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Die neue Welt · 1932-06-17 · Heft 248 (17.6.1932) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 248 (17.6.1932)
Date
1932-06-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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U* DIE NEUE WELT AUS PALÄSTINA W Die wirtschaftliche Lage im Monat Mai Das Bulletin der ,$arkley Bank" vom Ii. Mai enthält einen Bericht über die wirtschaftliche Lage in Palästina. Die Levante-Messe war von Erfolg gekrönt. Der Markt hat sich gehoben. Die Getreidepfeise sind gesunken. Die Nachfrage nach verschiedenen Kolonialwaren ist bedeutend. Auch in Bau- und Eisenwaren ist der Bedarf erheblich gestiegen. Der Import aus England ist gestiegen, der aus Frankreich gesunken. Der Grund hiefür liegt im Sinken des englischen Pfundes. Das Großkraftwerk am Jordan eröffnet Das von Pinchas Rutenberg geschaffene elektrische Großkraftwerk in Abadieh, am Zusammenfluß des Jarmuk mit dem Jordan, dessen Errichtung viereinhalb Jahre in Anspruch nahm und bei dessen Bau 600 jüdische und arabische Arbeiter beschäftigt waren, wurde am 10. Juni vom High Commissioner für Palästina General Sir Arthur Wauchope in Anwesenheit des Emirs Abdullah von Transjordanien und Vertretern der großen jüdischen Körperschaften des Landes eröffnet. Der High Commissioner führte aus, Rütenberg habe sich durch keine wirtschaftlichen oder anderen Schwierigkeiten abhalten lassen, das Werk, das Palästina und seinen unmittelbaren Nachbarländern zum Segen gereichen wird, zu vollenden. Am Schluß seiner Ansprache setzte der High Commissioner durch Druck auf einen Knopf die Turbinen in Bewegung, die die Hochspannungsleitungen speisen, welche das ganze Land mit elektrischer Kraft und mit Licht versorgen. Der Haifa-Hafen wird im Frühjahr 1935 vollendet Es steht nun fest, daß der große Hafen von Haifa im Frühjahr 1933 vollendet sein wird. Die Einweihung des Hafens wird in Gegenwart des Prince of Wales, der sein Erscheinen zugesagt hat, der arabischen Herrscher und der europäischen Kommissäre der Nachbarstaaten vor sich gehen. Mit der Einweihung des Hafens wird eine große Handelsausstellung verbunden sein. Die Verteilung der Palästina-Zertifikate Die Exekutive der Zionistischen Organisation hat die ihr von der Regierung für das laufende Halbjahr zur Verfügung gestellten 2100 Zertifikate für Palästina-Einwanderer auf die einzelnen Länder wie folgt verteilt: Für Polen wurden 980, für Rumänien 131, für Litauen 70, für Rußland 60, für die Jemeniten-Flüchtlinge in Aden 70, für Deutschland 48, für Lettland 40, für Oesterreich 21, für Amerika 26, für die Tschechoslowakei 35, für Griechenland 15, für die Türkei 24 und für andere Länder'tt}e1'lÖ"öäer weniger Zertifikate reserviert; der Rest wird auf bereits eingewanderte Touristen, die sich zum dauernden Aufenthalt in Palästina entschlossen haben, verrechnet. Die erste Legionärskolonie in Palästina Anläßlich der Gründung der ersten Kolonie ehemaliger jüdischer Legionäre, die während des Krieges unter englischer Fahne in Palästina gekämpft haben, fand ein Weiheakt statt, in dessen Mittelpunkt die Pflanzung des ersten Baumes auf dem Boden der Kolonie stand. Der Keren Kajemeth hat 1650 Dunam seines Wadi Havarith-Bodens zur Ansiedlung von 100 Mitgliedern der landwirtschaftlichen Sektion des Verbandes der früheren jüdischen Legionäre hergegeben. Die Siedlung ist im Norden von den Orangenhainen der Kolonie Nathania, im Osten von dem umstrittenen Territorium des Wadi Havarith, im Süden von Nationalfondsboden und im Westen vom Mittelmeer begrenzt. Joseph Wilson, ein früherer Legionär, hielt eine Anihr das Futter. Wie sie das Futter berührte, wurde sie noch