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Die neue Welt · 1932-06-17 · Heft 248 (17.6.1932) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 248 (17.6.1932)
Date
1932-06-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seile 2 t>iE neue Welt Nr. 248 natürlich in der Judenfrage noch krasser zum Ausdruck kommen. Der Antisemitismus ist zugegebenermaßen das böseste und bitterste Zeichen rassischer und nationaler Spannungen; denn hier äoftefn sich diese so handgreiflich, offenkundig und brutal, daß sie als solche von niemand verkannt werden können. Sooft es irgendwo in der Weif blutige Aeußerungen des Antisemitismus gab, hat die sozuildemokratigche Internationale zur Not etwas von Kulturschande gestammelt und im übrigen die Sache auf sich beruhen lassen. Das ist ihr Verhalten zur Allgemeinform der Jiidenfrrfge, zum internationalen Antisemitismus, gewesen. Aber gleichzeitig spielte sich in ihren eigenen Reihen so manches ab, was von der TnCofie der Ueberwinduhg rassischer^ und -nationaler Gegensätze weit entfernt ist und "was sich 'gewiß mit dem Begriff „Antisimitis.mus" deckt. Es ist nicht von heute, daß im Schoß der Sozialdemokratie ein latender, leidenschaftlicher Kampf gegen eine etwaige „j U d is c h e F ii h r e r s c Ii a f t" vor «ich geht, man denke z. B. an die Polemik Pernerstorfer— Danneberg in der österreichischen Sozialdemokratie, an die blutigen Kämpfe der jüdischen Arbeiter Warschaus, wenn sie zusammen mit ihren polnischen ■ Klassengenoßsen am 1. Mai für den Sozialismus zu demonstrieren wagen, man denke an den Fall, der sich im Schoß der radikaleren Schwester der sozialdemokratischen Partei, der III. .Internationale, abspielte: an den Fall Trotzky, der sich nicht zuletzt durch sein Judesein den Boden unter den Füßen wegzog. Das ist ein umfangreiches, nicht leicht zu erschöpfendes Kapitel Die Judenfrage als Prüfstein der sozialdemokratischen Thesen von Rassenfrieden, den der Sozialismus bringt, ist wieder einmal aus dem Ei geschlüpft: durch einen Vorfall, der sich jüngst in der jungen amerikanischen sozialistischen Beweg u n g ereignet hat. Eine Meldung aus Milwaukee über die letzte sozialistische Konferenz Amerikas bejagt: „Morris Hilquit wurde zum Parteipräsidenten wieder gewählt. Der Wahl ging eine sehr bewegte Auseinandersetzung zwischen der Hilquit unterstützenden Mehrheit und einer Minderheit, die die Wahl .des Bürgermeisters von Milwaukee, Daniel Hoan, wünschte, voraus. Die Redner der. Opposition führten db „amerikanische Frage" und die „Rasse- Frage" ins Treffen. Diesen Rednern trat der bekannte Arbeiterführer und Publizist Haywood Broun entgegen, der es als „beschämend" für die Convention , erklärte, daß in ihr Verfechter antisemitischer . Vorurteile zu Worte kommen dürfen. Er forderte die Convention auf, durch Erheben von den Sitzen kundzutu'n, daß die Sozialistische Partei keine rassischen VHPiViHeile kenne. Die Mehrheit der Delegierten erhob sich, eine Mind e r h e i t b 1 i e b sitze n. Hilquit, der seine Wiederwahl zum Vorsitzenden annahm, fragte seine Gegner, ob der Umstand, daß er in einem nicht amerikanischen Lande'als Kind jüdischer Eltern geboren worden sei, gegen ihn spräche. Ungeachtet des Sieges der Hilquit-Gruppe hinterließ die Art des Auftretens der Opposition in der sozialistischen Oeffentlichkeit einen bitteren