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Die neue Welt · 1932-06-17 · Heft 248 (17.6.1932) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 248 (17.6.1932)
Date
1932-06-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 248 Crepe-Poroso-Kleid alle Farben.......S £.90 5PREISEI DIE ALLES SAGEN ■ Die neueRumbß-iinppß aus Filzstumpen nur ... S J.98 7>9o 8a Mode-Sandalette, alle Weiß-Leinen mit Strapazschuhe, braun und Mode-Opanken, ein- Brauner Binde- Farben und Größen Lack oder Leder schwarz, fester Absatz oder zweifarbig Pumps-Schuh Crepe-Arllllon, gute schwere Kunstseide S 2.90 SCHIFFMANN II, TAB OR ST RASSE 48 Waschseide Imprimä 1 35 . ...s i herrliche Dessins Her Grazer Stadtpoet Vor einigen Tagen wurde unter großer Trauer der eteiermärkischen Hauptstadt Wilhelm Fischer zu Grabe getragen. Er diente der schönen Murstadt als Dichter mit solcher Begeisterung, daß er den Ehrennamen eines Grazer Stadtpoeten erhielt. Er selbst nannte, sich auf seinen Büchern „Wilhelm Fischer aus Graz". In der Tat hat kaum ein anderer die Grazer Landschaft so sehr geliebt und in ihrem Stimmungswert so .tief erfaßt wie er. Er schrieb „Grazer Novellen", die der steirischen Stadt dasselbe geben wollten, was Gottfried Keller der eidgenössischen Hauptstadt in seinen „Züricher Novellen" geschenkt. So weit die Meldungen der Wiener Tageszeitungen über den Heimgang Wilhelm Fischers, der uns ja nicht weiter interessieren würde, wenn dieser neue Rosegger und Pfleger deutscher Heimatkunst kein J,u de gewesen wäre. Dem künftigen Geschichtsschreiber jüdischer Assimilation sei die Figur Wilhelm Fischers mit besonderer Wärme zur Analyse empfohlen. Dieser -ungarisch-kroatische Jude, geboren in Csakaturn — die Wiener Tageszeitungen faseln von Südsteiermark —, kam, nachdem er sedne Gyannasialstudien in Warasdin und S tuhl weiße nib u r g beendet hatte, mit etwa zwanzig Jahren nach Graz. Die deutschliberale Assimilation stand damals in ihrer Hochblüte, und so faßte der junge Fischer den Entschluß, ein Deutscher zu werden. Sein ganzes literarisches Schaffen hatte nur ein Ziel: Versenken in das deutsche. Wesen der Steiermark. Jahrelang blieben seine Bücher unbeachtet, erst als die deutschnationale Bewegung die Aufmerksamkeit der völkischen Kreise auf die „Heimatkunst" lenkte, wurde er bekannt. Und Fischer, der sich natürlich bald taufen ließ, verstand es, sich so gut einzufühlen, daß er vor den Augen der größten Judenfresser Gnade fand und selbt der antisemitische Literarhistoriker Bartels ihn lobend hervorhob. Vor sechs Jahren feierte Fischer seinen achtzigsten Geburtstag.' Da betonte Hofrat Wastian in Graz ganz besonders seine „deutsche Gefühlsart". Die „Grazer Tagespost" schrieb: „Fischer ist ein Stück des alten Oesterreich, das . . . ein G e r m a n i s a i i o n szentrum gegen den vordringenden Orient geblieben war . . . In Fischers Werken vereinigt sich die Schönheit der Antike mit der Ethik des Christentums, beide erfüllt von' der Tiefe deutschen Denkens und Fühlens." Und als der sozialdemokratische Stadtrat Dr. Speck bei dem Jubiläum an die jüdische Abstammung Fischers anspielte, so meinte da« deutschnational-antisemitische „Neue Grazer Tagblatt", daß diese Bemerkung eine ^Geschmacklosigkeit" gewesen sei. Fischer begann