das von Dr. Max Rosenfeld und Roubel geleitet wird. Das Schutzkomitee plant, bei den zuständigen Behörden zu intervenieren und, falls eine solche Interven« tion erfolglos sein sollte, an die öffentliche Meinung des Inlandes und des Auslandes zu appellieren. Man nimmt ferner an, daß die polnische Regierung im Hinblick dar» auf, daß die Mchrbeit der Ausgewiesenen polnische Staatsbürger sind, bei der Regierung des Großherzogtums im Sinne der Zurücknahme der Ausweisungsorder i^fy^njerefl wj$d.

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