Nachgeschmack." Dieser in Amerika gekostete „bittere Nachgeschmack" ist unserem Gaumen nicht fremd. Wir in Europa sind gegen einen Vorfall, wie er dem jüdischen Sozialisten Hilquit passierte, immun, immun durch die zahlreichen Erfahrungen der sozialistischen Geschichte, für die gerade das klassische Land der Sozialdemokratie, die österreichische Republik, die pikantesten Beispiele zu liefern nicht aufhört. Und es klingt wie „Heimatston", wenn das New Yorker jüdische Wochenblatt „Opinion" zum Fall Hilquit bemerkt: „Wenn die Gruppe gegen Hilquit diesen wegen seines Judentums bekämpft, so kann es nur rein aus dem Gesichtswinkel geschehen, daß er als Jude geboren worden sei. Denn Herr Hilquit hat niemals dus leiseste Interesse für jüdisches Leben gezeigt, noch jemals eine Verbindung mit dem jüdischen Volk gehabt. Wir sind wahrhaftig nicht im mindesten über die» Entstehung eines Antisemitismus in der sozialistischen Partei oder anderswo überrascht, deren Weg zum Vergessen des Jude-seins führt, wo nur persönliche Eitelkeit oder Karriere-Aussichten zum Verstecken der jüdischen Abstammung führen," Die Schäbigkeit solcher Gesinnung, wie das New Yorker jüdische Blatt sie konstatiert, und wie wir sie hier bei uns zu beobachten stündlich Gelegenheit haben, wird bestimmt dem Fall Hilquit kein sympathischeres Gepräge geben. Es ist ja wahr, und wir haben es oft genug betont, daß jüdisches Assimilantentum allein schon an und für sich Aversion, Abneigung, auslösen hilft, die dann dem Antisemitismus das Tor öffnet. Aber diese allein berechtigt tu sozialistischem Antisemitismus nicht. Dessen Gründe liegen tiefer. Sie raachen die Perspektiven der „Völkerbefreiung" d'irch die Internationale zunichte. Die Judenfrage muß der Sozialdemokratie, wenn sie keine andere Lösung ausfindig macht, weiter ein Dorn im Fleische bleiben. Das Wort „Saujud", das von amerikanischen Sozialisten einem jüdisch geborenen Sozialistenführer zugerufen wurde, wird mit der Phrase von Rasseneintracht und Völkerfriede nicht erstickt, o. r. Ein Protest! Gegen die willkürliche Auswahl der Palästinas ander et Die „Neue Welt" hat wiederholt darauf verwiesen, daß der Beschluß des Ziopislenkongresses Basel \93lf weichtet der urt^erechtf^fligteni Beherrschung der Palästinasmter durch die Arbeiterpartei „Poale Zion" ein Ende setzen und den anderen zionistischen Parteien einen ihrer Stärke entsprechenden Einfluß einräumen sollte, bis heute nicht durchgeführt ist. So vsincl z. B. in Oesterreich, die Zionisten-Revisionisten, welche bei der Kongreßwahl fünfzig Prozent der Mandate erhielten, im Palästinaamte im Verhältnis eins zu sieben vertreten. In Polen und anderen Landern ist das gleiche Mißverhältnis zu verzeichnen. Jetzt, da die Palästinaämter die Zuweisung der 2000 erteilten Einwanderungszertifikate zu verteilen hat, tritt dieser Mißstand kraß in die Erscheinung. Der Großteil der Zertifikate soll an poale-zionisf isch organisierte Chaluzim vergeben werden, die revisionistisch und anders orientierten Bewerber sollen leer ausgehen oder mit einer lächerlich geringen Zahl abgespeist werden. Eme von den Wiener Revisionisten einberufene große Versammlung am 8. d. M. hat sich mit dieser Frage beschäftigt. Der auf der Durchreise nach Palästina in Wien weilende Führer der Revisionisten Polens, Ingenieur Kuzenok, schilderte den vom