sich in das deutsche Wesen einzufühlen, als der Liberalismus den Juden das Deutschtum noch als lockendes Ziel vorschweben ließ, als er jedoch die ersten Bücher über die deutsche Heimat schrieb, war — im zweiten Jahrzehnt nach dem deutschfranzösischen Kriege — der Antisemitismus schon längst aus seiner Reserve hervorgetreten. Es war die Zeit, als Theodor Herzl aus der „Albia" schied und der Wochen-Kalender Juni 1932 ]V0 □"nn Siwan 5692 17 Freitag 13-» Sabbateingang 7.50 1* Samstag U-t Sabbatau8gang 8.40 in« iflön ,tw3 19 Sonntag 15-ik> 20 Montag 16-id 21 Dienstag 17p 22 Mittwoch 18rp 23 Donnerstag 19-ta1 Sohwarzwalddiohter Berthold Auerbach, der ja auch ein deutscher „Heimatdichter" war, bitterlich enttäuscht über den Gesinnungswechsel des deutschen Volke, an seelischer Aufregung »ugrunde ging. Aber Fischer wollte all dies nicht bemerken. Sein Streben war: untergehen im Wirtsvolkc und nicht als Artfremder bemerkt zu werden. Die Burschenschaft „Styria", der er angehörte, wurde im Laufe der Zeit d e u t s c h n a t i o n a 1 und antisemitisch, stellte eich auf den Waidhofener Standpunkt, Fischer hörte und sah nichts, er blieb weiter bei dieser Couleur. Die Straßen von Graz und die Aula an der Universität widerhallen vom Rufe: „Judu verrecke!" Fischer machte sich nichts wissen. Er blieb bei seiner Heimatkunst und trug stolz das Mensurband der „Styria". Er wollte Liebling der antisemitischen Heimatkreise bleiben. Wie grotesk und traurig ist nur das Schicksal des Assimilanten! Ludwig Bato. Die Postgebühren in Palästina erhöht Wie die palästinensische Postverwaltung mitteilt, sind die Gebühren für Briefe, die nach dem Auslande gehen, ab 1. Juni erhöht. Ein Brief nach England wird ab nun 8 Millem (24 Groschen) statt 7 M. kosten, Briefe in das andere Ausland 15 M. statt 13 M. Dr. Bernhard Hausner polnischer Konsul in Tel-Awiw Die polnische Regierung hat die Schaffung eines Konsulats der polnischen Republik in Tel- Awiw beschlossen und zum Leiter des Konsulats den jetzigen polnischen Handelsattache in Palästina, Dr. Bernhard Hausner, ernannt. In Tel-Awiw und näherer Umgebung leben über 26.000 polnische Juden. Dr. Bernhard Hausner gehörte in früheren Jahren dem polnischen Sejm an und war Mitglied des jüdischen Parlamentsklubs. Die Entwicklung von Hadar Hakarmel Die Bautätigkeit in dem jüdischen Viertel Hadar Hakarmel in Haifa war im Laufe des Jahres 5691 (1950/31) erheblich größer als in den beiden vorhergehenden Jahren, So wurden dort in dieser Zeit 5 0 neue Bauten errichtet, ferner 37 alte Häuser aufgestockt, bezw. Zimmer angebaut. Die Zahl der gebauten Zimmer beträgt 472, der Läden 23 und der Nebenräume 505. Das in' diese Bauten investierte Kapital betrug ungefähr 65.000 pal. Pfund. Ebenso wurde in diesem Jahre auch die Wasserversorgung erweitert; die Zahl der Verbraucher stieg von 467 in 5686 auf 1077. Ein jüdischer Friedhof als Sporttribüne. Der jüdische Friedhof in Saloniki, der unterhalb des Stadions der griechischen Sportvereinigung „Herkule" gelegen ist, wurde am letzten Sonntag ■■nachmittags anläßlich einer Sportveranstaltung der „Herkule" von Tausenden griechischen Zuschauern besetzt. Der Aufforderung der Friedhofswächter, den Friedhof zu verlassen, wurde nicht Folge geleistet. Ein Teil der Umfassungsmauer