nervöser. Sie war geradezu böse auf mich, weil ich mich von meinem Schneider habe betrügen lassen. Sie ließ mich mit dem Mantel in der Hand stehen und ging wütend, ohne Abschiedswort davon. Als ich auf die Straße kam, entledigte ich mich eines tiefen Seufzers und schlug ein schnelleres Tempo zu meinen Schwiegereltern ein. Nach mehreren Schritten kam mir mein Kollege Leo entgegen. „Um Gottes willen", streckte er mir die Hand entgegen, „was bist du so herausgeputzt wie zu einer Trauung? Ein neuer Hut?" „Ja", sagte ich seufzend. „Aus einem Herrenmodegeschäft stammt der Hut?" „Nein, aus einem Fleischerladen." „Was bist du so aufgeregt?" „Ich bin nicht aufgeregt." „Nach einem Regen wird aus ihm ein Waschlappen." „Meinetwegen!" „Ich an deiner Stelle hätte keinen weichen Hut gekauft, sondern einen steifen." „Was für ein Unterschied schon I" „Und abgesehen von allem, scheint mir, ist er dir zu klein für deinen grobschlächtigen Kopf... Und der Mantel ist auch neu?" „Ja." „Nach Maß oder fertig gekauft?" „Bleib' mir gesund, Leo, ich muß jetzt zu meinen Schwiegereltern, hab' keine Zeit für dich. Ich kann dir aber die Adresse meiner Wirtschafterin sagen, die dir die genauesten Auskünfte über meinen Mantel geben wird..." Ich ließ Leo stehen und eilte davon. Vom gegenüerliegenden Trottoir erblickte mich mein Nachbar. Er gab mir zu verstehen, daß er zu mir herüberkomme. Da blieb ich also stehen. Sprache, in der an den Tag erinnerte, an dem die amerikanischen jüdischen Legionäre in Palästina eintrafen, um das Heilige Land befreien zu helfen. Nathan Kaplan, ein Legionär aus Chicago, führte Klage darüber, daß die von den Führern der zionistischen Organisation und der Regierung Palästinas den Legionären gegebenen Versprechungen, ihnen die Ansiedlung in Palästina zu erleichtern und ihnen Siedlungsland zur Verfügung zu stellen, bisher nicht erfüllt worden seien. Es sei nun Pflicht dieser Stellen, ihre Versprechungen zu verwirklichen. Das älteste Mitglied des Verbandes der früheren Legionäre, Israel Rosenberg aus Philadelphia, teilte mit, daß er 100 Pfund für die Grabung eines Brunnens in der Kolonie stifte. Söhne der ersten jüdischen Siedler in Palästina gründen eine neue Kolonie Die Organisation „Bnei Benjamin", die sich aus Söhnen der ersten jüdischen Palästina-Kolonisten zusammensetzt, die bereits die Kolonien Ben Aharon, Herzlia und Nathania begründet hatte, gründete eine neue Kolonie, die den Namen „Yehudia" zur Erinnerung an den verstorbenen berühmten hebräischen Lexikographen und Sprachenerneuerer Elieser Ben Yehuda, dessen zehnter Todestag auf einen der kommenden Chanukah-Tage fällt, führen wird. Die neue Kolonie umfaßt 3000 Dunam Boden. Es werden in ihr vorläufig 100 Kolonistensöhne angesiedelt. Weitere an die Kolonie grenzende 3000 Dunam Boden wurden zur späteren Ansiedlung weiterer Kolonistensöhne reserviert. Die Kolonie ist zwischen Tel Mond und Nathania gelegen. Ihr Boden ist besonders fruchtbar. Die Mittel zum Erwerb des Bodens wurden von Herrn Blum aus Philadelphia, Eigentümer einer Fabrik für künstliche Zähne in Tel Awiw, ferner durch eine von Jttamär Beri-Avi, dem ältesten Sohne Ben Yehudas, geführte . Delegation in Amerika aufgebracht. Stadtratwahlen in Tel-Awiw Die in Tel-Awiw stattgefundenen Stadtratwahlen ergaben das folgende Resultat: Von den fünfzehn Stadtratsitzen errangen die Arbeiterpartei fünf, die vom Bürgermeister D i z e n g o f f geführte Bürgerliste drei, die Liste der polnischen Juden zwei Sitze, die Listen der Hausbesitzer, der Sephardim, des Misrachi, der Revisionisten und der Kleinhändler errangen je einen Sitz. Etwa ein Dutzend Listen standen zur Wahl. Der Hauptkampf spielte sich zwischen der Arbeiterpartei und der