Palästinaamte Warschau unternommenen Versuch, der revisionistischen Jugend und den .Mittelstände lern den Weg nach Palästina zu versperren und nur klassenkämpferisch orientierte Gruppen zuzulassen. Die Erregung im Lande ist ungeheuer und wird, wenn nicht Wandel geschaffen wird, zu schweren Ausbrüchen führen. Nach Referaten von Dr. S. W o 1 f und Oberbaurat R. Stricker nahm die Versammlung folgende Entschließung an: „Die versammeitert Zionisten drücken ihre tiefe Empörung darüber aus, daß die vom letzten Zionistenkongreß anbefohlene Reorganisation (1er Palästinaämter bis zur Stunde nicht ausgeführt ist und s a b o t i er t wird. Sie fordern von der Leitung der Zionistischen Weltorganisation die s o f o r t ige Durchführung des Kongreßbeschlusses und pröte- < stieren dagegen, daß ein großer Teil der zionistij sehen Jugend seines R ech tes a u f Palästina; beraubt und die Palästina Wanderung zu einem Monopol der klassenkämpferisch orientierten Gruppen gemacht wird. Sie warnen die, Leitung davor, einen Zustand bestehen zu lassen, der weit über die Kreise der Organisation hinaus ungeheure Erregung, der in der Organisation Ausbrüche der E m p ö r u n g un d Verzw e i fl iin.g hervorrufen muß. Die Leitung der Versammlung wird beauf» tragt, diese Entschließung zu veröffentlichen und besonders den zuständigen Stellen der Zionistischen Weltorganisation zur Kenntnis' zu bringen. Protestaktion der polni§dien Revisionisten Wie die „Neue Welt" in ihrer letzten Nummer ber.chtet hat, haben die Revisionisten Polens einen scharfen Protest, wegen der ungerechten Verteilung der letzten Zertifikate an die jüdische OefFentlichkeit gerichtet und weitete Maßnahmen zur Durchsetzung ihrer Rechte angekündigt. Bekanntlich haben die polnischen Revisionisten, deren Zahl mehr als 30.000 beträgt, vom polnischen Palästina-Amt bloß 4 Prozent aller Zertifikate erhalten. Nunmehr setzt die Union der Zionisten-Revisionisten ihre Protestaktion fort, indem sie der jüdischen Welt mitteilt: „Wir haben davor gewarnt, daß die Ungerechtigkeit des Palästina-Amts uns zwingen wird, Abwehrmittel anzuwenden, die das Prestige .und die Ehre unserer Bewegung zu schützen vermögen. . Leider haben unsere Warnungen nicht die gehörige Wirkung gehabt und wir sehen uns daher gezwungen, das. letzte Mittel zur Verteir^-ng unserer Rechte anzuwenden. Wie schwer es uns auch ankommt, sind wir doch gezwungen, alle unsere Gruppen anzuweisen, jede Arbeit und Unterstützung des Keren Hajessod und Keren Kajemeth einzustellen bis zu , dem Zeit-" punkt, wo die rechtmäßige Ordnung und Zusammen- - ' Stellung des Palästina-Amts -im Einklang mit. den Beschlüssen des 17. Zionisten-Köngfesses durchgeführt * sein wird." Für die jüdische Jugend! Die jüdische Jugend soll treu zu ihrem Volkstum stehen, fähig und bereit "zu jüdischer Selbstwehr, hier und in, Palästina. Der . Fonds, „Tel IIaj", dient der Ausbildung der jüdischen jugerid'' in diesem Geiste. Er' .dient der Unierstützung und. Schaffung ,von Vereinigungen, welche dieses Ziel anstreben, . Es ist kaum notwendig, in einer Zeit jüdischen Volksmartyriums. ausführlich über die Ziele des. „Tel Haj" zu sprechen. Keine Aufgabe ist heutzutage so dringlich und verständlich wie die der Stählung des Körpers und der Sammlung der jüdischen Verteidigungsenergien. Wenn die physische Regeneration des jüdischen