des Friedhofs und etwa 50 Grabsteine wurden von den Eindringlingen mutwillig umgeworfen und zerstört. Der Präsident der Jüdischen Gemeinde hat bei den Behörden Protest gegen die Entweihung des Friedhofs eingelegt und für die Zukunft eine ständige Bewachung des Friedhofs gefordert. Eine diesbezügliche Zusage wurde gegeben. Die Entjudung der litauischen Beamtenschaft schreitet fort. Die „Entjudung" der staatlichen und städtischen Beamtenschaft in Litauen schreiet fort. Der Bürgermeister von Kowno hat die Entlassung des jüdischen Chefs der Stadtpolizei, Abraham Mal lach, gleichzeitig mit der Entlassung anderer jüdischer Beamten der verschiedenen Zweige der Stadtverwaltung verfügt. Mallach versah den Posten des Polizeichefs seit 1920._ Theater/ Kunff und iiiilliliiiliillillllllillllllliiiLi'teratur. Konzert des Wiener Jüdischen Gesangvereines Einer der schönsten und genußreichsten Abende für alle Freunde jüdischer Musik war das letzte Konzert des Jüdischen Gesangvereines am 7. d. M. im Heim der Zionisten-Revisionisten. Israel B r a n d m a n n, der bekannte Geiger-Komponist und Dirigent, führte den Chor, der Gesänge von Erdstein, Posner, Beck, Rotmüller und Dzimitrofsky zum Vortrag brachte. In Marco Rotmüller lernte man einen begabten Komponisten kennen, der intuitiv und genial die Seele des auf der Heimatscholle Arbeitenden erfaßt-hat. Seine melodiösen, musikalisch sehr wertvollen Arbeiterlieder sind erfüllt vom Atem palästi* nensischen Lebens, der jubelnden Freudigkeit der Heimgekehrten. Große Wirkung erzielte auch das Ghettolied „Handle", ein echtes jüdisches Volkslied. Das Solo sang Ing. K o h n, dessen warme Baritonstimme uns ja von früheren Veranstaltungen her schon bekannt ist. Rudolf Beck, der Komponist, hat mit diesem Liede wirklich Schönes geschaffen und die Literatur der jüdischen Volkslieder bereichert. Dann spielte der bekannte Cellist Theo S a I z m a n n und erzielte mit seinen künstlerisch auf hohem Niveau stehenden Leistungen verdient starken; Beifall. Den unbestritten größten Erfolg hatte ' die Sopranistin Gisa Smctana. Eine ganze helle, klare Stimme, voll und. in der Höhe strahlend, bewies in der Arie der Sulamith aus der Oper „Königin von Saba" ausgezeichnete Schulung. Es ist unbegreiflich, daß der Gesangverein so wenig gefördert wird, um so mehr, alt diese Vereinigung jüdischer Sänger es versteht, ihr Programm immer sehr populär und dem Geschmack der Allgemeinheit angepaßt zu gestalten. Es wäre zu wünschen, daß die einzelnen Korporationen sich dieses Vereines, d«f Förderung dringend braucht, annehmen. Es geht hier um ein jüdisches Kulturwerk, das weder übersehen noch verw nachlässigt werden darf. E. Kreitler* Brilh Trumpeidor (Vom Shilton-Büro in Paris) Shilton: Auf seine Bitte hin ist der Natziv Deutschlands/ A. Reiter, von seinem Amte für zwei Monate dispensiert worden. Zu seinem Stellvertreter ist Pessach Feiwel, Ketzin ha Netzivut, bestimmt worden. — Es sind ausgeschickt worden: Die Zirkulare Nr. 27, 28 und 29, die die Fragen der Wahl der Ali ja, Totzeret Haaretz/ Revisionistenbank in Palästina, Beiarabzeichen aus Totzeret Hajishuv behandeln, und ein Aufruf an die Betarim, die Mitglieder der Union der Zionisten-Revi« sionisten sind, sich mit Dinarim rechtzeitig zu ver^ sorgen. Information: .Tschechoslowakei. Das zentrale Lager findet in der Ostslowakei statt und' wird etwa am 5. Juli beginnen. Im Lager werden Instruktorenkurse durchgeführt werden. D a n z i g. In Beantwortung des Rosh-Betar- Briel'es bezüglich der Prüfungen aus der Hachschara' Hagganatith hat der Netziv Betar die Prüfungen für den 26. Juni in seinem Landessnif angesetzt. — Von neun; Burschen und einem Mädel, die das Palästina-Amt als alijahfähig bestätigt hat, sind sechs . Betarim. — In Danzig werden einzelne Betarim von Kommunisten überfallen und terrorisiert. Der Betar ergreift daher wirksame Gegenmittel. Belgien. Auf Grund des Rosh-Betar-Briefes über die Prüf ungen aus der HachschararHagganatith sind die letzteren für Belgien vom Natziv Spitz für Ende Juni anberaumt worden. Diese Woche finden die Prüfungen der kulturellen Hachschara statt. Polen. Das Palästina-Amt in Polen hat majorisierend, mit einer illegal existierenden linken Majorität, dem Betar nur 4 Prozent der allgemeinen Zahl der Zertifikate, die Polen erhält, zuerkannt. Verschiedene Protestaktionen werden vorbereitet. — Instruktor Klagsbald ist nach Galizien abgereist. Oester rei c Ii. Eine kleine Wassersportgruppe ist in Waen gegründet worden. Die ersten Anfänge der Arbeit sind gemacht worden. Ein Boot wurde angeschafft. Deutschland. Mefaked Ken Eger inspizierte den Ken Leipzig. 30 Chaverim. Für zwei Monate ist dorthin ein Instruktor aus Berlin delegiert worden. Stellvertretender Natziv Feiwel ist für einige Tage zur Inspektion nach Magdeburg gefahren. Totzeret Hajishuv. Die Betaragentur in Palästina (Leiter A. Adari) hat mit der „Palestine Exporter Company" einen Vertrag abgeschlossen, wonach der Betar Palästina-Waren lt. dem Katalog aus dem Lager der Gesellschaft vertreiben wird. Die Ortsgruppen bekommen 5 Prozent, der Shilton lVs Prozent vom Umsatz. _ An alle! Angestellte! Intellektuelle! Studenten! Arbeiter! Tretet ein in die Haganah! Die Haganah ist die jüdische Wehrsport-Bewegung in Wien! Die Aufgabe der Haganah ist klar und deutlich* umschrieben. Sie tritt für Schutz, Recht und Ehre ein und will ihre Aufgabe ohne Vorbehalte erfüllen. Sie ist entschlossen, jede Konsequenz zu ziehen und sich durch nichts auf ihrem Weg beirren zu lassen. Sie will alle Juden um sich scharen im Zeichen des offenen und männlichen Bekenntnisses zum jüdischen Volkstum und zu seinen Rechten als nationale Individualität.. . Die Haganah ist die Vereinigung aller Juden, die, ohne Rücksicht auf den Parteistandpunkt, das Lebensinteresse des Volkes über alles stellen und sich z u r Tat bekennen. Wer für das Recht des jüdischen Volkes auf Freiheit und gleiche Geltung kämpfen will, wem die Ehre des Volkes, die Ehre des jüdischen Namens An die Freunde und Leser des Blattes! Wenn Sie der Ansicht sind, dal) die „New Welt1* ein empfehlenswertes Blatt ist, geben Sie uns freundlichst die Adressen von Freunden und Bekannten an, Wir werden denselben die „Neue Welt" durch mehrere Wochen zur Probe gratis zukommen lassen. Wenn wir ans bei der Werbung auf Sie berufen dürfen, bitte dies ausdrücklich zu bemerken. Aus der Zusendung erwachsen weder Ihnen noch den Empfängern irgend welche Vor* pflichtungen. Die Verwaltung der „Neuen Welt". J

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