Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 248 (17.6.1932)
- Date
- 1932-06-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 248 DIE NEUE WELT Seite 3. mann und II. S. Levncr besteht, schreitet, die Arbeit verheißungsvoll fort. In 11 a 1 i c n, Holla n <1, Griechcnl« n d, Belgien und Amerika hat der Tel-Haj-Gedanke festen Fuß gefaßt. Auch diese Länder haben die Bedeutung des Tel Haj erkannt und entsprechende Pläne für eine intensive, umfassende Propagandatätigkeit ausgearbeitet; * Oesterreich. Spenden sind bis auf weiteres an den Fondskommissär für Oesterreich, Siegfried Graubart, Wien, I, Sterngasse 13, oder an die „Neue Welt" zu. senden. Verschiedene Samraelmittel gelangen in Kürze zur Ausgabe. Braudll Palästina einen jüdischen Selbstschutz Was ein Engländer sagt Sooft von revisionistischer Seite die Forderung nach Selbstschutz .gestellt wurde, versuchten die verschiedentlichen Gruppen des defaitistischen Zionismus dieser Forderung allerlei Motive zu unterschieben. Man schrieb und schrie über die Gefährlichkeit bewaffneter Formationen, über Nachahmung fremder, unjüdischer Sitten, über den Irrsinn eines provozierenden Militarismus und warnte vor den etwaigen Folgen einer solchen Institution. Die Geschichte des jüdischen Jischuv in Palästina, reich genug an brutalen Ueberfällen auf Mensch und Werk, hätte unsere Herren Warner eines besseren belehren können; sie. hätte ihnen deutlich vor Äugen führen können, daß ein jüdischer Selbstschutz als Wacht für Leben und Eigentum besseren und wertvolleren Dienst zu leisten vermag als die ewige Beteuerung des Friedenswillens. Nun kann die jüdische, zionistische Welt aus dem Munde eines Engländers, eines Nichtjuden, der die Verhältisse in Palästina gründlich studiert hat, erfahren, wie t&n mit klarem Blick ausgestatteter Mensch über die Frage, d. ■ h. Notwendigkeit eines . jüdischen Selbstschutzes denkt.1;/ Unter dem Titel „In der Ebene von Saron" schreibt der englische Publizist Hektor Bolito im Londoner „Daily Express": , „Ich bat ein Mitglied '. der arabischen Exekutive, mir unter Zurückstellung seiher Gefühle gegenüber den Juden zu sagen, wie er über den Zionismus denke. Der Araber antwortete mir:,;'Ein Volk beginnt nicht mit Reichtum. Es beginnt mit Tapferkeit. Am Anfang steht Krieg. Die nationale Charakterstärke wird im Kampf und nicht durch Geld erworben. Die Juden werden um das Land kämpfen müssen — -kaufen allein genügt nicht/" Bolito rf£hrt in seiner ^Betrachtung fort: „Sollte dieser Kampf beginnen, danm' bin ich um das Schicksal der Juden ernstlich besorgt. D i e Regierung läßt d. i e J u d en unbewaffnet, während die p:a 1 ä s t iln e-n s i s c h e n Berge voll bewaffneter Araber sind. Das ist-ein unhaltbarer Zu- Herrliches Erholungsheim Hotelpension Schloß Herrenhot, Eichgraben an der W^stbahn, Telephon Nr. 4. Erstklassige Küche, auch Diät, großer Park, eigenes Schwimmbad, Autogarage Weekend, mäßige Preise. Unter Leitung des Besitzers Adolf Bojko, Bowa-Wasser im Hause. Auskunft auch Te^phon Nr. A-13-5-60. stand. Man kann 180.000 Menschen mit westeuropäischer Kultur unter einer Million Araber nicht unbewaffnet lassen." Was sagen unsere Herren „Antimilitaristcn" zu dem Zustand, den ein Engländer als u n h a 11 b r. r bezeichnet? Kaufet den Dinar! Die Union der Z i o n i s t e n - R e v i s i cnisten Oesterreichs verbreitet nachstehende-.: Aufruf: An die Revisionisten Oesterreichs! In wenigen Wochen findet die V. W c 11 k o n - ferenz der Zionisien-Revisionisten statt. Jeder, der die Vorgänge im Zionismus und die Lage des jüdischen Volkes richtig