Volkes jemals Pflicht war,, so ist sie jetzt zwingendes Gebot. Der Erfolg der jüdischen Befreiungsbewegung und des jüdischen Existenzkampfes gegen den aggressiven Antisemitismus ist zunächst an diese:'Voraussetzung geknüpft: , .l . , '"' Selbstschutz, Wehrfähigkeit, Mut und Entschlossenheit! Das ist auch das Ziel des „Tel-Haj"-Fonds. . „Tel Häj" ist das Symbol jüdischen Mutes und nationaler Widerstandskraft. ' ' Jabotinsky zum „Tel Haj'4 '. ..' „Jeder Jude muH den ftel Haj'-Fonds unterstützen; den.n seine Ziele sind solch«?, die jeder Jude anstrebt. sind die kostbarsten Güter des Lebens *h> der Jugend wie ■insbesondere. ( . im Alter Bewahren und mehren .Sie diese Schätze durch ständige, sorgsame Pflege Ihres Körpers. Das beste Mittel für alle Zwecke der Körperptlege — Einreibungen, Packungen (Umschläge^ Mundwasser usw. — ist Franzbranntwein mit Menthol , . In jedem besseren Geschäft erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich „Diana" und nehmen Sie nur Diana! J . Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen t< •.. welcher Richtung er auch angehören mag. Das erste Ziel ist: In keinem Land darf geschlagen werde n!. Wird.der Versuch, gemacht, so muß sofort nach der ersten halben Stunde erkennbar sein, daß es einfach, p h,y s i s.:c,h u a m ö g l i;c h ist, Juden, ungestraft. anzugreifen. Dazu .muß unsere' Jugend geistig, körperlich, technisch geschult werden. Das zweite Ziel ist: Die Möglichkeit eines friedlichen, ungehemmten Fortschritts der nationalen Arbeit in Erez Israel. Wir haben bereits dreimal gesehen, daß wir den Schutz dieser Arbeit mir selbst besorgen können, daß Vom andern .Schutz' zu -erwarten, vergeblich ist. Wenn man überall in der Gallith' .bereit4 sein muß, so ist das in Palästina hundertmal sö wichtig. Denn dort ist jede Gemeinde ein Schmer* zenskind aller G e m e i n d e n Israels, jedes Haus ein Stück deines, und meines Heims, jeder .Stein ein; Grund*» -stein des Volksheiligtums; Der gahzö Jischuw isteineper-i manente Schlitzarmee auf: dem wichtigsten Punkt unserer ganzen Geschichte seit , dem Untergang. Jeder Jude will den Schutz in'der Gallith und in Erez Israel. Erinnert ihn nur darum, daß Wollen — Turt heißt — Tiin in guten und schlimmen Zeiten: Immer, tag* lieh; mif jener Zähigkeit, die unser größter Stoizi 'däS Geheimnis unserer Dauer ist." ... - Das Direktorium des Fonds Tel /Haj (Keren Tel Haj) ist in London'. Das Zeritralbüro für Europa in Berlin. Die "Aussichten der* Tel-Haj-Arbeit sind überaus günstig, gemessen an dem Widerhall, dein.,ein im April 1. J erlassener, vom Berliner Büro gezeichneter Aufruf gefunden hat. Eine Reihe von Propaganda« Schriften in mehreren Sprachen befindet sich, in Vorbereitung. " In Deutschland'wurden in' vielen' Städten Kommissäre eingesetzt, und zwar in Berlin, Breslau, Beuthen, Hindenburg,' Leipzig, Königsberg, Magdeburg, Hannover und Frankfurt a. M. In Oesterreich steht aif der Spitze eines provisorischen Komitees Herr .Siegfried Graubart, der seine Arbeit zur Konstituierung eines permanenten ,TeI-IIaj-Komitees energisch in Angriff genommen hat. In Polen ist der Tel-Haj bereits zur Volk'ssache geworden. Unter der Leitung eines neugewählten Direktoriums, das aus den Herren Red. N. Finkelstein, IL L. Epstein, ing/ M.. Kohu, pr. Wori-

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