Dizengoff-Partei ab. In den letzten Tagen vor der Wahl wurden etwa 100 Wahlversammlungen abgehalten. ' .. ' : Ein neues Attentat auf Tel-Awiv, In der Sitzung der Stadtverwaltung von Tel- Awiw teilte der Bürgermeister Disengoff mit, daß wohlbegründete Gerüchte im. Umlauf sind, wonach die Regierung das Friedensgericht von Tel-Awiw nach. Jaffa verlegen will. Die Regierung begründet diesen Schritt mit dent Mangel eine« entsprechenden Hauses in Tel-Awiw. Disengoff richtete an die Regierung ein pilllllllIIIIIIIIIIIIIM | ^^Reftau^^ | ü | Bestrenommierte Küche im neueröffneten § I GASSENLOKAL 1 ■■^«■■■■^■■■■■■■MiBMMMan ss nDMBHHBHnHHHHBHHHHHI ' gg | II, Hammer-Purgstallgasse Nr. 3 1 Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii^ „Guten Morgen!" rief er mir beim Entgegenkommen zu. „Es paßt Ihnen nicht mehr, sich mit mir zu grüßen. Oho, ein neuer Mantel, ein neuer Anzug, ein neuer Hut, neue Schuhe, eine neue Krawatte! Wieviel kostet die Krawatte?" „Fünf!" „Wirklich? Sie sieht teuer aus! Zeigen die mal her!" „Bitte, schauen Sie sich nur an. Soll ich Ihnen vielleicht den Kaufschein zeigen? Wenn Sie schauen wollen, schauen Sie nur." „Reine Seide?" „Ich weiß nicht!" „Wozu haben Sie solch eine grelle Farbe gewählt?" „Sie hat mir so gefallen!" „Und was sollen die Pünktchen auf der Krawatte?" „Ich hab' gern mit Pünktchen." „Meinen Sie, wird sie sich gut tragen?" „Weiß nicht." „Ich glaube, zu dem Anzug, den Sie tragen, paßt sie nicht." „Von mir aus nicht." * „Zeigen Sie mir die Rückseite!" „Belieben!" „Oho, so soll ich Glück haben, wie die linke Seite schön ist. Ich an Ihrer Stelle würde die Krawatte von der linken Seite tragen. Wollen Sie mit mir wetten, daß ich sie von der linken Seite tragen würde?" Ich bat meinen Nachbar um Entschuldigung, erklärte ihm, daß ich jetzt keine Zeit hätte, zu wetten, weil ich zu meinen Schwiegereltern gehen müßte. Wenn er. wolle, könne er mich am Abend besuchen und mit mir wetten. Als ich meinen Nachbar verließ, senkte ich meinen Kopf, um ja nicht von irgend einem Bekannten erkannt zu werden««« Das half t>ber nichts. Wieder fing mich _ Nr. 2tö Schreiben, in dem gegen diese Absicht protestiert wird. Der Brief enthält auch positive Vorschläge zur Rege. hing der Hausfrage. /i Wiederum Beduinen auf jüdischen Feldern Eine Gruppe Beduinen besetzte mit ihrem Vieh Keren-Ka jemeth-Boden an der Haifa- Bucht. Drei der Beduinen wurden verhaftet. Verurteilung und Ausweisung eines jüdischen Kommunisten Das Gericht in Haifa verurteilte Abraham Friedrich wegen kommunistischer Betätigung zu vier Monaten Gefängnis und zur Ausweisung nach Rußland nach Verbüßung der Haft. Urteil im Mordprozell Stab.l-Zoh.ar Im Prozeß., gegen die Mörder der zwei jungen Juden Johannan Stahl und Frl. Salia Zohar-Goldstein wurde das Urteil gesprochen. Der ältere der beiden Angeklagten, der 20jährige Raschid Abu Sulman, wurde wegen Teilnahme am Doppelmord zu 15 Jahren Gefängnis und zur Zahlung einer Entschädigung itg der Höhe von 50 Pfund an die Familie des Frl. Sali» Zohar-Goldstein verurteilt. Die Familie des Johannan Stahl, die in Deutschland wohnt, erhob keinen Anspruch' auf Entschädigung. Der zweite Angeklagte, der erst 17jährige Salib Sulman, wurde wegen Minderjährigkeit bei Begehnung der Tat freigesprochen. Mord an einem jüdischen Hausierer in Palästina In einer Höhle in der Nähe des arabischen Dorfes Beth Sahar wurde der Leichnam des seit 14 Tagen vermißten jüdischen Hausierers Joseph Levy, eine! üjSepharden, aufgefunden. Levy pflegte seinen Wandem handel in diesem rein arabischen Gebiet auszuüben. Eine im Dorfe Beth, Sahar wohnhafte vierköpfige Beduinen« familie wurde unter dem Verdacht, den Mord begangen zu haben, verhaftet. Schaukat Ali