erfaßt bat, wird begreifen, daß diese Konferenz folgenschwere Bedeutung für die Entwicklung des Zionismus ihaben wird. Nicht nur die weiteren Wege des Revisionismus wird diese Konferenz vorzeichnen, als grolle Kundgebung der Judenstaatsidee wird sie beweisen, daß der Herzl-Zionismus nicht nur ideell, sondern auch orgamisatorisch den Machtfaktor darstellt, der berufen und berechtigt ist, die klaren und eindeutigen Forderungen des Herzl-Zionismus in die Tat umzusetzen. Die Zahl der österreichischen Delegierten zur V. Weltkonferenz wird durch die Zahl der in Oesterreich abgesetzten Dinarim bestimmt. Die Revisionisten Oesterreichs, die auf ihre bisher erzielten organisatorischen Erfolge mit Befriedigung hinweisen können, werden auf dieser Konferenz eine maßgebende Gruppe bilden, wenn die Mitglieder nicht nur selbst den Dinar kaufen, sondern dafür sorgen, daß alle revisionistisch eingestellten Zionisten mit Dinarim versorgt werden. Die Leitung der Union der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs hat, um alle Revisionisten voll und ganz in den Dienst der Dinar-Aktion zu stellen, für die Zeit vom 1 9. b i s 2 8. Juni eine Dinar-Woche angesetzt und ersucht ihre Mitglieder, in dieser Zeit den Vertrieb der Aktion als ihre Hauptaufgabe zu behandeln. Die Leitung ist überzeugt, daß die gesamte Mitgliedschaft auch diesmail voll ihrer Verpflichtung nachkommen wird, um so mehr, als der auf S 3 herabgesetzte Preis des Dinars es ermöglicht, alle revisionistisch eingestellten Zionisten zu erfassen. Dinar-Blocks (zu 10 Stück) sowie einzelne Dinarim sind im Sekretariat, IL, Untere Augartenstraße 38, Telephon A 45-6-34, anzufordern. Für die Union der Zionisten^Reyisionisten Oesterreichs: Fritz Richter. v Ing. Robert Stricker. Bei Erkältungen, Grippe, Halsentzündung, Mandelschwellung, sowie Nervenschmerzen und Gliederreißen tut man gut, mit einem halben Glas natürlichen „Franz-Josef'-Bitterwaßser für tägliche Darmentleerung zu sorgen. In Apotheken und Drogerien erhältlich. Aus der jüdischen Welt Ein wirtschaftliches Pro-Palästina-Komitee in Amerika. Am 6. Juni wurde die Gründung eines amerikanischen Wirtsc haftskomitees für Palästina (Economic Committee Pro-Palestine) vollzogen. Das Komitee wird an der Gründung von Unternehmungen mitwirken, deren Ziel es ist, die wirtschaftliche Entwicklung in Palästina zu beschleunigen, und wird solche Unternehmungen beraten. Unmittelbare Aufgabe des Komitees ist es, Finanzkreise und individuelle Kapitalbesitzer zu ermutigen, Investitionen in Palästina zu machen. Richter Julian W. Mack wurde zum Ehrenpräsidenten, I. B. B r od ie zum Präsidenten und Aba Roway zum Sekretär des Economic Committee Pro-Palestine gewählt. , Für S 1.50 Weekend int Dianabad Samstag oder Sonntag den ganien Nachmittag im Wellen-Schwimmbad mit Freiluft» Sonnenbad vorzügliches Dachgarten-Restaurant Familienbad in beiden Schwimmhallen und in einer Abteilung de« Sonnenbades Der Selbstmord der Rekordfliegerin Lena Bernstein. Wie die Agentur Havas aus Biskra meldet, hat die Inhaberin des Weltrekords im Langstveckenflug Lena Bernstein, die in Leipzig als Kind russischjüdischer Eltern geboren und in Frankreich naturalisiert wurde, in Biskra Selbstmord verübt. Die 'Gründe scheinen enttäuschter Ehrgeiz und finanzielle Schwierigkeiten gewesen zu sein. Der Präsident der Wilnner Jüdischen Gemeinde vor Gericht. In der Reihe der Prozesse im Zusammenhang mit dem Wilnaer Pogrom, die nicht gegen dio Pogromanstifter und Huligaus, sondern gegen die geschädigten Juden geführt werden, wird nun auch ein Prozeß gegen den 7 5 j ä h r i g