kommt wieder nach Palästina Wie der „Haarez" meldet, wird der bekannte antizionistische Agitator der indischen Mohammedaner, Schaukat Ali, in einigen Wochen Palästina besuchen, um an einer Konferenz des mohammedanischen Rates in' Jerusalem teilzunehmen. Verband der revisionistischen Landwirte ,/Ramat Tiomkin" Bei verschiedenen Gelegenheiten, bei der revisionistischen Weltkonferenz in Prag, bei der Weltkonferenz des Betar in Danzig, u. a. teilten wir bereits Einzelheiten über die Entwicklung unseres Verbandes mit, der seit mehr als drei1 Jähren besteht. Wir wollen' nun kurz die Tätigkeit unseres Verbandes skizzieren. Die Geschichte des Verbandes. Vor dreieinhalb Jahren entstand in Palästina eine Gruppe von Landwirten, Mitglieder der revisionistischen Union und des Betar, die eine Ansiedlung anstrebten. Ein Teil dieser Gruppe erwarb aus eigenen Mitteln Boden in der Nähe der Kolonie R e h o b o t. Der andere Teil, der hauptsächlich aus unbemittelten Mitgliedern, die als landwirtschaftliche Arbeiter in den Kolonien Judaeas,'der Ebene Saaron, im Shomron;' und in Galiläa arbeiteten, bestand, führte Verhandlungen mit dem Jüdischen Nationalfonds und den anderen nationalen Institutionen. Diese Gruppe zählte 36 Mitglieder. Nach vieler Mühe und Ueberwindung unendlicher Schwierigkeiten wurde unser Verband endlich vom Kolonisationsdepartement der Zionistischen Exekutive (Dr. Ruppin) und dem Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds anerkannt. Wir zahlten dem K. K. L. einen Betrag von annähernd 500 pal. Pf., der unter den Mitgliedern unseres Verbandes gesammelt wurde, als Beitrag zur Anschaffung des Bodens für unseren Verband ein. Als Resultat eines schweren Kampfes mit dieser Institueiner meiner Bekannten ab, mit dem ich im vergangenen Sommer auf Landaufenthalt war. „Grüß Sie Gottl" rief er aus, mir einen Schlag auf die Schulter versetzend. „Was hört sich? Was treiben Sie? Ein ganzes Gigerl sind Sie geworden! Einen neuen Mantel?" Wie ich die letzte Frage hörte, stieg mir das Blut in den Kopf und ich antwortete in einem Zug: „Ja, es ist ein neuer Mantel, ein neuer Anzug, ein neuer Hut, neue Lackschuhe und eine neue Krawatte! Den Mantel hab ich fertig gekauft, nicht auf Raten» sondern mit barem Geld. Er ist ein wenig zu kurz, reicht nur bis zu den Knien, ich will ihn aber nicht verlängern lassen. Das Futter ist ganz gewöhnlich, die Schultern sind nicht abgehackt und der Stoff, hat man mir gesagt, ist ein ausländischer. Der Anzug hingegen ist nach Maß. Der Schneider ist unverheiratet. Ich habe zweimal probiert. Die Hosen sind mir nicht zu eng ,die Weste steht mir nicht ab, ich hab' einen etwas zu großen Bauch, aber ich beginne schon abzunehmen. Bier werde ich auch nicht mehr trinken. Beim Probieren sprach ich nicht mit dem Schneider wegen des Bauches. Er ist ein solcher Schneider, der wegen Bauch nicht spricht. Der Hut ist ein „Borsalino", ein garantiert echter „Borsaüno", nicht imitiert. Die Farbe gefällt mir, die Nummer ist richtig, mein Kopf ist ein wenig grobschlächtig, der Regen wird aus dem Hut keinen Waschlappen machen, einen steifen Hut werde ich mir nicht kaufen. Die Krawatte ist punktiert, ich will es so, die Farbe ist reizend — sie gefüllt mir so, wie sie ist; ob es reine Seide ist, weiß ich nicht. Man kann sie auf der linken Seite ebenfalls tragen. Ich kann mit Ihnen wetten I . .', Nun, jetzt wissen Sie schon alles?" Mein Bekannter hörte mit gestielten Augen meinen Monolog an, gab mir einen Tupfer auf die Stirn und fragte mich mitleidig, ob ich schon längere Zeit fiebere. Ich ließ ihn ohne Antwort zurück. Als ich zu meinen Schwiegereltern kam, fi*l i«H in OHnmaehfa

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