e n Präsidenten der Jüdischen Gemeinde Wilha, den früheren Sejmdeputierten Dr. Wygodski, geführt werden. Wygodski ist angeklagt, in einem Artikel den lieber fall der antisemitischen Studenten auf das Jüdische Studentenheim, dessen Augenzeuge er war, getadelt und in einem zweiten Artikel gegen die Urteilsbegründung im Prozeß Wulfin protestiert zu haben, in der ausgeführt wurde, daß die Juden von feindlichen Gefühlen gegen die Polen beherrscht werden. Wygodski wird Herabsetzung des Ansehen« des Gerichtes vorgeworfen. Zwei Juden in der neuen französischen Regierung. Dem vom Führer der sozialistisch-radikalen Partei in Frankreich, Edouard Hcrriot, gebildeten neuen französischen Kabinett gehören zwei Juden als Minister an: Leon Mayer übernahm das Portefeuille der Handelsflotte und Senator Alexander Israel das Unterstaatssekretariat im Ministerpräsklium. — Dem neuen Kabinett gehören ferner einige französische Staatsmänner, die sich in der Pro-Palästina-Bewegung sehr hervorgetan haben, an; so u. a. der Minister für Hygiene Justin Gpdart, Präsident des Comitc France- Palestine, der Unterrichtsminister Senator de Monzie, der Luftfahrtsminister und frühere Premier Paul Painleve u. a. m. Aueh der Ministerpräsklent und Außenminister Herriot hat sich bei wiederholten Gelegenheiten rückhaltlos für die zionistischen Ziele ausgesprochen. Makkabi in der Türkei verboten. Die türkische Regierung hat die Statuten der jüdischen Sportorganisation Makkabi in der Türkei nicht genehmigt und die Eröffnung jüdischer Sportklubs unter der Aegkle des Makkabi verboten. Die englische Regierung und das Tortursystem in Bessarabien. Colonel Josiah W e d g w o o d richtete im Unterhaus an den Außenminister die Frage, ob er von dem englischen Gesandten in Bukarest oder vom Generalsekretariat des Völkerbundes Informationen über das in Bessarabien herrschende Tortursystem, insbesondere über die M arte r u n g d e s J u den Samson Braunstei n" durch die Polizei in JeclinetZj einholen wolle. An Stelle des abwesenden Außenministers Sir John Simon erwiderte der Unterstaatssekretär für auswärtige Angelegenheiten Captain Eden: Das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten hat eilte offizielle Bestätigung der Behauptung, betreffend. Torturen in Bessarabien, nicht erhalten, aber der Außenminister hat den Gesandten Seiner Majestät in Bukarest ersucht, ihm einen Bericht hierüber zuzustellen. Alif die Bemerkung des konservativen Unterhaiismitglieds Bracken, daß es Gel d v e r s c h w e n d u n g sei, Angelegenheiten, betreffend. Behandlung einzelner ausländischer Biirgei\ zu untersuchen, erwiderte Captain Eden: Gemäß den Friedensverträgen tragen wir mit die V e r« a. n t w o r t u n g für das W o h 1 d c r M i n d e r- ■MMMMMMM^RMUMMM^^ Gott hat ihm zu einem neuen Mantel verholten Humoreske von M, Nadelmann Da meine Schwiegereltern mich zu einem Besuche einluden, kleidete ich mich vom Kopf bis Fuß festtäglich; ich legte einen funkelnagelneuen Anzug an, einen Mantel nitt einem Futter bis hinunter, einen neuen Hut, ein Paar feine Lackschuhe, einen funkelnagelneuen Schlips mit Punkten bespritzt — und machte mich auf den Weg. Als ich aus der Tür heraustrat, kam mir mein Friseur entgegen- »Guten Morgen", stieß er mit hoher Stimme aus. „Sie tragen, seh, e ich, einen neuen Anzug. Knöpfen Sie nur auf, wir wollen mal sehen die Ware. Kammgarn?" „Ja", sage ich, „Kammsfarn." „Fertig gekauft oder nach Maß?" „Nach Maß." „Eigener Stoff für den Schneider?" „Eigener Sje?ff." „Ein tüchtiger Schneider?" „Ja, irgend ein Schneider." „Junggeselle oder verheiratet?" „Junggeselle " „Er näht gut?4' „Sie sehen doch. Gefällt Ihnen clenn seine Arbeit Jucht?" „Keine Rede davon. Wie oft haben Sie probiert?" „Zweimal." „Wirklich? Sie sollen das mV mehr tun. Ein Anzug probieren muß man mindesten» drei bis viermal. Die Aermel sind Ihnen nicht zu kurz?" „Nein/* „Die Werte steht Ihnen, kommt mir vor, ein wenig Urem Bauch weg?l" „Nein, sie steht nicht weg." „Sie sagen, sie steht nicht weg, und ich sage, daß sie Ihnen wegsteht. Ich weiß nicht, wer daran schuld ist, der Bauch oder der Schneider. Sie sollten dazuschauen, daß Sie den Bauch wegkriegen. Zu solchen Westen muß man einen kleineren Bauch haben. Folgen sie mir und trinken Sie kein Bier. Es wundert mich, daß Ihr Schneider Ihnen das nicht gesagt hat. Was für ein Schneider ist das? Ich soll für ihn das Wort führen? Welcher Schneider steht nicht beim Probieren den kleinsten Bauch? Ich will Ihnen die reine Wahrheit sagen, daß ich bereits an den Fähigkeiten Ihres Schneiders zu zweifeln beginne. Es kommt mir vor, daß der Schnitt auch nicht ganz „tojtoj-toj" ist. Und wie steht es mit den Hosen? Es scheint, daß sie Ihnen zu eng sind. Irgendwie können Sie sich nicht bücken. Für den Fall, daß Sie sich bücken, werden sie Ihnen platzen. Der reinste Wohltäter! Wenn sie zu einem Winkelschneider gehen, müssen die Hosen platzen." Als sich mein Friseur von mir verabschiedete, atmete ich freier auf und ging weiter. Beim Straßeneck packte mich die Frau meines Hausherrn an. „Guten Morgen!" „Guten Morgen 1" „Was gibt's Neues bei Ihnen? Sie sind scheint's ein ganzer Elegant geworden 1" „Ja, sollte man glauben", antwortete ich. „Neue Ausstaffierung?" „Ja." "Fertig gekauft oder nach Maß?" „Fertig gekauft!" „Sie dürfen das nie mehr tun. Am besten ist, man kauft sich einen Stoff und geht zum Schneider. Zeigen Sie mal die Ware. Lassen Sie mich sie greifen." „Bitte, greifen Sie." »Wyi glbt'a N$ues j^i Opurf Daa igt scheint!» hitsig«. War«,« - ^vW' ^4 ^,','Ä „Ausländische." „Diese Ware da, lieber Herr, ist vom Ausland genau so, wie meine Urgroßmuter vom Ausland ist. Greifen Sie bei mir, dann werden Sie sehen, was es heißt: ausländische Ware. Quetschen Sie, wieviel sie wollen, es geniert mich nicht. Ich lasse mir nichts Ordinäres machen. Haben Sie einen Begriff, wie oft man schon meinen Stoff gequetscht hat? Und trotzdem ist er noch immer von Eisen. Ich sage Ihnen auf den Kopf zu,, daß mein Material das Ihre überleben wird. Gott soll geben, daß ich mich blamiere'... und ich will die reine Wahrheit sagen, daß mir auch die Arbeit nicht gefällt. Zeigen Sie, haben Sie abgehackte Schultern oder ganze? Drehen Sie sich um!" „Ganze Schultern hab' ich." „So? Dann taugt es zum Krepieren! Wer läßt sich das heutzutage so machen? Solch ein junger Mann wie Sie muß abgehackte Schultern haben. Nicht anders. Und unten, wie fällt es bei Ihnen? Oh, zu kurz. Es geht Ihnen doch nur bis zu den Knien... Sie sehen doch?" „Ja, ich sehe." „Und zum Verlängern ist noch etwas Stoff eingeschlagen?" „Nein." „Was heißt das, nein? Vielleicht wachsen Sie noch ein wenig! Sie sind doch noch ein junger Mensch, noch keine vierzig Jahre alt. Sie wissen, daß Sie noch wachsen können?! „Ich weiß." „Wenn Sie es wissen, weshalb haben Sie sich dann ein solch kurzes Kleidungsstück gekauft? Es tut mir leid um Ihr Geld. Zeigen Sie mir noch das Futter, zeigen Sie!" „Bitte, hier das Futter!" „Nicht, nicht ein Stückchen, sondern das ganze Futter zeigen Sie. Macht nichts, wenn Sie den Mantel in der Hand halten." Es paßte mir nicht, nein zu sagen. Ich zog den Mantel aus, obwohl mich ein Zittern befiel, und ich zeigte.